Earon - Derwyddon, Abenteurer und selbsternannter Held
Verfasst: Dienstag 27. Dezember 2016, 04:27
Unter Schnee begraben und vergraben
Teil I - Irgendwo im Nirgendwo
Wo auch immer er war, es war nicht Gerimor. Schon die Berührung durch den Waldgeist war anders gewesen, kräftiger und stärker. Das kleine Wesen wob ein mächtiges Band zwischen sich und den Druiden als es ihn mit sich nahm, an einen Ort weit ab der üblichen Orte, die diese Wesen aufsuchten. Woran aber erkannte Earon sofort, dass es nicht mehr Gerimor war, wo er gelandet war? Schnee. War der Winter dieses Jahr auf dem heimatlichen Kontinent so mild gewesen, so hatte er hier seine ganze Pracht entfaltet. Alles rund herum war eingeschneit und strahlend weiß. Ein Nadelwald schien es zu sein und die Luft wirkte frisch und zwischen den Bäumen konnte er die Flanke eines gewaltigen Gebirges erkennen.
Unaufhörlich rieselten die Flocken auf ihn herab und er zog die Kapuze seiner Robe über den Kopf. Mehr eine Art Reflex, denn Kälte spürte er ob der Kraft des Feuers in ihm nur selten. Während er dagestanden hatte und sich umgesehen, hatte der Schneefall etwas zugenommen und ein Blick in die Wolken genügte um zu wissen, dass es noch Stunden so weitergehen konnte. Von dem Waldgeist, der ihn hergebracht hatte war auch nichts mehr zu sehen. War es nur ein Scherz der kleinen Wesen gewesen, wie sie es gerne einmal taten? Die leise Stimme in Earon, die immer vom Schlimmsten ausging, begann zu flüstern. Doch er konnte doch auch erst einmal einen Versuch wagen und einen weiteren freundlichen Geist zu sich rufen. Bäume gab es ja genug und gesund wirkten sie auf den ersten Blick auf. Melodisch und lockend ging der Ruf ins Lied, hinein in den Wald, sich ausbreitend.
Ein Schauer ging über seinen Rücken, als er die Auswirkungen seines Eingriffes verfolgte. Die Umgebung begann den harmonischen Lockruf zu verändern, verzerrte ihn zu einem grausigen Abbild der Disharmonie. Abgelenkt von den Sinneseindrücken seiner gewöhnlichen Wahrnehmung hatte er sich noch nicht darauf besonnen das Lied tiefer zu erkunden. Als Derwyddon hatte er zwar Eluives Gabe das Lied dauerhaft zu vernehmen, doch das, was seinen Zauber gestört hatte lag tiefer, als die üblichen Klänge, die all das bildeten, was seine anderen Sinne erfassen konnten. Es war keine anwesende Präsenz, die direkten Einfluss nahm, sondern etwas, das sich quer durch die gesamte ihn umgebende Schöpfung zog. Wie ein Pilz der mit seinen Fäden den Boden durchzog, war da etwas in allem, was ihn umgab. Nur Spuren davon konnte er immer wieder erkennen. Was auch immer es war, es klang unheimlich, böse, gefährlich und unbekannt. Doch jetzt wo er sich die Zeit genommen hatte, diese Verunreinigung im Lied zu finden und zu erkunden, da war es einfacher ihre Anwesenheit auch ohne volle Konzentration auf das Schöpfungslied zu spüren. Das half zwar vorerst nicht viel, das es ja überall um ihn herum war, konnte später aber vielleicht noch nützlich sein.
Einer Intuition folgend regte er die Melodien des Feuers an, etwas oberhalb seiner Hand. Zufrieden lächelnd betrachtete er die Flamme, die dadurch gebildet wurde und die nun über seinen Fingern zu schweben schien. Auf diese Wirkung im Lied schien die Umgebung nicht so stark zu reagieren. Beinahe überhaupt nicht. Wenn er bedachte, dass der Ruf nach den Waldgeistern eine ganz eigene Form der Magie war, machte das sogar durchaus Sinn. Er hatte schon immer vermutet, dass diese Wesen nur dort zu finden waren, wo der Wald gesund, natürlich und kräftig war. An diesem Ort aber würde er sicher keines dieser Wesen finden. Doch dies war nicht die einzige Erkenntnis, die ihn nun ereilte. Sein Stab, ein weiteres Geschenk der Mutter und berührt von ihren Urkräften, verströmte stets eine Aura der Harmonie und des Gleichgewichts. Jeden Tag dankte er Eluive für dieses besondere Geschenk. Oder war es Schnattelfeu gewesen, welcher den Stab gesegnet hatte? Jedenfalls schien diese Disharmonie, diese Spur, die das Land hier durchzog ein wenig zu weichen vor der Magie, die den Stab durchzog. Allerdings war es kaum mehr als die Wirkung einer kleinen Kerze in finsterster Nacht.
All diese wunderbaren Eingebungen, Erfahrungen und Erkenntnisse waren zwar bemerkenswert, doch es hatte ihn weitere wertvolle Zeit gekostet. Auf den Schnee hatte er nicht sonderlich geachtet, während er tief versunken sich auf alle Feinheiten des Liedes konzentriert hatte. Das rächte sich nun, denn aus den feinen, schönen Flocken war rasch mehr geworden. Die normale Sicht verschlechterte sich zunehmend und auch der Abend schien näher gerückt zu sein. Wie lange er nun schon hier war, konnte er nach der Zeit tiefer Verbundenheit mit Mutters Lied nur raten. Seine gewaltige Neugierde war an dieser Stelle ein Nachteil und er hätte die Zeit besser genutzt, sich eine Unterkunft zu suchen. Der Feuerzauber in seiner Hand verklang und langsam ging er drauf los, seiner Nase nach und in Richtung der Berge.
Immer weiter und weiter trugen ihn seine Füße. Die Berge schienen kaum näher zu kommen, wenn er auch das Gefühl hatte stetig bergauf zu wandern. Tieren war er nur wenigen begegnet und dies war eines der wenigen Male, dass er froh darüber war. Jene waren sonst stets Freunde und halfen ihm sich an einem fremden Ort zurecht zu finden oder gaben ihm Hinweise. Hier aber waren die seltenen Funken von Lebensmelodien, die er vernahm, eindeutig durchzogen von der Spur der Disharmonie. Mittlerweile nahm er sie hauchfein als blutrote Schmieren im Lied wahr. Sie schien sogar stärker zu sein in den Tieren, als etwa in den Pflanzen oder der Erde. Meistens waren es Raubtiere gewesen, die er gespürt hatte. Vielleicht ein weiterer nützlicher Hinweis für später. Wann auch immer das war. An einem ruhigen Ort, wo er Zeit hatte nachzudenken, was hier vor sich ging.
Auch wenn sein Geist wach war, sein Körper wurde müder und erschöpfter. Zwar hatte er ein paar Rationen bei sich, doch er wollte sparen. Kräfte und Vorräte gleichermaßen. Nur noch wenige Meter konnte er bei dem Schnee sehen und an diesem merkwürdigen Ort, würde er sich nicht zur Gänze darauf verlassen mit Hilfe des Liedes zu navigieren. So waren es mehr seine Füße, die ihn, geübt von vielen Jahren der Wanderschaft, sicher weiter durch den Wald und den Schnee führten. Pausen erlaubte er sich nur wenige und wenn, dann nur kurze. Ein Schluck Wasser, ein Stück Brot, Wurst und Käse, sich ein wenig umsehen und dann wieder weiter. Dass die Finsternis der Nacht ihn zunehmend umschloss war alles andere als eine Aufheiterung. Wenn er nicht bald einen Unterschlupf fand, musste er sich einen schaffen und das würde unnötig viel seiner Kraftreserven anzapfen und sicher wenig Erholung bringen. Kein Wunder also, dass seine Gedanken zunehmend mürrischer wurden und sich Einsamkeit in seinem Herzen ausbreitete.
Bis mit einem Mal der Funke in ihm einen Augenblick lang heller loderte. Abrupt blieb er stehen und sah sich um. Es war ein leises Flüstern der Urkraft des Feuers gewesen, nur einen Augenblick lang und zu flüchtig um ihn festzuhalten. Was sollte das bedeuten? Die Hoffnung war jedoch mit einem Mal wieder erwacht, wie auch die berüchtigte Neugierde. Ah, nun spürte er es deutlicher und verstand. In seiner Nähe war die Melodie des Feuers stärker als in den vergangenen Stunden. Einige Dutzend Schritt von sich entfernt und je näher er kam, umso deutlicher wurde, was dort war. Ein Feuer brannte, er konnte es spüren und es verbreitete das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Wie alle Elemente hatte auch das Feuer zwei Gesichter und dies war nicht die zerstörerische Seite. „Licht und Schatten“ murmelte er leise und schauderte kurz, als das Bild einer Kröte vor seinem inneren Auge auftauchte, gefolgt vom leisen Lachen einer Frau mit schwarzen Haaren, welches ihn gemahnte, dass er sich nun darauf konzentrieren musste, aus dieser Geschichte heil wieder herauszukommen.
Die Umrisse einer alten Hütte tauchten beinahe plötzlich vor ihm auf. Das Feuer war in ihrem Inneren und Licht war schwach von außen zu erkennen. Darin befanden sich wohl Menschen oder menschenähnliche Kreaturen, vermutlich zwei. Natürlich hatte er bei seinem Spaziergang keine Rüstung angehabt und in seiner Tasche befanden sich außer Druidenwerkzeuge und Andenken an seine Liebsten nur wenig brauchbares für eventuelle Gefahren. Jahre auf Gerimor hatten ihn jedoch gelehrt, dass man nie vorsichtig genug sein konnte und so legten sich seine üblichen Schutzzauber um ihn, erfüllten ihn mit Zuversicht und kosteten doch erneut wertvolle Kraft. Hoffentlich Frieden und ein Schlafplatz, dann wäre alles halb so schlimm. Dass er sich gerade wohl angekündigt hatte, wenn in diesem Haus ein Liedwirker war, war ein weiterer Nachteil, den er in Kauf genommen hatte. Die freie Hand legte sich langsam auf den Türknauf, die andere hielt den Stab fest umschlossen und dann zögerte er. Einer neuen Intuition folgend ließ er los und klopfe stattdessen mehrmals kräftig gegen die Tür, gefolgt von einem lauten „Mutters Segen“.
Mit allen Sinnen spürte er, dass drinnen sich etwas veränderte. Als hätte jemand etwas fallen gelassen, wurde es danach erst einmal vollkommen still. Die gedämpften Geräusche, wohl von einem Gespräch, waren schlagartig verstummt. Dann noch leiser als zuvor vernahm er etwas. Kaum zu unterscheiden von den Geräuschen des Windes und des Waldes. Offenbar beratschlagte man sich im Inneren. Augenblicke, die wie Minuten wirkten, vergingen, als sich die Türe danach langsam einen Spalt weit öffnete. Vorsichtig drückte Earon gegen sie, um ganz in den Raum, recht viel mehr war die Hütte wohl nicht, blicken und dann treten zu können.
Tatsächlich, es waren zwei Menschen darin, ein Mann und eine Frau. Beide noch recht jung, vielleicht um die 20 Jahresläufe oder jünger. Die Kleidung wirkte, als hätte sie schon bessere Tage gesehen. Im Vordergrund war der Bursche, die Hand am Griff einer Waffe, vielleicht ein Schwert der Form der Scheide nach, dahinter das Mädel, welches offenbar hinter ihm Schutz suchte. Earons Blick huschte rasch umher und da war Gepäck und nur wenig davon verstreut. Sie schienen also nicht hier zu wohnen und in einer ähnlichen Lage wie er selbst. Ein Lächeln breitete sich auf seinen Zügen aus, wie er die beiden so anschaute. Dies schien die beiden zunächst zu verwirren, die Hand um den Schwertknauf des Jungen schloss sich fester und ein wenig Metall wurde sichtbar, als er es ein Stückchen aus der Scheide zog. Seine Begleiterin wich einen Hauch weit weiter zurück von der Tür und in den Raum hinein.
„Der Mutter Segen mit euch, mein Name ist Earon. Ein Druide bin ich und vor mir braucht ihr beide keine Angst zu haben.“, sprach Earon und trat behutsam in die Hütte. Die Kapuze und etwas Schnee nach hinten werfend, wusste er instinktiv, dass er hier keine Gefahr zu erwarten hatte und sein Ruheplatz für die Nacht gefunden war.
Teil I - Irgendwo im Nirgendwo
Wo auch immer er war, es war nicht Gerimor. Schon die Berührung durch den Waldgeist war anders gewesen, kräftiger und stärker. Das kleine Wesen wob ein mächtiges Band zwischen sich und den Druiden als es ihn mit sich nahm, an einen Ort weit ab der üblichen Orte, die diese Wesen aufsuchten. Woran aber erkannte Earon sofort, dass es nicht mehr Gerimor war, wo er gelandet war? Schnee. War der Winter dieses Jahr auf dem heimatlichen Kontinent so mild gewesen, so hatte er hier seine ganze Pracht entfaltet. Alles rund herum war eingeschneit und strahlend weiß. Ein Nadelwald schien es zu sein und die Luft wirkte frisch und zwischen den Bäumen konnte er die Flanke eines gewaltigen Gebirges erkennen.
Unaufhörlich rieselten die Flocken auf ihn herab und er zog die Kapuze seiner Robe über den Kopf. Mehr eine Art Reflex, denn Kälte spürte er ob der Kraft des Feuers in ihm nur selten. Während er dagestanden hatte und sich umgesehen, hatte der Schneefall etwas zugenommen und ein Blick in die Wolken genügte um zu wissen, dass es noch Stunden so weitergehen konnte. Von dem Waldgeist, der ihn hergebracht hatte war auch nichts mehr zu sehen. War es nur ein Scherz der kleinen Wesen gewesen, wie sie es gerne einmal taten? Die leise Stimme in Earon, die immer vom Schlimmsten ausging, begann zu flüstern. Doch er konnte doch auch erst einmal einen Versuch wagen und einen weiteren freundlichen Geist zu sich rufen. Bäume gab es ja genug und gesund wirkten sie auf den ersten Blick auf. Melodisch und lockend ging der Ruf ins Lied, hinein in den Wald, sich ausbreitend.
Ein Schauer ging über seinen Rücken, als er die Auswirkungen seines Eingriffes verfolgte. Die Umgebung begann den harmonischen Lockruf zu verändern, verzerrte ihn zu einem grausigen Abbild der Disharmonie. Abgelenkt von den Sinneseindrücken seiner gewöhnlichen Wahrnehmung hatte er sich noch nicht darauf besonnen das Lied tiefer zu erkunden. Als Derwyddon hatte er zwar Eluives Gabe das Lied dauerhaft zu vernehmen, doch das, was seinen Zauber gestört hatte lag tiefer, als die üblichen Klänge, die all das bildeten, was seine anderen Sinne erfassen konnten. Es war keine anwesende Präsenz, die direkten Einfluss nahm, sondern etwas, das sich quer durch die gesamte ihn umgebende Schöpfung zog. Wie ein Pilz der mit seinen Fäden den Boden durchzog, war da etwas in allem, was ihn umgab. Nur Spuren davon konnte er immer wieder erkennen. Was auch immer es war, es klang unheimlich, böse, gefährlich und unbekannt. Doch jetzt wo er sich die Zeit genommen hatte, diese Verunreinigung im Lied zu finden und zu erkunden, da war es einfacher ihre Anwesenheit auch ohne volle Konzentration auf das Schöpfungslied zu spüren. Das half zwar vorerst nicht viel, das es ja überall um ihn herum war, konnte später aber vielleicht noch nützlich sein.
Einer Intuition folgend regte er die Melodien des Feuers an, etwas oberhalb seiner Hand. Zufrieden lächelnd betrachtete er die Flamme, die dadurch gebildet wurde und die nun über seinen Fingern zu schweben schien. Auf diese Wirkung im Lied schien die Umgebung nicht so stark zu reagieren. Beinahe überhaupt nicht. Wenn er bedachte, dass der Ruf nach den Waldgeistern eine ganz eigene Form der Magie war, machte das sogar durchaus Sinn. Er hatte schon immer vermutet, dass diese Wesen nur dort zu finden waren, wo der Wald gesund, natürlich und kräftig war. An diesem Ort aber würde er sicher keines dieser Wesen finden. Doch dies war nicht die einzige Erkenntnis, die ihn nun ereilte. Sein Stab, ein weiteres Geschenk der Mutter und berührt von ihren Urkräften, verströmte stets eine Aura der Harmonie und des Gleichgewichts. Jeden Tag dankte er Eluive für dieses besondere Geschenk. Oder war es Schnattelfeu gewesen, welcher den Stab gesegnet hatte? Jedenfalls schien diese Disharmonie, diese Spur, die das Land hier durchzog ein wenig zu weichen vor der Magie, die den Stab durchzog. Allerdings war es kaum mehr als die Wirkung einer kleinen Kerze in finsterster Nacht.
All diese wunderbaren Eingebungen, Erfahrungen und Erkenntnisse waren zwar bemerkenswert, doch es hatte ihn weitere wertvolle Zeit gekostet. Auf den Schnee hatte er nicht sonderlich geachtet, während er tief versunken sich auf alle Feinheiten des Liedes konzentriert hatte. Das rächte sich nun, denn aus den feinen, schönen Flocken war rasch mehr geworden. Die normale Sicht verschlechterte sich zunehmend und auch der Abend schien näher gerückt zu sein. Wie lange er nun schon hier war, konnte er nach der Zeit tiefer Verbundenheit mit Mutters Lied nur raten. Seine gewaltige Neugierde war an dieser Stelle ein Nachteil und er hätte die Zeit besser genutzt, sich eine Unterkunft zu suchen. Der Feuerzauber in seiner Hand verklang und langsam ging er drauf los, seiner Nase nach und in Richtung der Berge.
Immer weiter und weiter trugen ihn seine Füße. Die Berge schienen kaum näher zu kommen, wenn er auch das Gefühl hatte stetig bergauf zu wandern. Tieren war er nur wenigen begegnet und dies war eines der wenigen Male, dass er froh darüber war. Jene waren sonst stets Freunde und halfen ihm sich an einem fremden Ort zurecht zu finden oder gaben ihm Hinweise. Hier aber waren die seltenen Funken von Lebensmelodien, die er vernahm, eindeutig durchzogen von der Spur der Disharmonie. Mittlerweile nahm er sie hauchfein als blutrote Schmieren im Lied wahr. Sie schien sogar stärker zu sein in den Tieren, als etwa in den Pflanzen oder der Erde. Meistens waren es Raubtiere gewesen, die er gespürt hatte. Vielleicht ein weiterer nützlicher Hinweis für später. Wann auch immer das war. An einem ruhigen Ort, wo er Zeit hatte nachzudenken, was hier vor sich ging.
Auch wenn sein Geist wach war, sein Körper wurde müder und erschöpfter. Zwar hatte er ein paar Rationen bei sich, doch er wollte sparen. Kräfte und Vorräte gleichermaßen. Nur noch wenige Meter konnte er bei dem Schnee sehen und an diesem merkwürdigen Ort, würde er sich nicht zur Gänze darauf verlassen mit Hilfe des Liedes zu navigieren. So waren es mehr seine Füße, die ihn, geübt von vielen Jahren der Wanderschaft, sicher weiter durch den Wald und den Schnee führten. Pausen erlaubte er sich nur wenige und wenn, dann nur kurze. Ein Schluck Wasser, ein Stück Brot, Wurst und Käse, sich ein wenig umsehen und dann wieder weiter. Dass die Finsternis der Nacht ihn zunehmend umschloss war alles andere als eine Aufheiterung. Wenn er nicht bald einen Unterschlupf fand, musste er sich einen schaffen und das würde unnötig viel seiner Kraftreserven anzapfen und sicher wenig Erholung bringen. Kein Wunder also, dass seine Gedanken zunehmend mürrischer wurden und sich Einsamkeit in seinem Herzen ausbreitete.
Bis mit einem Mal der Funke in ihm einen Augenblick lang heller loderte. Abrupt blieb er stehen und sah sich um. Es war ein leises Flüstern der Urkraft des Feuers gewesen, nur einen Augenblick lang und zu flüchtig um ihn festzuhalten. Was sollte das bedeuten? Die Hoffnung war jedoch mit einem Mal wieder erwacht, wie auch die berüchtigte Neugierde. Ah, nun spürte er es deutlicher und verstand. In seiner Nähe war die Melodie des Feuers stärker als in den vergangenen Stunden. Einige Dutzend Schritt von sich entfernt und je näher er kam, umso deutlicher wurde, was dort war. Ein Feuer brannte, er konnte es spüren und es verbreitete das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Wie alle Elemente hatte auch das Feuer zwei Gesichter und dies war nicht die zerstörerische Seite. „Licht und Schatten“ murmelte er leise und schauderte kurz, als das Bild einer Kröte vor seinem inneren Auge auftauchte, gefolgt vom leisen Lachen einer Frau mit schwarzen Haaren, welches ihn gemahnte, dass er sich nun darauf konzentrieren musste, aus dieser Geschichte heil wieder herauszukommen.
Die Umrisse einer alten Hütte tauchten beinahe plötzlich vor ihm auf. Das Feuer war in ihrem Inneren und Licht war schwach von außen zu erkennen. Darin befanden sich wohl Menschen oder menschenähnliche Kreaturen, vermutlich zwei. Natürlich hatte er bei seinem Spaziergang keine Rüstung angehabt und in seiner Tasche befanden sich außer Druidenwerkzeuge und Andenken an seine Liebsten nur wenig brauchbares für eventuelle Gefahren. Jahre auf Gerimor hatten ihn jedoch gelehrt, dass man nie vorsichtig genug sein konnte und so legten sich seine üblichen Schutzzauber um ihn, erfüllten ihn mit Zuversicht und kosteten doch erneut wertvolle Kraft. Hoffentlich Frieden und ein Schlafplatz, dann wäre alles halb so schlimm. Dass er sich gerade wohl angekündigt hatte, wenn in diesem Haus ein Liedwirker war, war ein weiterer Nachteil, den er in Kauf genommen hatte. Die freie Hand legte sich langsam auf den Türknauf, die andere hielt den Stab fest umschlossen und dann zögerte er. Einer neuen Intuition folgend ließ er los und klopfe stattdessen mehrmals kräftig gegen die Tür, gefolgt von einem lauten „Mutters Segen“.
Mit allen Sinnen spürte er, dass drinnen sich etwas veränderte. Als hätte jemand etwas fallen gelassen, wurde es danach erst einmal vollkommen still. Die gedämpften Geräusche, wohl von einem Gespräch, waren schlagartig verstummt. Dann noch leiser als zuvor vernahm er etwas. Kaum zu unterscheiden von den Geräuschen des Windes und des Waldes. Offenbar beratschlagte man sich im Inneren. Augenblicke, die wie Minuten wirkten, vergingen, als sich die Türe danach langsam einen Spalt weit öffnete. Vorsichtig drückte Earon gegen sie, um ganz in den Raum, recht viel mehr war die Hütte wohl nicht, blicken und dann treten zu können.
Tatsächlich, es waren zwei Menschen darin, ein Mann und eine Frau. Beide noch recht jung, vielleicht um die 20 Jahresläufe oder jünger. Die Kleidung wirkte, als hätte sie schon bessere Tage gesehen. Im Vordergrund war der Bursche, die Hand am Griff einer Waffe, vielleicht ein Schwert der Form der Scheide nach, dahinter das Mädel, welches offenbar hinter ihm Schutz suchte. Earons Blick huschte rasch umher und da war Gepäck und nur wenig davon verstreut. Sie schienen also nicht hier zu wohnen und in einer ähnlichen Lage wie er selbst. Ein Lächeln breitete sich auf seinen Zügen aus, wie er die beiden so anschaute. Dies schien die beiden zunächst zu verwirren, die Hand um den Schwertknauf des Jungen schloss sich fester und ein wenig Metall wurde sichtbar, als er es ein Stückchen aus der Scheide zog. Seine Begleiterin wich einen Hauch weit weiter zurück von der Tür und in den Raum hinein.
„Der Mutter Segen mit euch, mein Name ist Earon. Ein Druide bin ich und vor mir braucht ihr beide keine Angst zu haben.“, sprach Earon und trat behutsam in die Hütte. Die Kapuze und etwas Schnee nach hinten werfend, wusste er instinktiv, dass er hier keine Gefahr zu erwarten hatte und sein Ruheplatz für die Nacht gefunden war.