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Absolute Schwärze und eine neue Chance

Verfasst: Donnerstag 18. Mai 2006, 13:54
von Marena Kordin
Oh du schöne Welt. Wie sehr sie doch in all ihren wunderbaren Farben erblüht, wie sie erstrahlte im hellen Licht der Sonne und wie edel und geheimnisvoll doch der sternenklare Himmel an manchen Nächten war. All diese Dinge waren Alltag für die Menschen, alles war normal für sie, man hatte es doch allgegenwärtig. Doch nicht jeder Mensch sah, was andere sahen. So war es auch bei Marena, denn ihre Welt war ausnahmslos schwarz. Sie war eine junge Dame, ein freundliches Lächeln nur allzu oft im Gesicht und doch zog etwas anderes die Blicke der Leute auf sie, nämlich die Augenbinde die um ihre Augen gebunden war, diese bedeckte und das verdeckte, was darunter war, zwei starre Augen die nur vorstarrten aber nichts sehen konnten. Sie war blind, bereits seit nun sechs Jahren, dies war der letzte Zeitpunkt gewesen, als sie die Schönheit der Welt betrachten durfte. Nun war ihre Welt dunkel, erfüllt mit Geräuschen, Sinneseindrücken, Geschmäckern, Stimmen und auch einer großen Hand voll Ungewissheit. Sie hatte sich mit ihrem Schicksal abgefunden, doch hatte sie nie aufgehört zu leben. Die ersten Jahre waren wie eine Qual. Wie oft sie sich verlaufen hatte, wie oft sie betrogen und ausgeraubt worden war und wie oft man sich einen dummen Scherz mit ihr erlaubte, das wusste sie alles nicht mehr wirklich und doch, sie gab sich nicht der Verbitterung hin, sie lächelte und sah in die Zukunft, sie lernte. Die Welt war gemein, das merkte sie immer deutlicher, doch gab es auch genügend Lichtblicke in ihr. Menschen die freundlich und hilfsbereit waren, liebevolle Gestalten und Helden, die nicht die Schwäche einer jungen Frau ausnutzten.

So eine Gestalt war es auch, die Marena dazu ermutigt hatte, diese Reise anzutreten. Es war eine sehr spannende und aufregende Reise gewesen, denn sie fuhr das erste mal in ihrem Leben mit einem Schiff. Die Fahrt war sehr angenehm gewesen, sie war viel auf dem Deck gestanden, hatte die frische Meeresluft eingeatmet und ihren salzigen Geschmack auf der Zunge gespürt. Der Kapitän war die meiste Zeit über freundlich gewesen und sorgte sich sehr um ihr Wohl. Nach gut zwei Tagen Reisen erreichten sie dann auch Bajard. Doch es sollte sich alsbald schon zeigen, dass dies hier nicht mehr die vertraute Heimat war, sondern ein völlig fremdes Land. Sie hatte viel Mühe sich zurechtzufinden, gänzlich ohne Hilfe und Unterstützung. Sie hatte Varuna besucht gehabt, eine wirklich schöne Stadt, doch war sie auch sehr groß und genauso schnell hatte sie sich wieder verlaufen. Zum Glück waren die Gardisten allesamt sehr freundlich gewesen und halfen ihr, wann immer es ging. Auch andere Bewohner des Landes waren sehr zuvorkommend und hilfsbereit und dann an jenem Abend hatte sie sie getroffen.

Ronya war ihr Name gewesen. Sie schien schon etwas älter zu sein, ihrer Stimme nach älter als Marena. Sie war sehr freundlich gewesen, hatte sie gleich auf ihre Blindheit angeredet und sie dann zu etwas ermutigt, womit sie so schnell nicht gerechnet hätte. Sie bot ihr an, dass sie Marena zum Waisenhaus geleiten könne, die Leiterin dort würde eine Amme suchen und Ronya hielt Marena anscheinend für die geeignete Person. Sie zögerte eine ganze Weile, Kinder … wie lange hatte sie mit ihnen nicht mehr zu tun gehabt? Und dann noch ihre Blindheit, würde das nicht alles unmöglich machen? Doch Ronya zerbarst ihre Zweifel und führte sie zum Waisenhaus. Dort musste sie eine Weile warten, ehe sie auf die Leiterin traf, Shanna ihr Name. Und schon nach einem kurzen Gespräch schien auch Shanna der festen Überzeugung, sie hätte eine Chance verdient. Freude machte sich in ihrem Herzen breit, Arbeit, etwas zu tun … ein fester Ort an den sie konnte, wie lange war es her dass sie so etwas für sich hatte? Sie lächelte, sie war glücklich und am gleichen Abend konnte sie noch Marel kennenlernen, den Sohn der Leiterin. Er führte sie umher, sie konnte einen ungefähren Eindruck von dem Haus gewinnen, und es schien alles auf eine seltsame Art vertraut. Der Abend klang aus, sie legte sich schlafen, im gleichen Saal wie viele der Kinder die dort gerade ebenfalls schliefen. Als sie in den Schlaf sank war sie sich sicher, Temora war ihr gnädig und gewährte ihr eine weitere Chance und sie würde sie nutzen.

Verfasst: Donnerstag 18. Mai 2006, 19:05
von Alassea
Sie war üpberrascht, als sie Marena das erstemal sah. Jene Frau strahlte eine Art selbstsicherheit aus und das war im Grunde ausschlaggebend wieso Shanna sich für sie entschied. Blind das war Marena und in der ersten Sekunde zögerte sie. Doch zerschlug sie alle Zweifel. Sie selber hatte einst einen Platz gefunden, blind, wild. Ronya war es damals die ihr einen Platz in der Welt gab, die ihr sprechen, beibrachte. Immer wieder musste sie an den Moment denken, an dem Ronya ihr beigebracht hatte wozu ein Schlüssel gut war. Damals war sie selber auch blind gewesen und hatte sie irgendwie irrender Weise durch die Wildniss Lange Zeit geschlagen gehabt. Ronya war es die ihr, nachdem sie wieder sehen konnte, lesen und schreiben beigebracht hatte, die ihr erklärte was war war, und das es auch immer noch das war was sie früher nur fühlen konnte.

Jetzt war es an ihr einer jungen Frau einen Platz zu geben, denn wenn Ronya zu einem fremden blinden wilden Mädchen Vertrauen haben konnte, dann konnte sie es auch zu Marena haben.