Der Tod des Letast

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Ahsai van Gor

Der Tod des Letast

Beitrag von Ahsai van Gor »

Es war früh am Abend die Sonne stand im blutroten Abendkleid am Firmament als ein Bote aus dem Palast des Alkas ihn aufsuchte. Ahsai war gerade am Polieren seiner Stiefel gewesen, etwas was er niemals einem seiner Diener überließ, und blickte auf den Offizier der vor ihm stand. Die Miene des Offiziers war ernst, sehr ernst, und Ahsai hatte schon eine gewisse Vorahnung was ihn erwarten würde.
In der Hand hielt er einen gesiegelten Brief und eine kleine Schatulle.
Er nahm den Brief und die Schatulle in die Hand, nickte und sprach dem Offizier den Segen des Herrn aus. Der Offizier verneigte sich kurz, und verließ den Raum.
Sofort öffnete er das Siegel, rollte das Pergament auf und überflog mit wachsamen Augen die Zeilen, welche auf das Pergament geschrieben waren - in Blut.
Als seine Augen die letzten Buchstaben der braunroten Tinte aufgesogen hatten, schüttelte er ungläubig den Kopf, nochmal von vorne anfangend.
War es nur, dass er es nicht lesen wollte, was er schon geahnt hatte? War es, dass es ihn innerlich störte?

"Dem wahren Herrn Alatar zum Gruße Ahsai van Gor!

Alatar selbst in seiner unendlichen Weisheit hat uns geboten, euch folgenden Auftrag zu geben: ihr sollt die Krallen des Herrn an den Ahad Letast legen, und er wird zupacken. Euer Auftrag ist streng vertraulich und ein Scheitern wird nicht toleriert. Für diesen Auftrag bekommt ihr den Weihdolch der Ahads hiermit ausgehändigt.
Bringt dem Alka den Kopf von Letast, so werden wir euch den Segen des Herrn aussprechen und euch für würdig Erachten. Bringt ihr den Kopf des besagten nicht, so ist euer Leben hiermit ausgehaucht, unwürdig weiterhin dem Herrn zu dienen.

Wenn der in Ungnade gefallene Letast entflieht, so verfolgt ihn, und wenn er sich in den Tiefen des Meeres zu jener verfluchten Mutter zu Schutze begebe, so taucht ihm nach und erfüllt euren heiligen Auftrag.
Der Alka selbst will Auge in Auge mit Letast morgen zu Mittag sein Mahl zu sich nehmen. Hierbei ist jedoch nur dessen Kopf geladen, den Körper hat er daheim zu lassen.

Sollte Letast euren Kopf bringen, statt ihr seinen, so wird ihm volles Recht zuteil werden, als ehrenhafter Bürger Rahals sein Leben für Alatar zu lassen, und ihr werdet beide zusammen mit dem Alka zu Mittag essen.

Möge der Panther euch leiten und den Weg zeigen, eure Mission zu erfüllen"


Ein Frösteln fuhr Ahsai den Rücken entlang als er die Zeilen in den Gedanken Revue passieren lies. Während teilweise ein Gefühl des Bedauerns ihn überkommen hatte, an seine Freundschaft mit Letast denkend, ertappte er sich zugleich, wie er begonnen hatte Möglichkeiten im Kopf zu durchdenken, wie er Letast wohl am Geschicktesten loswerden würde.
Es erschreckte ihn kurz, wie kalt er manchmal sein konnte, doch zugleich empfand er bald auch eine große Wut auf Letast, eine Wut, die mit dessen Versagen zu tun hatte, eine Wut, die wohl Alatar selbst auf ihn hatte. Letast war in Ungnade gefallen, und dies war ein Zeichen. Er würde es nicht hinterfragen, denn er liebte Rahal, er liebte Alatar und er diente. Letast würde noch heute Abend sterben. Das stand fest. Er oder Letast.
Die Pläne wurden immer klarer. Es war klar, dass Letast gewisse Angewohnheiten hatte, die Ahsai kannte, und diese Angewohnheiten würden ihm nun zum Vorteil werden.
Er polierte seinen Stiefel in aller Ruhe weiter, kämmte sich die Haare, schnitt sich feinsäuberlich seine Fingernägel, zog sich ein neues Hemd an, welches Kristin ihm gerade gestern genäht hatte, wusch und rasierte sich gründlich, und nahm sogar etwas von jenem Duftstoff, welches noch aus der Zeit seiner Frau stammte.
Als er seine Rüstung anschnallte, seine Schwertscheide festmachte und das Schwert kurz auf dessen Sauberkeit überprüfte, blickte er in einen großen silbernen Spiegel und sah sich selbst.
Er hielt kurz inne. Dort war er. Hauptmann van Gor unter Alatars Namen. Und dort war sie, die Träne, die er nicht hätte vergießen dürfen, jenes Zeichen von menschlichen Gefühlen, von Schwäche, von Mitgefühl, welches nicht da sein hätte dürfen, auf seinem Gesicht.
Eine einzelne Träne. Er würde sie mit einem Taschentuch abwischen, und dieses Taschentuch aufheben, als Siegel seiner Freundschaft.
So wandte er sich an die Schatulle. Es lag am steinernen Tisch, kleine goldene Verzierungen zeigten Panther und Totenschädel, und der in Obsidian gehauene Behälter schien schwarz zu glitzern.
Ehrfürchtig öffnete er sie und betrachtete den Inhalt. Dort lag er, mit einem unheimlichen Glänzen umspielt, der Weihdolch. Jenen musste Ahsai wohl verwenden, damit er Letast endgültig töten könne.
Es würde natürlich nicht einfach werden. Letast war ein Ahad.

Ahsai nahm den Dolch und ging hinaus, hinaus in die Nacht der Stadt des Panthers und schritt die Straßen entlang die im magischen Glühen der Säulen ausgeleuchtet wurden.
Er verschwendete keine Gedanken an die Vergangenheit. Alles was er sich durchdachte, waren Taktiken, Schwerthiebe, in seinem Kopf sortierte alle Messer und Dolche, die er am Körper trug nach Länge und Gewicht, sah sich vor seinem gedanklichem inneren Auge jeden einzelnen durch, und erinnerte sich gewissenhaft, welches Gift er darauf getan hatte. Und er fühlte den Weihdolch, welchen er in eine Ritze seines Doublets an seiner Seite befestigt hatte.
Und so stand er bald vor der Kirche Alatars, wo er wusste, was er finden würde. Zwei seiner Soldaten waren an ihn herangetreten, hatten sein Nahen bemerkt und standen stramm vor ihm, ohne zu wissen, was nun folgen würde.
Niemand war zu sehen, nur eine einzelne Gestalt schien seelenruhig vor dem Kirchentor vorbeizugehen, seine dunkle Robe im Wind flatternd. Ansonsten war es ruhig. Ahsai wartete bis auch diese einsame Gestalt gegangen war und die Ruhe der Nacht einkehrte.
Kurze Befehle ergingen an die Soldaten. Jene nickten. Auch wenn in ihren Augen kurz Entsetzen aufflammte. Hatte er wirklich...?
Es war klar, für Ahsai. Entweder er verließ diese Kirche mit dem Kopf des Letast, oder keiner von beiden. Die Schande, Letast entkommen zu lassen, würde er nicht auf seinem Grabstein stehen haben wollen, noch würde er wollen, dass Letast ihm womöglich sein Vorhaben ausreden würde.
Nein, wenn bis zum Morgengrauen nicht Ahsai aus der Kirche heraustrat hatten die Soldaten den Befehl bekommen, die Kirche zu stürmen und jeden darin Lebendigen zu töten.

Der Hauptmann trat ein, und sah sich um. Im Mondlicht durch die offene Decke am Altar erhellt, sah er die Gestalt knien, in Gebet vertieft..
Doch wo Mondlicht ihn hätte treffen sollen, schien nur Dunkelheit zu sein, fast als wäre der dunkle Paladin in ein schwarzes Glühen getaucht.
Leise aber bestimmt ging er auf die Gestalt zu. Er hastete nicht, noch ging er zu langsam, denn jede Angst war aus Ahsai nun gewichen, er war entschlossen, und wusste, nun gab es kein Zurück mehr. Hatte es nie gegeben.
Vor ihm war der klare Auftrag, und über alles andere würde er morgen nachdenken können. Doch das angedrohte Mittagessen mit dem Alka, das wollte er morgen lieber nicht erleben.
Sein Kopf war auf seinem Halse daheim, und nirgendwo sonst.

Er stand nur einen Schritt entfernt und griff unter sein Doublet, den Weihdolch herausholen wollend, Letast genau vor sich habend, bereit auf ihn einzuheben, als er kurz innehielt. Letast blickte nicht auf, doch dann hörte Ahsai seine Worte:
"Ich weiß warum du kommst."
Letast hatte sich nicht bewegt. Er war noch in der betenden Stellung verharrt, seine Augen geschlossen.
"Tu es schnell, sonst hast du keine Gelegenheit mehr dazu, alter Freund."
Ahsai atmete tief ein. Er spürte den Griff des Weihdolches in der einen Hand, und den Griff des Schwertes in der anderen.
Er zog das Schwert, nicht den Dolch.
Auch Letast wirbelte plötzlich herum, mit einem Satz sein Schwert ziehend und Ahsais Klinge damit berührend. Letasts Blick ging auf das Schwert Ahsais, dann wieder auf Ahsai selbst.
"Warum hast du gewartet?" meinte Letast ruhig.
"Wenn ich dich töte, Letast, dann von Aug zu Aug."
"So soll es sein." war seine Antwort und er stürzte mit gezogener Waffe auf Ahsai los.
Jener wurde auf die Bänke zurückgeschleudert, ein verzweifelter Gegenschlag köpfte eine kleine Statue welche gerade auf den Knien den Panther anbetete und einige Kerzenständer umwerfend landete Ahsai schließlich hinter den Sitzbänken.
Letast ging wütend schreiend auf ihn zu, riss mit einer Hand eine Bank hoch und schien sie mit purer Kraft wegzuschleudern.
Ahsai dagegen versuchte sich wieder aufzuraffen, am Boden zurückweichend und eine Bank gegen Letasts Schienbein tretend.
Letast schrie kurz auf, dann trat er mit einem kräftigen Schritt auf die Bank, sodass deren Holz zerbarst. Der Ahad holte mit seinem Schwerte aus.
Ahsai hielt sein Schwert blockend dagegen, doch der Ahad nutzte den Schwung des parierten Schlages um mit einem Wirbeln die ausgestreckte Waffe Ahsais wegzuschlagen.
Innerlich fasziniert über die Schnelligkeit dieses Zuges blickte Ahsai seinem Schwerte nach, welches zuerst im hohen Bogen durch die Kirche flog, dann aufprallte und am Boden entlang schlitterte, irgendwo im Dunkel einer Ecke wohl zum Stillstand kommend.
Ein Windhauch riss ihn aus seiner Trance und er drehte sich instinktiv weg. Das Schwert des Letast zerbarst die Steinfließen des Bodens, tiefe Furchen hinterlassend, doch Ahsai hatte er nicht erwischt.
Dieser ergriff den Weihdolch, riss es aus dem Doublet und stach nach Letast. Zwar auf dessen Hals zielend erwischte er nur Letasts Schulter. Und trotz dessen Rüstung ging der Dolch in Letasts Körper wie ein heißes Messer in Butter eindringen mag.
Letast schrie vor Schmerzen auf. Überraschter Miene griff er nach seiner Schulter und riss den Dolch instinktiv heraus, ihn sofort wegschleudernd, wie man wohl brennende Kleider wegwarf.
Sein eigenes Schwert ließ der Ahad fallen, da sein Arm die Last mit der Wunde nicht tragen konnte. Sofort entwichen ihm kurze Worte und er legte die Hand auf die Wunde, und einen Moment lang schien sich tatsächlich die Haut zu regenerieren, doch dann hörte der Heilvorgang sofort auf.
Ahsai stand keuchend vor Letast, welcher nun überrascht auf diesen blickte. Seine Wunde blieb offen. Dann, als etwa eine Minute bewegungslos verstrich, verzog sich Letasts Miene zu einer hasserfüllten Grimasse und er stürzte sich mit bloßen Händen auf Ahsai.
Schläge wurden ausgeteilt und das Blut spritzte. Ahsai rammte sich gegen Letast, Hände verkrampften auf den Gesichtern des anderen, Haut wurde zerrissen und die zwei raufenden Gestalten stürzten so durch die Kirche.
Schließlich, als Letast wieder Überhand zu gewinnen schien, und über Ahsai war, griff dieser mit seiner bloßen Hand in die Wunde an der Schulter des Letast.
Brüllend griff sich Letast an die Schulter, und der Hauptmann nutzte die Situation, mit einem herumliegenden Stein aus zu holen und in Letasts Gesicht zu schlagen. Der Kiefer des Ahads wurde ausgerenkt, und mit deformierten Gesicht stürzte er zu Boden. Ahsai setzte nach und trat wie er nur konnte auf den Körper ein. Ein Stiefeltritt traf Letast auch am Kopf, und Ahsai konnte schwören ein Knacken des Schädelknochens bei Letast gehört zu haben.
Dann war das letzte was er sah, die Hand Letasts, welche sich erhob und ihn anfasste, ein kaltes Gefühl auf Ahsais Haut unter der Rüstung hinterlassend.
Das Gefühl der Kälte durchfuhr Ahsai wie Milch in Wasser gegossen langsam das Glas zu einem Weiß verwandelte, und die Welt um ihn wurde dunkel. Er versuchte weiter nach Letast zu treten doch dieser schien weg gekrochen zu sein.
Orientierungslos versuchte der Erblindete irgendetwas zu finden, doch er stieß nur mit Bänken, Tischen, Säulen und Kerzenständern zusammen. So krachte er auf den Boden, seinen Körper an mehreren Stellen an den unerklärlichsten Kanten anstoßend, und versuchte auf allen Vieren sich langsam weiter zu tasten. Der Schweiß rann ihm in den Mund und er spürte das warme Gefühl von Blut im Mund mit dem salzigen Körperwasser gemeinsam seine Kehle herabrinnen. Seine Welt bestand nur aus einem Boden, dem Keuchen, und seinem eigenen Herzschlag.
Was er nicht sehen konnte, war, wie Letasts deformierte Gestalt sich langsam wieder zusammensetzte, und bis auf die Wunde an der Schulter, Letast wieder vollkommen gesundet aufstand. Der Ahad fixierte mit einem dunklen Grinsen den dahinkriechenden Hauptmann, der wohl keine Ahnung hatte, wie es aussah, als er auf offenem Terrain versuchte Deckung zu suchen, weitab von jeglicher Möglichkeit der Rettung.
Er schritt auf Ahsai zu packte mit seiner gesunden Hand die Haare des Hauptmannes und flüsterte genüßlich:
"Tapfer gekämpft mein Freund, aber seinen Segen scheinst du nicht zu haben"
Ahsai röchelte kurz und meinte dann keuchend: "Womöglich, aber dafür habe ich das..." und rammte den Weihdolch, welchen er zu fassen bekommen hatte, mit voller Wucht auf Letasts Brustkorb.
Der Ahad schreckte zurück, ließ Ahsai los und stürzte schwer blutend durch die Kirche. Vor dem Altar schließlich stürzte er zusammen.

Als Ahsai langsam wieder zu sich kam, und sich aufrappelte, froh, seine Sicht auch langsam zurück zu bekommen, blickte er sich im Raum um.
An einer Säule angelehnt sah er die Gestalt Letasts sitzen, langsam atmend, sein eigenes Schwert an sich gepresst, mit der anderen Hand den Weihdolch haltend.
Zwei große Wunden klafften auf seiner Rüstung und schimmerndes Blut trat aus, eine riesige Lache vor ihm bildend. Seine Augen waren eingefallen, sein Gesicht war fahl geworden und sein Blick war leerer geworden, das Feuer völlig aus seinen Augen gewichen, den Mund nur leicht geöffnet um gerade noch an Luft zu kommen.
Ahsai kam näher.
Der Ahad blickte langsam auf den Hauptmann auf. Sein Mund bildete kurz ein Grinsen und er meinte mit schleppenden Worten zu Ahsai: "Wenigstens im Kampf gestorben"
Ahsai nickte mit ernster Miene.
Dann bewegte sich Letasts Hand und versuchte mit letzter Kraft sein Schwert zu heben und es Ahsai zu reichen.
Als der Hauptmann den Griff des Schwertes von Letast in die Hand nahm, fiel die Hand des Ahads schlapp hinab, sein Atem seufzte noch ein letztes Mal aus und sein Kopf kippte leicht nach vorne. Die Augen starrten nun nur mehr leer und kalt vor sich.
Ahsai van Gor betrachtete die Klinge des Letast noch einmal im Mondschein, um dann blitzschnell mit einem Satz der Leiche Letasts den Kopf abzuschlagen.

An den Haaren gepackt trug er Letasts Kopf so aus der Kirche des Alatars, sein Blut wie Weihwasser auf dem Boden sprenkelnd.
Letast würde morgen ein letztes Mittagessen haben.
Trysthan A´kinar

Beitrag von Trysthan A´kinar »

Als er abends heimkam, im Wohnraum nach seinem Papa rief und mal wieder keine Antwort bekam, seufzte er traurig auf.
Seit er seine Mutter verloren hatte, unternahm er kaum etwas mit ihm. Er sah ihn kaum noch und noch weniger redeten sie miteinander.
Er würde zu gerne einmal mit seinem leiblichen Vater reden, ihm am liebsten alles erzählen.
Wie es ihm geht...
Was er den ganzen Tag macht...
Was er später einmal werden will...
Sein richtiger Vater, welchen er nie kennen gelernt hatte, trug den Namen Artos Amarth. Jener starb wie er es in Erinnerung behalten hatte kurz nach seiner Geburt. Weshalb wusste er nicht mehr, aber er wusste, dass er Ritter des einzig wahren Herrn, Alatar , war.
Er war stolz, dass sein richtiger Vater ein Ritter war, und noch mehr darauf, dass er nun der Sohn eines erwürdigen Ahads war.
Aber was nützte es ihm wenn er sich einsam fühlte.
Ab und zu besuchte er Ana, seine Freundin aus dem Fischerdorf Bajard
und zu gerne würde er seine Halbschwester Tira mal wieder sehen und sie im Kloster besuchen.
Mit den Gedanken ging er traurig zu Bett und schlief ein.

Der nächste Tag verlief wie alle andern auch, er übte hart mit dem Schwert, welches er von seinem Vater geschenkt bekam, lungerte in Rahal herum und besuchte seinen Freund, den Wirt der Taverne.
Bei ihm war er abends auch als er einige Gäste hatte tuscheln hören.
Da er von Natur aus ein sehr neugieriger Junge war, nähert er sich den Gästen unauffällig und setzte sich neben sie.

"Hast du es schon gehört? Der Ahad wurde ermordet. Sein Leichnam fand man in der heiligen Kirche.", sprach eine etwas dickere Frau voller Begeisterung für das Dramatische zu einem Mann mittleren Alters.
Jener hob skeptisch eine Augenbraue und mustert sie: "Du fantasierst dir wieder etwas zusammen. Denk dir doch nicht immer diese Geschichten aus."
Die Frau schüttelte ihre schulterlangen braunen Haare und erwiderte feste: "Das hab ich mir nicht ausgedacht. Der Barbier hat es doch mitbekommen. Die Kirche ist ja schließlich direkt neben seinem Haus."

Trysthan runzelte die Stirn und blickte nachdenklich die beiden an.
Was hatten sie gesprochen?...Es wurde der Leichnam des Ahads gefunden?...Welchen Ahad meinten sie wohl?...Syrellia? Nein das konnte nicht sein, immerhin war sie auf Reisen...
Schnell und tief atmete er ein, als ihm dämmerte was sie meinten.
Er streckte seine Hand nach der Frau aus und griff ihr feste an den Arm.
Erschrocken drehte sie sich um und blickt auf ihn hinab.
Mit flehendem Blick sah er sie an und sprach hastig: "Du...du meinst den Ahad Letast?" Vollkommen überrumpelt nickt sie auf seine Frage hin.
Heiße Tränen schossen in seine Augen, er lies ihren Arm ruckartig los und drehte sich um. Dann rannte er aus der Taverne, er rannte aus Rahal in den Wald hinein und rannte immer weiter.

Irgendwann brach er im Schnee zusammen und weinte, fern von Menschen die es sehen könnten. Er weinte weil er nun allein war, sie hatten ihn alle allein gelassen ohne an ihn zu denken. Er wusste nicht wie lang er hier lag und weinte, aber plötzlich merkte er, dass es stockfinster war und ihm kalt wurde. Er raffte sich auf, schniefte laut und wischte sich mit den eiskalten Händen die Tränen weg.
...
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