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Nachtwache (Krieg)

Verfasst: Mittwoch 26. April 2006, 13:00
von Cathal Llastobhar
Mit prüfendem Blick und kritischer Miene starrte er in die Dunkelheit hinein.
Der Mond wollte ihnen heute nicht den Gefallen tun und sie mit seinem Lichte zumindest ein wenig leiten, weshalb es längst unbehaglich düster geworden war und nur vereinzelte Sterne durch eine hässliche Wolkendecke spitzen wollten. Das schlohweisse Haar des jungen Mannes glänzte dennoch auch in diesem Licht verräterisch wie frisch gefallener Neuschnee.
Es behagte ihn nicht, doch ändern konnte er im Moment wenig daran und diese Nachtwache war mehr als notwendig und er hatte sie vor wenigen Stunden zu seiner Pflicht erklärt.

Nein, alleine war er nicht und ein dankender Blick ging vage in die Richtung, in welcher Hudgarr Amarth in einiger Entfernung seine Wachpflicht und seinen Worten nach voller Unterstützung längst Taten folgen liess.
Ein zufriedenes Lächeln erhellte für einen Moment die bleichen Gesichtszüge Cathals.
Trotz all der Not, dem Chaos und dem Tode hatte es nicht lange gedauert, bis man Wachschichten hatte einteilen können. Noch immer zogen alle an einem Strang und verteidigten bitter die letzten Hoffnungsflecken. Auch wenn doch die letzten Tage, Nächte alles andere als durchweg erfolgreich waren.

Mit etwas Mitleid dachte er an die Ritter und anderen Befehlshabenden. Sicher, sie taten die Pflicht, welche sie geschworen hatten stets auszuführen und sollten ihrer Aufgabe fast mit Stolz nachgehen, doch hatte er die verzweifelten und oftmals bitter schmerzlichen Blicke einiger der hohen Herren bemerkt und diese Enttäuschung stach vermutlich mehr als sein lädierter Arm, welcher sich dank dem jungen Heiler Lando schon wieder in einer recht stabilen Form befand.
Sein Ritter, Rafael, hatte keinen Moment um zu ruhen und schien das letzte Mal so völlig ausgelaugt, dass er selbst die Begrüßung des Knappen nicht gehört zu haben schien und nur mit glasigen Augen an ihm vorbeistarrte. Aber auch Sir Quarius, Sir Farion, Sir Aradan und Darna hatten alle Hände voll zu tun und da er einen Moment dachte, er wäre wieder nur unnützes Beiwerk, war er mehr als froh, dass man ihm das Angebot Nachtwache zu halten und die Wachschichten einzuteilen, nicht verwehrte.
Neben Hudgarr, welcher sich sofort anbot und noch längst die eigene Schicht überschritten hatte um weiter zu helfen, waren auch andere Mannen dazugekommen. Gemisches Volk, wohlhabendere Bürger und auch einfache Leute, jung und alt...

Er schreckte aus den Gedanken auf und zog die Waffe halb, als eine Gestalt auf ihn zulief. Rechtzeitig erkannte er den jungen Burschen, der ihm vorher noch stammelnd erklärt habe er sei ein Feinschmiedelehrling in Berchgard gewesen und habe im Grunde keine Ahnung von Nachtwachen, doch wolle er helfen. Nun stand der Junge wieder vor ihm, trat von einem Bein auf das andere und stammelte etwas, was deutlich nach Angst klang. Nachdenklich betrachtete Cathal den Burschen und versuchte das Alter einzuschätzen. Er war nicht kräftig, fast schmächtig für einen Jungen und das Gesicht wirkte beinahe weiblich zart auch wenn er dies durch die tief ins Gesicht gezogene Kappe zu verbergen suchte. Irgendein Gedanke rüttelte kurz an Cathal und war aber so schnell verschwunden, wie er gekommen war, als der Bengel schniefend den Rotz hochzog. Beruhigend legte er ihm einen Arm auf die Schulter und drehte den Kopf jedoch wieder gen Dunkel als er zu sprechen begann:

„Kai, so war doch dein Name, nicht? Atme erst einmal tief durch, Bursche. Diese kühle Nachtluft tut den Lungen und den Nerven gut. Siehst du? Nicht alles an der Nacht ist gegen uns und auch wenn du in diesem Dunkel nicht sehr weit sehen kannst, so musst du immer miteinrechnen, dass auch andere, boshafte Augen in dieser Finsternis nicht weiter blicken können als du.
Sicher, eine Fackel würde den eigenen Mut stärken, doch blendet dich das Licht in dem Falle nur und du machst dich zu einem wunderbaren Ziel für jeden Heckenschützen weit und breit.
Es ist das Licht im Inneren, welches dir dann die dunklen Gedanken erhellen kann. Denke an all die Menschen, welche du jetzt gerade beschützt, indem du die Kranken, Verletzten und völlig Entkräfteten mit deiner Wachschicht beschützt...“

Er lächelte kurz gen Seite, als ihn ein etwas überwältigter Blick aus den braungrünen Augen seitens des Knaben traf und kurz sah er den jungen Viljo vor sich, welcher auch einst mit einem solchen Vertrauen den älteren Cousin betrachtet hatte. Cathal konnte sich einen freundschaftlichen Rippenstoss mit dem Ellbogen nicht verkneifen und stellte fest, dass der Bursche wohl unter all den Laken an Stoff noch schmächtiger war, als er vermutet hatte. Armes Kerlchen, wohl kaum mündig. Diese Situation musste mehr als nur ein Alptraum für ihn sein. Vermutlich waren Freunde und Familie des Jungen in Berchgard gestorben.

Nochmals klopfte er ihm leicht auf die Schulter, ehe seine Hand wieder zum Schwertgriff wanderte.

„Ich bleib noch etwas hier mit dir... vier Augen sehen mehr als zwei.“
... und schweigend starrten der junge Mann und das Bürschchen Kai in die Dunkelheit hinein.

Verfasst: Mittwoch 26. April 2006, 14:56
von Kaywinnit Lhee Vray
Die Luft war kühl, nicht kalt und dennoch merkte sie, wie ihr Atem bebte und ein durchgehendes Zittern ihren ganzen Körper ergriffen hatte. Was zur düstersten Hölle machte sie denn hier in einer Nacht wie dieser, so düster und schreckensreich an einem Ort, wo der Tod nur so lauerte?
War es der Gedanke an all die Menschen, welche sie in den letzten Tagen in Berchgard kennengelernt hatte? War es Schuld, weil sie selbst bei den ersten Angriffen doch weit weg an der Westküste nach Quarzsand gebuddelt hatte und selbst an diesen Ausflug noch einige entspannende Tage angehängt hatte und ihr kleines Zelt aufgeschlagen hatte? Oder kam hier nur alberner, falscher Heldenmut zum Vorschein? Was hatte sie geritten, die langen Haare abzuschneiden, sich in die derbsten Schmiedekleider zu stecken und ihre wohl eher spärlich einsetzbare Hilfe anzubieten?

Spielte keine Rolle, nun stand sie da- neben einem Knappen, dessen bildhübsches, bleiches Gesicht im letzten, fahlen Licht noch immer Ruhe und Vertrauen ausstrahlte, während sie, bewaffnet mit einer kleinen Handaxt, noch immer schlotterte. Man hätte sie als Mädchen weggeschickt... und nun wusste sie warum. Doch es war zu spät und innerliche betete Kaywinnit, dass sie wirklich eine Hilfe sein konnte und nicht noch zum Klotz am Bein des Knappen werden würde.

Ausserdem, so sagte sie sich selbst erstickt, wollte sie leben- überleben auch diese Nachtwache.

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