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Des Vaters Wille!
Verfasst: Mittwoch 17. Mai 2006, 08:44
von Shan´Rhyl
Die Schreibfeder sorgsam in der rechten, spinnenbeinartigen Hand gehalten, kritzelte Shan’Rhyl einige Notizen auf das Pergament, dass vor ihm auf dem Schreibtisch prangerte. In seinem kleinen Arbeitszimmer herrschte vollkommene Ruhe und er war äußerst konzentriert. Doch von einem Schlag auf den anderen änderte dies sich und sein Haupt wurde leicht angehoben, wobei der Blick zu der doppelten Eichtüre fiel. Die spürbare Anwesendheit seine Schülerin würde ihm, selbst bei dieser Konzentration nicht entgehen und so bat er sie mit lauter Stimme bereits herein, bevor sie überhaupt dazu kam an jener Pforte zu klopfen.
Nachdem er sie vor sich auf den Stuhl gebeten hatte, lag sein Blick einen kurzen Moment auf ihrem Gesicht, ehe er ihr verkündete das die Zeit nun langsam reif war, in der sie sich des Vaters als würdig erweisen soll. Bereits vor einiger Zeit hatte Shan’Rhyl sie darauf hingewiesen, dass er ihr eine Aufgabe zuteilen, die sie bei gelingen, Alatar ein Stück näher bringen wird. Als er die Worte zu Ende gesprochen hatte, bemerkte er, dass in Nyrae’s inneren eine gewisse Aufregung umhergeisterte die sie jedoch gekonnt, zumindest vom äußeren Anschein, vor ihm zu verbergen schaffte. Jedoch würde es ihr wohl nie gelingen, ihre innere Gefühlslage vor ihm vollkommen zu vertuschen, da sie durch eine gewisse Weise miteinander verbunden waren. Der Lethyr ließ jedoch nicht viel Zeit verstreichen, ehe er ihre Aufgabe nun im Detail erläuterte.
Er gab ihr kurze und eindeutige Instruktionen die auf zwei Teilaufgaben hinaus liefen. Zuerst sollte sie ohne Rüstung, Nahrung und Wasser in den Wald hinausgehen und dort 3 Tage verharren. Auf diese Weise würde ihr Körper geschwächt und der auftretende Schmerz würde in Zorn und Wut umschlagen. Nyrae würde in dieser Zeit lernen diese Kraft, die durch jene Schwäche entsteht zu kanalysieren und dem Vater am nächsten sein. Nach diesen 3 Tagen in der Wildnis würde Shan’Rhyl sie aufsuchen und von ihr verlangen das disharmonische Lied des Vaters, auf neuer Ebene zu nutzen. Sie hätte die Aufgabe ein Gewitter über ihren Köpfen aufziehen zu lassen, und dessen zerstörerische Kraft in einen einzigen kraftvollen Blitz zu bündeln, der auf die Erde niederprasselt. Dadurch wäre der Beweis gegeben, dass sie es wert ist, eine Stufe näher an Vater heranzutreten, um ihm noch inniger zu dienen, so wie es sich für die Elite der Letharen gehörte.
Shan’Rhyl ging davon aus, dass dies für Nyrae keinerlei Probleme darstellen sollte, immerhin war sie ‚seine’ Schülerin und wurde in den Lehren, die er einst von Mory’tael übernahm, ausgebildet. Natürlich war dieses unterfangen keineswegs von leichter Natur. Immerhin konnte sie nach den 3 Tagen ohne Nahrung und Wasser zu schwach für einen solchen Kraftaufwand sein. Doch wenn dies der Fall war, wäre sie Alatar nicht gerecht geworden und ihr kümmerliches dasein mit dieser Schmach beendet. Doch er zweifelte nicht daran, dass Vater ihr diese Macht zuteil werden ließ, wenn sie von vorne herein zu scheitern verdammt wäre….
Er würde es bald wissen…..
Verfasst: Mittwoch 17. Mai 2006, 10:47
von Nyrae Xy´rael
Es war dunkel. Nacht. Mitten in den Wäldern, weit weg. Nyrae stand am Waldrand und blickte hinaus aufs Meer. Die schlanken bläulichen Finger fest um ihren Stab gelegt, jenen sacht auf den Boden gestützt. Ihre hell glühenden Augen stachen Löcher in die salzgeschwängerte Luft, die ihr vom Meer aus entgegen wehte. Sie atmete tief und langsam. Der Umhang flatterte heftig in den Böen, hinter ihr trat ein Reh aus dem Unterholz und es knackten ein paar Ästchen, doch als das Tier zu spüren begann wem es da so nahe kam, bewegte es sich rückwärts wieder in den Wald zurück. Für gewöhnlich hielt Nyrae ihren Zorn so gut unter Kontrolle, daß nicht mal die hochsensiblen Tiere des Waldes ihn instinktiv erspüren konnten.
Doch hier ließ sie ihn offen aus sich leuchten. Keine Menschenseele befand sich in der Nähe. Dass dieses Reh überhaupt auftauchte bekam Nyrae nicht mit. Sie befand sich in einer Art Trance, sie bat ihren Vater die Aufgabe, die ihr Lehrer Shan’Rhyl ihr gebürdet hatte, zu seiner und vor allem zur Zufriedenheit des Vaters zu bestehen. Gewiss würde es nicht leicht werden, nichts ist leicht, so man sich vor dem Vater beweisen muss. Doch Nyrae hatte in den letzten Monden viel von ihrem Lehrer Shan aber auch von dem Weisen Mory’tael gelernt. Wenn sie ehrlich war dürstete es ihr sogar nach jener Aufgabe. Suchte sie doch täglich danach sich ihrem Vater als würdig zu erweisen. Und ja, sie wollte ihm noch näher sein. Sie zweifelte keinen Augenblick daran, daß sie jener Aufgabe gewachsen ist, täte sie dies, würde sie ihren Vater selbst anzweifeln, der sie mit jener Macht versah. Doch für diese Macht, die sie nutzen konnte um Seinen Willen durchzusetzen, dankte sie ihm jeden Tag aufs Neue. Essen war ohnehin eine lästige und zeitraubende Angelegenheit, doch brauchte ihr Körper die Nahrung, wie ein jeder sie eben benötigte.
Die ganze Nacht bis zum ersten Strahl der Sonne verharrte sie an jener Stelle. Nicht nur die verheissungsvolle Konstellation der Sterne ließ sie die ganze Nacht dort verharren. Sie fühlte den Moment nahen. Den Moment, den der Vater vorausgesehen hatte. Es würde bald geschehen. So war sie denn froh, nun endlich ihr Gelerntes unter Beweis stellen zu können. Noch verspürte sie keinerlei Bedürfnisse ihres Körpers nach Essen, doch war sie nicht so kurzsichtig zu denken, daß dies eine leichte Aufgabe sein würde. Wie sie ihren Lehrer verstanden hatte, ging es darum den Zorn noch besser unter Kontrolle zu bekommen, als sie es jetzt schon vermochte. Sie wandt sich um und ging in Richtung der Waldgrenze, auffällig still war es um sie herum.
Doch scherte sie das nicht, ganz im Gegenteil. Sie war froh, dass die vermaledeiten Vögel ihr fröhliches Gesinge in ihrer Anwesenheit nicht anstimmten. An einer Stelle, an der sich die Baumkronen besonders dicht berührten und es somit recht dunkel war, ließ sie sich nieder. Sie spürte die Kälte des Waldbodens durch ihre lederne Hose, das Moos das den Waldboden bedeckte war noch recht feucht. Sie legte den Stab, der alles war, was sie aus dem Unterschlupf mitgenommen hatte, neben sich auf den Boden, jede ihrer Bewegungen war langsam und bedächtig. Schließlich drückte sie ihren Rücken durch, legte den Kopf in den Nacken und schloß die Augen. Sie fiel in tiefe Konzentration und ihre Kieferknochen pressten sich so angespannt aufeinander, dass die Wangenknochen pulsierend hervortragen. Sie mußte sich entspannen. Die innere Ruhe und den Weg zu Ihm finden. Erneut sprach sie zu ihrem Vater ..
Verfasst: Donnerstag 18. Mai 2006, 13:33
von Nyrae Xy´rael
Sie erwachte aus ihrem innigen Gebet an den Vater. Mit gekreuzten Beinen saß sie noch immer anjener Stelle im feuchten Moos. Nahezu den ganzen nachmittag hatte sie in jener Stellung im Gebet verharrt. Langsam löste sie den Schneidersitz und streckte ihre Beine nach vorn aus, bevor sie ihren Stab vom Boden nahm und sich erhob. Es dämmerte bereits als sie den Weg durch den Wald zurück zum Meer nahm. Nicht ganz hatte sie sich an die Vorgaben ihres Lehrers Shan’Rhyl gehalten, hatte sie doch etwas mitgenommen, wider seinen Worten.
Doch mußte er hiervon nichts erfahren, sie selbst sah es eher als zusätzliche Herausforderung. Am Meer angekommen entzündete sie ein Feuer, nahm ihren Umhang von den Schultern und legte ihn davor um sich neben dem Feuer niederzulassen. Tief atmete sie die salzige Meerluft, was den gewünschten Effekt verursachte. Hunger. Schon als sie aus dem Wald trat, spürte sie das verlangen ihres Körpers nach Nahrung. Noch war dieses Gefühl nichts ungewohntes, hatte sie doch in ihren ersten Monden, die sie allein dazu nutzte um sich körperlich zu stärken kaum gegessen. Sie hatte vom frühen Morgen an bis spät in die Nacht an ihrer Kondition gearbeitet und nach ihrem Training hatte sie meist das Gespräch mit Shan’Rhyl gesucht. Die Nacht verwendete sie dann für ihre Gebete.
Auch so war sie schon recht hager, doch hatte sie in diesen Monden deutlich an Gewicht verloren. Dafür aber an physischer und psychischer Kraft kongruent zugenommen. Somit überstand Nyrae diesen ersten Tag der Prüfung als wäre es ein Normaler. Nein, etwas war anders. Sie bereitete sich innerlich auf die folgenden Tage vor. Sie wußte, jene würden nicht so leicht wie dieser Erste werden. Zumal .. Leicht sollte es auch nicht sein. Wollte sie sich doch als würdig erweisen. Dazu packte sie den Gegenstand aus, den sie trotz des Verbots ihres Lehrers mitgenommen hatte. Eingepackt in drei Papierlagen platzierte sie ihn neben dem Feuer. Sie würde ihn brauchen, sollte der körperliche Schmerz des zehrenden Hungers seinen Höhepunkt erreichen. . .
Verfasst: Freitag 19. Mai 2006, 09:21
von Shan´Rhyl
In gewissen Zeitabständen schweiften seine Gedanken ab zu seiner Schülerin Nyrae, die in diesem Moment den Pfad ihrer Aufgabe bestritt. Im Letharenunterschlupf straf er auf Mory'tael dem er um ein kleines Gespräch über diese Sache bat. Sie unterhielten sich eine Weile und Shan'Rhyl erläuterte ihm die Aufgabe, die er seiner Schülerin auftrug. Er war sich sicher, dass sie jenen Weg nicht umsonst bestritten hätte, denn sie war stark. Jedoch würde er sie ohne zu zögern oder mit der Wimper zu zucken bestrafen, falls sie Vater und ihm nicht gerecht werde. Ebenfalls seiner bitte das Mory' bei der Weihe anwesend sein solle wurde nachgegangen.
Shan'Rhyl zog sich noch für einige Stunden zurück. Er würde sich sammeln, sich auf die Aufgabe vorbereiten, dass auch alles seinen geregelten Ablauf nehmen würde. Auch er verspürte seit einiger Zeit eine leichte innere Aufregung. Denn mit dem Blut Nyrae's, dass er Vater zum Opfer überlassen würde, wäre sein Aufstieg zu den hohen Weisen Lethyren besiegelt. Bei jenem Gedanken wurde die Dunkelheit der Höhle, durch die hell aufleuchtenden violetten Augen des Lethyren gebrochen.
Langsam erhob er sich und begab sich gen Höhlenausgang. Es wurde allmählich Zeit das er seine Schülerin in den Wäldern aufsuchte. Die innere Verbundenheit zu jener würde ihm den Weg weisen....
Verfasst: Freitag 19. Mai 2006, 12:40
von Nyrae Xy´rael
Mittlerweile schmerzte der Hunger. Fast krampfartig flossen die Wogen des Schmerzes durch ihren geschwächten Körper. Sie kniete vor dem nun fast erloschenen Feuer, doch mußte sie jenes neu entfachen, wenn sie sich ihrer selbst zusätzlich auferlegten Prüfung stellen wollte. Sie stand auf .. Eine Sekunde lang war ihr schwindelig und sie griff sofort nach ihrem Stab um sich darauf abzustüzen. So verharrte sie einige Minuten, das Schwindelgefühl überwindend aber dennoch recht schwankend. Als sie sich gerade aufrichtete und versuchte die Körperspannung aufrecht zu erhalten zuckte der Schmerz ihr erneut pulsierend aus dem Bauch in alle Glieder. Sie genoß ihn. Schloß die Augen und ließ die wunderbare Macht des Zorns ihres Vaters aufkeimen und ein Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus als sie die Augen wieder öffnete. Hell leuchteten jene, so hell wie nie zuvor.
Sie benötigte Holz für das Feuer und ungeachtet ihrer körperlichen Schwäche begab sie sich in Richtung des Waldes. Langsam jedoch aber fest und wohl gelenkt waren ihre Schritte. Als sie die Waldgrenze erreicht hatte mußte sie innehalten. Ein neuerlicher Schwindel übermannte sie und sie hatte Mühe sich aufrecht zu halten. Sie hatte nun den dritten Tag ohne Nahrung und Schlaf verbracht und ihr Körper erinnerte sie scharf daran indem er seinen Dienst zu versagen drohte. Das einzig erfreuliche daran war der Schmerz ..
Sie sammelte so viel Holz wie sie tragen konnte und brachte es an die kleine Feuerstelle. Sorgsam schichtete sie die kleinen Scheite und Ästchen auf die Glut. Der Wind der vom Meer kam enfachte das Feuer recht schnell wieder und die trockenen Ästchen knackten als die Flammen nach ihnen griffen. Sie setzte sich wieder auf den Umhang und griff nach dem kleinen Paket, das sie mitgenommen hatte. Langsam band sie die darum geschlungenen Schnüre los und förderte zwei rohe Stücke Fleisch zutage. Es dämmerte bereits und des Abends würde ihr Lehrer sie aufsuchen um zu sehen ob sie seine Bemühungen und die Gunst des Vaters wert war. Sie stach die Fleischstücke auf längere Stöcke und positionierte sie über dem Feuer. Rasch entfaltete sich der Geruch nach gebratenem Fleisch.
Ihr Körper schrie nach Nahrung, versuchte mit immer neuen Schmerzwogen ihren Geist zu besiegen. Nyrae wollte die Bedingungen verschärfen. Denn wo war die Versuchung? Wenn es nichts zu Essen gab, wie sollte sie dann widerstehen? Als die Düfte des Fleisches ihr in die Nase stiegen wurde ihr erneut schwindelig, doch sie sog den Geruch tief ein. Dann schloß sie die Augen. Der Schmerz wurde schier unerträglich, doch war es ein unsagbar wohliges Gefühl ihn zu spüren. Sie fühlte die Macht ihres Vaters in sich. Die Wandlung des Schmerzes in Zorn ging wie von selbst, sie mußte sich nichteinmal konzentrieren. So bündelte sie denn ihre Gedanken und dachte an ihren Lehrer. Shan’Rhyl würde bald seinen Weg zu ihr finden ….