Seite 1 von 1

Auf den Pfaden Temoras

Verfasst: Montag 22. Mai 2006, 01:21
von Crean Laskelin
...und so wanderte Crean durch die Grafschaft Hohenfels und erreichte alsbald die Stadt Varuna. Er war beeindruckt von den hohen mächtigen Mauern. Nichts deutete mehr auf den einstigen Fall der Stadt hin, dessen Nachricht ihn erst vor nicht allzu langer Zeit erreichte, mit Ausnahme des prächtigen Denkmals vor der stolzen Stadt. Er wandelte durch die Gassen, besuchte das weit bekannte Gasthaus der Stadt und so dauerte es nicht lange, bis er auf den Namen des Orden der Temora stieß. Mit Wohlgefallen vernahm er wie man in der Stadt über den Orden sprach. Er hörte von hoch gehaltenen Tugenden, von Liebe und Treue zum Königshaus und von Rittern, welche sich dem schwarzen Feind aus dem Westen mutig im Kriege entgegen warfen, als die dunklen Schergen drohte, über die Rechtschaffenen herein zu brechen.
Sollte dieser Orden sein Ziel sein? Führte ihn der Weg im Kampf gegen die Dunkelheit dort hin? Oder nagte Alatars Zahn auch an dieser Bastion der Gerechten? Begann der Hass auch jene treuen Ritter, wie schon so viele andere in diesen Landen, schleichend zu vergiften? Crean war entschlossen es herauszufinden und so machte er sich eines Abends auf den Weg, an den Feldern und Höfen Varunas vorbei, zum Kloster der Temora. Es dämmerte und war schwül, als können jeden Augenblick die Wolken aufplatzen und sich in einem heftigen Sommergewitter über dem Land entladen. Der Geruch nach frischen Kräutern drang über die Mauern zu ihm herüber. Schwer schlug der mächtige Eisenring gegen die Verschläge des gewaltigen Tores.

Verfasst: Montag 22. Mai 2006, 16:56
von Der Erzähler
Und so geschah es, dass Ordensbruder Themyan das Nordtor der Heiligen Reichsstadt passierte. Sein Haupt versteckte er unter einer blauen Kapuze, seinen Blick stets zu Boden gesenkt und vor sich herschiebend. Nicht allzu oft kam ein Gesandter des Ordens der Temora in diese prachtvolle Stadt, um Lebensmittel in jenen Korb zu bringen, welcher um den rechten Arm Themyans hing. Und doch waren sie vorsichtig, und wählten nur wenige Worte zu ihren gegenüber, um schnell zu dem zu kommen was sie benötigten. Von einem Handelsposten zum Andern gelangt, stach dem berobten Bruder ein Herr mit weiß-blondem Haar in die Augen. Würde dieser schlafen? Fast hätte er seinen prall gefüllten Korb fallen gelassen, als er ihn anrempelte.
Sachte hob sich die Kapuze etwas, den Herren genauer in Betracht ziehen zu können, als Dieser auch schon wieder aus seinem Blickfeld verschwunden war. So sortierte Themyan seine frisch erworbenen Zuckerrüben im Korb neu auf. Und verschwand selbst in der Menschenmasse hinter der nächsten Person.

Verfasst: Freitag 2. Juni 2006, 15:29
von Crean Laskelin
Geduldig wartete Crean vor den hohen Mauern. Bald schob jemand von innen das in das Tor eingelassenes hölzernes Fenster auf, und ein von jungen Falten durchzogenes Gesicht tauchte hinter der kleinen Öffnung auf. „Temoras Segen mein Herr,“ sprach der Mann freundlich. „Was ist euer Begehr zu später Stund an den Pforten des Klosters?“ Mit klarem wachen Blick musterte der kleine grauhaarige Templer den Krieger. „Temoras Segen mit euch, Vater. Bitte verzeiht mir mein Stören.“Der Blick aus seine blassen blauen Augen lagen ruhig auf dem Templer, dennoch zeugte sein Ausdruck von ehrlicher Ehrerbietung gegenüber dem alten Diener Temoras. „Ich komme mit der Bitte um Hilfe. Ich bin weit und lange gereist um einen Pfad zu finden, der die gütige Göttin zu erfreuen vermag.“ Für einen Augenblick hielt Crean inne und schaute mit klarem Blick gen Himmel. Als er das fortfuhr galt seine Aufmerksamkeit wieder auf den Templer und in seinen Augen leuchtete Hoffnung. „Man spricht im Volke von einem Orden der Temora. Jener sei Hüter und Bewahrer der Werte und Tugenden die jenen Weg kennzeichnen, welchen ich seit jeher zu finden strebe.“ Ein mildes Lächeln zierte das Antlitz des Tempelbruders, während er den Worten des Kriegers lauschte. Als Crean schwieg, begann er langsam zu nicken. „Den Orden der Temora sucht ihr.“ Nachdenklich sah er ihn an. Sein Blick haftete auf der Axt an des Kriegers Seite. „Ich kann euch den Weg zum Orden zeigen.“ Er machte ein Pause ehe er fortfuhr: „Doch hegt keine zu großen Hoffnungen, der Weg in den Orden ist wahrlich nicht jedem gewährt. Einzig wer ehrlich und reinem Herzens ist kommt die Ehre zu teil, ein Teil jener von Temora beschienenen Gemeinschaft zu werden.“ Langsam kehrte das milde Lächeln zurück in das faltige Gesicht des Templers. „Doch so euer Gesuch aufrichtig war, und ihr bereit seid, Temora auch in den dunkelsten Stunden ein aufrichtiger Diener zu sein, solltet ihr den Weg dorthin nicht scheuen und eure Hoffnungen jenen vortragen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Gute zu vor Hass und Unfrieden zu beschützen.“ Zuversicht erfüllte seine Stimme als er Crean den Weg zum Orden der Temora wies. „Passiert das Nordtor der Stadt und überquert den Unheilsberg am großen Pass bis ihr das Wegkreuz erreicht. Wendet euch gen Norden und folgt der Straße bis an die immergrünen Wälder der Elfen. Dort werdet ihr finden was ihr sucht.“ Freundlich lächelte er Crean zu und führte seine rechte Hand flach zum Herzen „Möge Temoras Segen euch auf eurem Weg ein immer scheinendes Licht sein.“ Crean setzte zu einer Antwort an, doch schon ward das kleine Fenster verschlossen. „Danke,“ brachte er noch zu Stande, als die Sonne versank und die Mauern der in der ferne liegenden Stadt in rotes Licht tauchte. Nachdenklich doch zufrieden machte er sich auf den Weg in die Stadt. Schon Morgen früh würde er aufbrechen.

Der Weg über den Pass war beschwerlich. Riesen, so hatte er gehört sollen den Eingang in das Innere des mystischen Berges bewachen. So schrieb er jenen Wesen das Grollen zu, welches von den Felsen des Passes wieder hallte, denn am Himmel ward den ganzen Tag nicht eine einzige Wolke zu sehen. Gegen Nachmittag erreichte Crean das Gasthaus am Wegkreuz. Sein Magen knurrte bereits, und so kehrte er ein. Sollte er die Reise heute fortsetzen? Nein, dachte er sich. Was sollte es nützen heute Nacht vor verschlossenen Toren zu stehen? Er würde am nächsten Tag früh seine Reise fortsetzen.
Unendlich schien sich der Weg Richtung Norden zu erstrecken. Hinter jeder Windung hoffte der Krieger sein Ziel erreicht und leise schwor er sich, sobald wie es ihm möglich war, ein Pferd zu erstehen. Nur wenige Menschen begegneten ihm auf seinem Weg, und je weiter er nach Norden kam, desto seltener Traf er auf einen Reisenden oder einen dahinholpernden Ochsenkarren.
Im Osten erstreckte sich dichter Wald, unmöglich weiter als ein paar Schritt hinein zu sehen. Hin und wieder durchdrang das Heulen eines Wolfes die Waldgrenze, oder stieg unter lautem Flügelschlagen und Kreischen ein Vogelschwarm aus den Baumkronen empor.
Westlich des Weges hingegen hinderten nur vereinzelt stehende Bäume den Blick über die weiten hügeligen Wiesen und verwilderten Felder. In der Ferne konnte Crean gar eine Herde wilder Pferde ausmachen.
Die Sonne stand schon tief am Himmel, als in der Ferne endlich die hohen Wipfel des immergrünen Waldes aufragten. Das Dickicht zu seiner Rechten wurde dichter und dichter und der Weg mit jeder Meile schmaler. Erleichterung breitete sich in Crean auf und erschöpft blieb er einen Moment stehen, als er in der Ferne, direkt an der Waldgrenze, das Kleine Gebäude ausmachen konnte. Am späten Abend erreichte er endlich sein Ziel. Erschöpft ließ er sich an der Mauer hinabsinken, welche das Haus und den kleinen Garten umgab. Gerade war er versucht, die Augen zu schließen, als er plötzlich Schritte vernahm.

Ein Ritter, gerüstet in schimmernde Platten und eine ehr zierliche junge Dame mit auffallend weißem Haar traten ihm entgegen. Es Waren Ritter Farion Lefar und die Templerin Sanjana Valeth, wie Crean alsbald erfahren sollte. Nach einer freundlichen Begrüßung, und nachdem er den beiden von seinem Begehr und seiner Suche erzählt hatte, führte man ihn durch den Garten in das Haus. Crean war überwältigt von dem Anblick welcher sich ihm bot. Ein prachtvolles, blau schimmerndes Ankh an der steinerne Wand des Saales fesselte seinen Blick. An einer ebenso steinernen und elegant geschmückten Tafel nahmen sie Platz. Tatsächlich waren die beiden Würdenträger bereit, sich auf ein Gespräch mit dem ihnen fremden Manne einzulassen und ihm seine Fragen zu beantworten. So drehte sich das Gespräch alsbald um die Tugenden, die Hoffnung und Crean war d sich immer sicherer: Dieser Orden war es, welcher ihm ein temoragefälliges Leben, und vor allem Wirken, ermöglichen konnte. So sprach er seinen Wunsch aus und war sich gewiss, dass man ihn mit der ein oder anderen Frage auf die Probe stellte. Bald aber trennte man sich, mit freundlichem Worte und der Ritter und die Templerin versprachen, Creans Wunsch dem Rat des Ordens vorzutragen. Alsbald würde er über das Ergebnis Nachricht erhalten. Das Herz voll Hoffnung und in Gedanken Temora dankend, verließ der Krieger den Orden noch am selben Abend und machte sich auf den weiten Heimweg.

Er reiste die Nacht hindurch, den nebelverhangenen Weg gen Süden. Etwas an seinem Besuch hatte ihm an diesem Abend Kraft gegeben. Ward er der völligen Erschöpfung nahe, als er das Haus des Ordens betrat, so war sein Körper nun durchdrungen von einer unbeschreiblichen Leichtigkeit. Bis zum Wegkreuz wanderte er ohne Unterbrechung. Dort kehrte er abermals in dem kleinen Gasthaus an der Kreuzung ein. Nach einem leichten Mal fand er gar noch ausreichend Kraft für eine tiefes und aufrichtiges Gebet. So wand er sich im Stillen an Temora und dankte ihr, für alles was ihm bisher in seinem Leben gegönnt ward und versprach, sein Leben zu leben, wie es Eluive den Menschen einst gewünscht hatte. Er wollte danach streben, ein lichtes Beispiel für jene zu sein, welche in dunklen Stunden Hoffnung suchen, und sie vor denen schützen, deren Seelen Alatar bereits zu fest in seinem Griff hatte. Gleich wie der Orden entscheiden würde - heute, so glaubte er, hatte er seinen Weg betreten.