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Wenn Schatten in ewiger Dunkelheit enden.

Verfasst: Montag 2. Januar 2017, 16:30
von Gast


  • Wenn Schatten in ewiger Dunkelheit enden.

    Der brennende Kopfschmerz war ihr ein stetiger Begleiter geworden.
    Dass auch ihr Arm in vielen Situationen einfach taub wurde, und ihr schon einige Male das Schwert oder sogar ein Dolch aus der Hand gefallen waren, hatte sie jedes Mal vertuscht indem sie den anderen kurzzeitig das kämpfen überließ.
    So war es nun gewiss das ihre Zeit ablief.
    Der Sand aus der Lebensuhr lief aus.
    Vielleicht war es die Strafe, die Temora ihr zuteil werden ließ, jetzt, da sie sich an Alatar gewandt hatte. Oder aber es war Sein Zeichen, dass sie zu schwach für ihn war, wer wusste das schon.


    Die Schulter schmerzte ihr, und auch der Brief an Lille war unbeantwortet geblieben.
    Die Übelkeit und der Schwindel, welchen sie zu verstecken versuchte, blieben nicht allen unentdeckt und so erwischte sie ihre Freunde manchmal dabei, wie sie sie eindringlich beobachteten.
    Doch erzählen konnte sie ihnen noch nichts, sie würden sie nicht gehen lassen.
    Die Öle, welche zur Linderung dienen sollten, hatte die Zigeunerin in Bajard ihr vielleicht auch nur verkauft um sich eine goldene Nase zu verdienen - wer weiß.
    Doch gab es auch ein anderes Fläschchen welche sie von der dunkelgelockten Frau bekommen hatte. Eine Vielzahl an beschwichtigenden Worten und einige der vergilbten und schwarz gewordenen Karten, welche einen Ort zeigten, an dem meist ein Untier auf eine Kiste achtete, waren nötig, bis sie ihr das goldschimmernde Elixier über den Tisch schob.


    "Nur drei Tropfen reichen aus meine Liebe, und wisset, es wird dann kein zurück für Euch geben.“

    "Ein zurück wird es so oder so nicht geben.“, antwortete die Rothaarige ernst, und ließ das Fläschchen in der Manteltasche verschwinden.
    Mit einigen eher schwächenden Schritten begab sie sich zurück in das derzeit schützende und sehnlichst erwartete Bett.
    Mit einem Federkiel und dunkler Tinte, begann sie die nötigen und wichtigsten Pergamente zu schreiben, denn ohne jegliches Wort zu gehen, ertrug sie nicht.
    So erreichte ein Brief kohlebeschmutze Hände in Adoran, und einer wurde in selbiger Stadt ins Hafenviertel getragen, wo ein dunkelhaariger Mann ihn entgegen nehmen sollte.
    Ein besonders wichtiger wurde mit einem Siegel versehen und nach Nilzadan zu Thor geschickt.
    Der letzte jedoch, wurde einfach auf dem Küchentisch hinterlassen.
    In den Briefen würde folgendes.., und wahrscheinlich auch noch viele Einzelheiten mehr zu lesen sein:

______________________________

Heinrik,
dass du nichts von mir hörtest war stets ein gutes Zeichen hm?
Doch heute schicke ich dir etwas, damit du weißt das es
nicht mehr gut ist.
Die Zeit die mir bleibt ist eine kleine, und so werde ich
es in alter Manier selbst in die Hand nehmen.
Ich wäre damit zu dir gekommen,
doch weiß ich leider, dass du mich zu jedem Heiler in ganz
Gerimor geschleppt hättest, und das wollte ich
vermeiden.
Nimm es mir nicht übel,
aber es besser so.
In deinem Leben ist schon lange kein Platz mehr
für mich.

Dass ich dich hasse in dieser Verkleidung vom
Regiment muss ich dir sicher nicht sagen,
doch wisse, stolz war ich insgeheim immer auf dich.
Vergiss nur dich selbst dabei nicht.
Leb wohl.

In Liebe
L.

______________________________

Es ist soweit Nera,
es ist wie es kommen musste und kommen wird.
Und eigentlich wusstest gerade Du ja immer,
dass es einmal so passieren wird.
Ich bin froh dass du jemanden an
deiner Seite gefunden hast, der dich stärkt.
Sollte es anders sein, hätte ich
dem Göhr wohl vorher noch die Ohren
lang gezogen.

Leb wohl mein Lieber.
Lym.

______________________________



Mein liebster Kalure,
es bedarf sicher nicht viel Erklärung,
denn ich weiß Cirmias lässt dich verstehen.
Bald werden wir uns wiedersehen,
wenn deine Esse auf ewig glühen wird,
dort bei den Göttern welche uns unsterblich machen.

deine Lymmi.

______________________________

Seinen Segen ihr Zwei.
Wenn ihr den Brief hier findet, dann bin ich nicht mehr zuhause.
Und ja, ihr hattet Recht wenn ihr mich mit argwöhnischen
Augen betrachtet habt. Es ging mir schon lange Zeit nicht mehr gut.
Aber ich habe die Hoffnung dass es besser werden wird.
Ich werde allem ein Ende setzen und ich hoffe
ihr könnt mir eines Tages verzeihen.

Das Zuhause, welches ich bei euch hatte..
war wirklich einmalig.
Habt dank.
In ewiger Freundschaft
Lymeria.



*Nur auf den letzten Brief hatte sie eine Karte gezeichnet, welche an der
Rückseite zu finden war, und mit einem roten Tintenkreuz gekennzeichnet.
Dort sollte sich das kleine zerfallene Waldhäuschen befinden.
Außerdem hatte sie den beiden die Namen der drei
anderen hinterlassen, sollte etwas sein.*

______________________________

  • Nie war sie eine schwache Frau gewesen, zumindest nach außen hin nicht,
    doch die Qualen die sie hier ertrug waren eine andere Art von Schmerz.
    Der Kopf schien ihr jegliche Kraft zu rauben und wollte sie scheinbar leiden lassen.
    Doch musste sie es selbst tun.
    Die Zigeunerin hatte ihr Recht gegeben, es würde zuende gehen,
    und so wollte sie sich diese Entscheidung nicht vom Schicksal abnehmen lassen.
    Natürlich könne sie die Zeit genießen die sie noch hatte, doch nach und nach die Kontrolle über ihren Körper zu verlieren,
    würde sie in ihrer Würde schwächen und ihr das Sein nehmen.
    Die ganzen Mühen umsonst... Der Kummer den sie ihr Leben lang ertragen hatte war umsonst geblieben, und auch Alatar konnte sie nun nicht mehr schützen.

    Ihre Habseligkeiten hatte sie an Marinnia gegeben, so sollte jene alles gerecht an diejenigen aufteilen, welche es in der Not gebrauchen konnten.
    Kleider, Rüsten, Schwerter und auch Essen und Gold, fand man sie an jenem Abend über den Tresen reichend, in der Bajarder Bank.
    Bestimmte Erinnerungen aber, hatte sie an einen Boten gegeben und mit Zetteln versehen, damit er auch wusste, wo er sie hinbringen sollte.

    Nur einen Stundenlauf später, machte sie sich auf den Weg zu dem Ort wo alles begonnen hatte.
    Das kleine Waldhaus ihrer Eltern.
    Zerfallen und bis aufs letzte ausgeräumt, fand sie hier nichts, außer verblassenden Erinnerungen, welche sie mit dem goldflüssigen Elixier ebenfalls auslöschen würde.
    Ob es wieder ihr Kopf war der ihr einen Streich spielte, oder ob sie sich nach der langen Zeit einfach nicht mehr erinnern konnte.., das war ihr ungewiss.

    Drei Tropfen…
    Wie ihr geheissen gab sie jene drei Tropfen in den guten, mitgebrachten Rum und ließ ihn einen Moment stehen,
    bis sie sich ein kleines Feuer gesammelt und angezündet hatte.
    Die Haare zu einem strengen Zopf geflochten ließ sie sich an einer der feuchten Holzwände herabsinken und dachte einen Moment an die Menschen, die ihr begegnet und sie gezeichnet hatten.

    Heinrik, Thorgasch, Neralon, Yoke, Rince und Hans, Ana, die beiden Kethyrr's,Torjan, und jetzt auch Kila und Drakan.
    Der letzte Gedanke blieb an einem rothaarigen Mann hängen, welcher einen zerzausten Bart hatte und kohlrabenschwarze Hände aus der Mine, welche sich beruhigend auf ihr Handgelenk legten,
    ehe sie den Rum in einigen Zügen und ohne sich Sorgen zu machen, leerte.
    Dann schweifte sie zu dem kleinen Kaluren, welcher sie oft geschützt und behütet hatte. Das donnernde Lachen, wie Cirmias wenn er mit dem Hammer auf das Mithrill schlug, würde sie wahrlich vermissen.

    Ein warmes Gefühl machte sich in ihr breit und schien in ihren Kopf zu steigen, welcher mit einem schmerzhaften Pochen antwortete, ehe sie bemerkte, dass bereits ein rotes Rinnsal aus ihrer Nase hinab lief.
    Auch einige einzelne Tränen rannen ihre Wangen hinab, während sie hoffte, die geliebten Menschen und den Kaluren bald in einer anderen Welt wiederzutreffen.
    Die Luft nach der sie zu schnappen versuchte, versiegte langsam,
    denn scheinbar hatte das gar kostbare „Gold“ ihr nun die Kehle zugeschnürt und sorgte für das ersehnte und selbstbestimmte Ende.

    Es schmerzte, ja, es brannte sogar, doch sie biss sich auf die Unterlippe und ließ sich auf die Seite sinken, um sich unter schmerzenden Krämpfen zu winden.
    Sie würde keinen Laut von sich geben, ganz bis zum Schluss - sie würde stark bleiben - wie sie es immer versucht hatte zu sein.
    Sie würde an die Menschen denken welche sie liebte und so sollte sie schon bald von ihnen träumen.
    Eine Hand an ihren Hals gelegt, welcher es nun vollends unfähig machte zu atmen,
    wurde jene von der Leblosigkeit erfasst und sank auf das Flügeltattoo hinab.
    Die hellbraunen Augen zum ewigen Schlaf geschlossen,
    sollte auch ihre Seele mit den Flügeln emporsteigen…


    Irgendwo würde sie alle wiedersehen..
    und dort, würden sie unsterblich sein.





    *Jene, die sie in dem heimatlichen Ende finden mögen,
    können noch den Hauch des letzten Lächelns an ihr ausmachen.
    Auf der Seiten liegend, die Beine angezogen und das feuerrote Haar in einigen Strähnen aus dem geflochtenen Haarstrang gefallen.
    Erst wenn man sie auf die Seite drehen sollte, werden die unschönen Dinge zu erblicken sein, wie das Blutrinnsal der Nase, oder einer leisen, fast durchsichtigen Spur der getrockneten Tränen.*

Verfasst: Montag 2. Januar 2017, 18:34
von Kila Rabbe
Mit einem dumpfen Knall wurde die Haustüre aufgeschoben und Drakan und Kila traten triefend von Blut und Gedärm in die Wohnstube ein. Gewohnt halfen sie sich gegenseitig ab zu rüsten und Kila wies Drakan an, sich vor den Kamin zu setzen damit sie seine Wunden versorgen konnte. „Setz Dich schon mal, ich hole etwas Wasser und dann schauen wir, ob wir Lilles Wissen benötigen oder ein paar Kräuter und Salbe ausreichen“ Kila wollte gerade in die Küche stapfen als Drakan sie zurück rief. „Kila... „ sagte er in einer seltsamen Tonlage. „Drakan?“ Sie hielt inne und wendete sich zu ihm um. „Lymeria hat einen Brief auf den Tisch gelegt, er ist versiegelt.“ Er nahm das Pergament an sich und ging in ihre Richtung, einen Schritt vor ihr inne haltend sah er zu ihr runter und reichte ihr den Brief. „Öffne Du ihn.“ Kila legt den Kopf in den Nacken um besser zu dem Hünen aufsehen zu können, ehe sie langsam und stirnrunzelnd den Brief an sich nahm. Mit einer schroffen Handbewegung brach Kila das Siegel und rollte das Pergament aus. Sie überflog die Zeilen einmal, ein zweites- aber auch ein drittes Mal und vollkommen ausdruckslos schaute sie zu Drakan auf und reichte ihm das Pergament. „Was hast du?“ fragte er und nahm ihr den Brief ab um ihn selber zu lesen. Er stand da, das Pergament auseinander gerollt und schaute immer wieder von dem Schriftstück auf und suchte ihren Blick. „Was zum... beim All-Einen!“ Sagte er dann vollkommen verwirrt und schaute sie fassungslos an. „Es tut mir leid, Drakan. Ich weiß was sie dir bedeutet hat.“ Kila seufzte, ging auf den Hünen zu und umarmte ihn freundschaftlich. Er stand regungslos da und atmete nur schwer ein und aus, ehe er den Brief einfach los lies und seine arme um die kleine Frau legte. Der Brief sank langsam zu Boden, neben die von Blut triefenden Rüstteile.

In der Nacht, als Drakan bereits schlief, die Rüstungen geputzt und verstaut waren, ging Kila runter in die Wohnstube um den Brief abermals zu lesen. „Heinrik...“ Murmelte sie und drehte den Brief um. „Ein Hinweis?“ Sagte Kila in den Raum fragend und hob die entzündete Kerze an um besser sehen zu können. „Ein Ort?“ Man konnte förmlich sehen wie es hinter ihrer Stirn arbeitet und plötzlich löschte sie die Kerze, lies das Pergament auf dem Tisch zurück und rannte nach oben in ihr Zimmer um sich an zu kleiden. Die Morgendämmerung bot einen frostigen Wald da, als Kila die Zügel von Nachtschatten nahm und sich auf ihn schwang. Das Pferd gehörte Lymeria und sie hoffte er würde ihr den Weg weisen, falls sie sich verirren sollte.
Die Sonne war bereits aufgegangen als Kila an der verwitterten kleinen Holzbude ankam und sie ließ sich rasch von Nachtschatten hinabgleiten und schlich sich lautlos zum Haus und spähte zwischen den modrigen Holzbretter hinein. Ein harter Stich drang in Kilas Herz, als sie in den seichten Schein der Glut des ehemaligen Lagerfeuers Lymeria liegen sah. Sie sucht rasch den Eingang und war augenblicklich neben ihr. „Lym... Lymeria?“ Kila flüsterte und legte eine Hand an ihre Wange. Kaum hatte sie die Freundin berührt, zog sie erschrocken die Hand zurück. „So kalt...“ flüsterte sie abermals. Sie zog die Rothaarige an sich, dreht ihren Kopf und ein leises Seufzen drang über Kilas Lippen. Wortlos strich sie Lymeria die Haarsträhnen aus dem Gesicht. „Warum hast du nie etwas gesagt?“ Kila hauchte die Worte nur noch und legte mit geschlossenen Augen ihre Stirn an die kalte von Lymeria. „Alatar, sei ihrer Seele gnädig, sie hat jüngst zu dir gefunden...“ Mit einer Hand strich sie sanft über Lymerias kalte Wange und es dauerte eine Weile, bis eine kleine silbrige Träne von Kila auf Lymerias Gesicht hinabrann. Kila verweilte noch etliche Atemzüge so, ehe sie sich aufraffte und den leblosen Körper der Freundin in ihrem Umhang wickelte und in dem kleinen Haus zur Totenwacht betete. Sie würde sie hier sicher nicht liegen lassen und sie würde sie auch nicht alleine zurück lassen. Im Wald suchte sie ein paar Äste und noch übrig gebliebene und gefrorene Blüten. Diese legte sie respektvoll um Lymerias Leichnam und verfasste an einem alten Holzstumpf eine knappe Nachricht an einen der genannten Namen im Abschiedsbrief. Ein kleine Brieftaube, die Kila glücklicherweise mit sich trug, sollte den Brief in die Richtung des Empfänger finden.


Heinrik,

euer Name wurde mir in einem Abschiedsbrief von Lymeria genannt. Ich weiß, dass sie aus Adoran stammt und euch sicher ebenfalls viel bedeutet hat. Auch wenn Lymeria jüngst zur Wahrheit gefunden hat und loyal zum All-Einen gestanden hat. So ihr den Wunsch habt sie zu beerdigen, werde ich euch nicht im Wege stehen und bewache ihren Körper, bis ihr eintrefft.
* Ein Ort auf einer Karte sei dazu gezeichnet *

K

Verfasst: Dienstag 3. Januar 2017, 16:05
von Heinrik von Alsted
Nachdem Heinrik aus der Mine zurückgekehrt war und sich für das Kloster fertig machte, sah er in seinen Briefkasten. Übervoll mit irgendwelchen Briefen schaute er sie durch, bis ihm ein Geruch in die Nase stieg und er anfing den Stapel hastiger zu durchsuchen. Schnell war die Quelle gefunden und das Siegel abgerupft. Die Handschrift kannte er, auch wenn sie unsauber war und davon zeugte das oft abgesetzt und neu begonnen wurde.

Er las den Brief, während sein Pferd den Weg zum Kloster selbsttätig zurücklegte. Seine Miene wurde ernst und verschloss sich auf dem kurzen Weg von Adoran nach Schwingenstein. Nach ein paar Stunden saß er wieder im Sattel und der Kopf war voll vom Brief und dem Gespräch mit der Diakonin. Erneut las er den Brief und steckte ihn weg. Dem überraschten Pferd wurden die Sporen gegeben und er ritt im Eiltempo nach Hause. Der Briefkasten wurde komplett in eine Tasche geleert und im Haus erstmal durchsucht. Das meiste war aus dem Jahreswechsel. Irgendwelche Glückwünsche der Nachbarn und anderer Personen, bis auf ein Brief. Das Papier war irgendwie anders, auch das Siegel enthielt einen Panther. Entweder er bekam nun auch Post vom Gegner oder es hatte etwas mit dem ersten Brief zu tun. Das Siegel war gebrochen und eine Karte fiel heraus. Die Zeilen waren recht kurz und wenige an der Zahl. Keine Unterschrift, doch die Karte war wohl das Wichtige.

Es wurden verschiedene Dinge gepackt. Etwas für jede Möglichkeit und so ritt er los. Mit einem Fernrohr kundschaftete erst die nächtliche Umgebung aus, doch es schien keiner dort zu sein. Entweder sie achteten das was einmal war oder sie waren wirklich gut versteckt.

Die Hütte wurde mit gezogener Waffe betreten und das leise scheppern der Rüstung verriet seine Ankunft. Er blickt sich kurz im dunklen Innenraum um und dort lag sie. Vom Mond beschienen lag sie da, eingewickelt in Stoff und mit Blumen geschmückt. Es hatte etwas Entrücktes aus Märchen und Sagen, doch das hier war wie so oft kein Märchen oder eine Sage, es war wie immer bittere Realität. Daher ging er von Raum zu Raum in der Gewissheit ihr nicht mehr helfen zu können. Als alles sicher schien holte er seine Tasche herein und setzt sich neben sie. Betrachtete den Leib neben dem er so viele atemlose Augenblicke lag. Den Menschen, der gegangen war, welcher ihn etwas verloren geglaubtes zurück gab. Es passierte selten und manchmal fürchtete das er nach all den Dingen die er so in seinem Leben mitmachen musste, das es nicht mehr ginge, doch er weinte.

Tränen rannen über seine Wangen und er begann sein Werk wie in Trance. Während seine Lippen lautlos das Gebet sprachen reinigte er den Körper von allem Dreck, Blut und Tränen. Legte ihr das rote Kleid an, welches sie bei ihm liegen gelassen hatte und legte sie auf sein Pferd. Es war ein weiter weg bis zu ihrer Ruhestätte, welche aus so vielen Gründen nicht dieses Haus sein würde. Er konnte nicht einmal genau sagen, doch ihm schien ein anderer Ort passender. Ein Ort zwischen den Reichen, der Ort von dem sie ihn immer erzählte und wo er sie immer fand, wenn er sie suchte und sie gefunden werden wollte. Die Verbindung seiner Welt mit ihrer. An diesem Übergang würde er sie Temora übergeben und weiter dafür beten, das ihre Seele zu ihr findet.

Das Grab war für den Bergmann weniger das Problem, als vielmehr sie darin zu betten. Über eine Stunde hielt er den leblosen Körper auf seinen Armen und flüsterte Abschiedsworte und weitere Gebete. Wenn das Herz wirklich an etwas hängt, dann hält man wohl an jedem kleinen Fetzen fest, der davon übrig ist. Erst als ein Tier am Rande der Lichtung auf einen Ast trat und das Geräusch ihn in die Realität zurück holte wurde er sich bewusst was er tat und das es vergeblich ist. Sie würde nicht plötzlich die Augen aufschlagen. Sie würde nicht einfach hinter einem Baum hervorkommen und ihn schelten das er darauf reinfiel. Sie war weg und diesmal für immer.

Er legte sie in ihr Grab wie ein Ehemann seine geliebte Gattin auf das Ehebett legt. Mit Hingabe und Fürsorge. Nachdem die Erde das Loch verschloss drückte er zwei Stäbe zu einem L geformt auf den frischen Erdhügel und trat ihn fest. Das Grabgerät wurde in den Wald geschmissen, dieses Werkzeug bringt kein Glück mehr.

So kam er einmal mehr völlig verdreckt heim und kaum einer würde etwas bemerken, wäre da nicht der Fakt das ein Stern am Firmament nicht mehr leuchtete.

Verfasst: Dienstag 3. Januar 2017, 19:11
von Kila Rabbe
Es war stockdunkel, als Kila aus ihren Gedanken gerissen wurde. Sie hörte den Reiter, stieß sich lautlos vom Boden ab in die Höhe und verschwand aus dem morschen ehemaligen Fenster. Sie duckte sich dahinter und wartete bis die klappernde Rüstung zur Ruhe kam. Langsam erhob sie sich und starrte den Fremden eine Weile einfach nur an. Sah seine Bemühungen um Lymeria und als er seine Gebete sprach und seine Tränen weinte, schloss auch Kila abermals die Augen und kehrte in sich. Sie weinte nicht, sie grübelte nicht und sie betete nicht. Das waren alles ihre Wünsche gewesen... Sie wollte von einen der Menschen gebettet werden, die sie einst liebte, auch wenn Kila mittlerweile dazu gehört hatte, war ihre Freundschaft zu jung für solche Entscheidungen. Sie respektierte Lymerias letzten Wünsche und erhoffte sich, damit das Richtige zu tun. Als der gepanzerte Lymeria zurecht gemacht hatte, nahm er sie mit sich und Kila würde ihm lautlos und in einigem Abstand folgen. Sie hatte in diesem Augenblick keinen Groll gegen den Mann, sondern würde lediglich einer Freundin die letzte Ehre erweisen. Alles andere, spielte für ein liebendes Herz in diesem Augenblick keine Rolle.
Kila war einige Zeit den beiden hinterher geritten und versuchte sich den Ort einzuprägen, wo er Lymeria zu Grabe tragen würde, damit sie abermals mit Drakan hier her kommen konnte um mit ihm gemeinsam Abschied nehmen zu können. Sie schlich durch den Wald und sah ihm lange dabei zu, wie er flüsterte und um seine verlorene Liebe weinte. Nicht nur Lymeria war nun fort, sondern auch der letzte Funken Mitleid in Kilas Herz. Eine weitere Bestätigung in ihrem Glauben an dem All-Einen. Es knackte laut, als Kila auf einen Zweig trat und sie hielt augenblicklich inne, die Hand am Schwert, welches sie langsam zu ziehen wagte und starrte in die verschneite Weite um zu sehen, was der Gepanzerte tat. Er hatte sie nicht entdeckt und Kila ließ langsam das Schwert zurück in den Gurt gleiten. Eine winzige Wolke entstand vor ihrem Gesicht, als sie seufzend, aber lautlos ausatmete.
Er begrub Lymeria und Kila wartete bis er gegangen war, sie stand noch eine ganze Weile dort an dem Baum und erst als es anfing zu dämmern ging sie zu dem Grab und legte eine rote Rose auf ihr Grab. „Lebe wohl...“ flüsterte Kila.

Verfasst: Dienstag 3. Januar 2017, 23:13
von Neralon Manaris
Ich weiß nich wie oft ich diesen verdammten Brief gelesen habe.
Es ist soweit Nera,
es ist wie es kommen musste und kommen wird.
Und eigentlich wusstest gerade Du ja immer,
dass es einmal so passieren wird.

Leb wohl mein Lieber.
Lym.
Nach dem ersten lesen hoffte ich das es ein Scherz war.
Nach dem zweiten mal ebbte die Hoffnung ab.
Mit dem dritten lesen starb sie gänzlich.

Sie hatte immer ihren Weg gewählt, also auch jetzt.
Doch dieser Weg war eine Sackgasse.
Sie würde nicht mehr zurück kommen.

Rasch packte ich einige Sachen und ging in die Kirche.
Wie immer legte ich eine Goldmünze auf den Altar diesmal jedoch ritzte ich ein L in die Münze.
Die Götter würden sich um ihre Seele streiten wie sie es immer Taten bei unentschlossenen.
Ich hingegen tat was ich tun musste und wollte.

Ich suchte sie an den Orten die ich kannte und die sie mochte.
Der neu eingesetzte Schnee machte das ungesehen bleiben nicht einfacher, aber zum Glück nahm man mir einiges ab.
Aus sicherer Entfernung sah ich wie Heinrik sie auf seinem Pferd zu ihrer letzten Ruhestätte brachte.
Ich würde in der Nacht wieder kommen und alles dabei haben das ich brauchte jetzt wo ich wusste das sie erstmal in sicheren Händen war.
Auch wenn ich nie Gedacht hätte Heinrik hier zu sehen, war es doch gut das noch jemand anderes hier war und sich zumindest augenscheinlich mit ihrem Tod auseinander setzte.

So kam ich also wieder als der Mond hoch am Himmel stand und entfachte mit dem mitgebrachten ein kleines Feuer für Lymeria.

Ich hätte nie Gedacht das du so Abschied nehmen wirst kleiner Nachtfalter.
Aber du bist wie immer deinem Kopf gefolgt.
Ich hoffe, das da wo du jetzt bist noch genug Platz für uns alle ist.
Zumindest für die die noch Zeit mit dir verbringen wollen.
Ich werde die Zeit mit dir vermissen, mit dir konnte man immer durch dick und dünn gehen.
Das wird mir fehlen und du wirst die verlorene Zeit wieder gut machen, wenn ich irgendwann da oben bei dir bin.


Noch einige Zeit saß ich am Feuer ehe ich ein Buch aus meiner Tasche zog und es an ihr Grab legte. Vor langer Zeit las ich ihr aus diesem Buch vor, es war eine schöne Erinnerung an sie.
Eine Erinnerung die ich nie vergessen würde und die mich sicher immer lächeln ließ.
Dazu legte ich neben die Rose einen Nachtfalter, etwas das zu ihrem Symbol wurde, etwas das uns wiederrum verband.

Ich stand mit zittrigen Beinen auf und blickte zum Himmel.
Manche Menschen glauben das wir zu den Sternen am Himmel werden wenn wir Sterben. Sollte das so sein kleiner Nachtfalter schau bitte auf uns herab und pass auf uns auf.
Vielleicht strahlst du auch ab und an etwas mehr damit wir wissen das du lachst.
Mach es gut, irgendwann werden wir uns zu einer besseren Zeit wiedersehen.
Versprochen.


Es gab kaum einen schlimmeren Weg als diesen für mich.
So hatte ich nie vorgehabt mich von jemandem zu verabschieden den ich lieb gewonnen hatte.
Schweren Schrittes und mit Tränen in den Augen ging ich durch den Schnee und verlies Lymeria für diese Nacht.
Zwar war sie gegangen doch vergessen würde ich sie nie.