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Schwere Entscheidung

Verfasst: Freitag 28. April 2006, 12:07
von Angelina de Arganta
Angelina erwachte beim ersten Vogelzwitschern. Es dämmerte gerade und im Schlafraum herrschte noch das Dämmerlicht und die Stille der Nacht vor.
Ihre Hand fuhr über die Stelle im Bett, wo sie glaubte ihren Mann schlafend zu finden. Doch er war wieder nicht da.
Enttäuscht richtete sie sich auf, zog ihre Beine an und stützte ihre Stirn auf die Knie.
Ihr Kopf schmerzte und sie begann zu weinen.
Eigentlich wollte sie das gar nicht. Doch in den letzten Tagen war ihr schon mehrfach aufgefallen, dass sie viel zu nah am Wasser gebaut war. Aus den kleinsten Anlässen löste sie sich in Tränen auf. Was war nur los mit ihr?

Als sie sich ankleidete, spürte sie die Schmerzen in ihrem ganzen Körper.
Sie hatte geschlafen, ausreichend geruht.. doch sie fühlte sich wie zerschlagen. Ihre Glieder waren schwer und vor allem lag ihr das Herz wie ein Stein in der Brust.

In ihrem Kräuterfach fand sie Johanniskraut und brühte sich daraus einen Tee. Sich ihre kalten Finger an dem Becher wärmend saß sie in der Küche und sinnierte über sich nach.
Eigentlich tat sie das selten.
Doch ihr Zustand machte ihr angst.
In Gedanken ging sie die Symptome durch, die sich zu häufen schienen. Oftmals rasender Puls, Appetitlosigkeit, unruhiger Schlaf… dann die häufigen Kopfschmerzen, morgens die schmerzenden Glieder, anstatt ausgeruht zu sein. Oft fühlte sie sich matt und erschöpft, auch ohne große Anstrengung. Und dann noch dieses ständige Weinen…

Die junge Heilerin trank in kleinen Schlucken von ihrem Tee.
Vor Bestürzung schossen ihr schon wieder Tränen in die Augen, die sie fast wütend versuchte zu unterdrücken. Das konnte doch nicht wahr sein! Ganz plötzlich war ihr bewusst geworden, was mit ihr geschah. Wenn sie nicht sofort etwas dagegen tat, würde sie in eine tiefe Schwermut fallen. Sie hatte diese hinterhältige Krankheit schon erlebt. Einmal hatte sie sogar mit dem Tode einer jungen Frau geendet. Eine junge Frau mit drei kleinen Kindern.
Und oft wurden Frauen nach der Geburt ihres Kindes davon befallen. In ganz schwierigen Fällen hielt diese Erkrankung über Jahre an und diese Frauen waren nicht in der Lage, ihre Kinder und ihre Arbeiten zu versorgen.

Erschüttert ging Angelina noch einmal die Befindlichkeiten durch.
Doch dann drängte sich ihr die Frage auf warum. Warum Sie? Woher kam das?

Erschöpfung.
Sie kam nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss, dass sie erschöpft war.
Woher.. wodurch, das lag auf der Hand. Da brauchte sie nun nicht mehr lange zu überlegen.
Im letzten Jahr war einfach zu viel passiert, das an ihren Nerven gezerrt hatte.
Kelan’s Tod, der nie aufgeklärt worden ist.
Schon damals war ihr Gesundheitszustand schwer angeschlagen gewesen.
Dann das ganze Hin und Her, wegen ihrer Vermählung mit Rafael.
Letztendlich hatte sie nicht nur geheiratet, weil sie es musste. Nein, sie hatte begonnen ihn zu lieben und liebte ihn heute mehr, als sie jetzt ertragen konnte. Dass sein Vater andere Pläne mit ihm gehabt hatte, die Demütigungen durch den alten Herren und all die Aufregung, bis sie dann endlich verheiratet waren, hatte sie zwar vergeben und vergessen, doch es hatte unweigerlich an ihrer Kraft gezehrt.
Dann die Entführung ihres Kleinen. Was hatte sie für Ängste ausgestanden!
Und nun war kaum die Entführung ihres Mannes vorüber, von der er sich noch gar nicht erholen konnte, da stand er schon wieder auf dem Schlachtfeld.
Sie konnte seine müden traurigen Augen nicht vergessen, als sie ihn im Lager vor Berchgard aufgesucht hatte. Doch auch in dieser Nacht hatte er nur wenige Stunden Schlaf gefunden, obwohl er ihr versprochen hatte, sie nach hause zu begleiten und sich auszuruhen, war er erst im Morgengrauen ins Bett geschlüpft. Zwar hatte er ihr eine Rose aufs Bett gelegt gehabt.. von der sie sich gar nicht vorstellen konnte, wo er sie aufgetrieben hatte…, doch war er schon wieder fort, als sie am Morgen erwachte. Sie machte sich ernsthafte Sorgen um ihn. Sie konnte verstehen, dass er nun für den Grafen und die Grafschaft präsent sein musste, doch wie lange noch? Die Gefangenschaft hatte doch bei ihm nicht nur körperliche Narben hinterlassen, auch er musste sich am Rande seiner körperlichen und seelischen Kräfte bewegen. Der Tod der Königin und die zu befürchtenden Unruhen und Kämpfe würden ihn noch lange von daheim fern halten.
Und sie würde vor Angst um ihn, geboren aus ihre viel zu großen Liebe, dabei vergehen.
Ja.. der Tod der Königin ging ihr sehr nahe. Die damit verbundenen Verleumdungen, die auch sie auf dem öffentlichen Anschlag gelesen hatte, regten sie über die Maßen auf. Sie hatte die Königin nur flüchtig gekannt, doch wusste sie um deren Rechtschaffenheit und Güte. Hatte diese junge Monarchin doch um Kelan’s willen und Gedenken an ihn für ihre und die Zukunft Taris gesorgt.

Angelina trat an das Küchenfenster und sah in den Wald hinein.
Sie wusste, dass sie etwas tun musste.
‚Entweder die Lebensumstände ändern oder die Einstellung dazu’ stand in ihrem Lehrbuch.
Sie seufzte schwer.
Wie sollte sie das?
Musste sie nicht an der Seite ihres Mannes sein? Ihn unterstützen, ihm die Geborgenheit geben, die er brauchte? Ihm zeigen, dass sie ihn liebte? Hatte er ihr in den Monaten ihrer Ehe nicht immer wieder gesagt und gezeigt, wie sehr er sie brauchte?
Sie wandte sich ab und ließ sich schwer auf den nächsten Stuhl sinken. Tränen rannen ihr ungefragt über die Wangen und tropften auf ihren Schoß.

Was würde ihre Mutter ihr raten?
Angelina sah ihre geliebte Mutter vor sich, die sie mit liebevollem, aber wissendem Blick betrachtete. Die alte Heilerin würde ihr ruhig sagen: „ Mein liebes Kind, jetzt ist es wohl an der Zeit, endlich einmal an Dich zu denken. Dein Gatte ist ein erwachsener Mann. Dazu ein Ritter. Er wird verantwortungsvoll handeln.. für sich und andere. Und Du…Du musst Dich erholen. Sonst wirst Du ihm sicher nicht die Frau sein können, die er braucht.“
„Und das bedeutet, Mutter?“ murmelte Angelina vor sich hin und lauschte dann in sich hinein. Zusammengesunken saß sie still weinend am Tisch.
„Geh fort.. eine Zeit lang“ hörte sie ihre Mutter sagen.
Angelina weinte heftiger.
Fort.. aber wohin?
Und wie sollte sie es Rafael sagen? Er würde sie doch niemals gehen lassen!
Er würde sich verlassen fühlen, zurückgewiesen. Das durfte sie ihm doch nicht antun!
„Du musst jetzt endlich einmal an Dich denken“ hallte es in ihren Gedanken nach.
Ihr krampfte sich das Herz zusammen. Durfte sie das denn?
Rafe hätte dann keine privaten Verpflichtungen.
Er könnte sie voll und ganz auf seine Aufgaben für die Grafschaft konzentrieren.
Der Graf war auf dem Wege der Genesung. Bald würde er wieder hergestellt sein. Um ihn brauchte sie sich auch nicht zu sorgen.
Doch um Rafael sorgte sie sich.
Helfen konnte sie ihm aber nicht. Er hörte nicht auf sie. Und sie wurde dabei krank.

Mit beiden Händen wischte sie sich über das Gesicht und raffte sich dann schweren Herzens auf, einen Brief für ihren Mann zu schreiben.

Lange saß sie am Schreibtisch, bevor sie einen Anfang fand, den sie niederschrieb.

„Mein geliebter Mann!

Nun habe ich dich schon seit zwei Tagen nicht mehr gesehen.
Es schmerzt mich unaussprechlich, was ich Dir jetzt mitzuteilen habe. Doch ich wähle diesen Weg und diese Form, weil ich weiß, dass Du mich hindern würdest zu tun, was ich tun muss.

Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass ich krank bin. Doch keine Sorge. Ich werde wieder genesen. Jedoch muss ich dazu meine Lebensumstände verändern, da ich meine Einstellung zu meinem.. unserem Leben nicht ändern kann. Dazu liebe ich dich viel zu sehr.

Sei Dir gewiss, ich habe lange darüber nachgedacht. Auch wenn es Dich verletzen wird, so bleibt mir kein anderer Weg, als Dich für eine geraume Zeit zu verlassen. Ich liebe dich… offenbar viel zu sehr, als dass ich es ertragen kann, Dein müdes Gesicht, Deine erschöpften Augen anzusehen. Die Ereignisse der letzten Wochen haben aber nicht nur Dich an den Rand des Ertragbaren geführt, sondern offensichtlich auch mein Kräfte aufgezehrt.
So, wie ich mich zur Zeit fühle… ständig mit Tränen in den Augen… bin ich für Dich nur eine zusätzliche Belastung. Wie gern wäre ich die Frau an Deiner Seite, die Du jetzt brauchst. Wie gern würde ich Dir Dein Ruhepol sein, Dir meine Liebe zeigen, damit Du gestärkt und erholt dem Grafen zur Seite stehen kannst.
Doch es übersteigt meine Kraft.
Bitte verzeih mir mein Unvermögen.

Ich werde eine Reise antreten, deren Ziel ich Dir nicht mitteilen kann.
Bitte suche mich nicht. Ich bin auch nicht bei meiner Mutter.
Sobald mein Gesundheitszustand sich gebessert hat und ich wieder als Deine Gefährtin an Deiner Seite stehen kann, werde ich zurück sein.

Bitte, mein Geliebter, vergiss mich nicht.
Stets wirst Du in meinem Herzen bei mir sein.
Auch mich schmerzt dieser Schritt unaussprechlich, doch ich sehe keine andere Möglichkeit für uns beide.
Ich umarme und küsse Dich!
Deine Angelina“

Einige Tränen waren auf das Blatt getropft und hatten die Tinte blass werden lassen, wo sie das Papier tränkten. Doch Angelina beließ es dabei und faltete es sorgsam, um es dann in ein Kuvert zu stecken, das sie gut sichtbar auf dem Schreibtisch liegen lies.

Mit dumpfem Kopf und fahrigen Bewegungen packte sie zwei Taschen mit Kleidung.
Dann betrat sie Tari’s Zimmer und weckte ihn…

Verfasst: Sonntag 30. April 2006, 12:51
von Angelina de Arganta
„Komm… mein Schatz, steh auf“ sagte sie leise, als gelte es, niemanden außer Tari zu wecken, und rüttelte sanft an seiner Schulter. Verschlafen rieb sich der Junge die Augen und blinzelte zu seiner Mutter hinauf, die sich über ihn gebeugt hatte.
„Jetzt schon?“ grummelte er und zog die Stirn kraus. „Ist doch noch nicht mal hell.“
„Wir verreisen, Tari. Komm, zieh Dich an.. und wasch Dich. Ich packe von Deiner Kleidung noch was in meine Tasche.“
„Wir verreisen?“ Ein Strahlen ging über das Gesicht des Jungen. „Wohin denn?“
Schnell sprang er nun aus seinem Bett und konnte gar nicht schnell genug in seine Hosen schlüpfen. Das Hemd folgte und wurde nur vorn in den Hosenbund gestopft.
Angelina drehte ihn herum und beendete sein Ankleiden, während er sich schon bückte, um in seine Schuhe zu steigen.
„Wir machen eine Reise zu dem Ort, wo ich Deinen Vater kennen gelernt habe und wo ich lange die Akademie besuchte. Aber wir müssen uns einwenig eilen, denn die Kutsche wird bald fahren.“
Aufgeregt nickte Antares.
„Ich kann ja unterwegs mein Brot essen, Mama.“ Mit glänzenden Augen sah er sie an.
„Papa kommt nicht mit.. oder?“
Angelina wich seinem Blick aus und schüttelte den Kopf.
„Nein, Tari. Papa muss dem Grafen beistehen… und es herrscht Krieg. Er ist unabkömmlich. Wir fahren allein.“
Sie suchte warme Kleidung des Jungen zusammen und nahm auch noch ein Paar Schuhe.
Bevor sie das Zimmer verließ, bemerkte sie noch: „ Und wasch Dich noch, Tari. Dein Brot packe ich auch ein. Komm dann gleich runter.“
Antares stopfte sich noch einige für Angelina undefinierbare Dinge in die Hosentaschen, dann sprintete er ins Bad.

Nur kurze Zeit später überreichte Angelina ihre beiden Reisetaschen dem Kutscher, der diese auf das Dach des Reisegefährts lud.

Verfasst: Sonntag 30. April 2006, 12:56
von Rafael de Arganta
„Angelina?“ er trat ins Haus, gürtete sein Schwert ab und legte dieses auf den Tisch.
Einen Blick in die Küche werfend, rief er die Treppe hinauf wieder nach seiner Gemahlin.
„Angelina.“
Als sich wieder nichts rührte wollte er die Treppe in den Keller hinabsteigen, als er den Brief sah. Er hielt Inne, trat an den Tisch und nahm den Brief an sich.
Ein ungutes Gefühl beschlich ihn, als er den Brief auseinander faltete. Ein Gefühl das ihn versucht ließ das Pergament einfach ungelesen zur Seite zu legen.
Dennoch las er.
Las und mit jedem Worte wurde ihm das Herz schwer und ein unsichtbarer Klos zog ihm die Kehle zu.
„Nein... nein ... nein... nicht jetzt Angelina...“ flehte er von niemanden gehört, dann sank er in die Knie, das Pergament in der Hand zerknüllend.
Tränen liefen ihm über die Wangen und ein Schluchzen entrang sich seiner Kehle.
„Ich brauche dich doch, gerade jetzt.“
Er blickte auf das Pergament und die Wut nahm überhand in ihm.
Seid Liellas Treffen damals waren sie einander nicht mehr näher gekommen, war es vielleicht doch das sie wen anderen hatte und ihn nun deswegen verließ? Oder weil er nun... mit den Narben, entstellt war? Was war der Grund?
Seine ganze Angst, Wut und Schmerz hinausbrüllend kam er wieder auf die Beine und wischte mit einer Hand den Tisch leer, der Stuhl daneben ward hochgenommen und auf den Anderen geschmettert, so das beide zerbrachen, dann warf er den Tisch um, nahm das Glas und warf es gegen die Wand um den nächsten Stuhl zu nehmen und Inne zu halten.
Was tat er hier überhaupt...

Angelina ... sie liebte ihn, warum zweifelte er jetzt wieder daran.
Er fühlte sich Alleine, im Stich gelassen...
Er schloss die Augen. Nein er war nicht alleine. Er hatte seine Freunde, er hatte seinen Glauben, und Temora.
Obwohl ... Temora konnte er nicht umarmen, oder seine Freunde ihm die Nähe schenke die er brauchte. Der zu sein der er war wenn er die Mauer ablegte. Angelina wusste wer er war, wie er war. Bei ihr konnte er weinen, konnte Schwäche zeigen, was er sich sonst nicht zugestand.
„Angelina, ich liebe dich.“
Murmelte er, sich vorstellend wie er sie das letzte mal gesehen hatte. „Ich spür dein Herz und fühl deinen Schmerz..“

Er taumelte fast auf den Stuhl bei seinem Schreibtisch zu, und wischte sich über das tränennasse Gesicht.
Niemals wollte er ihr Schmerz bereiten. Niemals wieder diese Traurigen Augen sehen, die das erste waren das er damals an ihr sah...
Stets wollte er diese Augen zum Strahlen bringen, Glück in ihnen sehen und am Ende war er es, der nun Schuld daran war, das sie erneut litt.
Das ihre Augen sicher genauso schauten wie damals.
Was musste sie für Ängste ausgestanden haben, und auch jetzt.
Nur wie lange würde sie fort bleiben? Wochen? Monate? Gar Jahre? Kelan und sie hatten sich 7 Jahre lange nicht gesehen...
Er sprang auf „OH Temora, das halte ich nicht durch.“
Alleine die Ungewissheit machte ihn schier verrückt.
Warum hatte sie nur nicht mit ihm geredet?
Er seufzte auf. Wann denn auch! Beantwortete er sich selber die Frage.
Er war zu eingespannt gewesen. Er hatte ihre Sorge gesehen und doch musste er sie damit alleine lassen, vermochte ihr diese nicht zu nehmen.
Und hätte sie ihn angesprochen ... ja wie sie schrieb, er hätte sie niemals gehen lassen.
Tari hatte sie auch mitgenommen, was darauf deutete das sie länger blieb.

Entschlossen schritt er wieder aus dem nun fast verwüstetem Haus hinaus, sattelte sein Pferd, um zu Angelina Mutter zu reiten. Vielleicht wusste die Frau mehr.
Er konnte, er durfte nicht daran denken das Angelina ihn wirklich verlassen hatte.
Egal für wie lange, nur eine Woche wäre schon zuviel. Er musste sie zurückholen. Auch wenn vielleicht jetzt nicht gerade der rechte Zeitpunkt war, denn bald würde die Schlacht um Berchgard beginnen... er hoffte jedoch das er bis dahin zurück sein würde.

Verfasst: Montag 1. Mai 2006, 10:40
von Rafael de Arganta
Noch nie hatte er den Weg zu Angelinas Mutter in dieser Schnelligkeit überbrückt.
Sein Pferd nicht schonend, war er vor dem kleinen Kotten zu stehen gekommen und die Frau war fast erschrocken herausgekommen.
„Ist etwas passiert.“ Fragte sie sofort. „Ist etwas mit Angelina, oder Tari?“
Rafaels Hoffnung sank ins Bodenlose.
„Sie sind nicht hier?“ fragte er mutlos und die Heilerin schüttelte den Kopf. Rafael konnte die Angst in ihren Augen sehen, und beruhigte sie. „Nein, macht euch nur keine Sorge,“ meinte er dann fast tonlos. „Es ist ihnen nichts ... geschehen. Sie sind ... nur fort gegangen. Fort von mir.“
„Das glaube ich nicht.“ Meinte Jasmin sofort ihn ansehend. „Sie liebt dich doch Rafael, es muss etwas geschehen sein das...“ Der Ritter winkte ab. „Ja sicher ist etwas geschehen. Sie kann nicht mehr mit mir zusammen sein. Ich bin Schuld! Ich habe ihr nur Unglück gebracht, hab sie unglücklich gemacht...“ „Ach hör doch auf, Was ist denn überhaupt geschehen?“

Rafael zog den Brief aus seiner Tasche und reichte ihn ihr. Sah zu wie die junge Heilerin zu lesen begann.
Als sie aufsah deutete sie mit dem Finger auf das Pergament. „Da steht du sollst sie nicht suchen... Rafael!“
Der Ritter stöhnte auf. „Ja was glaubst du denn? Das ich das so einfach hinnehmen kann? Ich liebe sie? Ich brauche sie doch ...“ „Und respektierst du auch ihre Wünsche? Denkst du auch einmal an sie und nicht an dich? Sie ist Krank Rafael!“
„Und warum lässt sie nicht zu das ich ihr helfe?“ „Weil du das nicht kannst! ES ist Schwermut Rafael. Sie braucht Zeit.“
Rafael war aufgebracht innerlich verzweifelt und den Tränen nah. „Das heißt das ich Schuld daran bin wie es ihr geht? Das sie durch mich unglücklich, nein Krank ist ?
Und das mich zu sehen es nur noch Schlimmer machen würde?“ Ist es das was du mir sagen willst?“
Die alte Frau versuchte den jungen Mann zu beschwichtigen. „Sie liebt dich Rafael. Sie wird wiederkommen, gib ihr einfach etwas Zeit.“
Voller Wut, als er die Tränen bemerkte, die in seinen Augen traten wischte er sich über das Gesicht.
„Wie lange? Wie lange Jasmin. Ist sie bei Kelan damals auch deswegen gegangen? Das waren 7 Jahre!“
„Ach hör doch auf!“ schimpfte Angelinas Mutter. „Du weißt das das kein Vergleich ist. Sie hatte ihr Gedächtnis verloren.“

„Die Antwort hilft mir aber nicht. Ich kann nichts dafür was ich bin, was geschieht. Verstehst du nicht? Es zerreißt mich jedes Mal wenn ich sehe das sie unglücklich ist, und zu wissen das dies alles meine Schuld ist macht es nicht besser.“ „Es ist nicht deine Schuld. Rafael gib ihr die Zeit. Sie muss sich erholen. Dann wird sie wiederkommen. Sie liebt dich.“
„Und wie lange wird sie es dann mit mir, bei mir aushalten? Ich konnte mich jetzt 2 Monate ihr nicht einmal näher... nähern. Wegen dem Gedanken an einer Elfe die uns jederzeit aufsuchen könnte, und jetzt geht sie, ohne ein Wort...“
„Denkst du auch einmal an etwas anderes als an dich.“ Fauchte die Frau ihn nun an. „Sie ist krank. Rafael, das hat rein gar nichts mit irgendwas von dem zu tun was du hier auf den Tisch bringst. Und hätte sie es dir gesagt, hättest du sie aufgehalten und es wäre schlimmer geworden.

Es ist schon so manch einer an dieser Schwermut gestorben! Willst du das?!“
Rafael senkte den Kopf. „Nein... natürlich nicht.“ Murmelte obwohl er Mühe hatte seine Hilflose Wut nicht einfach hinaus zu schreien.
Unglücklich sah er die alte Frau an. „Wie... Lange?“ fragte er tonlos und Jasmin zögerte erst einen Moment. „Tage? Vielleicht ... Wochen... oder auch länger. Ja. Rafael ich möchte dir da nichts vormachen. Aber vergiss nicht das sie dich liebt. Sie wird zu dir zurück kehren.“
„Ja... wird sie... die Frage ist das Wann!“ Seine Stimme war brüchig voller Qual die ihn von innen zu zerreißen drohte. „Ich muss zurück.“
Meinte er dann. „Die Sclacht steht kurz bevor, und ich hätte es mir nichtmal leisten sollen her zu kommen.“ Er blickte zur Tür, als hätte er Hoffnung Angelina würd just in dem Moment hinaus schreiten.
Eine Träne tropfte nun endlich aus seinen Augenwinkeln. Lange genug sich ihre Bahn suchend.
„Ich liebe sie doch.“ Meinte er verzweifelt, bevor er dann langsam, ohne einen Abschiedsgruss sein Pferd wendete, es dann einfach anspornte, als könnte er vor seinem Schmerz davon reiten.

Verfasst: Montag 1. Mai 2006, 15:42
von Angelina de Arganta
Antares konnte seiner Aufregung kaum Herr werden und redete sogar noch mit vollem Mund, nachdem Angelina ihm sein Frühstücksbrot gegeben hatte.
„Iss jetzt erst einmal, Tari. Ich schaue mir doch auch die Landschaft an…“
Die junge Frau lehnte sich in das Polster der Kutsche zurück, hielt ihr Gesicht zum Fenster gewandt, doch sie konnte die Frühlingslandschaft in der aufgehende Sonne nicht wirklich genießen. Ihre Gedanken weilten bei ihrem Gatten. Ob er inzwischen heimgekehrt war und den Brief gefunden hatte?
Angelina’s Finger krampften sich ineinander bei dem Gedanken, wie enttäuscht er sein musste. War es wirklich der richtige Weg, den sie beschritten hatte?
Verstohlen wischte sie sich eine Träne von der Wange, ihre Augen liefen einfach über. Sie nestelte ein Taschentuch aus ihrem Ärmel und betupfte sich die Augen, dabei kurz zu Tari hinüber sehend. Er hatte nun schon einen Moment nichts mehr gesagt.
Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.
Antares hatte die Beine auf das Polster angezogen, sich in die Ecke gekauert und schlief.
Er war es halt nicht gewohnt, so früh aufzustehen.. und dann noch die Aufregung, wegen der weiten Reise….

Auch Angelina suchte sich zu entspannen trotz der rumpelnden, schaukelnden Kutsche und schloss die Augen.
Bilder zogen vor ihrem inneren Auge vorbei….
Rafe… mit seinem erschöpften, müden Blick… mit seinem verschmitzten, jungenhaften Lächeln… mit dem faszinierenden Blick seiner hellen Augen, wenn er sie begehrte.
Ihr zog sich das Herz zusammen und erneut quollen Tränen unter ihren dunklen Wimpern hervor. Sie sehnte sich jetzt schon nach ihm… wie sollte sie sich dann fern von ihm erholen? Aber sie wußte keinen anderen Weg... für sie beide.

Gegen Mittag hatten sie an einer Poststation Halt gemacht. Die Pferde waren gewechselt worden und Angelina und Tari hatten im Gasthof ein reichliches Mahl, das zwar schmackhaft, aber Angelina ein wenig zu fett war, eingenommen.
Die Nacht verbrachten sie dann in einem kleinen Zimmer in einem Gasthof.

Die nächsten Tage verliefen wie der erste Tag.
Nur, dass am dritten Tag noch ein Reisender hinzu gestiegen war. Er stellte sich als Rechtskundiger vor und befreite Angelina durch seine angenehme Unterhaltung für die Länge seiner Begleitung von ihren trüben Gedanken.
Ihre Sorgen vergessend brachte sie der Herr sogar zum Lachen. Er hatte eine nette Art, sich mit Antares zu unterhalten und sie genoss seine Gegenwart.
Am vierten Tag der Reise verspürte Angelina eine gewisse Aufregung.
Sie wollte dem Ritter Alexey nicht begegnen in der Garnisionsstadt, aber dennoch ihrem Sohn das Gardegebäude zeigen, in dem sein Vater Kelan von Falkenburg Dienst getan hatte.
Auch erhoffte sie sich von einem Besuch in der Akademie ein Gespräch mit ihrer damaligen Lehrerin. Vielleicht konnte diese ihr Lehrbücher zur Verfügung stellen oder kannte sich mit der Schwermut aus. Und noch vor dem Abend würden sie dort eintreffen.

Angelina sah aus dem Fenster und hörte geduldig ihrem Sohn zu, beantwortete seine Fragen und hing doch immer wieder ihren Gedanken an Rafael nach.
Was er wohl gerade tat?
Würde seine Liebe diese Trennung überstehen?
Ob er wohl Verständnis dafür hatte, dass sie sich erholen musste?
Ein tiefes Seufzen entfuhr ihrer Kehle.
Sie vermisste ihn so sehr!

Verfasst: Dienstag 2. Mai 2006, 04:44
von Antares von Falkenburg
Immer wieder schaute der kleine Junge aus dem Fenster der fahrenden Kutsche, unruhig zappelte er auf den Sitz hin und her. Neugierig wohin die Reise ging, seine Mutter hatte ihn nicht wirklich viel ueber ihr Ziel erzaehlt und somit war das alles noch aufregender, als es eh schon der Fall war. Ab und an streifte der Blick von Antares seine Mutter, die ganze Zeit ueber hatte sie kaum ein Wort gesprochen, seine Fragen nur knapp benatwortet und hin und wieder geistesabwesend seinen Kopf gestreichelt. Angelina wirkte nachdenklich und traurig, nur warum, dass war dem kleinen Tari schleierhaft.

Eigentlich sollte sie doch gluecklich sein, jetzt wo Raf wieder da war. Aber die Welt der Erwachsenen war einfach nur ein grosses Geheimnis. Als am Fenster nur noch vereinzelte Huegel und Felder auftauchten, was nicht gerade das Interesse von Tari weckte, rutschte er zu seiner Mutter hinueber. Nachdenklich wie er seine Mama aufmuntern konnte, spielte er an dem Amulett her rum, welches das Bildnis seines wirklichen Vaters Kelan enthielt.

Hin und wieder dachte Tari auch an ihn, jedoch so sehr er sich anstrengte er konnte sich beim besten Willen nicht an ihn erinnern, wuerde er das Bild nicht besitzen dann wuesste er nicht einmal wie Kelan aussah. Behutsam zupfte er am Aermel seiner Mama. Sie drehte ihren Kopf zu ihm und laechlte leicht. „ Wir sind bald da, es ist nicht mehr weit mein Schatz.“ Anders wirkte ihre Stimme auf Antares, anders als sonst, sie klang beinahe hohl ohne wirklichen Tonfall dahinter.

Leicht schuerzte der 8 jaehrige seine Lippen. Nein, seine Mama gefiel ihm so ganz und gar nicht. „ Mama ich muss mal ganz dringend.“ Um seiner Aussage Nachdruck zu verleihen begann er wieder ihn und her zu rutschen. Sofort ließ Angelina die Kutsche anhalten und Antares hechtete foermlich aus der Kutsche hinaus, in einen kleinen Wald hinein. „Pass auf Tari und nicht soweit weg gehen.“ Rief ihm Lina noch hinter her, jedoch er hoerte das schon gar nicht mehr. Hastig suchte der Blick die Umgebung ab und als er endlich fand was er suchte gab es fuer ihn keinen halt mehr.

Mit flinken Fingern sammelte er die vielen bunten Wildblumen ein und versteckte sie hinter seinen Ruecken. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht eilte er sich, zurueck zur Kutsche zu kommen. Schon sah er das sorgenvolle Gesicht seiner Mutter, warum sie sich auch staendig sorgen um ihn machen musste?!. „ Koennen wir weiter fahren?“ Tari nickte eifrig. „ Aber Mama ich habe noch etwas fuer dich, aber du musst dann wieder Laecheln.“ Und schon war der Blumenstrauss hervor geholt. Wie Tari es einmal gesehen hatte, Kniete er sich vor seiner Mutter nieder und hielt den Strauß von sich. „ Fuer Mama damit sie nicht mehr traurig ist.“

Man sah ,Angelina an, wie bewegt sie ueber diese Gestik war und ploetzlich huschte ihr wunderschoenes Laechlen wieder ueber die Lippen, mit einem gehauchten „Danke“ nahm sie die Blumen an sich und Umarmte Tari. _ So kann die fahrt also weiter gehen:_ Dachte sich der kleine , voller Stolz seine Mutter zum Lachen gebracht zu haben.

Verfasst: Dienstag 2. Mai 2006, 16:21
von Laery Lordy MacIora
bitte löschen

Verfasst: Dienstag 2. Mai 2006, 16:26
von Angelina de Arganta
Antares an der Hand, die beiden Reisetaschen vor ihren Füssen, stand Angelina vor der Herberge und sah der auf dem Kopfsteinpflaster davon rumpelnden Kutsche nach.
Die Rufe des Kutschers, mit denen er seine Pferde angetrieben hatte, waren schon längst verklungen, da besann sie sich erst und nahm eine der Taschen auf.
Es hatte sich einiges in der Strasse verändert seit damals. Die Herberge hatte wohl erst vor kurzem einen neuen Anstrich erhalten, doch gegenüber der Herberge war immer noch der Heiler und fast am Ende der Strasse hatte sie das Gebäude der Akademie ausgemacht, über dessen Eingang das alte Schild prangte.
„Wir werden uns hier ein Zimmer mieten“ meinte sie zu ihrem Sohn, der sich von ihrer Hand löste und versuchte, die andere Tasche mitzunehmen. Mit viel Gekeuche und hochrotem Kopf schaffte er sie bis zur Tür, die seine Mutter für ihn offen hielt.
„Puh.. ist die schwer, Mama!“
Der Portier eilte schon herbei, strich Antares mit einem Lob auf den Lippen über den Kopf und griff nach der Last, die Tari ganz offensichtlich gern abgab.

Sie hatten ein Zimmer mit zwei Betten bekommen, das nach hinten hinaus lag.
Als Angelina an das Fenster trat, konnte sie die alte Kirche sehen.
Sie atmete tief durch. Die Kirche…
Längst vergessene Bilder und Gefühle, deren Heftigkeit ihr fast den Atem nahmen, stiegen aus ihrer Erinnerung auf. Hier hatten Kelan und sie damals heiraten wollen, doch der Hohepriester hatte es ihnen so schwer gemacht, die Voraussetzungen für eine Eheschließung zu erfüllen, dass es zu dieser Hochzeit nicht gekommen war. Tari trat zu ihr und ließ sich erzählen, dass sein Vater dort vor sehr langer Zeit, als es ihn, Antares, noch lange nicht gab, als Kirchendiener gearbeitet hatte. Kelans Traum war es gewesen einmal Ritter zu werden, daher musste er auch der Kirche dienen… auf ganz einfache und schlichte Weise.
Antares genoss es, von seinem Vater zu hören und nun die Orte sehen zu können, an denen Kelan als junger Mann gelebt hatte.

Als sie ihre Unterkunft verließen, erzählte Angelina ihrem Sohn, dass sie hier, vor der Tür den ersten Kuss seines Vaters bekommen hätte. Tari lachte.
„Hier?.. Hier, wo ich jetzt stehe?“
Angelina lachte mit ihm und küsste ihm die Wange. „Ja.. genau da!“

Langsam erkundeten sie die kleine Stadt.
Zu vielen Gebäuden konnte Angelina eine Geschichte erzählen. Als sie über den Marktplatz gingen, kaufte sich die junge Frau ein Kopftuch, das sie sich sogleich über ihr leuchtend kupferfarbenes Haar band. Um die nächste Ecke lag das Gardegebäude und sie wollte nicht, dass sie dort womöglich jemand erkannte. Ihr heutiger Name verriet sie nicht, doch an ihrem Haar würde man sie vielleicht erkennen.
Und das wollte sie nicht riskieren. Sie wollte unerkannt bleiben und auf gar keinem Fall dem Ritter Alexey begegnen. Von Kelan wusste sie noch, dass dieser nicht geheiratet hatte, so wie es geplant gewesen war… und sie wollte keine Komplikationen. Ihr Leben war gut so, wie es war. Sie hatte einen Mann, von dem sie geliebt wurde und den sie sehr liebte; und einen Sohn, dem sie ebenfalls voller Liebe zugetan war.

In einiger Entfernung blieben sie stehen.
„Schau Tari.. so wie die beiden Soldaten, die dort stehen, so hat Dein Papa auch Wache schieben müssen. In dem Haus wohnen die Gardisten. Sie schlafen in einem großen Saal mit ganz vielen Betten. Im Keller ist ein Kerker für Gefangene. Und dort.. das Fenster… das ist das Büro des Hauptmannes.“

Der Brunnen bei dem Gardehaus plätscherte noch genauso gemächlich vor sich hin, wie vor Jahren schon. Nachdem Antares mit den Händen eine Weile darin herumgeplanscht hatte, forderte Angelina ihn jedoch zum Weitergehen auf.
Sie konnte diese Flut von Erinnerungen kaum ertragen.
Wie oft hatten sie und Kelan sich hier am Brunnen getroffen?
Wie viele Stunden hier gesessen?
Sie waren damals so glücklich und so unglücklich gewesen.
Ihr größter Wunsch hatte sich nie erfüllt. Kelan war kurz vor ihrer Hochzeit, viele Jahre später, ermordet worden.
Fast eilig verließ sie mit Tari den Platz.

Ihren Sohn fest an der Hand haltend, betrat Angelina andächtig den Unterrichtsraum der Akademie. Es roch immer noch nach Staub, Kreide und alten Büchern. Da offensichtlich kein Unterricht stattfand, waren die meisten Kerzen gelöscht und der Raum lag im Halbdunkel.
Sie klopfte an die Tür ihrer früheren Lehrerin und flüsterte Tari zu: „ Mal sehen, ob Ihre Erlaucht da ist.“

„Ja, bitte!“ wurde von der anderen Seite der Tür gerufen und Angelina trat mit Antares ein.
Berge von Büchern stapelten sich auf dem großen Schreibtisch, vor dem man sogleich stand, hatte man die Tür hinter sich geschlossen.
Diese Frau hinter dem Tisch, die nun fast gereizt wegen der Störung aufsah, hatte Angelina schon damals eingeschüchtert, und so spürte sie auch jetzt eine gewisse Befangenheit.
Tapfer lächelte Angelina.
„Ich hoffe, mein Besuch kommt nicht all zu ungelegen, Erlaucht. Ich bin Angelina de Arganta, damals hieß ich noch Hill, als Ihr mich unterrichtet habt.“
Erkennen war in dem Gesicht der älteren Dame zu lesen. Fast neugierig musterte sie die junge Frau mit dem Kind an der Hand.
„Jaaa..“ sagte sie gedehnt. „Ich entsinne mich. Da war doch etwas mit einem Gardisten… nicht wahr?“
Angelina flog eine leichte Röte an.
„Ja.. Kelan. Wir haben uns nach Jahren wieder gefunden…“ Angelina lächelte gequält und machte eine kurze Pause. „Darf ich euch seinen Sohn vorstellen? Das ist Antares.“
Sie lächelte nun stolz auf ihren Sohn herab, der sich artig vor der alten Dame verbeugte.

Als Antares und Angelina an diesem Tag in ihr Zimmer zurückkehrten, freute der Junge sich auf sein frisches Bett und Angelina darauf, noch eine Weile zum Nachdenken für sich zu haben.
Lange saß sie am Fenster und sah auf die Silhouette des Kirchenturmes am Nachthimmel.
Sie hatte eine Weile leise geweint. Irgendwie war ihr, als ob sie hier an diesem Ort erst richtig von Kelan Abschied nehmen konnte. Doch als die Tränen versiegt waren, kehrte Frieden in sie ein. Sie hatte hier sehr deutlich gespürt, wie sehr sie Taris Vater einst geliebt hatte.. und es wohl auch immer noch tat.
Doch sie war hergekommen in der Hoffnung, Hilfe zu bekommen und gesund zu werden, damit sie dem Mann, den sie heute von ganzem Herzen liebte, eine gute Gefährtin sein konnte.
Ihre Sehnsucht und Liebe galt hier und jetzt nur einem. Rafael.
Und sie wusste nun, was sie tun musste, um zu gesunden.

Verfasst: Mittwoch 3. Mai 2006, 12:59
von Angelina de Arganta
Von unruhigen Träumen geplagt war sie in der Nacht immer wieder schweißgebadet erwacht. Sie hätte nicht sagen können, was sie geträumt hatte, doch das Gefühl von Verlust und Angst brachte ihr Herz jedes Mal zum Rasen und eine tiefe Traurigkeit erfüllte sie.
Am Morgen fühlte sie sich elender als am Abend zuvor.
Unschlüssig und ohne Antrieb saß sie lange auf ihrer Bettkante. Eigentlich wollte sie sich heute um die Rückreise kümmern, doch als Antares mit bettelndem Blick fragte: „Mami, gehen wir heute zum Strand? Du hast doch gesagt, dass der hier so schön und lang ist“, konnte sie es ihm nicht abschlagen und nickte seufzend.

Sie wollte nicht schwermütig sein!
Wieder einmal regte sich in ihr der Unmut über diese Krankheit und sie wütete in Gedanken gegen sich.
‚Nun reiß dich mal zusammen! Was ist schon so schwer daran, mit dem Jungen schwimmen zu gehen?“ Doch es half nichts.
Angelina packte einen Korb mit Essen und Trinken für den Tag am Wasser und Antares rollte seine Decke zusammen, die am Fußende seines Bettes gelegen hatte. Freudig half er seiner Mutter und konnte es kaum abwarten aufzubrechen.

Ihr Weg führte sie durch das Stadttor, an den Bauernhöfen vorbei und dann auf einem schmalen Pfad durch den Waldgürtel.
Der Wald schien dichter geworden zu sein und einige Mal hielt Angelina erschreckt inne, als irgendwo ein Panther fauchte oder über ihnen ein Vogel einen schrillen Warnschrei ausstieß.
Sie wollte nicht so schreckhaft und ängstlich sein, doch abstellen konnte sie es auch nicht.

Als sie aus dem Wald heraustraten und der weiße, in der Sonne blendende Strand vor ihnen lag, riss Tari sich jubelnd von der Hand seiner Mutter los.
„Nicht ins Wasser Tari!“ rief sie ihm nach und musste lächeln bei seiner Freude und seinem Übermut.
Langsam ging sie barfuss hinter ihm her. Der weiche Sand unter ihren Sohlen und die wärmende Sonne auf den Armen taten ihr wohl. Antares suchte Muscheln und immer wieder blieb er stehen, seinen Arm hochgereckt, um seinen neuesten Fund zu zeigen. Seine Augen leuchteten vor Begeisterung.

Unter einer Palme schlugen sie ihr Lager auf. Tari breitete seine Decke auf dem Sand aus und nachdem sie zusammen etwas von den mitgebrachten Köstlichkeiten gegessen und etwas Wasser getrunken hatten, konnte er seine Kleidung und die Schuhe gar nicht schnell genug vom Leib bekommen. Angelina sah ihm nach, als er zum Wasser stürmte und genoss seine Ausgelassenheit.

„Nicht weiter ins Wasser, als bis zum Bauch!“
„Ja.. Mama!“

Antares baute im Sand Gräben, ließ sie mit Wasser vollaufen und es entstand unter seinen Händen eine riesige Sandburg.
Das mitgebrachte Buch, das sie von der Erlaucht bekommen hatte, nahm Angelina auf den Schoss und blätterte darin. Unter dem Begriff ‚Schwermut’ fand sie unter anderem darin geschrieben, was die alte Lehrerin ihr auch schon erklärt hatte…
‚In machen Fällen sei es hilfreich, den Kranken in einen Tiefschlaf zu versetzen. Jedoch nur erfahrene Magier oder Geistliche sollten dieses bewirken, da die Gefahr besteht, dass der Kranke nicht wieder daraus erwacht. Durch das Wirken der übernatürlichen Kräfte kann das Gleichgewicht zwischen Seele und Körper wieder hergestellt werden, das Lied der Eluive in seiner schöpferischen Macht zum Klingen gebracht werden.’
Angelina blickte nachdenklich auf das Meer hinaus, das mit seinen sanften Wellen an dem weiß schimmernden Strand leckte.
War das die Lösung?
Dann konnte sie vielleicht in wenigen Tagen wieder ganz hergestellt sein und musste sich nicht noch Wochen oder gar Monate mit ihrer trüben Stimmung und den ganzen Unpässlichkeiten herumplagen. Doch wen sollte sie darum ersuchen? Die Heiligkeit.. oder den ehemaligen Richter?
Angelina klappte das Buch zu und verstaute es wieder im Korb.
Der Heiligkeit Alyssa hatte sie sich schon so manches Mal anvertraut. Diese weise und tief gläubige Frau kannte sie. Ob sie ihr helfen konnte?

Abgetobt und frisch gebadet fiel am Abend Antares zufrieden und immer noch von dem schönen Tag schwärmend ins Bett. Doch eine gesunde Müdigkeit ließ ihn schnell einschlafen.

Angelina erkundigte sich beim Portier nach einer Kutsche, die in Richtung Varuna fahren würde und bekam den Preis für die Reise und die Uhrzeit genannt, an der die Kutsche abfahren würde.
Leise, um ihren Sohn nicht zu wecken, packte sie.
Wenn auch durch die sie befallene Schwermut gedämpft, so konnte sie doch Freude verspüren, bald ihren geliebten Rafael wieder gegenüber zu stehen. Hoffnung und ein sanftes Sehnen erfüllte sie.

Verfasst: Donnerstag 4. Mai 2006, 10:46
von Rafael de Arganta
Die kühle Luft in der Gruft tat ihm gut, wie auch die Anwesenheit Adrians der Still vor dem Sarkophag seiner Schwester kniete.
Nur langsam jedoch nahm seine Hitze ab, und seine Gedanken wurden wieder klarer.
Was hatte er getan.
Was hätte er noch fast getan.
Er konnte nicht verleugnen das er die Felicitas begehrt hatte. Aber es wäre und war nicht Recht gewesen. Zum einen war er verheiratet und zum Anderen liebte er Angelina seine Frau.

Genau deswegen hatte er mit Felicitas das Gewölbe verlassen gehabt, Adrian mit Darna alleine gelassen um der Baronin genau das zu sagen.
Aus Angst sie konnte mehr in dieser, Freundschaft sehen als er zu geben vermochte.
Er wollte jede Hoffnung direkt im Keim ersticken um ihr eben nicht weh zu tun, um diese Freundschaft die sie beide Verband halten zu können.
So sagte er ihr was in ihm vorging.
Er genoss ihre Nähe, sie hatte ihm mit ihrer Fröhlichkeit und Freundschaft viel gegeben, gerade deswegen wollte er Ehrlich zu ihr sein.
Doch als er ihr genau das sagte, das er Angst hätte sie zu verletzten, ehrlich sein sollte und sie wissen muss das er Angelina liebte, da sah sie so verloren aus, das er sie wie beschützend, tröstend, in seine Arme nahm.
Sie schmiegte sich an ihn und er hatte Mühe Distanz auf zu bauen. „ich wünsche dir.. das sie zurück kommt, Rafael.“ Meinte sie leise, und er hörte das leichte Zittern ihrer Stimme. „Versteh sie. Sie ist eine Wunderbare Frau und hat soviel mitgemacht.“ Meint er leise doch sie senkte den Kopf. „Ich habe den Schmerz in deinen Augen gesehen.“ Sprach sie leise und Rafael vermochte nicht zu widersprechen. Als sie nun den Blick hob, ihn so verloren ansah, meinte er leise. „Es... tut mir leid, Ich fühle mich so wohl in eurer Nähe und komme mir doch vor wie ein Schuft.“

Sie kamen sich näher, blieben beieinander stehen, mit einander sprechend. Rafael erzählte ihr das er für sie hoffte das sie bald den Rechten für sie finden würde, der sie lieben würde, auf Händen tragen Das selbst wenn er sie küssen würde es nicht ehrlich wäre, weil er wusste das es Angelina ist, die er in Wirklichkeit vermisst und will.
Felicitas war voller Verständnis, legte ihre Hand an die Stelle seines Herzens. „Ich.. habe das nicht geplant...oder fossiert. Ich...war selbst.. so einsam...Rafael.. so schrecklich einsam.“
Er konnte die Tränen sehen die in ihren Augen schimmerten und strich diese mit einer sanften Geste fort. „Das bist du jetzt nicht mehr.“ Meinte er fast sanft zu ihr. „Wäre ich jetzt unehrlich und würde dir Versprechungen machen... die ich nicht halten kann würde ich irgendwann gehen, aber so...“ Sie nickte den Kopf an seine Brust legend. „Uns verbindet soviel....und doch sind wir soweit voneinander entfernt.“
„Ich möchte nicht das du leidest. Nicht wegen mir. Und Angelina... sie ist nicht so wie du vielleicht glauben magst.“
Sie lächelte ihn an. „Ich leide doch nicht, nicht jetzt...nicht wenn ich in deiner Nähe sein darf. Sag mir.. was du denkst.. was du fühlst “
Rafael schüttelte den Kopf. „Nein, das wäre nicht recht.“
Das Lächeln das sie ihm schenkte ließ ihn den Kopf senken. Worauf sie dann leiste ohne Vorwurf meinte. „Belügst du dich selbst?“ er schaute auf als sich ihre Hand an seine Wange legte. „Wahrscheinlich?“ antwortete er verwirrt, ihrem Blick nun begegnend und sich dann doch hinreißen lassend ihr sanft einen Kuss auf ihre Lippen zu hauchen. Nur um sie dann wieder wie entschuldigend an zu sehen.

Er sehnte sich zu sehr nach Angelina, und das hier war nicht recht. Keinem Gegenüber.
Nicht Felicitas, nicht Angelina noch seiner Ehre, dennoch er würde sich belügen wenn er verleugnen würde das ihm diese Nähe gut tat.
„Es ist nicht recht das ich mich wohl fühle,“ sprach er dann leise worauf sie kaum merklich den Kopf schüttelte. „Warum? Bei mir musst du nicht stark sein...unverwundbar. Du kannst so sein...wie du bist...mir sagen was du möchtest.“
Meinte sie leise, ihm durch sein Haar streichelnd.
Sie redeten noch einige Zeit miteinander, dann, Rafael wusste nicht einmal mehr wie es dazu kam, streckte sie sich ihm entgegen, bevor sie die Arme ganz um ihn legte und ihn küsste.

Rafael zögerte, er wusste das er sich zurück ziehen sollte, aber konnte es nicht.
Der Kuss war so süß und er sehnte sich nach Nähe, das er begann diesen zu erwidern, gar einen Moment lang Leidenschaftlicher werden zu lassen. Nur langsam kam er wieder zu sich, unterbrach den Kuss, ohne sie los zu lassen, um sie dann wie um Entschuldigung bittend an zu sehen.
Er konnte spüren das er zitterte, Begehren in ihm, Schuldbewusstsein und die Sehnsicht nach Angelina, stritten in ihm.
„Ich... ich muss mich entschuldigen.“ Brachte er schließlich brüchig hervor. „Es... es war nicht recht.“
Sie hauchte ihm einen schnellen Kuss auf die Wange. „Du warst nur ehrlich. du musst nichts sagen Rafael.. ich spüre es auch so....Es braucht keine Worte...lass es uns.. unausgesprochen lassen.“
Er seufzte auf und nickte. „Ich weiss nicht was ich sagen soll. Ich will und wollte dir nicht weh tun.“
Sie lächelte wieder und fast verlegen senkte sie ihren Kopf bevor sie leise meinte. „Das hast du nicht..“ meinte sie und akzeptierte es als er sich von ihr löste um etwas zurück zu treten.
In den folgenden Momenten waren sie ehrlich zu einander, und viel hätte wirklich nicht mehr gefehlt und Rafael wäre endgültig schwach geworden. Ihre Worten zogen ihn an, schürten sein Begehren doch er unterdrückte es.
Es wäre eine Lüge.
Er sehnte sich nach Nähe, sicher, aber würde er doch nur an Angelina denken. Auch wenn es jetzt ohne folgen wäre, ohne Verpflichtungen, so wäre es doch nicht ehrlich.

Seufzend bot er an sie heim zu geleiten und sie willigte ein. Ließ sich von ihm zum Theater bringen, wo er sich distanziert ob der Gardisten in der Strasse von ihr verabschiedete.
Leise sagte sie ihm das sie ihn wieder sehen wolle, bald, worauf er ihr ekrlärte das sie das täte, jedoch sich nichts erhoffen sollte.
„Öffne dein Herz und deine Augen für jenen Mann der dir alles zu geben vermag was du dir ersehnst.“ Meinte er leise, um sich dann mit einem Handkuss bei ihr zu verabschieden.
Sie lächelte ihn an und ihr Abschiedssatz ließ ihm die Nacht über keine Ruhe mehr.
„Komm zu mir.. wenn du dich Einsam fühlst...dann.. sind wir es Beide nicht mehr.“

Die kühle Luft in der Gruft tat ihm gut, wie auch die Anwesenheit Adrians der Still vor dem Sarkophag seiner Schwester kniete.

Verfasst: Donnerstag 4. Mai 2006, 23:05
von Angelina de Arganta
Die Reise verlief anstrengend für Angelina. Den Jungen schien es nicht so viel auszumachen. Er rollte sich auf seinem Sitz zusammen und schlief einfach, während seine Mutter kaum Schlaf fand. Das Ruckeln der Kutsche hielt sie wach. Angelina hatte das Gefühl, dass die Reise dieses mal auch viel schneller voran ging. Das war ihr schon recht, doch die Pausen in den Gasthäusern waren deshalb auch nur sehr kurz und es bleib kaum Zeit für sie, sich zwischendurch dort frisch zu machen.
So entstieg sie durchgeschwitzt und mit strähnigem Haar der Kutsche vor Varuna.
Antares rannte schon das kurze Stück nach hause und rief immer wieder: „Papa! Papa! Wir sind wieder da!“
Erst kurz vor dem Tor besann er sich und kehrte zu seiner Mutter zurück, die gerade ächzend die Taschen annahm, die ihr vom Dach der Kutsche herunter gereicht wurden.
Zusammen trugen sie ihr Gepäck heim.
Nicht nur Tari war aufgeregt und freute sich auf seinen Papa. Auch Angelina war voller Vorfreude. Sie fragte sich, ob Rafael wohl daheim sei… oder noch vor Berchgard? War Berchgard befreit und das Lager aufgelöst?
Das würde sie bald herausgefunden haben, nahm sie sich vor.
Zu aller erst aber ein Bad, frische Kleidung und dann würde sie Rafe suchen.

Das Haus lag still und friedlich da. Doch kein Pferd im Garten.. und Licht war durch die Fenster auch nicht zu erkennen.
Tari und Angelina ließen die Taschen vor der Tür stehen und traten ins Haus. Ob Rafe wohl schlief, dass es so still war?
Doch dann blieb Angelina wie angewurzelt stehen. Ihrem Blick bot sich eine mittelschwere Verwüstung. Zerbrochene Stühle, verstreute Gegenstände, die vorher auf dem Tisch gestanden hatten, lagen im Wohnraum auf dem Boden verteilt. Der große Tisch war umgekippt.
Tari sah zu seiner Mutter mit fragendem und verständnislosem Blick auf. Sie legte ihm besänftigend die Hand auf den roten Haarschopf.
„Wer hat das gemacht?“ fragte er bestürzt.
Angelina hatte im ersten Moment daran gedacht, dass jemand fremdes ins Haus eingedrungen war, doch dann begriff sie, dass es nur ihr Gatte gewesen sein konnte. Die Tür war verschlossen gewesen.. die Fenster waren auch alle unversehrt, wie sie mit einem schnellen Blick feststellen konnte.
„Da war wohl jemand sehr wütend“ meinte sie nur sehr leise und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie erschreckt und bedrückt sie der Anblick machte.

Tari indes hob beherzt die Reste der Stühle auf und stellte das ausgelaufene Tintenfass wieder auf den Schreibtisch, während Angelina sich um das Gepäck kümmerte.
Ihr war beklommen zumute.
Was war hier geschehen?
Wenn Rafe so gewütet hatte, dann musste er außer sich gewesen sein.
Hatte sie in dem Brief ihm denn nicht verständlich gemacht, dass sie ihn aus Liebe verlassen musste? Dass sie unbedingt wieder gesund werden wollte?
Ob er sich überhaupt freuen würde, dass sie wieder da ist? Furcht beschlich sie bei dem Gedanken, dass er noch immer wütend auf sie sein könnte.
Es fiel ihr schwer, die aufkommenden Tränen vor Tari zu verbergen.
Besonders, als sie ihrem Kleinen erklärte, dass er in den nächsten Tagen wohl bei Tante Irmenlind bleiben müsse, weil sie zur Heiligkeit gehen wolle und nicht wisse, wann sie zurück kommen könne.
Doch heute Nacht blieb Antares noch bei ihr.
Nach einem ausgiebigen Bad und einem guten Nachtmahl für Tari gingen beide schlafen.
Auf jedes Geräusch lauschend und mit bangem Herzen lag Angelina auf dem breiten Bett und wartete vergebens auf ihren Mann.

Sie fühlte sich einsam in dem dunklen und stillen Haus, auch wenn sie nicht allein war.
Doch der in seinem Zimmer nebenan schlafende Sohn konnte ihr nicht die Nähe geben, nach der sie sich so sehnte. Wie sehr wünschte sie sich Rafe herbei. Er sollte seine starken Arme um sie schlingen und leise, zärtliche Worte in ihr Haar flüstern. Wie lange war es nun schon her, dass sie Zärtlichkeiten hatten miteinander austauschen können?
Angelina schlang ihre Arme um das Kopfkissen, das nicht benutzt wurde, und weinte sich leise in den Schlaf.
Wirre Traumbilder von schreienden Kriegern, schnaubenden Pferden und der Geruch nach Blut und Schweiß stahlen ihr die Erholung, die der Schlaf eigentlich bringen sollte. Immer wieder fuhr sie, geweckt durch ihren eigenen Schrei, hoch und tastete mit zittrigen Fingern das Bett neben sich ab. Doch es blieb kalt und leer.

Verfasst: Freitag 5. Mai 2006, 09:24
von Rafael de Arganta
Er war mehr als Erstaunt Adrian am Theater zusehen, dennoch kurz unterhielten sie sich, er verstand die unterschwelligen Warnungen eines Freundes... dennoch war es ihm wichtig das Felicitas ihn verstand und er sich noch einmal für das Entschuldigte was war.
Wo wartete er bis er mit ihr alleine war, ließ sich von ihr in aller Freude das Theater zeigen um dann doch ihre Nähe zu meiden.
Sie sprachen viel miteinander. Worte reinigend und Gut um am Ende doch nicht missverständlicher zu sein in Wort und Tat.
Rafael ging.
Getrieben von der Erkenntnis Falsch an jenem Ort zu sein, so gerne er die Baronin auch in zwischen Mochte.

Erst am Schloss fiel ihm Siedendheiß ein das er sein Pferd vergessen hatte.
So kehrte er zurück, bestieg es um in die Nacht hinaus zu reiten.
Zuviel beschäftigte ihn.
Die Vergangenheit, die Sehnsucht nach seiner Frau. Alles der vergangenen Wochen prasselte auf ihn ein, und er wäre am liebsten Heim geritten.
Heim wo ihn alles an sie erinnerte. Ein Heim das trostlos und leer auf ihn wartete.
Und am Morgigen Tage würde auch Adrian fortreisen, so das es kaum wen gab bei dem er die starre Maske fallen lassen konnte.

Mitten im Wald nahe der Straße hielt er sein Pferd an.
Um so erstaunter war er die Baronin zu treffen.
Auf Distanz bleibend, sprachen sie miteinander, und Rafael verstand das sie genauso verloren war wie er.
Sie versprachen sich Freunde zu bleiben, und Rafael machte ihr noch einmal klar das nie mehr sein würde, könnte, denn sein Herz und seine Liebe gehörten Angelina.

Verfasst: Samstag 6. Mai 2006, 11:10
von Rafael de Arganta
*bitte löschen*

Verfasst: Samstag 6. Mai 2006, 14:07
von Angelina de Arganta
Der Morgendunst lag noch in der Luft und das Zwitschern der Vögel schien gerade seinen Höhepunkt erreicht zu haben, als Angelina erwachte.
Sie fühlte sich nicht ausgeruht, doch sie verspürte Frieden und das wohlige Gefühl der Geborgenheit in den Armen ihres Gatten. Ihr Körper schmerzte, wie in den vergangenen Wochen. Doch heute war es irgendwie anders.
Rafael hielt sie noch immer genauso fest, wie sie in der Nacht eingeschlafen waren.
Die junge Heilerin rührte sich ein wenig, um ihren Gatten betrachten zu können, was ihn im Schlaf dazu veranlasste, sie wieder fester an sich zu ziehen.
Angelina musste lächeln.
Ja, sie empfand wie er.
Niemals wieder würde sie ohne ihn sein wollen.
Sie hatte es ihm versprochen, dass sie nicht noch einmal die Dummheit begehen würde zu glauben, dass sie ihm eine Last sein könne. Auch nicht, wenn sie krank sei.
Vorsichtig hob sie ihre Hand und strich ihm eine Strähne aus der Stirn. Wie entspannt und jung er jetzt aussah! Daran konnte auch die noch ziemlich gerötete Narbe auf seiner Wange nichts ändern. Zärtlich strich sie ganz sacht mit ihrem Finger darüber.
Tief durchatmend schloss Angelina die Augen wieder.
Sie gehörten zusammen. Für immer.
So viele Prüfungen des Lebens hatten sie schon gemeinsam überstanden. Und es hatte sich in all den schweren Zeiten nichts an ihrer Liebe geändert… außer, dass sie gewachsen war, sie fester zusammengebunden hatte.
Der gestrige Tag zog vor ihrem inneren Auge vorbei und ließ sie leise aufseufzen.

Es war so früh wie jetzt, als sie Aris gesattelte hatte und zu den Bergen vor Berchgard geritten war.
Doch das Lager auf der großen Lichtung war abgebrochen. Sie konnte von weitem sehen, dass bereits an dem Wiederaufbau des Minerdorfes gearbeitet wurde.
Erleichtert, dass der Krieg offensichtlich sein Ende gefunden hatte, kehrte sie heim.
Irmenlind war schon auf ihrem Feld am Hacken und Unkraut jäten. Sie wischte sich mit der Hand über die schweißfeuchte Stirn, als Angelina an den Zaun trat und sie grüßte. Das freundliche Lächeln und die herzliche Art der alten Bäuerin taten Angelina wohl.
Auf ihre Anfrage hin, ob Tari ein paar Tage bei ihr bleiben dürfe, weil sie, Angelina, ihren Mann suche und dann auch wohl noch ins Kloster müsse, lachte Irmenlind nur gutmütig.
„Klaa, schick mia det Jung, det kann sich füa mia bückn uff det Beete!“ Ein verschmitztes Zwinkern im Gesicht, die Hände in den Rücken gestützt, fügte die Bäuerin noch hinzu: „Det Jung kannst bei mia lassn, solang de det willst!“

Erleichtert, ihren Sohn für die nächsten Tage gut untergebracht zu wissen eilte sie zurück in ihr Haus, wo sie das Frühstück für Tari richtete und danach ihre Tiere fütterte.

Die Wachen beim Schloss ließen Angelina ohne viel zu fragen ein. Sie kannten sie von der Zeit her, als sie die Gastfreundschaft des Grafen genoss.
Die Wache im Inneren des Schloss allerdings klärte Angelina darüber auf, dass ihr Gatte, Graf de Arganta, seine Hoheit begleitet hätte, als sie noch vor dem Morgengrauen das Schloss verlassen hätten. Doch er wäre kurz bei der Köchin gewesen. Sie solle bei den Ritterunterkünften ruhig schauen, ob ihr Gatte zurück sein.

„Rafe!“ rief sie leise und ihr Herz schlug ihr bis zum Hals.
Vorsichtig schob sie einen Vorhang auseinander und spitze hindurch. Das Bett war unberührt.
„Rafe!“ rief sie wieder, diesmal etwas dringlicher und lauter. Doch bevor sie in den nächsten abgeteilten Raum sehen konnte, hörte sie ein lautes „HALLO?“
Es war eine Stimme!

Ihr Herz pochte laut vor Sehnsucht und Erwartung.
Sie blieb einen Moment stehen und sah ihn nur an. Er lebte, war augenscheinlich gesund!
Seine Augen leuchteten freudig auf, ein Strahlen ging über sein Gesicht… und sie lief los. Wollte sich in seine Arme stürzen, endlich ihm wieder ganz nahe sein.
Oh.. wie hatte sie sich geirrt! Nicht fern von ihm würde sie wieder zu neuen Kräften kommen! Nein… sie brauchte ihn, brauchte seine Nähe, seine Liebe und Zärtlichkeit!
Doch dann veränderte sich sein Gesichtsausdruck. Seine Stirn zog sich in Falten und seine hellen Augen verfinsterten sich.
„Du… du ... Bei allem was mir heilig ist... Wo warst du! Geht es dir besser?!“
Kurz bevor sie ihn erreichte, blieb sie abrupt stehen.. ihr Herz tat es fast ebenfalls.
Freute er sich doch nicht, sie wiederzusehen?
Er machte keine Anstalten, sie in die Arme zu nehmen und in Angelina drohte die Enttäuschung überhand zu nehmen…
„Guten Morgen“ sagte sie mit tonloser Stimme und sah zu ihm auf. Ihre veilchenblauen Augen wirkten viel zu groß in ihrem blassen Gesicht….

Ein glückliches Lächeln huschte über Angelinas Gesicht und sie rieb mit einem zufriedenen Aufseufzen sacht ihre Wange an der Schulter ihres Mannes.
Der Tag war voller Aufregung gewesen… und einer Sinnlichkeit, nach der sie sich schon so lange gesehnt hatte.

Verfasst: Samstag 6. Mai 2006, 15:37
von Rafael de Arganta
Er traute seinen Augen nicht, glaubte das sein Wunsch ihm etwas vorgaukelte und doch ...
Sie war es.
Angelina.
Sofort schrie alles in ihm nach ihr, und viel hätte nicht gefehlt und er hätte sie einfach in seine Arme gerissen.
Maßlose Freude, Erleichterung, nahm von ihm Besitz, dann jedoch auch diese Endtäuschung in ihm, das sie sich nicht hatte von ihm helfen lassen.
Er war verwirrt, starrte sie nur an und machte ihr Vorhaltungen obwohl sein Herz anders Schlug.
Doch mit jedem Wort, jeder Geste und jedem Blick, brach ein Teil seiner Mauer, er war froh.
So unendlich froh das sie wieder da war. Alleine das war es was zählte.
Das sie nie wieder einfach so gehen würde, und schließlich nahm er sie in die Arme, einfach glücklich das er sie wieder zurück hatte.
Nichts anderes zählte mehr als ihre Nähe, sie in den Armen halten um sie nie wieder los zu lassen.

Er wusste auch nicht wie lange sie so standen, bevor sie gemeinsam heim gingen.
Frühstücken, wobei er kaum einen Bissen herunterbekam, weil er sie immer wieder ansehen musst.
Als hätte er Angst das er bald aus diesem Traum erwachen würde. Angelina sah ihn ach immer wieder lächelnd an, Sie Aß nicht viel und Rafael konnte ihr ihre Müdigkeit ansehen.
Schließlich brachte er sie hinauf wo er sich einen Moment zu einem Sehnsuchtsvolleren Kuss hinreißen ließ, doch wollte er ihr den Schlaf gönnen den sie brauchte.
So verabschiedete er sich unwillig, doch im Schloss wartete noch einige Arbeit auf ihn.

Er saß an ihrem Bett bis sie eingeschlafen war, dann eilte er hinaus zum Schloss.


Als er spät abends heim kam, lag das Haus im Dunkeln.
Sein Herz klopfte ihm bis zum Hals als er es betrat. War alles nur ein Traum gewesen?
Leise schlich er die Treppe hinauf um vorsichtig, fast als wäre er auf alles gefasst die Tür zum Schlafraum zu öffnen.
Da lag sie.
Unbändige Freude durchflutete ihn, und er konnte den Blick nicht von ihr wenden, als sie langsam die Augen aufschlug, und dann die Hand nach ihm ausstreckte.
Sofort war er bei ihr, streckte sich neben ihr aus, einfach nur um sie zu betrachten im Arm zu halten, sie nie wieder los zu lassen.
Leise sprachen sie miteinander, und als sie ihn dann Küsste war es mit einer Sehnsucht einer Leidenschaft die ihn tief berührte und mit sich riss.
Zu lange war es her und doch hatte er Angst, Angst ihr weh zu tun oder das sie erneut ihn im letzten Moment zurückstoßen konnte, aus Furcht Liella konnte neben ihnen auftauchen.
Doch sie überzeugte ihn schnell eines besseren.
Sie hatte keine bedenken mehr nicht jetzt, und auch nicht in Zukunft, und nur zu gerne ließ er sich auf die Zärtlichkeiten ein die schnell zu Leidenschaft wurde.
Zu lange hatten sie einander nicht mehr in den Armen gehalten, zu lange nach einander gesehnt.