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Nasse Pfoten und lautes Heulen
Verfasst: Samstag 11. März 2017, 19:47
von Liv Tryant
Scht.. hörst du die Bäume wiegen im Wind? Spürst du den Atem des Tieres in deinem Nacken? Fühlst du die Erde unter dir leben? Sie hörte, spürte und fühlte es.
Ihre Schritte stets bedacht, gehörte sie hier her. Hier in die Wälder und Wiesen. Liv war geboren wurden um hier zu sein, dessen war sie sich sicher. Tagelang ging sie hinaus in die Wälder, tauchte ein in die Natur. Kehrte sie zurück, war ihr weißblondes Haar meist braun, die Kleider verkrustet vor Dreck. Doch sie kehrte zurück, jedes Mal. Denn auch hier gehörte sie hin: In die kleine Siedlung aus Holzhäusern. Auch wenn ihr Clan noch immer eine Randerscheinung war. Sie fügten sich ein. Irgendwie. Ein Zeichen dafür, dass sie für den Weg den sie ging geschaffen war, war für sie ihre geringere Größe. Wo andere Weiber sie früh schon überschritten mit ihrer Größe, holte sie diesen Vorsprung nur gering auf. Sie war kleiner als die meisten Claner von ihrem Clan. Doch es war ideal für sie, kein Strauch war ihr zu klein um darunter zu kriechen. Kein Felsvorsprung zu eng. Geboren zur Jägerin. So begleitete sie seit Klein auf auch ein Rudel Wölfe. Vor ein paar Wochen gelang es ihr endlich einen Platz zu finden. Sie akzeptierten sie und nahmen sie mit zur Jagd. Doch das Alphatier zeigte ihr ebenso häufig wo ihr Platz war. Ihre Familiengeschichte ist ebenso langweilig wie alltäglich: Eine Mutter die als Weib das Haus hütete. Ein Vater der als Schwert im Clan angesehen war, wie es ein Tryant nun einmal war. Eine jüngere Schwester die sich an der Nadel versuchte und Fell gerbte, welches Liv nach Hause brachte. Nichts Besonderes. Auch die großen Dramen im Dorf blieben aus. Sie waren ein Dorf am Meer, wie so viele Siedlungen ihres Volkes. Abends wurde im Langhaus oder am Feuer den Ahnen gedankt und getrunken. Nun ja, die Dramen blieben fast aus: Bis Liv 23 Sommer alt war. Da geschah, zumindest für sie das größte Drama ihres Lebens:
Es war ein gewöhnlicher Sommertag. Die Natur blühte auf in der Jahreszeit. Liv stopfte ihre weißblonden Haare unter ihre Wolfsmaske, damit sie im Grün der Natur nicht auffiel. Sie pirschte von zu Hause los und es dauerte nicht lang, bis sie zu ihrem Rudel kam. Sie spielte mit den Jungen während die erwachsenen Tiere faulenzten. Bis ein Ruck durch die Tiere ging. Das Alpha streckte die schon grau gewordene Nase gen Himmel. Anspannung. Sie fühlte es. Die Jungen zogen sich zurück in den Bau. Sie und ihr Rudel zogen los, sie konnte schlechter mithalten – doch sie schaffte es. Jeder Stock und Stein in ihrem Gebiet war ihr Bekannt. Dann machten sie plötzlich Halt. Ihr Rudel knurrte. Sie griff an ihren Bogen und hielt Ausschau. Schneller als sie schauen konnte, sprang das erste Tier aus dem Gebüsch: Ein fremdes Rudel hatte sich in ihr Gebiet gewagt. Ein Kampf entbrannte. Sie schoss und traf eines der fremden Tiere, dieses stürzte sich jedoch noch auf sie. Mit dem rechten Arm versuchte sie das Gebiss von sich fern zu halten, während sie mit dem linken den Pfeil von sich im Leib des Tieres ergriff – herauszog und erneut zustach. Der Wolf jaulte auf und sank über ihr zusammen. Sie warf es von sich hinab und sah gerade wie das Alpha von zwei Wölfen gebissen zu Boden ging. Sein Weibchen lag schon tot auf dem Boden. Die anderen Tiere zogen den Schwanz ein und machten sich klein. Teilweise warfen sie sich auf den Boden. Entsetzt sah Liv sich um, das feindliche Rudel umzingelte nun sie.. sie musste sich beugen, fliehen oder kämpfen. Für kämpfen waren es zu viele, für beugen war sie zu stolz auf ihr Rudel.. also: Fliehen.
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Sie hörte den Atem in ihrem Nacken. Spürte den Wind in den Bäumen. Fühlte die Erde unter ihren Füßen, als sie darüber hinweg lief. Ein Ast wurde gegriffen, sie schwang sich darauf und schoss direkt einen Pfeil nach unten gen einen der feindlichen Verfolger. Sie verfehlte, doch er gelang dadurch eine Sache: Sie ließen von ihr ab. Auch als die Luft schon rein war, und das Rudle verschwunden, blieb sie auf dem Ast sitzen. Die Jungen. Sie würden sie töten, da sie vom Alpha stammten. Selbst wenn sie jetzt los laufen würde, würde sie wohl zu spät kommen. Und was wenn nicht? War es nicht der Lauf der Natur? Sie schloss die Augen und spürte wie Tränen sich durch das dreckige Gesicht ihren salzigen Weg bahnten. Ihr Rudel war fort.
Wieder hörte sie den Atem in ihren Nacken. Spürte den Wind in der Baumkrone über sich. Fühlte die Erde im Ast auf dem sie saß. Doch der Wind spielte nun eine Melodie, eine Melodie der Sehnsucht. Der Baum fühlte sich an wie die Umarmung einer Mutter. Dessen Baumkrone ihr eine beruhigende Melodie sang: Fange neu an. Dein Rudel ist nicht hier. Suche dir einen Weg. – Liv kannte die Geschichten von der Dame im Wind, sie zweifelte keine Sekunde daran, dass es sie war. Die sie nun tröstete, sie rief. So stieg sie am Abend vom Baum hinab und teilte zu Hause ihrer Familie die Entscheidung mit.
Ihr Vater Jorne gab ihr direkt seinen Segen für die Reise. Der Mutter Malin, war der Schmerz anzusehen. Doch auch hier überwiegte einen Tag darauf der Stolz, dass die Dame im Wind wohl ihre Tochter rief. Ihre Familie begleitete sie zum Ableger. Ihr Vater gab ihr eine Kette aus dem Holz einer alten Eiche, geschnitzt zu einem Blatt. „Damit du stets um deinen Baum weißt, dessen Blatt zu bist. Auch wenn der Wind dich nun fortträgt, der Baum wird immer sein.“ Da kämpfte sie mit den Tränen, blieb jedoch standhaft und umschloss das Blatt fest. Die Überfahrt war ungewohnt für sie, die ersten Wochen kämpfte sie mit Übelkeit, gerade als sie sich daran gewohnt hatte erreichten sie Sturmouve. Ein neuer Geruch. Ein neues Rudel? So stieg sie voller Vorfreude von dem Schiff hinab, an welches sie sich bis zum Schluss kaum gewöhnen konnte.
Wenige Wochen später..
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Und so kamen die Tage in das Land. Der Wald war ungewohnt. Jedoch gewohnter als das ansässige Rudel. Ihr Gesicht wurde die ersten Tage bis zum lilanen verprügelt. Sie kannte die Sitte, immerhin war sie eine Strumheulerin. Doch das die Weiber zuschlugen, dass war ihr neu. Sie kannte Umarmungen, ein Schulterstoß oder ein Knuffen: Immerhin hielten die Weiber zusammen gegen die Kerle. Sie nahm jedoch jeden Schlag an. Zeigte sich Stolz und Ehrvoll nach jedem Hieb. Die Anfänge waren immerhin immer hart. Und offenbar vertrat der Clan hier andere Werte als bei ihr zu Hause. Eine Ungewöhnung stand an.
Die Stille umgab sie und sie gestand sich endlich ein, nach über vier Tagen im Wald, die Flucht ergriffen zu haben. Irgendwie war es ihr zu viel geworden. Kaum einer kannte Sie, aber alle hatten sie ihre Meinung. Zumindest wirkte es für sie so, bei den erstarrten Gliedern und den schweigsamen Gesichtern. Doch nun keimte das Lächeln auf. Ein Lächeln das Eylif in ihren Zügen trug, als sie ihr ein Törtchen vor die Nase schob. Tjuva klaute es ihr mit einem gierigen Blick und bläkte ihr frech die Zunge raus. Ein warmes Gefühl umgab ihr Herz. Irgendwie sehnte sie sich nach den Beiden. Ihrem palaver, ihren Sorgen, ihrem Gekeife und ihrem Witz.. ihre Nähe. Und dann erinnerte sie sich an den blonden Bart, die blonden Zöpfchen und das fröhliche Lachen. Seine Stimme wie er sang und seine warmherzigkeit als er ihr das erste Mal auf die Schulter klopfte: Wie einer Sisstr und nicht einem Gast. Einarr. Wieso hielt sie sich nicht an ihnen fest? Wieso suchte sie nicht zumindest dort den Anfang ihres beschwerlichen Weges. Und so... kehrte sie aus der Wildnis wieder um am Thyrenhof einzukehren. Eylif war gewiss da.. und vielleicht klaute Tjuva gerade das nächste Törtchen vom Teller. Bei dem Gedanken grinsen sie auf und schob quietschend das Törchen zum Hof auf..
Re: Nasse Pfoten und lautes Heulen
Verfasst: Dienstag 14. März 2017, 17:41
von Liv Tryant
David gegen Goliath
Die Herausforderung wurde ausgesprochen. Da stand sie nun, die Hände zu Fäusten geballt und wartete. Der eisige, distanzierte Blick musterte die kleine Thyrin. Keine Zweifel zeigte sich in ihrem Antlitz, doch ihr Kopf raste um die Gedanken: „Wieso bei den Ahnen habe ich das gesagt? Wie schnell wird das wohl gehen? Nimmt er an?“
Njorvarrs Blicke sprachen keine Bände. Er war kaum einzuschätzen. Nur einer Sache war sie sich sicher: Sie wurde gerade abgeschätzt und gemessen. Endlich hob er seine Stimme an: „Guad.“ Erst atmete sie innerlich erleichtert auf, dann schlichen sich doch leise Zweifel ein: „Wieso tat ich das noch gleich?“, fragte sie sich beim Umziehen.
Eigentlich war es seine Art. Doch ihr ging es gegen den Strich. Eylif braute für einen Streich ein Fass Met für sie und bot ihr an es an dem Tag zu holen. Als sie verschwand, fragte Njorvarr ob er ihr beim Tragen helfen konnte. Sie fasste es als Beleidigung auf, fragte jedoch sicherheitshalber noch einmal nach: „Denkst dey mey sei schwach?“ - „Aye.“, kam das Urteil nach einem prüfenden Blick aus den kalten Seelenspiegeln. Das war ihr zu viel. Sie war eine Sturmheulerin. Aus dem Blute Thrails. Sie war alles, aber nicht schwach. Selbst wenn sie Körperlich nicht an ein Schwert heran kam, die Kraft die sie aufwenden konnte, konnte sie selbst auf Bäume hoch ziehen. Das sollte dieser Berg erst einmal probieren mit seinen sicherlich 160 Steinen! So sprach sie die Herausforderung zu einem traditionellen Ringkampf aus. Dort wurde Streit geschlichtet – auf die klare und einmalige Art und Weise. Danach war es erledigt, egal wie der Kampf endete. Wenn er abgelehnt hätte, wäre es für sie zutiefst beleidigend gewesen. Doch das hat er nicht und so..
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Der Schnee war schon am Abtauen, trotz alledem war es kalt in der traditionellen Stoffbekleidung. Völlig ruhig und konzentriert bandagierte er sich seine Hände, während der Blick prüfend an ihr hinauf und hinab wanderte. Nun war sie sich sicher: Sie wurde eingeschätzt. Unter diesen Blicken war es für sie immer geschickt, wenn sie sich noch kleiner gab. Unterschätzt wollte sie werden. Dann waren aber endlich Beide bereit und es ging los..
Er hielt sich von ihr Fern im Ring – sie sich von ihm. Dann begann er sie aufstacheln zu wollen. Wo war sie hier? Kalure gegen Zyklop? Seine Palaverphase nutzte sie aus um ihre Schnelligkeit einzusetzen und als Rammbock zu fungieren, eine dumme Idee bei dem Doppelten an Gewicht vor ihr. Sie prallte ab, bewegte gerade einen Fuß von ihm zur Seite. Doch sie nutzte das missglückte Manöver um einen Schlag gen seine Nieren anzusetzen. Sie traf und der Berg kam ins wanken. „Oh oh.. nun hat die Maus die Katze in den Schwanz gebissen.“, kam es ihr in den Sinn als sie ihn schnauben hörte. Im folgenden Kampf versuchte sie ihre Schnelligkeit auszunutzen, dem ersten Schlag auszuweichen – doch der Berg konnte auch springen und riss sie unter sich zu Boden. Ihr blieb der Atem weg und ehe sie es sich versah bekam sie zwei Pranken um den schlanken Hals gelegt. Er drückte ihr den eh schon knappen Atem ab. Die Gedanken rasten in ihrem Kopf, den ersten Impuls seine Hände zu greifen unterdrückend schlug sie auf seine Armbeugen ein. Sie musste den Griff lösen. Derweil liefen ihre Lippen schon blau an. Er knurrte, löste sich von ihr und stand auf. Als sie torkelnd auf die Beine kam, gab ihr eine Ohrfeige die ihr die Ahnen in den Kopf auf raunen ließ. Sie wich ihm dann aus, sogar über die Ringabsperrung lief sie und ließ Njorvarr dadurch wütend ausrufen, sie solle gefälligst kämpfen. Den nächsten Schlag versuchte sie weg zu duckte, doch er traf ihre Schulter und erneut kam sie ins Schwanken. Die Schwachstelle wurde erneut ausgenutzt und der Berg riss sie zu Boden. Wieder ein dumpfer Aufschlag, doch nun ließ sie nicht so schnell locker. Sie verbiss sich in der Schulter des Sturmheulers und wickelte Arme wie Beine um ihn um irgendwie unter ihm hervor zu kommen. Nun war ihr langer Zopf ihre Schwachstelle, er zog kräftig daran und sie war gezwungen die Kehle darzubieten. Mit dem Schopf in der Hand, zwang er sie zur Bauchlage und ihr Gesicht in den Dreck. Sie gestand sich nun die Niederlage ein und gab auf.
Ihre Wege trennten sich direkt danach. Kein Gezeter, kein Auslachen – so wie es die Tradition bedarf. Sie hatte verloren, aber alles gegeben was sie geben konnte.
Weiberschabernack
Mit zusammen gekniffenen Lippen saß sie da und beobachtete mindestens genauso gespannt wie Eylif die Reaktion von Einarr. Da er ihnen Essblumen von den Elfen mitbrachte, rächten sich die Weiber mit einem 'Einarrs Blumenmet'. Eylif hatte sich selbst übertroffen, es schwammen sogar Blüten darin. Doch die gewollte Reaktion eines Aufschreis blieb aus als Einarr nur kund tat, dass das Met seltsam schmecke. Auch als er das Etikette sah, reagierte er kaum. Sie legte sich halb auf den massiven Holztisch im Thyrenhof und brummte missmutig auf als der Streich misslang. Eylif jedoch gab noch nicht auf und breitete die Geschichte aus: Sie hätten dieses Met schon verkauft, jeder könnte nun Einarrs Met trinken. Da stellte sich endlich die gewünschte Reaktion des Schocks ein. Als Liv diesen dann endlich auflöste, lachte sie aus vollem Halse mit Eylif.
Es war schön, der Thyrenhof erinnerte sie an zu Hause. Alle waren herzlich zueinander. Man verstand sich und konnte Späße miteinander treiben. Ungezwungen fühlte es sich an. Gerade diese Momente zog Liv wie ein trockenes Tuch in sich auf.
Frühling?
Sie roch es. Er war gekommen. Ab und an würde noch der Frost über den Boden huschen, doch die größte Kälte war überstanden. Die Vögel waren aufgebracht und suchten sich Nester. Die Tiere kamen aus ihrem Winterschlaf. So bot es sich an, dem Eisbaden zu frönen. Zumindest schlug sie dies einem dreckigen Einarr vor, als dieser vor der Mine stand und Tjuva ihn aufzog. Diese verschwand zu einer Jagd – und die Beiden an den nahen Fluss.
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Vor dem Ufer stehend blickte sie nachdenklich in das Flusswasser. Es würde noch eiskalt sein. Der Winter war kaum ein paar Tage fort. Sie fröstelte schon an der kühlen Luft. Einarr zog sie auf: „Ich sollte dir wohl sagen, dass ich das häufiger mache.“ Entsetzt betrachtete sie den Skalden und protestierte gegen seine Fassade, denn er tat vorher so als wäre es etwas neues für ihn. Nun war es jedoch zu spät für einen Rückzieher. Sie redete sich selbst Mut zu ehe ein paar starke Arme sie an den Oberschenkeln packten, kurz über die Schulter warfen um dann mit der Kraft aus dem Oberkörper sie gen Wasser zu schleudern. Ihr Aufschrei war wohl über das nahe Wäldchen zu hören, ehe ein Platschen es abbrach. Eiskalt. Ihre Glieder wurden direkt steifer und sie paddelte sofort zum Ufer zurück. Sein herzliches Lachen ließ sie nur schnauben. Irgendwie konnte sie ihm nicht böse sein und so grinste sie als sie das Ufer hinauf kletterte. „Nun aber du, Feigling!“, forderte sie ihn heraus. Er sprang kurzerhand an ihr vorbei in das kalte Nass. Was dann kam, erstaunte sie. Während sie sich in ein trockenes Leinentuch wickelte, tauchte er unter, rubbelte sich über die Haare und das Gesicht und tat so als wäre das Wasser in Sommertemperatur. „Komm lieber raus, bevor dey Nachwuchs stirbt.“, zog sie ihn grinsend auf und griff sich schon ihre mitgebrachten trockenen Kleider zum wechseln.
Den Abend ließen sie dann gemeinsam an einem Korb voll mit Eylifs leckeren Speißen und Met ausklingen. Er sang ihr das Heldenlied über die Befreiung des alten Forts von Spinnen noch vor, ehe sie gemeinsam gen Sturmouve aufbrauchen.
Ja, langsam fühlte es sich wirklich wie ein neues zu Hause an..
Re: Nasse Pfoten und lautes Heulen
Verfasst: Dienstag 21. März 2017, 14:34
von Liv Tryant
Poesie..!
Der Markt begann äußerst vielsprechend. Immerhin konnte sie Myrkjartan einen Streich spielen: Als Tulpen- und Nelkenduftender Kämpfer stieg er in den Ring und sie lachte sich außerhalb fast von der Bank. Er hatte leider den Fehler begannen bei einem Stand mit Düften neben ihr zu stehen. Am Ring wurde Met für Met geleert und die Stimmung stieg immer weiter an. Es wurde gelacht, es wurde gegröhlt, es wurde gegessen und es wurde sich gekappelt. Mit dem Hunger, wie es häufig bei einem Rausch ist, nach etwas deftigen ging sie nach dem Markt in den Thyrenhof. Das Brett zog ihre Aufmerksamkeit an sich. Nachrichtenbrett. Breit grinsend und noch immer benebelt begann sie los zu ritzen.
Sind die Törtchen aufgefressen,
war Tjuva wieder davon besessen.
Riecht der Raum nach Tulpen- und Nelkenduft,
entließ Myrk einen in die Luft.
Ist der Raum voller Blut,
brannte Njorvarrs Glut.
Norwin verlangt Bratkartoffeln,
er will mal raus aus Nornas Pantoffeln.
Wer hat eigentlich die Kekse aufgeschnascht?
Einarr, tu bloß nicht so überrascht!
Caelia besieht sich alles gelassen,
aber bloß nicht den Teller loslassen
Aber Eylif hat alle im Blick,
ich spür den Kochlöffel schon im Genick.
Denn den größten Schabernack,
hat die Liv sich ausgedacht!
In sich hinein kichernd, verließ sie mit einem kalten Bratenstück den Hof. Am nächsten Morgen würde sie gewiss einen ordentlichen Schädel haben. Aber der Abend war es wert gewesen!
Re: Nasse Pfoten und lautes Heulen
Verfasst: Sonntag 16. April 2017, 16:17
von Liv Tryant
Rudel
Wie in einem Rausch fühlte sich ihr Leib an. Die Worte fest, das Herz schlug ihr gegen die Brust. Dann wurde ihr das Armband umgelegt. Sie erhielt respektvolle Schläge der erneuten Aufnahme - der ganzen Aufnahme. Die Gesicht um sie herum, es war ihre Familie, ihr Rudel.. sie waren es für die sie ab diesem Moment Leben würde. Sie waren alle unterschiedlich. Alle hatten sie ihre Eigenarten, aber genau das machte sie als Ganzes Einzigartig.
Ihre Bemühungen in die Fußstapfen der Wolfsheuler zu treten wurden verstärkt. Das Rudel benötigte Augen im Wald. Gerade in den Tagen wo sich die Westfront näher denn je an ihre Grenzen wagte. Im Wald bewegen konnte sie sich schon, sie war geübt auf ihren leisen Füßen. Doch sie benötigte noch Übungen in der Wildniskunde, Rheana und Tjuva waren hierfür bereit. Schießübungen mit den Bogen übernahm Einarr und bot ihr Hilfe an. Und die brachiale Gewalt, die sie in Notwehr vielleicht auch einmal benötigen würde, boten ihr die Schwerter Wulfgards an - und eine Prise Taktik. Für das Erste war dies ein bunter Strauß an verschiedenen Brüdern und Schwestern, die ihr helfen würden. Den Rückhalt welchen sie bekam war schön, es wärmte sie in den noch kühlen Frühlingsnächten. In jenen Nächten wo sie wach auf den Baumwipfeln und Ausgucken saß und in den Wald hinein lauschte. Ihre weiße Wolfsmütze tief in das Gesicht gezogen um sich vor dem kühlen Wind zu schützen. Um die Nacht nachzuholen, schlief sie häufig den gesamten Vormittag. So wie an jenem Tag.. es war fast schon Abend. Da stiefelte sie noch mit müden Blick durch die Häusereihen. Tjuva und Eylif unterhielten sich und sie ließ sich kurzerhand zu ihnen fallen.
Nach einer erfolgreichen Übung mit einem Clansschwert, war dies genau das Richtige. Jene Momente, wo man zusammen saß und sich kabbelte, lachte und scherzte waren wichtig - gerade in jenen Zeiten.
Die Brücke
Leise knarzte das Leder ihrer Rüstung als sie vor dem Brückenübergang in die Hocke ging. Ihre Brauen zogen sich kritisch zusammen und sie befühlte das noch rauchende Holz. Was war hier geschehen? Sie drehte den Kopf herum und überprüfte die Entfernung zu ihrer Grenze. Entfernt. Aber nicht all zu weit, als das sie davon nichts hätte mitbekommen können. Wo war sie? Wieso bekam sie so eine Tat nicht mit? Die Rauchschwaden hätte sie doch sehen müssen? - Sie stand am Anfang, all ihrer Wachsamkeit, dass wurde ihr schmerzlich bewusst. All die Nächte an den Grenzwäldern in Junkersteyn brachten nichts.. wenn sie so unfähig war. Sie zog ihre Mütze vom Kopf, warf sie beiseite und kickte sie in der Luft ein paar Meter davon mit einem lauten Aufschrei der Wut. Wut auf sich selbst. Sie war auf dem Weg die Augen des Waldes zu werden. Genau diesen Waldes, wo die Brücke angrenzte. Ihr Atem ging tief, ging rasch, ihr Blut kochte. Die Brauen verkeilt, ertönte erneut ein wütender Ruf. Sie musste das wieder gut machen, sie musste schnell erfahren was vorgefallen war. Ihr erster Weg trieb sie nach Kronwalden. Die Türen abklopfend fragte sie die Bewohner, was geschehen war. Eine hochschwangere Frau gab ihr den ersten Hinweis, es war wohl ein Kampf zwischen Untoten und Regiment. Super - also nicht einmal Brandstiftung sondern auch noch ein Kampf. Sie war die schlechteste angehende Wolfsheulerin Gerimors - dessen war sie sich nun sicher. Den Stolz angeknackst, kehrte sich nach Wulfgard zurück.
Am Tag darauf brach sie mit einem Schwert des Rudels auf nach Berchgard. Sie erfuhren im Handelshaus zu Berchgard mehr. Mehr als sie eigentlich wollten. Die Damen waren sehr redselig. Nach dieser Begegnung kamen sie zu dem Entschluss Helisande zu besuchen, sie war ein immer willkommener Gast und sie würde alle Unklarheiten bestimmt noch aufklären können.
Liv wurde an diesen Tagen auf den Boden der Tatsachen zurück geführt. All ihr Ansporn, Schießübungen, Heilkunde, Taktik.. half nichts, wenn sie nicht fähig war die Grenzen zu bewachen. Sie war noch am Anfang.. weit am Anfang ihres Weges.
Re: Nasse Pfoten und lautes Heulen
Verfasst: Donnerstag 27. April 2017, 00:16
von Liv Tryant
Liebe
Sie kommt. Einfach so. Und sie trifft einen. Ob man es möchte oder nicht. Liv mochte es nicht. Sie hatte andere Sorgen. Ein Rudel, dass sie noch kennen lernen musste. Und ein Wolfsrudel, dass sie zu ihrem machen musste. Doch es traf sie. Irgendwann, genau ausmachen konnte sie es nicht mehr. Für sich selbst, um sich Nachts endlich wieder zum Schlafen bringen zu können, setzte sie sich den Moment als sie zusammen nach dem Thyrenmarkt auf der Wiese lagen. Sie rangelten vorher. Eigentlich den ganzen Abend. Sie hatte ihm mit Duft versehen. Danach machte sie ihre Scherze mit ihm am Ring wo er sein Bein etwas zu hoch stellte. Irgendwie, auch dem Met geschuldet, landeten sie auf der Wiese. Sie spürte seinen Tritt mit dem Fuß, in eben jenem Moment wo sie sich dachte: „Was ist das?“. Tritt – Tritt. „Kann das sein?“ Und da gestand sie sich vielleicht wirklich das erste Mal zu, dass sie diesen Tryant interessant fand. Mehr als nur einer mit dem sie Schabernack trieb – wie sie es so mit vielen trieb. Immerhin war sie eine Frohnatur, die es fröhlich auch ab und an zu weit trieb. Aber die Hauptsache ist doch, das man fröhlich dabei ist? Oder nicht?
Zurück zu der, dieser, Liebe also ihm. Es traf sie. Und sie leugnete es. Ebenso wie er es leugnete. Und er war ein Meister darin wenn es eben darum ging. Er hatte seine Weiber: Eine für den Schabernack, eine für das Fressen, eine für die Jagd – Das gestand er ihr sogar offen zu. Und so sagte er ihr auch einst: „Für was dey bist.. weiss mey noch ney.“ Na danke. Er war – ist – eh ein Holzkopf. Sie erwischte sich ab diesem Abend, wo er und sie torkelnd von dannen zog mit einer süßen Metfahne, dass sie ihn anders ansah. Am Anfang hasste sie sich dafür. Wieso musste sie ihn so ansehen? Er war ein Bruder wie jeder andere. Doch seine blauen Augen.. die langen schönen blonden Haare, die hohe kräftige Statur – Halt! Nein. - Sie hatte wichtigeres zu tun. Und so gelang es ihr, all das auch erst einmal zurück zu stecken und sie kümmerte sich wirklich um ihren Werdegang. Brav hörte sie Einarr und Tjuva zu und dann kam der Moment wo sie mit ihm dem 'Clansschwert' im Ring stand. Es war eine Farce, aber sie taten ihr Bestes. Er war noch professioneller ihr etwas beizubringen wie sie. Sie, hatte nur Augen für den Kilt, oder eher das was er freigab. Schultern, Brust.. - Sie war ein dummer Welpe. Dumm. Kindlich. Dann bekam sie eine kassiert und erinnerte sich daran, weshalb sie im Ring stand. Er lenkte sie ab, so machte das keinen Sinn! Er war eh einer der ganz langsamen Sorte. Nicht nur, dass er offenbar schon gegenüber Tjuva einen Tisch klein Schlug in Wut seiner Gefühle, nein er offenbarte es wohl so gut wie jedem. Bis auf ihr.
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Nun, bis zu dem Tag wo sie gemeinsam am Ufer standen und er ihr sagte was er fühlte. Und das war einer der Momente wo sogar ihr die Worte fehlten. „Mey mag dey wirklich sehr Liv und mey möchte, dass dey mit mey zusammen bist.. für ymmer.“ Das kleine Herz konnte es nicht glauben und so freute sie sich. Alles hätte sie geglaubt, dass er ihr nun ein Kompliment für den letzten Kampf macht, dass er sie über ein anderes Weib ausfragt aber das – Sie hatte es nicht zu wagen gehofft. Und doch war es so. Und so stand sie da. Und er neben ihr. Irgendwie seltsam. Zwei Herzen die füreinander schlagen und doch steht eine riesige Mauer zwischen ihnen. Eine unheilvolle, schier unüberwindbare Mauer: Der Segen. Der erste, verdammte, Segen. Sie würden wohl Geschichten schreiben. Über den grauenvollen Segenreigen. Über die Nächte, Tage, Wochen des Leidens.
Denn was sich bei ihnen zwei paarte war:
Eine angehende Wolfsheulerin mit dem schierem Tatendrang.
Ein gestandenes Schwert des Rudels mit dem offensichtlich Hang zur Gemütlichkeit.
Das dies nicht so ganz reibungslos ablaufen konnte war den zwei an diesem Abend nicht bewusst. Doch es trieb sie in den Wahnsinn. Während Segen um Segen vom Aufgabenbaum des Ridders gepflückt wurde, besaufte sich 'ihr' Kerl am Lagerfeuer. Sie als Weib konnte nichts tun. Es war seine Aufgabe. Er gestand ihr seine Liebe, was ihr aber wenig brachte wenn man es gemein betrachtete, da sie ihn ja nicht einmal bei der Hand nehmen durfte. Ihn schien das aber weniger zu stören. Weshalb auch immer. Sie wusste es nicht. Liv, die sonst so frohmütig und spitzbübisch war, versank Tag um Tag mehr in ihren Gedanken. Bis sie Einarr erwischte. Jener den sie gerne warmherzig Bruder nannte. Denn er war es für sie. Tief in ihrem Herzen, auch wenn er einen grünen Kilt trug. Er sah sie, nach langer Zeit, und offenbar erschrack er. Denn das frohmütige Biest mit dem offenen Lächeln war einer Miene der Nachdenklichkeit gewichen. Offenbar war es für ihn so schlimm, dass er zu dem Kerl hinüber ging und ihm volle Breitseite eine zimmerte. - Zumindest erzählte dies einen Tag später Tjuva. Und was sie noch erzählte, ließ sie dann wieder auflächeln.
Myrkjartan steuerte wahrhaftig auf das Ridderhaus zu. Gut, es kann sein dass der in die Büsche davor pissen gehen wollte. Aber sie hoffte. Vielleicht war sie dumm zu hoffen, aber sie klammerte sich an die Aussage der Schwester und schlief die Nächte nun wieder ruhiger und lächelnd.
Liebe. Seltsames Gespinst. Es hält irgendwie das ganze Rudel auf Trab. Sie ist der Antrieb für Abneigung, Feindschaften, Kriege.. aber auch für Sanftmut, Freundschaft und Loyalität. Eine starke und ungebändigte Emotion. Gerade bei ihm schwankten ihre eigenen Gefühle hin und her. Er ließ sie warten. Er war tollpatschig im Umgang mit ihr. Sagte aber so schöne Dinge. Handelte aber nicht. Und wenn sie sich einmal nahe waren und die Ahnen vielleicht ein Auge zudrückten weil sich ihre Hände berührten.. war er müde..
Da griff sie plötzlich den grünen Stoffelch und pfefferte ihn mit einem Schwung gegen ihre neue, noch kahle, Holzhüttenwand. Er war müde! Bei den Ahnen ist er noch bei Sinnen! Müde! Der Kerl war doch nicht bei Sinnen, Vollidiot.. Trollkopf..!
Re: Nasse Pfoten und lautes Heulen
Verfasst: Sonntag 14. Mai 2017, 00:23
von Liv Tryant
Liebende Tränen
„Ich will dich nicht mehr sehen“, die Worte wurden an den Mond gerichtet. Danach bewegte es sich hinter ihr, schwere Schritte verließen die Klippe und gingen durch den Wald davon. Stumme Tränen rinnen heiß ihre kühlen Wangen hinab, welche vom Wind gestreichelt wurden. Wellen brachen sich unter ihr an den Klippen.
Jeder Kerl der ein Weib im Rudel für sich auserkoren hatte, fand in drei Tagen bis maximal einer Woche seinen Weg zum Ridder und von diesem zu der Vollendung seiner Aufgaben. Eylif und Njorvarr, Tjuva und Einarr.. sie lagen sich in den Armen, konnten sich küssen. Einst versprach ihr Myrkjartan: Noch vor Beltaine würde er den ersten Segen haben, damit sie ja kein Anderer wählte. Er brach sein Versprechen. Beltaine war vorüber. Und dieses war wie ein Stich mit einem Dolch in ihrem Herzen. Nun quillt ihr Blut mit jedem Schlag aus ihrem Herzen hinaus. Sie kostete den süßen Nektar. Konnte ihn küssen, ihn umarmen.
Und Nun? Sie musste es vergessen, durfte nicht darüber reden. Aber waren die Gedanken nicht frei? Sie konnte sie nicht einsperren, ihr Herz zerriss. Fühlte er nicht auch so? Sehnte er sich nicht auch danach: Endlich seine Arme um sie legen zu dürfen und dies inniger als nur aus Freunschaft oder sie helfend zu stützen? Mit jedem Tag, quälte er sie mehr. Was würde sie nicht für ihn tun...
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Kein Berg wäre ihr zu hoch. Kein Feind zu stark. Keinen Tag würde sie auf ihren Hintern hocken. Keine Minute würde sie verschwenden. Alles. Und sie meinte es so, wie sie es in die Nacht über dem Meer hinaus schrie: Alles würde sie für ihn tun! Sie richtete sich auf und streckte sich über der Klippe hinab. Für ihn hinab springen würde sie für ihn. Ohne zu zögern. Ihr Körper spannte sich an, die Tränen fühlten sich warm auf den vom Wind gekühlten Wangen an. Dann fiel sie auf ihre Knie hinab.
Und dann saß er da... und sprach wieder davon: Er könne die Aufgabe nicht beenden. Es brauche noch eine Weile. Sie war es Leid. War dies alles Leid. Dort wo große Liebe war, große Gefühle: Dort keimte auch rasch die Wut hoch: „Mey hasse dey.. hasse dey!“, keifte sie in die Nacht hinein. Er mit seinen blondem Haar, seinen blauen wunderschönen Augen, den großen Worten: Er war der Anfang allen Übels! Sie krallte sich in das Gras fest und kniff die Augen aufeinander. Genug! Es war genug.
Sie hatte genug geschwächelt. Endlich ging es ihr seid Tagen besser und nun das! Eine Wolfsheulerin war nun einmal verdammt zur Einsamkeit. Wann verstand sie das endlich. Myrkjartan wollte sie nicht, damit musste sie sich endlich abfinden. All seine Worte waren groß, waren toll, doch er handelte nicht – genau dafür wofür thyrische Kerle eigentlich standen – also wollte er sie nicht! „Er will dey ney. Versteh es endlich. Länger als ein Mondlauf für eine erste Segensaufgabe, dey gehst in die Skaldenlieder der ewig Wartenden ein. Willst dey das?“ Sie spürte ihre Tränen gar nicht mehr, sah auf ihre Knie hinab, die Hände zu Schalen geöffnet als würde sie um eine Gabe bitten, zitterten die Finger. „Willst du ewig an den Gefühlen zu ihm hängen, wenn er die Seinen nicht beweist die er so großspurig zu verkünden weis?“ Ihre Gedanken hämmerten in dem blonden Schopf und sie weinte bitterlich los als sie ihnen zur Antwort gab:„Ich liebe ihn“, quälend leidend weinte sie die Worte in die Nacht und in die preschenden Wellen hinab. Als könnte irgendwo da draußen Jemand ihr Leid hören und verstehen. Der Wind griff nach ihrem Haar, zog ihre Tränen mit sich. Doch diese Nacht wollten sie nicht enden. Jeder Tag den sie ihn sehen würde, würde es ihr Herz weiter in zwei reißen. Und das er offenbar diese Sehnsucht nicht spürte, machte ihr Leiden noch grauenvoller.
Ich will dich nicht mehr sehen...
Re: Nasse Pfoten und lautes Heulen
Verfasst: Samstag 20. Mai 2017, 08:03
von Liv Tryant
Schlachtengetummel
Die Schilde waren gezogen. Schulterfell an Schulterfell standen sie. „Der Angriff findet bereit statt.“, wurde durch die Reihen gegeben. Sie zogen rasch los. - Verdammte Städder, wieso konnten sie nicht warten? - Die Wiesen Wulfgards wurden im Laufschritt genommen. Das Wüstenvolk mit ihren goldenen leichteren Rüstungen und ihren langen gebogenen Klingen taten ein leichtes dem schweren Volk der Sturmheuler nachzueilen. Auf Höhe der Brücke holten sie Sie sogar ein, dann formierte sich die Front neu, Schwerter und Klingen der Wüstenkinder voran – Schützen, Schamanen und Heiler nach hinten. Es lief reibungslos, auch ohne Übung waren die Völker aufeinander abgestimmt. Nur knappe Rufe hallten über die Adrenalindurchzogene Reihe: „Vorrücken!“ Sie hörten schon Schlachtengetümmel. Kamen auf ein Schlachtfeld, welches wohl gerade sein Ende fand. Schmerzensrufe hallten hier und da noch über die Liegenden. „Wir sind gerade geschlagen worden.“, drang an das Ohr der Wolfsheulerin. Ihre Brauen zuckten zusammen. „Vorrücken!“, kam es dann erneut bellend. „Kontakt!“ Und da kamen sie, die Fäuste. Wie gut sie gerüstet waren, welch gute Waffen sie trugen. Es musste ungemein lange gedauert haben und viel Tauschware gekostet haben so eine Armee zusammen zu bekommen. Voran preschte ein Krieger von ihnen in fester Plattenrüstung und nahm sich der ersten Reihe an. Er drehte und wendete sich trotz seiner Rüstung, doch schlimmer als dieser eine Mann der vier von den vereinten Völkern beschäftigte. Waren die Schützen die mit einem Mal aus dem Wald traten. Liv legte einen Pfeil ein, schoss – doch er kam einer Salve an anderen Pfeilen entgegen. Der schwarze Hagel der den Himmel schier verfinsterte fiel auf die erste Reihe nieder. Und da fiel er..
Sie sah die weißen Felle zu Boden sinken. Ihre weißen Felle. Tryantfell. Trotz des Tumults auf dem Schlachtfeld, hatte sie stets ein Auge für den Hünen in der ersten Reihe gehabt. Sie wusste stets wo er war. Wo er stand. Wen er Angriff. Ihr Herz schrie, doch ihr Kopf bewahrte Ruhe. Es tobte eine Schlacht, wenn sie jetzt nach ihren Gefühlen handelte – dann gefährdete sie die Verbündeten und ihr Rudel. So rückte sie mit voran, Schütze um Schütze fand seinen Weg zu Boden. Doch unter Rufen hörte sie auch die der Wüstenkinder und ihres Rudels. Sie wurden weniger. „Wir nehmen die Taverne ein!“ dies war ein leichtes, darin verschanzten sich nur ein paar. Mit dem Druiden und zwei weiteren stürmten sie die Taverne, Schwerter, Elemente der Natur und die Pfeile einer Wolfsheulerin waren tödlich. Und so hinterließen sie in der Taverne den Tod und verkohlte Bretterbohlen.
„Vorrücken!“, wieder ertönte diese Stimme. Sie war ihr Unbekannt, doch ihre gebogene Klinge führte die Schlacht an. Als sie der Truppe folgte, erkannte sie ihr weißes Fell liegend am Waldboden. Ein Ruf des Schmerzes. Sie spürte den Schmerz, spürte es als wäre es ihr eigener. Doch lebte er noch. Nun überwog der Schmerz, nicht im Kampf dabei sein zu können. Sie würde für ihn kämpfen, würde sein Arm sein. Und so.. war sie beim nächsten Vorstoß dabei, wo sie wieder weniger wurden weil die Fäuste aus allen Winkeln des Waldes – Ihres Waldes! - kamen. Auf der Brücke zu Wulfgard fochten sie weitere Kämpfe auf. Jeden blieb Liv unverletzt, neben ihr hatte sie noch ein Rudelmitglied: Ketiley. Zwei Wölfe die sich bis zum Ende auf den Beinen hielten. Bis der Ruf kam: „Rückzug!“ Es war nicht zu gewinnen. Töteten sie zwei, kamen vier. Töteten sie vier, kamen acht. Die Leichen stapelten sich schon vor der Brücke zu Wulfgard. Der Weg war gesäumt von Fleisch und Blut. So zogen sie sich bis nach Wulfgard zurück.
Sie hatten verloren.
Wirkungsvolle Genesung
Ihre Schritte waren fliegend. Ihr Herz raste und ihr Atem brannte. Sie riss die Türen zum Heilerhaus auf. Nun war der Kampf vorüber, nun ließ sie es zu: Angst, Sorge. Der Bogen wurde zur Seite geworfen als sie die Treppe hinauf nahm. Da lag er.. Blutüberströmt. Sie fiel auf die Knie, griff nach seinen Schultern um ihn fest zu halten. Er befahl Hekja den Pfeil raus zu ziehen der in seinem Bein steckte: Verdammter Idiot. Nach Tjuvas Lehrstunde wusste doch Jeder, dass man das nicht machte! Jemand holte Tjuva, die Arme. Sie hatte so viel zu tun. Das Rudel lag regelmäßig in ihren wunderbaren Händen. Momentan saugte es sie aus. Liv drückte die Wunde zu, bis Tjuva da war und das Ruder übernahm. Man konnte die Wunde wohl nicht mehr nähen. Als zu viele Hände um Myrkjartan waren und er sie sogar mit der Faust ins Gesicht schlug als er wohl Njorvarr erwischen wollte. Zog sie sich zurück. Sie ging über die Wiese, durch das Wäldchen. Versuchte ihre Gedanken woanders hin zu lenken.
Erst nach einem Stundenlauf kam sie zum Heilerhaus zurück. Verbranntes Fleisch ließ sie erleichtert aufseufzen. Als sie oben war, bestätigte sich ihr verdacht: Das Bein war dran, die Wunde ausgebrannt. Tjuva drückte Liv einen Schlaftrank in die Hand. Myrkjartan war wohl gerade nicht bei Bewusstsein. Nun würde eine lange Wacht für sie beginnen. So setzte sie sich zu ihm. Strich ihm das verschwitzte, dreckige Haar beiseite. Der Ridder kam. Norwin wollte, dass Liv alles tut damit es Myrkjartan rasch besser geht. Er verdeutlichte mit einem eindringlichen Blick auf Liv: Alles. Die Ahnen würden das nun verstehen. Als sie diese Erlaubnis bekam. schob sich Liv neben Myrkjartan, nah an ihn heran und legte die Arme um ihn. Er wachte zwischenzeitlich auf und wollte sich aufsetzen. Mit einem Hinterhalt, dass er erst den Heiltrank trinken sollte und dann würde sie ihm helfen, verabreichte sie ihm den Schlaftrank. Und so schlief er wieder ein. Ihre schmalen Arme legten sich beschützend um die kräftigen Thyrenschultern. Ketiley kam vorbei. Sie tat irgendwas, ihre Augen verrieten die Konzentration wie sie auf Myrkjartans Wunde sah. Liv fragte nicht nach. Dann stand Ketiley auf, sah sie mit einem aufmunternden Lächeln an und ging.
Nun wo sie alleine war und er schlief, gestand sie sich zu zu weinen. Welch Angst hatte sie. Sie drückte ihn, wiegte ihn leicht so es ihr trotz seiner schwere möglich war. Angst ihn an Annundarf zu verlieren. Zu früh, viel zu früh. Dies alles zeigte ihr, wie sehr sie ihn wirklich liebte. In den Monaten war er ihr ein und alles geworden und dies sogar ohne den Segen eines ersten Segens. Nur noch die Annundarf konnte sie voneinander trennen – und dies auch nur auf Zeit, denn irgendwann würden sie wieder Beide an der Tafel der Ahnen sitzen: Vereint, dann für alle Zeit.
Die ganze Nacht wachte sie über ihn. Erst in den frühen Morgenstunden überkam der Schlaf sie. Und: Er war weg! Sie rückte sich auf und lief durchs Dorf. Am Feuer saß er. Als wäre nichts gewesen, als wäre er nicht fast verblutet die Nacht. Sie holte ihn weg vom Feuer. Er brauchte Ruhe und das in einer waagrechten Position. In seiner Hütte, stapelte sie ihm ein Kissen auf, legte sein Bein hoch und setzte sich hinter ihn. Die Arme um seinen Schultergürtel gelegt, bettete sie ihr Gesicht an seines.
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Die Nähe tat ihm gut denn er wurde ruhiger und wollte nicht mehr aufs Schlachtfeld eilen in seinem Zustand. Er ließ sich an sie sinken und gab sich der Ruhe und Geborgenheit hin. Neben den Ingwerstückchen die er kaute gegen den Schmerz, war diese Nähe wohl die beste Medizin. Wie klug ihr Ridder doch war: Er wusste was Myrkjartan nun gut tat. Denn in der letzten Schlacht, brauchte das Rudel wieder sein Schwert.