Ein Rumbrenner auf Abwegen
Verfasst: Dienstag 7. Februar 2017, 08:46
Lautes Papageiengezwitscher riss Amthu aus seinem kurzen aber doch recht tiefen Schlaf. Mit einem deftigen Fluch auf Cabezianisch wünschte er das Viech zu Mahu, ehe er sich in seiner Hängematte umdrehte. Als das Elend einfach keine Ruhe gab, ließ er sich aus der Hängematte gleiten und stapfte aus dem Hinterzimmer des Blauen Salons. Vor der Tür suchte er wie ein Gestörter nach dem Schlafräuber, und als er den im Baum sitzend fand, brüllte der Rumbrenner wutentbrannt hinauf. "Halt den Schnabel, sonst stopf ick ihn dir und verarbeitet' dich zu een'm Papajei'nflad'n!" Der Papagei blickte anteilsnahmelos auf Amthu herunter und plapperte ihm dann nach: "Schnabel halten, Schnabel halten, aaarrrr!"
Genervt ballte Amthu die Fäuste und betrachtete das Viech genauer. Das rote Gefieder wurde von vereinzelten blauen Federn durchzogen und der Schnabel war rabenschwarz gefärbt. "Machst genauso eene große Klappe wie dat rote Monster. Muss wohl an der Farbe lieg'n! Verpiss dich, sonst hol ick dich da runt'r!" Der Papagei blieb sitzen und plapperte dann munter weiter "Ärger, Ärger, aaarrrr!". Es wurde dem Rumbrenner irgendwann zu bunt und so begann er in seinem verkaterten Zustand den Baum hochzurobben. Der Papagei machte sich einen Scherz mit ihm und flatterte fluffiger Flügel weiter auf das Dach. "Aaarrrr, eines Tages find ick dich und dann dreh ick dir den Schnabel um!" Zeternd kletterte Amthu den Baum runter und verkroch sich wieder in seiner Hängematte. Dabei kamen die Gedanken in ihm auf, die er im Rum hatte ertränken und von der verdammten Isla hatte spülen wollen.
Immerwährende Blicke gen Norden, der darauf folgende Seegang und leises Gemurmel von zwei Grünschnabeln, die ihn ob seines Zustandes ausrauben wollten. All das bekam Amthu nur am Rande mit, bis sich auf der Bank neben ihm etwas rührte. Der Blick aus blassgrünen Augen reichte, um seine vernebelten Gedankengänge zu vertreiben. Nach langer Überredungskunst ließ er sich heimbringen und verbrachte die wohl letzte Nacht mit seiner Knusperkrabbe. Er hätte sie zum Klabautermann wünschen sollen, doch er konnte es nicht. Als er ihr dann in einem schwachen Moment berichtete, dass er vorgehabt hatte sie zu der Seinen zu machen, war die Eiseskälte gebrochen und zum zweiten Mal an diesem Tag sah er die Rothaarige in Tränen vor sich. Er fing sich ein gerührtes "Idiot" von Charna ein und erwiderte nur verbissen, dass er nur zu dumm gewesen war, um sie eher zu fragen. Es hätte alles verändert, die Dinge wären anderer Wege verlaufen. Und nun waren sie an einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gab.
"Versprech mir keen'n Ärger zu machen und dir wied'r dat Vertroo'n aller zu erkämpfen. Und die schrullige Mahu wird man ooch irgendwie besänftigen könn'n. Und werd verdammt noch eens diese hohle Birne los, sonst entsorg' ick ihn im Haf'nbegg'n. Komm sobald wie möglich zurück, sonst such ick nach dir und ick werd dich find'n, dat versprech ick dir... Und wenn du nich mitkommst, werd ick dir nimm'r vonner Seite weich'n und bei dir bleeb'n... Een weiteres Mal lass ick dich nich alleene." Mit jenem Versprechen erhob sich der Rumbrenner und holte aus dem Hinterzimmer die beiden Schilder, die er erst vor ein paar Tagen aus der Erschossenen Möwe mitgenommen hatte. Charna kannte den Text zu zu gut, sie brauchte ihn nicht zu lesen als sie die Schilder in Empfang nahm. Wer die Knusperkrabbe befummelt oder knutscht, kriegt lebenslange Rumprohibition und Hausverbot. Der Wirt! Ihr Widerworte, dass er die Schilder noch gebrauchen könnte, erstickte er im Keim. "Ick broock die Schild'r erst wieder, wenn du zurück bist." Es war ein Versprechen, dass er ihr damit gab. Ein Versprechen, dass er nicht leichtfertig anbrachte, dafür aber eines aus der dunkelsten Ecke seines Herzens. Er stattete die Knusperkrabbe mit Reiseproviant aus und rang ihr um ein Neues das Versprechen ab nichts Dummes anzustellen, bevor er sie dazu drängte endlich zu gehen. Und so hatte er Charna das letzte Mal gesehen, während sie mitten in der Nacht ihren wohl schwersten Gang über die Isla machte. Amthu hatte sich fluchend in den blauen Salon begeben und war irgendwann in seiner Hängematte weggenickt, als der Rum endlich seinen Tribut gefordert hatte.
"Dat wird een Spaß... Aber wär ja nich dat erste Mal, dat ick in eener Stadt voller Adliger unterwegs bin. Mios dio... Ick hoff sie stellt niggs an." Brummend erhob er sich aus seiner Hängematte und begann seine Kiste durchzuwühlen. Schwerbewaffnet nahm er eine Passage nach Bajard und begann damit wieder an seinen eingerosteten Fechtkünsten zu feilen. Die würde er brauchen, wenn er im Hintergrund ein Auge auf sie haben wollte. "Mi corazon... Du bringst mich noch ins Grab," murmelte er, während er durch den Wald von Tirell stapfte und kleinen Möchtegernbanditen in einem blutigen Gemetzel den Gar ausmachte.
Genervt ballte Amthu die Fäuste und betrachtete das Viech genauer. Das rote Gefieder wurde von vereinzelten blauen Federn durchzogen und der Schnabel war rabenschwarz gefärbt. "Machst genauso eene große Klappe wie dat rote Monster. Muss wohl an der Farbe lieg'n! Verpiss dich, sonst hol ick dich da runt'r!" Der Papagei blieb sitzen und plapperte dann munter weiter "Ärger, Ärger, aaarrrr!". Es wurde dem Rumbrenner irgendwann zu bunt und so begann er in seinem verkaterten Zustand den Baum hochzurobben. Der Papagei machte sich einen Scherz mit ihm und flatterte fluffiger Flügel weiter auf das Dach. "Aaarrrr, eines Tages find ick dich und dann dreh ick dir den Schnabel um!" Zeternd kletterte Amthu den Baum runter und verkroch sich wieder in seiner Hängematte. Dabei kamen die Gedanken in ihm auf, die er im Rum hatte ertränken und von der verdammten Isla hatte spülen wollen.
Mit einem kräftigen Fausthieb schlug er auf die Wand neben sich ein, sodass der schnöde Putz von jener herunterrieselte. Schmatzend drehte er sich von der Wand weg und begann auf seine Faust zu starren. Seine Gedanken drehten sich unaufhörlich weiter wie das große Rad einer Wassermühle. Veilya hatte ihm auf seine Nachfrage hin am zurückliegenden Abend mitgeteilt, dass es einen Weg gäbe zu vergessen. Einer, der nicht leichtfertig eingeschlagen werden sollte. Wollte er es so? Brummend dachte Amthu daran, wie es sich dazu entwickelt hatte.Amthu Lesar, 1. Eisbruch 260, hat geschrieben:Begleitet von einem gefährlich klingenden Zähneknirschen schloss Amthu die Erschossene Möwe ab und versicherte sich durch lautes Türrütteln, dass auch wirklich abgeschlossen war. Im Zweifel würde er die Taverne sowieso ausgeraubt und geplündert vorfinden, sollten sie je wieder den Hafen der Isla ansteuern. Es war eine Fahrt ins Ungewisse, dessen Ausgang bis zuletzt offen bleiben würde.
Immerhin hatte sich die Mannschaft nochmal die ein oder andere Buddel Rum und auch Wildkraut gegönnt, man wusste schließlich nie, ob es die letzte Gelegenheit gewesen war.
Mit schweren Schritten stiefelte Amthu zum Blauen Salon und verzog sich in das Hinterzimmer. Dort klappte er seine Lagertruhe mit einem ohrenbetäubenden Quietschen auf und begann dessen Inhalt zu durchwühlen. Als er fündig wurde, zog er einen alten Seesack heraus und warf ihn in seine Hängematte. Mit einem recht unentspannten Gesichtsausdruck begann er das verfluchte Teil zu durchwühlen und erinnerte sich daran, wann er den Seesack das letzte Mal in den Flossen gehalten hatte. Damals war er von Bord der Blauen Lady gegangen und war nie mehr dorthin zurück gekehrt. Die Meuterei hatte seinen Capitano und Lehrmeister das Leben gekostet, mochte der Klabautermann seiner schwarzen Seele gnädig sein. Die alten Erinnerungen wurden verdrängt, indem er eine Bestandsaufnahme seiner alten Sachen machte. Allerhand Kram wie ein Kompass, ein Sextant, unzählige Seekarten, Feuersteine, diverse Messer und kleine Flaschen mit Alkohol kamen dabei zum Vorschein. Dazu packte er Reiseproviant, eine blecherne Wasserflasche, einfache Kleidung und das ein oder andere Seil.
Nach kurzer Zeit wurde der Seesack zugezogen und geschultert, nur um dann an Bord der Namenlosen verfrachtet zu werden. Auf dem Weg zum Hafen wurden Amthus Gedanken immer finsterer, Wut mischte seinen Geist gehörig auf. Er hatte in seinem Leben schon einige Weiber überstanden, die sich durch ihr törichtes Verhalten in brenzlige Situationen gebracht hatten. Nie war eine davon aber soweit gegangen wie Charna es getan hatte. Er verfluchte sie dafür und hoffte insgeheim, dass man sie lebend aus Rahal herausbringen konnte. Und wenn ihnen das gelang, würde sie sich auf die gesammelte Wut der Meute einstellen müssen. So leicht würde das Leben auf der Isla nicht mehr werden, die Knusperkrabbe hatte sich das selbst eingebrockt. Murrend stapfte Amthu über die Planke auf das Schiff. Dabei griff er unbewusst an seine Hosentasche und erfühlte eine kleine Schatulle, die er als Reisegepäck ebenfalls eingepackt hatte. Sollte Charna lebend aus der Sache rauskommen, so würde er sie zu der Seinen machen. Nur um sie von weiteren Dummheiten abzuhalten und ihr klar zu machen, was sie ihm wirklich bedeutete. Die Zeit dafür war gekommen.
Aye, er hatte jeden erdenklichen Grund dazu es zu vergessen. Den ganzen Mist hinter sich zu lassen und zu einfach nur zu vergessen. Doch es gab auf dieser gottlosen Isla Dinge, die selbst hier ein Novum waren. Dinge, wie eine Verbannung der Knusperkrabbe von der Isla. Mahu hatte ihr Recht gefordert und Charna von Cabeza verbannt. Tatsächlich konnte sich der Rumbrenner nicht daran erinnern, ob es je eine Verbannung eines Individuums gegeben hatte. Woran er sich aber noch immer mit gestochener Schärfe erinnern konnte, waren die zwei Momente, in denen er alleine mit der Knusperkrabbe gewesen war. Am vorherigen Nachmittag erst hatte sie Worte der Entschuldigung und der Reue kundgetan. Er hatte zum ersten Mal Tränen in ihren Augen gesehen. Ob sie echt gewesen waren, fragte er sich seitdem und er fand einfach keine Antwort. Spätestens seit der Verbannung war dem Rumbrenner klar geworden, dass er sie nicht einfach so ziehen lassen konnte. Nach einer Freirunde Rum in der Erschossenen Möwe hatte Amthu sich zum Hafen geschlängelt und war dort auf einer Bank und an den dahinterstehenden Masten gesunken.Amthu Lesar, 2. Eisbruch 260, hat geschrieben:Mit schwerem Schädel saß Amthu an einem der ausgedienten Rumfässer, die er als Tisch im Blauen Salon seit Anbeginn aufgestellt hatte. Der Rumbrenner sah mit glasigem Blick vor sich auf eine seiner seltenen Rumbuddeln. Es waren vielleicht noch 3 Kisten davon übrig, und erst heute hatten Veilya und Amthu zwei Buddeln von diesen Kostbarkeiten geöffnet, um sich den feinen weißen Rum hinter die Binde zu kippen. Mit einem mordlustigen Fluch fegte er die alte Buddel mit seinem kräftigen Arm vom Tisch, Staub stieb dabei empor. Als der Bernsteinblick sich auf den Boden auf das Etikett richtete, an welchem nun zahlreiche Scherben klebten, brummte er gefährlich tief auf, fast klang es wie das bedrohliche Knurren eines Wolfes, der in die Enge getrieben wurde.
Die Zeichnungen auf dem Etikett der zerbrochenen Buddel kamen ihm vor als wollten sie ihn verhöhnen, es fehlte bloß noch das liebliche und durchtriebene Lächeln von Laienne. Die Krone, auf der quer darüber ein edel verzierter Dolch ruhte, erinnerte Amthu nur all zu deutlich daran, dass er verraten worden war. Ein nunmehr zorniger Blick auf seinen Unterarm folgte, als er das verfluchte Motiv in feinen Linien auf seinem Unterarm sah. Treue bis in den Tod hatte er seiner Königin geschworen. Und sie hätte ohne mit der Wimper zu zucken sein Leben ausgehaucht, als sie ihn verraten hatte. Es war immer das Gleiche mit den Weibern, dachte er sich mit rumvernebeltem Blick und ließ seinen Kopf auf das Rumfass sinken.
Auch bei Arvana hatte er dieses Katz und Maus Spielchen nur all zu oft durchlebt und viel wichtiger noch überlebt. Nach ihr hatte er sich geschworen die Finger von den Weibern zu lassen und sich nur noch mit Freudenmädchen das Leben schön zu machen. Seine Vorsätze hatten nur solange gewehrt, während er auf hoher See gewesen war. Spätestens seit der Meuterei seines alten Capitanos und dem Stranden auf der Isla waren diese Vorsätze wieder mit der nächsten Flut davongespült worden. Erst war es Yvette gewesen, die seine Zuneigung gewonnen hatte, und viel später nach ihrem Verschwinden das kleine rote Monster Charna. Er schüttelte den Kopf, der dabei in einem fiesen Geräusch über den Fassdeckel schliff und stöhnte tief auf. Der eine Gedanke hatte sich seit Veilyas Worten fest in seinen Kopf gesetzt und ließ ihn nicht mehr los. Ihren gebrochenen Anblick in diesem Rahaler Käfig zu sehen und zu wissen, dass Charnas freche Klappe schweigen würde, weil sie nicht mehr die Kraft besaß etwas zu sagen oder zu flüstern. War es das wert? Nur für diesen einen Moment nach Rahal einzumarschieren, um ihre Befreiung zu sehen. Eine Befreiung, die nur durch ihre eigene Torheit notwendig geworden war? Leo hatte Recht, als er gegen dieses Manöver gestimmt hatte. Und sie hatte es damit nur noch schlimmer gemacht, die Hochzeit von Leo und Lis wurde dadurch nur bestärkt.
Er hiefte den Kopf hinauf und rieb angestrengt seine Stirn. Als sich die Lippen seines Mundes zusammenpressten, traf er seine Entscheidung. Sie hatte jedes Recht verwirkt, dass sie je genossen hatte, und dieses letzte Mal würde er ihr nicht verzeihen. Sollte Mateo sein Leben aufs Spiel setzen und das durchtriebene Ding alleine befreien, damit er sich mit ihr wieder in der Hängematte vergnügen konnte. Brummend erhob er sich und machte sich daran die Schlösser an Türen und Kisten des Blauen Salons und der Erschossenen Möwe auszutauschen. Als sein Werk erledigt war, lief er von einem leichten Seegang begleitet zum Hafen und holte seine Ausrüstung von der Namenlosen. Auch ohne seine Entscheidung einzurechnen, hatte das Pack in Mehrzahl entschieden sie zu befreien. Auf dem Rückweg zum Blauen Salon warf er die Schatulle aus seiner Hosentasche mit geöffnetem Deckel in das Hafenbecken und sah dabei zu, wie die beiden Zeichnungen für die Hautbilder davongespült wurden. Sein letzter Blick galt der roten Zeichnung der Knusperkrabbe, die sich langsam auflöste. Es hatte sich ausgeknuspert. Mit einem verstimmten Murren riss er die Tür zum Blauen Salon auf und ließ sie dann knarzend in ihre Angeln zurückfallen. Dann stiefelte er in das Hinterzimmer und setzte ein Schreiben auf, welches er noch in der Nacht überall auf der Isla aufhing. Jeder, der es zu lesen bekam, konnte darauf folgende Zeilen erblicken:
- Hola chicas und chicos,
ab sofort ist ne lebenslange Rumprohibition für Mateo und Charna verhängt. Jeder, der den beiden etwas von meen'm Rum ausjibt, wird von dem gleich'n Schicksal heemjesucht.
Weiterhin sei verkündet, dat ick ne neue Aushilfe für die Möwe suche. Interessenten können sich für een Jespräch bei mir meld'n.
gez. Amthu Lesar
Rumbrenner von La Cabeza
Inhaber der Erschossenen Möwe
Eigentümer der ersten Cabezianischen Plantage
Lagermeister der Bruderschaft
Smutje auf der Namenlosen
Immerwährende Blicke gen Norden, der darauf folgende Seegang und leises Gemurmel von zwei Grünschnabeln, die ihn ob seines Zustandes ausrauben wollten. All das bekam Amthu nur am Rande mit, bis sich auf der Bank neben ihm etwas rührte. Der Blick aus blassgrünen Augen reichte, um seine vernebelten Gedankengänge zu vertreiben. Nach langer Überredungskunst ließ er sich heimbringen und verbrachte die wohl letzte Nacht mit seiner Knusperkrabbe. Er hätte sie zum Klabautermann wünschen sollen, doch er konnte es nicht. Als er ihr dann in einem schwachen Moment berichtete, dass er vorgehabt hatte sie zu der Seinen zu machen, war die Eiseskälte gebrochen und zum zweiten Mal an diesem Tag sah er die Rothaarige in Tränen vor sich. Er fing sich ein gerührtes "Idiot" von Charna ein und erwiderte nur verbissen, dass er nur zu dumm gewesen war, um sie eher zu fragen. Es hätte alles verändert, die Dinge wären anderer Wege verlaufen. Und nun waren sie an einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gab.
"Versprech mir keen'n Ärger zu machen und dir wied'r dat Vertroo'n aller zu erkämpfen. Und die schrullige Mahu wird man ooch irgendwie besänftigen könn'n. Und werd verdammt noch eens diese hohle Birne los, sonst entsorg' ick ihn im Haf'nbegg'n. Komm sobald wie möglich zurück, sonst such ick nach dir und ick werd dich find'n, dat versprech ick dir... Und wenn du nich mitkommst, werd ick dir nimm'r vonner Seite weich'n und bei dir bleeb'n... Een weiteres Mal lass ick dich nich alleene." Mit jenem Versprechen erhob sich der Rumbrenner und holte aus dem Hinterzimmer die beiden Schilder, die er erst vor ein paar Tagen aus der Erschossenen Möwe mitgenommen hatte. Charna kannte den Text zu zu gut, sie brauchte ihn nicht zu lesen als sie die Schilder in Empfang nahm. Wer die Knusperkrabbe befummelt oder knutscht, kriegt lebenslange Rumprohibition und Hausverbot. Der Wirt! Ihr Widerworte, dass er die Schilder noch gebrauchen könnte, erstickte er im Keim. "Ick broock die Schild'r erst wieder, wenn du zurück bist." Es war ein Versprechen, dass er ihr damit gab. Ein Versprechen, dass er nicht leichtfertig anbrachte, dafür aber eines aus der dunkelsten Ecke seines Herzens. Er stattete die Knusperkrabbe mit Reiseproviant aus und rang ihr um ein Neues das Versprechen ab nichts Dummes anzustellen, bevor er sie dazu drängte endlich zu gehen. Und so hatte er Charna das letzte Mal gesehen, während sie mitten in der Nacht ihren wohl schwersten Gang über die Isla machte. Amthu hatte sich fluchend in den blauen Salon begeben und war irgendwann in seiner Hängematte weggenickt, als der Rum endlich seinen Tribut gefordert hatte.
"Dat wird een Spaß... Aber wär ja nich dat erste Mal, dat ick in eener Stadt voller Adliger unterwegs bin. Mios dio... Ick hoff sie stellt niggs an." Brummend erhob er sich aus seiner Hängematte und begann seine Kiste durchzuwühlen. Schwerbewaffnet nahm er eine Passage nach Bajard und begann damit wieder an seinen eingerosteten Fechtkünsten zu feilen. Die würde er brauchen, wenn er im Hintergrund ein Auge auf sie haben wollte. "Mi corazon... Du bringst mich noch ins Grab," murmelte er, während er durch den Wald von Tirell stapfte und kleinen Möchtegernbanditen in einem blutigen Gemetzel den Gar ausmachte.