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Zu den Ahnen, mit wehenden Fahnen.

Verfasst: Mittwoch 1. März 2017, 01:03
von Njorvarr Bunjam
Der Aufbruch in eine alte Heimat.
Der Körper des Hünen klammerte sich halb tot an die hölzerne Reling der zerschlissenen Nusschale. Die Maserung hatte sich unter der glühenden Sonne auf offenem Meer schon in die feste Haut des Thyren gebrannt, die Lippen wie auch der rest des Körpers waren von trockener Salzluft ausgedörrt - ähnlich einem großen Fetzen abgehangenem Backenfleischs.

Mit letzter Kraft zog er sich an das sandige Ufer zur Küste der Sturmouve. Vom einstmalst stattlichen Erscheinungsbild des Thyren besten Alters war nicht mehr viel übrig. Er wäre ein kläglicher Haufen Aas für die Geier geworden, hätte ihm die unnatürliche Kraft, die ihn auch schon über das Meer trieb, nicht erneut Leben in die müden Glieder gehaucht. Im dichten Wald fand er die darauffolgenden Tage wieder zu Kräften, mit dem wenigen das er mit sich führte, gelang es wenigstens das grundlegende Verständnis über Jagd und Eigenversorgung in die Tat umzusetzen.

Deine Kraft, dein Kapital - es ist dahin. Dein Schwert, dein Schild - sie sind der entbehrungsreichen Überfahrt Zoll geworden. Doch wie könntest mehr von Willen und Zuversicht erfüllt sein? Wie könnte dein Glaube, dein Geist dich jemals stärker antreiben? Haben dich die Elemente doch gesegnet und dir deinen sehnlichsten Wunsch erfüllt. Sie haben dich bestärkt in deinem hitzköpfigen Vorhaben, sie haben dir einen Pfad nach Anundraf gesteckt.
In den ersten Nächten waren es die Träume die ihn beseelten, wieder und wieder die körperlose Gestalt des Weybes im Winde, welche ihm einen zarten Kuss auf die spröden Lippen hauchte. Eine kühle Brise die das bärtige Kinn umspielte, beinahe so als wollten die sanften Fingerspitzen der Elemente ihn mit sich führen.

Erst als er sich entschlossen hatte, den dichten Wald zu verlassen, wurden die Träume schwächer in ihrer Intensität. Es gab ihm das Gefühl, den richtigen Weg zu gehen. Und in der Morgendämmerung des zehnten Tages erhoben sich die runenverzierten Giebel des Dorfes am Horizont. Die breiten Pranken wurden schattenspendend verwandt um eine optische Täuschung auszuschließen. Schneller hätten die schwachen Schritte ihn nicht tragen können, das vorläufige Ziel der Reise war erreicht.



Das sonst so unbedarfte kalte Augenpaar nahm strahlend jeden ersten Eindruck wahr, ganz so als sei ein jeder ein erster Vorgeschmack auf langersehntes. Der Fleischberg des Hünen schleppte sich durch die weitläufigen erdigen Gassen der Stadt, wo auch immer er seinen beißenden Eigengeruch hinterließ, richteten sich skeptische Blicke auf seine Gestalt. Vorerst war er ein fremder Wanderer… und so kam mit erstem Enthusiasmus die unweigerliche Bringschuld.


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War das nicht dein Wille, Njorvarr, Sohn des Sigulf, Sohn der Bunjam? Mehr als alles andere wolltest du den Weg der Ahnen gehen, hast dich bereit gefühlt ihre Bürde auf dich zu nehmen, koste es was es wolle. Und wenn deine jugendliche und törichte Eitelkeit nicht dein vorläufiges Ende bedeutet, dann zeige Ihnen aus welchem Holz du geformt bist.

Außer der eigenen kleinen Familie gab es in der Vergangenheit kaum Kontakt zu Fremden. Weder zum eigenen Blute, gar zu fremdem Volke und deren Zunge. Er wusste er würde fressen müssen, was sie ihm vorsetzen. Vater und Mutter hatte er auf Galgarland zurückgelassen und es war ein Punkt, an dem er keine Kehrt machen konnte.

Verfasst: Mittwoch 1. März 2017, 02:06
von Njorvarr Bunjam
Ein Rudel, ein Weg, ein Schicksal
Die ersten Tage in den Reihen der Wolfsheuler waren von Härte gezeichnet. Er sollte auf die Probe gestellt werden und ein jeder dem er begegnete tat dies auf seine eigene Art und Weise. Einen Welpen von seiner Form hätte man wohl im Walde ausgesetzt und wenigstens seinem Schicksal überlassen. Doch sie machten sich einen Spaß daraus ihn zu prüfen, zu beobachten. Mit lefzen die nur gierig danach trachteten, ihn auf den Knien zu sehen.

War es so? Oder galt diese besondere Form des Beschnupperns nur einer ersten Prüfung? Den Warheitsgehalt seiner Vorstellung zu prüfen? Anfangs noch wollte sich in der - trotz Nahrungsmangels - brachialen Gestalt des Thyren der Zorn aufstemmen. Er wollte es kaum dulden, dass man ihn in aller Öffentlichkeit mit Schlägen demütigte, schändete. Am zweiten Tag war das markante Antlitz so verprügelt, wenn es davor der Mangel an Essbarem war, so war es nun der Mangel an der Fähigkeit, Nahrung aufzunehmen. Die Lippen waren geplatzt, jeder Schluck führte einen metallernen Geschmack mit sich. Kaum waren die ersten Wunden an Kinn und Mund verheilt, schon durfte er sich dem nächsten Wolfsheuler vorstellen, nur um sich erneut in Erinnerung zu rufen, dass er der Fremde war.


Bist du hier willkommen, Njorvarr Sigulfsson? Es ist gewiss ihr wunsch dich und deinen Stolz zu brechen, aufdass du dein Vorhaben aufgibst und mit eingezogenem Schwanz das Weite suchst. Die Schläge wiegen nicht so schwer, wie das Gefühl keinen Einzigen vom eigenen Wurf zu sehen, der dich nicht prüfend betrachtet. Der seine Kraft nicht mit der eines eigens bezeichneten Schwertes aus fernen Landen zu messen versucht. Friss dich satt, dann pack deine Sachen und nimm die erste Jolle richtung Heimat, Schwächling.


Er hätte es sich niemals anmerken lassen. Den Stolz und die Ehre zu wahren wiegte schwerer als jeder Zweifel an seiner Reise. Aufgeben wollte er - konnte er nicht. Die Elemente hatten ihn gesegnet, er vermochte nicht zu glauben das dies aus einer Laune heraus geschehen war. Seine Anwesenheit musste einen tieferen Sinn haben. Wenn nicht für das Rudel, dann wenigstens für ihn. Und er sollte nicht enttäuscht werden…

Für das ungeübte Auge wäre es eine barbarische Form der Begrüßung gewesen, ein Zeichen der Kälte. Doch wer im Schoße der Natur geboren ist und um die gebarden wilder Rudeltiere weiß, der sah auf einen zweiten Blick, was dem Unwissenden verborgen blieb. Nach jedem Schlag war es ein Lächeln, war es eine brüderliche Begrüßung. Mit jedem Blutstropfen kam ein versteckt besorgter Blick. Mit jeder weiteren Schnauze des Rudels, die an seiner Gestalt schnuppern durfte, war er mehr ein Teil dieser Gemeinschaft.


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Auf eine harte Begrüßung folgte ein warmer Platz am Feuer. Unter rauen Worten erkämpfte er sich ein Fell im Nest der übrigen Männer, nur um mit der gleichen Wertigkeit zu hausen. Jedes Weyb das ihm skeptisch gegenüber trat, fühlte sich im Anschluss an die Begrüßung dazu berufen, seine Wunden zu versorgen und seinen Körper mit Met und Fleisch zu mästen. Jeder Kerl hätte ihn eher auf den Beinen gehalten, als seinen schwächlichen Körper im Dreck zu sehen. Und so waren es die ersten Namen, die ihm ein vorfreudiges Gefühl davon gaben, was ein Rudel bedeutete.


Erwarte nicht, was du selbst nicht bereit wärst zu geben. Vertrauen erfordert mehr als eine tasche voller Silber und die leeren Hüllen eines Namens. Beginne du selbst mit dem Vertrauen, dem Vertrauen in dein eigenes Volk. Lass sie wissen wer du bist, bevor du dir anmaßt zu erfahren, welchen Weg sie gingen. Eine starke Gemeinschaft wird auf Schweiß und Blut gebaut und aus purem Willen geformt.


Da war Myekkar, ein Sohn der Bunjam. Noch bevor er sich von dem Fausthieb erholt hatte, stand dieser mit warmer Kleidung auf dem Sammelplatz des Dorfes. Und selbst wenn dieser unter Gewissheit genug mit sich beschäftigt gewesen sein hätte können, zögerte er nicht einen Moment die wichtigsten Anlaufstellen mit ihm zu begehen.

Hekja - der Holzwurm. Sie war unter den ersten Thyren die ein Wort mit ihm wechselten. Selbst nach anfänglichen Verständigungsproblemen lag ihr nichts ferner als den halb leblosen Körper des Hünen unbeachtet durch die Gassen irren zu lassen. Ein ehrliches Interesse an seiner Person und seiner Herkunft gab ihm das Gefühl einer wärmenden Familie. Und auch wenn er durch Unerfahrenheit und mangelnden Anstand kaum einen Grund gegeben hätte, so war sie es doch, die ihm eigenhändig ein persönliches Trinkhorn schnitzte. Eines, wie es ein jedes Rudelmitglied besaß - selbst das Holz aus dickster Eiche war bedeutsam gewählt worden.

Eylif, Hakonsdottr. Ein Weyb das sich auf die Versorgung des Rudels verstand, es war eine natürliche abweisende Kälte die sie umgab. Und auf den ersten Anschein wäre es am ehesten sie es gewesen, die ihn davon überzeugt hätte, dass es im Rudel eben doch nur zuging wie in einem Haushalt aus wild zusammengewürfelten Clanern. Die Abende brachten Vertrauen und so zeigte selbst sie in nur wenigen Herzschlägen und einer bröckelnden Fassade, dass ein Rudelmitglied das Leben eines Anderen auf die selbe Art und Weise zu schätzen wusste, wie das Eigene. Die nahezu fürsorgliche Art ihre Sisstr und ihn selbst in Felle zu betten, sie ungefragt mit den Erzeugnissen einer harten Arbeit zu versorgen - es war bedeutsamer als es den Anschein hatte.

Svanhild und Bärwyna. War die Begegnung doch nur halb so lange wie er es sich gewünscht hätte, verkörperte sie doch alles, wofür er diesen Weg auf sich genommen hatte. Es war der erste Welpe, den er in den kalten Wintern seines Lebens erblicken durfte. Sie war ein gewöhnliches Kind der Thyren. Mittelgroß, rote Haare und ein Mundwerk wie es ihr in den wenigen Lebensjahren gewachsen war. Doch sie war ein Kind seines Volkes. Sie war ein Nachkommen derer Thyren, die ihren Weg schon in den Jahren zuvor bestritten hatten. In seinen Augen stand sie stellvertretend für jede beschwerliche Arbeit die schon erledigt ward… und sie gab ihm Antrieb für jede, die da noch kommen mochte. In ihr sah er die Zukunft, sah den Sinn, den Ahnen in ihrem Beispiel zu folgen. Sie war das Ergebnis einer jeden schmerzerfüllten Geschichte die man sich erzählt hatte. Für Sie und die heranwachsende Generation würde er den Weg ebnen wollen.


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Siehst du wie sie im Schildwall an deiner Seite kämpfen als seist du ein Teil der Gemeinschaft? Spürst du die Wärme und die Geborgenheit die sie dir schenken, obwohl du dich verhältst wie ein wilder ungebändigter Eber? Bewahre dir diese Eindrücke. Festige deine Zuneigung und vergiss deine Wurzeln nicht.


Es war ihm nach dem ersten Wochenlauf bereits klar, dass er diesen Ort zukünftig als Heimat bezeichnen würde. Für diese Gemeinschaft wollte er ringen und im Zweifel sein Leben - ohnehin nur beschrieben als Aufgabe - lassen. Er wollte seinen Zweck erfüllen und seinen Teil zu einer ernsthaften Zukunft beitragen. Er würde einen Jeden ehren und schätzen, auch wenn die distanzierte und raue Gestalt oft nicht den Anschein machte.

Noch heute würde er als Welpe im wärmenden Nest fürsorglich aufgezogen, doch schon morgen werden sie wissen, warum sich die Umsicht gelohnt hat. Stolz und Ehre vor den Ahnen war ab diesem Moment als seine Bürde für das Rudel geworden.

Verfasst: Samstag 4. März 2017, 00:22
von Njorvarr Bunjam
Zwischen Bürde und Maßlosigkeit

Die Nächte wurden zusehends wärmer in den breiten Armen des Rudels. Er war nun kein Fremder mehr, die Brüder und Schwestern hatten sich mit dem rauen und kühlen Antlitz abgefunden und angefreundet. Wenn man sich sah, grüßte man herzlich. Wenn man rastet, trank man gemeinsam… und wenn des Abends die Zeit zur Erholung angebrochen ward, so saß man am Feuer und frönte Met und Fressalien. Doch etwas ließ ihn derer Nächte weiterhin kaum schlafen. Eines Welpen gleich, öffnete sich das eisige Augenpaar alle paar Sanduhrenläufe nur um die Rücken der schlafenden Kerle zu besehen. Dann waren es die Gedanken die ihn trotz all der Wärme und Herzlichkeit nicht schlafen ließen.

Gewiss er hatte viel erlebt, viel unfug getrieben die vergangenen Tage. Es war eine vertiefendere Form die Sturmheuler zu beschnuppern. Ob nun im ständigen Machtkampf mit eindeutig Unterlegenen, den fürsprechenden Worten durch die gestandenen Schwerter des Rudels, oder gemeinsame Jagdausflüge. Wieder und wieder ließ er sich die einzelnen prägsamen Situationen durch den Kopf gehen. Er bedachte die jüngste Zeichnung der Himmelsgestirne und der Flora auf seinem Antlitz und verkeilte die Brauen über dem kantigen Nasenrücken - die typische Zornesfalte trat auf die Stirn.

Sicherlich war es ein Zeichen von Vertrauen und Sicherheit. Wenngleich dieser kindliche Streich den tiefen Zorn in ihm aufbegehren ließ, so war er sich doch ebenso sicher, dass ihm dieser Unfug nicht zuteil geworden wäre, wenn man ihm mit Abneigung gegenüber gestanden hätte. Rache musste es dafür dennoch geben - und hierbei ging es ihm vermutlich weniger um den ersten hitzköpfigen Impuls, sondern vielmehr um die Ehre die wiederhergestellt und den Stolz, der beibehalten werden musste. Die Gedanken kreisten wieder und wieder um eine möglichst baldige Vorgehensweise.


Schwert, woran denkst du? Deine Gedanken liegen bei Met, Gesängen, Weybern und kindischen Spielereien. Du bist kein Welpe mehr… du musst dich mit keinem aus dem Rudel über die Wiese rollen - diese sorgenfreie Zeit gehört der Vergangenheit an. Denkst du die Elemente haben dich geschickt, um dir deine wertvolle Lebenszeit angenehm zu gestalten? Oder bist du gar gekommen, um deinen Körper in besten Jahren friedlich altern zu sehen?


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Und endlich war sie da, die erste Chance sich selbst zu beweisen. Das erste Mal hatte das eisige Augenpaar sich einen ernsthaften Gegner gesucht. Das erste Mal durfte er erblicken, worüber die Ahnen im Einklang fluchten, worüber jedes tragische Lied mit wütender Melodie geschrieben war. Die Ausgeburt des Panthers selbst stand ihm gegenüber. Es waren nur einige schmale Schritt die Ihn von einer ersten Vergeltung trennten. Unweigerlich gab er sich seiner Wut in zügelloser Anmut hin, brachte das Untier aus Alatars Schoße auf die Knie. Der Körper des Hünen hebte sich unter dem schweren Atem schnell als er sich den geschlagenen Feind besah. Blut durchströmte den Körper in einer tiefen, reinlichen und nie dagewesenen Wärme. Viel wärmer, viel seliger als jede Umarmung des Rudels hätte jemals sein können. Es war ein weiterer Begrenzungsstein auf dem Weg nach Anundraf. Es wirkte, wie ein kalter Krug reinsten Quellwasser in das Gesicht eines Trunkenboldes. Noch nie waren die Gedanken so klar, der Wille so rein und von Zweifel befreit.

Siehst du wozu du in der Lage bist? Siehst du, weshalb du hier bist, an diesem Ort und sonst keinem? Fühlst du wie wahr und richtig es sich anfühlt? Du brauchst dein Rudel und dein Rudel braucht dich. Aber zwischenmenschliche Schwäche, jene brauchst du nicht. Führe dein Sax gegen die Körper deiner Feinde. Zerschmettere ihre Schädel mit deiner Axt. Stapel ihre leblosen Körper und lasse die Ahnen wissen, dass du auf dem Weg zu ihnen bist. Lass die schweren Trommeln Helheims erklingen, auf dass sie dir die Tore nach Anundraf öffnen.


Auch an diesem Abend fand der Körper des Hünen keine Ruhe. Kaum einen Bewohner des Dorfes wollte er in den späten Abendstunden besehen. Stattdessen waren es Ketileys Worte die ihn umhertrieben - den Ahnenbaum zu finden. Dort angekommen ließ sich die schwere Gestalt unter dem friedlichen Klimpern der Kettenelemente in den Schnee sinken. Hier, im Angesicht der Ahnen selbst, konnte er knien - hier konnte er das Haupt senken und voller Demut die Augen schließen. In den breiten Wolfspranken befand sich der giftgrüne Stofffetzen - ein Überbleibsel des Kampfes mit der kleinen Lethra -. Er wurde beinahe behutsam in den Schoß gelegt und nahezu liebevoll besehen.

Warum fürchtest du den Tod nicht, Sigulfsson? Bist du in all deiner Eitelkeit gar den Heldenallüren verfallen? Warum treibt es dich zur Front, an den Feind? Willst du nicht lieber leben und erleben? Du bist nicht unsterblich. Du bist nicht einmal ein geübter Krieger des Clans, wie deine Brüder es sind. Du hast nicht ihre Fähigkeiten, nicht ihr Wissen noch ihre Erfahrung. Warum steckt so viel Kampfeslust und Todesmut in deinem Leib?


Eure Götter mögen euch wunder schenken und präsent sein. Doch selten offenbaren sie sich einem einfachen Mann eures Volkes. Unsere Ahnen weisen uns den Weg, indem sie zuvor einen Pfad begonnen haben. Ein Thyre, gleich welchen Alters, Standes oder Profession, der das Festland erreicht, tut dies nur mit Hilfe der Elemente. Dein Weg wurde geebnet, dein Haupt wurde gesegnet. Und dies alles geschah, nach deinem Flehen. Deinen unendlichen Willen sich zu beweisen und für dein Volk zu streiten. Wenn sie dir diesen Wunsch erfüllt haben, dann existieren sie. Dann bist du genau da, wo du sein sollst. Und wenn sie dir deine sterbliche Hülle nehmen, dann ist dies dein Weg nach Anundraf. Du wirst nicht entscheiden, wie dies geschieht… oder wann. Und deshalb wirst du dich furchtlos in die Arme deiner Feinde schleudern. Und wenn es deiner Vorsehung entspricht, wirst du leben oder sterben. Du musst dich vor nichts fürchten, wenn du weißt, dass die Elemente mit dir sind.

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Der Baum stand im nächtlichen Sternenglanz, die Äste wurden leise raschelnd von der kühlen Nordluft umschmeichelt. Vor ihm sackten die Schultern des Hünen in sich zusammen - erstmals konnte er sich gänzlich fallen lassen und in absoluter Sicherheit wiegen. Ein herzliches und erleichtertes Lächeln lag auf seinen Zügen. So formten die schmalen Lippen ein stummes Gebet - mehr ein Gespräch zu den Ahnen und den alles bewohnenden Geistern.

Ihr Geister, tragt meinen Körper stramm zu den Linien meiner Feinde. Formt meine Rüstung mit eurer Gunst und lasst
mein Schwert mit eurer Zustimmung geschmiedet sein.
Ihr Ahnen, reinigt mein Haupt von unnützem Gedankengut.
Befreit mich von Ablenkung und Faulheit.
Ihr Herrscher des Dies und Jenseits, nehmt meine sterbliche Hülle und gebraucht sie zu eurem Zweck.
Benutzt mich um euch zu dienen. Euch will ich nichts als Demut und Gefolgsamkeit schenken. Und führet mich nicht vom Pfad…
öffnet eure Tore und lasst mich stolz auf euren Fußspuren wandeln.
Nehmt mir jeglichen Zweifel und beseelt den Wolf in meinem Innersten.
Nach den gesprochenen Worten wird er wieder zum Wolfshelm am Rücken greifen und diesen Gemeinsam mit Brünne und Fell über den breiten Schädel ziehen. Noch kurz wird er verharrt haben um dem Wind still zu lauschen… würde er sich ihm noch einmal offenbaren? Würde ein Zeichen des rechten Weges folgen? Gleichwie, er würde genau an dieser Stelle ansetzen, überzeugter als je zuvor.

Verfasst: Donnerstag 27. April 2017, 14:50
von Njorvarr Bunjam
Die beiden Hünen schleppten ihre schweren Körper vor die Geisterwächterin. Natürlich waren sie Schwerter im Dienste des Rudels. Natürlich hätte das Rudel alles von ihnen verlangen können. Ein Schwert wie Njorvarr es war, würde nicht immer verstehen, weshalb sein Weg verläuft, wie er bestimmt wurde. Und er würde zweifelsohne nicht jeden Sinn in Prüfungen, Ritualen oder Aufgaben erkennen. Doch er wusste, dass seine Fähigkeiten zu Sax und Schild nicht umsonst gegeben waren. Er hatte seinen Part in der Gemeinschaft zu erfüllen.

Doch wenn es diese Aufgabe betraf, wusste er ganz genau, wozu er sein Leben riskieren sollte. Die Geister und Elemente sollten besänftigt werden. Nicht nur, dass dies eine stete Verantwortung eines jeden stolzen Thyren war. Es war gleichzeitig eine Prüfung seiner Fähigkeit, mit einem Schildbrottr den Weg zu bestreiten. Nur gemeinsam wären sie fähig diese wichtige Aufgabe zum Schutze des Rudels zu bestreiten. Und so sollten sie in die Untiefen der Länder aufbrechen... Schild an Schild, Flanke an Flanke... um sich blutig mordend den Weg durch Helheims Schreckensgeburten zu kämpfen...


Ihr werdet ein Opfer bringen...
Eines für das Feuer - die Glut in uns.
Eines für das Wasser - die Besonnenheit in uns.
Eines für die Erde - die Wurzeln die jedes Leben schlägt.
Eines für die Luft - das Element, dass euch den Beginn eures Weges weist.


Rauchende Köpfe saßen nach der spärlich benannten Aufgabe zusammen am Feuer. Wahrlich, es musste ein bedeutungsvolles Ritual und eine Besänftigung sein, wenn zwei Schwerter zu der Erfüllung abgestellt wurden. Und die beiden Krieger des Clans würden ihr eigenes Leben geben um sie zur Zufriedenheit zu erfüllen.

Und so trug sie der erste Weg in die Lehmhöhlen unter Gerimor...

Der Weg war beschwerlich, begann er doch nur all zu einfach. Unter blutigen Fontainen rollten Orkschädel zu den Füßen der beiden Schwerter. Jede Bestie die ihnen den Weg versperrte, wurde mit herzloser Unnachgibigkeit wieder an Helheims Pforten geschickt. Sie wussten das ihr Ziel in der Ferne lag, hörte man die grässlichen Rufe der Dämonen und Drachen durch alle Gänge hallen.

Mit jedem Schritt wurde der Feind stärker und der Weg schwerer. Doch mit jedem toten Körper über den die beiden Thyren stiegen, kamen sie ihrem Ziel, dem Ziel des Rudels näher. Die Ophidiane verlangten ihnen wahrlich alles ab. In hoher Zahl versuchte diese letzte Bastion vor dem dämonischen Schreckensherrscher, die beiden Wölfe an ihrem Weg zu hindern.

Schild an Schild und Flanke an Flanke drückten sie ihre Leiber voran. Wie besessen vom Geruch fremden Blutes und eigener Verausgabung. Wie zwei Wölfe die sich gegenseitig die Kehle deckten, war es der Schlag des Einen der den Feind verwundete, während das Schild des Anderen ihre Körper deckte. Und so lag ihnen bald die gehörnte Bestie zu Füßen, deren Meisterwerk selbst es einst war, zu Morden und unterjochen.

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Er nahm ihm die Hörner, die seinen Leib zierten. Es sollte ein Beweis an die Elemente sein, die Schwerter des Rudels waren in der Lage, selbst die kräftigsten Bestien aus dem Schoße der Erde zu bezwingen. Er würde die Hörner am eigenen Leib tragen - ein Zeichen an alle Feinde des Rudels, wo auch immer sie ihre Wurzeln haben, dieser Thyre wird sich nicht fürchten.

Und so setzten die beiden blutbesudelten Fellberge ihren Weg nach kurzer Rast fort. Es war wahrlich ein tragisch glücklicher Umstand, dass die Wassergrotte unmittelbar an die lehmigen Höhlen grenzten. Die beiden Schwerter konnten ihren Augen nicht trauen, als sie die dustere Grotte betraten. Ein schmaler, morscher Holzweg sollte die massiven Leiber tragen? Hörte man doch aus den Untiefen des Gewässers allerlei unheilvolles Gegrolle.

Vorsichtig und sehr still setzten Sie ihren Weg fort. Das Augenmerk stets auf der ungebrochenen Wasseroberfläche haltend. Wie in Helheims Namen sollten sie hier Wesen finden, die den Elementen als Opfergabe gereichen würden? Und in all ihrer sturen Überzeugung, ein fähiger Feind müsse ein bereitwillig wartender Riese sein, bemerkten die beiden Wölfe die wachen Augen nicht, die ihnen folgten.

Nicht die Tentakeln die sich tonlos aus dem Gewässer erhoben um sich um ihre Stiefel zu legen. Nicht die schleimigen Körper, die keine Wasseroberfläche hörbar durchbrechen mussten. Ehe sie es sich versahen, hingen die Wölfe jaulend in der Luft - unfähig sich großartig zu bewegen. Die Augen des Hünen suchten nach seinem Brottr, noch bevor er sich um seinen eigenen Körper scherte. Wusste er doch, das es keinen Kampf zu gewinnen gab, indem sein Schildwall einen Verlust erleiden würde.

Die feurigen Saxe aus den Essen Wulfgards trennten die saugnapfbewehrten Tentakeln von den Körpern der riesenhaften Kraken, wie Eylif die Ableger einer hübschen Blume von deren Gewächs. Platschend und in ihrer gesamten Wehr verbogen, landeten die Körper im Wasser. Als hätte dieser feige Angriff ihnen neuen Mut in die Leiber gehaucht, brachten sie die Kraken unter blutrünstiger Gewalt zur Strecke. Der Hüne hätte womöglich sogar zugebissen, wenn es sein hätte müssen. Und so beraubten sie den Kraken jeglicher Werkzeuge.

Sie nahmen ihre Augen, ihre riesigen Zähne, ihre Tentakeln und Saugnäpfe. Es war ein passendes Opfer für das Element des Wassers. Das Wasser, in dessen unsichtbaren Tiefen eine große Kraft und Stärke wohnte.

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Doch der Weg würde sie weiterführen. Noch brauchten sie das Feuer und die Luft - schon am nächsten Tag hatten sie auch zu diesen Elementen die passenden Gegner gefunden.

Njorvarr begann eine Idee darüber zu gewinnen, warum jedes größere Untier eine Schnittmenge mit dem jeweiligen Element hatte. Er würde diese Aufgabe nicht nur im Sinn behalten, vielmehr würde er ab dieser Tage jene Devotionalien Stolz am eigenen Leib tragen. Die Elemente und Geister befriedet zu haben - die Ahnen sollten es sehen.

Verfasst: Donnerstag 4. Mai 2017, 13:30
von Njorvarr Bunjam
Neyn... neyn neyn neyn. Das kannst dey auch gleych mal wyeder schön bleyben lassen! ....

...wag es bloß nicht dey auf Eylifs Felsplatz zu setzen!...

...Meyn Met. Ney das kannst dey auch nuad saufen. Das ys das Rudelmet. Dey byst nuad yn meynem Rudel...

FINGER WEG VOM WHYSKEY
die schweren Schritte trugen den frostigen Hünen klimpernd von einer Holzwand der großen Halle, zur nächsten. Aufgeregt raufte er sich den rasierten Nacken und begann vermehrt auf den Fingernägeln der rechten Pranke zu kauen. Es war ihm absolut unbegreiflich und für den Wolf das pure Grauen. Fremde Kerle, stattliche Hünen die den Clanern in ihrer bloßen Präsenz eine gewisse Überlegenheit vermitteln wollten. Sie gehörten nicht zum Rudel und doch erdreisteten sie sich, das Dorf förmlich zu beschlagnahmen. Kurzerhand kam er vor dem Metregal zum stehen und man hörte ihn fluchend und schimpfend zu räumen beginnen.

Regel nummer Syebzehn, Kerl. Dey lässt dye Fynger von unserer Beutetruhe.
Wag dey bloß nuad deyne Finger dran zu legen. Hörst mey?
Er erinnerte sich daran, dem fremden Bunjamssbrottr die schätzungsweise achtzig Regeln für ein ordentliches friedfertiges Zusammenleben aufgezählt zu haben. Gewiss war der frostige Sturkopf von Hüne kein schlechter Gastgeber. Aber wir sprachen hier ja auch kaum von Gästen. Es waren vielmehr Besatzer - Besatzer unter dem ihm unbekannten Thain. Thyren zwar, aber immer noch Eindringlinge in dem kleinen lieb gewonnenem Rudel unter der Führung des Ridders - seines Ridders.

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Kurzerhand wurden die wertvollsten Metfässer aus dem Regal in der großen Halle entfernt und irgendwo in einer Ecke hinter den dicken und dichten Fellen versteckt. Auch das Fressbrett wird am darauffolgenden Tag ordentlich geleert sein. Die Proviantbeutel in der Lagerhalle unter dem Händehaus und die vorbereiteten Wegzehrungen der Wölfe im Heilerhaus erneut prall gefüllt. Aufwendig stiefelte er von Clanhütte zu Clanhütte und begann penibel das 'Wichtigste' zusammenzuräumen. Immer gut verborgen von den wachen Augen der neuen Besatzer. Mal hing ein großer Eintopfbottich unter seinem Kilt, mal wurde das Etikett eines Hamingjafässchens mit der Aufschrift 'Gyft' überklebt und ordentlich an die Front des Regals geschoben.

Wachsam folgte das Augenpaar jedem bekannten Claner bei ihren Gängen über die Wiesen und Felder, bei ihrem Weg vom Hafen und zurück. Wie konnte das Rudel nur so bereitwillig akzeptieren was ihnen aufgedrückt wurde? Sich kampflos fügen und so symbolisch unterdrücken lassen? Wieder begann er haltlos an seinen Fingernägeln zu kauen als er klimpernd zum großen Feuer stapfte und den anwesenden Soldaten - die ohnehin nie antworteten - sorgfältig die Sitzordnung zu erklären.

Also das hier... das ys yn der Regel meyn platz.
Hyer sitzt der Pestbrynger... meystens - also Myrkjarten.
Und ihm gegenüber Liv.

Und den Dreckbrocken rührst dey nuad an. Da hockt die Hakonsdottr.
Wenn mey so nachdenke Kerle, dann ys hyer eigentley garkein Platz mehr für dey.
Er schloss die Augen entnervt, patschte sich mit der rechten Pranke ins eigene Antlitz und seufzte in den Nachthimmel hinauf. Kurzerhand stiefelte er zur Kerlehütte und kehrte mit den zerschlissensten und stinkigsten Fellen zurück, die sodann um das Feuer herum ausgebreitet wurden. Dort sollten die fremden Soldaten rasten, wenn sie denn unbedingt mussten. Die nächsten aufgeregten Schritte trugen den Bunjamsson wachsamen Blickes an den Hütten der einzelnen Claner entlang. Aufgeregt wurde jeder stramme Soldat über den Bewohner der jeweiligen Hütte in Kenntnis gesetzt...
Oh... Ha. Da wohnt Olov meyn guader. Den glotzt dey besser nuad so scheysse an.
Der brycht dey den Kyefer aus der Fresse bevor dey deyne Brottrs um Hylfe gerufen hast. Wey nennen yhn Leuchtturm.

Vyel spaß beym aufpassen.
Und so wurde par excellence an der ein oder anderen Hütte ein kleiner Nadelstich in das Ohr des jeweils bewachenden Soldaten gesetzt. Nachdem die meiste Arbeit getan war - das gute Met und die größten Fleischfetzen sorgsam vor den hungrigen Mäulern der Besatzer versteckt waren, atmete er auf und stiefelte schwerer kratziger Schritte zum Bankier der Stadt. Selbst dieser erntete unter schwarzen entkräfteten Augenringen einen finsteren misstrauischen Blick. Sein wichtigstes Hab und Gut ließ er sich überreichen. Das angebrochene Metfass 'Sternenlicht' und zwei der prunkvolleren Felle vergangener Tage.

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Mit dem Fässchen unter dem Arm und den Fellen über den Schultern trugen die breiten Klumpfüße den aufgebrachten Hünen mit direkten Schritten zur Weyberhütte. Glücklicherweise hatte sich dort noch keiner der Soldaten eingefunden. So wurde kurzerhand das Fell zu den Stufen der Hütte ausgebreitet und das Metfässchen bereitgestellt - es würde eine lange eisige Nacht in Wulfgard werden.

Wer konnte schon genau sagen was die gerüsteten Fremdlinge - deren unbekannter Geruch ihn beinahe in den Wahnsinn trieb - so im Schilde führten? Wer weiß, vielleicht warteten sie nur die Nacht ab um dann die Weyber zu stehlen. Es war ihm nicht geheuer. Die folgenden Nächte der Besatzung würde er rastlos vor der Weyberhütte verbringen, mit dem eigenen übermüdeten Körper das frisch gewonnene Kleinod wie auch die jüngeren und älteren Hände und Welpen des Clans überwachen. Es waren zahllose Gedanken die wieder und wieder durch den sorgenvoll wirkenden Schädel schossen. Er war kein besonders gebildeter Thyre, er wusste von Diplomatie so wenig, wie von der Gebrauchsweise einer Schreibfeder. Obgleich sein Rang in der Hierarchie nicht einmal eine Bezeichnung verdient hätte, war es die tiefe bange Sorge um das mittlerweile geliebte Rudel, das ihn wach und rastlos hielt...

Pack schlägt sey, pack verträgt sey. Wey syn nuad alle zwey Schrytt groß und sehen aus als wären wey an der Elementen Zytze gesäugt worden. Aber wey syn Sturmheuler, wey syn eyn Rudel.