Feuerrotes Haar

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Antares von Falkenburg

Feuerrotes Haar

Beitrag von Antares von Falkenburg »

Der Brief war geschrieben und auf den Weg zu Florence und Hudgarr, so hoffe Tari zumindest. Nun saß er, den Kopf auf seine Arme gelegt, am Schreibtisch und ließ seine Beine Baumeln. Immer wenn er den Blick hob schaute er auf den Kerzenleuchter und sah das sanfte und liebe Gesicht von Rai`a vor sich. Aber besonders erinnerte ihn die unruhige Flamme an ihre wunderschönen Haare. Noch nie hatte der kleine Junge solch Haare gesehen. Wie ein Kranz aus Flammen waren sie um ihren Kopf her rum. Er hatte Angst gehabt sie an zu fassen, Angst sich zu verbrennen. Doch als Rai`a ihre Hochsteck Frisur löste und er zögerlich mit den Fingerspitzen durch das rote Haar glitt, waren sie ganz weich, so weich wie seine Kissen in denen er Nachts schlief.

Antares war fasziniert von Rai`a. Sie war ihm gegenüber so offenherzig wie es selten Menschen sind und er hatte sie auf Anhieb gemocht, wenn nicht ein schwarzer Schatten auf diese Begegnung gelegen hätte. Er wollte gerne das Rai`a ihn auf die Hochzeit von Flo und Hudgarr begleitete. Papa hatte sowieso keine Zeit wegen der steifen Schwester von Flo. Überhaupt waren sie ganz unterschiedlich, Tari konnte sich nicht erklären wie das Schwestern sein konnten. Ihm war es auch nicht klar was so schlimm daran war Rai`a mit zu nehmen. Nur weil Flo eine Baroness war, aber sie heiratete doch auch jemanden der keinen Adelstitel besaß oder Papa er hatte seine Mama ja auch geheiratet. Dann sollte es so Problematisch sein ein Mädchen das sich um Pferde kümmert nicht auf der Hochzeit erscheinen zu lassen? Der Kuperfarbene Haarschopf schüttelte sich in Unmissverständnis.



Feuerrotes Haar



Seine Mama hatte ihn immer gesagt das alle Menschen vor Temora und Eluvie gleich waren. So hatte es auch Tari immer gesehen, auch wenn er selbst ein Graf war. Egal ob Koch, Wache oder Stallmagd es kam doch auf das innere der Menschen an und nicht aus welcher Klasse sie waren. Wenn andere Adlige sich so erlauben über andere leute zu urteilen und sie so herab lassend behandeln, dann wollte er gar kein Graf sein, dann lieber auch ein Stallbursche.

Feuerrotes Haar

Rai`a sie war nicht nur eine Stallmagd sie war etwas ganz besonderes. Sie redete wie eine Ritterin, so gewand und so gutmütig. Antares verfiel beinahe in eine Kindliche Schwärmerei, während er auf die Kerzenflamme starte. Wenn nur seine Mama hier wäre, sie würde Rai`a bestimmt auch mögen und sie ganz sicherlich auch beschützen. Das hatte zumindest Tari vor, er wollte sie beschützen vor bösen Menschen und vor der steifen Frau.

Kurz flogen seine Gedanken zu Felicitas. Er konnte sich für sie einfach nicht erwärmen, bestimmt war sie kein schlechter Mensch, aber er hatte den Eindruck als mochte sie ihn selbst nicht. Auch Papa hatte nie Zeit sobald die steife Frau da war und bestimmt musste er sie fragen wenn er was machen wollte. Er hielt einen ziemlichen Abstand sobald Felicitas auftauchte, manchmal glaubte er, ihr wäre es lieb wenn er nicht da sei. Mit purer Absicht hatte sich Antares entschieden ins Schloss zu gehen und eben nicht seinen Vater zu fragen ob er ihn zu sich nehmen könne. Antares wusste das die steife Frau und er sicherlich gerne allein sein wollten, zumindest war es immer bei Mama und Papa so gewesen.

Feuerrotes Haar

Langsam stand er auf und schlich durch die dunklen Gänge des Schlosses, bis er im Kaminzimmer ankam. Etwas verdutzt schaute er auf die schlafende Rai`a, welche zusammen gekullert, auf ihren Umhang, vor dem Kamin lag. Die Stirn Antares furchte sich und schnell eilte er wieder in sein Zimmer, nur um wenige Minuten später mit einer Decke in der Hand wieder vor Rai`a zu stehen. Vorsichtig legte er die warme Decke über den dünnen Körper. Er konnte nicht widerstehen und fuhr ihr durch das flammend rote Haar. Ohne darüber nachzudenken legte er sich neben sie und kuschelte sich in die Decke. Das erste mal seit solanger Zeit fühlte er sich wieder wohl. Die Nähe eines Menschen war das was er so vermisste und leise hauchte er „Wenn du nur hier wärst Mama.“ Bevor ihm die Augen zu vielen und sein Kopf sich in die Armkuhle von Rai`a kuschelte.
Rai´a Lalaith

Einsam… zweisam

Beitrag von Rai´a Lalaith »

Einsam… zweisam


Der Morgen graute, als Rai’a sich gewahr wurde, dass es Zeit war aufzustehen.
Bevor sie die Augen öffnete, spürte sie ihren etwas steifen Körper, spürte die warme Glut des Kamins in ihrem Rücken und lauschte einem leisen Atem, der nicht der ihre war.
Vorsichtig öffnete Rai’a die Augen und sah auf den kleinen Kopf, dessen kupferfarbenes Haar in ihrem Arm schimmerte. Ein Lächeln und ein warmes Gefühl überkam Rai’a, als sie Antares in ihrem Arm schlafen sah, die warme Decke, die die beiden wärmte.
Rai’a legte ihren Arm um den Jungen und strich ihm sanft über das Haar.
Doch das wohlige Gefühl wich dem Schmerz und der Demut.
Wie sehr sie ihn enttäuschen musste…Sie konnte unmöglich zu jener Hochzeit gehen. Ihre Person hatte schon zuviel Aufsehen erregt. Und ohne, dass sie dies wollte, hatte sie Menschen, die ihr viel bedeuteten, in Schwierigkeiten gebracht. Antares durfte niemals wegen Rai’a in Schwierigkeiten kommen.
Wie sehr es Rai’a in Schwierigkeiten bringen würde, aber das würde sie ihm nicht sagen. Er war ein Kind, wenn auch ein Graf. Antares musste noch früh genug die steinigen Wege des Lebens kennen lernen.
Rai’a lebte im Schloss, ebenso wie Antares, beide hatten zwei Leben, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Und doch schienen sie ein Schicksal zu teilen.
Die Einsamkeit.
Eine Stallmagd, die sich der Etikette fügte, die Freundschaft zu tiefst empfand, und doch immer bemüht war, diese Freundschaft zu unterbinden. Sie hatte gesehen, wie schmerzhaft es sein konnte, dies nicht zu tun; nicht nur schmerzhaft für sie.
Und Antares, der junge Graf… Liebevoll sah sie im letzten Schein des Feuers sein kindliches Gesicht. Er lebte zwischen den Mühlen der Macht. Er würde ein unendlich guter Graf werden, doch jetzt, sollte er nur Kind sein dürfen. Rai’a wusste, dass er auch nun schon lernen musste, die Regeln des Reiches zu akzeptieren und sich an die Gesetze und die Etikette zu halten, doch… Da lag dieses kleine verletzliche Geschöpf in ihrem Arm und Rai’a überkam ein Gefühl des Schutzes. „Ich werde Dich beschützen, Rai’a, ich bin Graf! Ich werde Dich vor allen bösen Menschen beschützen!“ Rai’a musste lächeln, als sie sich an seine Worte am gestrigen Abend erinnerte. Und sie wollte den Jungen beschützen. Er sollte nicht wünschen sie beschützen zu müssen. Rai’a war was sie war und sie war glücklich damit. Sie wollte nicht über ihre Grenzen hinaus reiten. Das einzige, was Rai’a manchmal wünschen ließ, doch mehr als eine Stallmagd zu sein, war die Freundschaft, die sie liebte, die aber so schwierig zu halten war.
Ebenso wie mit Antares… Es ziemte sich nicht, dass der junge Graf vor dem Kamin mit einer Stallmagd lag und schlief… friedlich schlief.
Sanft streichelte Rai’a Antares Gesicht und atmete tief durch. Was würde das nur wieder für Ärger geben… Die Hochzeit, die Nähe zwischen Antares und Rai’a… Nicht auszudenken, was Rafael sagen würde, wenn er die beiden so sähe, oder die anderen edlen Herren erst…
Rai’as Herz krampfte sich zusammen. Vorsichtig zog sie ihren Arm unter Antares Kopf weg, erhob sich und nahm den Jungen in die Decke eingewickelt ganz vorsichtig auf den Arm.
Langsam trug sie ihn in sein Zimmer und bettete ihn sanft ein.
Noch einmal strich sie ihm die Strähnen aus dem Gesicht und schlich langsam in die Küche.
Dort bereitete sie, wie an jedem Morgen, warme Milch mit Honig, und brachte Antares ab jenem Morgen auch immer eine.
Sie sah die Tinte und die Pergamente noch auf seinem Tisch, kurz schluckte sie.
Bei Temora, der Zorn der Baronin würde nun wohl unermesslich werden.
Kurzerhand nahm Rai’a ein schlichtes Pergament, tauchte die Feder in die Tinte und schrieb folgendes mit großen, gut lesbaren Lettern:

Ich wünsche Dir einen wunderschönen guten Morgen, liebster Antares,

leider musste ich Dich her bringen, da die Pferde doch so ungern auf ihr Frühstück warten.
Aber ich weiß, dass Du das verstehen wirst, weil Du Pferde auch so gerne hast wie ich.
Schlafe noch gut und habe die schönsten Träume.
Ich möchte, dass Du weißt, dass Du jederzeit zu mir kommen kannst, wenn Du Dich einsam fühlst. Aber, auch wenn Dein Vater vielerlei Verpflichtungen hat, liebt er Dich von ganzem Herzen. Gräme ihm nicht, mein lieber Antares. Du wirst immer einen Platz in seinem Herzen haben, auch, wenn sein Herz manchmal hinter der Treue zum Reich versteckt liegt.
Und mein Herz, kleiner Graf, hast Du im Sturm erobert.
Denke daran, dass Du die Menschen nicht verletzt, nur weil Du meinst, sie würden Dich verletzen. Das liegt nicht in ihrer Absicht, das weiß ich. Lerne über jenem zu stehen und einst ein weiser Graf zu werden, der über unendliche Weitsicht verfügt.
Du solltest nicht verletzen, wenn Du verletzt wurdest, nicht grämen, weil Dich jemand grämte. Das ist doch nicht der Deine Weg, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, habe ich Recht?
Genieße alles, was möglich ist, aber misse nicht, was Dir verwehrt bleibt, denn Dein Lächeln sollst Du niemals verlieren.
Denk daran, dass Ehrlichkeit alleinig zum Ziel bringt, aber dass der ehrliche Weg, auch meist der steinigere ist. Doch Du bist ein guter Athlet und wirst jeden Stein meistern, davon bin ich überzeugt.
So Du Dich einsam fühlst, komme zu den Stallungen, ich werde dort sein.
Lass Dir die Milch schmecken, ich hoffe, dass Du warme Milch mit Honig magst.

In Liebe


Rai’a



Mit einem letzten Lächeln stellte sie den Brief auf seinen Nachttisch, direkt neben die Milch, deckte ihn noch mal warm zu und schlich hinaus, leise die Tür schließend.
Auf dem Weg zum Stall atmete sie tief durch, ehe sie sich ihrer gewohnten Arbeit hingab, etwaige schmerzhafte Gedanken vertreibend.
Antares von Falkenburg

Beitrag von Antares von Falkenburg »

Von Drachen, einem Antrag und einer Prinzessin.

Eingekuschelt lag Tari in dem grossen weichen Bett und schaute nach oben, nur der leise Atem seines Hundes und die Schritte der Wachen waren zu hören. Ja er hatte zeit zum nachdenken, ein kleiner 10 Jähriger Junge der viel zu viel nachdachte. Aber wie hatte seine Mama gesagt, er war schon immer weiter als andere Kinder in seinem Alter. Er drehte sich auf die Seite und vergrub das kleine gesicht im Fell von Felix. Jetzt wünschte er sich Rai`a oder seinen Papa her. Wieder war er einsam und fühlte sich allein. Nur in den wenigen und kurzen Momenten die er mit seinem Papa oder mit seiner Prinzessin, wie er Rai`a von nun an liebevoll nannte, war er glücklich und die Schatten seiner Einsamkeit wie weg geblasen.

Heute beim Frühstück hatte er seiner Prinzessin einen Antrag gemacht, genauso wie es Lina ihn einmal erzählt hatte, als Papa sie fragte ob sie ihn Heiraten möchte. Natürlich war Tari noch viel zu klein um zu Heiraten, aber er wollte mit diesem Antrag symbolisieren das Rai`a seine Freundin war und das er sie von nun an beschützen würde. Später einmal wenn er ein grosser Graf war, dann würde er gerne wollen das Rai`a nicht mehr die Stallmagd war. Natürlich konnte sie sich weiterhin um Pferde kümmern, sie liebte diese Tiere über alles. Sie würde dann in einem schönen Haus wohnen, ein ganz weiches Bett haben und auch so tolle Kleider tragen wie die anderen Frauen.

Dann schaute er plötzlich auf seine Hände und er hatte das Gefühl als würde er wieder die Drachenhaut berühren. Papa hatte ihn eine besonders grosse Freude gemacht indem er ihn spüren ließ wie sich ein Drache anfühlt. Tari war völlig aus dem Häuschen und mit grossen Augen lauschte er den dazu passenden Erzählungen seines Vaters. Der Stolz der plötzlich in Tari schwelgte war unbeschreiblich. Er liebte seinen Vater über alles und das Wissen das er so tapfere und heldenmutige Dinge tat, vergrösserten ebenso den Stolz. Andere Kinder wären sicher neidisch auf solch einen tollen Papa. Irgendwie war Antares sogar eifersüchtig auf die steife Frau, sie hatte seinen Papa immer um sich Tag und Nacht und er selbst musste sich mit so wenigen Augenblicken zufrieden geben. Rai`a wollte gern das Tari versuchte mit der steifen Frau Kontakt zu knüpfen, aber irgendwie war ihm nicht wohl bei dem Gedanke.

Das aber die Baronin Angst vor ihm hatte, dass freute den Jungen auf eine Art und Weise. Nur bestand wohl jene Angst darin das sie Baronin war und er ein richtiger Graf, dass sie nicht wusste wie sie mit ihm umgehen soll, so hatte das zumindest Rai`a gesagt. Tari verstand noch nichts von diesem ganzen Adels zeugs. Das einzige was er Verstand das Adlige manchmal ziemlich Hochmütig sind, nur komisch war, dass Onkel Graf gar nicht so ist. Aber vielleicht liegt es ja daran das Menschen eben unterschiedlich sind. Tari indes schwor sich nie so hochmütig und eingebildet zu werden. Er hat wohl jetzt in seinen jungen Jahren die besten Vorbilder die man haben kann. Rafael de Arganta, Rai`a und Onkel Graf.

„Hm jetzt hab ich wieder Hunger auf eines der leckeren Marmeladenbrote von Rai`a, meinst du sie macht uns noch welche Felix?“ Der Hund schaute ihn aus grossen schwarzen Augen an und kläffte nur leise. „ Dann gehen wir mal schauen wo meine Prinzessin ist.“
Rai´a Lalaith

Beitrag von Rai´a Lalaith »

Rai’a kam gerade wieder ins Schloss und stieß den letzten Atemzug aus, der sich nebelig davon stahl, als Antares auf der Treppe erschien und beide lächelten im selbigen Augenblick.
Er rannte los und Rai’a fing ihn in ihren Armen auf und wirbelte ihn herum, um den doch recht großen Jungen bald wieder abzusetzen und ihm liebevoll über die Haare zu streichen.
„Rai’a? Würdest Du mir noch eines dieser leckeren Brote machen?“
Rai’a lachte auf. „Du hast aber einen großen Hunger. Du willst wohl schnell wachsen, wie?“
Lachend gingen sie gemeinsam in die Küche und Rai’a mache ihm liebevoll sein erwünschtes Brot.
Antares kleiner Mund war kaum zu bremsen, weder ob der Worte, zu denen der Junge fähig war, noch ob des Hungers.
Und die Worte faszinierten Rai’a immer wieder und immer mehr. Der Junge hatte wahrlich viel zu viel Zeit zum Nachdenken. Das war auch sicher in gewisser Weise angebracht, ob des Status, denn er schon innehatte.
„Die Baronin hat Angst vor mir, weil ich ein richtiger Graf bin, oder?“
Rai’a sah ihn einige Zeit an. Dieses Thema füllte sie mit Unbehagen.
„Weißt Du, Antares, die Baronin hat Angst, oder ist vielmehr unsicher, weil Du etwas ganz besonderes bist. Zum einen bist du Graf, ja, aber zum anderen, Antares, bist Du der Sohn von Rafaels ehemaliger Frau. Und die Baronin hat noch keine eigenen Kinder. Vielleicht hat sie Angst etwas falsch zu machen, dass Dich oder Deinen Papa verletzen könnte. Weißt Du noch, was ich sagte?“ Antares nickte und nahm dankbar das Marmeladenbrot entgegen.
„Dein Vater liebt Dich so sehr, dass die Baronin sicher auch gerne hätte, dass Du sie lieb hast.
Aber sie kann das nicht so zeigen, denke ich. Wenn Du ein großer Graf bist, wirst Du merken, dass man seinen Gefühlen nicht immer den gewünschten freien Lauf lassen kann, Antares.
Das ist der steinige Weg, von dem ich Dir erzählte. Aber ich denke, dass es für Deinen Vater sehr wichtig wäre, dass Du Dich mit der Baronin verstehst. Es will Dir niemand vorschreiben, dass Du sie lieb hast wie Deine Mutter. Das solltest Du auch gar nicht. Man hat immer nur eine Mutter im Leben. Aber vielleicht musst Du in diesem Fall einfach etwas größer sein als die Baronin, wenn Du das möchtest, und ihr die Hand reichen, einfach nur freundschaftlich.
Meinst Du nicht, dass es Deinen Vater glücklich machen würde?“
Antares sah sie mit seinen großen Augen an, die Marmelade hatte ihm einen roten „Grinsemund“ gezaubert und Rai’a bedauerte beinahe die Worte, die sie dem Jungen sagte.
Er würde es verstehen, weil er schon so Vieles verstand. Und dennoch wünschte Rai’a sich in diesem Moment, dass sie ihn davor beschützen konnte.
Musste dieses junge reine Geschöpf nicht schon viel zu viel erleben und ertragen?
Gewiss, das würde ihn prägen und stark machen, aber in diesem Moment, wo sie fähig war, nur das Kind in ihm zu sehen, schmerzte es sie. Und einen Moment spürte sie die Wut gegen Rafael und auch gegen die Baronin.
Rafael, dass er auf der einen Seite dieses Kind als Sohn liebte, aber nicht an ihn dachte, als er sich eine Frau aussuchte, die gegen so Vieles stand, für das Rafael stand und auf die Baronin, weil sie soviel von Etikette und Beherrschbarkeit hielt, aber einem Kind kein Freund sein konnte. Wenn schon ihr Herz nicht für den Jungen schlug, was Rai’a unverständlicher denn alles andere erschien, dann sollte sie doch wenigstens ihre Selbstbeherrschung halten und sich dem Jungen gegenüber gerecht verhalten. Dieses Kind konnte nichts für die Winde, die sich auch um ihn drehten, ohne dass er auch nur den Hauch eines Einflusses haben durfte.
Es war Zeit, dass er eine Familie hatte, die ihm Sicherheit und Halt bieten konnte.
Und Rai’a fand, dass es an der Baronin war, wenn nur aus Liebe zu Rafael, sich des Jungens anzunehmen. Zumal sie wissen sollte, dass ein junger Graf, später sicherlich Schwierigkeiten mit dem Leben haben könnte, wenn er nicht in Kindesalter geprägt und gestärkt würde.
Nur einen Moment hoffte Rai’a, dass die Baronin ihre Meinung nicht ändern würde.
Dann würde Antares fort gehen und dies schmerzte Rai’a deutlich.
Aber hier ging es um Antares und sein Glück. Und Rai’a würde glücklich sein, wenn er es war…
Lächelnd, mit einem Hauch von Schmerz, reichte sie ihm die warme Milch mit Honig und betrachtete ihn lange…
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