Exil
Verfasst: Donnerstag 9. Februar 2017, 00:07
Noch keinen Tag war sie in der Bruchbude, deren Wände Löcher aufwiesen, so gross wie Kokusnüsse. Es war kalt, muffig und zog wie Hechtsuppe.
Und bereits im ersten Moment hasste sie diesen Schuppen aus dem tiefsten Inneren ihres Herzens.
Entgegen der verbreiteten Meinung hatte Charna wirklich ein Herz, jedoch lernte sie früh, dass Gefühle hinderlich sind und einen nur verletzen, also trug sie nicht nur ein Schild in der Hand, sie hatte auch eines vor dem Herzen.
In seltenen Ausnahmenfällen gab sie die Deckung auf, aber noch seltener war es, dass ihr die Deckung genommen wurde... und die Ereigenisse der vergangenen Tage nahmen ihr jegliche Deckung.
Der Moment als sie in die Zelle geführt wurde, war der Moment in ihrem Leben im welchen sie realisierte, dass sie diesmal zu weit gegangen ist. Sie wusste sehr wohl, dass auf ihr Verbrechen die Todesstrafe stand, aber in ihrer Dummheit ging sie davon aus, sie würde schon irgendwie durchschlüpfen... immerhin gelang es ihr immer. Jedoch hat Charna nicht bedacht, dass sie noch nie so weit ging.
Die erste Nacht nach dem Käfig verbrachte sie in den wärmenden Armen von Mateo und in jener Nacht bemerkte sie nicht, dass von ihm eine schlimmere Kälte ausging, als sie es die Tage im Käfig über dem peitschenden Meer und den eisigen Böen erlebte. Seine Kälte traf im Inneren am nächsten Tag, zurück auf Cabeza, wie eine Flutwelle und begrub sie erbarmungslos unter sich.
Er warf ihr offen und ohne Rücksicht ihr Fehlverhalten auf. Ein Fehlverhalten welchem sie sich selber bewusst war, welches ihr Leid tat, aber welches sie nicht Rückgänig machen konnte, gleichgültig wie oft er sie mit Spott und Hohn entgegentrat.
Sie ging den meisten Bewohner der Insel aus dem Weg und wenn sie sich doch in eine Runde dazugesellte, war sie ungewohnt still. Sie fühlte sich gemieden, ausgestossen und schuldig, trotz der Tatsache, dass sich einige freuten, sie wieder zu sehen und vorallem lebendig zu sehen.
Die Woche Erholung, welche Jacq ihr zusprach um sich auf die kommende Strafe vorzubereiten, war eigentlich eine nette Geste und während des Gespräches zerbarst ihr Schild endgültig... die rothaarige Hexe weinte. Echte Tränen der Reue, des Bedauerns, des Selbstmitleids, der Trauer aber auch Tränen der Wut und Enttäuschung.
Mateo sah die Hexe aber öfter weinen. Nach dem Gespräch, welches beide zusammen mit Leo in Charnas Wohnung führte, flüchtete sie irgendwann, weil sie nicht mehr wusste, was sie zu denken oder zu glauben hat und anstelle der Kälte, welche sie fühlte wenn er sie ansah, umarmte er sie einfach nur und nahm sie in den Arm, als handelt es sich um Charna um ein zu tröstendes Kind.
Und da war Amthu, der Rumbrenner der Insel.
Charna mochte ihn, liebte ihn sogar auf ihre verquere Weise, aber nicht so wie er es verdient hatte.
Eigentlich war sie froh darüber, als er ihr beim ersten Treffen die Türe vor der Nase zuknallte und ihr jene dabei fast gebrochen hätte, ohne auf ihren Wunsch einzugehen, miteinander zu reden. Leider ging der Idiot beim zweiten Versuch mit ihm zu reden, auf Charnas Wunsch ein. Sie erklärte ihm, während sie an der Rumflasche das Etikett abpieddelte, nur um ihn nicht anzublicken, was geschah und warum er es auf diesen Wege erfuhr, dass sie ihn nicht verletzten wollte.
Der Hexe wäre es lieber gewesen, wenn Amthu sie gehasst hätte nach ihrer Erklärung und ihrem Verhalten, aber er tat es irgendwie nicht, zumindestens nicht genügend in ihren Augen.
Und beim nächsten Gespräch noch weniger, so gab er ihr ein Versprechen und sie ihm das ihre.
Doch wieder kroch die Wut und der Hass in ihr auf, Hass auf sich selber.
Leider war Charna in den Mitteln ihrer Wahl nie sonderlich feinfühlig oder weitsichtig, so reflektierte sie die wieder aufkommende Wut über ihr Handeln, über Leo, über den Westen, über Jacq, über Amthu und Mateo in Briefen. Briefe welche ihr für einen kurzen Augenblick immerhin Seelenfrieden wieder gaben. Sie verhöhnte den Westen, sie verhöhnte die Wachen, den Richter, den Henker, ihre Kunden und sie verhöhnte ihre Dealer, welche einem lukrativen Geschäft immer dem Glauben Vorzug gaben.
Mahu war der kurzweilige Seelenfrieden Charnas weniger wichtig. Ihre Entscheidung stand fest, Charna hat die Insel binnen einer Nacht zu verlassen.
Eine Entscheidung die Charnas Gefühlslage wieder nahe an den Abend heranführte, als sie realisierte, man wollte sie wirklich umbringen.
Aber Teile des zerbrochenen Schildes waren noch vorhanden und sie weigerte sich in Tränen auszubrechen oder zu betteln, lieber nickte sie in der bekannten, arroganten Art und Weise, welche Gleichgültigkeit und Teilnamslosigkeit ausstrahlte, einstuddiert in jahrelanger Übung und wendete sich um, um ihre Sachen zu packen.
Sie bat und bettelte, dass Mateo auf der Insel bleiben soll, sie wollte ihm nicht noch mehr weh tun und ihm etwas nehmen und dafür etwas geben, womit er nie glücklich werden könnte.
Adoran... der Osten... damit kann kein normaler Mensch glücklich werden. Weder Charna, aber noch weniger Mateo.
Die Bruchbude... selbst die meisten Hundehütten hatten mehr Stil... oder intakte Wände als wo Charna nun unterkam.
Der Gang aufs Schafott war mit Mateo an ihrer Seite leichter und er versprach ihr den Rücken freizuhalten... sie hingegen versprach ihm, nach Kräften etwas zu unternehmen um Mahus Richtspruch rückgänig zu machen.
Diesmal war ihr Versprechen nicht leichtfertig gegeben, diesesmal war es das Versprechen seiner Chica und sie war nicht bereit, dieses Versprechen zu brechen.
Die erste Nacht schlief Mateo mit seiner Chica, der rothaarigen Hexe in der Bruchbude in Adoran. Er angelehnt an die kahle Wand, sie mit dem Kopf auf seiner Brust. Zwar war sie matt und müde, aber die unbändige Wut, der Hass, das Selbstmitleid war gewichen.
Charna lernte selten aus einfachen Fehlern, sie musste richtig auf die Fresse fliegen und man musste nachtreten, ehe sie Fehler einsah und bereit war, loszulassen und wieder von vorne anfangen.
Und bereits im ersten Moment hasste sie diesen Schuppen aus dem tiefsten Inneren ihres Herzens.
Entgegen der verbreiteten Meinung hatte Charna wirklich ein Herz, jedoch lernte sie früh, dass Gefühle hinderlich sind und einen nur verletzen, also trug sie nicht nur ein Schild in der Hand, sie hatte auch eines vor dem Herzen.
In seltenen Ausnahmenfällen gab sie die Deckung auf, aber noch seltener war es, dass ihr die Deckung genommen wurde... und die Ereigenisse der vergangenen Tage nahmen ihr jegliche Deckung.
Der Moment als sie in die Zelle geführt wurde, war der Moment in ihrem Leben im welchen sie realisierte, dass sie diesmal zu weit gegangen ist. Sie wusste sehr wohl, dass auf ihr Verbrechen die Todesstrafe stand, aber in ihrer Dummheit ging sie davon aus, sie würde schon irgendwie durchschlüpfen... immerhin gelang es ihr immer. Jedoch hat Charna nicht bedacht, dass sie noch nie so weit ging.
Die erste Nacht nach dem Käfig verbrachte sie in den wärmenden Armen von Mateo und in jener Nacht bemerkte sie nicht, dass von ihm eine schlimmere Kälte ausging, als sie es die Tage im Käfig über dem peitschenden Meer und den eisigen Böen erlebte. Seine Kälte traf im Inneren am nächsten Tag, zurück auf Cabeza, wie eine Flutwelle und begrub sie erbarmungslos unter sich.
Er warf ihr offen und ohne Rücksicht ihr Fehlverhalten auf. Ein Fehlverhalten welchem sie sich selber bewusst war, welches ihr Leid tat, aber welches sie nicht Rückgänig machen konnte, gleichgültig wie oft er sie mit Spott und Hohn entgegentrat.
Sie ging den meisten Bewohner der Insel aus dem Weg und wenn sie sich doch in eine Runde dazugesellte, war sie ungewohnt still. Sie fühlte sich gemieden, ausgestossen und schuldig, trotz der Tatsache, dass sich einige freuten, sie wieder zu sehen und vorallem lebendig zu sehen.
Die Woche Erholung, welche Jacq ihr zusprach um sich auf die kommende Strafe vorzubereiten, war eigentlich eine nette Geste und während des Gespräches zerbarst ihr Schild endgültig... die rothaarige Hexe weinte. Echte Tränen der Reue, des Bedauerns, des Selbstmitleids, der Trauer aber auch Tränen der Wut und Enttäuschung.
Mateo sah die Hexe aber öfter weinen. Nach dem Gespräch, welches beide zusammen mit Leo in Charnas Wohnung führte, flüchtete sie irgendwann, weil sie nicht mehr wusste, was sie zu denken oder zu glauben hat und anstelle der Kälte, welche sie fühlte wenn er sie ansah, umarmte er sie einfach nur und nahm sie in den Arm, als handelt es sich um Charna um ein zu tröstendes Kind.
Und da war Amthu, der Rumbrenner der Insel.
Charna mochte ihn, liebte ihn sogar auf ihre verquere Weise, aber nicht so wie er es verdient hatte.
Eigentlich war sie froh darüber, als er ihr beim ersten Treffen die Türe vor der Nase zuknallte und ihr jene dabei fast gebrochen hätte, ohne auf ihren Wunsch einzugehen, miteinander zu reden. Leider ging der Idiot beim zweiten Versuch mit ihm zu reden, auf Charnas Wunsch ein. Sie erklärte ihm, während sie an der Rumflasche das Etikett abpieddelte, nur um ihn nicht anzublicken, was geschah und warum er es auf diesen Wege erfuhr, dass sie ihn nicht verletzten wollte.
Der Hexe wäre es lieber gewesen, wenn Amthu sie gehasst hätte nach ihrer Erklärung und ihrem Verhalten, aber er tat es irgendwie nicht, zumindestens nicht genügend in ihren Augen.
Und beim nächsten Gespräch noch weniger, so gab er ihr ein Versprechen und sie ihm das ihre.
Doch wieder kroch die Wut und der Hass in ihr auf, Hass auf sich selber.
Leider war Charna in den Mitteln ihrer Wahl nie sonderlich feinfühlig oder weitsichtig, so reflektierte sie die wieder aufkommende Wut über ihr Handeln, über Leo, über den Westen, über Jacq, über Amthu und Mateo in Briefen. Briefe welche ihr für einen kurzen Augenblick immerhin Seelenfrieden wieder gaben. Sie verhöhnte den Westen, sie verhöhnte die Wachen, den Richter, den Henker, ihre Kunden und sie verhöhnte ihre Dealer, welche einem lukrativen Geschäft immer dem Glauben Vorzug gaben.
Mahu war der kurzweilige Seelenfrieden Charnas weniger wichtig. Ihre Entscheidung stand fest, Charna hat die Insel binnen einer Nacht zu verlassen.
Eine Entscheidung die Charnas Gefühlslage wieder nahe an den Abend heranführte, als sie realisierte, man wollte sie wirklich umbringen.
Aber Teile des zerbrochenen Schildes waren noch vorhanden und sie weigerte sich in Tränen auszubrechen oder zu betteln, lieber nickte sie in der bekannten, arroganten Art und Weise, welche Gleichgültigkeit und Teilnamslosigkeit ausstrahlte, einstuddiert in jahrelanger Übung und wendete sich um, um ihre Sachen zu packen.
Sie bat und bettelte, dass Mateo auf der Insel bleiben soll, sie wollte ihm nicht noch mehr weh tun und ihm etwas nehmen und dafür etwas geben, womit er nie glücklich werden könnte.
Adoran... der Osten... damit kann kein normaler Mensch glücklich werden. Weder Charna, aber noch weniger Mateo.
Die Bruchbude... selbst die meisten Hundehütten hatten mehr Stil... oder intakte Wände als wo Charna nun unterkam.
Der Gang aufs Schafott war mit Mateo an ihrer Seite leichter und er versprach ihr den Rücken freizuhalten... sie hingegen versprach ihm, nach Kräften etwas zu unternehmen um Mahus Richtspruch rückgänig zu machen.
Diesmal war ihr Versprechen nicht leichtfertig gegeben, diesesmal war es das Versprechen seiner Chica und sie war nicht bereit, dieses Versprechen zu brechen.
Die erste Nacht schlief Mateo mit seiner Chica, der rothaarigen Hexe in der Bruchbude in Adoran. Er angelehnt an die kahle Wand, sie mit dem Kopf auf seiner Brust. Zwar war sie matt und müde, aber die unbändige Wut, der Hass, das Selbstmitleid war gewichen.
Charna lernte selten aus einfachen Fehlern, sie musste richtig auf die Fresse fliegen und man musste nachtreten, ehe sie Fehler einsah und bereit war, loszulassen und wieder von vorne anfangen.