Der Alte, der Zwerg und eine fatale Entscheidung
Verfasst: Sonntag 18. Dezember 2016, 21:03
Nachdenklich blickte er zur Tür, die die seltsame Gestalt beim Rausgehen gerade zugeworfen hatte. Zur Ablenkung griff der alte Wirtshausbesitzer einen Holzkrug, den der letzte Matrose hatte stehen lassen, um mit dem Tuch drüberzuwischen, doch es half nichts. War das wirklich eben geschehen? Sein Blick ging prüfend zum Brief und die kleine Ampulle, den die Gestalt hinterlassen hatte. Er hatte abgelehnt, diesen Auftrag zu erfüllen, doch die Gestalt liess es sich nicht nehmen, ihm dennoch den Brief zu hinterlassen, als er die Zweifel in der Ablehnung des Alten registrierte. Er war neugierig geworden, als der Fremde ihm ein Angebot gemacht hatte. Tausend Kronen für einen Giftanschlag - diese Summe hatte er sich nicht einmal im Traum vorstellen können. Es war nicht unüblich, dass seltsame Gestalten das heruntergekommene Wirtshaus aufsuchten, um fragwürdige Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen - Hehlerei, Schwarzmarkthandel und Prostitution waren hier im Adoraner Hafenviertel zwar eher Regel als Ausnahmen. Aber ein Anschlag auf Leib und Leben? Der Alte platzte vor Neugier. Wem sollte dieser Anschlag gelten? Und noch wichtiger: Was hatte das potenzielle Opfer denn verbrochen? Er versuchte, die Gedanken wegzuwischen, wie er es jeden Tag mit dem dem Thresen machte, doch es gelang ihm nicht. Er redete sich ein, nur einen kurzen Blick drüberzuwerfen, dann würde er den Brief wieder verschliessen und verbrennen. Die Aussicht auf Tausend Kronen liess ihn nicht los und er ergab sich der Neugier. Der Brief wurde aufgerissen und mit zusammengekniffenen Augen las der Alte nur vier Worte:
”Thorim Hammergrund, Kal Dar”
Er wiederholte den Namen immer und immer wieder, mal in Gedanken, dann leise säuselnd. Seine erste Ratlosigkeit wich, als er sich an den Namen erinnern konnte. Reisende und Händler hatten diesen Namen gelegentlich gerüchteweise genannt. Und ein Kal Dar war soetwas wie ein zwergischer Heerführer. Einen Heerführer der Kaluren umbringen? Er schauderte, als er dran dachte. Den Auftrag würde er selber ausführen müssen. Es war die Gelegenheit, endlich aus diesem erbärmlichen Leben und der Trostlosigkeit des Wirtshausalltages zu entkommen. Er war alt und gebrechlich geworden und die Arbeit fiel ihm schwer. Und in den letzten Jahren war die Kundschaft ausgeblieben. Nur noch wenige Leute wussten die Arbeit eines Wirtsmannes zu schätzen. Ein kleiner Plausch hier und da, einige tröstende Worte gescheiterter Abenteurer, ein offenes Ohr. Er war es leid geworden, für einige wenige Kronen mal eine gut gelaunte, tröstende oder animierende Miene aufzusetzen. Er würde es tun, redete er sich ein. Er würde es schaffen. Und er würde mit dem Gold in den Süden ziehen, auf die Pirateninsel. Er würde sich dort ein stattliches Anwesen kaufen. Gut - die Piraten würden ihn um einige Hundert Kronen erleichtern, aber dafür hätte er ihren Schutz. Und niemand würde lästige Fragen stellen.
Natürlich musste er Vorkehrungen treffen für den Fall, dass er scheiterte. Er griff unter den Thresen und holte Pergament und Schreibfeder hervor. Dnan notierte er ein Testament.
“Ich, Empatayos Kolar, vermache für den Fall meines Todes folgendes Eigentum an folgende Persönlichkeiten
Amber Cedewain vermache ich meine zwei Wandteppiche, mein bescheidenes Gold in Höhe von 20 Kronen sowie drei Schatzkisten und eine alte Schatzkarte. Mögen sie ihr Glück bringen und ihr kleines Häusschen verschönern.
Dem Magier Filidus Sindulon vermache ich meine Wasserpfeiffe menekanischer Herstellung.
Dem Königlichen Lehrhospital in Adoran und dem alten Heiler Torjan Eichtal vermache ich alle Speisen und Getränke.”
Er atmete zufrieden aus, zog seine Jacke an und öffnete die Tür. Er riskierte einen letzten Blick durch den Raum, schloss die Tür und brachte das Testament dem Bankier. Dann zog er den Mantel zusammen und machte sich auf den Weg nach Nilzadan. Er würde versuchen, sich als Händler auszugeben und im Wirtshaus einkehren. Der Heerführer sei öfter dort. Er würde es ihm ins Essen mischen und reich werden. Er lächelte zufrieden.
Zwei Tage und Nächte verbrachte er in in unregelmäßigen Abständen im Wirtshaus in Nilzadan, um zu kundschaften. Viele Zwerge gingen ein und aus und auch bei anderen fahrenden Händlern war das Gasthaus beliebt. Hier konnte er unerkannt zuschlagen. Am dritten Tag am Abend war es dann soweit: Der Kal Dar kam zusammen mit seinen Offizieren in voller Montur herein und nahm an einem reservierten Tisch Platz. Er konnte beobachten, wie sie reichlich Speisen und Getränke bestellten. Da der Wirtshausbesitzer, ein mürrischer Zwerg mit feuerrotem Bart offenbar alleine arbeitete, nutzte er die Gunst der Stunde, um sich in die Küche zu schleichen. Mit zittrigen Händen kippte er die Ampulle mit Giftflüssigkeit über das bruzelnde Spanferkel und schlich sich zurück in den Gastraum. Noch immer waren der Kal Dar und seine Soldaten wie auch die anderen Gäste in gemütlicher und lauter Geselligkeit beschäftigt. Er trat den Weg zur Tür an. Sein Herz klopfte wie verrückt. Die Tür hatte er schon einen Spalt aufgemacht, als eine kehlige Stimme ertönte: “Halt!” Er schluckte tief.
”Thorim Hammergrund, Kal Dar”
Er wiederholte den Namen immer und immer wieder, mal in Gedanken, dann leise säuselnd. Seine erste Ratlosigkeit wich, als er sich an den Namen erinnern konnte. Reisende und Händler hatten diesen Namen gelegentlich gerüchteweise genannt. Und ein Kal Dar war soetwas wie ein zwergischer Heerführer. Einen Heerführer der Kaluren umbringen? Er schauderte, als er dran dachte. Den Auftrag würde er selber ausführen müssen. Es war die Gelegenheit, endlich aus diesem erbärmlichen Leben und der Trostlosigkeit des Wirtshausalltages zu entkommen. Er war alt und gebrechlich geworden und die Arbeit fiel ihm schwer. Und in den letzten Jahren war die Kundschaft ausgeblieben. Nur noch wenige Leute wussten die Arbeit eines Wirtsmannes zu schätzen. Ein kleiner Plausch hier und da, einige tröstende Worte gescheiterter Abenteurer, ein offenes Ohr. Er war es leid geworden, für einige wenige Kronen mal eine gut gelaunte, tröstende oder animierende Miene aufzusetzen. Er würde es tun, redete er sich ein. Er würde es schaffen. Und er würde mit dem Gold in den Süden ziehen, auf die Pirateninsel. Er würde sich dort ein stattliches Anwesen kaufen. Gut - die Piraten würden ihn um einige Hundert Kronen erleichtern, aber dafür hätte er ihren Schutz. Und niemand würde lästige Fragen stellen.
Natürlich musste er Vorkehrungen treffen für den Fall, dass er scheiterte. Er griff unter den Thresen und holte Pergament und Schreibfeder hervor. Dnan notierte er ein Testament.
“Ich, Empatayos Kolar, vermache für den Fall meines Todes folgendes Eigentum an folgende Persönlichkeiten
Amber Cedewain vermache ich meine zwei Wandteppiche, mein bescheidenes Gold in Höhe von 20 Kronen sowie drei Schatzkisten und eine alte Schatzkarte. Mögen sie ihr Glück bringen und ihr kleines Häusschen verschönern.
Dem Magier Filidus Sindulon vermache ich meine Wasserpfeiffe menekanischer Herstellung.
Dem Königlichen Lehrhospital in Adoran und dem alten Heiler Torjan Eichtal vermache ich alle Speisen und Getränke.”
Er atmete zufrieden aus, zog seine Jacke an und öffnete die Tür. Er riskierte einen letzten Blick durch den Raum, schloss die Tür und brachte das Testament dem Bankier. Dann zog er den Mantel zusammen und machte sich auf den Weg nach Nilzadan. Er würde versuchen, sich als Händler auszugeben und im Wirtshaus einkehren. Der Heerführer sei öfter dort. Er würde es ihm ins Essen mischen und reich werden. Er lächelte zufrieden.
Zwei Tage und Nächte verbrachte er in in unregelmäßigen Abständen im Wirtshaus in Nilzadan, um zu kundschaften. Viele Zwerge gingen ein und aus und auch bei anderen fahrenden Händlern war das Gasthaus beliebt. Hier konnte er unerkannt zuschlagen. Am dritten Tag am Abend war es dann soweit: Der Kal Dar kam zusammen mit seinen Offizieren in voller Montur herein und nahm an einem reservierten Tisch Platz. Er konnte beobachten, wie sie reichlich Speisen und Getränke bestellten. Da der Wirtshausbesitzer, ein mürrischer Zwerg mit feuerrotem Bart offenbar alleine arbeitete, nutzte er die Gunst der Stunde, um sich in die Küche zu schleichen. Mit zittrigen Händen kippte er die Ampulle mit Giftflüssigkeit über das bruzelnde Spanferkel und schlich sich zurück in den Gastraum. Noch immer waren der Kal Dar und seine Soldaten wie auch die anderen Gäste in gemütlicher und lauter Geselligkeit beschäftigt. Er trat den Weg zur Tür an. Sein Herz klopfte wie verrückt. Die Tür hatte er schon einen Spalt aufgemacht, als eine kehlige Stimme ertönte: “Halt!” Er schluckte tief.