Abendsonne
Verfasst: Sonntag 23. April 2006, 17:24
"Ein Ausritt zu später Stund. Der Herr Graf wird sicher seinen Grund haben, doch ohne Eskorte, nur mit Ihr ?" ... nicht denken !...
Eilee kam nicht umhin sich zu wundern. Aber er war der Graf, sein Wort war Befehl, und sie war sicher nicht diejenige, die ihm das verwehren würde.
Die Pferde waren schnell gesattelt und Adrians Gepäck bestand nur aus einem Bündel. Vieleicht musste er jemandem etwas übergeben ? ... und wozu braucht er dich dazu ? ... nicht denken ! ...
Sie ritten lange durch den Wald, kreuzten bekannte Wege und hielten sich auf den Pfaden des Wildes. Adrian schien durchaus zuwissen wo er hinwollte, doch war es wohl keine der Siedlungen, da wäre die Wege sicher einfacher gewesen.
Der Wald öffnete sich vor ihren Augen, und der Blick fiel auf das Meer vor ihnen, dazwischen ein Sandstrand.
Es war spät am Abend und die Sonne schickte sich an im Meer zu versinken.
Eileen schaute sich um, weit und breit kein Haus zu sehen. Nur der Ozean, der Strand und sie beide im Sonnenuntergang.
... nicht denken ! ...
"Wäre das nicht ein schöner Platz für eine Rast ?", hörte sie Adrians Stimme. Natürlich wäre es das. ... Was taten sie da ?
Die Situation war ein einziges Klischee. Wäre er nicht der Graf und sie nicht seine Bedienstete, würde sie zwangsläufig denken müssen, er wolle ihr den Hof machen ... aber so ?
Das Denken setzte ein.
Was war mit all den Anspielungen, der letzten Tage ? Dass das Schloss zuviele Augen und Ohren habe, als dass man sich frei bewegen könne ? Hatte sie nicht immer gedämpft mit ihrem Herrn gesprochen, wenn sich das Thema diesem blinden Fleck näherte ?
Diesem dunklen Etwas, welchem sie keinen Raum geben wollte, weil sie nicht dachte soetwas sei möglich ?
Sie und der Graf ...
Eileen gab sich geschlagen. Allein der Gedanke warf sie aus der Bahn. Adrian breitete ein Tuch aus und hatte scheints an alles gedacht.
Wie im Traum nahm sie wahr, dass er ein kleines Bankett auftrug, sie bat doch platz zu nehmen.
Es war als müsse sie die ganze Zeit die Luft anhalten, wie jemand der unter Wasser war und wusste, wenn er zu schnell einatmen würde, ertrinke er.
... wieviel Sicherheit brauchst Du Eileen ? ... Es steht dir nicht zu das zu denken ! ... Das ist nicht dein Schritt ! ... Warte ab ! ...
Sie waren beide Erwachsen genug, um zu erkennen, um zu wissen, wohin das führen sollte.
Warum sollte es nicht möglich sein ? Ihr Vater hatte sie immer gut verheiraten wollen, sie Zeit ihres Lebens mit Umgangsformen und Gelehrten genervt, die ihr alles mögliche beigebracht hatten.
Gold hatten sie immer genug gehabt um jene zu bezahlen. Die Pferdezucht und der Umgang mit den hohen Herrn Calderahs war ein lukratives Geschäft.
Vater hatte es immer als "Investition" bezeichnet, seine jüngste zu einer Dame zu machen, auch wenn ihre Passion eher den Pferden selbst galt.
Sollte sich das nun in der Form ausgezahlt haben ? ... ausgezahlt ...
Eileen widerte der Gedanke an, für solch einen Moment vorbereitet worden zu sein, obwohl das nie absehbar gewesen war. Sie wollte einen Mann, weil sie ihn liebte, nicht weil er eine gute Partie war. ... aber du liebst ihn doch ... .
Adrian war charmant, zuvorkommend, drängte sie nicht. Aber das Gespräch nahm den absehbaren Verlauf.
Nach und nach kamen sie zum Kern der Sache, dem ehemals blinden Fleck.
In weit ausschweifenden Kreisen tasteten sie sich diplomatisch heran, immer darauf bedacht nicht zu forsch zu sein, eventuell einen Rückzieher zu machen um sich keine Blöße gegeben zu haben, sollte man merken, dass es dem Anderen denn doch nicht so ernst und man eben doch nur Graf und Stallmagd war.
Es geschah nicht, der Fluchtversuch blieb aus, und sie ließen sich den mitgeführten Wein und die Leckereien aus der Schloßküche munden.
Es gab nichts zu bereden, zu planen, zu regeln. Sie wussten beide nur zu gut um all die Probleme, die ihre Beziehung mit sich bringen würde. Sie redeten ausgiebig darüber. Aber weniger um es dem anderen zu erklären, als vielmehr einfach festzustellen, dass man selbst sich darüber im klaren war.
Sie hatten sich beide offenbar lange die gleichen Gedanken gemacht, ähnliche Sorgen geteilt, ohne auch nur ein Wort zu sagen.
...wie sonderbar...
Was würde der ganze Hofstaat dazu sagen ? Wieviele der Damen hatten sich Hoffnungen gemacht, nun an ihrer statt hier zu sitzen ? Wieviel Neid käme auf ?
Was war mit den anderen Bediensteten, wie groß musste der Neid erst dort sein ? Was für Intrigen durften sie erwarten ?
Eileen wusste nur zu gut, dass Macht zu haben einen nicht automatisch zum Herr jeder Lage werden lies. Grad dann nicht, wenn jene, auf die man sich für gewöhnlich verlies, es auf einen abgesehen hatten.
Was war mit der Sicherheit der Familie. Die Frau des Grafen war gleichsam Zielscheibe wie er selbst, mochte man leicht auf den Gedanken kommen, Druck auszuüben indem man sich ihrer bemächtigte ?
Adrian lies keine Zweifel daran, dass er ihr all das höfische Brauchtum zutraute und beteuerte mehrmals, dass ihm kein einfaches Ding gegenüber sitze, sondern eine junge Frau aus gutem Hause mit viel Verstand, die nicht auf den Mund gefallen war.
Sie redeten immer noch nicht frei. So allein wie sie sich wähnten waren sie nicht. Neben ihnen saß der Respekt den sie vor dem Anderen hatten und es schien ihr tatsächlich als redeten sie von Gleich zu Gleich.
...wie sonderbar...
Da rasteten sie hier am Ufer und erlebten einen Sonnenuntergang, der schöner hätte nicht sein können, und unterhielten sich ganz sachlich über ihre gemeinsame Zukunft.
Professionell und nüchtern, abgeklärt. Eine Bestandsaufnahme dessen was sie erwartete.
Was hatte dieses Gespräch Gewicht, was für Folgen ?
Sie zollten in diesem Moment bereits den Tribut für die Position über die sie sprachen, und keiner von beiden hatte bis hierhin das Wort Liebe auch nur erwähnt.
Betrogen um die Romantik des ersten Moments.
Zwei Menschen unter Wasser, die nicht zu atmen wagten. Dabei wussten sie es beide. Sie wussten warum sie diesen Irrsinn auf sich nahmen, sie fühlten es.
So beteuerten sie sich gegenseitig, dass sie das zusammen durchstehen wollten. Keine Geheimniskrämerei. Beide würden sich dazu bekennen.
Das Eis war gebrochen.
... wo fangen Wunder an Eileen ? ...
Sie hatten sich ein "Ja-Wort" gegeben, in der Abenddämmerung, hatten es mit einem Kuss besiegelt, und es war Ruhe eingekehrt. Sie saßen lange in stillem Einvernehmen eng nebeneinander und schauten dem Spiel der Wellen zu.
Eine aufregende Zukunft lag vor ihnen. Eileen würde in die Rolle hineinwachsen müssen, niemand kann einen auf soetwas vorbereiten.
Aber sie würde Mensch bleiben, wohl wissend, was sie selbst stets von diesen Kreisen gedacht hatte, welche Fehler sie nie begehen wollte.
Wofür jene in ihren Augen eigentlich da waren.
Aber das lag in so weiter Ferne ... tut es das ? ....
Als sie endlich zurückritten, war ihr seltsam leicht ums Herz, der Bauch voller Schmetterlinge und der Kopf in Aufruhr.
Eilee kam nicht umhin sich zu wundern. Aber er war der Graf, sein Wort war Befehl, und sie war sicher nicht diejenige, die ihm das verwehren würde.
Die Pferde waren schnell gesattelt und Adrians Gepäck bestand nur aus einem Bündel. Vieleicht musste er jemandem etwas übergeben ? ... und wozu braucht er dich dazu ? ... nicht denken ! ...
Sie ritten lange durch den Wald, kreuzten bekannte Wege und hielten sich auf den Pfaden des Wildes. Adrian schien durchaus zuwissen wo er hinwollte, doch war es wohl keine der Siedlungen, da wäre die Wege sicher einfacher gewesen.
Der Wald öffnete sich vor ihren Augen, und der Blick fiel auf das Meer vor ihnen, dazwischen ein Sandstrand.
Es war spät am Abend und die Sonne schickte sich an im Meer zu versinken.
Eileen schaute sich um, weit und breit kein Haus zu sehen. Nur der Ozean, der Strand und sie beide im Sonnenuntergang.
... nicht denken ! ...
"Wäre das nicht ein schöner Platz für eine Rast ?", hörte sie Adrians Stimme. Natürlich wäre es das. ... Was taten sie da ?
Die Situation war ein einziges Klischee. Wäre er nicht der Graf und sie nicht seine Bedienstete, würde sie zwangsläufig denken müssen, er wolle ihr den Hof machen ... aber so ?
Das Denken setzte ein.
Was war mit all den Anspielungen, der letzten Tage ? Dass das Schloss zuviele Augen und Ohren habe, als dass man sich frei bewegen könne ? Hatte sie nicht immer gedämpft mit ihrem Herrn gesprochen, wenn sich das Thema diesem blinden Fleck näherte ?
Diesem dunklen Etwas, welchem sie keinen Raum geben wollte, weil sie nicht dachte soetwas sei möglich ?
Sie und der Graf ...
Eileen gab sich geschlagen. Allein der Gedanke warf sie aus der Bahn. Adrian breitete ein Tuch aus und hatte scheints an alles gedacht.
Wie im Traum nahm sie wahr, dass er ein kleines Bankett auftrug, sie bat doch platz zu nehmen.
Es war als müsse sie die ganze Zeit die Luft anhalten, wie jemand der unter Wasser war und wusste, wenn er zu schnell einatmen würde, ertrinke er.
... wieviel Sicherheit brauchst Du Eileen ? ... Es steht dir nicht zu das zu denken ! ... Das ist nicht dein Schritt ! ... Warte ab ! ...
Sie waren beide Erwachsen genug, um zu erkennen, um zu wissen, wohin das führen sollte.
Warum sollte es nicht möglich sein ? Ihr Vater hatte sie immer gut verheiraten wollen, sie Zeit ihres Lebens mit Umgangsformen und Gelehrten genervt, die ihr alles mögliche beigebracht hatten.
Gold hatten sie immer genug gehabt um jene zu bezahlen. Die Pferdezucht und der Umgang mit den hohen Herrn Calderahs war ein lukratives Geschäft.
Vater hatte es immer als "Investition" bezeichnet, seine jüngste zu einer Dame zu machen, auch wenn ihre Passion eher den Pferden selbst galt.
Sollte sich das nun in der Form ausgezahlt haben ? ... ausgezahlt ...
Eileen widerte der Gedanke an, für solch einen Moment vorbereitet worden zu sein, obwohl das nie absehbar gewesen war. Sie wollte einen Mann, weil sie ihn liebte, nicht weil er eine gute Partie war. ... aber du liebst ihn doch ... .
Adrian war charmant, zuvorkommend, drängte sie nicht. Aber das Gespräch nahm den absehbaren Verlauf.
Nach und nach kamen sie zum Kern der Sache, dem ehemals blinden Fleck.
In weit ausschweifenden Kreisen tasteten sie sich diplomatisch heran, immer darauf bedacht nicht zu forsch zu sein, eventuell einen Rückzieher zu machen um sich keine Blöße gegeben zu haben, sollte man merken, dass es dem Anderen denn doch nicht so ernst und man eben doch nur Graf und Stallmagd war.
Es geschah nicht, der Fluchtversuch blieb aus, und sie ließen sich den mitgeführten Wein und die Leckereien aus der Schloßküche munden.
Es gab nichts zu bereden, zu planen, zu regeln. Sie wussten beide nur zu gut um all die Probleme, die ihre Beziehung mit sich bringen würde. Sie redeten ausgiebig darüber. Aber weniger um es dem anderen zu erklären, als vielmehr einfach festzustellen, dass man selbst sich darüber im klaren war.
Sie hatten sich beide offenbar lange die gleichen Gedanken gemacht, ähnliche Sorgen geteilt, ohne auch nur ein Wort zu sagen.
...wie sonderbar...
Was würde der ganze Hofstaat dazu sagen ? Wieviele der Damen hatten sich Hoffnungen gemacht, nun an ihrer statt hier zu sitzen ? Wieviel Neid käme auf ?
Was war mit den anderen Bediensteten, wie groß musste der Neid erst dort sein ? Was für Intrigen durften sie erwarten ?
Eileen wusste nur zu gut, dass Macht zu haben einen nicht automatisch zum Herr jeder Lage werden lies. Grad dann nicht, wenn jene, auf die man sich für gewöhnlich verlies, es auf einen abgesehen hatten.
Was war mit der Sicherheit der Familie. Die Frau des Grafen war gleichsam Zielscheibe wie er selbst, mochte man leicht auf den Gedanken kommen, Druck auszuüben indem man sich ihrer bemächtigte ?
Adrian lies keine Zweifel daran, dass er ihr all das höfische Brauchtum zutraute und beteuerte mehrmals, dass ihm kein einfaches Ding gegenüber sitze, sondern eine junge Frau aus gutem Hause mit viel Verstand, die nicht auf den Mund gefallen war.
Sie redeten immer noch nicht frei. So allein wie sie sich wähnten waren sie nicht. Neben ihnen saß der Respekt den sie vor dem Anderen hatten und es schien ihr tatsächlich als redeten sie von Gleich zu Gleich.
...wie sonderbar...
Da rasteten sie hier am Ufer und erlebten einen Sonnenuntergang, der schöner hätte nicht sein können, und unterhielten sich ganz sachlich über ihre gemeinsame Zukunft.
Professionell und nüchtern, abgeklärt. Eine Bestandsaufnahme dessen was sie erwartete.
Was hatte dieses Gespräch Gewicht, was für Folgen ?
Sie zollten in diesem Moment bereits den Tribut für die Position über die sie sprachen, und keiner von beiden hatte bis hierhin das Wort Liebe auch nur erwähnt.
Betrogen um die Romantik des ersten Moments.
Zwei Menschen unter Wasser, die nicht zu atmen wagten. Dabei wussten sie es beide. Sie wussten warum sie diesen Irrsinn auf sich nahmen, sie fühlten es.
So beteuerten sie sich gegenseitig, dass sie das zusammen durchstehen wollten. Keine Geheimniskrämerei. Beide würden sich dazu bekennen.
Das Eis war gebrochen.
... wo fangen Wunder an Eileen ? ...
Sie hatten sich ein "Ja-Wort" gegeben, in der Abenddämmerung, hatten es mit einem Kuss besiegelt, und es war Ruhe eingekehrt. Sie saßen lange in stillem Einvernehmen eng nebeneinander und schauten dem Spiel der Wellen zu.
Eine aufregende Zukunft lag vor ihnen. Eileen würde in die Rolle hineinwachsen müssen, niemand kann einen auf soetwas vorbereiten.
Aber sie würde Mensch bleiben, wohl wissend, was sie selbst stets von diesen Kreisen gedacht hatte, welche Fehler sie nie begehen wollte.
Wofür jene in ihren Augen eigentlich da waren.
Aber das lag in so weiter Ferne ... tut es das ? ....
Als sie endlich zurückritten, war ihr seltsam leicht ums Herz, der Bauch voller Schmetterlinge und der Kopf in Aufruhr.