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Glanz der Wüste
Verfasst: Freitag 19. Mai 2006, 15:33
von Saheeb Masari
Mit offenen Augen wälzte Saheeb sich auf dem kleinen Bett in der Ecke seines Hauses herum. Die Nacht kühlte das heiße Gemüt und das Land, brachte Saheeb beinahe zum Frösteln. Und doch konnte er seinen Körper nicht unter der wärmenden Bettdecke behüten, wärmen und zur Ruhe legen. Seine Gedanken kreisten wild umher, spielten Bilder vor seinem geistigen Auge ab, Bilder voller Sehnsucht, voller Enttäuschung, voller merkwürdiger Empfindungen.
Schon als Junge, der er auch später immer geblieben war, hatte Saheeb sich immer zu schönen Frauen hingezogen gefühlt. Für einen Menekaner gab es nur eine Sache, die schöner war als die gebräunten, glänzenden Körper der Wüstentöchter: die Gabe der Mutter selbst, das kostbare, weiße Salz, die Kristalle des Lebens. Und auch wenn Saheeb viel Zeit in der Mine des Berges Cantar verbracht hatte, oft unter dem strafenden Blick seines strengen und dennoch geduldigen Vaters Fateen, blieb ihm immer genug Zeit, mit seinen Freunden und Brüdern wie Halbbrüdern den Gang der Frauen zu den Brunnen oder durch die Stadt zu beobachten.
Nicht selten kam es zu amüsiertem Gelächter unter den Jungen, wenn eine der glanzvollen Perlen der Wüste an ihnen vorbei schritt, majestätisch, stolz und mit annachahmbarer Eleganz, und alle drehten sich zeitgleich nach ihr um. Nicht selten hatte ihnen das auch den Spott ihrer Schwestern eingebracht, und gerade Saheeb verband diesbezüglich eine enge Bindung mit seinen geliebten Schwestern Aalina und Zaina.
Als seine geliebte Zwillingsschwester, die wichtigste Frau in Saheebs Leben, auf einmal fort war, begann eine harte Zeit für Saheeb. Fateen verkraftete den Verlust seiner geliebten Tochter nur schwer, ließ nicht allzu selten seine Enttäuschung und Bestürzung an seinem Sohn aus. Nicht einmal der Anblick der hübschen Frauen, so nah und schön, aber doch unnahbar, konnte ihn mehr aufheitern. Saheeb zog sich zurück, blieb immer häufiger beim Berge Cantar und schließlich für ein ganzes Jahr am Rande der Wüste, um Ruhe und sich selbst zu finden. Diese Zeit prägte ihn tief, die Verbundenheit, die er mit der stillen, einheitlichen Landschaft der Wüste empfand, machte ihn reifer und gelassener. Saheeb war auf eine gewisse Weise vom Jungen zum jungen Mann heran gereift.
Wie groß war die Überraschung gewesen, als er schließlich, ein Jahr nach seinem letzten Besuch, die Heimatstadt der Menekaner wieder betrat und als erste Person die Frau antraf, die ihm sein ganzes Leben lang mehr bedeutet hatte als alle anderen - seine Schwester. In gewisser Weise war Saheeb immer auf sie fixiert gewesen, hatte sich, obwohl er ihr Zwillingsbruder war, immer als der 'große starke Bruder' gefühlt, der den größten Schatz des Familienhauses beschützen musste. Natürlich war dieses Gefühl mehr Trug als Realität, Zaina konnte schon immer auf sich selbst aufpassen, und das Hause Masari hatte mehr als nur eine schöne Tochter zu bieten.
Seine lange Abwesenheit und das plötzliche Wiedersehen der Geschwister ließ Saheeb dies endlich auch erkennen. Er liebte seine Schwester, und was auch immer sie verlangte, in fast jedem Fall überwand er sich, um ihren Wünschen gerecht zu werden. Aber zugleich spürte er auch immer mehr eine Ferne, etwas Leeres in sich, das zu füllen seine Schwester, seine Mutter und auch die hübschen Frauen an den Gestaden des Meeres nicht mehr in der Lage waren.
Er hatte Madeeha kennen gelernt, eine bildhübsche Tochter aus dem Hause der Yazir, Heilerin, gebildet und doch frech. Sie war auf eine merkwürdige Art und Weise anders als die Frauen, die Saheeb sonst kannte. Ernsthaft und humorvoll zugleich, stets wachsam und prüfend, aber doch heiter und locker. Saheeb genoß es, mit ihr zusammen zu sein, und auch die Abende in der Taverne waren stets die schönsten, wenn sie mit dabei war. Aber irgendwann sah er Madeeha kaum noch, ihr Haus sah unberührt aus und niemand konnte ihm wirklich sagen, was mit ihr geschehen war. Er hatte geglaubt, das gefunden zu haben, was alle anderen immer mit der 'großen Liebe' abstempelten, was Raakin in Aalina zu finden glaubte. Aber als Madeeha nicht mehr in seiner Nähe war, verschwanden die Gedanken, kehrten nur hin und wieder in einsamen Nächten zurück und schimmerten träge wie eine unscheinbare Erinnerung in seinem Geiste.
Diesmal war alles anders. Es war so harmlos und so kurz gewesen, dass es Saheeb schockierte. Vor einigen Wochen erst war es gewesen, als er den ganzen Tag wie ein Wilder das Salz des Berges geschürft hatte und schließlich mit rissigen und schmerzenden Händen nach Hause ging. Sein Haus lag nicht weit von dem großen Baldachin, der den Eingangsbereich der goldenen Wüstenstadt überspannte, und so trat er sicher etwas blind und in Gedanken unter dem Baldachin hervor, als er von einer kleinen, zierlichen Person fast umgestoßen wurde. Nach einem Moment der Überraschung der des reflexartigen Zornes, den er über diesen Schock verspürte, trat ein Lächeln auf sein Gesicht. Der Übeltäter war eine junge, hübsche Menekanerin, sicher etwas jünger als er selbst und mit einem frechen und selbstsicheren Ausdruck im Gesicht.
Was hatte er erwartet? Vielleicht, dass sie fortlaufen würde, dass sie sich entschuldigen und entschuldigen würde für ihre Untat, vielleicht auch, dass sie völlig verdattert einfach weiterging. Jedoch nicht, dass er so direkt und offen in ein Gespräch verwickelt werden würde. Saheeb war oft genug alleine in der Salzmine, um manchmal das Temperament seines Volkes zu vergessen, und nur zu oft vergas er es auch an sich selbst.
Charis. Charis aus dem Hause der edlen Yazir, dem neuen Hause seiner Schwester. Charis, ein kurzer, wohlklingender Name. Ein schneller, vorlauter, aber auch edler Name, der Saheeb einfach unglaublich passend erschien für diese kleine Persönlichkeit. Er nahm nicht einmal wirklich wahr, worüber sie sprachen, erinnerte sich danach nur noch daran, dass sie Schneiderin war und bei Aalina in die Lehre ging. Charis.
Die zweite Begegnung ließ einige Zeit auf sich warten, ehe er Aalina und Charis auf dem Weg zwischen der Salzmine und der Wüstenstadt antraf. Es war eigentlich mehr ein Geplänkel zwischen seiner Schwester und ihm selbst, aber irgendwie betrachtete er in diesem Augenblick Aalina fast als Konkurrenz. Er wollte Charis imponieren, kehrte sogar seine Stellung als Familienoberhaupt heraus, um etwas in der Hand zu haben, mit dem sich arbeiten ließ. Er wollte diese Frau beeindrucken, auf welche Weise auch immer. Allein, es schien nicht viel zu nutzen, oder er erkannte es nicht.
Seine Gedanken kreisten in dieser Nacht immer wieder um diese kleine Person. Charis Yazir. War sie vielleicht das, worauf er immer gewartet hatte? Eluive alleine würde es wissen. Mit diesem beruhigenden Gedanken schlief er schließlich ein.
Verfasst: Sonntag 21. Mai 2006, 06:44
von Aalina Yazir
Die Wüste war leer. Wie immer. Es war selten, dass Aalina jemanden inmitten der Wüste traf, wenn sie hindurch ging. Es war einmal anders, ohja. Aber gut, sie hatte sich daran gewöhnt, dass zu ihrem Leben quasi nur noch Raakin zählte - ihr ein und alles.
Doch an diesem einen Tag begegnete sie Charis. Sie begegnete ihr oftmals und immer, wenn sie Charis sah, blühte sie förmlich auf. Sie war ein freundliches Mädchen, jung und willig zu lernen. Bei der Ankunft von Charis auf Menek'Ur hatte Aalina sie als ihren Lehrling genommen.
Und nun standen sie da. Charis, Saheeb und... Aalina. Drei Menekaner verlassen in der Wüste zwischen Stadt und Basar. Charis hatte wie immer Datteln für Aalina. Aalina war verrückt nach Datteln. Es gab nichts besseres für sie als Datteln. Und doch blickte sie zwischen den Beiden hin und her, drängte sich mehr oder weniger in die Unterhaltung. Und es war ihr fast so, als wollte ihr großer Bruder dem kleinen Mädchen imponieren. Er war sehr aufbrausend, Aalina hätte es fast schon als Machtkampf angesehen. Aber es war seine Sache, Saheeb musste wissen, was er tat. Und doch sah sie das Strahlen in seinen Augen. Ein Strahlen, welches er sonst nur in den Augen hatte, wenn er Zaina sah. Für Aalina war es immer schwer gewesen sich einen gleichwertigen Platz in Saheebs Herzen zu schaffen, wie Zaina ihn hatte. Und bis heute war es ihr nicht gelungen. Aber sie hatte akzeptiert, gelernt. Und ihr war auch klar, dass die Verbindung von Zwillingen einfach stärker war.
Manchmal hatte sie sich in so manchen Tagen deswegen sehr einsam gefühlt. Saheeb vergötterte Zaina, Amira war selten da. Und dann lernte sie Raja kennen, zeitweise der wichtigste Teil von Aalina. Wie sehr sie doch die Gespräche mit Raja vermisste. Doch alles, ja, wirklich alles hatte sich seither verändert. Mittlerweile konnte sie nicht mehr sagen, was Raja für sie war. Die Cousine ihres über alles geliebten Ehemannes, ja - das war sie. Es schmerzte zu wissen, dass sie Raja ein kleines Stück verloren hatte. Und diese Erinnerungen kamen ihr immer wieder, wenn sie Charis sah - die kleine Schwester von Raja.
Trotz all dem freute sie sich für ihren Bruder. Schließlich liebte sie ihn. Er war ihr einziger Bruder neben ihren beiden Geschwistern Zaina und Amira. Er war wie ein Vater für sie, wo sie doch zu ihrem richtigen Vater so gut wie gar keinen Bezug hatte. Und sie hoffte für Saheeb, dass er einst so glücklich würde, wie Aalina es jetzt war.
Und wenn sie auf dem Turm stand, über die Brüstung sah und dem Meeresrauschen lauschte, der Wind ihre Haare wild um sie warf und sie lächelnd auf ihren Ehering sah, dachte sie immer wieder darüber nach, wie schön Menek'Ur doch gewesen war. Missmut breitete sich immer wieder in ihr aus. Viele Verluste waren zu ertragen und doch kam mit all dem das Schönste, was sie je hätte geschenkt bekommen können - den besten Mann Menek'Urs an ihrer Seite. Aalina genoß jede Sekunde in seiner Nähe. Auch wenn sie schwiegen und sich nur ansahen, es war für sie genug. Jede seiner Berührungen, seiner sanften Berührungen hüllten ihre zarte und weiche Haut in einen Antlitz, den sie nie zuvor gespürt und gefühlt hatte. Und auch, wenn sie in der letzten Zeit zurückgezogen von allen anderen lebte und es nur drei Menekaner gab, die sie regelmässig zu Gesicht bekamen, war sie sehr, sehr glücklich. Wen sollte sie auch sonst sehen wollen außer den Emir, ihren Mann und ihre Schwester. Es war einfach nicht mehr so leicht, wie es einmal war. Und wenn es sein sollte, würde ihr Leben in getrauter Zweisamkeit beginnen.
Verfasst: Sonntag 21. Mai 2006, 11:03
von Saheeb Masari
Die traumlose Nacht war kurz gewesen, als die strahlende Sonne das Land wieder mit ihren güldenen Strahlen berührte und Mann wie Tier aus dem Schlaf rüttelte. Saheeb fühlte sich unausgeschlafen, regelrecht zerknittert - und einsam. Als ihm langsam dämmerte, dass es wirklich 'Einsamkeit' war, die ihn quälte und die ihn eine geschlagene Stunde ohne irgendeine Regung an der Bettkante sitzen ließ, wusste er, dass es nicht das Allein-Sein war, das ihm so zu schaffen machte.
Noch von einigen Tagen hatte Zaina ihn besucht, einfach um mit ihm zu sprechen. Seine liebste Schwester, das Glanzstück der Familie. Und dennoch war irgendwie alles anders gewesen. Sie hatten sich ganz normal unterhalten, zum Teil über die Geschehnisse aus der Welt, zum Teil auch über die beiden selbst und ihre Empfindungen oder Gefühle. Aber zum ersten Mal, seit Saheeb zurück denken konnte, vermochte er sich nicht in sie hinein zu versetzen. Sie trauerte dem alten, ehrwürdigen und einzigartigen Emir, dem gnadenvollen Said aus dem Hause der ehrwürdigen Omar mit einer Hingebung nach, die für Saheeb beinahe schon an Fanatismus grenzte.
Auch Saheeb hatte getrauert und auch ihm war klar gewesen, dass da ein großer Mann von ihnen gegangen war und zu Eluive geholt worden war. Doch das Leben durfte nicht untergehen in einem Schwall aus Tränen und Enttäuschung oder tiefster Trauer. Zum ersten Male sehnte sich Saheeb ein wenig danach, dass Zaina mehr von der Lebensfreude von Aalina gehabt hätte. Er vermochte nicht mit dieser Trauer umzugehen und konnte ihr so nicht helfen. Auch wenn er es wollte.
Aiwa - Ja, seine Schwester wurde ihm irgendwie fremd, fern. Sie hatten sich wenig gesehen in den letzten Woichen und Monden, obwohl das Land nur klein und die Möglichkeiten, sich zu treffen, begrenzt waren. Noch immer spürte er ein inniges Band zwischen ihnen, dass er auch niemals getrennt wissen wollte, doch seit den Abenden mit Madeeha in der Taverne zu Menek'Ur und den beiden kleinen Treffen mit der jungen, quicklebendigen Charis war ihm, als gäbe es mehr im Leben.
La - Nein, es wahr ja nicht so, als hätte Saheeb mit einem Male den Begriff 'Liebe' entdeckt. Saheeb war in seinen jungen Jahren schon so mancher Menekanerin hinterher gestiegen und hatte auch bei dem ein oder anderen Mädchen gewissen Erfolg gehabt, auch wenn er immer das Interesse verloren hatte, wenn es bindender wurde - schließlich liefen noch andere schöne Frauen da draußen herum. Und auch jetzt konnte sich Saheeb einen kurzen, haschenden Blick nicht ersparen, wenn eine große, braungebrannte Schönheit an ihm vorbeistolzierte, beinahe provokant, als wolle sie ihn herausfordern. Dies war jedoch ein anderes, zwar auch befriedigendes, aber unvollkommenes Gefühl, in dem er sich nicht mehr hingeben wollte. An Charis wollte er schon gar nicht mehr denken, alleine der Gedanke sorgte dafür, dass er in Tagträumen versank und nebenbei die unsinnigsten Dinge anstellte.
Eigentlich wollte er inzwischen auch gar nicht mehr wirklich von ihr träumen oder an sie denken. Er wollte sie sehen und versuchen, das Unheil, was er angerichtet hatte, wieder gut zu machen. Und auch zu Aalina würde er gehen müssen. Sein Verhalten an jenem Tag der zweiten Begegnung war in seinen Augen zwar durchaus gerechtfertigt, jedoch hatte er vollkommen vergessen, wer da um ihn herum war - es war seine Schwester, die er eigentlich über alles liebte und die er dennoch so angeraunzt hatte, und Charis, der er mit etwas imponieren wollte, für das er sich später sogar selbst etwas schämte. Wieder einmal wurde Saheeb klar, dass Frauen gefährlich waren. Wenn sie nicht reich und einflussreich waren und damit geschickt Politik und Handel beeinflussten, trieben sie sich wie die Nadeln von kleinen Skorpionen in die Köpfe der Männer und verspritzten dort ihr süßes, süchtigmachendes Gift. Ein Gift, das aus dem größten Familienoberhaupt, Politiker oder sogar dem Emir selbst die einfältigsten dummen Jungen machte, die es nur geben konnte.
Gequält verzog er das Gesicht bei diesem Gedanken und erhob sich müde. Es würde ein langer Tag werden, denn er brauchte wieder viel Salz. Und er würde die Augen aufhalten müssen nach einer kleinen Frau auf der Suche nach unendlich vielen Datteln.
Verfasst: Sonntag 21. Mai 2006, 15:41
von Charis Yazir
Wie so oft ging sie in der Wüste spazieren, sammelte Früchte um ihren Tagesbedarf zu decken … und jedes Mal wenn sie an einer Dattelpalme vorbeiging konnte sie nicht widerstehen dort hinaufzuklettern um jene runterzuholen. Sicher, sie hätte die Palme auch schütteln können, doch machte das nur halb soviel Spaß, wie das hinaufklettern.
Sicher mag es kindlich sein auf Palmen herum zu klettern, aber was sollte sie denn sonst machen. Ihr zu Hause war so unscheinbar geworden, ihre Schwester Raja unauffindbar … lange hatte sie jene nicht mehr gesehen. Alle sprachen von ihr, doch selbst bekam Charis ihre Schwester nie zu Gesicht. Nichtmehr seit sie nach Menek’Ur zurückkam. Sie vermisste ihre Schwester unsagbar, doch irgendwann wird sie ihr über den Weg laufen und sie würde die Suche nicht aufgeben, bis sie Raja gefunden hatte.
Wieder einmal irrte sie durch die Stadt Menek’Urs, die Augen eigentlich offen haltend, auf der Suche nach ihrer Schwester, aber alles war wie ausgestorben, alles schlief wohl und war ruhig. Nichts. Niemand war zu sehen. Die Wüste sowie die Stadt schien ausgestorben und leer. Da blieb nichts anderes übrig, als der Stadt zu entfliehen und die Wüste unsicher zu machen oder ihren Gefahren zu begegnen. So eilte Charis hinaus aus der Stadt, doch war dies nich so leicht wie gedacht, denn wie aus dem Nichts stand plötzlich ein Menekaner vor ihr. Er war recht standhaft, er fiel jedenfalls nicht um, als sie in ihn hineinrempelte.
„Ich bin tolpatschig wie eh und je“ schoss ihr verlegen und beschämt durch den Kopf, aber sie lies sich nichts anmerken. Im Gegenteil, sie verwickelte ihn geschickt in ein Gespräch, damit er schleunigst darüber hinwegsah, wie ungeschickt sie doch manchmal sein konnte, um ihre kindliche Ader zu überspielen, die sie ab und an in ihrem Leben immer wieder überholte.
Sie musterte jenen Menekaner wohl genauer als ihr sonst üblich, warum? Das wusse sie selbst nicht … die Gedanken sprudelten nur so in ihr … Saheeb Masari hieß er … der Bruder von Aalina Yazir. Aalina war so eine tolle Frau, so geschickt im Umgang mit Nadel und Faden, viel konnte sie von ihr lernen und Charis war so stolz darauf, der Lehrling von ihr zu sein. Dazu kam noch, dass Aalina dem Emir diente mit ihren Schneiderkünsten. Charis war somit Lehrling der Schneiderin des Emirs … das erfüllte sie mit Stolz, auch wenn es wohl völlig irrsinnig war .. aber dieser Stolz war einfach da und den lies sie sich nicht nehmen.
Aalina war verrückt nach Datteln, genauso wie sie selbst … und es machte ihr Spass, wenn sie Aalina mit den von ihr gesammelten Datteln eine Riesenfreude machen konnte. Aalina wirkte so erwachsen, vernünftig, doch konnte man auch spüren, dass sie eine fröhliche, kindliche Ader in sich trägt, die eine Lebensfreude an den Tag legt, wie sie Charis nicht kannte. Was wohl auch dazu beitrug, dass Charis sie liebte wie eine gut Freundin und zugleich einer Schwester, wo doch ihre eigene unauffindbar war …
Saheeb war ein wirklich gut aussehender Menekaner, so sah es zumindest Charis mit ihren Augen. Er ging der ehrvollen Tätigkeit des Salz schürfens nach, was deutlich an seinen Händen ersichtlich war. Allerdings wirkte er sehr verschlossen, wie wenn er eine grosse Last mit sich führte. Es stimmte sie nachdenklich, immer wieder … immer mehr schweiften ihre Gedanken zu ihm und um ihn herum … nur warum? Warum dachte sie an jenen Mann? Es war ihr nicht möglich einen klaren Gedanken zu fassen … aber sie würde sehen was die Zeit mit sich bringt … Gedanken und Gefühle ließen sich klären, manchmal auf langen, manchmal auch auf kürzeren Wegen …
Verfasst: Sonntag 21. Mai 2006, 18:30
von Saheeb Masari
Mit kräftigen, ausdauernden Schlägen trieb Saheeb die Spitzhacke immer tiefer in das farblose Gestein, zog und schob an dem hölzernen Stil herum und lockerte so den Grund immer weiter auf. Wie üblich warf er die Spitzhacke dann achtlos beiseite, kniete sich nieder und suchte zusammen, was für ihn nutzbar und kostbar erschien. Doch er fand nur wenige des kostbarsten Gutes der Miene, nur wenig der Tränen der erhabenen Mutter an diesem Tage, blieb er doch weiterhin in Gedanken an die große Leere in seinem Inneren und die einzige Person, mit der er sie zu füllen können glaubte.
Was hielt ihn eigentlich davon ab, die Arbeit Arbeit sein zu lassen und zu Aalina zu laufen? Sie musste wissen, wo Charis sich aufhielt. Sie musste wissen, wo er sie finden konnte. Er wollte sie wiedersehen, MUSSTE sie wiedersehen. Saheeb glaubte zu verstehen, dass Eluive selbst ihm diesen Wunsch gab, dass es Eluives Wille war, dass er sie wiedersah. Aber dann? Was sollte er ihr sagen? Ihr beweisen?
Was war es, was er für diese junge Frau empfand, was ihn rastlos und vor allem schlaflos machte? Nicht einmal in der empfundenen Sicherheit des Cantars war es Saheeb mehr möglich, ruhig und tief zu schlafen. Entweder, er lag wach, wälzte sich im Sand herum und dachte ohne Unterlass an die beiden Treffen, oder er träumte von Charis und Aalina, die ihm gegenüberstanden und ihm ins Gesicht lachten. Lachten sie ihn aus? Lachten sie ihn an? Er war nicht fähig, das Bild zu deuten, es zu behalten.
Saheeb schüttelte den Kopf und wühlte weiter in den Geröllbrocken herum, die auf dem Boden verteilt lagen. Wieso machte ihm diese Arbeit mit einem Male nicht mehr die Freude und das Vergnügen, die es seit seiner Jugend bedeutet hatte? Früher war er stundenlang herum gestanden, hatte die Salzwände angestarrt und sich heimlich ausgemalt, wie Eluive damals geweint haben musste, dass dieses Kunstwerk zustande kam. Heute trug Eluives Gesicht die Züge der Yazir und war verzogen zu hämischem Lachen ebenso wie zu liebevollem Blick.
Entnervt erhob Saheeb sich. Schon wieder war er von der Arbeit abgekommen. Er brauchte Abwechslung. Er musste wieder zu sich finden. Nur einen Moment, nicht länger. Und es gab keinen Ort, an dem er das besser tun konnte, als in der Wüste, dem einzigen Ort, an dem das Leben noch vor der Größe und der Macht der Mutter erbebte und erzitterte.
Verfasst: Dienstag 23. Mai 2006, 18:38
von Saheeb Masari
Seltsam, wie das Schicksal manchmal mit einem spielt. Seltsam, wie Eluive, die erhabene Mutter, die Geschicke ihrer Kinder lenkt und sorgsam durchdenkt. Alles scheint seine Richtigkeit zu haben, alles ordnet sich in die rechte Bahn. Mit einem Lächeln quittierte Saheeb das Geschehen eines Tages voller Wunder und Zeichen.
Wer kennt es nicht, dieses Gefühl, dass bestimmte Dinge für einen plötzlich wie unausweichlich erscheinen? Man erfährt oder erkennt Zusammenhänge und Dinge, und schon scheinen sie klar auf der Hand zu liegen und sind überall nachweisbar. Man spürt den Hass eines alten Freundes, und mit einem Mal sehen alle seine Taten, all seine Worte wie Vorboten aus. Wieso ahnte man es nicht zuvor?
Saheeb hatte genau dieses Gefühl an diesem Tage zu spüren bekommen, deutlich und wie einen nackten Schlag ins Gesicht. Dabei fühlte er schon genug in letzter Zeit - Angst, Sehnsucht, Verwirrung und ein tiefes, aber gutes Gefühl irgendwo in der Leere in seinem Magen, seinem Herzen... wo auch immer es herkam. Es war beruhigend, lieblich, aber dennoch irgendwie beängstigend und beklemmend. Saheeb ruhte so selten wie möglich, Arbeit lenkte ab, wischte alle Gedanken beiseite und machte einfach nur frei von der Last dieses Gesichtes, dass er ständig und überall vor Augen hatte.
Dann trafen ihn Zaina, seine geliebte Schwester, und Saalih aus dem verräterischen Hause der Ifrey, dem Hause, das der Familie der Omar die Treue aufgekündigt und ihn aus seiner Heimat, seinem Land und von seinen Kindern vertrieben hatte. Zaina hatte natürlich Recht, er schätzte es überhaupt nicht, wenn man ihn von seiner geliebten Arbeit fort riss. Und die beiden sahen auf merkwürdige Weise so elegant, so förmlich und doch glücklich aus, dass ihn der Neid für einen Moment fast zerriss. Dennoch hatte er keine Ahnung, was da auf ihn zukam. Hatte er Dinge gesagt, die missfallen waren? Dinge, für die man ihn bestrafen wollte? Hatte er sich nicht an die Gesetze gehalten?
Nein, an Dinge der Tradition wolle er sich halten, sprach der Abkömmling der Ifrey. Tradition, was wusste ein Ifrey schon davon? Gut, was wusste Saheeb davon? Auch nicht mehr, höchstens weniger. Und Saalih war höflich, distanziert und begegnete ihm mit dem nötigen Respekt, den er einem Familienoberhaupt zu zollen verpflichtet war. Selbst Zaina wirkte ruhig, fast etwas demütig, merkwürdig und sonderbar. Saheeb gefiel das nicht wirklich. Er schätze stets die offene und freie Art seiner Schwester, Dinge zu sagen, die sich nicht gehörten. Was auch immer es war, es würde seine Kraft brauchen.
Und sie brauchte es. Nachdem er die beiden in sein Haus - ein kleines, kaum eingerichtetes Haus mitten in Menek'Ur - eingeladen hatte und von Saalih eine hübsche, stoffumwickelte Kiste als Geschenk empfangen hatte, ließen beide mit ihrer Nachricht nicht mehr auf sich warten. Saalih wollte Zaina ehelichen.
Saheeb war sprachlos. Ehelichen? Zaina? Einen Abkömmling... der... IFREY? Bei Eluive, das konnte UND durfte er nicht zulassen, es war Verrat an allem, wofür Said Omar gekämpft hatte. Saheeb war entschlossen, trotz allem dieser Verbindung diesen Segen nicht zu geben war er doch... selbst verliebt im Moment. Ja, er wusste doch, wie das war. Konnte er Zaina wirklich vorwerfen, so zu fühlen? Wenn er doch genau spürte, wie gleißend und flammend es in seinem Herzen pochte, wie groß Verlangen und Sehnsucht selbst dann werden konnten, wenn die Liebe noch nicht entflammt war?
Er machte sich nichts mehr vor, er hatte einen Narren an der kleinen Charis gefressen. Zweimal hatte er sie gesehen, eher kurz, kaum genug für ein wirkliches Gespräch. Und doch ließ sie ihn einfach nicht los, umklammerte sein Herz mit einer merkwürdigen Macht. Konnte er Zaina dafür bestrafen, so zu fühlen? Er wusste, die hing sehr an Said Omar, sie hatte ihn verehrt und war ihm stets treu gewesen. Treuer sogar als er selbst. Er hatte nicht das Recht, über sie zu richten.
Dazu schien Saalih ein ehrbarer Mann zu sein, ein Händler, wie Saheeb ihn schätze: ein Mann, der die Kunst des Feilschens und des Handels verstand, der begriffen hatte, welch Reichtum Eluive in den Schoß ihrer Erde gelegt hatte. Und er war sicherlich reich und anständig genug, seiner Schwester ein anständiges und gutes Leben zu bieten, was auch immer sie sich wünschen würde. Ihr eigener Reichtum war dabei sicherlich nettes Beiwerk. Aiwa, Saalih schien wie eine glänzende Perle inmitten einer dunklen, vom Verrat getriebenen Familie, der man nicht länger trauen konnte. Saalih genoß das Vertrauen und die Liebe seiner Schwester, das allein machte ihn gut genug für jede Bindung. Und vielleicht vermochte er, zusammen mit Zaina, das Hause Ifrey wieder zu dem zu machen, das es einmal war - ein großes und stolzes Haus, angesehen in ganz Menek'Ur. Das sprach er nicht laut, doch war es seine Hoffnung.
Trotz allem blieb Saheeb ein Träumer und verliebter kleiner Junge. Die Begegnungen mit Charis hatten ihn oft über sich und seine Fähigkeiten nachdenken lassen, und das bekamen Saalih und Zaina zu spüren. Bis zuletzt lobte er Saalihs Vorzüge in alle Höhe, ehrte ihn und sprach seiner Schwester Lob zu führ ihre gute Wahl.
Aber es fiel ihm dennoch schwer, musste er seiner Schwester doch eine Antwort geben, die ihr nicht gefallen würde. Ihm noch weniger. Seine Miene war hart wie Stein, seine Augen funkelten bedrückt - alles so, wie er es gelernt hatte in der Schule, in die Fateen ihn gesteckt hatte. Um einen Handelspartner zu täuschen, müssen Mimik und Blicke exakt sitzen, muss alles, jeder kleine Handgriff, wie im Detail passen. Es passte. Er konnte Saalih vor seinen letzten Worten geradezu ansehen, wie dieser begann, ihn zu hassen. Saheeb würde sich tatsächlich zwischen ihn und seine Schwester stellen, aus Gründen, für die er nichts konnte, außer, dass er den falschen Namen trug - Ifrey. Aber auch wenn Saheeb diese Geste nicht gerne sah, seine Entscheidung war gefallen.
Aiwa - Ja, es fiel ihm schwer, diese Antwort zu geben, aber es war seine einzige Wahl als Familienoberhaupt der Masari, der Emirtreuen, dass er seine Schwester an die Ifrey verlieren sollte. Sollten die beiden glücklich werden, wenn sie es wollten. Er wollte es auch. Jedoch nicht mit dem Hause Ifrey, denn sein Glück, seine Sehnsucht hatte er bereits entdeckt.
Verfasst: Mittwoch 24. Mai 2006, 18:57
von Aalina Yazir
Sie rollte Teppiche zusammen, zupfte Vorhänge von den Gardinenstangen, hängte diese um, warf andere davon in den Müll. Aalina war unentschlossen, was ihre Schneiderei betraf. So sollte diese doch entzückend auf einen jeden wirken, der sie betrat. Wie lange würde sie sich diese kleine Schneiderei noch halten? Sie wusste es nicht. Vielmehr hoffte sie darauf, irgendwann ihre kleine Schneiderei neben dem Turm bauen zu können, um nicht den weiten Weg alleine in die Stadt beschreiten zu müssen. Immer wieder räumte sie hin und her, rannte zwischen Turm und ihrem kleinen Schneiderhäuschen hin und her. Seit langem hörte sie wieder einmal Stimmen durch die Straßen hallen. Es machte sie glücklich zu sehen, dass Leben auf den Straßen oder eher in den Häusern war und doch betrübte es im gleichen Moment ihre Sinne und ihre Gedanken. Sie fühlte sich allein - ja, sie war allein. Immer dann, wenn Raakin nicht da war erfüllte sie diese Einsamkeit. Aber sie war gut, sie lenkte sich mit Arbeit ab, so, wie es sich gehörte. Sie erledigte den Haushalt, sie entrümpelte alte Kleidung und Vorhänge, überlegte, wie sie ihre Schneiderei ausbauen könnte. Lauter Dinge, die förmlich in ihrem Kopf hin und her geisterten. Sie packte abermals ein paar Teppichrollen, die Stoffe unter den anderen Arm und schlenderte vom Turm in Richtung Stadt. Als sie über die Schulter blickte sah sie all ihre Tiere. All ihre Pferde, die fein säuberlich angebunden an Ort und Stelle standen. Von außen sah der Turm so kalt aus, doch war es innerlich so schön eingerichtet. Sie war sehr stolz auf sich, was die Einrichtung betraf. In Gedanken schlenderte sie weiter. Vorbei an der Taverne, die nun wohl endgültig geschlossen war, vorbei an den Sitzgelegenheiten, vorbei an Saheebs Haus. Für einen Moment zögerte sie ob sie klopfen sollte oder nicht. Sie hörte Stimmen, sie sah, das Licht brannte. Und sie ging weiter.
Wie immer, allein. Sie ging ins Haus, legte ihre Sachen hinein, drehte um und machte sich wieder auf den Rückweg nach Hause. Nach Hause. Sie musste schmunzeln. Sie hatte soeben noch dran gedacht wie lange sie es sich ersehnt hatte, offiziell an Raakins Seite zu stehen. All die Gefühle, die damals um sie herum waren, gut wie schlecht durch den Aufstand. Für einen Moment lehnte sie sich an die Mauer ihrer Schneiderei. Sie hüllte ihre Arme schützend um ihren Oberkörper, fast als wäre sie ein kleines Kind, hilflos herumstehend und nach den Eltern suchend, die sie verloren hatte. Und doch waren es nur ihre Erinnerungen, die ihr Tränen ins Gesicht trieben. Zeiten, in denen die Einsamkeit nicht ihr stetiger Begleiter war. Und so schritt sie weiter, abermals am Haus von Saheeb vorbei, weiterlaufend Richtung Turm. An den Stadttoren sah sie von weitem einen Lichtschein schimmern. Sie hatte das Licht doch gelöscht?
Kurz hielt sie die Luft an, ehe sie begann durch den Sand zu rennen. Keuchend kam sie an dem Türchen zum Turm an und sie spürte genau, das Raakin zuhause war. Er war da. Sie strahlte und auf einmal füllte sich alles wieder mit innerlicher Wärme, als sie durch die Tore trat. Er war da, er rüstete sich und er nahm sie wie immer mit auf die Jagd. Manch einer fragte sich vielleicht, warum sie nicht einfach zuhause blieben und ruhige Stunden miteinander verbrachten. Doch darauf wussten nur Raakin und Aalina ihre Antwort. Und für den Moment war sie einfach nur glücklich.. und sie würde es genießen die Beute nach Hause zu schleppen und hundemüde neben ihm ins Bett zu fallen. Besser hätte sich ihr Tag nicht wenden können.
Verfasst: Donnerstag 25. Mai 2006, 19:53
von Charis Yazir
Wie so oft lief sie durch die Wüste ... wohl auf der Suche nach irgendetwas, doch wusste sie nicht genau nach was. Sie fühlte sich leer, einsam ... so war doch kaum eine Menschenseele in der Wüste zu finden. Abundan traf sie auf Aalina, auf Saheeb oder sogar Kamahir.
Kamahir Bashir ihr erstes Opfer. Charis schmunzelte beim Gedanken daran. "Ihr erstes Opfer?!" wie sich das anhörte ... doch war er es, den sie von Kopf bis Fuß einkleiden durfte. Er traute ihr nicht so recht, dass sah man an Kamahirs Gesichtszügen, dennoch lies er es zu, dass sie ihre Schneiderfähigkeiten an ihm ausprobieren konnte ... aber er hatte ja den grossen Vorteil, dass Aalina in ihrer Nähe war und über ihre Arbeit wachte. Aalina sprach grosses Lob über ihre Arbeit aus, was Charis wirklich sehr zu schätzen wusste, denn schliesslich war es die Schneiderin des Emirs, der sie vertrauen schenkte, bei der sie lernen durfte. Grösseres Glück konnte ihr kaum widerfahren.
Oder doch? War da noch mehr Glück? Von dem sie noch nichtmal zu träumen wagte, oder gar daran zu denken? Wusste sie überhaupt, was mit ihr geschah? ... immer wieder schlichen sich heimliche Gedanken in ihr Innerstes, mit denen sie nichts anzufangen wusste, oder verdrängte Charis es nur, denn schliesslich kannte sie das Wort Liebe nicht aus eigener Erfahrung... nur von Erzählungen und Belehrungen ihrer Mutter, ihrer Schwester, aber selbst. Nein. Selbst hatte sie jenes noch nicht gespürt. Doch gab es da einen Mann ... ja, sie hat ihn noch nicht oft gesehen, aber irgendwie zog er sie magisch an, die Gedanken kreisten immer wieder um ihn ... Was war das? Was sollte das? ... Schliesslich bin ich doch noch viel zu jung, ich habe die Welt noch nicht gesehen ... immer wieder trug sie die Gedanken mit sich herum, während sie durch die Wüste oder die Stadt der Wüste lief ... immer und immer wieder ...
Sie musste sich Klarheit schaffen ... nur wie?
Verfasst: Donnerstag 25. Mai 2006, 20:32
von Saheeb Masari
Der Morgen danach. Als Saheeb aufwachte, konnte er sich nicht einmal mehr recht an die Geschehnisse des gestrigen Abends erinnern. Verschlafen wie er war entkleidete er sich, nahm ein entspannendes Bad und reibte sich mit einigen sanften Ölen ein. Dann lehnte er sich gegen den Rand der kleinen Wanne, schloß die Augen und träumte vor sich hin.
Ein Mädchen, kaum älter als 12 oder 13 Jahre, trat auf ihn zu, einen großen, attraktiven Mann, der gerade mit einem Köcher um den Oberkörper und einer weiten, beigen Hose bekleidet aus der Wüste kam. Sie lachte ihn an, ihre Zähne blitzten weiß im Licht der strahlenden Sonne und ihre Haut glänzte und strahle braun. Sie lief ihm entgegen, breitete die Arme aus, lachte ihn fröhlich an. Gegen seinen Willen musste auch er plötzlich lachen, es war ein befreites, unbeschwertes, glückseeliges Lachen und er warf den Bogen einfach beiseite in den Sand, breitete die Arme weit aus und nahm das Mädchen in den Arm, hob sie hoch, ließ sie durch die Luft wirbeln. Ihre fröhlichen Stimmen klangen bis weit hinaus in die einsame Wüste, ein Zeichen des Lebens in einer kargen Welt. Die Kleine drückte sich eng an ihn, gab ihm einen schmatzenden Kuss auf die Wange und begrüßte ihn mit nur einem kleinen, aber unendlich bedeutsamem Wort: Papa.
Saheeb fuhr auf. Papa? Wie? Oh, er war in Gedanken versunken, eingenickt, während die sanften Wellen seinen Körper umspielten. Nachdenklich setzte er sich auf den Rand der Wanne, ließ die Füße noch ein wenig darin plätschern und sinnierte über die traumhafte Vorstellung. Das Mädchen hatte so glücklich gewirkt, und der Mann - er, auf eine gewisse Weise - war so gelassen und so erfüllt gewesen. Sie war seine Tochter gewesen. Wer war dieser Mann? Ein Krieger, der Köcher und der Bogen bewiesen es. Oder ein Jäger. Wieso hatte er von diesem Mann geträumt? Gab es ihn überhaupt? Oder hatte Eluive ihm eine verborgene Nachricht gesandt? Eine... Vision?
Verwirrt schüttelte Saheeb den Kopf. Eluives Wege waren schon immer sonderbar, aber niemals würde sie einem einfachen Salzschürfer solch merkwürige Träume senden. Das war die Aufgabe für die Weisen, Heiler und Magier in ihren Türmen, die deutlich mehr Wissen über die Welt und ihre Zusammenhänge besaßen als er. Ihm, dem einfachen Salzschürfer und Oberhaupt der Masari, bedeutete nur der Handel etwas.
Nur der Handel? Aiwa - Ja, so war es gewesen. Als er nach sei nem Jahr in der Einöde, der Wüste wieder zurück gekehrt war, fühlte er sich trotz der vielen Wüstenmänner und -frauen einsam. Aber es war keine Einsamkeit wie jene, die ihn nun ergriffen hatte. Er war alleine, aber er arbeitete und lebte auch am liebsten alleine. Die erste Person, die er kurzfristig vermisst hatte und die er irgendwie immer noch vermisste, war Madeeha gewesen. Er wusste nicht, wo sie nun war, aber er sehnte sich ein wenig ihre frische und lockere Art herbei. Trotzdem fühlte er sich bis zu einem Schicksalspunkt seines Lebens frei und wohl - bis ihm Charis begegnet war.
Er hätte diese Frau am liebsten verflucht. Sie hatte ihm eine Leere hinterlassen, ein Gefühl solch trauriger und schrecklicher Einsamkeit, wie er es noch nie kennen gelernt hatte. Sehnsucht, die Angst, etwas falsch zu machen, sich zu blamieren, all das kannte er erst seit ihr. Aiwa, er sollte sie verfluchen. Aber noch ehe der Fluch über seine Lippen gekommen wäre, müsste er sich die Zunge eigenhändig aus dem Mund schneiden.
Wieso fiel es ihm nur so schwer, seine Gefühle ein für alle Mal wieder in den Griff zu bekommen? Er hatte Charis zweimal gesehen, nicht öfter. Sie lief ihm nicht mehr über den Weg, er hatte nichts, was an sie erinnerte. Und trotzdem wurde er sie nicht los, er schaffte es nicht, seine Gefühle zu unterdrücken. Oder anders gefragt - wieso fiel es ihm so schwer, zu seinen Gefühlen zu stehen? Diese Frage zu beantworten, fiel ihm schon deutlich einfacher. Was war es, was er fühlte? War das diese... Liebe? Oder war die Begegnung mit Charis nur etwas gewesen, was ihn wach gerüttelt hatte? War er einfach ein Mann geworden?
Widerwillig zog er die Füße aus dem Wasserbassin und trat zu der schweren Eisenkiste hinüber, in der er alle seine Kleider eingelagert hatte. Die Sammlung seiner Kleider war für einen Mann durchaus beachtlich. Aber er hatte keine andere Wahl, er musste ja auf sein Äußeres achten. War Charis nicht Schneiderin? Wieso eigentlich schon wieder Charis? Drängte sie sich nun in jeden letzten Winkel seines Lebens? Verzweiflung machte sich in Saheeb breit. Er kam nicht mehr klar, er schlief unruhiger denn je und seine Gedanken kreisten immer wilder um eine einzelne Person herum.
Aiwa, er konnte Zaina so gut verstehen. Wie sie ihn angesehen hatte, wie glücklich Saalih und sie wirkten, als Saalih ganz formal um ihre Hand angehalten hatte. Zaina spürte wie er, und sie wusste, wie er empfand. Es wurde Zeit für Klarheiten. Lächelnd dachte Saheeb daran zurück. Saheeb musste sich seiner Gefühle - und der ihren - gewahr werden, und das bald. Die Frage war nur - wie?
Verfasst: Donnerstag 25. Mai 2006, 20:58
von Zaina Masari
Früh am Morgen stand sie auf … die Sonne lies sich Zaina aus dem Hause Masari ins Gesicht scheinen, sie genoss die Morgensonne, die Kühle des Morgens erfrischte sie, wenngleich sich dadurch ein heißer Tag ankündigt. Ruhig, heiß … alltäglich wie immer eben. Langsamen Schrittes schreitete sie Treppen hinunter in den Keller um ihr Arbeitsgewand zu holen. Wie jeden Tag zog sie sich in den Salzberg zurück, um dort nach den Tränen Eluives zu suchen. Mühsam war die Arbeit, so zogen sich ihre Gedanken nicht in gewohntem Maß um sie.
Erinnerungen kamen in ihr hoch, die lange Zeit auf dem Festland, die sie vieles lehrte, die harte Zeit des Aufstandes Said Omars. Wenn auch diese Zeit schwierig und kräftezehrend war. Es war schon fast anmaßend zu glauben, dass sie sich sogar in dieser Zeit den Umständen nach glücklich schätzte, und war es auch nur für einen winzigen Augenblick den die Zeit beschrieb. Immerhin war sie es, die die letzten Tage und Stunden mit dem einzig, ehrvollen Emir Said Omar verbringen … „Nein“ mahnte sie sich immer wieder … „Nein“
Aasim Omar, erhabener unser Emir … Said Omar, es ist einfach vorbei. Auch wenn der Gedanke daran unsagbar schmerzte, so war die Erkenntnis über seinen Tod nicht leicht für sie. Sie verkroch sie tagelang, wochenlang in ihrem Haus, kam nur hervor um zu zeigen, dass sie noch lebte, doch sprach zu jener Zeit kein Wort … versank in Trauer und Selbstmitleid. Laufend lag ihr die Frage „Warum nur?!“ auf den Lippen, doch sie sprach es nie aus, mit kaum einem Menschen teilte sie ihr Leid, was ihr widerfuhr. Keiner sprach sie darauf an, stillschweigend gingen sie an ihr vorbei … schuldig fühlte Zaina sich … schuldig … und keiner nahm es wahr. Sie machte sich unsägliche Vorwürfe … einzig und allein Aalina war es die ihre Sorgen kannte, doch auch ihr konnte sie nicht alles sagen, immerhin war es schon schwer genug die Geschehnisse zu verarbeiten … „aber - es ist vorbei … meine Wunden schmerzen kaum noch … sein Nachfolger ist würdig, was hilft die Trauer … das Leben geht weiter“ … viele Gedanken umkreisten sie immer wieder, doch rief sie sich selbst zur Gesinnung.
War es nicht Saalih, aus dem Hause Ifrey , der plötzlich, nach langer Zeit, gemeinsam mit Aalina vor ihrer Haustür stand … Tod hatte sie ihn geglaubt … verloren. Lange Zeit war er auf Reisen, ohne jegliches Wort zu ihr, sie wusste nicht wo er sich aufhielt … kein Schreiben, kein Wort … nichts rein gar nichts hörte sie von ihm. Von Tag zu Tag verlor sie ihn mehr aus dem Herzen, glaubte sie zumindest … doch schlichen sich die Gedanken an ihn immer wieder ein, nachts wenn sie nicht schlafen konnte, unter Tags wenn sie in Tagträume verfiel, alles hätte so wunderbar sein können. Die Liebe zu ihm … sie war unendlich … verdrängen konnte sie jene Gedanken, in den Hintergrund schieben, aber jene nicht achtlos liegen lassen, wie wenn nie etwas gewesen wäre, es ging einfach nicht. Sie würde so mit einer Lüge leben müssen und das konnte sie nicht. Er hat ihr Herz im Sturm erobert, sie wusste nicht was es war oder gar wie es geschah, waren es seine tiefen braunen Augen die sie in den Bann zogen, war es seine Art mit ihr umzugehen, sie fühlte sich immer geborgen und Sicher an seiner Seite und vor allem glücklich. Zaina konnte nicht ausdrücken warum er für sie so anziehend war … das Gefühl war einfach da, schon am Tag ihrer Rückkehr, als sie ihn das erste Mal sah und da stand er vor ihrer Haustüre, wie aus dem Nichts gekommen und sah sie an, den Blick gesenkt und entschuldigend … Sie konnte ihn nur ansehen … Minuten oder Stunden … sie wusste nicht mehr wie lange sie dort standen, doch es kam ihr vor wie eine Ewigkeit. Ein Traum, das konnte nicht wahr sein, sie wollte nicht glauben, was sie sah. Ihr Körper zitterte leicht, ihr Knie wurden weich … das konnte nicht sein … „als ich ihn brauchte war er nicht hier, ich fühlte mich verloren und verlassen, vor allen allein gelassen, doch jetzt .. er stand vor ihr, hatte er gespürt, dass sie ihn brauchte?“ wild gingen Ihre Gedanken umher während sie ihn ansah und seine Hand in der ihren spürte. Doch er war wieder zurück. Wieder bei ihr.
Vorwürfe wollte sie ihm machen, doch sie konnte es nicht, das Glücksgefühl ihn wieder bei sich zu haben war einfach stärker, schließlich liebte sie ihn. Tat sie das wirklich noch? … heimlich schlich sie jener Gedanke bei ihr ein, doch schob sie ihn gleich wieder zur Seite und eine feste Entschlossenheit machte sich in ihren Gedanken breit. Sie hätte ihn nicht so vermisst, sie hätte ihn vergessen, wenn sie ihn nicht mehr liebte … „Lass mich nie mehr so lange alleine“ sprach sie leise, wehmütig und liebevoll zu Saalih „Nie mehr“ ….
Verfasst: Donnerstag 25. Mai 2006, 20:58
von Zaina Masari
Und jetzt … heute … er stand wieder mal vor ihrer Türe, wie so oft in letzter Zeit … aber dieser Tag sollte wohl etwas besonderes werden … umsonst fällt man nicht aus der Hängematte, wenn der Mann, den man liebt unten an der Türe steht, klopft und bei ihr sein will und dann besaß er auch noch die Frechheit zu fragen, ob ER störe … Er der Mann den sie liebte, niemals würde er an ihrer Seite stören. Wie wenn er das nicht wüsste.
Allein an seinem Schmunzeln im Gesicht war zu erkennen, dass er es wusste, wenn nicht er, wer sonst. Mit ruhigen Worten und einem Lächeln auf den Lippen, dass Zaina am liebsten die Welt um sich vergessen hätte, sprach Saalih dann folgende Worte zu ihr:
„Dreh Dich mal bitte um, Zaina“ Sie musterte ihn einwenig, mit zögerlichem Blick … was hatte er vor? Warum? Fragenden Blickes drehte sie sich dann doch um und wartete ab was geschah …. Sanft strich er mit den Händen ihre Haare über die Schulter nach hinten, um ihr eine wundervolle Halskette umzulegen … sie tastete danach und strahlte förmlich auf … „Die ist wunderschön“ kam es ihr über die Lippen, ehe sie ihm einen Kuss auf die Wange hauchte.
Nach einer Weile Zweisamkeit … fiel dann letztendlich die Frage, die sie schon lange in den Hintergrund schob, mit der sie kaum noch gerechnet hatte … zuviel lang dazwischen … doch verlangte die Tradition es …
„Sollten wir Dein Familienoberhaupt nicht einmal fragen, ob er überhaupt mit einer Heirat
einverstanden wäre?“ vorsichtig schien Saalih die Worte zu formen, dennoch ruhig bleibend.
Zaina glaubte, ihr würde der Boden unter den Füßen weg gezogen, leicht sackte sie in sich zusammen… vor Freude über seine Worte, zugleich auch voller Angst. Was würde ihr Zwillingsbruder Saheeb dazusagen, er verabscheute das Haus Ifrey … was ihm nicht zu verdenken war, nach alldem was geschah. Er hätte genügend Gründe jene Hochzeit nicht zuzulassen. Aber woher wissen wie er wirklich dazu stand, wenn man ihn nie danach fragte, daher machten sie sich gemeinsam auf den Weg in Richtung Salzberg um ihren Bruder Saheeb aus dem Hause Masari aufzusuchen…und wo fand man ihren Bruder? Genauso wie man sie finden würde, wenn man nach ihr suchte … im heiligen Berg, in jenem Eluive ihre Tränen so sorgfältig aufbewahrt … Der Tradition wegen suchten wir ihn gemeinsam auf, ja, ihr Bruder schaute sie beide skeptisch an, er wusste nicht was ihm bevorstand, schliesslich wusste er nichts von ihren Gefühlen zu Saalih … nie sprach Zaina mit Saheeb darüber, warum wusste sie selbst nicht, um ihren Bruder nicht zu verletzen, dass sie einen „Ifrey“ liebte, um sich selbst zu schützen, um allein mit ihrem Glück zu sein?! Diese Frage lies sich nicht klären und nun ließen sich ihre Gefühle nicht mehr verbergen, nicht mehr vor ihrem Zwillingsbruder … doch auch mit ihrem Bruder stimmte etwas nicht, nie zuvor hatte sie ihn so reden hören .. nie … er formte die Worte: „Früher einmal war mir nichts wichtiger als meine Arbeit, jetzt sieht das anders aus“ Zaina konnte kaum glauben, was sie da hörte, so hatte ihr Bruder viele Stunden, Tage, Wochen damit verbracht, das Salz zu würdigen, es manchmal einfach nur anzustarren, den Glanz der heiligen Tränen zu bewundern. Doch schien es jetzt anders. Irgendetwas berührte ihn, führte ihn auf andere Gedanken. Zaina spürte es und sie würde herausfinden was es war, was ihren Bruder auf andere Gedanken brachte. Auf dem Weg ins Haus zu ihrem Zwillingsbruder, beobachtete sie ihn ganz genau. Sie ließ ihn nicht aus den Augen, keine Sekunde, wenngleich sich auch immer wieder ein verstohlener Blick zu Saalih einschlich. Saheeb summte fröhliche, gefühlvolle Lieder vor sich hin. War jenes ein Zeichen? Zeichen, dass auch er endlich für sich eine Liebe gefunden hat? Nein .. Nein .. Ihr Bruder konnte sich noch nie festlegen … sicher sah er vielen Röcken nach, aber ein festes Ziel hatte er bisher nie .. doch was wusste sie schon über ihn … viel und doch gar nichts. Zuhause bei Saheeb angekommen, lange sprachen sie der Tradition willen darüber das Saalih und Zaina in den Stand der Ehe treten wollten … Sie schien sich regelrecht ihrer Liebe rechtfertigen zu müssen, wo es doch klar auf der Hand lag, sie liebte Saalih und das mit jedem Tag mehr … der Name war ihr nicht wichtig. Er war wichtig… Saalih allein war wichtig, die Person in ihm, sein Wesen, seine Art .. sein Leben und er wusste mit ihr umzugehen. Doch Saheeb verstand es wohl, was für Zaina schon fast ungläubig wirkte … schliesslich war er nie der Mensch der sich an die große Liebe klammerte … zumindest war es Zaina nicht bewusst. Wusste sie wirklich so wenig über ihren geliebten Bruder?
Saalih und Saheeb verstanden sich wohl recht gut, sie konnte während des Gesprächs in Gedanken davonschweben, alte Erinnerungen wühlten in ihr auf, gute wie auch schlechte … bis sie wieder von ihrem Bruder angesprochen wurde … sie schreckte förmlich auf, und schämte sich sogleich nicht mehr zugehört zu haben, doch schien es keinem von beiden etwas auszumachen. Ihr Bruder stichelte regelrecht auf sie ein … was wollte er, ihr ein schlechtes Gewissen einreden, dass sie eine schlechte Wahl getroffen hätte? Das würde ihm nicht gelingen. Nie. Saheeb wollte nur sichergehen …und dann folgten Worte, die Zaina den Atem raubten, sie glaubte ihr Herz hörte auf zu schlagen … doch bedächtig und ernst lauschte sie nur Saheebs Worten, wie konnte er Saalih in hohen Tönen loben und dann doch anders entscheiden … „Was ging hier vor“ in Gedanken dabei …
„Umso mehr bedauere ich, und ich fürchte, dafür wirst du mich in alle Zeit verabscheuen...
dabei blickte er zu Boden, sichtlich nach Worten suchend, Zaina kam das ganze sehr merkwürdig vor, was wollte er ihr damit sagen? Saheeb hob den Blick mit einer Mischung und Trauer in den Augen, doch stand ihm auch Standhaftigkeit darin.
„Das Hause Ifrey schmerzte unser Land mit einem Verrat, den schlimmer zu begehen kaum mehr möglich zu sein vermag.“ Direkt sprach er die Worte zu Zaina.
Das konnte nicht sein, was redete er da nur … war er doch vorhin noch so gefühlvoll … und dann solche Worte die nichts gutes ahnen ließen. Saheeb erhob sich aus dem Schneidersitz und sprach weiter … stockend und langsam:
„Meine Schwester, das Liebste, was ich auf dieser Welt besitze... es tut mir unsagbar leid... aber...er machte eine Pause und blickte in beide Gesichter, seine Miene selbst wirkte hart, steinern und unnachgiebig. Saheeb fixierte Zaina förmlich als wolle er die innersten Gedanken aus ihr herauslocken, das lies sie jedoch nicht zu, mit ernstem Blick auch wenn etwas trauriger Glanz in ihren Augen schimmerte, sah sie ihm direkt ihn die Augen, abwartend was noch folgte …
„Nun... es tut mir wahrlich leid. Aber ich fürchte, ich verliere damit meine teuerste Schwester an das Hause Ifrey.“ formte er die Worte ernst, aber dennoch blitzte der Schalk in seinen Augen. Das war ihr Bruder … genauso grausam kannte sie ihn … zuerst hörte Zaina die Worte nicht klar, bis sie verstand was er sagte, und sogleich stürmte sie auf ihren Bruder zu und umarmte ihn herzlich fast schon zu stürmisch, dass er nicht umfiel war eins. Aber mit diesen Worten machte er sie zur glücklichsten Frau ganz Menekurs. Ihr Herz machte riesige Sprünge und ein glückliches Strahlen legte sich über ihr Gesicht … Jetzt stand ihnen nichts mehr im Wege … nichts mehr … dafür liebte sie ihren Bruder … noch mehr? Nein, das ging eigentlich gar nicht, es war ihr Bruder und es wird immer ihr Bruder bleiben, die Verbindung zu ihnen steht mit unglaublichen Größen … doch eines wollte sie noch herausfinden, was Saheeb so glücklich und wirr zugleich machte, man merkte es ihm an … da war jemand, jemand der sich tief in sein Herz bohrte … Zaina würde es herausfinden …
Verfasst: Freitag 26. Mai 2006, 15:06
von Saheeb Masari
Wie viel kann ein Mann ertragen, ehe das Herz vor Gefühl und Emotion überquillt? Zerspringt? Zerbricht? Und wie lange quält der Mann sich selbst, bevor er sich seine eigenen Gefühle eingesteht und sie auch ihr mitteilt, der Liebe seines Lebens?
Seit Wochen schon hatte Saheeb schlecht geschlafen, wurde verfolgt von Traumbildern in den schillerndsten Formen und Farben. Aber diesmal konnte er sich nicht einmal mehr in sein Bett legen, ohne, dass seine Gedanken ihn wahnsinnig machten. Ohne Unterlass sprang er wieder auf, rannte umher, kontrollierte das kleine Bad in der Ecke seines Wohnhauses, räumte die Kisten um, machte einen Spaziergang hinunter zur Mine und kehrte wieder um, noch auf halben Wege, scheinbar ohne Ziel und ohne Ruhe.
Wieso, bei Eluive, der barmherzigen, erhabenen Mutter, der Schöpferin und Lenkerin des Wüstenvolkes, wieso hatte er es ihr nicht gesagt? Wieso hatte er nicht den Mut gefunden, seine Gefühle in Worte zu fassen? Er hatte sonst nie wirklich Respekt oder Furcht vor Frauen, er betrachtete die meisten als reine Herausforderung. Waren die Sprüche elegant genug, bekam er sie auch. Diese Frau – Charis – war anders. Wenn er ihr gegenüber stand, in ihre wunderschönen, jungen Augen blickte, war er wie von Sinnen. Ein Wunderwerk an Stotterei und Gebrabbel kam ihm über die Lippen, scheinbar ohne Zusammenhang und logischen Schluss. Er wusste, dass er Unsinn redete, wusste, dass sie ihn für verrückt halten musste. Er war es auch. Er hörte sich an wie ein kleiner Junge, dem Kindesalter entsprungen und nicht in der Lage, sich auszudrücken. Er war so ganz anders als sonst, wie… ja, wie ein kleiner, verängstigter Junge. Und er war verängstigt. Er hatte schreckliche Angst, etwas Falsches zum falschen Zeitpunkt zu sagen. Wie würde sie reagieren? Würde sie… lachen? Ihn, den ach so selbstsicheren edlen Menekaner, der sich so viel auf seine eigene Schönheit einbildete, auslachen? Oder würde sie schockiert davon rennen? Ihn am Ende bei Raakin, dem Oberhaupt der Yazir, anschwärzen, er habe sie… bedrängt? Würde sie es einfach als unwichtig abtun? Ihm sagen, dass sie vergeben war?
Die Angst, auch nur eine dieser Möglichkeiten könnte eintreten, war grenzenlos. Und so hatte er gestern vor ihr gestanden, sie angestarrt, hin und wieder gelächelt und ihr Komplimente auf ihre Schönheit gemacht, ganz so, wie er es gewohnt war. Allein, er traute sich nicht, tiefer zu gehen. Dann war er plötzlich kurz davor. „Es… sind nicht deine Worte, die mich bedrücken.“ Bei Eluive, wofür hatte er als Jugendlicher Jahre lang die Kunst des Sprechens gelernt? Ging es noch holpriger, noch kindischer? Was wollte er eigentlich sagen? Aiwa, etwas von wegen „Es ist deine Abwesenheit, die Zeit, in der du fort bist von mir, die mich grübeln macht…“ Wieso hatte er es nicht getan? Stattdessen schob er es wieder mal auf die viele Arbeit, die er hatte, die angespannte politische Lage und darauf, dass er sowieso gesundheitlich nicht ganz in Ordnung war.
Natürlich, krank war er. Krank vor Sehnsucht, vor Gefühlen. Voll davon. Wie einfach war alles gewesen, als es Charis nicht gegeben hatte? Es gab nur hin und wieder einige Frauen, die ihn anhimmelten und die er nur zu gerne erfreute. Und die Frau seines Lebens, Zaina, seine heißgeliebte Schwester, die ihm lieb und teuer war. Teuer würde sie ihm auch jetzt werden, aber sie war ihm ferner denn je zuvor. Sie ging ihm ab, auch ihr Platz war leer in seinem Herzen. Er hatte sie an Saalih verloren, einen Sohn der Wüste, der vielleicht ihre Liebe genoss, aber in Saheebs Augen nicht würdig war. Nicht so würdig, wie er selbst. Aiwa, sie würde ihm abgehen, seine ‚kleine’ Zwillingsschwester, die er immer beschützt hatte.
Verzweifelt und übermannt von seinen Gefühlen ertränkte er sich und seine Gedanken in Arbeit und begann mitten in der tiefsten Nacht, den heiligen Berg Cantar umzugraben, stets auf der Suche nach dem weißen Gold.
Verfasst: Samstag 27. Mai 2006, 05:21
von Aalina Yazir
Wie schön es doch jedes Mal wieder war in den kühlen Keller zu treten, ein entspannendes Bad zu nehmen und dann ins Bett zu gehen. Aalina genoß diese Zeit, die sie absolut für sich allein hatte ohne jeglichen Stress. Ihre tägliche Hausarbeit hatte sie erledigt wie es sich gehörte und sie war stolz auf sich, dass sie sogar ein wenig Ordnung in das Chaos bringen konnte, welches momentan auf ihrem kleinen Schreibtisch herrschte. Aber für den Moment wollte sie nicht weiter nachdenken. Einfach ausruhen, ins Bett gehen, ausschlafen und am nächsten Tag sehen, was der Tag mit sich bringen würde.
Dämmerung. Kleine Lichtstrahlen fielen die Treppe hinab in den Keller, als Aalina ihre Augen aufschlug. Ihr Laken durchnässt, ihre Augen geweitet. Sie hatte geträumt. Schlecht geträumt. Hastig sah sie neben sich, tastete im Dunkeln nach Raakin und atmete erleichtert auf, als sie seine Hand ergriff. Kurz entzündete sie die Laterne, die neben dem großen Bett auf dem Nachtschränkchen stand und sah ihn an. Er war so schön, wie er da lag und gleichmässig vor sich hinatmete. Es schien sie um einiges zu beruhigen, daß es ihm gut ging und sie löschte baldig die Flamme der flackernden Kerze und legte sich wieder unter das Laken zu ihm. Doch schlafen konnte sie nicht. Immer wieder drehten sich ihre Gedanken im Kreis, ließen sie unruhig werden und sie suchte Raakins Nähe. Seufzend ließ sie ihren Kopf auf das Kissen neben ihn sinken, sah ihn in der Dunkelheit an, ehe sie ihre Augen verschloss um doch noch ein wenig zu ruhen.
Der folgende Tag lief nicht anders ab, als jener zuvor. Sie erhob sich aus den Federn um ein angenehmes Bad zu nehmen und ihren Körper mit wohl duftenden Ölen einzucremen, ehe sie sich in ihre Kleidung schlüpfte und die Kleidung vom Vortag in die Küche trug und dort wusch und aufhängte. Ebenso sortierte sie die bereits getrocknete Wäsche sorgsam in die dafür vorgesehenen Schränke, legte Handtücher für das abendliche Bad zurecht, kehrte den Boden, wischte die Fliesen, kochte Essen, schüttelte Teppiche und Vorhänge aus, machte das Bett, kümmerte sich darum, dass die Utensilien in Raakins Labor sauber waren. Es gab jeden Tag massig zu tun für Aalina. Schließlich wollte sie, dass Raakin in jeder Hinsicht stolz auf sie war. Es kam ihr manchmal wirklich sehr gelegen, dass keinerlei Besuch vorbeikam. Vielleicht einmal Zaina, wenn überhaupt. Und wenn sie einmal vorzeitig mit ihrer Arbeit im Haushalt fertig war setzte sie sich meist in die Hängematte auf dem Dach, gemeinsam mit ihrer Harfe und spielte einige Töne. Und es war fast als würde sie für einen Moment vergessen, was in den vergangenen Monatsläufen gewesen war.
War es die Sehnsucht, die sie auf einmal aus ihrer Hängematte trieb? Wahrscheinlich, ja. Sie wollte ihren Bruder sehen. Auch, wenn dieser sich wahrscheinlich abermals um seine über alles geliebte Zwillingsschwester kümmerte, sie würde ihn aufsuchen und ihn einfach umarmen. Doch das einzige, was Aalina vorfand war das Leere Haus von Saheeb. Auch die Mine war leer und Aalina hatte bei der Mittagshitze auch nicht so die Lust, ganz Menek'Ur abzulaufen. Womöglich war er bei Zaina ... oder sogar auf dem Festland. So schlich sie zurück nach Hause. Setzte sich abermals zurück in ihre Hängematte, nahm das Kochbuch, laß und lernte - so, wie sie es jeden Tag tat.
Und sie würde sich auf den Abend freuen, wenn Raakin nach Hause kam. Politik erforderte Führung und Führungspontenzial und das allein forderte sehr viel Zeit. Aber Aalina verstand. Und sie wartete geduldig und sei es drum, dass sie für ein oder zwei Stunden außer Haus gingen um gemeinsam zu jagen.
Verfasst: Sonntag 28. Mai 2006, 11:57
von Saheeb Masari
Wenn ihm der Antrittsbesuch von Zaina und Saalih auch nur eines gelehrt hatte, dann, dass er dringend sein Haus umbauen musste. Seit Wochen schon hauste er in dem kleinen Haus, in einem Eck stand ein Bett, im anderen ein kleines Bad, dazwischen Stapel von Truhen, ein hässlicher Tisch und einige Kissen lieblos angeordnet. Der nackte, kalte Stein machte das Heim zu einem nicht wirklich angenehmen Wohnort. Doch für Saheeb war es immer genug gewesen. Er liebte die Mine und hielt sich dort den größten Teil seines Tages auf. Den Rest der Zeit durchstreifte er die Insel und die nahegelegende Wüste oder scherzte und sprach mit seinen Freunden und Verwandten.
Jetzt wurde ihm bewusst, wie schlimm sein Heim eigentlich aussah. Es beschämte ihn ja fast, Saalih und Zaina das mickrig ausgestattete Haus an zu tun, aber das war ihm nicht mal wirklich wichtig. Wenn Charis das jemals zu Gesicht bekommen würde! Er war sich sicher, so frech und unbescholten wie die junge Dame war, Chaos und Unordnung liebte sie sicherlich nicht. Er ja eigentlich auch nicht, es war ihm nur zu mühsam und zu anstrengend, sich großartig um den Ausbau des Hauses zu kümmern. Aber nun gut, Gold genug hatte er, er würde einen Schreiner finden müssen der ihm eine ganze Menge Möbel herzustellen vermochte. Er würde seine Schwester Aalina besuchen, vielleicht war sie so lieb, ihm einige Teppiche und Vorhänge anzufertigen, gegen Bezahlung oder einen anderen Dienst, was auch immer sie wollte. Dann brauchte er noch einen Architekten, das Dach des Hauses sah scheußlich aus, er brauchte dringend eine Treppe hinauf, um es bewohnbar zu machen. Und ein Keller, aiwa, die Früchte und die Milch verdarben in der Hitze schneller als man schauen konnte.
Noch mitten in den Vorbereitungen zum Hausumbau erschütterte wieder einmal Rahal, die schwarze Stadt, das Gefüge der Welt. Bajard sollte nun Ziel sein, und die Menekaner setzten über, um ihren Freunden im Kampf um die Hütten und Häuser beizustehen. So unwohl Saheeb sich in der Rüstung auch fühlte (und so unnütz, war er doch alles andere als ein guter Kämpfer), erfreute es sein Herz, dass weder Zaina noch Charis unter den Kämpfenden waren. Er gab alles für sein Land, sein Volk, seinen Emir, aber die Frauen seines Lebens wollte er nicht an Rahal verlieren.
Die Schlacht war kurz, aber heftig. Mit nur einigen wenigen Kratzern und Schrammen war Saheeb davon gekommen, hatte er sich doch die meiste Zeit eher hinten gehalten und seinen Bogen zu spannen versucht. Umso erstaunter war er, wie schnell die Attacke doch zurück geworfen worden war. Und für immer würde ihm in Erinnerung bleiben, wie er zusammen mit den anderen Kämpfenden ging, um seinen Emir über das Schlachtfeld zu begleiten. Stolz und Ehrgefühl glommen in seiner Brust in diesem Moment, und für einen kleinen, aber nur ganz kleinen Moment sehnte er sich Charis herbei, dass sie ihn in stolzer Montur als einen der Sieger dahinschreiten sehen konnte.
Zuhause angekommen war der Sieg nur noch eine hübsche Erinnerung. Viel Arbeit wartete und der Krieg hatte viele von Saheebs Vorbereitungen zunichte gemacht. Stundenlang stand er nun wieder in der Mine und schürfte nach dem weißen Gold, auf dass am Tag der Sonne und dem Tag der Mitte er in der Lage war, dem Festländerpack die kostbaren Tränen Eluives aufzuschwatzen.
Verfasst: Sonntag 28. Mai 2006, 16:45
von Charis Yazir
Die Wüste war wie immer einsam und leer, in der Stadt auch kaum jemand zu finden ... allerdings wollte sie auch nicht an Türen klopfen. Wie sähe das denn aus? Selbst beim Gedanken daran musste sie schmunzeln.
Lust zu Schneidern hatte sie in letzter Zeit kaum, sie vernachlässigte ihre Arbeit und sie wusste nichtmal wieso. Sobald sie Nadel und Faden zur Hand nahm, verfiel sie in Tagträume und brachte nichts mehr fertig. So kannte sie sich selbst nicht. Was war nur mit mir los? Viele Gedanken schossen ihr durch den Kopf, aber kein einziger klarer war dabei. Letztens traf sie Saheeb wieder ... komischerweise immer dann, wenn sie in die Stadt oder aus der Stadt wollte, welch seltsamer Zufall doch immer. Er verhielt sich merkwürdig, fast schon so wie ein kleiner Junge, der zum ersten Mal eine Frau zu Gesicht bekam. Ein leichtes Schmunzeln legte sich über ihr Gesicht, allein beim Gedanken daran. Süss fand sie es, ja sogar schmeichelnd ... bisher machte sich keiner was aus ihr, sie war immer die unscheinbare, ein nichts das niemand bemerkte ... und jetzt hatte sie das Gefühl, da wäre etwas, sie konnte es nicht deuten und sie hatte Angst davor, dass sie sich täuschen könnte. Wirre Gedanken machten sich in ihr breit. Wollte sie sowas überhaupt? Konnte es denn überhaupt sein? Nein, sie täuschte sich ganz sicher ... was würde ein so ehrvoller, gut aussehender Mann schon von einer unscheinbaren Menekanerin wollen. Nichts rein gar nichts. Sie legte den Gedanken kopfschüttelnd, schnell wieder beiseite und versuchte abermals sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Doch wieder mit Misserfolg ... so würde sie nie den Ansprüchen Aalina s gerecht werden ...