Von musikalischen Schwalben und hungrigen Wölfen
Verfasst: Samstag 20. August 2016, 17:42
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»Stücke der Vergangenheit«
»Nana! Nana! Hast du das gesehen? Hast du?«»Stücke der Vergangenheit«
Den Übungsbogen in der einen Hand haltend, sprang die kleine Elfe auf und ab, während die himmelblauen Augen voller Begeisterung glänzten. Nach etlichen Versuchen hatte sie die Zielscheibe zum ersten Mal nicht vollkommen verfehlt – was offenbar ausreichte um eine ungeahnte Euphorie auszulösen, die sie offenbar mit ganz Ered Luin teilen wollte. Eine hochgewachsene Elfe mit kornfarbenen Haar schmunzelte sacht auf und streckte die Arme aus um die hibbelige, kleine Elfe auf die Arme zu nehmen.
»Mae, das habe ich kleine Sell.«
»Aber das ist kein Grund so euphorisch zu sein und es allen Gwe-edhil mitzuteilen, mae?«
Während die kleinen Elfenfinger sich in dem welligen Haar ihrer Mutter verfingen, pendelten die Äuglein zu einem größeren, stattlicheren Elfen, dessen Mimik von einer eher strengeren Natur gekennzeichnet war.
»Aber Adar, der Pfeil hat getroffen! Getroffen!«
»Mae und er wird auch noch in Zukunft viele Male treffen, Mîw.«
»Maer, warum gehen wir nicht eine Runde durch den Eryn spazieren?«
Die besänftigende Stimme ihrer Mutter unterbrach die aufwallende Diskussion zwischen Vater und Tochter in ihrem Keim und ließ nur eine leicht schmollende Mîw zurück. Es war nicht so, als würde Mîw ihren Vater nicht genau so sehr lieben, wie ihre Mutter oder jeden anderen Elfen, aber gerade weil sie ein eher unbekümmertes und sehr quirliges Elfenkind war, eckte sie wesentlich mehr bei ihrem Vater an, der ein sehr pragmatisches und rationales Verhalten an den Tag legte.
Schon als sie noch klein war, liebte Mîw den Nebelwald und alle seine Bewohner. Sie liebte es dem sanften Rauschen des Windes zu lauschen, der durch das dichte Blätterdachwerk strich, das Zwitschern der verschiedenen Vögel, die sich in die Melodie des Windes einmischten und das Knurren, Heulen, Fiepen, Blöken und alle anderen Geräusche die sich in die Natur mischten. Sie konnte stundenlang durch das Dickicht streichen oder mit den Waldelfenkindern spielen, was gerade ihrem Vater manchmal ein Dorn im Auge war. Es war nicht so, als würde er keine Zuneigung für die grünen Geschwister empfinden oder den Nebelwald schützen wollen, jedoch vertrat er die Ansicht, dass all der kindliche Übermut Mîw's nicht ihrer Herkunft entsprechend war – aber er sagte selten etwas, immerhin war sie noch ein Kind.
Vorsichtig spähten die himmelblauen Augen, mit den kleinen, gold glänzenden Sprenkeln am großen Baum vorbei, der so gewaltig vom Umfang her war, dass sie sich dreimal hätte hinter diesem verstecken können. Das Ziel ihrer Beobachtung war ein Elfenjunge, der sich im gleichen Alter wie sie befand und dessen Haupt von einem silbergrauen Ton war – gerade wenn die Sonnenstrahlen, wie es hier auf der kleinen Lichtung mit Teich der Fall war, das Haar erreichten, konnte Mîw den Blaustich erkennen.
»Eludiiiin!«
Mit einem großen Satz sprang die 10 jährige Elfe um den Baum herum, auf den Elfenjungen zu und... übersah die knorrige Wurzel am Boden. Strauchelnd kam sie Eludin immer näher, der sich erschrocken umgedreht hatte und ihr entgegen sah – aber nicht mehr reagieren konnte. Während Mîw mit der Nase den Uferboden küsste, landete Eludin rücklings im Teich.
»Mîw du...!«
erbost prustend plantsche der Elfenjunge sich wieder an das Ufer, während Mîw sich mit einen schuldbewussten Blick, aber einem kleinen Grinsen, auf der Mimik wieder aufrichtete.
»Naetheb enni Eludin.«
Mit einem kleinen Murren ließ der pitschnasse Eludin sich neben Mîw am Ufer nieder, die sich noch immer mit einer schuldbewussten Mimik die dreckige Nase rieb. Rasch aber kramte sie in ihrer Tasche umher, gar ganz hektisch als habe sie die Lösung für diese Unstimmigkeiten gefunden, während die blassblauen Augen des Elfenjungen sie einfach verstimmt betrachteten. Triumphierend zog die kleine Elfe eine Handvoll Kirschen aus ihrer Tasche, die sie ihn sogleich entgegen streckte – das brachte tatsächlich ein Schmunzeln auf das nasse Elfengesicht.
»Du bist zu stürmisch.«
»Mae, das sagt mein Adar auch immer.«
Mit einem schiefen Grinsen wurde sogleich eine der Kirschen vernichtet, während beide wieder ihren Blick auf den Teich richteten.
»Was wolltest du überhaupt?«
»Na ein Spiel spielen!«
»Und an was denkst du da?«
Nachdenklich tippelte Mîw sich einige Male mittels Zeigefinger gen das Kinn, während sie ihren Blick schweifen ließ – dann hüpften beide Augenbrauen hinauf.
»Baumklettern!«
»Bloß nicht! Du bist wie ein Wiesel und bist immer vor mir oben.«
Sie zog einen Schmollmund und zuckte mit den Schultern, während sie ihn auffordernd betrachtete – es löste ein kleines, resignierendes Seufzen bei Eludin aus.
»Wie wäre es mit einer Erynfaer-Suche?«
Nun war es Mîw, die weniger begeistert die Wangen aufblähte und dem Elfenjungen einen mürrischen Blick widmete.
»Law! Du weißt doch, dass sie eher zu dir kommen, als zu mir.«
»Meinst du... ich finde schneller einen Erynfaer, als du auf den großen Baum hier klettern kannst?«
Da trat ein gar begeistert wirkendes Leuchten in die Augen der jungen Elfe und sofort sprang sie auf ihre Füße. Mit einem Lachen rappelte der Elfenjunge sich ebenso auf – triumphierend ob seines diplomatischen Geschicks...
