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Ein Meer aus goldenen Kerzen.
Verfasst: Donnerstag 27. April 2017, 15:57
von Hanieh Tarana Yazir
Eigenartig, wie das normale sich noch so seltsam anfühlen konnte.
Der warme Sand unter meinen nackten Füßen, fühlte sich wie eine warme Decke der Geborgenheit an.
Natürlich hatte meine Mutter mich stets umsorgt, doch war es eine eisige Kraft der Erziehung gewesen, geprägt durch die Strenge welche sich in ihrer Stimme ausweitete.
Mein Vater hatte mich immer liebevoll umsorgt und die Strenge meine Mara überlassen. Vielmehr schien er es zu genießen mir teure Geschenke von seinen Reisen nach Hause zu bringen und meine Mutter so ein wenig zu ärgern.
Mein Weg hierher war ein steiniger gewesen...
Der Karawanenführer welcher mich einige Zeit begleitet hatte eher ein unfreundlicher Genosse, ganz anders als ich gewohnt war.
Auch die Männer hier waren stolzer Natur.
Voller Demut sah ich zu ihnen auf und versuchte sanfte Züge zu erkennen, doch jene sollte ich sicher erst einige Wochen später finden - wenn denn überhaupt.
Die Natifahs waren allerdings liebevoller als ich es erahnt hatte.
So schmückten mich bereits sanfte Stoffe und ebenso fein gefertigte Instrumente für meine Übungen.
Wenn ich jene betrachtete, so überkam mich bereits die Aufregung vor dem bevorstehenden Tag der Sonne.
Bisher hatte ich die Singstimme immer nur vor meiner Mutter erhoben und mich dieser hingegeben, doch an jenem Tage würde ich es vor einigen mehr tun. Hoffentlich vergaß ich nicht was ich singen wollte, oder verspielte mich gar an der Harfe, welche ohnehin ein sanftes Händchen benötigte.
Am gestrigen Abend hatte ich immerhin schon einmal ein Gedicht an einige des Volkes herangetragen und war garnicht so schlecht besehen worden als ich endete.
So war es immerhin eine sanfte Bestätigung für meine Künste gewesen.
Dass ich aber in die Familie und auch die Gemeinschaft aufgenommen wurde, als würde ich schon Jahre lang in der Stadt leben, war das größte Geschenk das die Mutter mir machen konnte.
So zierte seit einigen Tagen auch ein filigraner und feuergleicher Ring meinen Finger und zeigte unter welchem Schutz ich mich befand.
Ein noch viel besserer Grund das Lied für die bevorstehende Messe zu schreiben und mit all dem Gefühl welches ich besaß vortragen würde.
Vertieft saß ich viele Stunden am Meer und ließ mich von dem lauen Wind, welcher über das Wasser zu mir hinüber strich berzierzen, noch einige Zeit zu bleiben.
Die Bücher, welchen ich meine Übungen entnahm wurden zur Gänze eingesogen und mit dem entsprechendem Instrument gelernt.
Zwar schmerzten meine Finger des Nachts, doch ließen die Erfolge mich daran festhalten und am nächsten Tag von neuem beginnen,
auf dass die Gemeinschaft welche sich so stolz ''die Klingen der Skorpione'' nannte, auch auf eine einfache Bardin wie mich stolz sein würde.
Die Gedanken welche um das führen einer Klinge schwirrten verunsicherten mich zusehens,
doch würde ich ganz sicher niemanden etwas davon merken lassen.
Schwäche war eine wirklich schlechte Eigenschaft, welche mit einem stärkeren Willen gleich ausgetrieben werden wollte.
Als ich nun aber wieder zur Laute griff, und die Finger sanft über die Saiten streichen ließ kam mir ein Gedanke an welchem ich für die Zeit meiner Übungen festhalten würde.
- ein einzelner Ton war ein schöner,
doch wurde er erst vollkommen, wenn man ihn zusammen mit anderen Klängen spielte.
Verfasst: Freitag 28. April 2017, 15:32
von Hanieh Tarana Yazir
Welch detailreiche Schnitzereien die Säule schmückten.
Wenn ich mit dem Finger über das Holz fuhr, so hätte ich auch bei geschlossenen Augen die Skorpione darauf gespürt.
Auch der rubinbesetzte Hals, der goldgeschmückte Kopf, ein wahres Meisterwerk des Holzkünstlers.
Doch das, was mir am meisten daran gefiel... sie war meine.
"Mein Eigentum", hatte er gesagt.
Dort hatte ich also die erste milde Geste eines Mannes erfahren.
Doch wer weiß ob man es als mild empfinden sollte.
Vielleicht war es allein der Ansporn, dass ich öfter einmal das Wort oder die Stimme erhob.
Und doch hatte er mir die Harfe geschenkt. Jene, die sie zu einem Gedicht inspirierte, welches ich sogleich in einem Buch festhielt.
Mit grünem Einband und seidenem Lesezeichen, brachte ich die verschnörkelten Ziffern auf das Pergament.
Das Gefühle der Harfe
28. Wechselwind
Streift sanft mein Ohr,
der klare Klang.
Kein Summen folgt und kein Gesang.
Gezupft wird still,
gar in Gedanken.
Konzentriert und stumm, vollends versunken.
Das Lied 'sie singt,
erzählt von Trauer.
Die Melodien versinken, gleich einem Schauer.
Das Lied 'sie singt,
von Liebe erzählt.
Vom Verehrer der sein Herz erwählt.
Das Lied' sie singt,
erzählt von Stolz.
Der Harfe Klang, singt aus dem Holz.
- Die Worte nieder geschrieben, besah ich den kleinen Balken und ein fast zufriedenes Schmunzeln bildete sich in meinem Mundwinkel.
So hatte es immerhin etwas für sich. Aus den Momenten entstanden neue Gedichte oder Lieder,
ganz gleich welche Absichten hinter einem Geschenk standen.
So fuhr ich mit meiner Hand über den weichen Einband, ehe ich es unter ein Tuch legte, und nach meinem schon verschlissenen Übungsinstrument griff.
Die Harfe würde ich schonen, bis ich meine Übungen abgeschlossen hatte.
Es kribbelte schon in meinen Fingern!
- der Momente Gefühl sollte man hegen,
so würde es vielleicht auch über den Moment hinaus bleiben.
Verfasst: Dienstag 2. Mai 2017, 18:05
von Hanieh Tarana Yazir
Bauchkribbeln...
Das hatte ich ja wirklich noch nie zuvor erlebt.
Doch als ich die Harfe in die Mitte des Tempels trug, hatte ich tatsächlich Mühe jenes kostbare Stück nicht zu schroff zu Boden zu lassen.
Ich hatte mich auf mein Spielen und vor allem auf den Gesang konzentriert.
Nicht mal hatte ich es gewagt in die Menge zu schauen, welche doch zum größten Teil, Teile meiner Familie waren.
Doch je mehr ich sang, und umso mehr ich mich anstrengte alle Töne richtig zu spielen, je mehr legte sie die Aufregung und eine summende Ruhe trat in mein Innerstes.
Ab und an sah ich aus dem Augenwinkel Samans Robe hin und herschwanken, doch wagte ich nicht mich danach umzudrehen, geschweige denn auch nur einmal meine Finger aus den Augen zu lassen.
Aiwa, die Mutter hatte mir sicherlich über die Schulter gesehen und erblickt welches Talent doch sie selbst mir bei meiner Geburt geschenkt hatte.
Tatsächlich erreichten mich noch am selben Tag viele begeisterte Komplimente.
Raniya bat mich sogar darum bloß nicht damit aufzuhören und bald wieder etwas vorzutragen.
Bei der Mara, als würde ich das spielen aufgeben nachdem ich einige Tage fast blutige Finger gehabt hatte.
Und was wäre ich für eine Yazir, wenn ich wegen ein wenig Aufregung das Musizieren niederlegte.
Das wäre äußerst lächerlich.
Doch hatte ich mir fest vorgenommen, schon jetzt meinen nächsten Auftritt oder Beitrag zu planen. Man sollte schließlich nicht zuviel Zeit vergehen lassen, um jemandem eine Freude zu machen.
- Und hatte man nicht ohnehin mehr Freude daran,
wenn auch anderen das Herz erfreut wurde?
Verfasst: Montag 29. Mai 2017, 11:54
von Hanieh Tarana Yazir
Die Anspannung wenn ich mir vorgenommen hatte etwas vorzutragen, war seit diesem ersten mal im Tempel deutlich gewichen.
Ein kleiner Stein war von meiner Selbst abgefallen und hatten mich ein wenig befreit,
sodass ich schneller immer näher zu mir zurück fand.
Natürlich vermisste ich meine Eltern und schrieb Seiten um Seiten an meinen geliebten Vater, welcher mich sicher genauso misste wie ich ihn. Die gütigen Augen, welche ich eindeutig von ihm geerbt hatte und sein sanftes Gemüt..., kaum ein Vergleich zu meiner strengen Mutter, welche mich das fürchten einer Frau gelehrt hatte.
Doch hier schien ich bisher wie Daheim willkommen zu sein,
mit jeder Faser und ganz ohne Hintergedanken.
Selbst die Esra ließ freundschaftliche Gefühle in mir aufkeimen und war stets mit einem offenen Ohr für meine Anliegen zu haben.
Einzig manche der Tavini schürten einige Momente meinen Ärger...
Was aber doch am meisten mein Herz zum pochen brachte, war diese wundervolle Umgebung.
Die kleinen Sandkörner, welche in Windwirbeln miteinander zu tanzen schienen. Die unendlich vielen verschiedenen bunten Vögel und Fische, welche man in der Oase zu sehen bekam.
Der Geruch des reifen Obstes wenn man jene oder den Klingengarten betrat..., man konnte die Sonne förmlich in ihnen schmecken.
Das plätschern des Wassers und das seidene Gefühl, wenn man das kühle Nass durch seine Finger gleiten ließ.
Jeder Stein und Baum und jedes Wesen, hatten ihr Leben, ihre Seele ihren Stolz.
All diese Dinge entzückten meine Sinne und trieben mich an viele Pergamente mit Bildern, Gedichten oder Liedern zu füllen.
Bald würde ich Suraya fragen, ob sie mir zeigen konnte wie man die Leinen auf einen Holzrahmen spannte, sodass ich es selbst tun könne wenn mir danach war.
Sicher hatte sie jedoch jetzt, da ihr Mann zurückgekehrt war anderes in ihem Kopf verborgen, was niemand erahnen konnte, der diese Situation nicht selbst durchmachte.
Die Gedanken die ich mir jedoch bei meiner Ankunft gemacht hatte, hatten sich milde verflüchtigt.
Ich hatte hart gearbeitet... gelesen, geübt und mich zu konzentrieren gelernt. Und tatsächlich... dass sie stolz waren konnte man merken. Und was mich noch glücklicher machte, ich konnte ihnen wirklich helfen indem ich sie mit meinen Klängen beeinflusste und entspannte, ja sie sogar anspornte.
- manchmal waren es also doch die kleinen Dinge.