Seite 1 von 1

Die Muschel des wachenden Sternes

Verfasst: Freitag 26. Mai 2006, 20:48
von Yonai´luen Nifar
Die Muschel des wachenden Sternes

Harmonische Gesänge von Vögeln drangen durch das immergrüne Blätterdach des prächtigen Waldes. Die Sonne hatte sich bereits senkrecht über den Köpfen der Baumgiganten erstreckt. Helle sowie dunklere Schattenreflexe projizierten sich auf blasser Erde, feinen grünen Halmen und großblättrigen Sträuchern.
Unter den Sohlen Yonai’luens brachen einige abgestorbene Zweige und gaben ein hauchfeines Knistern von sich. Ein Schritt folgte langsam dem Anderen.
Nun lag der Weg vom Tal durch die Schlucht hinter ihm, woraufhin sich das riesige Meer aus Baumschäften, welche geradewegs dem Himmel entgegen strebten, vor seinen Augen auftat. Feiner Duft von süßem Baumharz durchdrang die Luft, welche er alsgleich in sich aufsog. Behutsam und vorsichtig tasteten seine Schritte sich weiter durch das immergrüne Unterholz des geborgenen und so heimatlichen Waldes.
Erneut setzte der Schaft seines Stabes, dessen Zypressenholz vom fähigsten aller Holzschreiner des blauen Tales verarbeitet wurde, auf den angefeuchteten Humusboden auf. Die Tengwarrunen, welche sich in die Holzschnittornamentmuster des Stabes einfügten, erzählten von den vergangenen Tagen des roten Bären.
Leise schlichen seine Sohlen weiter, fegten dabei über einige Blätter, welche den Zweigen entfallen waren und mittlerweile ihre saftige grüne Farbe gegen ein bleiches gelb eingetauscht hatten. Dicke Wurzeln prankten aus dem Erdboden empor und boten einer Vielzahl von Baumpilzen, dessen Farben zwischen weiß und mattem türkis schwemmten, die Möglichkeit dem Ruf der Lebendigkeit zu folgen. Einige Male erhob sich Yonai’luen’s freier Arm, um seine Fingerspitzen über die Blattformen der Ahornstecklinge lecken zu lassen, welche sich daraufhin einem ruhigen Wippen hingaben. Zufriedenheit und Wärme krönten die schmalen und blassen Lippen des Elfen, dessen Augen den gleichen Ausdruck inne hielten, während er jedes Detail seiner Umgebung zu genießen schien.
Plötzlich jedoch verebbten seine fließenden Schritte zwischen Zweien der riesigen Nussbaumgiganten, dessen Blätterdach keine Beobachtung der Äste duldete. Einige Spänen waren auf den Boden herab gerieselt, welche wohl als Reibspuren eines Bären galten und dem Rechten der Gewächse seine Unverkennbarkeit verliehen.
Vorsichtig öffnete sich das Lippenpaar Yonai’luen’s woraufhin seine weichen Stimmenbänder etwas vom melodischen Sindarin wiedergaben:
„Elfenfreundin der alten Eichen, mein Ohr vernimmt dein schönes Lied. Nur mein Blick ist es, welcher dich nicht vernehmen kann." ;Schweifend überbrachte der Wind die Antwort von allen Seiten: "Mein Gemüt erfreut es, dich einmal außerhalb der kalten Steine anzutreffen, Yonai’luen, Freund des blauen Tales. Doch ist nicht jedes Wort gleich in der Lage, schön und gut zu schallen“ Es bedurfte einen kurzen Augenblick, indem Yonai’luen die Worte in sich sinken ließ. Vorsicht wölbten sich seine Lippen und brachten seine Antwort hervor: „Freundin, gib mir keine Schuld, doch meine ich zu hören, du legst gewisse Intentionen in dein Flüstern. Gern wird dir mein Ohr lauschen wollen, wenn du mehr berichten möchtest."Etwas kräftiger fuhr nun eine plötzliche Windeböe durch die Baumkronen und verebbte schnell, woraufhin sich ein winziger Moment von Ruhe einstellte. Leise ertönte die zarte Stimme ganz in seiner Nähe von neuem: „Das Lied des Teils meiner Heimat vor dem blauen Tal wird einst nicht mehr klingen wie wir es uns wünschen. Zu weit dringt Tag um Tag und Nacht für Nacht der Mensch mit all seiner Gewohnheit in die Wälder ein. Kein Wort der unseren beiden Völker vermag ihn auch nur vorzuwarnen. Sein Ohr ist bitter taub und wird nicht einmal das Wasser schätzen, wenn kein Rauschen mehr den Bach begleitet." Ein bereits bekanntes, gutes Gefühl durchströmte jeden Teil seines Verstandes und gab ihm auf, zurück zublicken. Das schimmernd grüne und so hübsche Antlitz Lysanyiell´idhren’s fügte sich zu ihrer wunderschöne Gestalt wie ein Ganzes und schenkte ihm sogleich ein vernunftraubendes Lächeln, welches er kaum in der Lage war zu erwidern. Ihr Haar wellte sich wild über die Schultern, während ein ledernes Stirnband den Ansatz zu fixieren schien. Dunkle und hellere Blätter fanden ihren Platz auf ihrem Rock, welcher sich der Taille abwärts über die Hüften legte und seinen Abschluss kurz über den dünnen Waden fand. Ihre Zehen ruhten friedlich und nackt im Gras und zeigten keine Unreinheit auf. Erneut war es die ihre Stimme die vom Winde sanft entgegen schwappte: „Es liegt in deiner Gunst des Mensch Bewusstsein hierfür zu verändern."; Vorsichtig hob sich ihre feingliedrige Hand um mit deren Finger vorsichtig über seine Wange zu streichen. „Dein Verstand vermag wohl mehr zu deuten, als der eines jeden Anderen. Dein Lied klingt warm und sicher, so vertraut die Hoffnung in mir, dass mein Wort den Richtigen beschallt." Geladen und elegant setzte ihr Tritt an und katapultierte sie geradewegs in Richtung des Baumriesen in dessen Geäst Yonai’luen sie vermutet hatte. Gezielte Griffe an Ast und Rindenvertiefung brachten ihr den Halt um in einem kleinen Moment im Dickicht des Blätterwerkes zu verschwinden. Sein Atem presste vorsichtig hervor: „Unser Widersehen sei mir hoffentlich gewährt, Freundin der alten Eichen!“ Sein Blick suchte im Kronendach des Baumes noch einige Sekunden nach ihrer Gestalt, konnte jedoch keine Bewegung, keinen Schatten und keinen Reflex verzeichnen.
Die Sohlen Yonai’luen’s machten somit Kehrt, denn es war nun Zeit den Rückweg anzutreten. Der Glanz in seinen Augen war vergangen und kein Lächeln krönte seine Lippen. Die Worte seiner grünen Schwester waren es, die seinen Geist im Zaume hielten. Seine Aufmerksamkeit verließ den Stamm, die Blüte, jedes Blatt und jede Wurzel, sogar ein jedes Tier erfreute ihn in diesem Augenblick nicht mehr.

*Die Stimme die uns warnte war es, die aus den grünen Mündern fließt. Oft vernahm ich ihre Klage, doch nie zuvor verspürte ich solch wahren Inhalt. Ob die Zeit Gesagtes mitbringt oder nicht, ruht Lysanyiell´idhren klar und deutlich vor dem Fuß. Liegt das Richtige: „die Antwort“ mir auch so sichtbar vor dem Blick? Der Mensch im Kinde, das Kind im Mensch gehört seit jeher zum umrahmten Bild. Doch wird er es noch tun, wenn einst das Holz zerstoßen und geteilt ist?*
Leise hallten die Geräusche, welche seine Schritte erzeugten, an den Felswänden der Schlucht nach Ered Luin entlang und verkündeten seine baldige Ankunft. Knapp schenkte er den jungen Wachen ein ehrvolles Nicken, während er das marmorne Tor passierte um der Stadt erneut zu grüßen. Schnell folgte sein Weg über die blanken und fein geschliffenen Marmorplatten der heimischen Schneiderwerkstatt seiner liebsten Ninthiel. Zart versetzen die umliegenden Blüten des Gartens die Luft mit ihrem Duft, welcher den Ort noch harmonischer erscheinen ließ. Matt blau schmückten die Letter des Tengwar das Hausschild und verrieten einem jeden Besucher den Ort des Schneiderwerkes der God’hel.
„Bitte mein lieber Bruder, tritt nur ein. Ich vermisse deine Stimme schon seit Längerem“, schallte es hinter der Buchenholztür. Ein winziger Schreck durchfuhr seinen Geist, ehe er die Finger heben konnte um die Tür langsam aufzustoßen. Tapsend setzte er die ersten Schritte in ihr Gewölbe und versuchte dabei die Lippen einem liebreizenden und schüchternen Schmunzeln gleichkommen zu lassen. Erneut wurde er sich über seinen Erfolg, Ninithiel eine wunderschöne Mimesis entlockt zu haben, bewusst. Ein jedes Mal, wenn Yonai’luen ihr feines und kantiges Antlitz erblicken durfte verrieten ihre elfenbeinblauen Augen ihre emotionale Haltung. „Hat dein Blick den Rahmen des höchsten Fensters wieder ein Mal durchquert und meinen Leib gefangen?“, entfuhr es ihm in leiser Tonlage. „Führwahr, die Jahre schweifen nun ins Land und du scheinst fast mehr zu lernen über mich, als deinen Studien Aufmerksamkeit zu schenken.“, antworte sie mit einem minimalen Hauch von Energie in ihrer Stimme. „Ein jeder Augenblick herrscht vor um mehr zu sehen, als all das was bisher sichtbar ist. So fordere ich mein Größtes was die deine Seele wohl betreffen mag. Doch der Fund, liebste Ninithiel, ist jener, der mir bisher nicht gelungen ist.“ Ein Atemstoß wich einem Weiteren bevor er von neuem ansetzte: „Für heute aber reicht es mir, den deinen Rat zu hören. Die Menschen sind es, welche Anspruch auf meine Aufmerksamkeit erheben. So bitte ich dich nun um deine Meinung. Was kann die deine Zunge über jene Menschen noch berichten?“ Schwebend schallte die helle und klare Stimme von den kalkbleichen Marmorwänden zurück um erneut die Flugreise durch den riesigen hellen Raum anzutreten.
„Der Durst des Wissens lässt, so glaube ich mein Bruder, nie in diesem Leben von dir ab. Was treibt nur vorwärts in dir, das nie die Ruhe nebenher erlässt?“, entgegnete sie ernüchternd, erwiderte jedoch seinen Blick um das Wort von neuem auf zugreifen: „Immer hast du von den Menschen im besten Licht gesprochen. Die Menge an Makeln und Mängeln, die sie tragen, hast du mit anderen Sichtweisen verstanden auszumerzen. Fürsorglich und einfühlsam für jene Kinder empfand ich dich als mein Blick den Deinen traf. Gern hätten unsere Geschwister, sowie auch ich solch Interesse in dir wecken wollen.
Doch wähltest du ein jedes Wort in deinem Dasein richtig. Erst jetzt erkenne ich, denn deine Liebe für das eigene Volk könnte wohl nicht größer gewesen sein. Verlierst du den Faden der Konversation mit den Menschen wird es keinem der beiden Parteien von Hilfe sein. Ragt dein Ehrgeiz über die Gipfel des blauen Tales hinaus wird unser Volk den Todestanz des Liedes begleiten müssen. Einzig die Sterne mögen in der Lage sein ein Ende zu überdauern.“
Bevor sie geendet hatte griffen seine Hände plötzlich nach ihrem Hals, senkten sorgsam ihre Stirn, um dieser mit den Lippen einen Kuss zu schenken. Ohne Gegenwehr ließ sie ihn gewähren und hob das Antlitz erst wieder als er von ihr abließ. Dankend glänzten seine Augen und durchdrangen dabei Zeit und Raum. „Mein Dank gehört nun dir, Elfenmädchen!“ Ein Stück Aufruhr versetzte ihren Körper innerlich in Beben. Nie zuvor hatte sie solch schlichten und unausgeschmückten Dank von Yonai’luen empfangen dürfen. Ein breites Lächeln zog sich über ihr Lippenpaar und involvierte dabei ihre liebreizenden Augen, welche dem Gesamteindruck ein wenig weiterhalfen. Nur das Knarren der Tür wollte ihr noch verraten, dass ihr Gast bereits gegangen war.
Rasant, schnell und fast springend flogen die Sohlen seiner Sandalen über den Marmor, zogen weiter durch die Schlucht, durch welche er gekommen war. Jeder Grashalm spürte seine Energie, Kraft und Schnelligkeit, während seine helle Gestalt Fuß um Fuß surrend weiter durch die Landschaft des geborgenen Waldes zog. Schweres Atmen beendete seinen Sprint, dennoch zeigte sein Antlitz den Anflug von wahnsinniger Euphorie. Eingebettet lag die schwache Hügelebene wenige hundert Schritte vor ihm. Die Konturen und mächtigen Schatten kleiner Häuser, welche wohl der Menschen Eigen waren, ragten dicht am Ende des Waldareals empor. Rapide wechselte sein Blick von der Grenze seiner Heimat empor zum Himmel, dessen blaue Azurfarbe von winzigen weißen Wolkenschleiern durchsetzt wurde. Am anderen Ende der blauen Fläche hatte sich das Gestirn der Sonne ihren Weg gebahnt. Das grelle Licht ließ seine Pupillen auf ein Minimum des Ursprungs schrumpfen und zwang ihn unfein die Schlitze seiner Seekraft zu schließen. Seine Haltung wechselte schlagartig, fast urplötzlich und ließ verlauten, dass sein Leib in jenen bekannten und ruhigen Standpunkt zurückgekehrt war. Auch sein überglückliches mimisches Schmunzeln sackte ab und wurde von der sonst eher gelassen und zufriedenen Miene abgelöst. Es war nun Zeit nach Ruhe zu suchen.


Sorgsam schmiegten sich die Kirschkerne in seinem Kissen an den Nacken und bescherten ihm ein entspannendes Gefühl. So friedvoll ruhte sein Körper im weichen Gras, während er den Blick zum Dach der Welt warf. Gedanke um Gedanke schwappte durch den Verstand und die Zeit der Suche nach den Antworten endete im nächsten Augenblick. Der nächste Morgen sollte Neues bringen.
„Stürmischer Bruder, das Gestirn der Sonne mag den Berg erklommen haben. Nicht ich bin es, der heut sein Wort verliert, doch derjenige der um einen Teil deines Liedes bittet!“ Langsam begann Aethain seine Augen zu öffnen, um den Ursprung der klingenden Worte auszumachen. Zaghaft entwich ihm ein langes Schmunzeln ehe er ansetzte: „Gelehrter Bruder Yonai’luen, der meine Beirat soll dir sicher sein. Was mich noch dürstet ist die deine Absicht, doch vorher bin ich gern bereit auch mit einem Schluck Wasser Vorlieb zu nehmen.“ Grinsend verschwand Yonai’luen zur Tür hinaus und kehrte nach einigen Augenblicken mit einem schmalen Krug aus milchigem Glas zu Aethain zurück, welcher sich mittlerweile aus seinem Gemach erhoben und angekleidet hatte. „So will ich vortragen was meine Bitte beinhalten soll. Halte deine Fähigkeit die Kunst zu wirken für zwei Tage im Stillen, stattdessen ist es wichtig, dass du keinen Moment auslässt dich auf dein Seelenlied zu konzentrieren.“, sprach Yonai’luen entschlossen und goss ihm behutsam ein Kristallglas mit etwas frischem Wasser auf.

Verfasst: Freitag 26. Mai 2006, 21:37
von Ark Detrium
OOC: Die Farbwahlen sind grausam fürs Augenlicht.. Kannste das bitte alles weiß machen und durch Absätze u.ä. strukturieren? ;o) Danke