Der Abend verstrich langsam, wie fast jeder letzten Abende. Der wohlgenährte Hadri verbrachte die Abendstunden zurückgezogen auf dem Flachdach des Familienanwesens. Tief in einige weiche Kissen zurückgelehnt, die Hände gefaltet und auf dem stattlichen Wohlstandsbäuchlein abgelegt, den Blick gedankenverloren auf den kleinen Beistelltisch vor sich gerichtet. Im Haus war bereits Ruhe eingekehrt, alle anderen Ryzan schienen bereits friedlich zu schlummern. Fahd genoss die Stille hier oben, wenn es ihn auch durch die kalte nächtliche Wüstenprise etwas fröstelte, was auch die kleine Feuerschale neben dem Sessel nicht zu verhindern vermochte.
Trotzdem beeindruckte ihn die Kälte genau wie das gelegentliche aufheulen eines Wüstencoyoten wenig. Wie die Abende zuvor verbrachte er die Zeit mit meditieren, tauchte ein in die Klangwelt die ihn allgegenwärtig umgab und blendete alle störenden Umwelteinflüsse schlichtweg aus. Voller Bewunderung für die Schönheit der Klangstrukturen sprach er leise Gebete und summte leise Lobpreisungen Eluives, die sich harmonisch in die Klangstrukturen des Liedes einfügen.
Immer wieder fokussierte er sich dabei auf eine bestimmte Stelle. Auf physisch-wahrnehmbarer Ebene lag ein prachtvoller Amethyst auf dem Tisch, in einer Schale gefüllt mit weiteren, wenn auch deutlich kleineren, Exemplaren. Selbst das fahle Licht der Feuerschale reichte bereits aus um den Stein mit seinem wundervollen violetten Glanz zu einem wahren Hingucker zu machen, für den so manche Natifah ein kleines Vermögen ausgeben würde. Doch so schön der Stein auch visuell seinen Glanz entfaltete, so unscheinbar blieb er im Lied. Er war für Fahd im Lied wahrnehmbar, was er aber auch versuchte, es gelang ihm nicht einen Zugang zu finden, diesen Stein zu nutzen.
Immer wieder hallten ihm die Worte der ehrenwerten Mudyr durch den Kopf, dass der Amethyst die Konzentration fördert, dass er beruhigt, dass dieser Quarz eine hohe geistige Affinität besitzt... zunehmend spotteten diese Erinnerungen dem Hadri, der seine gesamte Aufmerksamkeit der vergangenen Abend auf diesen blöden Stein richtete.
Langsam begann ein leichter Groll in dem sonst so stets besonnen Hadri aufzusteigen. „Beruhigende Wirkung“ hallte es spottend in seinem Kopf und es gelang ihm dadurch zusehends schlechter sich auf seine Meditation zu konzentrieren. Plötzlich nervte ihn das penetrante Gejaule der Wüstenviecher und das sonst so beruhigende Prasseln des kleinen Feuers strapazierte seine Nerven. Ruckartig scheucht der aufgebrachte Hadri die prasselnden Klangstrukturen des Feuers auf und füllte die Lücke mit einigen plätschernden Lauten des Wasser. Die Feuerschale neben ihm gab lediglich noch ein kurzes Zischen von sich, ehe das Dach in kompletter Dunkelheit gehüllt da lag und der aufgebrachte und vom Ehrgeiz getriebene Hadri erst das Dach und schließlich das Familienhaus verlässt. Offenbar schlummerte selbst in diesem trägen und besonnen Exemplar etwas menekanisches Temprament. Sein Experiment war zumindest ein weiteres mal gescheitert.
Ein besonderes Exemplar
-
Fahd Aziz Ifrey
Seit Tagen piesackte ihn der Amethyst, den er seit jenem Abend in der Tasche bei sich trug. Jedes mal wenn der junge Magier die Arme sinken lies konnte er ihn in seiner Tasche tasten und wurde an seine unvollendete Aufgabe erinnert. Ratlos wälzte er weitere Bücher in der Bibliothek, konnte aber nichts neues in Erfahrung bringen. Alles was dort stand hatte die Mudyr ihm bereits mit auf den Weg gegeben.
Jederzeit hätte er die Mudyr um Rat und Hilfe fragen können, dessen war er sich sicher. Doch noch war er nicht gewillt aufzugeben, sich nach tagelangen Experimenten eingestehen zu müssen, dass er in seinen Studien noch nicht weit genug fortgeschritten war um sich mit der Unterstützung einfacher Hilfsmittel tiefer in das Lied fokussieren zu können. Noch wollte er sich diese Schmach nicht eingestehen und noch weniger wollte er sich diese Blöße vor anderen Mitgliedern der Akademie geben.
Als die Nacht über die Wüstenstadt herein brach und das sonst so rege Treiben in den Straßen langsam zur Ruhe kam packte er die Sachen auf dem Dach des Familienhauses zusammen. Die Schale mit den Edelsteinen, die weichen Kissen, eine kleine Laterne und einige Blätter Pergament... er konnte gerade so noch alles umgreifen. Er brauchte Ruhe, er musste sich noch tiefer in die Meditation begeben, nichts und niemand sollte ihn stören. So machte er sich, schwer beladen mit kuriosem Gepäck auf, durch die Straßen Menek'urs, in Richtung des Tempels.
Auf nicht einmal halber Strecke fiel sein Blick auf einen der Eingänge der Salzmine. Nur kurz überlegter er, wechselte dann die Straßenseite und machte sich auf in den heiligen Berg Cantar zu verschwinden. Die ungläubigen Blicke der patrouillierenden Janitschare die ihm gerade noch entgegen kamen und ihn dann beobachteten wie er mit Kissen und weiteren Kuriositäten in der Salzmine verschwand konnte er regelrecht spüren, doch waren sie entweder zu diszipliniert für eine Bemerkung oder sie hielten die Liedkundigen des Landes ohnehin allesamt für exzentrische Spinner.
Er brauchte nur wenige Meter in den Berg hinein zu machen und konnte er spüren wie mit jedem weiteren Meter die Geräusche der Stadt leiser wurden. Er ging immer tiefer in einen der zahlreichen Stollen, bis er von vollkommender Stille umgeben war. Nichts regte sich, niemand und nichts störte, lediglich die kleine Laterne erhellte den Gang notdürftig.
Er ließ sich auf die mitgebrachten Kissen nieder sinken und baute die Edelsteinschale vor sich auf, Schloss die Augen und tauchte in Gedanken wieder in das Lied ein.
Kaum lauschte er den Klängen wurde er von deren Intensität überwältigt. Es schien als würde die sonst so leisen Klänge von den Wänden widerhallen, sich intensivieren. Er versuchte seine Aufmerksamkeit auf einzelne Punkte an den Wänden zu fokussieren und es war ihm als könnte er stellenweise tiefer in das Lied lauschen als je zuvor, als könnte er die Töne, die sonst zu leise waren um vernommen zu werden plötzlich wahrnehmen, es kam ihm fast vor als könnte er in den getrockneten Tränen noch den Schmerz, aber auch den Schöpfungswillen im Lied der Mara wahrnehmen.
Auch dieses mal konnte er die Edelsteine als nichts besonderes wahrnehmen, doch in Anbetracht der imposanten Klänge die von den umliegenden Salzadern reflektiert wurden störte es ihn diesmal nicht im geringsten.
Nach einiger Zeit packte er völlig euphorisiert seine Sachen zusammen und begab sich wieder zum Ausgang. Das der Rückweg trotz schnelleren Schrittes deutlich länger dauerte, war wohl seiner miesen Orientierungsgabe in diesen Stollen geschuldet.
Bevor er sich diesen Abend endlich in vollkommener Zufriedenheit zu Bett begeben konnte wurde noch eine eilige Notiz, gut sichtbar, direkt am Mineneingang hinterlassen.
Die ersten Salzschürfer die am frühen Morgen die Mine aufsuchen werden folgende Nachricht vorfinden:
Salam Aleikum, Schürfer der heiligen Tränen unserer Allmara,
ich benötige einen besonderen Kristall aus den Tränen der Mara. Er sollte etwas die Größe von zwei in einander gefalteten Händen haben, von besonderer Reinheit sein, keine Einschlüsse oder Verunreinigungen mit anderen Mineralien sollen seine Reinheit trüben. Er sollte eine hohe Dichte besitzen und keinesfalls Risse aufweisen.
Wer mir einen solchen Kristall bringen kann soll dafür reichlich mit Goldmünzen belohnt werden!
Möge unsere gnädige Allmara euer Tagewerk segnen!



Jederzeit hätte er die Mudyr um Rat und Hilfe fragen können, dessen war er sich sicher. Doch noch war er nicht gewillt aufzugeben, sich nach tagelangen Experimenten eingestehen zu müssen, dass er in seinen Studien noch nicht weit genug fortgeschritten war um sich mit der Unterstützung einfacher Hilfsmittel tiefer in das Lied fokussieren zu können. Noch wollte er sich diese Schmach nicht eingestehen und noch weniger wollte er sich diese Blöße vor anderen Mitgliedern der Akademie geben.
Als die Nacht über die Wüstenstadt herein brach und das sonst so rege Treiben in den Straßen langsam zur Ruhe kam packte er die Sachen auf dem Dach des Familienhauses zusammen. Die Schale mit den Edelsteinen, die weichen Kissen, eine kleine Laterne und einige Blätter Pergament... er konnte gerade so noch alles umgreifen. Er brauchte Ruhe, er musste sich noch tiefer in die Meditation begeben, nichts und niemand sollte ihn stören. So machte er sich, schwer beladen mit kuriosem Gepäck auf, durch die Straßen Menek'urs, in Richtung des Tempels.
Auf nicht einmal halber Strecke fiel sein Blick auf einen der Eingänge der Salzmine. Nur kurz überlegter er, wechselte dann die Straßenseite und machte sich auf in den heiligen Berg Cantar zu verschwinden. Die ungläubigen Blicke der patrouillierenden Janitschare die ihm gerade noch entgegen kamen und ihn dann beobachteten wie er mit Kissen und weiteren Kuriositäten in der Salzmine verschwand konnte er regelrecht spüren, doch waren sie entweder zu diszipliniert für eine Bemerkung oder sie hielten die Liedkundigen des Landes ohnehin allesamt für exzentrische Spinner.
Er brauchte nur wenige Meter in den Berg hinein zu machen und konnte er spüren wie mit jedem weiteren Meter die Geräusche der Stadt leiser wurden. Er ging immer tiefer in einen der zahlreichen Stollen, bis er von vollkommender Stille umgeben war. Nichts regte sich, niemand und nichts störte, lediglich die kleine Laterne erhellte den Gang notdürftig.
Er ließ sich auf die mitgebrachten Kissen nieder sinken und baute die Edelsteinschale vor sich auf, Schloss die Augen und tauchte in Gedanken wieder in das Lied ein.
Kaum lauschte er den Klängen wurde er von deren Intensität überwältigt. Es schien als würde die sonst so leisen Klänge von den Wänden widerhallen, sich intensivieren. Er versuchte seine Aufmerksamkeit auf einzelne Punkte an den Wänden zu fokussieren und es war ihm als könnte er stellenweise tiefer in das Lied lauschen als je zuvor, als könnte er die Töne, die sonst zu leise waren um vernommen zu werden plötzlich wahrnehmen, es kam ihm fast vor als könnte er in den getrockneten Tränen noch den Schmerz, aber auch den Schöpfungswillen im Lied der Mara wahrnehmen.
Auch dieses mal konnte er die Edelsteine als nichts besonderes wahrnehmen, doch in Anbetracht der imposanten Klänge die von den umliegenden Salzadern reflektiert wurden störte es ihn diesmal nicht im geringsten.
Nach einiger Zeit packte er völlig euphorisiert seine Sachen zusammen und begab sich wieder zum Ausgang. Das der Rückweg trotz schnelleren Schrittes deutlich länger dauerte, war wohl seiner miesen Orientierungsgabe in diesen Stollen geschuldet.
Bevor er sich diesen Abend endlich in vollkommener Zufriedenheit zu Bett begeben konnte wurde noch eine eilige Notiz, gut sichtbar, direkt am Mineneingang hinterlassen.
Die ersten Salzschürfer die am frühen Morgen die Mine aufsuchen werden folgende Nachricht vorfinden:
Salam Aleikum, Schürfer der heiligen Tränen unserer Allmara,
ich benötige einen besonderen Kristall aus den Tränen der Mara. Er sollte etwas die Größe von zwei in einander gefalteten Händen haben, von besonderer Reinheit sein, keine Einschlüsse oder Verunreinigungen mit anderen Mineralien sollen seine Reinheit trüben. Er sollte eine hohe Dichte besitzen und keinesfalls Risse aufweisen.
Wer mir einen solchen Kristall bringen kann soll dafür reichlich mit Goldmünzen belohnt werden!
Möge unsere gnädige Allmara euer Tagewerk segnen!