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Gonzales Salvador - Den Letzten beißen die Fische

Verfasst: Samstag 5. August 2017, 19:19
von Gonzales Salvador
Den Letzten beißen die Fische


La Cabeza - Mitternacht.

Mit hängendem Schädel stromerte der bullige Seebär über den morschen Steg entlang. Die alten Planken ächzten wehleidig unter seiner Masse und die Wellen peitschten unnachgiebig der Küste entgegen. Mit einem missmutigen, kehligem Brummen schnippte Gonzales den glühenden Zigarrenstummel in die schaumige Gischte und packt mit seinen grobschlächtigen Pranken in den von Wind und Wetter maltätieren Ledermantel. Ein flüchtiges, süffisantes Grinsen breitete sich über das alte, wettergerbte Gesicht aus, als er einen treuen Begleiter aus der Manteltasche hervor zieht. Eine bauchige Rumbuddel.
"Du bist mir noch geblieben, Hombre."

Mit den Zähnen zerrte er den Korken aus dem engen Flaschenhals und spuckte ihn in das unruhige Meer. Einige Fische tummelten sich alsbald um den in der Flut treibenden Korken und bissen, wie bei einem Köder, gierig an.
"Beschissene Zeiten. Dieses Leben hat mich so viel gekostet. Meine Mannschaft, meine geliebte Tochter. Jeder muss seinen Preis zahlen - Jeder!"
Ein wütendes Schnauben bläht durch die Nüstern. Die Pranken winden sich geradezu würgend um die Flasche als der Blick in die Ferne stiert. Als sein Blick bei der Brigg endet, der Namenlos, genehmigt er seiner trockenen Kehle einen weiteren Schluck vom Hochprozentigem.
"Und du? Namenlos? Du fristest ein ewiges Dasein in dieser verdammten Bucht. Als unliebsames Erbe gescheiterter Piraten. Doch eins ist gewiss - wir teilen uns das selbe Grab. Das Meer."
Dann tauchte auch schon wieder eine Pranke in den Mantel ein und zog seine Steinschlosspistole hervor. Ohne weitere Worte zu verschwenden legt sich der Pistolenlauf an seine Schläfe und nach einem lautem Knall stürzt der leblose Leib des Seebären in die Fluten. Das aufgeschreckte Geplärre der Möwen hallt noch einige Sekunden nach, doch dann kehrt wieder Ruhe ein. Nur das Rauschen des Meeres verbleibt.