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Begleitet vom Wächter der Nacht.

Verfasst: Donnerstag 5. Januar 2017, 13:38
von Gast


Das federne Ende des Pfeiles, welches mit den dunklen Perlen versehen war wurde an die Sehne gelegt, und zusammen mit dem Bogen hinaufgerichtet.
Jene zusammen mit dem Holzgeschoss zurückgespannt wurde die Sehne bis an die winterspröden Lippen gezogen.
Die Schwaden welche durch ihren Atem in die kühle Luft zogen, zeugten um so ruhiger er wurde, nur von mehr Konzentration.

Weit über ihr in den Bäumen hörte sie den tief vertrauten Ruf der cremefarbenen Eule, welche sie nunmehr schon 4 Jahre begleitete.
Die zu schnell urteilenden Menschen hatten sie schon für einiges gehalten, nachdem sie den wunderschönen Vogel erblickt hatten.
Sicher sei Finn eine Hexe, die zusammen mit der Eule den Tod voraus sagen könne.., was für ein Schwachsinn.
Eine Hüterin der Nacht war ihre Nyra, und so wachte sie, wenn Finn schlief. Was sie selbst nicht erfassen konnte, das machte die Eule für sie aus und rief unheilvoll durch die Nacht.

Neuerlich stieß sie den Atem wölkchenziehend in die Dämmerung, den rechten Arm vollends nach hinten gespannt und erfasste das vor ihr,
ins Visier genommene Tier.
Der Bock schien nicht das geringste zu ahnen, doch hatte Finn seit Tagen nichts gegessen, weswegen es einfach sein musste.
Mit einem gar leisem Zischen schoss der Pfeil Richtung Tier.

Mit einem klagenden Ruf, welchen Finn mit erwartenden, geschlossenen Augen eher ungern hinnahm, ging der Rehbock zu Boden und sah aus ängstlichen Augen zu ihr auf als sie näher trat.
Neben ihm ging sie in die Knie und streckte die nackte Hand nach dem Fell des Bockes aus, welche an jener Stelle schon Blut gelassen hatte.
Eingetaucht in das noch warme Leben, fuhr sie sich mit zwei Fingern über die Wange und flüsterte leise:

"
Tut mir Leid mein Freund, möge deine Seele Frieden finden."
Mit den gesprochenen Worten, legte sie sanft ihre Hand auf die großen Braunen Augen und zog den Dolch, welcher schnell aus dem Gurt gefunden hatte über die Kehle des Tieres.
Ruhige wartete sie einen Moment, ehe sie die Hand hinab nahm.
Der Schrei des kleinen Greifvogels in den Bäumen kam fast, als würde er tatsächlich den Tod des Rehs verkünden, doch war Nyra am heutigen Abend sicher nur an dem Anteil der Beute intressiert.

Das Blut, welches langsam auf ihrer Wange trocknete und die Sommersprossen verdeckte, wurde ignoriert während sie vorsichtig das Fleisch, wie auch das Fell von Sehnen und dem Rest trennte.
Die Überreste des heutigen Helfers wurden ordentlich mit einer Schicht Schnee bedeckt.


Zumindest diesem Abend hatten die beiden etwas zu Essen gefunden.
Einige Tage sollte es reichen.., und schon bald sollten sie in der Nähe von dem stinkenden Fischdorf Bajard ankommen.



Verfasst: Montag 23. Januar 2017, 12:47
von Gast

Scheisskalt war es geworden!
Kaum auszuhalten wenn man kein festes Dach unter dem Kopf hatte.
Auch Nyra schien es unbehaglich zu sein, so wuselte sie ihr Federkleid immer wieder auf und schüttelte sich, ehe sie sich wieder tief darin vergrub.

Der Abend im Kerker hatte etwas seltsames gehabt.
Sie hatte sich kaum unwohl gefühlt auf dem harten Boden, welcher von kalten Steinen besetzt war.
Die cremefarbene Eule hatte sich draußen in einem der Bäume platziert und sich sichergehend die ganze Zeit umgesehen.
Sie selbst hatte die kurze Zeit genossen, Auge in Auge mit ihrer Freundin, von der sie immer wieder neues erfuhr.
Wie unterschiedlich die beiden doch waren.
Kila zierlich und klein, geschmückt von Kleidern und fein gemachten Haaren, und Finn selbst eher schnörkellos markant, die Augen dunkel umrandet.
Noch kam sie nicht damit zurecht jemanden zu haben um den es sich zu kümmern galt, hatte sie doch bisher nur die Eule an ihrer Seite gehabt, oder ein paar ungehobelte Männer, welche nicht mehr als Schläge oder unsanfte Worte für sie übrig gehabt hatten.
Doch stets gewährt hatte sie sich, und war zuletzt dann doch immer wieder gegangen.
Vielleicht strahlte sie soetwas aus, und die Kerle konnten nicht umhin, wer weiß, oder sie konnten einfach nicht mit Finns großer Klappe umgehen.

Wieder schüttelte die Schleiereule sich sanft, doch dieses Mal blieb sie entspannter zurück.
Der warme Raum, welcher von dem verdunstenden Wasser langsam etwas nebelig erschien tat ihnen beiden gut.
Welch wunderbare Idee des Nachts schwimmen zu gehen.
Nur selten traf man jemanden an, und konnte so seinen Kopf und seine Gedanken ordnen.
Stetig und mit einem leicht plätschernden Geräusch zog sie ihre Bahnen. Der Kopf der kleinen Eule folgte ihr dabei stets.
Die langen roten Wellen, welche sie aus dem Haarstrang gelöst hatte trieben in feinen Linien hinter ihr und kitzelten ihren Rücken.

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Wie es wohl kam, dass sie immer nur nette und Frauen kennenlernte und die Männer sich im Schatten von Sturheit oder Eroberungen sonnten? Streunerin sagte der eine, Hexe der andere.., der nächste schimpfte sie als nicht hübsch genug oder wollte sie nur ins Bett zerren.
Manch blondem Kerl in Bajard eilte sein Ruf bereits voraus und so hatte sie sich direkt in Acht genommen und sich von solchen Leuten fern gehalten. Das junge Mädchen welches sie mit einem falschen Namen angesprochen und mit großen Augen angesehen hatte, stellte sich dann aber als die blonde Frau heraus, welche sie gestern besucht hatte.

Aber es gab auch zutiefst nervige Frauen welche sich hier aufzuspielen schienen.
So hätte sie dem kleinen Gör welches sich im Hospital als Heilerin aufspielte am liebsten eine Abreibung verpasst.
Eine ebenso rote Haare wie sie selbst und diese andere, welche sie zum hinausgehen gezwungen hatte, ließen ihre Nerven kurz hochkochen.
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Neuerlich stieß sie sich mit den Füßen vom Beckenrand ab und zog zwei kräftige Bahnen.

Nach einiger Zeit lehnte sie sich an selbige und ließ sich tief in das warme Wasser hinabsinken.
Die angenehm erhitzte Nässe lag wie eine Schutzblase um ihren schmalen Körper.
Jeder einzelne Muskel wurde umschlossen, die rote Mähne trieb wie schwerelos neben ihren Schultern, und so war sie in diesem Moment nur sich selbst und ihren Gedanken ausgesetzt.

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Wenigstens war der Alsted in der Nähe, während sie im Kerker saß, denn wusste Finn dass er irgendetwas für eine von Kilas Freundinnen getan hatte. Der geheimnisvolle Kerl, welcher mit seiner brummigen Art, jeden verscheuchen wollte, so schien ihr, hatte nach einer gehörigen Portion Schlaf und Ruhe nur so geschrien.
Kurz hatte sie darüber nachgedacht mit Kila zu tauschen, um einige Zeit unbegründet in seiner Nähe zu sein.
Die dunklen Augenringe hatte er beim letzten Mal als sie ihn sah noch nicht gehabt. Doch... was sollte es sie kümmern.
Wahrscheinlich nur ein Kerl welcher sie am Ende doch eh nur wie ein dahergelaufenes Mädchen behandelte, wie die anderen eben auch.
Mit dem Namen Streunerin hatte er den Weg ja schon eingeschlagen.
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Mit einem entpörten Blubbern, kehrte die Luft, welche sie aus dem Mund empor steigen ließ an die Oberfläche zurück, dann drang auch sie aus dem Wasser und richtete sich auf.
Langsamen Schrittes begab sie sich zu den Stufen, und stieg jene mit nackten Füßen empor.
Nach dem Handtuch gegriffen, wurde der ebenso nackte Körper in ein Handtuch gehüllt.


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Dass sie sich um jene einzelne Menschen sorgte, sollte sie besser tief in sich verborgen halten.
Auch um Drakan machte sie sich langsam Sorgen..
Manchmal war es einfach besser, intimere Gedanken für sich zu behalten, sodass niemand sich daraus ihre Schwächen zog.
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Verfasst: Donnerstag 23. Februar 2017, 12:13
von Gast

Mit kalten und vor allem nassen Händen wurde die feuchten Äste zur Seite geschoben, aber auch kleinere Sträucher wurden beiseite gedrückt während sie sich hindurch schlengelte.
Sie sah in den Himmel und kniff die Augen gegen den stetigen Regen zusammen, welcher in ihr Gesicht peitschte.
Wie lange war sie nun schon nicht mehr in ihrer Stube gewesen?... Eine Woche? Zwei?
Doch ändern konnte man es nicht. Sie musste ihre Aufgabe beginnen und irgendwann auch vollenden.
Das sie ihre Freundin vermisste war wohl das einzige was sie in die kleine Behausung zurückzog, weswegen sie sich nach einigen Stunden des umsehens auf den Weg zurück machte.



Als sie die Treppe der Stube hinauf stieg und sich die Kaputze von den eh schon völlig nassen Haaren zog, blieb sie abrupt vor der offenen Tür stehen, welche sich ihr darbot.
Die sehnige, schlanke Hand einmal durch das Gesicht gezogen trat sie in das Zimmer, welches nicht mehr länger jenes ihrer Vertrauten war.
Das Bett war abgezogen, die Schränke waren leer.
Nichts in dieser kleinen Wohnung machte den Anschein als hatte es jemals zu einem ihrer Rückzugsorte gehört.
Das Lachen welches so oft durch die Wände gedrungen war, war verklungen und verstummt.
Kila war weg.

Sie bekam keine Luft, nur schlecht, und griff sich alamiert an ihre Kehle.
Ihre Lederkleidung war zu eng, sie musste hinaus - dringend!
Mit Mühe taumelte sie hinaus und auf ihre Tür zu.
Nur schwer wurde der Schlüssel in das Schloss geschoben und die Tätigkeit fühlte sich eher an als würde sie einen Dietrich nutzen, doch schon nach einem kurzen Moment sprang die Tür auf und Finn schwankte somit hinein.
Tasche, Ledergurte und Schlüssel landeten auf dem Flurboden während sie weiter in das Bad stolperte und panisch die Schnallen ihres Oberteiles löste.
Mit einem ächzenden Geräusch wurden sie geöffnet und mit einem schnellen und gezielten Griff aufgerissen und folglich hinab gezogen.
Der erste Atemzug schien wie eine Befreiung, ein Luftstoß der sich den Weg bahnte, wie durch eine gerade geöffnete Tür.
Auf den Marmor des Waschbeckens gestützt versuchte sie sich zu beruhigen.
Eine Hand fuhr in das Becken und schöpfte mit weniger Kraft etwas Wasser in ihr Gesicht, ehe sie sich ansah, noch immer lechzend nach Luft.

Die Kohlestift war sicher schon einige Tage nicht mehr zu sehen, und so hinterließen sie müde Ränder unter ihren Augen.
Durch die vielen Wälder die sie durchquert hatte, hatte sie sich ungewollt einige leichte Kratzer zugefügt welche sicher bald verblassen würden.
Doch nur eine Sache beunruhigte sie wirklich.

Das Wasser welches an ihrem Gesicht hinabperlte..,
vermischte sich an den Augenwinkeln mit ihren Tränen.
Die Angst und die Trauer der vergangenen Wochen hatten in einem plötzlichen Ende ihren Weg hinaus gesucht und sie schluchzte heftig, wenn auch ungewollt.




Sollte jemand sie in die Stube haben gehen sehen, so würde er lange auf ein Lebenszeichen warten, denn sie saß noch viele Stunden in ihrem Badezimmer.
Verwirrt und erschöpft an der Wand hinabgesunken.




Verfasst: Dienstag 18. April 2017, 22:38
von Gast

Erfahrene Aufmerksame, werden die vorlaute Rothaarige die Stadt verlassen sehen,
wo sie schon bald im Dickicht der umgebenen Wälder für längere Zeit verschwindet.*