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Asche auf mein Haupt.

Verfasst: Dienstag 28. November 2017, 20:54
von Ionas Brandt
Datum: 28. Rabenmond 260 ||| Ort: an Bord der 'Zigeuner'
Geduld war noch nie meine Stärke. Die dämmrige Beleuchtung unter Deck ist ausreichend um diese Worte zu verfassen, der Wellengang ruhig genug um weder Schimpftiraden noch Gebete zu verbalisieren und die Hängematte beinahe unverschämt gemütlich. Selbst die Seemänner, die kaum drei Schritte weiter ein Kartenspiel angefangen haben, unterhalten und scherzen lediglich in Zimmerlautstärke und erlauben damit ungehindert den eigenen Gedanken zu lauschen. Es ist fast so, als würde alles um mich herum Entspannung ausstrahlen um mich dazu zu verleiten, die Augen zu schließen und mich meinem Schicksal zu ergeben. Wie könnte ich, wo doch noch immer die pechschwarze Asche unter meinen Fingernägeln brennt.

Stattdessen lege ich immer wieder den Kohlestift zur Seite und richte den Blick direkt nach oben, wo mich die groben Umrisse eines Körpers durch eine weitere Hängematte erwarten. Sie wollte unbedingt oben liegen. Obwohl sie mir bereitwillig gefolgt ist und auch etwas wie Dankbarkeit in ihren Zügen zu vermuten war, haben wir während der bisherigen Reise nicht viel gesprochen. Es ist - in Ermangelung eines besseren Wortes - schlicht seltsam jemanden sein ganzes Leben lange zu kennen und nichts über diesen Menschen zu wissen. Doch auch wenn es mir an diesem Wissen fehlt, reichen die Vorahnungen und Vermutungen aus um mich zumindest ansatzweise in die Verantwortung zu rufen, um vergangenes Unrecht zu tilgen. Ich wette, sie fragt sich wie weit der Apfel vom Stamm gefallen ist. Manchmal tue ich das auch. Die Zukunft wird es zeigen.