Melodien verfolgen den Zweck zu dienen
Verfasst: Mittwoch 31. Januar 2018, 09:29
[Anfänge in entfernten Gefilden]
Vor einigen Jahren...
Da war er wieder. Unaufhaltsam bohrte er sich durch ihr Ohr. Er zog sich durch den Kopf, hämmerte, schmerzte und riss an all ihren Synapsen. Gnadenlos ließ er ihre Eingeweide verkrampfen. Die grauenvollste Qual, schlimmer als eine Klinge die sich durch den Leib bohrte. Sie hob die Hand und schlug mit einem Stock auf die kleinen schwarzen Finger. Diese zogen sich unter dem flinken Hieb weg. Der bohrende, Eingeweide umdrehende Schmerz ebbte ab, als der scheußlich falsche Ton endlich verklang. Stille. Nur das Plätschern der Tropfen welche von den Stalagmiten auf den Boden fielen. „Ungenügend.“, kam das Urteil und die grünen Augen funkelten den Sprössling an. Dann schwang sie sich auf die Beine und ließ ihn ohne weiteres Wort zurück.
Die kleinen, spitzen Ohren lauschten noch in die Höhle hinein, ob sie wirklich fort war. Ehe die Finger erneut ansetzten und das Xy'notar wieder gestrichen wurde. Ungenügend, kam es in den kleinen Kopf. Vernarrt starrten die Augen auf das Instrument. Ungenügend. Das durfte nicht sein. Niemals. Perfektion war das Einzige was er akzeptierte, was sie Leben lassen würde in dem widerwärtig großen Haufen von Sprösslingen. Die hämisch grinsenden Visagen würde sie ihnen am Liebsten für immer auf ihr Gesicht schneiden. „Lethurax...“, sagten sie stets mit einem unterschwelligen, Zorn säenden Hauch der Abneigung. Wie konnte auch etwas gut sein, was mit einem Lied zu tun hatte, mit Melodie. Etwas was der heuchlerischen Mutter so nah kam. Disharmonie, sein Lied, dass war das einzige akzeptable. Als der Ton, den sie nun auch hörte, erneut erklang knurrte sie wütend auf. Ihre Finger griffen so fest um das Instrument, dass ihre Knöchel hervor stachen. Der Körper zitterte, dann huschte ihr etwas vor die Füße, sie hob den Fuß und trat zu – Erwischt! Sie beugte sich voran und betrachtete mit zusammen gekniffenen Augen das sich windende etwas: Eine Ratte. Ihr Fuß quetschte den langen Schwanz zu Boden. Die Hand lockerte sich langsam wieder. Das süffisante Lächeln auf den Lippen verhieß nichts Gutes. Sie zog den Bogen langsam wieder über die Saiten. Nun gewollt falsch. Die Töne waren schrill. Disharmonisch. Ihr eigener Kopf schmerzte als die Töne ihren Leib durchzogen. Die Ratte wandte sich, quietschte schrill. Auf dem scheußlichen Höhepunkt ihres Liedes, bebte der kleine Körper, dann fiel er ganz in sich zusammen. Aus den großen Ohren rann langsam Blut. Der Bogen wurde abgesetzt und mit der Spitze die tote Ratte angestupst. Vielleicht, lag im Ungenügend die Perfektion? Was war schlimmer, als die romantische Vorstellung eines Liedes herzunehmen und daraus etwas so grauenvoll scheußliches zu tun?
Ceshacres betrachtete die gefangene Ratte mit gleichgültigem Blick. Es war ihr wohl zu wider, dass dieser Spross nun ihre Zeit beanspruchte. Sie hatte besseres zu tun. Sie bildete nicht nur jene erbärmliche Sprösslinge aus die sich für ein Instrument entschieden, sondern schulte auch Geschichte. Da gab es sehr vielversprechende Letharfen, welche viel effektiver dienen könnten als das kleine Ding.. wie hieß sie noch. Doch da spielte sie dann schon und wieder hämmerte dieses bohren in ihren Ohren. Sie wusste aber worauf, wie auch immer sie hieß, hinaus wollte. Vielleicht war es ja doch gar nicht so dumm. So hörte sie sich die disharmonischen Töne, schrille und hämmernde, an. Sie begann den Schmerz zu genießen als die Ratte sich zuckend auf den Boden legte und wegen des guten Gehörs der Ratte offenbar dessen Trommelfelle platzten. So rann schließlich das Leben aus dieser hinaus. „Gut.“, kam das Urteil – endlich diente die Musik dieses Sprosses einem Zweck. Die drei Buchstaben waren mehr Zuspruch als Lu'aryl jemals in ihrem Leben bekam. „Du hast verstanden.“ Die Lethra drückte sich hoch und ließ den Spross wieder stehen. Doch nun eilte diese hinterher. Sie führte sie zu einem Höhlenabschnitt voller vor sich hin vermodernden Regale in welche aber ordentlich sortierte Rollen lagen. „Lern.“ Da ließ sie den Spross allein.
Sie sah von ihrer Schrift auf und blickte durch die Höhle. Wenn es einen Wunsch gab in ihren lodernden Adern, dann jener ihm bis zu jenem glorreichen Ende dienen zu dürfen. Es war ihr ganzes sterben, alles was sie tat, tat sie für sein Werk. Um sein Lied zu schaffen. Sie rollte das Pergament zusammen und verstaute es in ihrem Beutel. Durch das Wort, fokussierte sie sich, bekam ein Ziel und vielleicht half es ihr einst sogar. Viele solcher Gedichte und Lieder hatte sie schon verfasst und in Löcher bei ihrer Schlafnische gestopft.
Die Schriftenhöhle war ihr neuer Abschnitt in der Ausbildung. An einigen Tischen beugten sich schon ältere Sprösslinge über schwere Bücher. Sie wurde von ihnen meistens missbraucht um Abschriften anzufertigen. Doch auch dabei lernte sie. Neben den Studien in den Büchern, übte sie sich in ihrer Wortkunst. Sie leistete sich regelrecht Wortgefechte mit anderen Geschwistern, doch darin lag nicht die Perfektion. Diese war für sie das Einflüstern von Worten, Gedanken, Gefühlen. Es musste so aussehen als wäre es zufällig, eine Randbemerkung vielleicht. Dazu musste man nicht nur gut beobachten, man musste auch Geduld zeigen. Erst wenn man seinen Gegenüber studiert hat, konnte man den größtmöglichen Schade mit Worten anrichten. Und unter all ihren Studien, kam der Tag ihrer Ritus näher. Die Gedanken fixierten sich auf diese Zeit. Wann würden sie ihr die Aufgabe geben? Wann konnte sie endlich beweisen, dass sie zu einem fähigen Instrument seines Willens geworden ist?
Und so kam jener Tag ihres Initationsritus wirklich. Sie wurde in einen Höhlenabschnitt geführt welchen ihr Axorn zum einkerkern verwendete. Ein männlicher Mensch saß in einen der Kerker. Wortlos wurde ihr jener gezeigt. Dann ging man mit ihr weiter. Abseits des Menschen wurde ihre Aufgabe erklärt. Sie sollte ihm Informationen entlocken und ihn danach beseitigen. Er war offenbar ein höheres Tier und trieb sich in der Nähe einer ihrer Höhlenausgänge herum.
Sie saß schweigend vor dem Kerker und sah den Menschen an. Nach einer Stunde hörte er endlich auf zu reden, von Fragen was sie von ihm wollen über Hasstriaden. Ihr Blick hing unentwegt auf ihm, kaum ein Blinzeln unterbrach ihn. In ihrem Kopf spann sie sich alle Möglichkeiten zusammen, webte ein Nest von Wegen. Dann plötzlich, hob sie ihre Hände an und fuhr sich über ihre Augen, ganz so als wäre sie unendlich müde. Der Mensch betrachtete sie da irritiert. Dann drückte sie sich auf und ging.
Den Tag danach kam sie wieder zu ihm. Mit Essen in der Hand, sie stellte es ihm hin und atmete schwermütig aus, während ihr Blick auf den Boden hing. „Geht es euch gut?“, fragte sie bemüht darin, dass ihr Stimmklang möglichst sanft für die Ohren eines im Lied befindlichen Wesens klang. Er verzog trotzdem das Gesicht. „Was interessiert euch das, Pantherpack.“ Da senkten sich ihre Blicke ab und sie seufzte leidvoll aus. „Ich will das doch auch nicht..“, Lu'aryl säuselte. „Aber sonst bedeutet es auch meinen Tod.“ Er schob mit den Fuß den Teller weg. „Verschwinde.“, der Mensch knurrte. Da hob sie sich auf ihre Füße, ihr Blick hing noch einen Moment auf ihn und dann ging sie und bemühte sich mit besonders weichen Schritten zu verschwinden.
Am dritten Tag aß er. Zwar nur etwas, aber er tat es. „Wie heißt du?“ - „Torben.“ Sie neigte sich an die Gitterstäbe und zog die Beine an sich heran. „Torben.. woher stammst du?“ Die Stimmmelodie war wieder so sanft, wie es die Disharmonie in ihrem Klang es zulassen konnte. Er sah auf und fixierte die Lethra. „Nirgendwo her.“ Ein leichtes Nicken von ihr folgte, vermittelte Verständnis. Seinen Teller nehmend ging sie wieder.
Zwei Tage ließ sie ihn allein, auch sonst besuchte ihn keiner. Dann kam sie am nun sechsten Tage seiner Gefangenschaft wieder, als sie sicher war er würde bald schlafen. Sie hielt sich in einer Nebenhöhle auf und begann dort ein Lied zu singen.
Der Inhalt war ihr zu wider. Doch sie sang es sanft und rein, so als würde ihr ganzes Herz in jenen Zeilen stecken. Meisterwerk der Lügen würde sie das Lied bezeichnen. Amüsant war, dass die Menschen in Gesang meist Wahrheit sahen. Sie dachten wahrhaftig, wenn man etwas reimt und sich die schlichte Mühe einer Melodie gibt, ist dessen Inhalt mehr wert. Als wäre es etwas besonderes, wenn man singt statt zu reden. Was unterschied diese Form? Nichts. Es war ein Werkzeug für sie. Melodien. Gesang. Es half ihr diesen kleinen fehlgeleiteten Menschen zu brechen: Ihm den Keim einzupflanzen, sie sei anders.
Langsam schritt sie in die Höhle während sie sang, drehte sich dann herum und war gespielt überrascht, dass er noch wach in seinem Kerker saß. Er lehnte an den Stäben und sah zu ihr. Sein Blick war anders als sonst. Kein Hass, keine Abneigung. Wie dumm die Menschen doch waren. Innerlich grinst sie hämisch. Äußerlich, erwiderte sie den Blick stumm. Ehe sie sich herum drehte und mit raschen Schritt eine Flucht mimte.
Zwei Tage bemühte sie sich noch mit ruhigen Gesprächen. Erfuhr von seiner Heimat, Flusswasser. Doch wenn es interessant wurde, war sein Instinkt noch da, der ihn warnte vor diesem nachtblauen Geschöpf. An dem Tag darauf, spielte sie ihm ein Lied, eine Melodie die für Menschenohren wohl von Perfektion getragen wurde. Kein Ton verfehlte die melodische Abfolge. Für sie waren es völlig uninteressante Töne. Sie hörte die Melodie natürlich. Ihr Gehör war geschult. Doch empfand sie dabei nichts. Im Gegensatz zu dem Menschen. Er begann zu weinen. Da legte sie die Hand auf die Saiten und ließ die Melodie verklingen. „Torben..?“, sie neigte den Kopf zur Seite und betrachtete den Mensch aus den mandelförmigen Augen. Als er nicht aufhörte zu weinen, schob sie ihre Hand durch die Stäbe und legte sie an seine Schulter. Er rutschte näher heran, ihre zweite Hand legte sich an ihn, da zog er die Beine ein. Sie fuhr ihn über das Haar, strich ihm gar liebevoll hindurch. Er war soweit...
Einen Tag später, eilte sie in die Höhle. Gehetzt ihr Blick, ging sie zum Kerker hinüber. „Ich muss weg.“, keuchte sie und umgriff die Gitterstäbe. „Wie?“, Torben drückte sich hoch und sah sie sorgenvoll an. „Ich soll dich töten, weil ich nichts aus dir heraus bekomme und du nur noch Ballast für sie bist... aber ich verweigerte.“ Sie drehte den Kopf herum gen Höhlengänge. „Sie kommen gleich.“ Er griff durch die Stäbe hindurch und nahm ihre Hand. „Nimm' mich mit, ich bringe dich zu mir. Ich beschütze dich. Du bist anders als sie.“ Gespielt gehetzt sah sie wieder gen Gänge, wohinter ihre Geschwister ihren Bestrebungen in Ruhe weiter gingen. Keiner war hinter ihr her. Ein rasches Nicken von ihr. Dann zog sie den Schlüssel heraus und sperrte den Kerker auf. „Komm!“, sie griff seine Hand und eilte mit ihm aus der Höhle heraus. Sie rannten durch dunkle Gänge, die sie wie ihre Westentasche kannte. Nach ein paar Minuten, in welchen er schwer keuchte, bremste sie ab. Sie mimte beschleunigten Atem, sah wie gehetzt um sich.
„Wo führst du mich hin, Torben? Sie werden mich töten.. hier oder bei dir.“
„Nein, ich werde dich verstecken. In Flusswasser gibt es doch den Reichswald.“
„Und dort soll ich sicher sein? Ich eine Lethra?“
Da bemühte er sich gar um ein Lächeln: „Du bist anders. Wir haben ein Lager aufgeschlagen, nördlich des Quellursprung vom Hisar, in einer abgegrenzten Höhle. Meine Leute habe ich im Griff und deine finden dich dort niemals.“
Sie schüttelte ihren Kopf: „Aber wenn die Höhle mit unseren Gängen verbunden ist?“
„Nein, wir haben die Höhle ausgekundschaftet und man kommt nur durch einen schmalen Felsengang hinein der sich durch den Wald zieht.“ Sie atmete tief durch und wollte ihm um den Hals fallen. Seine Arme zogen sich um sie herum und er schnaufte zufrieden. Dann drückte sie sich weg, ihre Augen lagen in seinen als sie ruhig meinte: „Danke.“, da zog sie ihren Dolch im Schutz der Dunkelheit und mit einem weiteren Zug zu ihm, so als wollte sie ihn nochmals umarmen, bohrte sich die scharfe Klinge durch sein Herz.
Es dauerte keine Woche, dann war das Lager Geschichte. Sie waren viel zu nah an die Ausgänge ihrer Höhlen gekommen, ein Umstand den das Axorn nicht akzeptieren konnte. Gift in ihrem Essen vollbrachte die Aufgabe effektiv, denn ein offener Kampf wäre durch den schmalen Felsengang zu riskant gewesen. Sie bestand ihre Aufgabe. Doch mit dem bestehen der Aufgabe wurde sie auch fortgeschickt. Das Nest hatte sie ausgebildet, ihr die Disharmonie gelehrt, das Melodien nur einem Zweck erfüllten – zu dienen, ihr die scharfe Zunge gelehrt und die Geschichte nahe gebracht. Ihr Nest hatte genug Weibchen, es war ein großes Axorn. So schickte man sie zum Leth'Axorn, ein kleineres Nest so wurde es ihr gesagt, welches Nachwuchs benötige. Ohne zu zögern folgte sie und machte sich direkt auf den Weg.
Vor einigen Jahren...
Da war er wieder. Unaufhaltsam bohrte er sich durch ihr Ohr. Er zog sich durch den Kopf, hämmerte, schmerzte und riss an all ihren Synapsen. Gnadenlos ließ er ihre Eingeweide verkrampfen. Die grauenvollste Qual, schlimmer als eine Klinge die sich durch den Leib bohrte. Sie hob die Hand und schlug mit einem Stock auf die kleinen schwarzen Finger. Diese zogen sich unter dem flinken Hieb weg. Der bohrende, Eingeweide umdrehende Schmerz ebbte ab, als der scheußlich falsche Ton endlich verklang. Stille. Nur das Plätschern der Tropfen welche von den Stalagmiten auf den Boden fielen. „Ungenügend.“, kam das Urteil und die grünen Augen funkelten den Sprössling an. Dann schwang sie sich auf die Beine und ließ ihn ohne weiteres Wort zurück.
Die kleinen, spitzen Ohren lauschten noch in die Höhle hinein, ob sie wirklich fort war. Ehe die Finger erneut ansetzten und das Xy'notar wieder gestrichen wurde. Ungenügend, kam es in den kleinen Kopf. Vernarrt starrten die Augen auf das Instrument. Ungenügend. Das durfte nicht sein. Niemals. Perfektion war das Einzige was er akzeptierte, was sie Leben lassen würde in dem widerwärtig großen Haufen von Sprösslingen. Die hämisch grinsenden Visagen würde sie ihnen am Liebsten für immer auf ihr Gesicht schneiden. „Lethurax...“, sagten sie stets mit einem unterschwelligen, Zorn säenden Hauch der Abneigung. Wie konnte auch etwas gut sein, was mit einem Lied zu tun hatte, mit Melodie. Etwas was der heuchlerischen Mutter so nah kam. Disharmonie, sein Lied, dass war das einzige akzeptable. Als der Ton, den sie nun auch hörte, erneut erklang knurrte sie wütend auf. Ihre Finger griffen so fest um das Instrument, dass ihre Knöchel hervor stachen. Der Körper zitterte, dann huschte ihr etwas vor die Füße, sie hob den Fuß und trat zu – Erwischt! Sie beugte sich voran und betrachtete mit zusammen gekniffenen Augen das sich windende etwas: Eine Ratte. Ihr Fuß quetschte den langen Schwanz zu Boden. Die Hand lockerte sich langsam wieder. Das süffisante Lächeln auf den Lippen verhieß nichts Gutes. Sie zog den Bogen langsam wieder über die Saiten. Nun gewollt falsch. Die Töne waren schrill. Disharmonisch. Ihr eigener Kopf schmerzte als die Töne ihren Leib durchzogen. Die Ratte wandte sich, quietschte schrill. Auf dem scheußlichen Höhepunkt ihres Liedes, bebte der kleine Körper, dann fiel er ganz in sich zusammen. Aus den großen Ohren rann langsam Blut. Der Bogen wurde abgesetzt und mit der Spitze die tote Ratte angestupst. Vielleicht, lag im Ungenügend die Perfektion? Was war schlimmer, als die romantische Vorstellung eines Liedes herzunehmen und daraus etwas so grauenvoll scheußliches zu tun?
Ceshacres betrachtete die gefangene Ratte mit gleichgültigem Blick. Es war ihr wohl zu wider, dass dieser Spross nun ihre Zeit beanspruchte. Sie hatte besseres zu tun. Sie bildete nicht nur jene erbärmliche Sprösslinge aus die sich für ein Instrument entschieden, sondern schulte auch Geschichte. Da gab es sehr vielversprechende Letharfen, welche viel effektiver dienen könnten als das kleine Ding.. wie hieß sie noch. Doch da spielte sie dann schon und wieder hämmerte dieses bohren in ihren Ohren. Sie wusste aber worauf, wie auch immer sie hieß, hinaus wollte. Vielleicht war es ja doch gar nicht so dumm. So hörte sie sich die disharmonischen Töne, schrille und hämmernde, an. Sie begann den Schmerz zu genießen als die Ratte sich zuckend auf den Boden legte und wegen des guten Gehörs der Ratte offenbar dessen Trommelfelle platzten. So rann schließlich das Leben aus dieser hinaus. „Gut.“, kam das Urteil – endlich diente die Musik dieses Sprosses einem Zweck. Die drei Buchstaben waren mehr Zuspruch als Lu'aryl jemals in ihrem Leben bekam. „Du hast verstanden.“ Die Lethra drückte sich hoch und ließ den Spross wieder stehen. Doch nun eilte diese hinterher. Sie führte sie zu einem Höhlenabschnitt voller vor sich hin vermodernden Regale in welche aber ordentlich sortierte Rollen lagen. „Lern.“ Da ließ sie den Spross allein.
- Sie bahnt sich unaufhaltsam den Pfad, brennend in den Adern,
keimt die reinigende Saat und sie lässt uns niemals hadern.
In uns fließt der reinigende Hass, er lässt uns klar sehen,
beschritten wird der wahre Pass und es ist längst geschehen:
Wir läuten ein die große Wende denn wir sehen das Ganze,
und so erschaffen wir das Ende mit vor Zorn erfüllter Lanze.
Es wird alles reinigen und erfüllt dann all unser streben,
Er wird alles beseitigen und wir waren auserkoren zu geben das Leben.
Sie sah von ihrer Schrift auf und blickte durch die Höhle. Wenn es einen Wunsch gab in ihren lodernden Adern, dann jener ihm bis zu jenem glorreichen Ende dienen zu dürfen. Es war ihr ganzes sterben, alles was sie tat, tat sie für sein Werk. Um sein Lied zu schaffen. Sie rollte das Pergament zusammen und verstaute es in ihrem Beutel. Durch das Wort, fokussierte sie sich, bekam ein Ziel und vielleicht half es ihr einst sogar. Viele solcher Gedichte und Lieder hatte sie schon verfasst und in Löcher bei ihrer Schlafnische gestopft.
Die Schriftenhöhle war ihr neuer Abschnitt in der Ausbildung. An einigen Tischen beugten sich schon ältere Sprösslinge über schwere Bücher. Sie wurde von ihnen meistens missbraucht um Abschriften anzufertigen. Doch auch dabei lernte sie. Neben den Studien in den Büchern, übte sie sich in ihrer Wortkunst. Sie leistete sich regelrecht Wortgefechte mit anderen Geschwistern, doch darin lag nicht die Perfektion. Diese war für sie das Einflüstern von Worten, Gedanken, Gefühlen. Es musste so aussehen als wäre es zufällig, eine Randbemerkung vielleicht. Dazu musste man nicht nur gut beobachten, man musste auch Geduld zeigen. Erst wenn man seinen Gegenüber studiert hat, konnte man den größtmöglichen Schade mit Worten anrichten. Und unter all ihren Studien, kam der Tag ihrer Ritus näher. Die Gedanken fixierten sich auf diese Zeit. Wann würden sie ihr die Aufgabe geben? Wann konnte sie endlich beweisen, dass sie zu einem fähigen Instrument seines Willens geworden ist?
Und so kam jener Tag ihres Initationsritus wirklich. Sie wurde in einen Höhlenabschnitt geführt welchen ihr Axorn zum einkerkern verwendete. Ein männlicher Mensch saß in einen der Kerker. Wortlos wurde ihr jener gezeigt. Dann ging man mit ihr weiter. Abseits des Menschen wurde ihre Aufgabe erklärt. Sie sollte ihm Informationen entlocken und ihn danach beseitigen. Er war offenbar ein höheres Tier und trieb sich in der Nähe einer ihrer Höhlenausgänge herum.
Sie saß schweigend vor dem Kerker und sah den Menschen an. Nach einer Stunde hörte er endlich auf zu reden, von Fragen was sie von ihm wollen über Hasstriaden. Ihr Blick hing unentwegt auf ihm, kaum ein Blinzeln unterbrach ihn. In ihrem Kopf spann sie sich alle Möglichkeiten zusammen, webte ein Nest von Wegen. Dann plötzlich, hob sie ihre Hände an und fuhr sich über ihre Augen, ganz so als wäre sie unendlich müde. Der Mensch betrachtete sie da irritiert. Dann drückte sie sich auf und ging.
Den Tag danach kam sie wieder zu ihm. Mit Essen in der Hand, sie stellte es ihm hin und atmete schwermütig aus, während ihr Blick auf den Boden hing. „Geht es euch gut?“, fragte sie bemüht darin, dass ihr Stimmklang möglichst sanft für die Ohren eines im Lied befindlichen Wesens klang. Er verzog trotzdem das Gesicht. „Was interessiert euch das, Pantherpack.“ Da senkten sich ihre Blicke ab und sie seufzte leidvoll aus. „Ich will das doch auch nicht..“, Lu'aryl säuselte. „Aber sonst bedeutet es auch meinen Tod.“ Er schob mit den Fuß den Teller weg. „Verschwinde.“, der Mensch knurrte. Da hob sie sich auf ihre Füße, ihr Blick hing noch einen Moment auf ihn und dann ging sie und bemühte sich mit besonders weichen Schritten zu verschwinden.
Am dritten Tag aß er. Zwar nur etwas, aber er tat es. „Wie heißt du?“ - „Torben.“ Sie neigte sich an die Gitterstäbe und zog die Beine an sich heran. „Torben.. woher stammst du?“ Die Stimmmelodie war wieder so sanft, wie es die Disharmonie in ihrem Klang es zulassen konnte. Er sah auf und fixierte die Lethra. „Nirgendwo her.“ Ein leichtes Nicken von ihr folgte, vermittelte Verständnis. Seinen Teller nehmend ging sie wieder.
Zwei Tage ließ sie ihn allein, auch sonst besuchte ihn keiner. Dann kam sie am nun sechsten Tage seiner Gefangenschaft wieder, als sie sicher war er würde bald schlafen. Sie hielt sich in einer Nebenhöhle auf und begann dort ein Lied zu singen.
- Die Wege verworren, war ich doch nur eine Seele.
Wohin es mich führen sollte: Ein grausames Schicksal.
Blaue Haut, spitze Ohren, schwarzes Haar, ein gebranntes Mal.
Ein grauenvolles Leben mit dem Messer an der Kehle.
So bin ich ein ruheloser Geist, gehöre doch nicht hier her.
Meine Hände zittern wenn ich daran denke: Was geschieht,
wenn sie es bemerken, sie verstehen was mich anzieht?
Mein Herz, es wird Jahr um Jahr so kalt und leer.
Wer kommt um es mir zu erfüllen, mit schönen Gedanken?
Ein Schatten breitet sich um mich aus, zieht mich in die Nacht.
Ist dies ein böser Traum, bin ich gar anders und noch nicht erwacht?
Die Hoffnung, sie keimte, wächst und erblüht wie Rosenranken.
Der Inhalt war ihr zu wider. Doch sie sang es sanft und rein, so als würde ihr ganzes Herz in jenen Zeilen stecken. Meisterwerk der Lügen würde sie das Lied bezeichnen. Amüsant war, dass die Menschen in Gesang meist Wahrheit sahen. Sie dachten wahrhaftig, wenn man etwas reimt und sich die schlichte Mühe einer Melodie gibt, ist dessen Inhalt mehr wert. Als wäre es etwas besonderes, wenn man singt statt zu reden. Was unterschied diese Form? Nichts. Es war ein Werkzeug für sie. Melodien. Gesang. Es half ihr diesen kleinen fehlgeleiteten Menschen zu brechen: Ihm den Keim einzupflanzen, sie sei anders.
Langsam schritt sie in die Höhle während sie sang, drehte sich dann herum und war gespielt überrascht, dass er noch wach in seinem Kerker saß. Er lehnte an den Stäben und sah zu ihr. Sein Blick war anders als sonst. Kein Hass, keine Abneigung. Wie dumm die Menschen doch waren. Innerlich grinst sie hämisch. Äußerlich, erwiderte sie den Blick stumm. Ehe sie sich herum drehte und mit raschen Schritt eine Flucht mimte.
Zwei Tage bemühte sie sich noch mit ruhigen Gesprächen. Erfuhr von seiner Heimat, Flusswasser. Doch wenn es interessant wurde, war sein Instinkt noch da, der ihn warnte vor diesem nachtblauen Geschöpf. An dem Tag darauf, spielte sie ihm ein Lied, eine Melodie die für Menschenohren wohl von Perfektion getragen wurde. Kein Ton verfehlte die melodische Abfolge. Für sie waren es völlig uninteressante Töne. Sie hörte die Melodie natürlich. Ihr Gehör war geschult. Doch empfand sie dabei nichts. Im Gegensatz zu dem Menschen. Er begann zu weinen. Da legte sie die Hand auf die Saiten und ließ die Melodie verklingen. „Torben..?“, sie neigte den Kopf zur Seite und betrachtete den Mensch aus den mandelförmigen Augen. Als er nicht aufhörte zu weinen, schob sie ihre Hand durch die Stäbe und legte sie an seine Schulter. Er rutschte näher heran, ihre zweite Hand legte sich an ihn, da zog er die Beine ein. Sie fuhr ihn über das Haar, strich ihm gar liebevoll hindurch. Er war soweit...
Einen Tag später, eilte sie in die Höhle. Gehetzt ihr Blick, ging sie zum Kerker hinüber. „Ich muss weg.“, keuchte sie und umgriff die Gitterstäbe. „Wie?“, Torben drückte sich hoch und sah sie sorgenvoll an. „Ich soll dich töten, weil ich nichts aus dir heraus bekomme und du nur noch Ballast für sie bist... aber ich verweigerte.“ Sie drehte den Kopf herum gen Höhlengänge. „Sie kommen gleich.“ Er griff durch die Stäbe hindurch und nahm ihre Hand. „Nimm' mich mit, ich bringe dich zu mir. Ich beschütze dich. Du bist anders als sie.“ Gespielt gehetzt sah sie wieder gen Gänge, wohinter ihre Geschwister ihren Bestrebungen in Ruhe weiter gingen. Keiner war hinter ihr her. Ein rasches Nicken von ihr. Dann zog sie den Schlüssel heraus und sperrte den Kerker auf. „Komm!“, sie griff seine Hand und eilte mit ihm aus der Höhle heraus. Sie rannten durch dunkle Gänge, die sie wie ihre Westentasche kannte. Nach ein paar Minuten, in welchen er schwer keuchte, bremste sie ab. Sie mimte beschleunigten Atem, sah wie gehetzt um sich.
„Wo führst du mich hin, Torben? Sie werden mich töten.. hier oder bei dir.“
„Nein, ich werde dich verstecken. In Flusswasser gibt es doch den Reichswald.“
„Und dort soll ich sicher sein? Ich eine Lethra?“
Da bemühte er sich gar um ein Lächeln: „Du bist anders. Wir haben ein Lager aufgeschlagen, nördlich des Quellursprung vom Hisar, in einer abgegrenzten Höhle. Meine Leute habe ich im Griff und deine finden dich dort niemals.“
Sie schüttelte ihren Kopf: „Aber wenn die Höhle mit unseren Gängen verbunden ist?“
„Nein, wir haben die Höhle ausgekundschaftet und man kommt nur durch einen schmalen Felsengang hinein der sich durch den Wald zieht.“ Sie atmete tief durch und wollte ihm um den Hals fallen. Seine Arme zogen sich um sie herum und er schnaufte zufrieden. Dann drückte sie sich weg, ihre Augen lagen in seinen als sie ruhig meinte: „Danke.“, da zog sie ihren Dolch im Schutz der Dunkelheit und mit einem weiteren Zug zu ihm, so als wollte sie ihn nochmals umarmen, bohrte sich die scharfe Klinge durch sein Herz.
Es dauerte keine Woche, dann war das Lager Geschichte. Sie waren viel zu nah an die Ausgänge ihrer Höhlen gekommen, ein Umstand den das Axorn nicht akzeptieren konnte. Gift in ihrem Essen vollbrachte die Aufgabe effektiv, denn ein offener Kampf wäre durch den schmalen Felsengang zu riskant gewesen. Sie bestand ihre Aufgabe. Doch mit dem bestehen der Aufgabe wurde sie auch fortgeschickt. Das Nest hatte sie ausgebildet, ihr die Disharmonie gelehrt, das Melodien nur einem Zweck erfüllten – zu dienen, ihr die scharfe Zunge gelehrt und die Geschichte nahe gebracht. Ihr Nest hatte genug Weibchen, es war ein großes Axorn. So schickte man sie zum Leth'Axorn, ein kleineres Nest so wurde es ihr gesagt, welches Nachwuchs benötige. Ohne zu zögern folgte sie und machte sich direkt auf den Weg.


