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Nichts

Verfasst: Freitag 28. Juli 2017, 22:25
von Thirza
Wenn eine Kreatur von Geburt an darauf gedrillt wird, emotionslos zu sein, was ist sie dann?




Du bist nichts.
Ihr Leben lang hat sie versucht die Tage einfach zu überleben, den Höheren das zu sagen, von dem sie glaubte, dass sie es hören wollen. Einfach um den Situationen zu entgehen, bei denen sie bestraft wird oder ihr sonstwie Schmerzen zugefügt werden. Doch seit ihrer Ankunft im Leth'Axorn fährt sie mit dieser Strategie überhaupt nicht gut, sie wird durchschaut und ständig damit konfrontiert. Ihre eigentliche Unwissenheit kommt zum Vorschein und sie wird laufen daran erinnert, was sie ist.
Nichts.



Als Runenlose ist man der Bodensatz des Nests und als Lethra noch einen Schritt tiefer in der Hierarchie. Ohne besondere Erfahrung im Kampf, noch als geeignet erachtete Künste im Handwerk erhält man Aufmerksamkeit lediglich im negativen Sinne, durch schmerzhafte Lehren und anderes Leid, dass diesem Wesen zugefügt wird. Das fördert den Selbsthass, den Trotz, die Trauer. Emotionen, die sie nicht haben darf und trotzdem sind sie da ... noch. Sie fürchtete den Tag, an dem sie wie die Höheren ist, reglos, abwesend, still, ihre Gesichter sind wie Masken, wie Puppen.


Andererseits sehnt sie sich danach, dann hat ihr Leidensweg ein Ende und sie kann alles einfach geschehen lassen, ohne Emotionen dabei zu empfinden. Sie erwischt sich oft selbst dabei, wie sie Freude, Angst und Trauer empfindet, inzwischen ist sie besser darin geworden, es nicht ganz so offensichtlich zu zeigen. Doch die Gefühle sind da und solange das so ist, ist sie ein leichtes Opfer für die Anderen. Manchmal beneidet sie die Menschen, sie können ihre Gefühle darstellen, wie sie wollen, ohne dafür bestraft zu werden, solange sie sich an die Regeln der Oberfläche halten, während sie direkt unter ihnen nichts empfinden soll. Abermals wird sie daran erinnert, was sie kann.


Von Selbsthass zerfressen verbringt sie die Nacht in der Bibliothek, aber nicht, weil sie etwas lernen möchte, sondern weil sie der Bestrafung entgehen will, wenn sie keine zufriedenstellende Antwort auf ihre Aufgaben liefert. Doch diese Denkweise bringt sie der Lösung ihrer Aufgaben nicht näher und ein Anflug von Angst macht sich breit, wodurch ihr Selbsthass nur verstärkt wird, denn wieder wallen Gefühle in ihr auf, die sie nicht empfinden soll.


Sie hat niemandem, mit dem sie darüber sprechen kann, geschweige denn will, abermals aus Angst, bestraft zu werden. In ihrer Vorstellung ist sie die einzige, die mit diesem Problem zu kämpfen hat. Oder zumindest plagt es sie mehr, als die anderen Runenlosen. Vielleicht wurde sie aus einem Grund mit diesen Empfindungen erschaffen - nein, dieser Gedanke wird rasch aus ihrem Kopf verdrängt. Wenn sie das laut ausspricht, landet sie auf der Stelle in der Lavagrube...


Sie hat noch viel zu lernen.