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Federico Durenald

Verfasst: Sonntag 5. Februar 2017, 01:22
von Gast
Federico ist in einer armen, hart arbeitenden Familie aufgewachsen. Sein Vater Raul, anfangs Hofbesitzer und Bauer wurde seines Landes von der Krone beraubt und musste die geliebte Heimat mitsamt Familie verlassen. Fortan verdingte er sich als Gelegenheitsarbeiter in einer Küstenstadt und fand zum Alkohol, worunter die Familie arg litt. Die wenigen Gelegenheitsarbeiten die der Vater auftreiben konnte brachten bei weitem nicht das Gold ein, um dessen Alkoholkonsom auszugleichen, weshalb Federico früh mit dem Stehlen anfing und sich meist auf dem städtischen Markt herumtrieb. Federicos Zwillingsbruder Alberto, dessen einziges unterschiedliche Markmal kurze Haare waren ist im Alter von 10 Jahren beim Schwimmen im Hafenbecken ertrunken. Seine Mutter, eines ihrer geliebten Kinder beraubt ertrug den Verlust nicht und verließ die Familie und fand Trost in den Armen eines anderen Mannes in einer anderen Stadt, was seinen Vater nur noch tiefer in den Alkoholkonsum trieb. Raul, vom harten Werdegang der Familie und vom Alkohol gezeichnet machte für dieses schreckliche Schicksal Federico verantwortlich und gab ihm dies auch mit einem Lederriemen und den bloßen Fäusten zu verstehen. Die Schläge mit dem Riemen brachten Federico die ein oder anderea tiefe Narbe auf dem Rücken ein und so manche schlaflose Nacht.

Es war ein Tag im Sommer, Federico war gerade 13 Jahre alt geworden, der sein Leben von Grund auf verändern sollte. Denn an diesem Tag, Federico schlich wieder über den Markt auf der Suche nach einem Goldbeutel, dem er einem unachtsamen Marktbesucher vom Gürtel schneiden konnte, machte er die Bekanntschaft mit Juanito und seinen Freunden Fidel, Hernan und Evita. Diese vier, allesamt Waisen die sich wie er selbst das Brot beim Stehlen verdienten, hatten schon länger ein Auge auf ihn geworfen. Er machte ihnen nämlich nicht nur das Revier streitig, sondern auch die Beute auf die sie es ebenso abgesehen hatten. So geschah es, dass die Vier ihn in einem Moment, in dem sein Augenmerk gerade den Goldbeutel eines Marktbesuchers fixierte abfingen und ihn grob in eine von Holzkisten verstellte Ecke des Marktes zerrten.

„Was zum Henker machst du hier?! Das ist unser Revier! Du hast zwei Möglichkeiten. Entweder du verschwindest oder du schließt dich uns an!“ Fidel, ein kleiner, verfressener Lockenkopf hielt ihn dabei mit einem kleinen, aber dennoch gefährlichen Messer in Schach. Hernan tat dies mit seiner Steinschleuder ebenso. Evita stand währenddessen hinter Juanito und hielt ausschau, ob sie nicht die Aufmerksamkeit einer Wache auf sich zogen.

„Also?! Rede verdammt nochmal!“

11 Jahre später:

Federico, Juanito, Fidel, Hernan und Evita sind mitlerweile junge Erwachsene geworden, die in den Jahren nicht nur enger zusammengewachsen sind, sondern auch ihre Fähigkeiten ausbauen konnten. Fidel hat sein kleines Messer mittlerweile gegen einen anständigen und in der Gegend gefürchteten Säbel ausgetauscht. Hernan hat die Steinschleuder beiseite gelegt und verwendete von nun an eine Muskete, die er einer Wache bei einem Raubzug abgenommen hatte. Evita, mit noch längeren feuerroten Haaren als vorher sorgte wie keine Andere für die nötige Ablenkung. Juanito, damals wie heute Anführer der kleinen Bande, die von Zeit zu Zeit auch Zuwachs hatte heuerte einige Jahre auf See an, ist nun aber wieder zurück und ist ein enger Freund von Federico.

In einem kleinen Unterschlupf vor den Toren der Stadt, den sie sich ausgekundschaftet hatten und für sicher hielten wurde der nächste Raubzug geplant. Juanito hatte einen wahnsinnigen Plan ausgeheckt. Er wollte in einer Nacht und Nebenaktion ein kleines Handelsschiff kapern und mit der Ladung zusammen stehlen.

„Also was meint ihr? Ich habe alles ausgekungelt. Der fette Kapitän lässt sich mitsamt seiner Crew bis tief in die Nacht in der Hafenspelunke volllaufen. Morgen Abend.... morgen Abend haben wir die letzte Möglichkeit das Ding zu drehen!“ Federico stimmte sofort zu, genauso wie die Anderen. Sie griffen nach den Sternen.

„Wenn dieser Plan funktioniert, sind wir gemachte Leute! Dann ziehen wir wie Piraten übers Meer und stehlen und klauen alles was uns unter die Finger kommt!“ stimmte Federico in die aufgeheizte Stimmung ein. Der Abend endete dieses mal früh, wollten sie doch für den kommenden mit allen Sinnen dabei sein.

„Fidel, du schneidest der ersten Wache die Kehle durch! Hernán, du sicherst uns den Fluchtweg ab, Federico, dem Zweiten polierst du die Fresse! Ich kümmer mich um die dritte Wache und Evita, du kleine Hexe! Du ziehst ihre Aufmerksamkeit auf dich! Habt ihr verstanden?“ Ein zustimmendes Nicken aller erging an Juanito.
„Also dann! Ans Werk!“ Alle hatten sich hinter der Hafenkneipe versteckt, den fetten Kapitän und dessen Crew beobachtet und den richtigen Moment abgepasst. Die Crew saß feuchtfröhlich und laut gröhlend drinnen und war mehr mit dem Saufen beschäftigt als mit ihrem Schiff. Evita war die Erste, ihre Augabe war es die drei Wachen der Stadtgarde abzulenken, ihre Blicke auf sich zu ziehen damit die Anderen sich unbemerkt nähern konnten. Sie stolzierte wie die prächtigste Hafenhure dahin die die Wachen je gesehen haben sollten, der kurze Rock tat sein übrigens um ihre gierigen Blicke komplett auf sich zu lenken. Fidel war der Nächste. Auf Zehenspitzen und leise wie ein Katze auf der Pirsch schlich er an die hinterste Wache heran, seinen rasiermesserscharfen Säbel bereits gezückt. Knapp hinter der Wache schlang er ihr auch schon seinen linken Arm um den Kopf. Kaum konnte die Wache reagieren, rann das dickflüssige Rot bereits an dessen Wanzt herunter und sackte unter Aufwendung Fidels ganzer Kraft langsam zu Boden. Währenddessen hatten Federico und Juanito bereits Stellung hinter den anderen Wachen bezogen die noch immer geifernd Evita hinterher glotzten und garnicht mitkriegten was da hinter ihnen geschah. Federico blickte noch einmal über die Schulter zu Juanito der ihm ein Nicken rüberwarf und somit das Zeichen zum Angriff gab. Federico holte mit aller Kraft aus und rummste dem Wachmann die rechte Faust in den Nacken, die linke schlug mit aller Kraft in die Seite um den Schmerzensschrei verstummen zu lassen. Als die Wache mit schmerzverzerrtem Gesicht seitlich nach links sackte, griff er mit der linken in die rechte Hand, holte weit nach oben aus und schlug mit aller ihm zur Verfügung stehender Kraft in Richtung des Schädels des Wachmanns, der sogleich bewusstlos zu Boden fiel. Ein weiterer Blick zu Juanito verriet, dessen Gegner lag bereits schnarrchend neben der Leiche des ersten Wachmannes. Geschafft.... den erste Teil des Plans haben wir hinter uns, dachte sich Federico. Jetzt auf zu Teil zwei. Das Schiff lag seelenruhig und was viel wichtiger war, jetzt auch unbewacht im Hafenbecken. „Evita! Hernán!“ Rief Federico möglichst leise rüber und winkte sie heran. Sie versammelten sich vor dem Schiff, steckten die Köpfe ineinander und berieten erneut was nun zu tun ist. Fidel, Hernán und Juanito ziehen den Anker an Bord, Federico und Evita hissen die Segel, wie sie es so oft bei den Matrosen im Hafen beobachtet hatten. Sobald das getan ist geht Juanito ans Steuerrad und übernimmt alles Weitere. Sollte doch noch jemand aufmerksam werden, knallt Hernán alles aus seiner Muskete, was diese hergeben kann. Doch das brauchte er gar nicht. Sie verließen den Hafen unbemerkt mit dem erbeuteten Schiff und der Ladung.

Weitere 11 Jahre später:

„Hernàn! Schnapp dir eine handvoll von dem Pack und runter an die Kanonen! Fidel, Evita und Federico! Ihr und der Rest macht jeden einen Kopf kürzer der es auch nur wagt einen Fuß auf unser Schiff zu setzen! Ich bleibe am Steuer! Zieht die Köpfe ein!“ Der Tag hatte gerade erst angefangen, die ersten Sonnenstrahlen vertrieben die dahinsiechende Nacht und spendeten etwas Licht. Ein Schiff der Krone hatte das Schiff der Bande nun schon seit einigen Tagen verfolgt und zu allem Pech ist in der Nacht auch noch das Hauptsegel gerissen. Alle versuche, die letzten Winde zu nutzen und doch noch ein Versteck anzufahren waren nicht belohnt worden. Federico hatte zwar lange auf diesen Moment gewartet, ging der Konfrontation mit der Krone bisher jedoch aus dem Weg, wollte er seine Mitstreiter doch nicht in Gefahr bringen. Denn eins war allen klar, mit der Krone war nicht zu Spaßen. Gut ausgebildet, gut ausgestattet und bereit sich jedem Kampf zu stellen, dafür war sie bekannt. Nun aber ließ es sich nicht mehr abwenden. Endlich konnte er es ihnen heimzahlen, vergelten was sie seiner Familie angetan hatten. Hätten sie seinem Vater nicht den Bauernhof genommen, würde er die Äcker heute bestellen und hätte auch noch seinen Bruder und seine Mutter um sich. Aber er war wild entschlossen sich dem Kampf zu stellen. Mit gezücktem Entermesser und geladener Pistole stand er an Deck, prüfte nochmal den Sitz seiner Rüstung als es auch schon losging. Hernán hatte die ersten Kanonen abgefeuert aber daneben geschossen. Die ersten Schüsse der Krone trafen hingegen. Eine der ersten Kugeln schlug direkt in den großen Mast ein und riss ihn unter lautem Knarzen und dem Geräusch brechender Planken um. Die zweite Kugel traf direkt in den Schiffsbauch, dort wo sich Hernàn aufhielt. „Nein! Verdammt! Evita! Runter mit dir!“ Doch es war aussichtslos. Ein Mitglied der Bande kam bereits an Deck und berichtete vom Tod Hernán's. Weitere Kugeln trafen das Schiff der Bande und ließen es Leck schlagen. Kein Kampf, keine Rache. Das Schiff ging langsam aber sicher unter, die meisten sprangen bereits über Deck ins Wasser und suchten halt an allem was sie greifen konnten. In der Hektik hatte Federico seine Freunde aus den Augen verloren. Es nützte alles nichts. Er sprang selbst ins Wasser und schaffte es, sich auf eine größere Planke zu hiefen und hinter dem Schutz der Rauchschwaden davon zu treiben. Vom Verlust seiner Crew mitgenommen, trieb er einen vollen Tag auf dem behelfsmäßigen Floß. In der Ferne sah er ein grünliches Leuchten, auf das er langsam aber sicher zusteuerte.