Am Scheideweg....
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Finja Stenfjord
Am Scheideweg....
Da stand ich nun, Finja Stenfjord, Arcomaga der Elementarmagie, Herrin über die Elemente, studiert und hochgebildet, und doch stets im Schatten eines Kollegen, Adligen und geliebten Menschen, dem die hohenfeld’sche Welt zu Füßen lag. Ich hatte die reichstreue Akademie Varunas gegründet, hatte den Konvent des Phönix zum Leben erweckt und war dessen Leiterin gewesen – doch auch das gehörte nun der Vergangenheit an. Alle Ämter hatte ich abgelegt, mich enttäuscht abgewandt und vollständig aus dem Konventsleben zurückgezogen. Nun stand ich hier – am Scheideweg meiner Zukunft.
Nachdenklich ging ich im Zimmer auf und ab, berührte mal hier sanft das Holz eines Bücherregals, dort das grüne Blatt einer Zimmerpflanze. Was sollte ich nun beginnen? Erneut beim obersten magischen Rat um eine Erlaubnis zum Unterrichten ersuchen? Mein Wissen und meine Erfahrung an andere weitergeben und so weiterhin mein Leben zwischen Organisation und Unterricht verbringen, jegliche private Studien durch Zeitmangel unterlassen müssen und selbst geliebten Menschen lediglich zwischen Tür und Angel einen Gruß zuzuwerfen, gehindert an einer Umarmung durch Berge von Akten? Ich hatte es bei Una so erlebt, genauso bei Feoras, zu meinem großen Leidwesen auch bei Calor und nicht zuletzt natürlich bei mir selbst, bis ich diesem Kreis schließlich entronnen war. Daß ich seither Una sowie Feoras und Calor erst recht nicht mehr gesehen hatte, bestärkte mein Gefühl.
Traurig strich ich über die Muscheln auf der Fensterbank. Selbst die Villa Cataracta hatte mir, hatte uns nur einige wenige Tage Zeit und Ruhe für uns selbst geschenkt, dann waren wir vom pulsierenden Leben Varunas wieder gefangen genommen worden und jeder war seiner Wege gegangen. Er als Repräsentant eines ganzen Standes und ich als – als was eigentlich?
Ich legte die Muscheln wieder an ihren Platz zurück und wandte mich um. Ich konnte hier in Varuna versauern oder ich konnte mich auf das besinnen, was ich war – eine Magierin, keine Aktendrohne, gefangen im Standesdünkel einer reichstreuen Magierschaft, die sich von ihrer Umwelt abkapselte, stetig darauf bedacht, ja nicht „alltäglich“ zu werden.
Ein herbstlicher Sonnenstrahl ließ mein Haar hell aufleuchten und als ich diesen Wärmequell spürte, wandte ich mich ihm lächelnd zu. Ich würde dem Studiosus von Wolfenfels noch seinen Wunsch erfüllen und dann aufbrechen, um das Leben von einer anderen Seite kennenzulernen als es einer Priora Princeps möglich gewesen wäre.
Nachdenklich ging ich im Zimmer auf und ab, berührte mal hier sanft das Holz eines Bücherregals, dort das grüne Blatt einer Zimmerpflanze. Was sollte ich nun beginnen? Erneut beim obersten magischen Rat um eine Erlaubnis zum Unterrichten ersuchen? Mein Wissen und meine Erfahrung an andere weitergeben und so weiterhin mein Leben zwischen Organisation und Unterricht verbringen, jegliche private Studien durch Zeitmangel unterlassen müssen und selbst geliebten Menschen lediglich zwischen Tür und Angel einen Gruß zuzuwerfen, gehindert an einer Umarmung durch Berge von Akten? Ich hatte es bei Una so erlebt, genauso bei Feoras, zu meinem großen Leidwesen auch bei Calor und nicht zuletzt natürlich bei mir selbst, bis ich diesem Kreis schließlich entronnen war. Daß ich seither Una sowie Feoras und Calor erst recht nicht mehr gesehen hatte, bestärkte mein Gefühl.
Traurig strich ich über die Muscheln auf der Fensterbank. Selbst die Villa Cataracta hatte mir, hatte uns nur einige wenige Tage Zeit und Ruhe für uns selbst geschenkt, dann waren wir vom pulsierenden Leben Varunas wieder gefangen genommen worden und jeder war seiner Wege gegangen. Er als Repräsentant eines ganzen Standes und ich als – als was eigentlich?
Ich legte die Muscheln wieder an ihren Platz zurück und wandte mich um. Ich konnte hier in Varuna versauern oder ich konnte mich auf das besinnen, was ich war – eine Magierin, keine Aktendrohne, gefangen im Standesdünkel einer reichstreuen Magierschaft, die sich von ihrer Umwelt abkapselte, stetig darauf bedacht, ja nicht „alltäglich“ zu werden.
Ein herbstlicher Sonnenstrahl ließ mein Haar hell aufleuchten und als ich diesen Wärmequell spürte, wandte ich mich ihm lächelnd zu. Ich würde dem Studiosus von Wolfenfels noch seinen Wunsch erfüllen und dann aufbrechen, um das Leben von einer anderen Seite kennenzulernen als es einer Priora Princeps möglich gewesen wäre.
Zuletzt geändert von Finja Stenfjord am Samstag 21. Oktober 2006, 12:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Finja Stenfjord
Einige Tage später lehnte ich mit dem Rücken an der Hauswand in der Herbstsonne und brach gerade einen Apfel in zwei Hälften, die ich dann an die beiden Pferde weiterreichte. Dann nahm ich sich selbst einen Apfel und biß hinein. Es war eine nette Geste des Herrn von Wolfenfels gewesen, mir einen Obstkorb zu senden, nachdem ich ihm am Vorabend oben am Strand vom Wegekreuz seinen Wunsch erfüllt und ihm einige Wasserelementare gezeigt hatte. Lediglich die dem Korb beigefügte Karte hatte mich erneut etwas ins Wanken gebracht. „Vielen Dank für den schönen Abend und die Momente danach,“ hatte sinngemäß darauf gestanden.
Nachdenklich biß ich erneut in ihren Apfel, dann teilte ich eine zweite Frucht für die Pferde.
„... und die Momente danach.“
War es vermessen gewesen, gemeinsam mit dem Zauberlehrling noch eine Flasche Wein zu öffnen, dabei im Sand zu sitzen, Gespräche zu führen und über das Meer zu blicken? Der Wein war stark gewesen, Yarin hatte mich auffangen müssen, als ich beim aufstehen über meinen eigenen Rocksaum gestolpert war. Hatte ich mich da schon kompromittiert oder war es erst geschehen, als ich meine Hand einen Moment zu spät zurückgezogen hatte? In jedem Falle war mein Verhalten absolut undenkbar für eine Priora Princeps gewesen!
Richtig – für eine Priora Princeps.
Ich warf das Kerngehäuse des Apfels in ein Gebüsch an der Stadtmauer und begann zu lächeln. Ich war aber keine Akademieleiterin mehr, die sich mit einem Studenten in einer gar zu leicht mißzuverstehenden Situation befunden hatte. Ich war einfach ich selbst, eine Zauberin, die einen angenehmen Abend mit einem weiteren Zauberer verbracht hatte.
Nachdenklich biß ich erneut in ihren Apfel, dann teilte ich eine zweite Frucht für die Pferde.
„... und die Momente danach.“
War es vermessen gewesen, gemeinsam mit dem Zauberlehrling noch eine Flasche Wein zu öffnen, dabei im Sand zu sitzen, Gespräche zu führen und über das Meer zu blicken? Der Wein war stark gewesen, Yarin hatte mich auffangen müssen, als ich beim aufstehen über meinen eigenen Rocksaum gestolpert war. Hatte ich mich da schon kompromittiert oder war es erst geschehen, als ich meine Hand einen Moment zu spät zurückgezogen hatte? In jedem Falle war mein Verhalten absolut undenkbar für eine Priora Princeps gewesen!
Richtig – für eine Priora Princeps.
Ich warf das Kerngehäuse des Apfels in ein Gebüsch an der Stadtmauer und begann zu lächeln. Ich war aber keine Akademieleiterin mehr, die sich mit einem Studenten in einer gar zu leicht mißzuverstehenden Situation befunden hatte. Ich war einfach ich selbst, eine Zauberin, die einen angenehmen Abend mit einem weiteren Zauberer verbracht hatte.
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Finja Stenfjord
Er machte mir den Abschied nicht leichter, ganz im Gegenteil...
Eigentlich war ich nur zur Villa Cataracta hinausgeritten, um noch ein paar meiner Dinge zu holen. Nie hätte ich erwartet, als ich durch den Vorhang trat, ihn dort am Kamin sitzen zu sehen. Die Freude, die sich in seinen Augen spiegelte als er meiner gewahr wurde, wärmte mir das Herz. Was hielt mich, daß ich ihm nicht sofort in die Arme sank? War es das Fehlen jeglicher angedeuteter Aufforderung dazu oder schlicht die Unsicherheit, wie ich ihm in dieser urplötzlich über uns hereingebrochenen Zweisamkeit zu begegnen hatte? Als stände ich neben mir beobachtete ich mich, wie ich mich nach einem Moment des Innehaltens zielstrebig in Bewegung setzte, ihn sacht am Arm berührte und mit zwei gehauchten Küssen rechts und links auf die Wange begrüßte. Er lachte belustigt, aber leise auf. Er erkannte sofort, wo ich mir diese Art der Begrüßung abgeschaut hatte und für einen kurzen Moment sah ich die Sorge in seinen Augen aufflammen, ich könnte tatsächlich die Mascari sein, die sich meiner Gestalt bediente um endlich ihr Ziel zu erreichen. Doch die Belustigung überwog. Und dann bekam ich ihn doch, den eines Feuermagiers würdigen Begrüßungskuß, als er in einer erst flüchtigen Berührung meine Lippen einfing und diesen Kuß schließlich mit einer Leidenschaft vertiefte, ich nur zu gern, doch sanft und nachgiebig, erwiderte.
Wie ich erfuhr, war er im Gegensatz zu mir nicht hier heraus gekommen, um einige Dinge zu holen, sondern um sie hierher zuschaffen und der Enge Varunas für eine Weile zu entfliehen. Ich wurde hellhörig.
„Du möchtest länger hier bleiben?“
Sein Nicken auf meine Frage war nachdenklich und er senkte den Blick auf ein unbestimmtes Ziel auf dem Fußboden.
„Um ehrlich zu sein... Varuna... das Haus ist wunderschön, das alles ist nicht das Problem. Aber ich fühle mich dort gerade einfach nicht wohl. Ich werde den Konvent besuchen, wann immer das mein Amt notwendig macht, aber ansonsten....“
Ich runzelte die Stirn.
„Aber ansonsten?“
„Na ansonsten bleibe ich hier und gehe in den Wäldern spazieren oder an der Küste.“
Nun folgte ich doch seiner leisen Aufforderung, setzte mich jedoch nicht auf die Armlehne seines Sessels, sondern nahm auf seinem Schoß platz und schlang ihm den rechten Arm locker um den Nacken. Mit der Linken hob ich sein Gesicht zu mir. Das war nicht das Verhalten, das ich von ihm erwartet hätte und das sagte ich ihm auch. Ein Erdelementarist vielleicht, vielleicht noch eine Anhängerin des Wassers, wie ich eine war, aber ein heißblütiger Feuerelementarist, der einsam in den Wäldern und an der Küste spazieren ging? Seine Erklärung, daß wir Erzmagier uns allen vier Elementen zu widmen hatten, nahm ich als richtig hin, dennoch beruhigte es mich nicht. Griff das steinerne Ungeheuer nun auch nach seiner Kraft? Seine Antwort beruhigte mich und dennoch tat sie es nicht.
„Der Konvent? Wenn es nur das wäre... nein, es ist etwas anderes. Diese Stadt ist tot. Es ist, als ob der Geist Kra’thors durch den Segen Ihrer Heiligkeit nicht vollkommen gewichen wäre, es rührt und tut sich nichts, einfach gar nichts...“
Der Schauder, der mir bei seinen Worten über den Rücken rann, verursachte mir eine Gänsehaut und sacht strich ich mit den Fingerspitzen über seine Lippen in dem Versuch, wenigstens ein bißchen Trost zu spenden. Falls es ihm half, so doch nicht mir.
„Das macht mir den Abschied noch schwerer,“ murmelte ich und nun war er es, der die Stirn runzelte.
„Was denn nun schon wieder für ein Abschied?“
Ich erklärte ihm, daß ich Reisevorbereitungen für eine Expedition ins ewige Eis getroffen hatte, daß diese Vorbereitungen jedoch noch nicht ganz abgeschlossen seien und ich wohl noch ein paar Tage brauchen würde. Hatte ich vorher schon in meiner Entscheidung, wirklich aufzubrechen zu schwanken begonnen, so machte das Gespräch, daß sich nun entspann, die Situation nicht besser. Was ich denn dort wolle? Die unterschiedlichen Nuancen von „Weiß“ studieren? Natürlich spürte ich hinter seiner Gereiztheit die Angst um mich, doch veranlaßte mich genau dieses Verhalten, an meinem Vorhaben festzuhalten und mich nicht zurück in seinen Schatten zu begeben. Damit gerechnet, daß er schließlich abwinken und seine wahren Gefühle zum Vorschein kommen würden, hatte ich nicht. Als er jedoch die Augen schloß und leise seufzte, klang seine Stimme belegt, als er weitersprach:
„Du hast mich, und ich werde vor Sorge wahnsinnig wenn ich mir vorstelle, daß Fuachteros Norden von A wie Angurer bis Z wie Eis-Zweikopf gefährlich ist...“
Da ich mittlerweile vor ihm kniete hob ich den Kopf von seiner Hand und sah zu ihm auf.
„Ich liebe dich, Calor und noch bin ich hier...“
Ich richtete mich noch etwas weiter auf, so daß ich ihm direkt ins Gesicht sehen konnte.
„Und du weißt, daß du nur tief in den Brunnen schauen mußt, um mich zu finden.“
Er hielt die Augen weiterhin geschlossen, sein Seufzen trieb mir die Tränen in die Augen.
„Noch bist du hier, ja... und nichts würde dich daran hindern, zu bleiben – laß den Eisbären doch einfach ihre Ruhe...“
„Schhhh......“ machte ich leise und strich sanft über seine Wange, der kleine Tropfen, der auf seine Hand perlte war die einzelne Träne, die mir über die Wange rann.
„Du weißt, daß ich hier keine Perspektive habe.“
„Was auch immer du unter Perspektive verstehst...“
Damit hatte er mich getroffen. Was verstand ich denn eigentlich unter Perspektive? Ich versuchte mich mühsam in einer Antwort: „Neues kennenzulernen, Erfahrungen zu machen....“ Mir gingen die Argumente aus. „Was siehst du denn sonst als Perspektive für mich?“ Unglücklich ließ ich mich wieder auf meine Knie zurücksinken. Würde er mir das Argument für mich selbst geben, um zu bleiben?
„Wenn ich mich an die nördlichen Gestade Fuachteros stelle, so ist meine einzige Aussicht ein graues, von weißen Eisbrocken durchzogenes, oft stumzerklüftetes Meer. Wende ich mich um, bestimmt ewiges Weiß die Aussicht. Tolle Aussichten.... Hier? Wir müssen einfach einsehen, daß den Leuten hier Magier einfach nicht wichtig sind, und ich selbst habe mir schon lange abgewöhnt Respekt für irgendwelche magiekundlichen Äußerungen oder magische Operationen zu erwarten. Hierzulande ehrt unser Herrscher öffentlich und in großer Zeremonie seine Gespielin, weil ihre Familie so schön Pferde züchtet, oder heftet Kollege Jagotin ein de und einen Orden an weil er zufällig zur rechten Zeit am rechten Ort war. Der einhändige Ritter Quarius, den nur elfische Heilkunst retten konnte, wer gedenkt seiner? Oder dem Freiherrn von Gryffenhorst, der Varunas Banner vor dem Feind bewahrte?
Nein Finja, hier habe auch ich nichts zu erwarten, aber für mein Leben noch mehr in der reichen Landschaft und bei den vielen Menschen Gerimors als in der ewigen Einsamkeit Fuachteros.
Und schlußendlich habe ich dich.“
Ich schluckte. Und wer gedachte der damaligen Magieschülerin Finja Stenfjord, die damals den Wassergraben um Varuna herum zu Eis gefrieren ließ und so ein erneutes Eindringen in die Stadt überhaupt erst möglich gemacht hatte?
„Du redest ja so, als wollte ich für immer ins ewige Eis gehen,“ erwiderte ich statt dessen.
„Und vielleicht wäre es auch schöner dort, fernab von all diesem hier.... niemand, der dein Können mit Füßen tritt.“
Noch sah ich der aufkeimenden Hoffnung in meinem Herzen voll Mißtrauen entgegen. Nur er und ich, sollte das tatsächlich möglich sein?
„Ich habe doch, zum Drachendung noch mal, einfach nur Angst, daß du tatsächlich für immer da oben bleibst, aber gottverdammt doch nicht freiwillig, sondern als Zierde einer Gletscherspalte, als Eisbärenfutter, gefrorene Statue deiner selbst oder erschlagen von angurischen Wilden in blindem Wahn...“ polterte er los.
„Das wird nicht geschehen,“ antwortete ich rasch und richtete mich wieder etwas auf in dem Versuch, ihn an mich zu ziehen. Mein Herzschlag beschleunigte sich. Würde es wirklich geschehen, daß keine Pflichten mehr unser Zusammen- oder Nichtzusammensein diktieren konnten?
„Schätze, darüber gebietest du nicht.“
Ich schwieg, dann ließ ich ihn wieder los, sank zurück auf meine Knie und seufzte leise. Nur halblaut kam mir dann ein erstes Zugeständnis über die Lippen.
„Was soll ich denn noch erwidern, außer, daß ich noch nicht aufbrechen werde? Du wirst nichts gelten lassen...“
Ich sah zu ihm auf, er schmunzelte – doch es war ein bitteres Schmunzeln.
„Du könntest den Termin einfach auf den Tag verschieben, an dem man hierzulande Magier als das erkennt, was sie sein sollten... mit diesem Abreisetermin wäre ich sehr einverstanden.“
„Also nie...“ erwiderte ich schlicht.
„Du würdest mich doch sicherlich auch nicht bedenkenlos und begeistert auf eine Expedition in den Schlund des Drachenberges auf den südlichen Feuerinseln ziehen lassen....“
Ich lächelte, breitete sich doch die Hoffnung immer weiter in meinem Herzen aus.
„Nein, ich würde mitkommen,“ entgegnete ich mit warmer Stimme und strich sanft über seinen Oberschenkel. „Mit dir an meiner Seite würde ich mich auch ins Zentrum des Feuers wagen.“ Ich, ein Geschöpf, das dem Wasser doch so ähnlich war, fügte ich in Gedanken an und war mir sicher, daß auch er das erkannt hatte. Doch noch hatte ich nicht alle Widerstände überwunden.
„Du weißt, daß ich hier nicht für lange Zeit fort kann.... sonst wäre es keine Frage, wer von uns beiden den zornigen Eisbären zuerst zurechtweist.“
„Was bindet dich?“ fragte ich ihn eindringlich und sah wieder zu ihm auf.
„Der Konvent.“
Die Antwort traf mich wie eine Faust ins Gesicht, doch noch wollte ich der Realität nicht ins Auge sehen.
„Der Konvent. Im Ernst?“ hakte ich fassungslos nach.
„Ja, der Konvent. Der ganze Laden wird im Moment davon zusammengehalten, daß ich ihm meinen Namen geliehen habe, und Feoras und Una hocken stundenlang im Beratungszimmer und versuchen die gebrochenen Räder dieses Karrens zu flicken... wenn ich jetzt auch noch gehe, dann fehlt dem Konvent ein Erzmagier, und damit.... ist halt Schluß.“
Die gebrochenen Räder des Karrens – die Räder, die ich gebrochen hatte. Ich.
„Verstehe....“ murmelte ich leise und eher zu mir selbst. „... die Rivalin ist wahrlich übermächtig.“
Es war vorbei, ich kapitulierte. Es wurde Zeit, Abschied zu nehmen.
Langsam richtete ich mich wieder auf. „Küß mich.... bitte....“ wisperte ich und hob den Kopf.
„Wie...?“ fragte er verdattert, doch schon im selben Moment beugte er sich vor, um meinem Wunsch nachzukommen, offenbar fraglos und gern, doch auch verzweifelt-leidenschaftlich.
Noch während ich ihn küßte, streichelten meine Hände über seine Knie, dann glitten sie zu den Knöpfen meines Kleides, öffneten diese Stück für Stück, um den Stoff schließlich über die Schultern hinabrutschen zu lassen. Wir liebten uns in stiller Verzweiflung im flackernden Feuerschein des Kamins, später noch einmal still und innig oben im breiten Bett der Villa Cataracta. Wir wußten beide, daß wir unsere Wege gehen mußten, wir wußten aber auch, daß das Ende im Verborgenen lag und daß sich selbst das Schicksal durch die Beeinflussung seines Weges leiten ließ.
Eigentlich war ich nur zur Villa Cataracta hinausgeritten, um noch ein paar meiner Dinge zu holen. Nie hätte ich erwartet, als ich durch den Vorhang trat, ihn dort am Kamin sitzen zu sehen. Die Freude, die sich in seinen Augen spiegelte als er meiner gewahr wurde, wärmte mir das Herz. Was hielt mich, daß ich ihm nicht sofort in die Arme sank? War es das Fehlen jeglicher angedeuteter Aufforderung dazu oder schlicht die Unsicherheit, wie ich ihm in dieser urplötzlich über uns hereingebrochenen Zweisamkeit zu begegnen hatte? Als stände ich neben mir beobachtete ich mich, wie ich mich nach einem Moment des Innehaltens zielstrebig in Bewegung setzte, ihn sacht am Arm berührte und mit zwei gehauchten Küssen rechts und links auf die Wange begrüßte. Er lachte belustigt, aber leise auf. Er erkannte sofort, wo ich mir diese Art der Begrüßung abgeschaut hatte und für einen kurzen Moment sah ich die Sorge in seinen Augen aufflammen, ich könnte tatsächlich die Mascari sein, die sich meiner Gestalt bediente um endlich ihr Ziel zu erreichen. Doch die Belustigung überwog. Und dann bekam ich ihn doch, den eines Feuermagiers würdigen Begrüßungskuß, als er in einer erst flüchtigen Berührung meine Lippen einfing und diesen Kuß schließlich mit einer Leidenschaft vertiefte, ich nur zu gern, doch sanft und nachgiebig, erwiderte.
Wie ich erfuhr, war er im Gegensatz zu mir nicht hier heraus gekommen, um einige Dinge zu holen, sondern um sie hierher zuschaffen und der Enge Varunas für eine Weile zu entfliehen. Ich wurde hellhörig.
„Du möchtest länger hier bleiben?“
Sein Nicken auf meine Frage war nachdenklich und er senkte den Blick auf ein unbestimmtes Ziel auf dem Fußboden.
„Um ehrlich zu sein... Varuna... das Haus ist wunderschön, das alles ist nicht das Problem. Aber ich fühle mich dort gerade einfach nicht wohl. Ich werde den Konvent besuchen, wann immer das mein Amt notwendig macht, aber ansonsten....“
Ich runzelte die Stirn.
„Aber ansonsten?“
„Na ansonsten bleibe ich hier und gehe in den Wäldern spazieren oder an der Küste.“
Nun folgte ich doch seiner leisen Aufforderung, setzte mich jedoch nicht auf die Armlehne seines Sessels, sondern nahm auf seinem Schoß platz und schlang ihm den rechten Arm locker um den Nacken. Mit der Linken hob ich sein Gesicht zu mir. Das war nicht das Verhalten, das ich von ihm erwartet hätte und das sagte ich ihm auch. Ein Erdelementarist vielleicht, vielleicht noch eine Anhängerin des Wassers, wie ich eine war, aber ein heißblütiger Feuerelementarist, der einsam in den Wäldern und an der Küste spazieren ging? Seine Erklärung, daß wir Erzmagier uns allen vier Elementen zu widmen hatten, nahm ich als richtig hin, dennoch beruhigte es mich nicht. Griff das steinerne Ungeheuer nun auch nach seiner Kraft? Seine Antwort beruhigte mich und dennoch tat sie es nicht.
„Der Konvent? Wenn es nur das wäre... nein, es ist etwas anderes. Diese Stadt ist tot. Es ist, als ob der Geist Kra’thors durch den Segen Ihrer Heiligkeit nicht vollkommen gewichen wäre, es rührt und tut sich nichts, einfach gar nichts...“
Der Schauder, der mir bei seinen Worten über den Rücken rann, verursachte mir eine Gänsehaut und sacht strich ich mit den Fingerspitzen über seine Lippen in dem Versuch, wenigstens ein bißchen Trost zu spenden. Falls es ihm half, so doch nicht mir.
„Das macht mir den Abschied noch schwerer,“ murmelte ich und nun war er es, der die Stirn runzelte.
„Was denn nun schon wieder für ein Abschied?“
Ich erklärte ihm, daß ich Reisevorbereitungen für eine Expedition ins ewige Eis getroffen hatte, daß diese Vorbereitungen jedoch noch nicht ganz abgeschlossen seien und ich wohl noch ein paar Tage brauchen würde. Hatte ich vorher schon in meiner Entscheidung, wirklich aufzubrechen zu schwanken begonnen, so machte das Gespräch, daß sich nun entspann, die Situation nicht besser. Was ich denn dort wolle? Die unterschiedlichen Nuancen von „Weiß“ studieren? Natürlich spürte ich hinter seiner Gereiztheit die Angst um mich, doch veranlaßte mich genau dieses Verhalten, an meinem Vorhaben festzuhalten und mich nicht zurück in seinen Schatten zu begeben. Damit gerechnet, daß er schließlich abwinken und seine wahren Gefühle zum Vorschein kommen würden, hatte ich nicht. Als er jedoch die Augen schloß und leise seufzte, klang seine Stimme belegt, als er weitersprach:
„Du hast mich, und ich werde vor Sorge wahnsinnig wenn ich mir vorstelle, daß Fuachteros Norden von A wie Angurer bis Z wie Eis-Zweikopf gefährlich ist...“
Da ich mittlerweile vor ihm kniete hob ich den Kopf von seiner Hand und sah zu ihm auf.
„Ich liebe dich, Calor und noch bin ich hier...“
Ich richtete mich noch etwas weiter auf, so daß ich ihm direkt ins Gesicht sehen konnte.
„Und du weißt, daß du nur tief in den Brunnen schauen mußt, um mich zu finden.“
Er hielt die Augen weiterhin geschlossen, sein Seufzen trieb mir die Tränen in die Augen.
„Noch bist du hier, ja... und nichts würde dich daran hindern, zu bleiben – laß den Eisbären doch einfach ihre Ruhe...“
„Schhhh......“ machte ich leise und strich sanft über seine Wange, der kleine Tropfen, der auf seine Hand perlte war die einzelne Träne, die mir über die Wange rann.
„Du weißt, daß ich hier keine Perspektive habe.“
„Was auch immer du unter Perspektive verstehst...“
Damit hatte er mich getroffen. Was verstand ich denn eigentlich unter Perspektive? Ich versuchte mich mühsam in einer Antwort: „Neues kennenzulernen, Erfahrungen zu machen....“ Mir gingen die Argumente aus. „Was siehst du denn sonst als Perspektive für mich?“ Unglücklich ließ ich mich wieder auf meine Knie zurücksinken. Würde er mir das Argument für mich selbst geben, um zu bleiben?
„Wenn ich mich an die nördlichen Gestade Fuachteros stelle, so ist meine einzige Aussicht ein graues, von weißen Eisbrocken durchzogenes, oft stumzerklüftetes Meer. Wende ich mich um, bestimmt ewiges Weiß die Aussicht. Tolle Aussichten.... Hier? Wir müssen einfach einsehen, daß den Leuten hier Magier einfach nicht wichtig sind, und ich selbst habe mir schon lange abgewöhnt Respekt für irgendwelche magiekundlichen Äußerungen oder magische Operationen zu erwarten. Hierzulande ehrt unser Herrscher öffentlich und in großer Zeremonie seine Gespielin, weil ihre Familie so schön Pferde züchtet, oder heftet Kollege Jagotin ein de und einen Orden an weil er zufällig zur rechten Zeit am rechten Ort war. Der einhändige Ritter Quarius, den nur elfische Heilkunst retten konnte, wer gedenkt seiner? Oder dem Freiherrn von Gryffenhorst, der Varunas Banner vor dem Feind bewahrte?
Nein Finja, hier habe auch ich nichts zu erwarten, aber für mein Leben noch mehr in der reichen Landschaft und bei den vielen Menschen Gerimors als in der ewigen Einsamkeit Fuachteros.
Und schlußendlich habe ich dich.“
Ich schluckte. Und wer gedachte der damaligen Magieschülerin Finja Stenfjord, die damals den Wassergraben um Varuna herum zu Eis gefrieren ließ und so ein erneutes Eindringen in die Stadt überhaupt erst möglich gemacht hatte?
„Du redest ja so, als wollte ich für immer ins ewige Eis gehen,“ erwiderte ich statt dessen.
„Und vielleicht wäre es auch schöner dort, fernab von all diesem hier.... niemand, der dein Können mit Füßen tritt.“
Noch sah ich der aufkeimenden Hoffnung in meinem Herzen voll Mißtrauen entgegen. Nur er und ich, sollte das tatsächlich möglich sein?
„Ich habe doch, zum Drachendung noch mal, einfach nur Angst, daß du tatsächlich für immer da oben bleibst, aber gottverdammt doch nicht freiwillig, sondern als Zierde einer Gletscherspalte, als Eisbärenfutter, gefrorene Statue deiner selbst oder erschlagen von angurischen Wilden in blindem Wahn...“ polterte er los.
„Das wird nicht geschehen,“ antwortete ich rasch und richtete mich wieder etwas auf in dem Versuch, ihn an mich zu ziehen. Mein Herzschlag beschleunigte sich. Würde es wirklich geschehen, daß keine Pflichten mehr unser Zusammen- oder Nichtzusammensein diktieren konnten?
„Schätze, darüber gebietest du nicht.“
Ich schwieg, dann ließ ich ihn wieder los, sank zurück auf meine Knie und seufzte leise. Nur halblaut kam mir dann ein erstes Zugeständnis über die Lippen.
„Was soll ich denn noch erwidern, außer, daß ich noch nicht aufbrechen werde? Du wirst nichts gelten lassen...“
Ich sah zu ihm auf, er schmunzelte – doch es war ein bitteres Schmunzeln.
„Du könntest den Termin einfach auf den Tag verschieben, an dem man hierzulande Magier als das erkennt, was sie sein sollten... mit diesem Abreisetermin wäre ich sehr einverstanden.“
„Also nie...“ erwiderte ich schlicht.
„Du würdest mich doch sicherlich auch nicht bedenkenlos und begeistert auf eine Expedition in den Schlund des Drachenberges auf den südlichen Feuerinseln ziehen lassen....“
Ich lächelte, breitete sich doch die Hoffnung immer weiter in meinem Herzen aus.
„Nein, ich würde mitkommen,“ entgegnete ich mit warmer Stimme und strich sanft über seinen Oberschenkel. „Mit dir an meiner Seite würde ich mich auch ins Zentrum des Feuers wagen.“ Ich, ein Geschöpf, das dem Wasser doch so ähnlich war, fügte ich in Gedanken an und war mir sicher, daß auch er das erkannt hatte. Doch noch hatte ich nicht alle Widerstände überwunden.
„Du weißt, daß ich hier nicht für lange Zeit fort kann.... sonst wäre es keine Frage, wer von uns beiden den zornigen Eisbären zuerst zurechtweist.“
„Was bindet dich?“ fragte ich ihn eindringlich und sah wieder zu ihm auf.
„Der Konvent.“
Die Antwort traf mich wie eine Faust ins Gesicht, doch noch wollte ich der Realität nicht ins Auge sehen.
„Der Konvent. Im Ernst?“ hakte ich fassungslos nach.
„Ja, der Konvent. Der ganze Laden wird im Moment davon zusammengehalten, daß ich ihm meinen Namen geliehen habe, und Feoras und Una hocken stundenlang im Beratungszimmer und versuchen die gebrochenen Räder dieses Karrens zu flicken... wenn ich jetzt auch noch gehe, dann fehlt dem Konvent ein Erzmagier, und damit.... ist halt Schluß.“
Die gebrochenen Räder des Karrens – die Räder, die ich gebrochen hatte. Ich.
„Verstehe....“ murmelte ich leise und eher zu mir selbst. „... die Rivalin ist wahrlich übermächtig.“
Es war vorbei, ich kapitulierte. Es wurde Zeit, Abschied zu nehmen.
Langsam richtete ich mich wieder auf. „Küß mich.... bitte....“ wisperte ich und hob den Kopf.
„Wie...?“ fragte er verdattert, doch schon im selben Moment beugte er sich vor, um meinem Wunsch nachzukommen, offenbar fraglos und gern, doch auch verzweifelt-leidenschaftlich.
Noch während ich ihn küßte, streichelten meine Hände über seine Knie, dann glitten sie zu den Knöpfen meines Kleides, öffneten diese Stück für Stück, um den Stoff schließlich über die Schultern hinabrutschen zu lassen. Wir liebten uns in stiller Verzweiflung im flackernden Feuerschein des Kamins, später noch einmal still und innig oben im breiten Bett der Villa Cataracta. Wir wußten beide, daß wir unsere Wege gehen mußten, wir wußten aber auch, daß das Ende im Verborgenen lag und daß sich selbst das Schicksal durch die Beeinflussung seines Weges leiten ließ.
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Finja Stenfjord
Dieses Auf und Ab der Gefühle war selbst für mich, die das ewige Auf und Ab der Gezeiten mehr als kannte, zu viel. Ich floh hinaus in die halbdunklen Gassen Varunas, über den Marktplatz und hinüber in mein Viertel, in dem die Straßenlaternen nicht ganz so hell strahlten und mich die schützende Dunkelheit umfing. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, bemerkte auch der Nachtwächter nicht, daß mein Gesicht feucht war. Ich war froh darum, eine Blöße weniger, die ich mir geben mußte.
Heute früh, noch in den grauen Stunden der Morgendämmerung, war ich in der behaglichen Wärme der Villa Cataracta erwacht, als mir seine Hand sanft über meinen bloßen Rücken streichelte, die Rundung meines Pos liebkoste und dann ihre Wanderung zurück und hinauf zu meinen Schultern fortsetzte. Allzu bereitwillig hatte ich mich durch sein Gewicht ein erneutes Mal in die Kissen drücken lassen, hatte mich vertrauensvoll seiner Wärme und Stärke hingegeben.
Am späten Vormittag schließlich war ich erneut erwacht. Ich war beschwingt und erfrischt durch das Schwimmen im schon herbstlich frischen See vor seinem Anwesen. Der Druck meiner Rivalin schien zumindest in diesen friedlichen Stunden nicht mehr gar so heftig auf mir zu liegen, der gemeinsame Weg wirkte nicht mehr ganz so steinig und unmöglich. Zwar hielt ich noch immer an meinen Reiseplänen fest, doch hatte ich es damit plötzlich nicht mehr eilig.
Beschwingt kehrte ich am Mittag nach Varuna und in mein Haus zurück. Ich fühlte mich herrlich lebendig und war mir sogar sicher, daß selbst meine Bewegungen an diesem Tage weicher wirkten als sonst. Oder wie sollte ich mir sonst erklären, daß der diensthabende Gardist, der sonst einsilbig seine Runden zog, mir heute einen längeren Blick nachwarf?
Schon der kleine harmlose Flirt mit dem Herren von Wolfenfels am gestrigen Tage hatte dafür gesorgt, daß ich mich in meine Zeit als junge, noch nicht pflichtüberladene Studiosa in Tirell zurück erinnert fühlte und jetzt fühlte ich mich so frei wie schon lange nicht mehr. Frei ja, aber nicht ungebunden.
Den ersten, zugebenermaßen freundlichen und rührenden, Dämpfer dieses Tages erhielt ich am frühen Nachmittag, als plötzlich Una vor meiner Tür stand. Ich mußte mir eingestehen, daß der erste Moment wie ein Schock für mich war, verband ich Una doch unwillkürlich mit dem Konvent und machte sie mir dadurch zur Rivalin in meiner Zeit um Calor. Doch glücklicherweise fiel mir diese kleine, puppenhafte Gestalt schon im nächsten Moment stürmisch um den Hals und fegte damit jegliches falsche Mißtrauen beiseite. Ich war gerührt über die wunderschöne Muschel, die sie mir mitbrachte und ohne es zu wissen half sie mir damit ein weiteres Mal, meine überzogenen Empfindungen in die rechten Bahnen zu lenken.
Im Nachhinein wußte ich gar nicht mehr, wie unser Gespräch eigentlich auf Feoras gekommen war. Ich wußte, daß sie oft darunter gelitten hatte, daß der Magus mit gleich zwei Posten am Konvent und vor allem am Hofe stark beschäftigt war und erneut keimte ein bitteres Gefühl in mir auf, als mir der Gedanke kam, daß ich ihre Situation durch das sinnbildliche Zerbrechen der Wagenräder wohl kaum verbessert hatte. War das eigentlich ein allgemeines Schicksal der Frauen, daß sie von Herzen liebten und gleichzeitig von Herzen litten? Doch erfreulicherweise schien ich hier einmal etwas Gutes bewirkt zu haben, hatte ich den beiden durch die vermehrte gemeinsame Arbeit im Konvent wohl wieder zu etwas mehr Nähe und Zeit miteinander verholfen. Ich gratulierte mir im Stillen zu meinem Märthyrertum und lauschte der kleinen bitteren Stimme in meinem Hinterkopf, die mich danach fragte, wieso das eigentlich bei mir nicht funktioniert hatte.
Doch diese Stimme war wohl nicht leise genug gewesen und ich mußte Unas hilflose Versuche, irgendwo in der Dunkelheit der Zukunft ein Licht für Calor und mich anzuzünden, wehrlos über mich ergehen lassen. Ich konnte der kleinen, so zerbrechlich wirkenden Person doch nicht sagen, daß sie es war, sie in Gestalt des Konvents, die Calor in Varuna und damit von mir fern hielten. Nein, das konnte ich nicht! Und so griff ich zum ersten Mal zu einer Lüge um diese kleine Zauberin zu schützen und dem Konvent seinen Erzmagier zu erhalten. Der stille Trost, wenigstens etwas für sie getan zu haben, blieb mir und ich sah ihr noch eine Weile nach, als sie verabschiedete und die Straße hinab ging.
Die Einladung zu Wein und Käse heute Abend traf mich unverhofft, aber erfreute mich herzlich und hob mich aus meiner ruhigen, abwartenden Stimmung heraus. Ich genoß seiner Nähe mit jeder Faser meines Körpers, behielt mir jeden Augenblick im Gedächtnis, wie er zwei Weinpokale und die Käseplatte balancierte und schließlich vor mir abstellte. Sein Lächeln brachte mein Inneres zum schwingen und als er mir zuprostete war ich froh, daß ich schon saß, ich hätte zweifellos weiche Knie bekommen.
Wir schienen einen recht belebten Abend erwischt zu haben, schon kurze Zeit später traf Yarin in Begleitung der Dame ein, die ich neulich abends in der Taverne gesehen hatte und die doch sehr enttäuscht gewirkt hatte, als er mit mir statt mit ihr gegangen war. Dann folgte auch schon Una, die mit der Nasenspitze gerade über die Hecke reichte und uns freudig zuwinkte, kaum, daß sie uns erblickt hatte. Die drei versammelten sich mit an unserem Tisch, nur kurze Zeit später trafen noch Unas - was war er? Cousin? Nun ja, ein Llastobhar, Cathal, der Llastobhar-Ritter, wie ich mir vermerkt hatte - und des Herren von Wolfenfels' Schwester ein, später traf noch Tara Llastobhar dazu. Ich hatte absolut keine Ahnung mehr, wie diese nun zu Una stand, machte mir auch schon lange nicht mehr die Mühe, es herauszufinden zu wollen und hatte mir lediglich gemerkt, daß sie ebenfalls Magierin war - Illusionisten an der Academia Arcana, wenn ich nicht irrte.
Die Gespräche wogten um mich her, einmal traf mich hier ein Wortfetzen wie eine kleine verspielte Welle, einmal da. Ich genoß das Treiben um mich her, folgte keinen bestimmten Gespräch und ließ mich berieseln wie unter einem Wasserfall aus Worten. Irgendetwas mit "Heiraten" stach daraus hervor wie ein spitzer Kiesel - da, noch einmal. Ich warf Una einen undeutbaren Blick zu, auch einen zweiten. Sie und Feoras sprachen übers heiraten? Wie schön, Finja und Calor nicht. Es hatte da mal etwas gegeben, aber den Worten war nichts mehr gefolgt und ich hatte sie als funkelnden Schatz in meinem Herzen eingeschlossen, ganz so wie ein seltenes Juwel, daß man nie besitzen wird. Die Zeit hatte gefehlt, die Gelegenheit - ich wollte nicht weiter darüber nachsinnen. Da just in diesem Moment neben mir Cathal etwas nach oben aufrutschte um die Lücke zu den anderen Anwesenden zu schließen, rutschte ich mit und wand mich dann zu Calor um, schon meinen Mantel etwas zur Seite streifend und ganz in der Erwartung, daß er nun gleich wieder neben mir sitzen würde.
Ich war verwirrt, als dieser jedoch plötzlich aufstand und irgendetwas von seinem Pferd murmelte, den Garten der Weinschenks verließ und sich seinem draussen angebundenen vierbeinigen Begleiter widmete. Dieser Aufbrauch war so unerwartet, daß ich ihm nur verblüfft nachsehen konnte.
Mit jeder Minute, die ich auf seine Rückkehr wartete, schämte ich mich etwas mehr und gleichzeitig wuchs meine Ratlosigkeit. Was war geschehen, daß ich nicht mitbekommen hatte? Wieso ließ mich der sonst so höfliche Magier hier einfach sitzen? Irgendetwas war ganz schrecklich falsch gelaufen und ich zermarterte mir das Gehirn, konnte aber den Grund nicht finden. Ich begann zu stürzen...
Was habe ich falsch gemacht?
Wie peinlich, hier sitzen gelassen zu werden!
Calor, bitte, laß mich nicht allein...?!
Ich war ratlos, das vorher noch plätschernde Geklimpere der Stimmen um mich herum verwandelte sich in einen tosenden Wildwasserbach, in dem ich orientierungslos trieb. Was hatte ich übersehen?!
Als er schließlich dem Nachtwächter sein Pferd übergab und davon ging, stürzte ich endgültig von der hohen Welle der Freude hinab ins harte Wellental. Ich verstand ihn nicht, vielleicht zum ersten Mal überhaupt und die Seifenblase des Glücks, die ich mir in den letzten Stunden zu schillernder Größe aufgeblasen hatte, zerplatzte. Da war er wieder, der Scheideweg, diesmal noch schmerzvoller als zuvor, hatte ich doch gehofft, die richtige Richtung zumindest eingeschlagen zu haben. Nun ging er in die eine, ließ mich los und stieß mich in die andere. Hatte ich erst noch gehofft, daß er mich ein Stück des Weges begleitete und dann ziehen ließ, so lag der Weg nun wieder einsam vor mir. In Ordnung, ich hatte verstanden.
Hart schlug ich unten auf.
Verborgen zu halten, daß ich mich in Schmerzen wandt, überstieg jedoch schnell meine Fähigkeiten, zu sehr war ich Elementaristin, zu wenig Illusionistin. Ich verabschiedete mich.
"Die Zeit verrinnt wie Wasser - und es ist noch eine Menge zu tun."
Dann floh ich hinaus in dunklen, schützenden Gassen Varunas.
Heute früh, noch in den grauen Stunden der Morgendämmerung, war ich in der behaglichen Wärme der Villa Cataracta erwacht, als mir seine Hand sanft über meinen bloßen Rücken streichelte, die Rundung meines Pos liebkoste und dann ihre Wanderung zurück und hinauf zu meinen Schultern fortsetzte. Allzu bereitwillig hatte ich mich durch sein Gewicht ein erneutes Mal in die Kissen drücken lassen, hatte mich vertrauensvoll seiner Wärme und Stärke hingegeben.
Am späten Vormittag schließlich war ich erneut erwacht. Ich war beschwingt und erfrischt durch das Schwimmen im schon herbstlich frischen See vor seinem Anwesen. Der Druck meiner Rivalin schien zumindest in diesen friedlichen Stunden nicht mehr gar so heftig auf mir zu liegen, der gemeinsame Weg wirkte nicht mehr ganz so steinig und unmöglich. Zwar hielt ich noch immer an meinen Reiseplänen fest, doch hatte ich es damit plötzlich nicht mehr eilig.
Beschwingt kehrte ich am Mittag nach Varuna und in mein Haus zurück. Ich fühlte mich herrlich lebendig und war mir sogar sicher, daß selbst meine Bewegungen an diesem Tage weicher wirkten als sonst. Oder wie sollte ich mir sonst erklären, daß der diensthabende Gardist, der sonst einsilbig seine Runden zog, mir heute einen längeren Blick nachwarf?
Schon der kleine harmlose Flirt mit dem Herren von Wolfenfels am gestrigen Tage hatte dafür gesorgt, daß ich mich in meine Zeit als junge, noch nicht pflichtüberladene Studiosa in Tirell zurück erinnert fühlte und jetzt fühlte ich mich so frei wie schon lange nicht mehr. Frei ja, aber nicht ungebunden.
Den ersten, zugebenermaßen freundlichen und rührenden, Dämpfer dieses Tages erhielt ich am frühen Nachmittag, als plötzlich Una vor meiner Tür stand. Ich mußte mir eingestehen, daß der erste Moment wie ein Schock für mich war, verband ich Una doch unwillkürlich mit dem Konvent und machte sie mir dadurch zur Rivalin in meiner Zeit um Calor. Doch glücklicherweise fiel mir diese kleine, puppenhafte Gestalt schon im nächsten Moment stürmisch um den Hals und fegte damit jegliches falsche Mißtrauen beiseite. Ich war gerührt über die wunderschöne Muschel, die sie mir mitbrachte und ohne es zu wissen half sie mir damit ein weiteres Mal, meine überzogenen Empfindungen in die rechten Bahnen zu lenken.
Im Nachhinein wußte ich gar nicht mehr, wie unser Gespräch eigentlich auf Feoras gekommen war. Ich wußte, daß sie oft darunter gelitten hatte, daß der Magus mit gleich zwei Posten am Konvent und vor allem am Hofe stark beschäftigt war und erneut keimte ein bitteres Gefühl in mir auf, als mir der Gedanke kam, daß ich ihre Situation durch das sinnbildliche Zerbrechen der Wagenräder wohl kaum verbessert hatte. War das eigentlich ein allgemeines Schicksal der Frauen, daß sie von Herzen liebten und gleichzeitig von Herzen litten? Doch erfreulicherweise schien ich hier einmal etwas Gutes bewirkt zu haben, hatte ich den beiden durch die vermehrte gemeinsame Arbeit im Konvent wohl wieder zu etwas mehr Nähe und Zeit miteinander verholfen. Ich gratulierte mir im Stillen zu meinem Märthyrertum und lauschte der kleinen bitteren Stimme in meinem Hinterkopf, die mich danach fragte, wieso das eigentlich bei mir nicht funktioniert hatte.
Doch diese Stimme war wohl nicht leise genug gewesen und ich mußte Unas hilflose Versuche, irgendwo in der Dunkelheit der Zukunft ein Licht für Calor und mich anzuzünden, wehrlos über mich ergehen lassen. Ich konnte der kleinen, so zerbrechlich wirkenden Person doch nicht sagen, daß sie es war, sie in Gestalt des Konvents, die Calor in Varuna und damit von mir fern hielten. Nein, das konnte ich nicht! Und so griff ich zum ersten Mal zu einer Lüge um diese kleine Zauberin zu schützen und dem Konvent seinen Erzmagier zu erhalten. Der stille Trost, wenigstens etwas für sie getan zu haben, blieb mir und ich sah ihr noch eine Weile nach, als sie verabschiedete und die Straße hinab ging.
Die Einladung zu Wein und Käse heute Abend traf mich unverhofft, aber erfreute mich herzlich und hob mich aus meiner ruhigen, abwartenden Stimmung heraus. Ich genoß seiner Nähe mit jeder Faser meines Körpers, behielt mir jeden Augenblick im Gedächtnis, wie er zwei Weinpokale und die Käseplatte balancierte und schließlich vor mir abstellte. Sein Lächeln brachte mein Inneres zum schwingen und als er mir zuprostete war ich froh, daß ich schon saß, ich hätte zweifellos weiche Knie bekommen.
Wir schienen einen recht belebten Abend erwischt zu haben, schon kurze Zeit später traf Yarin in Begleitung der Dame ein, die ich neulich abends in der Taverne gesehen hatte und die doch sehr enttäuscht gewirkt hatte, als er mit mir statt mit ihr gegangen war. Dann folgte auch schon Una, die mit der Nasenspitze gerade über die Hecke reichte und uns freudig zuwinkte, kaum, daß sie uns erblickt hatte. Die drei versammelten sich mit an unserem Tisch, nur kurze Zeit später trafen noch Unas - was war er? Cousin? Nun ja, ein Llastobhar, Cathal, der Llastobhar-Ritter, wie ich mir vermerkt hatte - und des Herren von Wolfenfels' Schwester ein, später traf noch Tara Llastobhar dazu. Ich hatte absolut keine Ahnung mehr, wie diese nun zu Una stand, machte mir auch schon lange nicht mehr die Mühe, es herauszufinden zu wollen und hatte mir lediglich gemerkt, daß sie ebenfalls Magierin war - Illusionisten an der Academia Arcana, wenn ich nicht irrte.
Die Gespräche wogten um mich her, einmal traf mich hier ein Wortfetzen wie eine kleine verspielte Welle, einmal da. Ich genoß das Treiben um mich her, folgte keinen bestimmten Gespräch und ließ mich berieseln wie unter einem Wasserfall aus Worten. Irgendetwas mit "Heiraten" stach daraus hervor wie ein spitzer Kiesel - da, noch einmal. Ich warf Una einen undeutbaren Blick zu, auch einen zweiten. Sie und Feoras sprachen übers heiraten? Wie schön, Finja und Calor nicht. Es hatte da mal etwas gegeben, aber den Worten war nichts mehr gefolgt und ich hatte sie als funkelnden Schatz in meinem Herzen eingeschlossen, ganz so wie ein seltenes Juwel, daß man nie besitzen wird. Die Zeit hatte gefehlt, die Gelegenheit - ich wollte nicht weiter darüber nachsinnen. Da just in diesem Moment neben mir Cathal etwas nach oben aufrutschte um die Lücke zu den anderen Anwesenden zu schließen, rutschte ich mit und wand mich dann zu Calor um, schon meinen Mantel etwas zur Seite streifend und ganz in der Erwartung, daß er nun gleich wieder neben mir sitzen würde.
Ich war verwirrt, als dieser jedoch plötzlich aufstand und irgendetwas von seinem Pferd murmelte, den Garten der Weinschenks verließ und sich seinem draussen angebundenen vierbeinigen Begleiter widmete. Dieser Aufbrauch war so unerwartet, daß ich ihm nur verblüfft nachsehen konnte.
Mit jeder Minute, die ich auf seine Rückkehr wartete, schämte ich mich etwas mehr und gleichzeitig wuchs meine Ratlosigkeit. Was war geschehen, daß ich nicht mitbekommen hatte? Wieso ließ mich der sonst so höfliche Magier hier einfach sitzen? Irgendetwas war ganz schrecklich falsch gelaufen und ich zermarterte mir das Gehirn, konnte aber den Grund nicht finden. Ich begann zu stürzen...
Was habe ich falsch gemacht?
Wie peinlich, hier sitzen gelassen zu werden!
Calor, bitte, laß mich nicht allein...?!
Ich war ratlos, das vorher noch plätschernde Geklimpere der Stimmen um mich herum verwandelte sich in einen tosenden Wildwasserbach, in dem ich orientierungslos trieb. Was hatte ich übersehen?!
Als er schließlich dem Nachtwächter sein Pferd übergab und davon ging, stürzte ich endgültig von der hohen Welle der Freude hinab ins harte Wellental. Ich verstand ihn nicht, vielleicht zum ersten Mal überhaupt und die Seifenblase des Glücks, die ich mir in den letzten Stunden zu schillernder Größe aufgeblasen hatte, zerplatzte. Da war er wieder, der Scheideweg, diesmal noch schmerzvoller als zuvor, hatte ich doch gehofft, die richtige Richtung zumindest eingeschlagen zu haben. Nun ging er in die eine, ließ mich los und stieß mich in die andere. Hatte ich erst noch gehofft, daß er mich ein Stück des Weges begleitete und dann ziehen ließ, so lag der Weg nun wieder einsam vor mir. In Ordnung, ich hatte verstanden.
Hart schlug ich unten auf.
Verborgen zu halten, daß ich mich in Schmerzen wandt, überstieg jedoch schnell meine Fähigkeiten, zu sehr war ich Elementaristin, zu wenig Illusionistin. Ich verabschiedete mich.
"Die Zeit verrinnt wie Wasser - und es ist noch eine Menge zu tun."
Dann floh ich hinaus in dunklen, schützenden Gassen Varunas.
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Finja Stenfjord
Eine so miese Nacht hatte ich schon lange nicht mehr gehabt und als ich am Morgen in den Spiegel sah, erblickte ich ein blasses Gesicht mit roten, verquollenen Augen, halb verdeckt von einer Mähne unschön struppigem Haar. Ich beschloß spontan, heute um keinen Preis der Welt einen Schritt vor die Tür zu setzen. Kurz keimte die Hoffnung in mir auf, daß Calor vielleicht zu Besuch käme, doch schob ich diesen Gedanken entschlossen von mir und zog mir im Spiegel eine Fratze. Ich wandte mich schnell ab um nicht sehen zu müssen, wie ich sogleich wieder in mich zusammen sank. Wieso konnte er nur so verdammt unabhängig sein und ich nicht? Er fehlte mir.
Eine halbe Stunde später hatte ich es mir im Badezuber vor dem Kamin gemütlich gemacht, ließ mich vom heißen Wasser umspülen und griff nach einem Buch, daß mir vorhin in die Hände gefallen war. „Elemente – Ihre Auswirkungen auf Menschen und ihr Verhalten untereinander“ lautete der Titel in matter Goldprägung. Ich schlug eine bestimmte Stelle des Buches auf und überlegte. War es Zufall, was hier gerade passierte? Oder war alles von jeher vorbestimmt, gehörten wir doch den wohl gegensätzlichsten Elementen Feuer und Wasser an?
Nachdenklich tippte ich mir mit der Buchkante an die Lippen, als mir ein Gespräch wieder einfiel, das ich vor ein paar Jahren mit Calor geführt hatte, just zu der Zeit, als aus Freundschaft und Bewunderung allmählich Liebe geworden war.
„Auch wenn die Gefahr besteht, daß das Wasser in der Hitze des Feuers gänzlich vergeht oder mächtige Wogen den Brand vollständig löschen – ich bin gern bereit, dieses Risiko mit dir einzugehen.“
So oder so ähnlich hatte ich damals gesprochen. War es jetzt vielleicht soweit? Drohte das eine Element das andere zu vernichten? Und wenn ja, welches war das eine, welches das andere?
Am nächsten Tag machte ich meine letzten Besorgungen, kaufte den noch fehlenden Vorrat an Hafer für die Pferde und ließ mir bei Frau Leador endlich den warmen Wintermantel schneidern, den ich dringend benötigen würde. Sie fragte mich, ob ich mich auf die Reise freute, aber ich wußte diese Frage nicht wirklich zu beantworten, wollte vielleicht auch nicht darüber nachdenken.
Aber ob ich mich nun freute oder nicht, ich war reisefertig und würde in den nächsten Tagen aufbrechen.
Eine halbe Stunde später hatte ich es mir im Badezuber vor dem Kamin gemütlich gemacht, ließ mich vom heißen Wasser umspülen und griff nach einem Buch, daß mir vorhin in die Hände gefallen war. „Elemente – Ihre Auswirkungen auf Menschen und ihr Verhalten untereinander“ lautete der Titel in matter Goldprägung. Ich schlug eine bestimmte Stelle des Buches auf und überlegte. War es Zufall, was hier gerade passierte? Oder war alles von jeher vorbestimmt, gehörten wir doch den wohl gegensätzlichsten Elementen Feuer und Wasser an?
Nachdenklich tippte ich mir mit der Buchkante an die Lippen, als mir ein Gespräch wieder einfiel, das ich vor ein paar Jahren mit Calor geführt hatte, just zu der Zeit, als aus Freundschaft und Bewunderung allmählich Liebe geworden war.
„Auch wenn die Gefahr besteht, daß das Wasser in der Hitze des Feuers gänzlich vergeht oder mächtige Wogen den Brand vollständig löschen – ich bin gern bereit, dieses Risiko mit dir einzugehen.“
So oder so ähnlich hatte ich damals gesprochen. War es jetzt vielleicht soweit? Drohte das eine Element das andere zu vernichten? Und wenn ja, welches war das eine, welches das andere?
Am nächsten Tag machte ich meine letzten Besorgungen, kaufte den noch fehlenden Vorrat an Hafer für die Pferde und ließ mir bei Frau Leador endlich den warmen Wintermantel schneidern, den ich dringend benötigen würde. Sie fragte mich, ob ich mich auf die Reise freute, aber ich wußte diese Frage nicht wirklich zu beantworten, wollte vielleicht auch nicht darüber nachdenken.
Aber ob ich mich nun freute oder nicht, ich war reisefertig und würde in den nächsten Tagen aufbrechen.
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Finja Stenfjord
Auf zu neuen Ufern...
Wenige Tage später lud ich die letzten Gepäckstücke auf meine treue Schimmelstute Schaumkrone und zog die letzten Riemen des Packsattels fest. Ich hatte einiges dabei – Kleidung, warme Decken, Verpflegung für mich und die Tiere. Ich wußte, daß das Volk der Anguren Angst vor Magiern hatte und dazu neigte, ohne Sinn und Verstand auf alles einzuprügeln, was auch nur im entferntesten nach magischer Begabung roch. Ich hatte also beschlossen, nach Möglichkeit auf jedes Wirken von Magie zu verzichten. Es würde eine zusätzliche neue Erfahrung werden. Aber schließlich hatte ich es ja auch 25 Jahre meines Lebens ohne Magie ausgehalten, da würden ein paar Wochen mehr oder weniger wohl auch kein Problem darstellen.
Ich drehte den Schlüssel im Schloß meiner Stadtwohnung um, versteckte ihn an seinem Platz unter der Regenrinne, schwang mich in den Sattel meines Mustangs und griff nach dem Führstrick des Schimmels. Dann verließ ich Varuna, ohne zurückzusehen. In zwei Stunden würde mein Schiff in Berchgard in See stechen.
Je näher ich dem Hafen kam, desto schwerer wurde mir das Herz. Ich brauchte nur den Hafen zu meiner rechten liegen lassen und dem Weg weiter folgen und ich würde die Villa Cataracta erreichen. Sicher wäre er dort und würde mich.... In die Arme schließen? Wohl kaum. Warum sollte er mich in die Arme schließen, wenn er mich in Weinschenks Taverne einfach sitzen ließ?
Ich seufzte, als die Sehnsucht meiner Enttäuschung arg zusetzte und meine Traurigkeit noch verstärkte. Wie gern würde ich ihn in die Arme nehmen, ihn wieder bei mir spüren. Von weitem hatte ich ihn noch mal gesehen, wie er in Varuna den Konvent betreten hatte, die Statur hoch aufgerichtet, noch immer die breiten Schultern, schmalen Hüften und den federnden Gang des ehemaligen Kampfmagiers. Er hatte mich nicht gesehen, hatte nicht gesehen, wie ich ihm wie ein Schulmädchen vom offenem Mund hinterher gestarrt hatte...
Ich riß mich zusammen. Dieses Kapitel war beendet, das Buch zugeschlagen, Feuer und Wasser nicht vereinbar. Energisch trieb ich mein Pferd den Weg nach rechts hinunter zum Hafen. Eine Stunde später lag Gerimor hinter mir, ein kräftiger Wind blähte die Segel des Schiffes.
Auf zu neuen Ufern....
Wenige Tage später lud ich die letzten Gepäckstücke auf meine treue Schimmelstute Schaumkrone und zog die letzten Riemen des Packsattels fest. Ich hatte einiges dabei – Kleidung, warme Decken, Verpflegung für mich und die Tiere. Ich wußte, daß das Volk der Anguren Angst vor Magiern hatte und dazu neigte, ohne Sinn und Verstand auf alles einzuprügeln, was auch nur im entferntesten nach magischer Begabung roch. Ich hatte also beschlossen, nach Möglichkeit auf jedes Wirken von Magie zu verzichten. Es würde eine zusätzliche neue Erfahrung werden. Aber schließlich hatte ich es ja auch 25 Jahre meines Lebens ohne Magie ausgehalten, da würden ein paar Wochen mehr oder weniger wohl auch kein Problem darstellen.
Ich drehte den Schlüssel im Schloß meiner Stadtwohnung um, versteckte ihn an seinem Platz unter der Regenrinne, schwang mich in den Sattel meines Mustangs und griff nach dem Führstrick des Schimmels. Dann verließ ich Varuna, ohne zurückzusehen. In zwei Stunden würde mein Schiff in Berchgard in See stechen.
Je näher ich dem Hafen kam, desto schwerer wurde mir das Herz. Ich brauchte nur den Hafen zu meiner rechten liegen lassen und dem Weg weiter folgen und ich würde die Villa Cataracta erreichen. Sicher wäre er dort und würde mich.... In die Arme schließen? Wohl kaum. Warum sollte er mich in die Arme schließen, wenn er mich in Weinschenks Taverne einfach sitzen ließ?
Ich seufzte, als die Sehnsucht meiner Enttäuschung arg zusetzte und meine Traurigkeit noch verstärkte. Wie gern würde ich ihn in die Arme nehmen, ihn wieder bei mir spüren. Von weitem hatte ich ihn noch mal gesehen, wie er in Varuna den Konvent betreten hatte, die Statur hoch aufgerichtet, noch immer die breiten Schultern, schmalen Hüften und den federnden Gang des ehemaligen Kampfmagiers. Er hatte mich nicht gesehen, hatte nicht gesehen, wie ich ihm wie ein Schulmädchen vom offenem Mund hinterher gestarrt hatte...
Ich riß mich zusammen. Dieses Kapitel war beendet, das Buch zugeschlagen, Feuer und Wasser nicht vereinbar. Energisch trieb ich mein Pferd den Weg nach rechts hinunter zum Hafen. Eine Stunde später lag Gerimor hinter mir, ein kräftiger Wind blähte die Segel des Schiffes.
Auf zu neuen Ufern....
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Finja Stenfjord
Fuachtero
Die Überfahrt war in ihren letzten Zügen noch recht stürmisch gewesen, es wehte ein steifer Wind und die ersten Eiszapfen hingen des morgens an den straff gespannten Tauen. Doch dann war endlich der Hafen Fuachteros in Sicht gekommen...
Einige Tage waren seit meiner Ankunft auf der Eisinsel bereits vergangen. Ich hatte im „Wilden Mann“ bei Colin Unterschlupf gefunden, meine beiden Pferde wußte ich gut versorgt im Stall vor den Mauern Andrastes.
Oft saß ich abends mit einem Krug Met in der Ecke der Taverne und lauschte den rauhen Gesprächen um mich her und dieser zwar melodisch, doch fremdklingenden Sprache. Ich verstand nicht, was gesprochen wurde, bemerkte jedoch den ein oder anderen Blick, den man mir, mal neugierig, mal argwöhnisch, zuwarf. Ich bemerkte auch, daß ich rein von der Gestalt her nicht sonderlich auffällig war, war ich doch sehr groß, dabei nicht gerade zierlich und besaß eine helle Haut, wie die meisten Anguren um mich herum auch. Doch die Tatsache, daß ich stets alleine saß, mich mit niemandem unterhielt und auf gelegentliches Angesprochen werden nur fragend nickte, verrieten mich bald als Südländerin.
Bei dem Gedanken, eine Südländerin zu sein, mußte ich unwillkürlich schmunzeln, kam ich doch aus einer sehr nördlichen Gegend und wurde im allgemeinen gern als Nordländerin bezeichnet. Aber für angurische Verhältnisse war vermutlich auch unser Norden noch ein wahres Menek’Ur. Was hatte Calor einst zu mir gesagt? ‚Komm her, du spröde Nordländerin...’ Entschlossen schob ich den Gedanken an ihn beiseite.
Ich war froh, daß Colin, der Wirt, sich auf ein paar Brocken der Handelssprache verstand. Vielleicht würde ich mit seiner Hilfe einen Führer in die nördlicheren Regionen Fuachteros finden.
Die Überfahrt war in ihren letzten Zügen noch recht stürmisch gewesen, es wehte ein steifer Wind und die ersten Eiszapfen hingen des morgens an den straff gespannten Tauen. Doch dann war endlich der Hafen Fuachteros in Sicht gekommen...
Einige Tage waren seit meiner Ankunft auf der Eisinsel bereits vergangen. Ich hatte im „Wilden Mann“ bei Colin Unterschlupf gefunden, meine beiden Pferde wußte ich gut versorgt im Stall vor den Mauern Andrastes.
Oft saß ich abends mit einem Krug Met in der Ecke der Taverne und lauschte den rauhen Gesprächen um mich her und dieser zwar melodisch, doch fremdklingenden Sprache. Ich verstand nicht, was gesprochen wurde, bemerkte jedoch den ein oder anderen Blick, den man mir, mal neugierig, mal argwöhnisch, zuwarf. Ich bemerkte auch, daß ich rein von der Gestalt her nicht sonderlich auffällig war, war ich doch sehr groß, dabei nicht gerade zierlich und besaß eine helle Haut, wie die meisten Anguren um mich herum auch. Doch die Tatsache, daß ich stets alleine saß, mich mit niemandem unterhielt und auf gelegentliches Angesprochen werden nur fragend nickte, verrieten mich bald als Südländerin.
Bei dem Gedanken, eine Südländerin zu sein, mußte ich unwillkürlich schmunzeln, kam ich doch aus einer sehr nördlichen Gegend und wurde im allgemeinen gern als Nordländerin bezeichnet. Aber für angurische Verhältnisse war vermutlich auch unser Norden noch ein wahres Menek’Ur. Was hatte Calor einst zu mir gesagt? ‚Komm her, du spröde Nordländerin...’ Entschlossen schob ich den Gedanken an ihn beiseite.
Ich war froh, daß Colin, der Wirt, sich auf ein paar Brocken der Handelssprache verstand. Vielleicht würde ich mit seiner Hilfe einen Führer in die nördlicheren Regionen Fuachteros finden.
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Finja Stenfjord
Mittlerweile saß ich nun seit ungefähr 2 Wochen in Andraste fest und hatte das abendliche Tavernenleben dort nun wahrlich zur genüge studiert. Colin hob nur noch die Schultern, wenn er meinen eindringlich fragenden Blick auffing und ich mußte die Frage nach einem Führer gar nicht erst stellen, ich wußte auch so, daß sich bisher niemand dazu bereit erklärt hatte, seine Handelsreise wegen einer Südländerin zu unterbrechen. Zwischenzeitlich hatte ich erwogen, einfach auf eigene Faust loszureiten, doch war ich weder so naiv noch dumm zu glauben, daß ich mich in den unendlichen weiten der Eiswüste allein zurechtfinden würde. Irgendwo hinter dem riesigen Gebirge, das hinter Andraste aufragte und dessen Gipfel in den tiefhängenden Wolken verborgen lag, befand sich das kleine Dörfchen Machad. Dorthin wollte ich.
Und dann hatte ich endlich Glück. Ich war ziellos durch Andraste spaziert, um mir die steifgewordenen Beine zu vertreten, als mich ein wahrer Hühne von einem Anguren aus meinen Gedanken aufschreckte, der dort mitten auf der Straße stand, sich den Bart kratzte und mich ganz offenbar beobachtete.
"Dyom ankke!" rief er mir zu, doch da ich bisher nur wenige Brocken angurisch aufgeschnappt hatte blieb mir nichts als mit einem freundlichen "Guten Tag" zu antworten und als unterstreichende Geste mit dem Kopf zu nicken. Als er nun meine Worte wiederholte und sich dabei seine Mundwinkel hoben, beschloß ich, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen.
"Ich.. ich bin Finja... und ich wohne im Moment dort.... Wirt... bei Collin, ja?"
"Letle kkeind teret yksigeyksifl ter frurs kull selv," schallte es mir entgegen und der Hühne winkte ab.
Was hatte er gesagt?
Ich versuchte es erneut, unterstrich meine Worte mit Gesten - Machad, ob er Machad kenne... ich suche einen Führer dorthin.
"Machad? Ah, Machad." Kam die Antwort und der Hühne fackelte nicht lang, wandte sich um und stapfte davon.
Nein, nicht, er konnte mich doch jetzt nicht hier stehen lassen?! Doch als ich begriff, daß er tatsächlich nur ins nächste Haus gegangen war um Stab und Mantel zu holen, packte mich nach den eintönigen Wochen nun fieberhafte Aktivität. Ich durfte ihn jetzt bloß nicht aus den Augen verlieren! Als er - noch immer an seinem Mantel herumfummelnd - wieder auf die Straße trat bedeutete ich ihm also fieberhaft, daß ich noch meine Sachen holen müsse.
"ich hole meine Sachen... bin gleich da, ja? Sachen... Wirt... Taverne.... Moment, ja... ? Moment.... ich komme..."
"Selvog dysom sk an til," gab mir Colin noch mit auf den Weg, doch ich hörte ihn schön nicht mehr. Nur ja jetzt nicht den Anguren verpassen! Doch glücklicherweise betrat er eben in diesem Moment die Taverne und gemeinsam machten wir uns auf zum Stall.
Mein eleganter, roter Mustang Phönix schien im fremd zu sein, aufmerksam betrachtete er sich das Tier, deutete letztendlich auf dessen schlanke Fesseln und zerrte schließlich ein mächtiges Kaltblut aus dem Stall.
"Dunktrwan!" stellte er sein Pferd vor und dabei fiel mir ein, daß ich überhaupt keine Ahnung hatte, wer mein Führer eigentlich war. In meiner Aufregung und Hast, aus Andraste herauszukommen, hatte ich mir noch nicht die Mühe gemacht, da weiter nachzuforschen.
....
Und dann hatte ich endlich Glück. Ich war ziellos durch Andraste spaziert, um mir die steifgewordenen Beine zu vertreten, als mich ein wahrer Hühne von einem Anguren aus meinen Gedanken aufschreckte, der dort mitten auf der Straße stand, sich den Bart kratzte und mich ganz offenbar beobachtete.
"Dyom ankke!" rief er mir zu, doch da ich bisher nur wenige Brocken angurisch aufgeschnappt hatte blieb mir nichts als mit einem freundlichen "Guten Tag" zu antworten und als unterstreichende Geste mit dem Kopf zu nicken. Als er nun meine Worte wiederholte und sich dabei seine Mundwinkel hoben, beschloß ich, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen.
"Ich.. ich bin Finja... und ich wohne im Moment dort.... Wirt... bei Collin, ja?"
"Letle kkeind teret yksigeyksifl ter frurs kull selv," schallte es mir entgegen und der Hühne winkte ab.
Was hatte er gesagt?
Ich versuchte es erneut, unterstrich meine Worte mit Gesten - Machad, ob er Machad kenne... ich suche einen Führer dorthin.
"Machad? Ah, Machad." Kam die Antwort und der Hühne fackelte nicht lang, wandte sich um und stapfte davon.
Nein, nicht, er konnte mich doch jetzt nicht hier stehen lassen?! Doch als ich begriff, daß er tatsächlich nur ins nächste Haus gegangen war um Stab und Mantel zu holen, packte mich nach den eintönigen Wochen nun fieberhafte Aktivität. Ich durfte ihn jetzt bloß nicht aus den Augen verlieren! Als er - noch immer an seinem Mantel herumfummelnd - wieder auf die Straße trat bedeutete ich ihm also fieberhaft, daß ich noch meine Sachen holen müsse.
"ich hole meine Sachen... bin gleich da, ja? Sachen... Wirt... Taverne.... Moment, ja... ? Moment.... ich komme..."
"Selvog dysom sk an til," gab mir Colin noch mit auf den Weg, doch ich hörte ihn schön nicht mehr. Nur ja jetzt nicht den Anguren verpassen! Doch glücklicherweise betrat er eben in diesem Moment die Taverne und gemeinsam machten wir uns auf zum Stall.
Mein eleganter, roter Mustang Phönix schien im fremd zu sein, aufmerksam betrachtete er sich das Tier, deutete letztendlich auf dessen schlanke Fesseln und zerrte schließlich ein mächtiges Kaltblut aus dem Stall.
"Dunktrwan!" stellte er sein Pferd vor und dabei fiel mir ein, daß ich überhaupt keine Ahnung hatte, wer mein Führer eigentlich war. In meiner Aufregung und Hast, aus Andraste herauszukommen, hatte ich mir noch nicht die Mühe gemacht, da weiter nachzuforschen.
....
-
Finja Stenfjord
„Dunktrwan.“
Ich deutet auf sein Pferd.
„Finja Stenfjord.“
Ich deutete auf mich und hielt ihm dann einfach freundlich lächelnd die Hand hin. Er betrachtete mich erstaunt, dann streckte er eine riesige Pranke aus und umschloß damit überaus behutsam meinen Unterarm, um ihn dann sacht auf und ab zu bewegen.
„Hähähä,“ meinte er in einer Art kindischer Begeisterung, dann ließ er mich wieder los, dabei jedoch zumindest den Anklang meines Namens wiederholend. Ich nickte heftig.
„Und du? Wie ist dein Name?“
„Jall! Jall MacAgrona. Aye. Jall.“
„Jall.... freut mich sehr, Jall MacAgrona!“
Jall MacAgrona. Nicht mehr ganz jung, aber mit der Neugier und Begeisterung eines kleinen Jungen, wie mir schien. Daß er einfach auch nur infantil sein könnte, verbot ich mir zu denken und hielt für mich innerlich erneut das Schild mit der Aufschrift „Andere Länder, andere Sitten“ hoch. Das Gesicht fast gänzlich von einem buschigen langen Bart bedeckt, in dem sich die ins Haupthaar geflochtenen Zöpfe fortsetzen, in mehrere Lagen dicke Felle eingehüllt und auf dem Kopf eine riesige Pelzmütze, wirkte er auf mich wie die Inkarnation eines alten Fährtensuchers aus den Berichten, die ich von Calor über seine Ländereien im Wetterbruch erhalten hatte – nur noch nordischer und ungezähmter. In der Hand hielt er einen seltsam behängten und verzierten Stab, an dem allerlei Beiwerk klapperte und klingelte. Ich unterdrückte rasch mein Verlangen danach, wenigstens eine sehr behelfsmäßige kleine magische Analyse dieses Gegenstandes vorzunehmen. Ich kannte Mimire nur aus Büchern und wenn ich es hier wirklich mit solch einer Gestalt zu tun hatte, so konnte ich weder einschätzen, wie und ob er magische Veränderungen um ihn her erkennen, geschweige denn, wie er auf die Enthüllung, daß er eine Magierin vor sich hatte, reagieren würde. Ich beschloß also weiterhin auf jegliche Magie zu verzichten und gab mich einfach nur dem Glücksgefühl hin, nach all der Warterei eine Art Volltreffer gelandet zu haben.
........
Ich deutet auf sein Pferd.
„Finja Stenfjord.“
Ich deutete auf mich und hielt ihm dann einfach freundlich lächelnd die Hand hin. Er betrachtete mich erstaunt, dann streckte er eine riesige Pranke aus und umschloß damit überaus behutsam meinen Unterarm, um ihn dann sacht auf und ab zu bewegen.
„Hähähä,“ meinte er in einer Art kindischer Begeisterung, dann ließ er mich wieder los, dabei jedoch zumindest den Anklang meines Namens wiederholend. Ich nickte heftig.
„Und du? Wie ist dein Name?“
„Jall! Jall MacAgrona. Aye. Jall.“
„Jall.... freut mich sehr, Jall MacAgrona!“
Jall MacAgrona. Nicht mehr ganz jung, aber mit der Neugier und Begeisterung eines kleinen Jungen, wie mir schien. Daß er einfach auch nur infantil sein könnte, verbot ich mir zu denken und hielt für mich innerlich erneut das Schild mit der Aufschrift „Andere Länder, andere Sitten“ hoch. Das Gesicht fast gänzlich von einem buschigen langen Bart bedeckt, in dem sich die ins Haupthaar geflochtenen Zöpfe fortsetzen, in mehrere Lagen dicke Felle eingehüllt und auf dem Kopf eine riesige Pelzmütze, wirkte er auf mich wie die Inkarnation eines alten Fährtensuchers aus den Berichten, die ich von Calor über seine Ländereien im Wetterbruch erhalten hatte – nur noch nordischer und ungezähmter. In der Hand hielt er einen seltsam behängten und verzierten Stab, an dem allerlei Beiwerk klapperte und klingelte. Ich unterdrückte rasch mein Verlangen danach, wenigstens eine sehr behelfsmäßige kleine magische Analyse dieses Gegenstandes vorzunehmen. Ich kannte Mimire nur aus Büchern und wenn ich es hier wirklich mit solch einer Gestalt zu tun hatte, so konnte ich weder einschätzen, wie und ob er magische Veränderungen um ihn her erkennen, geschweige denn, wie er auf die Enthüllung, daß er eine Magierin vor sich hatte, reagieren würde. Ich beschloß also weiterhin auf jegliche Magie zu verzichten und gab mich einfach nur dem Glücksgefühl hin, nach all der Warterei eine Art Volltreffer gelandet zu haben.
........
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Finja Stenfjord
Als er mir plötzlich ein Fellbündel zuwarf und dann auf meinen Mantel deutete, schreckte er mich aus meinen Gedanken auf. Das Bündel entpuppte sich als dicker Fellumhang, offensichtlich hielt er meinen dicken Trolledermantel für nicht ausreichend. Dankbar legte ich mir die Felle um die Schultern, was er mit einem schadenfrohen, kindischen Grinsen in meine Richtung quittierte. Als ich an mir heruntersah, war mir auch der Grund dafür verständlich und ich grinste nicht weniger unverfroren in seine Richtung.
„Ich schätze, ich sehe aus wie ein wandelnder Fellhaufen, hm?“
„Delnderphällhaufn!“ bestätigte mein neuer Freund und wandte sich seinem Kaltblüter zu. Ich tat es ihm nach und zog mich unter dem Gewicht der Felle mühsam in den Sattel meines Mustangs.
Was nun folgte war der wohl eigentümlichste Ritt, den ich bisher erlebt hatte. Anstatt daß das Pferd meines Führers nun brav den Weg eingeschlagen hätte, den er ihm vorgegeben hatte, trottete es zielstrebig in die andere Richtung über die Wiese, um sich an der Rinde eines Baumes gütlich zu tun. Jall, mit steif abgespreizten Beinen und dem seltsam behangenen Stab in der Hand, ließ einen Schwall von Verwünschungen auf den Vierbeiner niederprasseln, zerrte an den Zügeln und brüllte dem Schimmel immer wieder das Wort Machad ins Ohr. Ich wußte im ersten Moment nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, schien die Zuverlässigkeit meines Führers doch einen argen Schlag erlitten zu haben. Doch schließlich erhörte Dunktrwan das Geschimpfe seines Herren und setzte sich folgsam in die angewiesene Richtung in Bewegung.
Wir überquerten die Länderein des Clans MacIora, unterbrochen von einer erneuten Willensäußerung Dunktrwans, begleitet von einer Schimpfkanonade Jalls, als der schwere Gaul es sich nicht nehmen ließ, die letzten Äpfel von einem Apfelbaum zu holen, bevor er sich erneut in Bewegung setzte. So ging es weiter und weiter auf das Gebirge zu, immer wieder unterbrochen von Auseinandersetzungen zwischen Gaul und Reiter, bis der Pfad schließlich unter einer Schneedecke verschwand. Unser Atem schlug weiße Wölkchen in der Luft und ich war froh um die Felle, die Jall mir gegeben hatte, als die Luft immer eisiger wurde.
Es ging weiter stetig bergan, wir bogen um ein paar verschneite Tannen herum und dann lag es vor uns – Machad. Schwere Blockhütten schmiegten sich in den Schnee einer Senke auf dem Bergrücken, Eiszapfen hingen wie Schmuck von den Häuserschilden und überall stieg Rauch aus den Kaminen auf. Jalls Pferd steuerte mit einem Mal erstaunlich zielstrebig auf die kleine Taverne zu und kaum war sein Reiter abgestiegen, warf es sich in den Schnee, um sich ausgiebig zu wälzen. Phönix am Zügel führend konnte ich den wild durch die Luft sausenden Hufen gerade noch rechtzeitig ausweichen.
In der Taverne war es angenehm warm und mein knurrender Magen machte mich recht ausdrücklich darauf aufmerksam, daß ich außer einem Frühstück noch nichts zu mir genommen hatte. Ich stürzte mich also in wilde Verhandlungen mit dem Wirt, mit dem Ausgang, daß ich nicht nur ordentlich zu essen bekam, sondern die nächsten Nächte auch neben seinem Kamin schlafen durfte.
Jall hatte sich mittlerweile mit einem „Slan Agat, Finjia!“ verabschiedet. Ich blieb allein zurück, mit mir, meinen Gedanken und dem kleinen Buch, das geduldig Seite für Seite all meine Erlebnisse, Erinnerungen und Empfindungen für mich aufbewahrte.
„Ich schätze, ich sehe aus wie ein wandelnder Fellhaufen, hm?“
„Delnderphällhaufn!“ bestätigte mein neuer Freund und wandte sich seinem Kaltblüter zu. Ich tat es ihm nach und zog mich unter dem Gewicht der Felle mühsam in den Sattel meines Mustangs.
Was nun folgte war der wohl eigentümlichste Ritt, den ich bisher erlebt hatte. Anstatt daß das Pferd meines Führers nun brav den Weg eingeschlagen hätte, den er ihm vorgegeben hatte, trottete es zielstrebig in die andere Richtung über die Wiese, um sich an der Rinde eines Baumes gütlich zu tun. Jall, mit steif abgespreizten Beinen und dem seltsam behangenen Stab in der Hand, ließ einen Schwall von Verwünschungen auf den Vierbeiner niederprasseln, zerrte an den Zügeln und brüllte dem Schimmel immer wieder das Wort Machad ins Ohr. Ich wußte im ersten Moment nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, schien die Zuverlässigkeit meines Führers doch einen argen Schlag erlitten zu haben. Doch schließlich erhörte Dunktrwan das Geschimpfe seines Herren und setzte sich folgsam in die angewiesene Richtung in Bewegung.
Wir überquerten die Länderein des Clans MacIora, unterbrochen von einer erneuten Willensäußerung Dunktrwans, begleitet von einer Schimpfkanonade Jalls, als der schwere Gaul es sich nicht nehmen ließ, die letzten Äpfel von einem Apfelbaum zu holen, bevor er sich erneut in Bewegung setzte. So ging es weiter und weiter auf das Gebirge zu, immer wieder unterbrochen von Auseinandersetzungen zwischen Gaul und Reiter, bis der Pfad schließlich unter einer Schneedecke verschwand. Unser Atem schlug weiße Wölkchen in der Luft und ich war froh um die Felle, die Jall mir gegeben hatte, als die Luft immer eisiger wurde.
Es ging weiter stetig bergan, wir bogen um ein paar verschneite Tannen herum und dann lag es vor uns – Machad. Schwere Blockhütten schmiegten sich in den Schnee einer Senke auf dem Bergrücken, Eiszapfen hingen wie Schmuck von den Häuserschilden und überall stieg Rauch aus den Kaminen auf. Jalls Pferd steuerte mit einem Mal erstaunlich zielstrebig auf die kleine Taverne zu und kaum war sein Reiter abgestiegen, warf es sich in den Schnee, um sich ausgiebig zu wälzen. Phönix am Zügel führend konnte ich den wild durch die Luft sausenden Hufen gerade noch rechtzeitig ausweichen.
In der Taverne war es angenehm warm und mein knurrender Magen machte mich recht ausdrücklich darauf aufmerksam, daß ich außer einem Frühstück noch nichts zu mir genommen hatte. Ich stürzte mich also in wilde Verhandlungen mit dem Wirt, mit dem Ausgang, daß ich nicht nur ordentlich zu essen bekam, sondern die nächsten Nächte auch neben seinem Kamin schlafen durfte.
Jall hatte sich mittlerweile mit einem „Slan Agat, Finjia!“ verabschiedet. Ich blieb allein zurück, mit mir, meinen Gedanken und dem kleinen Buch, das geduldig Seite für Seite all meine Erlebnisse, Erinnerungen und Empfindungen für mich aufbewahrte.
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Jall-Argayth MacAgrona
Die Gestalt war über eine weite Entfernung zu sehen, wie sie sich mit ausholenden, festen Schritten über die Ebene bewegte. Der Umhang schien dabei mit dem Boden zu verschmelzen, hatte er doch selbst im Zwielicht der Nacht die selbe Farbe wie der Untergrund. Schon seit Stunden war der Schneesturm vergangen gewesen und hatte bei seinem Abzug eine gespenstische Stille zurückgelassen. In den Ebenen gab es selten Tiere, die ihre Anwesenheit laut anpriesen. Es sangen keine Vögel. Hier deutete nur das Heulen der Wölfe in der Entfernung die Existenz von Leben an.
Das monotone Knirschen des Schnees unter seinen schweren Stiefeln war wie ein Herzschlag, dessen Takt die Gedanken des Alten bremste. Ich hätte es sehen müssen... Die Züge des wettergegerbten Gesichts blieben unbeeindruckt von den schwermütigen Gedanken Jalls und starrten nur mit stoischer Ruhe vor sich, während es hinter der Stirn arbeitete. Sie ist eine mit der besonderen Macht... Was sollte er nun tun? War das Wohl des Clans in Gefahr?
Das Bild einer noch voll in der Blüte ihres Lebens stehenden Frau vor Augen, welche sich ihm mit einer Feder anvertraute, ihm Bilder malte, um sein fehlendes Verständnis für ihre Sprache zu überwinden, schüttelte der Alte den Kopf. Ein Gefühl, welches er weder erklären wollte noch bezweifeln brauchte, breitete sich in seinen Erwägungen aus. Sie war fremd und vielleicht gar mächtiger als er in seinem geschwächten Zustand – doch dies konnte das Vertrauen, welches er nun in sie setzte, nicht mehr erschüttern. Sturheit und ein Herz, welches für einen vom Leben gezeichneten Anguren viel zu groß schien, fegten die Zweifel beiseite.
Die massige Gestalt hielt im Gehen inne und blickte zurück, die dünne Linie ihrer Schrittspuren im Schnee entlang bis zum schwarzen Horizont. Machad... ein Ort, welchen er nur ungern besuchte. Finja würde die Stadt so schnell nicht verlassen können, doch Jalls tiefe Verbundenheit zum Clan untersagte ihm zu zahlreiche Besuche in einer Stadt, welche den Namen eines Clanbruders geschmälert hatte. Wie viel Zeit mochte vergehen, bis sein Weg sich wieder mit dem ihrigen kreuzen würde?
Der Weg wurde mit einem leisen Ausseufzen fortgesetzt. Das Knirschen der Stiefel und das Klappern und Klirren der Totems am Stab kündigten den Alten ununterbrochen an, als jener sich zum Gebirge zu seiner Linken wandte. Jall-Argayth wanderte noch bis in die späten Morgenstunden des nächsten Tages weiter, doch war das Gesicht nun gezeichnet von einer tiefen, gutmütigen Entschlossenheit...
Das monotone Knirschen des Schnees unter seinen schweren Stiefeln war wie ein Herzschlag, dessen Takt die Gedanken des Alten bremste. Ich hätte es sehen müssen... Die Züge des wettergegerbten Gesichts blieben unbeeindruckt von den schwermütigen Gedanken Jalls und starrten nur mit stoischer Ruhe vor sich, während es hinter der Stirn arbeitete. Sie ist eine mit der besonderen Macht... Was sollte er nun tun? War das Wohl des Clans in Gefahr?
Das Bild einer noch voll in der Blüte ihres Lebens stehenden Frau vor Augen, welche sich ihm mit einer Feder anvertraute, ihm Bilder malte, um sein fehlendes Verständnis für ihre Sprache zu überwinden, schüttelte der Alte den Kopf. Ein Gefühl, welches er weder erklären wollte noch bezweifeln brauchte, breitete sich in seinen Erwägungen aus. Sie war fremd und vielleicht gar mächtiger als er in seinem geschwächten Zustand – doch dies konnte das Vertrauen, welches er nun in sie setzte, nicht mehr erschüttern. Sturheit und ein Herz, welches für einen vom Leben gezeichneten Anguren viel zu groß schien, fegten die Zweifel beiseite.
Die massige Gestalt hielt im Gehen inne und blickte zurück, die dünne Linie ihrer Schrittspuren im Schnee entlang bis zum schwarzen Horizont. Machad... ein Ort, welchen er nur ungern besuchte. Finja würde die Stadt so schnell nicht verlassen können, doch Jalls tiefe Verbundenheit zum Clan untersagte ihm zu zahlreiche Besuche in einer Stadt, welche den Namen eines Clanbruders geschmälert hatte. Wie viel Zeit mochte vergehen, bis sein Weg sich wieder mit dem ihrigen kreuzen würde?
Der Weg wurde mit einem leisen Ausseufzen fortgesetzt. Das Knirschen der Stiefel und das Klappern und Klirren der Totems am Stab kündigten den Alten ununterbrochen an, als jener sich zum Gebirge zu seiner Linken wandte. Jall-Argayth wanderte noch bis in die späten Morgenstunden des nächsten Tages weiter, doch war das Gesicht nun gezeichnet von einer tiefen, gutmütigen Entschlossenheit...
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Finja Stenfjord
Noch einmal hatte ich Jall MacAgrona in Machad getroffen, doch seit meiner letzten Begegnung mit ihm waren einige Wochen vergangen. Ich hatte mich in eine große, gut geschützte Höhle in der Nähe von Machad zurückgezogen – weit genug weg vom Dorf um in aller Ruhe meinen Studien nachgehen zu können, doch immer noch nah genug, daß alle zwei Wochen einer der Söhne des Wirtes zu mir in die Wildnis kommen konnte, um mich mit frischen Lebensmitteln zu versorgen.
„Und solltest du dort draußen erfrieren, bleibt dein Tod nicht unbemerkt“, waren die letzten Worte des Wirtes zu mir gewesen, bevor er sich mit einem freundlichen Klapps auf das Hinterteil meines Mustangs von mir verabschiedet hatte. Natürlich hatte ich niemandem davon erzählt, warum ich wirklich in die eisige Wildnis hinauszog und ich war mir sicher, in Machad mittlerweile den Ruf einer liebenswerten Irren zu besitzen.
Eis und Schnee – unzweifelhaft zum Wasser gehörend war mir beides vertraut. Ich erinnerte mich an den lange zurückliegenden Krieg um Varuna, als ich als junge Studentin des Arcomagus von Gryffenhorst den Wassergraben um die Hauptstadt gefrieren ließ, um so einen Einmarsch unserer Truppen zu ermöglichen. Ich hatte damals die Stäbe mit Calor getauscht, um dieses Werk mit seiner Unterstützung und der Macht seines Stabes zu vollbringen. Als wäre es gestern gewesen erinnerte ich mich an das brennende Gefühl in meiner Handfläche, das der mächtige Erzmagierstab – noch dazu der eines Feuerelementaristen – hervorgerufen hatte, genauso wie das eisige Erschauern, welches meine Magie durch meinen Stab bei ihm ausgelöst hatte.
Nun war ich aus ganz anderen Gründen hier. Ich rückte den schneegefüllten, kleinen Eisentopf auf meiner Feuerstelle zurecht und sah zu, wie sein Inhalt erst immer durchsichtiger wurde und schließlich in Wasser zerrann. Diese kleine, völlig bodenständige und unmagische Beschäftigung wirkte angenehm beruhigend und entspannend auf mich. Natürlich wäre es ein Leichtes für mich gewesen, noch dazu in dieser wassergeschwängerten Umgebung, den Topf vor mir einfach vollaufen zu lassen, doch ich hatte meine Kräfte und Konzentration für heute genug beansprucht.
Elementare waren es, nach denen ich suchte und forschte. Wasserelementare beherrschte ich seit meiner Zeit als Maga. Von Feuer und Luft ließ ich tunlichst die Finger, diese Elemente waren meinem ureigensten Selbst zu konträr, ich würde mich in ihnen verlieren wenn ich mich an ihre ureigenste und reinste Form in Gestalt des Feuer- oder Luftelementars wagte. Erde war mir sehr viel verwandter und ich mochte den Erdanteil in meinen Erzelementaren gern, doch in seiner Reinform reizte es mich nicht. Es waren die Eis- und Schneelementare, quasi Erweiterungen meiner selbst, mit denen ich mich hier beschäftigte und von denen auf Gerimor rein gar nichts bekannt war.
‚Woher auch’, schoß es mir durch den Kopf. Soweit ich wußte war ich die einzige Wasserelementaristin, die sich auf der Insel niedergelassen hatte. Wenn es mittlerweile weitere gab, dann wohl erst in ihren ersten Studienjahren und noch dazu im heißen Süden an der Academia Leviathan. Und mir einen Menekaner freiwillig in Eis und Schnee vorzustellen fiel mir schwerer, als an einen Yeti zu glauben.
Mittlerweile war aller Schnee in meinem Eisentopf auf der Feuerstelle geschmolzen.
Hatte der junge Angure ernsthaft erwartet, daß ich mich in seine Arme begeben würde, um dort dahinzuschmelzen wie der Schnee in meinem Eisentopf? Ich erinnerte mich nur allzugut an den Blick, den er mir bei seiner letzten Lebensmittellieferung zugeworfen hatte. Freundlich, neugierig, abwartend.... einladend? War ich schon so lange in der Wildnis, daß ich verlernt hatte, wie man die Signale von paarungsbereiten Männern deutete? Wie man sie eindeutig abblitzen ließ, hatte ich mir jedenfalls gemerkt. Mein Lächeln war einfach zu unverbindlich geblieben. Aber warum? Und vor allem – bedauerte ich das jetzt? Der Junge war groß und daß er gut gebaut war, konnten auch die vielen Winterpelze nicht ganz verdecken. Doch noch bevor ich den Satz weiterverfolgen konnte, wußte ich schon, warum ich es nicht getan hatte. Ich brauchte nur ein Wort, einen Namen – Calor.
Ich verbrannte mir die Finger, als ich das mittlerweile kochende Wasser vom Feuer nehmen wollte.
[....]
„Und solltest du dort draußen erfrieren, bleibt dein Tod nicht unbemerkt“, waren die letzten Worte des Wirtes zu mir gewesen, bevor er sich mit einem freundlichen Klapps auf das Hinterteil meines Mustangs von mir verabschiedet hatte. Natürlich hatte ich niemandem davon erzählt, warum ich wirklich in die eisige Wildnis hinauszog und ich war mir sicher, in Machad mittlerweile den Ruf einer liebenswerten Irren zu besitzen.
Eis und Schnee – unzweifelhaft zum Wasser gehörend war mir beides vertraut. Ich erinnerte mich an den lange zurückliegenden Krieg um Varuna, als ich als junge Studentin des Arcomagus von Gryffenhorst den Wassergraben um die Hauptstadt gefrieren ließ, um so einen Einmarsch unserer Truppen zu ermöglichen. Ich hatte damals die Stäbe mit Calor getauscht, um dieses Werk mit seiner Unterstützung und der Macht seines Stabes zu vollbringen. Als wäre es gestern gewesen erinnerte ich mich an das brennende Gefühl in meiner Handfläche, das der mächtige Erzmagierstab – noch dazu der eines Feuerelementaristen – hervorgerufen hatte, genauso wie das eisige Erschauern, welches meine Magie durch meinen Stab bei ihm ausgelöst hatte.
Nun war ich aus ganz anderen Gründen hier. Ich rückte den schneegefüllten, kleinen Eisentopf auf meiner Feuerstelle zurecht und sah zu, wie sein Inhalt erst immer durchsichtiger wurde und schließlich in Wasser zerrann. Diese kleine, völlig bodenständige und unmagische Beschäftigung wirkte angenehm beruhigend und entspannend auf mich. Natürlich wäre es ein Leichtes für mich gewesen, noch dazu in dieser wassergeschwängerten Umgebung, den Topf vor mir einfach vollaufen zu lassen, doch ich hatte meine Kräfte und Konzentration für heute genug beansprucht.
Elementare waren es, nach denen ich suchte und forschte. Wasserelementare beherrschte ich seit meiner Zeit als Maga. Von Feuer und Luft ließ ich tunlichst die Finger, diese Elemente waren meinem ureigensten Selbst zu konträr, ich würde mich in ihnen verlieren wenn ich mich an ihre ureigenste und reinste Form in Gestalt des Feuer- oder Luftelementars wagte. Erde war mir sehr viel verwandter und ich mochte den Erdanteil in meinen Erzelementaren gern, doch in seiner Reinform reizte es mich nicht. Es waren die Eis- und Schneelementare, quasi Erweiterungen meiner selbst, mit denen ich mich hier beschäftigte und von denen auf Gerimor rein gar nichts bekannt war.
‚Woher auch’, schoß es mir durch den Kopf. Soweit ich wußte war ich die einzige Wasserelementaristin, die sich auf der Insel niedergelassen hatte. Wenn es mittlerweile weitere gab, dann wohl erst in ihren ersten Studienjahren und noch dazu im heißen Süden an der Academia Leviathan. Und mir einen Menekaner freiwillig in Eis und Schnee vorzustellen fiel mir schwerer, als an einen Yeti zu glauben.
Mittlerweile war aller Schnee in meinem Eisentopf auf der Feuerstelle geschmolzen.
Hatte der junge Angure ernsthaft erwartet, daß ich mich in seine Arme begeben würde, um dort dahinzuschmelzen wie der Schnee in meinem Eisentopf? Ich erinnerte mich nur allzugut an den Blick, den er mir bei seiner letzten Lebensmittellieferung zugeworfen hatte. Freundlich, neugierig, abwartend.... einladend? War ich schon so lange in der Wildnis, daß ich verlernt hatte, wie man die Signale von paarungsbereiten Männern deutete? Wie man sie eindeutig abblitzen ließ, hatte ich mir jedenfalls gemerkt. Mein Lächeln war einfach zu unverbindlich geblieben. Aber warum? Und vor allem – bedauerte ich das jetzt? Der Junge war groß und daß er gut gebaut war, konnten auch die vielen Winterpelze nicht ganz verdecken. Doch noch bevor ich den Satz weiterverfolgen konnte, wußte ich schon, warum ich es nicht getan hatte. Ich brauchte nur ein Wort, einen Namen – Calor.
Ich verbrannte mir die Finger, als ich das mittlerweile kochende Wasser vom Feuer nehmen wollte.
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Finja Stenfjord
Zwei Tage später griff ich erneut nach meinem Topf mit kochendem Wasser, diesmal jedoch die Hand zum Schutz mit einem Lappen umwickelt, und kurze Zeit später durchzog der Duft nach frischem Tee meine bescheidene Unterkunft. Mit der Tasse in der Hand lehnte ich mich zurück und griff noch einmal nach meinen Aufzeichnungen über die Eis- und Schneelementare. Meine Arbeit hier war abgeschlossen, mein Ziel erreicht, mein Wissensdurst gestillt.
Nachdenklich glitt mein Blick über die losen Pergamentseiten. Es war in Magierkreisen – und nicht nur dort – ein offenes Geheimnis, daß sich Elementaristen in ihren Wesenszügen gern dem Element annäherten, dem sie sich verbunden hatten. Wie war das aber nun, wenn man sich der Variation seines Elementes angenähert hatte? Hatte das Eis mich verändert? Und wenn ja, wie? Dies galt es nun herauszufinden. Der Zeitpunkt war gekommen, an dem ich zurückkehren mußte, dorthin, woher ich gekommen war. Denn in einer Veränderung war ich mir sicher – das Eis hatte mich stärker gemacht.
Als ich meine Aufzeichnungen in einem meiner Rucksäcke und Taschen verstauen wollte, fielen mir die Bilder und Aufzeichnungen in die Hand, die ich teils mit Jall MacAgrona, teils allein und über ihn angefertigt hatte. Ich hatte oft und viel an ihn gedacht, bevor mich das ewige Eis gänzlich vereinnahmt hatte.
Ich wußte nicht, was es war, daß mir auf einmal den Herzschlag beschleunigte. Was ich jedoch wußte war, daß ich ihn wiedersehen wollte. Und vielleicht konnten mir meine wenigen Brocken angurisch dabei helfen, mich besser mit ihm zu verständigen, als es über Bilder möglich gewesen war.
Es war beschlossen: Ich würde morgen gen Machad aufbrechen. Von dort aus würde ich versuchen, dem Mimir eine Nachricht zukommen zu lassen und dann würde ich alles daran setzen, daß sich unsere Wege noch einmal kreuzten.
Nachdenklich glitt mein Blick über die losen Pergamentseiten. Es war in Magierkreisen – und nicht nur dort – ein offenes Geheimnis, daß sich Elementaristen in ihren Wesenszügen gern dem Element annäherten, dem sie sich verbunden hatten. Wie war das aber nun, wenn man sich der Variation seines Elementes angenähert hatte? Hatte das Eis mich verändert? Und wenn ja, wie? Dies galt es nun herauszufinden. Der Zeitpunkt war gekommen, an dem ich zurückkehren mußte, dorthin, woher ich gekommen war. Denn in einer Veränderung war ich mir sicher – das Eis hatte mich stärker gemacht.
Als ich meine Aufzeichnungen in einem meiner Rucksäcke und Taschen verstauen wollte, fielen mir die Bilder und Aufzeichnungen in die Hand, die ich teils mit Jall MacAgrona, teils allein und über ihn angefertigt hatte. Ich hatte oft und viel an ihn gedacht, bevor mich das ewige Eis gänzlich vereinnahmt hatte.
Ich wußte nicht, was es war, daß mir auf einmal den Herzschlag beschleunigte. Was ich jedoch wußte war, daß ich ihn wiedersehen wollte. Und vielleicht konnten mir meine wenigen Brocken angurisch dabei helfen, mich besser mit ihm zu verständigen, als es über Bilder möglich gewesen war.
Es war beschlossen: Ich würde morgen gen Machad aufbrechen. Von dort aus würde ich versuchen, dem Mimir eine Nachricht zukommen zu lassen und dann würde ich alles daran setzen, daß sich unsere Wege noch einmal kreuzten.
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Jall-Argayth MacAgrona
Die Tage waren ruhiger geworden nach all den abenteuerlichen Wanderungen in einer Welt, die scheinbar nur noch aus wehenden Schneemassen und undurchsichtiger Dunkelheit zu bestehen schien. Machad. Ein Ort, dem der Clan einst den Rücken gekehrt hatte, war nun zu ihrer Heimat geworden. Zu ihrer dritten, nachdem Scathlan und Andraste von Zerstörung und Zerfall heimgesucht worden waren...
Das Dorf fand man leer und verlassen vor. Wo sonst feine Rauchschwaden von Leben kündete, welches sich mit dem wenigen Holz der unerbittlichen Kälte der Hochlande Fuachteros zu erwehren suchte, war nun nichts. Der Frost hatte sich einiger Häuser bemächtigt, weniger stabile und ältere Bauten waren unter der Last von Schnee, Eis und Wind zusammengebrochen. Ein schlechtes Omen, welches den Clan MacAgrona trotzdem nicht davon abbringen konnte, die Haupthütte zu ihrer kleinen Trutzburg gegen die weissen Massen zu erklären. Jall war trotz des verschwundenen Clans der MacDraig erleichtert gewesen. Hätte man ihnen den Zugang und die Unterkunft verwert - es wäre wohl zum Kampf gekommen.
Der große Raum der Hütte, welche fast gänzlich eingeschneit im Zentrum des verlassenen Dorfes lag, wurde vom gleichmäßigen Atmen und Schnarchen eines ganzen Clans erbarmungslos beschallt. So nahe beisammen hatte der Alte seinen Clan noch nie erlebt. Die exotischsten Geruchsmischungen umspielten die Nase des Mimirs, welcher es trotzallem irgendwie geschafft hatte, einen Platz außerhalb des Gesamtlagers für sich zu sichern. Hinter einem Stapel trockener Holzscheite, seinem letzten Wall für ein wenig Abgeschiedenheit, lag Jall da und dachte nach.
Keiner von den Flatterviechern is' mehr da... setzte der Gedankenfluss wenig löblich bei dem Clan der MacDraig an – der Alte erinnerte sich gut und gerne an jede Beleidigung, wenn es sein musste, länger als einige Anguren lebten – und führte, unterbrochen durch einem Ruf des Clankochs Oengus' nach einer in Honig marinierten Trollleber, das Denken fort: Finhjia. Was auch immer mit den MacDraig geschehen war, konnte vielleicht auch der jungen, zerbrechlichen Dame aus den Südlanden widerfahren sein. Oder hat'se de' Flatterviechern g'sagt, was 'se is? Diese Idee wollte dem Mimir umso weniger munden, denn es brachte noch sehr viel unschönere Möglichkeiten mit sich.
Ein leises Aufstoßen schreckte den Alten aus seinem Sinnen auf. Aus welchem Fellhaufen es gekommen war, konnte Jall ebenso wenig bestimmen, wie die Körperöffnung, aus der das herzliche Murren entsprungen war. Die Felle, in die sich einige Clansbrüder und -schwestern so weit eingegraben hatten, dass sogar die Köpfe unter warmen Schafs- und Eisbärenfell verschwunden waren, vermochten den Laut zu stark zu dämpfen.
Aber Finhjia is' nu hier g'west, als de' Berg bei Andraste beschloss'n hat, spazieren zu geh'n... keimte im Kopf Jalls ein gefährliches Bild heran. Un'se fehlt, als de' Berg fertig spaziert is'. Hatte sie ihn getäuscht? In dieser Welt fernab der Heimatinsel Scathlan, dies hatte Jall mit seinem Clan schmerzhaft erlernen müssen, war nicht nur ein verfeindeter Angurenclan gefährlich. Das Auge musste neu bemessen lernen, denn hier gab es Täuschung und Lüge. Hier war nichts, wie es zu sein schien.
Diese Nacht sollte dem Anguren keine Ruhe geben. Finhjia – Jall musste sie finden und zur Rede stellen.
Das Dorf fand man leer und verlassen vor. Wo sonst feine Rauchschwaden von Leben kündete, welches sich mit dem wenigen Holz der unerbittlichen Kälte der Hochlande Fuachteros zu erwehren suchte, war nun nichts. Der Frost hatte sich einiger Häuser bemächtigt, weniger stabile und ältere Bauten waren unter der Last von Schnee, Eis und Wind zusammengebrochen. Ein schlechtes Omen, welches den Clan MacAgrona trotzdem nicht davon abbringen konnte, die Haupthütte zu ihrer kleinen Trutzburg gegen die weissen Massen zu erklären. Jall war trotz des verschwundenen Clans der MacDraig erleichtert gewesen. Hätte man ihnen den Zugang und die Unterkunft verwert - es wäre wohl zum Kampf gekommen.
Der große Raum der Hütte, welche fast gänzlich eingeschneit im Zentrum des verlassenen Dorfes lag, wurde vom gleichmäßigen Atmen und Schnarchen eines ganzen Clans erbarmungslos beschallt. So nahe beisammen hatte der Alte seinen Clan noch nie erlebt. Die exotischsten Geruchsmischungen umspielten die Nase des Mimirs, welcher es trotzallem irgendwie geschafft hatte, einen Platz außerhalb des Gesamtlagers für sich zu sichern. Hinter einem Stapel trockener Holzscheite, seinem letzten Wall für ein wenig Abgeschiedenheit, lag Jall da und dachte nach.
Keiner von den Flatterviechern is' mehr da... setzte der Gedankenfluss wenig löblich bei dem Clan der MacDraig an – der Alte erinnerte sich gut und gerne an jede Beleidigung, wenn es sein musste, länger als einige Anguren lebten – und führte, unterbrochen durch einem Ruf des Clankochs Oengus' nach einer in Honig marinierten Trollleber, das Denken fort: Finhjia. Was auch immer mit den MacDraig geschehen war, konnte vielleicht auch der jungen, zerbrechlichen Dame aus den Südlanden widerfahren sein. Oder hat'se de' Flatterviechern g'sagt, was 'se is? Diese Idee wollte dem Mimir umso weniger munden, denn es brachte noch sehr viel unschönere Möglichkeiten mit sich.
Ein leises Aufstoßen schreckte den Alten aus seinem Sinnen auf. Aus welchem Fellhaufen es gekommen war, konnte Jall ebenso wenig bestimmen, wie die Körperöffnung, aus der das herzliche Murren entsprungen war. Die Felle, in die sich einige Clansbrüder und -schwestern so weit eingegraben hatten, dass sogar die Köpfe unter warmen Schafs- und Eisbärenfell verschwunden waren, vermochten den Laut zu stark zu dämpfen.
Aber Finhjia is' nu hier g'west, als de' Berg bei Andraste beschloss'n hat, spazieren zu geh'n... keimte im Kopf Jalls ein gefährliches Bild heran. Un'se fehlt, als de' Berg fertig spaziert is'. Hatte sie ihn getäuscht? In dieser Welt fernab der Heimatinsel Scathlan, dies hatte Jall mit seinem Clan schmerzhaft erlernen müssen, war nicht nur ein verfeindeter Angurenclan gefährlich. Das Auge musste neu bemessen lernen, denn hier gab es Täuschung und Lüge. Hier war nichts, wie es zu sein schien.
Diese Nacht sollte dem Anguren keine Ruhe geben. Finhjia – Jall musste sie finden und zur Rede stellen.
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Finja Stenfjord
Das warme, weiche Eisbärenfell im Rücken starrte ich über mich an die Zimmerdecke der auf mich noch etwas behelfsmäßig wirkenden Unterkunft des Clans MacAgrona.
Vor vielleicht zwei Tagen hatte ich Jall kurz vor Machad wiedergetroffen und irgendwie schien es sein Schicksal zu sein, daß ich ihn immer dann traf, wenn er sich in einer nicht sehr, nun sagen wir, ehrwürdigen Position befand. Das erste Mal in Andraste und auf einem Gaul, der fröhlich tat was er wollte, jetzt schneeüberdeckt in einem Gestrüpp steckend und wild darum kämpfend, endlich die ihn festhaltenden Äste wieder los zu werden. Hatte ich doch zuerst befürchtet, meine Wiedersehensfreude könne vielleicht nicht erwidert werden, so wurde ich doch recht rasch vom Gegenteil überzeugt, als der Hüne sich endlich befreien konnte und mich schließlich kurzerhand unter den Schultern packte und durch die Luft schwenkte. Dann ließ er es sich nicht nehmen, mich zur Taverne in Machad zu begleiten.
Das Machad, das ich nun vor mir in den Weiten der Eislandschaft erblickt hatte, war allerdings nicht mehr das Dörfchen, das ich vor vielen Wochen verlassen hatte. Viele Häuser waren zerstört worden, lagen teilweise sogar noch unter Schneewehen vergraben. In einem wilden Kauderwelsch von angurisch und Handelssprache hatte ich von Jall erfahren, daß Machad zerstört worden war, der Clan MacDraig verschwunden und nun die MacAgronas sich hier festgesetzt hatten. Auch Andraste war zerstört, begraben unter einer riesigen Lawine, der Clan der MacIoras ebenfalls verschollen.
Daß Jall mich in Windeseile in die noch leidlich erhaltene Taverne bugsiert hatte, schob ich auf ein übergroßes Maß an Besorgnis gegenüber einer offensichtlich frierenden und erschöpften „Südländerin“ wie mir. Oder hatte er mich etwa doch vor seinem Clan geheimhalten wollen? Und wenn ja, warum?
Nach zwei Tagen in der verlassenen Taverne, hatte ich kurzerhand beschlossen, meine „Notunterkunft“ zu verlassen und durch Machad zu spazieren. Das große Haus in der Mitte des Dorfes diente laut Jall den MacAgronas als Unterschlupf und genau dorthin hatte ich meine Füße gelenkt.
Oengus MacAgrona war der erste der MacAgronas gewesen, den ich nach ihrem Mimir kennengelernt hatte. Der nordische Riese schielte heftig auf einem Auge und wirkte auch sonst recht sonderbar, wenngleich ihn mein Anblick eher in Verlegenheit zu bringen schien. Anders „der Grimmige“. Ich hatte ihn heimlich so genannt, da ich bei seinem Anblick erstmals ernsthaft befürchtet hatte, wieder hinaus ins Eismeer geschickt zu werden. Wenn ich richtig gehört hatte, wurde er von seinen Clansbrüdern Berek genannt und schien von seinem ganzen Auftreten her so was wie ein Anführer zu sein. Ihm hatte ich es schließlich zu verdanken gehabt, daß man mir das Eisbärenfell, auf dem ich nun lag, in die Hand gedrückt und mir im Haus der MacAgronas einen Schlafplatz zugewiesen hatte – offenbar sehr zur Freude eines weiteren Anguren, von dem ich später erfuhr, daß sein Name Elryk war. Was genau Elryk so erfreute, konnte ich mir denken, für die sich entfachende Hitzköpfige Diskussion zwischen ihm und Jall hatte mein angurisch zu meinem großen Bedauern allerdings noch nicht gereicht. Naja, was nicht ist, konnte ja noch werden.
Leise rappelte ich mich von meinem Lager in eine sitzende Position hoch und griff nach meiner Decke, die ich mir um die Schultern legte. Ein weiterer Griff galt dem kleinen Büchlein, das mich schon seit Beginn meiner Reise vor vielen Monaten begleitete. Vieles hatte ich dort bereits notiert, zudem war ich keine ungeschickte Zeichnerin und so gesellte sich nun zu den Abbildungen, die einige Hütten Machads, Muster der verschiedenen Kilts, Portraits von Jall und Oengus und vielem anderen eine weitere Zeichnung, die eine Südländerin in der Mitte einer Horde Anguren in einer Holzhütte in Machad zeigte.
Vor vielleicht zwei Tagen hatte ich Jall kurz vor Machad wiedergetroffen und irgendwie schien es sein Schicksal zu sein, daß ich ihn immer dann traf, wenn er sich in einer nicht sehr, nun sagen wir, ehrwürdigen Position befand. Das erste Mal in Andraste und auf einem Gaul, der fröhlich tat was er wollte, jetzt schneeüberdeckt in einem Gestrüpp steckend und wild darum kämpfend, endlich die ihn festhaltenden Äste wieder los zu werden. Hatte ich doch zuerst befürchtet, meine Wiedersehensfreude könne vielleicht nicht erwidert werden, so wurde ich doch recht rasch vom Gegenteil überzeugt, als der Hüne sich endlich befreien konnte und mich schließlich kurzerhand unter den Schultern packte und durch die Luft schwenkte. Dann ließ er es sich nicht nehmen, mich zur Taverne in Machad zu begleiten.
Das Machad, das ich nun vor mir in den Weiten der Eislandschaft erblickt hatte, war allerdings nicht mehr das Dörfchen, das ich vor vielen Wochen verlassen hatte. Viele Häuser waren zerstört worden, lagen teilweise sogar noch unter Schneewehen vergraben. In einem wilden Kauderwelsch von angurisch und Handelssprache hatte ich von Jall erfahren, daß Machad zerstört worden war, der Clan MacDraig verschwunden und nun die MacAgronas sich hier festgesetzt hatten. Auch Andraste war zerstört, begraben unter einer riesigen Lawine, der Clan der MacIoras ebenfalls verschollen.
Daß Jall mich in Windeseile in die noch leidlich erhaltene Taverne bugsiert hatte, schob ich auf ein übergroßes Maß an Besorgnis gegenüber einer offensichtlich frierenden und erschöpften „Südländerin“ wie mir. Oder hatte er mich etwa doch vor seinem Clan geheimhalten wollen? Und wenn ja, warum?
Nach zwei Tagen in der verlassenen Taverne, hatte ich kurzerhand beschlossen, meine „Notunterkunft“ zu verlassen und durch Machad zu spazieren. Das große Haus in der Mitte des Dorfes diente laut Jall den MacAgronas als Unterschlupf und genau dorthin hatte ich meine Füße gelenkt.
Oengus MacAgrona war der erste der MacAgronas gewesen, den ich nach ihrem Mimir kennengelernt hatte. Der nordische Riese schielte heftig auf einem Auge und wirkte auch sonst recht sonderbar, wenngleich ihn mein Anblick eher in Verlegenheit zu bringen schien. Anders „der Grimmige“. Ich hatte ihn heimlich so genannt, da ich bei seinem Anblick erstmals ernsthaft befürchtet hatte, wieder hinaus ins Eismeer geschickt zu werden. Wenn ich richtig gehört hatte, wurde er von seinen Clansbrüdern Berek genannt und schien von seinem ganzen Auftreten her so was wie ein Anführer zu sein. Ihm hatte ich es schließlich zu verdanken gehabt, daß man mir das Eisbärenfell, auf dem ich nun lag, in die Hand gedrückt und mir im Haus der MacAgronas einen Schlafplatz zugewiesen hatte – offenbar sehr zur Freude eines weiteren Anguren, von dem ich später erfuhr, daß sein Name Elryk war. Was genau Elryk so erfreute, konnte ich mir denken, für die sich entfachende Hitzköpfige Diskussion zwischen ihm und Jall hatte mein angurisch zu meinem großen Bedauern allerdings noch nicht gereicht. Naja, was nicht ist, konnte ja noch werden.
Leise rappelte ich mich von meinem Lager in eine sitzende Position hoch und griff nach meiner Decke, die ich mir um die Schultern legte. Ein weiterer Griff galt dem kleinen Büchlein, das mich schon seit Beginn meiner Reise vor vielen Monaten begleitete. Vieles hatte ich dort bereits notiert, zudem war ich keine ungeschickte Zeichnerin und so gesellte sich nun zu den Abbildungen, die einige Hütten Machads, Muster der verschiedenen Kilts, Portraits von Jall und Oengus und vielem anderen eine weitere Zeichnung, die eine Südländerin in der Mitte einer Horde Anguren in einer Holzhütte in Machad zeigte.