Rund ums Feuer
Verfasst: Freitag 25. August 2017, 19:43
Was bisher geschah ...
So also endet alles einmal. Fast allein in einer armseligen, zugigen Hütte, die nur deshalb nicht stinkt, weil es eben so arg zieht.
Einen längeren Moment stand Loreen da und betrachtete die letzten Reste eines Menschen vor ihr. Das Gesicht tief eingefallen, faltiger und grauer als zuvor. Die Altersflecken traten stark hervor, die Nase stach förmlich aus dem Gesicht und das grau-gelbliche Haar stand wild und ungepflegt ab. Er sah sogar friedlich aus, auch wenn sein Leben nicht so endete, wie er es sich immer gewünscht hatte.
Er hatte immer von Reichtum geträumt. Von schönen Frauen, von gutem Essen, viel Wein und Tabak. Achja, und ein warmes Heim.
Nichts davon hatte er in seinem Leben gehabt. Nie. Nur seine Illusionen, dass er es irgendwann vielleicht mal schaffen könnte. Raus aus diesem stinkenden Loch, angesehen sein, keinen knurrenden Magen mehr. Seine Hoffnungen waren alles, was er am Ende noch hatte. Und sie, seine Schülerin. Die einzige, die noch geblieben war.
Loreen hatte sich oft genug selbst dafür gescholten, dass sie bei dem Alten geblieben war. Die anderen hatten sich neue Wege gesucht. Manche hatten nicht lange überlebt, nach allem, was sie gehört hatte, aber immerhin waren sie manches Mal ihren persönlichen Hoffnungen näher gekommen, als er. Wenige hatten sich sogar einen Namen machen können und waren auf ihrem Gebiet berüchtigt.
Auf was hoffte sie eigentlich?
Sie mochte diese Frage nicht. Hoffnungen, so sagte sie sich, sind was für Leute, die nicht im Hier und Jetzt leben. Also streifte sie die Frage ab und gab sich einen Ruck. Ein gutes Gebet fiel ihr eh nicht ein. Nur ein "Möge Kra'thor dich verschonen".
Es war nicht schwer, den Alten - eingewickelt in seinen Decken - durch die Gassen zum Hundstor zu schleifen. Hier kümmerte es eh kaum einen, wenn spät am Abend irgendein Toter durch den Schlamm gezogen wurde. Man hatte andere Sorgen, vor allem aber wollte man am Leben bleiben und im Ascheviertel blieb man nicht lang am Leben, wenn man zu viele Fragen stellte. Der Alte war auch nicht schwer, was sie eher überraschte. Unter den vielen Lumpenlagen mochte sich wohl nichts weiter, als ein Skelett mit ein bisschen Fleisch und viel graues Haar verbergen. Vielleicht war der Schmutz an ihm sogar das, was am schwersten wog.
Schwerer war es dagegen, so spät am Abend trockenes Holz aufzutreiben. In den nahen, lichten Wald traute sie sich nicht - am Tage achteten die Späher darauf, dass nicht Hinz und Kunz ohne irgendeine Erlaubnis dort das rare Holz schlugen, so spät jedoch lauerten wesentlich bissigere Gefahren im Unterholz, die mit Sicherheit nicht nach irgendeinem Schein fragten.
Also begann Loreen das Treibholz am Strand zu sichten und aufzulesen. Vorsorglich hatte sie eine Flasche des übelsten Fusels, den der Alte immer so gerne trank, mitgenommen und konnte so letztendlich doch noch das Holz in Flammen setzen - mittendrin der Alte, ihr Mentor in den letzten Jahren.
Sie stand länger dort, als sie vorgehabt hatte, denn so ein Feuer am Strand lockte eigentlich irgendwann neugierige Beobachter an. Dennoch konnte sie sich vom Tanz der Flammen kaum losreißen und betrachtete sie, wie sie am Leib des Alten züngelten. Der Geruch des Fleisches kitzelte in ihrer Nase, zeitweise erzeugte er ein Magenknurren und es war der Rest von Moral, der sie dazu brachte, ein mulmiges Gefühl bei diesem Appetit, den sie verspürte, zu bekommen. Loreen nahm einen tiefen Schluck aus der Flasche, leerte sie endgültig und riss sich vom warmen Feuer und seiner zerstörerischen Kraft los.
Es war Zeit, die wenigen Habseligkeiten, die sie besaß und die wenigen Münzen, die der Alte gehortet hatte, zusammen zu raffen und die Stadt zu verlassen. Ihr war danach. Irgendwas musste es im Leben doch geben, außer fleißigen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.
So also endet alles einmal. Fast allein in einer armseligen, zugigen Hütte, die nur deshalb nicht stinkt, weil es eben so arg zieht.
Einen längeren Moment stand Loreen da und betrachtete die letzten Reste eines Menschen vor ihr. Das Gesicht tief eingefallen, faltiger und grauer als zuvor. Die Altersflecken traten stark hervor, die Nase stach förmlich aus dem Gesicht und das grau-gelbliche Haar stand wild und ungepflegt ab. Er sah sogar friedlich aus, auch wenn sein Leben nicht so endete, wie er es sich immer gewünscht hatte.
Er hatte immer von Reichtum geträumt. Von schönen Frauen, von gutem Essen, viel Wein und Tabak. Achja, und ein warmes Heim.
Nichts davon hatte er in seinem Leben gehabt. Nie. Nur seine Illusionen, dass er es irgendwann vielleicht mal schaffen könnte. Raus aus diesem stinkenden Loch, angesehen sein, keinen knurrenden Magen mehr. Seine Hoffnungen waren alles, was er am Ende noch hatte. Und sie, seine Schülerin. Die einzige, die noch geblieben war.
Loreen hatte sich oft genug selbst dafür gescholten, dass sie bei dem Alten geblieben war. Die anderen hatten sich neue Wege gesucht. Manche hatten nicht lange überlebt, nach allem, was sie gehört hatte, aber immerhin waren sie manches Mal ihren persönlichen Hoffnungen näher gekommen, als er. Wenige hatten sich sogar einen Namen machen können und waren auf ihrem Gebiet berüchtigt.
Auf was hoffte sie eigentlich?
Sie mochte diese Frage nicht. Hoffnungen, so sagte sie sich, sind was für Leute, die nicht im Hier und Jetzt leben. Also streifte sie die Frage ab und gab sich einen Ruck. Ein gutes Gebet fiel ihr eh nicht ein. Nur ein "Möge Kra'thor dich verschonen".
Es war nicht schwer, den Alten - eingewickelt in seinen Decken - durch die Gassen zum Hundstor zu schleifen. Hier kümmerte es eh kaum einen, wenn spät am Abend irgendein Toter durch den Schlamm gezogen wurde. Man hatte andere Sorgen, vor allem aber wollte man am Leben bleiben und im Ascheviertel blieb man nicht lang am Leben, wenn man zu viele Fragen stellte. Der Alte war auch nicht schwer, was sie eher überraschte. Unter den vielen Lumpenlagen mochte sich wohl nichts weiter, als ein Skelett mit ein bisschen Fleisch und viel graues Haar verbergen. Vielleicht war der Schmutz an ihm sogar das, was am schwersten wog.
Schwerer war es dagegen, so spät am Abend trockenes Holz aufzutreiben. In den nahen, lichten Wald traute sie sich nicht - am Tage achteten die Späher darauf, dass nicht Hinz und Kunz ohne irgendeine Erlaubnis dort das rare Holz schlugen, so spät jedoch lauerten wesentlich bissigere Gefahren im Unterholz, die mit Sicherheit nicht nach irgendeinem Schein fragten.
Also begann Loreen das Treibholz am Strand zu sichten und aufzulesen. Vorsorglich hatte sie eine Flasche des übelsten Fusels, den der Alte immer so gerne trank, mitgenommen und konnte so letztendlich doch noch das Holz in Flammen setzen - mittendrin der Alte, ihr Mentor in den letzten Jahren.
Sie stand länger dort, als sie vorgehabt hatte, denn so ein Feuer am Strand lockte eigentlich irgendwann neugierige Beobachter an. Dennoch konnte sie sich vom Tanz der Flammen kaum losreißen und betrachtete sie, wie sie am Leib des Alten züngelten. Der Geruch des Fleisches kitzelte in ihrer Nase, zeitweise erzeugte er ein Magenknurren und es war der Rest von Moral, der sie dazu brachte, ein mulmiges Gefühl bei diesem Appetit, den sie verspürte, zu bekommen. Loreen nahm einen tiefen Schluck aus der Flasche, leerte sie endgültig und riss sich vom warmen Feuer und seiner zerstörerischen Kraft los.
Es war Zeit, die wenigen Habseligkeiten, die sie besaß und die wenigen Münzen, die der Alte gehortet hatte, zusammen zu raffen und die Stadt zu verlassen. Ihr war danach. Irgendwas musste es im Leben doch geben, außer fleißigen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.