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Tiefer Ozean und weiter Himmel

Verfasst: Freitag 29. Juli 2016, 23:46
von Gast
Der Anfang des Weges

Es war kein besonderer Tag. Er war weder besonders kalt, heiß, stürmisch oder schön. Ein ganz normaler Tag im Dorf auf dem Berg Arnfinn. Die Anwohner gingen ihrer Arbeit nach, ein paar Männer waren auf der Jagd. Doch Brimyr, ein Schwert des Rudels, blieb an diesem Tage zurück. Sein Weib, Utha, lag schon seit den Morgenstunden im Geburtsbett. Der Sohn wurde schon früh hinaus geschickt, Brimyr und Utha benötigten nicht noch einen um sie herum – es genügte schon der Kräuterkundige. So war der 6 Jahre alte Steyn außen beschäftigt mit einem Stock Kreise in den Boden zu ziehen, während er auf einem Fass saß. Was da drinnen geschah wusste er gut, er war schon bei vielen Geburten vom Vieh dabei. Doch als eine neue Stimme auf der Welt erhoben wurde und all die schweren Stunden hinaus schrie, konnte er sich nicht mehr auf dem Fass halten und irrte vor der Tür auf und ab. Es dauerte noch gefühlte Stunden bis der Kräuterkundige ging und Steyn hinein durfte. Brimyr saß an Uthas Fellen, ein kleines Bündel lag in ihrem Arm. „Komm' her.“, erklang die tiefe Stimme des Vaters und er winkte den Sohn zu sich heran. Und da erblickte er sie. Das zerknautschte Gesicht, die Augen noch zugekniffen, nur hellen Flaum auf dem Kopf. Doch ein seltsames Gefühl breitete sich in ihm aus. „Das ys dey Sisstr. Dey bist nun ein großer Brottr, weißt dey was das heißt?“, er wartete die Antwort nicht ab und sprach gedämpft weiter: „Dey musst auf sey Acht geben, dey Leben lang.“ Das hätte sein Vater ihm nicht sagen müssen, bei dem Blick auf seine Schwester hinab, schwor er sich in seinen jungen Jahren schon etwas mit seinem Leben zu beschützen. Mit seinem Vater ging er danach in den Wald und beobachtete ihn wie er ein Loch unter einem alten Baum aushob, mit seinen blanken Händen. Schweigend half er ihn, denn verschwiegen war auch der Vater. Steyn war klug, er wusste was da im roten Bündel war und er wusste auch das sein Vater den Geistern danken und ehren wollte indem er es hier vergrub. Als das Loch wieder zugeschüttet war, blieb Brimyr noch auf den Knien sitzen und lauschte mit geschlossenen Augen dem Wind der in den Blättern des Baumes leise rauschte. Sein Sohn ließ ihn erst einmal allein.

Mey hatte das Gefühl, also was syehst dey.“, brummte Brimyr wenige Tage darauf zur Schamanin. Wenn sie da war, war das Haus immer voll mit Räucherwerk. So stark das es in den Lungen brannte. So ging Utha mit ihrer Tochter hinaus und etwas spazieren. Brimyr bewunderte sein Weib, sie war ein Clansschwert, doch selbst dafür war sie sehr stark und überstand die Geburt – wie die Erste – als wäre es nicht der Redewert. Die Schamanin brummte etwas in ihre faltige Haut und holte ein paar Knochen heraus. Noch einmal wurde Rauchwerk entzündet, dann raschelten die Knochen in ihren Händen und sie ließ sie los. Sie rollten über den Boden, zwei sprengten zur Seite ab und landeten weit außerhalb der anderen Knochen. Langsam hob die Schamanin den Blick von einen der Knochenstücke an, über Steyns Füße in sein Gesicht. „Nicht dey wird sey rufen.“ Kam es dann zu Brimyr und die weisen Augen sahen zu ihm zurück. „Dey Kinder werden es seyn.“ Da sank der breitschultrige Krieger auf den Hocker hinter sich. Die Schamanin sammelte die Knochenstücke ein und verteilte erneut Rauchwerk in dem schon zugeräucherten Haus. Dann zog sie ein Fenster auf und ein Wind strömte in den Raum hinein. Sie betrachtete die Schwaden wie sie sich bogen und drehten. „Aye. Die Dame im Wind wird ihnen den Weg weisen. Eyne große Ehre.“ Steyn hörte dies alles, er kannte auch die Geschichte der Dame im Wind und ihre Führung, die Einzelne in das Land ihrer Ahnen zurück bringt. In das Land, dass die Balronfürsten und Alatars Schergen ihnen nahm. Brimyr nickte die Worte ab.


Der erste Weg

Beweg dey!“, blaffte der 12-Jährige mit dem Stock in der Hand. „Du bist zu schnell!“, hechelte sie hinterher und da drehte er sich herum und sah sie wütend an: „Frowe, wenn dey nuad mithalten kannst. Dann sag nicht mey soll dey immer mitnehmen!“ Das Mädchen mit den weißblonden Haaren, welches zu kunstvollen Zöpfen geflochten war machte halt und stemmte die Hände in die Hüfte. „Wenn des mey nuad mitnimmst dann sag mey das Mah!“ Auf die Worte drehte sich ihr Bruder herum und schlug mit dem Stock ein paar hohe Grashalme weg als wären sie der Feind. Sie wanderten höher auf die Hänge des Arnfinn. Steyn hatte einen geheimen Ort entdeckt, ein Quell der aus dem Stein schoss. Doch mit seiner Schwester im Anhang war es eher ein lästiger Weg. „Schau mal! Wie schön!“ Da rannte Frowe an ihm vorbei und ließ sich in der Mitte einer Wiese sinken. Umringt von Bergblumen begann sie diese zu einem Kranz zu machen. „Für den Weiberkram hab ich jetzt keine Zeit!“ - „Bääääh“, bläkte sie ihm die Zunge raus und ließ sich nicht weiter beirren. Wieder schnaubte der große Bruder genervt auf, wie schon so häufig auf dem Weg hinauf und erkundete daraufhin eher die nahe Waldgrenze. „Schau mal!“, rief sie plötzlich auf und rappelte sich auf ihre Füße. Freudig rannte sie zu ihrem Bruder hinüber. „Schau mal wye hübsch der ys!“ Sie präsentierte ihn den Blumenkranz und wollte diesen ihm direkt aufsetzen. „Der ist für dey! Damit dey nuad so böse auf mey bist.“ Kurz blieb Steyn stehen, ehe er den Kranz nahm und neben sich wegwarf. „Das ys Weyberkram! Mey bin ein Kerl!“, rief er nun wütend. Das kleine Gesicht sah ihn einen Moment stumm an, ehe die Tränen ausbrachen. Sie drehte sich herum und rannte quer über die Wiese den Weg zurück nach Hause. Eine Zeitlang sah er ihr nach und blickte dann zu dem Blumenkranz hinab.

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Die Arme der Mutter schlossen sich um sie, als sie sich ausweinte. „Scht.. erzähl' doch erst einmal was los ys.“ Die kräftigen Hände schoben ihre Schultern etwas zurück und das geliebte Gesichter wurde betrachtet. „Tränen lassen dey schwach wirken. Dey bist eyne Wikrah.“ - „Aber er war so gemein!“ Da öffnete sich auch schon die Tür des Hauses und Steyn trat herein. Im Hintergrund war Gelächter von Jungen zu hören, ehe die Tür zugeschoben wurde und das Gelächter verstummte. Die Mutter, die zur Tür gedreht war, lächelte. Dann nickte sie zu Frowe hinab. „Sieh' mal.“, und ohne zu Wissen was vorgefallen war, löste sie die Arme von der Tochter und kümmerte sich um das Abendbrot. Frowe drehte sich zur Tür herum und als sie Steyn sah weiteten sich die Tränen unterlaufenen Augen. Er hatte den Kranz genommen, an einer Stelle gelöst und um seinen vorderen Gürtel gebunden. „Lachen sie über dey?“ - „Ys doch egal.“, brummte er zu ihr. Da stürmte sie voran und umarmte ihren Bruder. „Mey zieh' ihn aber nuad auf meinen Kopf.“, machte dieser deutlich als er die Arme um sie legte. Dann nahm er ihren Kopf und legte seine Stirn gegen ihre. Die dunklen blauen Augen, die Frowe immer an einen Ozean erinnerten, sahen in ihre nahen Augen. Ihre waren hell, so blau und hell wie der Himmel. „Der Himmel berührt den Ozean immer über den weiten des Meeres.“ - „Und so werden auch wir immer zusammen gehören.

Dann löste der Bruder den Griff und gab ihr einen Stoß gegen die Schulter. Sie kniff die Augen zusammen, ließ sich aber sonst den leichten Schmerz nicht anmerken. „Setzt euch und esst.“, unterbrach die Mutter die Beiden dann doch. Wie gerufen kamen schwere Schritte durch die Tür. Ein Hase wurde an der Feuerstelle abgelegt und die Mutter erhielt einen Kuss vom Vater. Dann saß die Familie zusammen.
Was ys denn das um dey Gürtel, Steyn.“, kam es mit tiefer Stimme vom Vater zwischen zwei Bissen. „Ein Geschenk von Frowe.“ Da nickte der Vater es ab. „Guad, sonst hätte mey nun gezweifelt.“, feixte der Vater und stieß den Sohn rau gegen die Schulter. Dieser nahm die Herausforderung an und ein Gerangel ging los. Nachdenklich betrachtete Frowe dieses Schauspiel, dass sich häufiger abspielte – bis Brimyr keine Lust mehr hatte und Steyn einfach beiseite stieß. Er wurde ausgelacht.. da rappelte sie sich auf und ging zur Truhe mit den Leder und Stoffstücken hinüber. „Was suchst dey?“, fragte die Mutter. „Einen langen Stoff der für einen Gürtel reicht. Und.. grauen Faden.“ Die Mutter legte ihr alles hin und betrachtete kurz nachdenklich ihre Tochter. Sie hatte sie noch nie so ehrgeizig gesehen. Bisher hatte sie zwar immer im Haushalt geholfen, sich um das Vieh und das Essen mitgekümmert, aber nun leuchteten ihre Augen.
 
Frowe arbeitete bis in die Nacht. Bis das laute Schnarrchen ihres Vaters alle Bäume in der Umgebung absägte. Die Kerze beschien ihre erste Arbeit, bis sie zu müde war um den Faden zu sehen: Ein Gürtel aus grünen Stoff, der Anfang einer Stickerei wurde gesetzt. Am nächsten Morgen, nachdem sie schnell das Frühstück hinein spachtelte, bat sie ihre Mutter heute weiter zu machen. „Erst wenn dey das Vieh gefüttert hast.“, kam es daraufhin schlicht. Die Männer zogen los auf die Jagd, Steyn hatte die mittlerweile verwelkten Blumen noch immer um seinen Gürtel hängen und dies freute Frowe. Als das Vieh endlich gefüttert war, setzte sie sich wieder an die Arbeit. Bis zum Abend saß sie an dem Gürtel, die nachdenklichen Blicke der Mutter im Nacken. Als die Männer zurück kehrten, rannte Frowe Steyn entgegen. „Sieh mal!“, kam es stolz und sie reichte ihm den eingerollten Gürtel. Mit nachdenklichen Blick entrollte Steyn den Gürtel, dann staunte er. Ebenso wie der Vater. Auf dem schlichten grünen Stoff windeten sich Bergblumen, wie sie im Kranz verarbeitet wurden in verschiedenen Grausilbertönen. „Das ys..“ - „Nun musst dey dye Blumen nuad mehr um dey Gürtel tragen, sondern hast sey direkt darauf! Und keiner lacht dey mehr aus.“ Brimyr strich seiner Tochter über das Haar. „Das ys eyne guade Arbeit.“ Daraufhin kam auch Steyn wieder zu Worte. „Aye, das sieht toll aus. Danke Frowe.“ Und so löste er direkt vor Ort seinen bisherigen Gürtel und legte sich den grünen um. „Und?“ - „Hübsch!“, kam das Urteil der Schafferin und sie lachte glücklich.
Am Abend schlief Frowe schnell ein, die lange Arbeit an dem Gürtel und die wenigen Stunden Schlaf der letzten Nacht waren ausschlaggebend dafür. So hörte sie nicht das leise Gespräch der Eltern.
 
Frowe, mey werde dey heute zu Ine bringen.“, stutzig sah sie von ihrem Morgenbrot auf. „Ine? Wieso?“ Der Vater nickte die Frage nur ab. „Das wirst dey schon sehen.“ Und so ließ er sich auch auf keine weiteren Fragen mehr ein. Nach dem Frühstück durchschritten sie das kleine Dorf und klopften an den Türrahmen eines schlichten Holzhauses ehe sie eintraten. „Ine?“ Diese saß an einem Tisch über mit Lederlagen und Fellen. „Ach, was kann ich denn für euch Beide tun?“ Das folgende Gespräch verfolgte Frowe nur halb, sie war fasziniert von den verschiedenen Stofflagen in der Ecke des Hauses. „Frowe, dey bleibst heute hier und schaust dey einmal an was Ine macht.“, da schreckte sie auf und nickte zum Vater hoch. „Gern! Danke!“ - „Na dann komm' mal her.“, Ine lächelte ihr zu und winkte sie zu sich. Wissbegierig zog Frowe alles ein was Ine ihr erzählte. Und am nächsten Tag kam sie wieder und den darauf folgenden.. ihre Ausbildung hatte begonnen.
 

Der Scheideweg

Laut war es. Gröhlend. Die Tropfen Met an die Ahnen stiegen in Dampfschwaden gen Decke des Langhauses. Sie feierten nach einer großen Jagd die Geister des Waldes. Die jährliche Jagd war erfolgreicher als sonst und würde ihnen gut über den Winter helfen. Frowe war eine Frau geworden. Ine, die in die Jahre gekommen war, nahm sie immer mehr Arbeit ab. Steyn war schon lange ein Mann geworden. Den grünen Gürtel band er bei seinem ersten Schwert um seine Schwertscheide, er war irgendwann zu klein geworden für die Hüften. Der Gürtel war schon verschlissen, von all den Jahren, doch er nahm ihn nicht ab. Umwickelte stets die Schwertscheide mit der er loszog damit. Er brachte ihr das Kämpfen bei – oder eher, versuchte es. Sie war nicht sonderlich gut am Schwert. Das erkannte auch Steyn schnell. Sie blieb kleingewachsen, war nicht so muskulös und trainiert wie ihre Mutter. Das Einzige wo sie passabel war, war der Bogen. So fixierte sich Steyn irgendwann in seinen Übungen mit ihr auf diesen. Bis sie irgendwann - sie war vielleicht 16 - ihr erstes Wild schoss. Ein seltsamer Moment, sie wusste zwar wo die Felle und das Leder herkam, sah auch schon Vieh von ihrem Vater schlachten. Doch selbst es zu schießen, war wieder etwas anderes. Damal sank sie neben dem Tier nieder, dankte ihm.. dankte den Geistern für die Gabe und versprach, nichts zu verschwenden.

Nachdenklich betrachtete sie ihren Bruder in der Gruppe der Männer, wie sie riefen und grölten. Er hörte die Dame im Wind, sagte er. Er würde gehen, wusste sie. „He! Frowe.“, ein verschmitzten Lächeln wurde ihr geschenkt. Die Worte von Ratar zogen sie aus den Gedanken. „Was gibt’s?“, sie drehte den Kopf zu ihm herum. „Hast aye gar keyn Met mehr.“, die nuschelnde Stimme sprach dafür das er zu viel hatte. Lächelnd betrachtete sie ihren Krug, er war noch halbvoll. "Geht schon." Kaum waren die wenigen Worte gesprochen, schob sich eine massige Schulter vor Frowe zu Ratar zeigend. „Alles guad hier?“, Ratar wich in seinem angetrunkenen Zustand zurück als Steyn sich vor im aufbaute. Er hatte schnell den Respekt alle jungen Kerle im Dorf erlangt. „Alles guad! Habn nur geredet.
Das stimmt.“, kam es ruhig an Steyns Rücken hoch. Ratar verschwand und der Bruder drehte sich zu ihr herum.
Unnötig“, urteile Frowe.
Ach?
Aye.“
Und was ys wenn er..
Hat er nuad .“, kam es genervt.“
Und wenn..“, er wurde unterbrochen.
Hat er aber nuad.
Ach.“, er war weniger überzeugt davon.
Steyn. Ich bin alt genug.“, sie löste sich von dem Holzbalken an dem sie stand.
Und außerdem.. gehst dey doch oder? Also kannst dey eh nicht mehr auf mey aufpassen.“ Mit den Worten verließ sie das Langhaus und trat in die Nacht hinaus. Eine Hand griff sie außen am Oberarm und sie wurde zurück gedreht. Ein ernster Blick aus den geliebten dunkelblauen Augen traf sie. „Woher weißt du das.
Wir sind eins.. weißt dey nuad mehr?“, da kämpfte sie schon mit den Tränen. „Mey sehe doch deyn Blick über die Weiten. Sehnsucht und doch Schmerz.“ Er atmete tief durch: „Sey rief mey, aye. Doch mey kann nicht im Winter die Reise antreten... Doch im Frühjahr, werde mey gehen.“ Auch wenn sie es schon wusste, schmerzten diese Worte sie. So löste sie sich von ihm und ging in die Nacht hinaus.
 
Der Winter ging schneller rum als jeder andere Winter zuvor in ihrem Leben. Und bald darauf begleitete sie ihren Bruder zu den Schiffen. Er griff nach ihrem Nacken und ihre Stirne wurden aneinander geschlagen als er in die hellblauen Augen sah:
Der Himmel berührt den Ozean immer über den weiten des Meeres.
Und so werden auch wir immer zusammen gehören.
 
Sie sah ihm nach, er sah zurück. Selbst als das Schiff nicht mehr zu sehen war, stand sie da. Die Tränen ließ sie einfach laufen. Es war ihr gleich wer sie so sah. Sie konnte jetzt keine Stärke mimen. Ihr Herz wurde in Zwei gerissen. Sie war zu jung für die Fahrt, dies war das Urteil ihrer Eltern. Sie hasste ihr Leben..
 

Ihr Weg über das Meer

Die Leere konnte nichts füllen. Keine Arbeit, keine Liebe der Eltern, keine Annäherungen der Männer. Sie ließ Niemanden an sich heran. Nur in den Armen ihrer Mutter vergaß sie für Augenblicke die Realität. Ihre Arbeit wurde schlechter. Die Dorfbewohner kamen zurück, mit offenen Nähten und gerissenen Lederbändern. Sie hatte nun selbst einen Lehrling - Haldis, Ine war zu alt für die Arbeit geworden. Frowes Entschuldigungen für die Fehler wurden irgendwann zur Routine. Sie bemühte sich mehr um die Lehre, keiner ihrer Stücke bereitete ihr noch Freude. Im Frühling darauf übernahm Haldis dann die meiste Arbeit und Frowe zeigte ihr nur noch etwas wenn sie nicht mehr weiter wusste. Sie kümmerte sich nun um das Gerben. Eine eklige, stinkende Arbeit. Doch ihr war es gleich. So ging sie eines Tages auch mit den frischen Fellen der Tiere aus dem Dorf heraus. Die Gerberstände waren weit weg davon, da es sonst zu sehr roch. Nach der getanen Arbeit, zog es sie tiefer in den Wald. Sie legte ihre Kleidung ab und stieg in den kalten Bergsee der aus einer Quelle des Arnfinn entsprang.
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Einen Moment blieb sie im seichten Wasser sitzen. Über ihr der Himmel, der See unter ihr. Und da weinte sie wieder, nachdem sie schon lange aufhörte damit und sich schwor nie wieder wegen ihrem Bruder zu weinen. Nach den ersten Tränen, sah sie um sich. Ein Wind durchzog den Wald. Irgendetwas ließ sie lauschen. Rauschend war es zwar, doch auch als würde sie gerufen werden. Spielte ihr ihre Sehnsucht einen Streich? Doch als das Flüstern lauter wurde, war es deutlicher für sie. Die Dame im Wind rief sie! Aufgeregt eilte sie nach Hause an diesem Tag, der alte Glanz stand in ihren Augen. Sie berichtete von dem Flüstern. Die Weissagung der Schamanin vor 23 Jahren bewahrheitete sich also. Brimyr und Uthas Tochter folgte 3 Jahre später, mit 23 Jahren ihrem Bruder Steyn in das Reich das einst ihre Ahnen bewohnten.

Re: Tiefer Ozean und weiter Himmel

Verfasst: Dienstag 16. August 2016, 22:07
von Gast
17 Jahre zuvor...
Wenn sich zwei Wege kreuzen...

Ein aufregender Tag! Ganz früh am Morgen kamen die Schiffe der Händler an. Was nun folgen würde, wären Tage voller Leben. Frowe liebte diese Tage. Ihre Heimat verwandelte sich in ein Bienennest: Am Hafen standen die Händler, Reisende füllten das Gasthaus und es gab Stockfisch! Sie liebte Stockfisch. Ihre Mutter machte diesen nur an besonderen Tagen, da er zu lange dauerte und gedreht werden musste. So zog sie sich ihren Kilt sorgsam um die Hüfte, schlüpfte in ihre schönen Stiefel und ließ sich von ihrer Mutter das Haar flechten. Ein grünes Haarband, in den Farben des Clans, wurde zu einer Schleife am Zopfende festgebunden. Dann verließ Mutter und Tochter die Holzhütte und machten sich auf den Weg hinab zum Hafen. Frowe war wenige Wochen zuvor wieder krank geworden, kurz nach ihrem 6ten Frühling – in welchem sie geboren wurde. Ihr ständiger Begleiter, eine Hirschholzfigur, hielt sie fest in der einen Hand die Mutter an der Anderen.
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Am Hafen war schon wildes treiben. Die Händler priesen ihre Waren an, die Welpen des Clans tollten mit Anderen herum und dichte Rauchschwaden zeugten von Räucheröfen und Lagerfeuern an denen Stockfisch gebraten wurde. Frowes Mutter setzte sie auf eine Kiste und kaufte ihr einen Stockfisch. „Mey geht Lebensmyttel kaufen. Dey bleybst hyer, aye?“ - „Aye.“, kam es mit einem tiefen Nicken. Ihre Hirschfigur hielt sie im linken Arm, während sie am Fisch herum knabberte. Sie beobachtete die Welpen ihres Clans, zwei Jungen und ein Mädchen. Die Marte, Andgar und Jordis hießen. Sie warfen einen Lederball im Kreis herum. Mit sehnsüchtigen Blick beobachtete sie die Drei. Nach einer Weile griff Jordis ins Leere und der Ball traf hinter ihr den Boden und kullerte zu Frowes Sitzkiste. Flink war sie unten und rief zu ihnen: „Mey holt ihn!“ - Vielleicht ihre Möglichkeit mitzuspielen. Ihre Hirschfigur hielt sie fest in der Hand als sie den Ball noch dazu hob und zu den Dreien tapste. „Gyb her, krankes Kytz.“ Sie stockte im Schritt und sah Marte entgegen. Fiese Blicke wurden der, bekanntlich immer kränklichen, Frowe geschenkt. „Gyb schon her!“, wiederholte Jordis und langsam wurde sie umkreist. „Na dann nehm mey das!“, Marte zog ihr Spielzeug aus den Armen, dabei verlor Frowe auch den Ball und er rollte aus dem Kreis heraus. „He! Das ys von meyner Mah!“ Sie eilte zu Marte, der jedoch größer war als sie – Alle Welpen ihres Alters waren das. „Hyer Andgar!“ Die Figur flog über Frowes Kopf zu Andgar. Danach zu Jordis, zurück zu Marte und das Spiel begann von Neuem. Frowe begann zu weinen, was die hämischen Rufe der Welpen noch verstärkte. Glück hatte sie als ihre Hände bei Jordis doch noch die Figur erwischten. Doch diese griff nach ihrem Haar und zog daran, dabei löste sich die grüne Schleife und segelte zu Boden. Marte kam Jordis zur Hilfe und entriss Frowe wieder ihre Figur. „HEY!“, bellte ein Ruf über das hektische Treiben am Hafen. „HE, lasst sey in ruh!“ Ein blonder Junge mit Wikrahkilt stiefelte energisch los. „Was wyllstn dey!“ Er stieß Jordis beiseite und stellte sich vor Frowe. „Gyb dye Fygur zurück oder mey haut dey Gesycht ynne Boden.“ Marte lachte auf und schlug mit Wucht die Figur auf den Boden. Das Geweih brach ab. Ein Aufschrei von Frowe war zu hören. „Hyer! Bydde!“ Dann trat er noch darauf und die dünn geschnitzten Beine brachen weg. „Kommd wyr gehen.“ Und so drehten die Drei ab, griffen ihren Ball und verschwanden im Getümmel des Marktes.

Himmelblaue Augen sahen zu ihr hinab. Strohblondes wuscheliges Haar krönte ihn. Er griff hinab, hob die kaputte Figur an, das Geweih und die Beine. Dann auch ihre Haarschleife die auf dem Boden lag. „Tut mey Leyd. Mey Dah ys Holzhand, das.. kann man nymmer reparyeren“, kam der fachliche Rat. Doch er reichte ihr, ihre Kostbarkeit zurück. Das Weinen verstummte langsam und die zerbrechlichen Finger Frowes betasteten ihre kaputte Figur. „Sye half myr ymmer.. wenn mey krank war.“, kam es schluchzend. Nachdenklich betrachtete der Junge das bleiche Gesicht. „Warte..“ Er griff an seine Kiltseite zu einem Beutel und öffnete ihn. Langsam zog er eine fein geschnitzte Figur hervor. Das Fell wirkte lebendig, die Füße zeigten alle Tatzen und der Kopf war stolz gehoben: Ein Wolf. Ein Kunstwerk, viel aufwendiger gearbeitet - für einen neutralen Betrachter - als Frowes Hirsch. „Hyer. Nun hylft er dey..“ Überwältigt von der Geste, blieb Frowe wie angewurzelt stehen und rührte sich nicht. Der Junge legte ihr den Wolf kurzerhand in die Hand mit der sie ihr wieder erhaltenes Band hielt. „Hyer. Nymm. Aber dafür lächelste wyeder so schön wye vorhyn als dey Stockfisch gegessen hast, aye?“ Blinzelnd sah sie zu ihm hoch. „Na.. ney so das mey dey beobachtet hat..! Aber da war mey nur kurz Dah helfen und schon sah mey dey weynen.“ Er rieb sich über den Hinterkopf und wuschelte so seine blonden Haare noch einmal durch. Langsam besann sie sich wieder, ein Lächeln zeichnete sich auf ihren Zügen ab – auch wenn es nur zaghaft war. Dann friemelte sie das grüne Band unter dem Wolf hervor und legte es in seine Hand. „Hyer. Dye hab' mey sehr gern. Trag sye ymmer wenn mey hübsch aussehen soll.“ Er schluckte und legte die Hand vorsichtig um das grüne Band. Als die Blicke sich wieder trafen, strahlte sie ihm mit einem offenen Lächeln an und kniff die Augen dabei fröhlich zu – Tränen hingen noch in ihren Wimpern fest. „Danke dey! Mey ys..“ Und da bellte eine tiefe Stimme: „HEY! Kommst jetzt!“ Verwirrt sah sie an dem Jungen vorbei. „Mey Dah..“ Er atmete tief durch und erneut hob sich die Stimme: „Junge! Los!“ - „Wyr synd noch dye ganze Woche hyer!“ Und mit den Worten drehte er sich um und lief zu einem großgewachsenen Thyren. „Aye byn ya da!“, moserte der Junge zurück. Sie sah ihm nach, bis die Menge seine Gestalt und die seines Vaters verschluckte.

Am nächsten Morgen saß sie an der gleichen Stelle. Am Mittag kam ihre Mutter und befahl ihr sich um die Tiere zu kümmern. Am Abend saß sie wieder auf der Kiste – mit dem Wolf in den Händen. Den Tag darauf, durfte sie erst Mittags zum Hafen. Steyn kam mit und zog sie schon auf das sie nur faul sein wollte und daher herum saß, daher erzählte sie ihm von der Begegnung. Erst schimpfte er auf sie, dass sie so doof war und glaubte das Marte sie mitspielen ließ – wusste sie doch wie gemein er war. Und dann war er wütend auf die Drei, die seine Schwester zum weinen brachten. Und dann setzte er sich zu ihr auf die Kiste: Den Jungen der seiner Schwester half, musste er danken. Doch am Frühabend zog sie ihr Dah an den Armen ins Haus. Am dritten Tag ließ sie ihre Mutter bis zum Abend nicht zum Hafen gehen. Sie habe ihre Aufgaben vernachlässigt. Erst am vierten, den letzten Tag der Händler, war sie Morgens wieder auf der Kiste gesessen. „Hey..“, kam ein alter Händler und lächelte sie an. „Dye Kyste muss nun eyngeladen werden.“ Seufzend schob sie sich von ihr hinab. „Kennst dey eine Holzhand der Wikrah mit Jungen?“ Doch der Mann schüttelte nur seinen Kopf. „Ney, aber die Irdis soll Holzhände an Bord haben.“ - „Welches ys das?“, kam die aufgeregte Frage. Der Mann deutete gen Osten und Frowe eilte schon los. Die Händler räumten schon zusammen. Es wurde nur noch vom Schiff aus verkauft. Sie wurde beiseite gestoßen und zusammen gedrängt. Der Versuch irgendwo hoch zu klettern scheiterte. Die Holzstege wurden schon eingezogen und sie kam nicht mehr zum Rand, als die Seile gelöst wurden sah sie ihn.. der blonde Schopf stand an der Rehling und blickte hinaus. Sie hob die Hand und winkte um auf sich aufmerksam zu machen. Doch eine Frau mit großem Korb schob sie hinter sich. Erst als das Schiff hinaus gezogen wurde sah er sie und sie sah ihn. „Hossa!“, rief sie und kam ans Ende des Hafenstegs an. „Hossa!“, hörte sie noch und er eilte an das Heck. Sie winkte ihm und merkte gar nicht wie sie still weinte. So stand sie da und sah dem Schiff nach. „He.. flennst dey?“, kam die Stimme Steyns an ihr Ohr. Der sie wohl den gesamten Weg über verfolgte und nun auch dem Schiff nachblickte. „NEY!“, rief sie aus, drehte sich herum und eilte durch die Menge hindurch.

Ashatar 259
Gemeinsamer Weg

Das Schiff kam in den Abendstunden an. Sie betrat das ihr fremde Dorf und wurde direkt zum Fort geschickt. Ein Treffen sollte dort gerade stattfinden. Mit ihren verschlissenen Kleidern trat sie so durch das Tor, welches ihr geöffnet wurde. Viele kamen ihr entgegen, vielen musste sie sich vorstellen. Am Feuer saß er, Steyn. Ihr Gegenstück, ihr ein und alles. Seit sie denken konnte war er da, bis auf die Jahre die sie trennten. Er zeigte bei der Begrüßung keine großen Gefühle. Vielleicht hatte er sich geändert? Doch es lag wohl daran, dass er vor kurzem Ridder wurde – dies erfuhr sie danach. Dann stockte sie noch einmal, neben dem Anblick ihres Bruders. Die himmelblauen Augen sah sie zu erst. Dann das Lächeln und als Begrüßung, umarmte er sie. Irgendetwas hatte er an sich was sie kannte, irgendetwas war da. Sie konnte es nie beschreiben, immerhin konnte es nach einem Augenblick nicht wahrhaftig Zuneigung sein. Oder? Runar hieß er.

Es dauerte Wochen, bis sie ihm davon erzählte. Sie kamen sich näher, redeten viel und verbrachten einige Stunden zusammen. Sie zeigte ihm das Bogenschießen und er ihr die schönsten Orte auf dem thyrischen Grund. Doch sie ahnte nichts, hatte nur immer dieses Gefühl das sie ihn doch kennen musste. Und er war es dann der sie auf diese Idee brachte. „Vielleicht sind wir uns ja wirklich schon einmal begegnet.“ Es fiel ihr wie Schuppen von den Augen. Sie eilte los, zog ihre Reisekiste heran, welche sie bisher noch immer nicht ausräumte – immerhin war sie noch nicht ganz im Rudel aufgenommen. Und direkt oben auf lag er: Der geschnitzte Wolf. Schnell kam sie zu ihm zurück und zeigte ihn. Wahrhaftig.. er erinnerte sich.

Verfasst: Mittwoch 17. August 2016, 02:49
von Runar Wikrah
Eine Schicksalhafte Begegnung

Während die Hände begannen ihre Waren auszuladen, stahl sich der kleine blonde Thyre zwischen den Marktständen hindurch. Die blauen Augen sahen sich wachsam und Neugierig um. Er liebte die Ausflüge mit seinem Dah und diesmal ging die Reise sogar in ein anderes Dorf mehrere Tage entfernt von seinem Zuhause. Als er den Blick schweifen ließ fiel ihm ein kleines Mädchen seines Alters auf. Sie aß Stockfisch und ihm gefiel ihr Lächeln das sie dabei auf den Zügen trug. „Ui, dye ys aber hübsch“ sprach er wie so oft einen seiner Gedanken zu Laut aus unnd erregte damit sofort die Aufmerksamkeit der Zuckerbäckerin an deren Stand er lehnte. „Dank dey, kleyner ys lyeb von dey“. Er blickte hoch zu der Fremden „Mey meynte dat Mädchen da hynden.“Der Blick der Bäckerin folgt seinem Deut „Aye dat ys dye Fr..."

Weiter kam sie nicht den der Junge wurde von einem bärigen Hünen auf seinen Arm gehoben und einfach davon getragen. "Runar wye oft hat mey dey schon gesacht dat dey ney weglofen soll wenn wey ausladen? "Er sah zu seinem Vater hoch „Aye tut mey leyd Dah.“ Es klang wie die typische Antwort eines 6-Jährigen der eben zustimmte um keinen Ärger zu bekommen. Ulaf trug die schweren prall gefüllten Kisten gen Stand wo Runar einige der Waren zu drapieren begann. Immer wieder sah er von seiner Arbeit auf um einen Blick auf das Mädchen zu erhaschen. Und dann sah er sie wieder, sie weinte. Ein paar andere Kinder ärgerten sie und als eines der Kinder sie an den Haaren zog, sprang er auf und lief los.Eine große Klappe hatte der große kleine Hüne schon immer gehabt und so bölkte er mit ganzer Kraft „Gyb dye Fygur zurück oder mey haut dey Gesycht ynne Boden“. Über seine eigene Courage verwundert kniff er kurz die Augen zusammen und in diesem Moment warf der größte der drei Kinder die Figur auf den Boden und trat dann auch noch drauf. Es brach ihm das Herz als er sich bückte um ihr die Figur zu überreichen.“Tut mey Leyd. Mey Dah ys Holzhand, das.. kann man nymmer reparyeren“. Ihre Antwort darauf machte ihn noch trauriger und so beschloss er ihr sein heiligstes dafür zu geben. Einen Wolf aus Holz den ihm sein Vater zur Geburt gefertigt hatte, ein ständiger Begleiter aber er wollte sie wieder Lächeln sehen. „Hyer. Dye hab' mey sehr gern. Trag sye ymmer wenn mey hübsch aussehen soll.“ Und als sie ihm ihr Haarband schenkte wurde auch er wieder fröhlich. Jenes fand sofort den Weg an sein kleines Holzübungsschwert und grade als sie ihm ihren Namen verraten wollte rief ihn sein Vater. Wenn er ihn warten ließe gab das nur wieder Ärger. „Mey ys Runar“, rief er so laut er konnte während er durch das Getümmel seinem Vater entgegen lief, doch die Worte gingen wohl einfach im Lärm des Marktes unter.


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Am nächsten Morgen stand er früh auf. Er freute sich darauf sie wieder zu sehen und so zog er sich sehr leise seine Stiefel an, zupfte seinen Kilt zurecht und die kleine Schwertscheide mit dem Holzschwert an dem ihr Haarband hing. Und so schlich er sich heimlich an seinem Dah vorbei aus der kleinen Taverne am Hafen über den Marktplatz. „Hey Trollkopp“, ertönte eine Stimme in seinem Rücken. Es war Marte an seiner Seite Jordis und Andgar. „Dafür das dey gestern so eyne große Klappe hattest ärgern wey nun dey“. Runar schnaubte kurz „Man ärgert keyne Wikrah und und dey bys selber eyn Trollkopp!“ Er zog sein kleines Holzschwert fuchtelte damit vor Marte rum. Als Andgar ihn von hinten boxte ließ er sein Schwert fallen und diese Gelegenheit nutze Jordis um das Holzschwert vom Boden zu klauben. Ehe die drei, begleitet von einem Gelächter, davon liefen.

Weinend lief Runar zurück in das kleine Gasthaus am Hafen. “Dah, Dah dye Kynder haben mey meyn Holzsvert geklaut“ Der Hüne blickte von seinem üppigen Früstück auf und brummte tief „Aye Runar dat kommt davon wenn dey ymmer wegläuft aber mey holt deyn Schvert wyeder aye?“ Erfrig nickend und nun schon wieder lächelnd nickt der kleine Krieger, sodass ihm die langen flachsblonden Locken um den Kopf flogen. „Aber, dafür das dey weggelofen bys darf dey nur noch myt mey raus aye?“ raunte der Bär weiter. „Dey ys Gemeyn Dah!“ Der Hüne brummte nur wieder und aß schweigend sein Frühstück weiter. Und so kam es das der kleine Welpe das, Mädchen das nun seinen Wolf hatte auch in den in den nächsten Tagen nicht mehr wiedersah

Die Reise näherte sich dem Ende, die Boote waren beladen und bald darauf auch bereit zur Abfahrt. Aus den Augenwinkeln sah der kleine Wolf ein Winken und löste seine Blick vom Wasser um zum Hafen zu schauen. Als das „Hossa“ an seine Ohren drang begann auch er aufgeregt zu Winken und erwiederte ihren Gruß. Neben dem Mädchen kam ein älterer Junge zum stehen, die Silhouetten der beiden wurden kleiner und verschwanden bald darauf im Nebel der den Hafen an diesem Abend umgab.


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Gemeinsamer Weg

Es klingelte am Tor, wie so oft in den letzten Tagen. Das aufgeregte Treiben der Claner als ein neues Weib auftauchte amüsierte ihn. Er selbst blieb stoisch am Feuer sitzen. Frowe, wie sich wenig später hinaus stellte. Steyns Blutschwester. Eine Wikrah also, dachte sich der Hüne und so drückte er sich hoch um sich vorzustellen. „Runar, Sohn des....Clansältester der Wikrah“ Ein versteckter Versuch ihr ein wenig zu imponieren. Die Umarmung war etwas spontanes, ein Ausdruck seiner Freude das das Rudel um eine Wikrah reicher war.

Der Wolf rief Erinnerungen wach. Erinnerungen an die im Nachhinein sehr Schicksalhafte Begegnung am Hafen. Erinnerung daran wie ihm diese Begegnung, den Weg zum Schwert offenbarten und Erinnerungen daran wie ihn ihr Haarband all die Jahre begleitet hatte. Vom Holzschwert als Welpe, über sein erstes richtiges Schwert bis hin zu der Diamanten Klinge die ihm überreicht wurde nachdem Anndra ihn der Ehre würdig hielt. Das Band hing an jeder dieser Klingen und war ihm Glücksbringer und Motivation.

Re: Tiefer Ozean und weiter Himmel

Verfasst: Mittwoch 7. September 2016, 15:52
von Gast
Steiniger Weg

Am Anfang war der Weg sehr eben. Sie kam gut an, lebte sich gut ein. Natürlich gab es ab und an Reibereien mit ihrem Bruder. Immerhin sahen sie sich seit Jahren nicht mehr und ihre Hoffnung, dass direkt alles so sei wie früher, war kindisch. Doch je länger sie im Land der Ahnen weilte, umso mehr sah sie in den geliebten dunkelblauen Augen ihren großen Bruder wieder. Den ersten Stein in ihrem Stiefel bekam sie, als die oberste Clanshand erwählt wurde. Es war vielleicht eine ebenso kindische Einstellung zu hoffen, dass sie es werden würde. Sie hatte es sich sehr gewünscht. Doch sie zweifelte nicht an Wisgard, sie würde ihre Arbeit sehr gut machen. Sie selbst hatte ihr ihre Enttäuschung mitgeteilt und Wisgard verstand es, dafür respektierte Frowe sie noch mehr als zuvor. Es war wohl einfach eine Enttäuschung, die mit der Zeit abflauen musste. Die Zeit heilt immernoch die meisten Wunden.

Die nächsten Steine ließen ihre Füße dann jedoch blutig werden und sie sank in sich zusammen. Doch je stolzer man auf etwas ist, umso tiefer fällt man dann auch.

Runar schenkte ihr eine Kette und Ohrringe, sie zeigten Haynblumen. Es war das schönste Geschenk das ein Kerl ihr jemals gemacht hatte (ausgenommen ihres Bruders natürlich). Die Haynblumen sahen aus wie jene, die Runar ihr am Anfang ihrer Gespräche in das Haar steckte. Er war ebenso wie sie betrübt darüber, dass die Blume Tag für Tag mehr welkte - bis Frowe sie nicht mehr tragen konnte. „Nun welkt sie nicht mehr...“, waren seine Worte bei dem Geschenk. Sie war so glücklich und hatte direkt eine Idee die sie packte - wie damals bei Steyns Gürtel mit den Blumenkranz. So setzte sie sich den Abend noch an die Arbeit und suchte sich einen schönen Stoff für ein Kleid heraus. Bis der Schnitt entschieden war, dauerte es bis tief in die Nacht. Es sollte ein ungewöhnlicher Schnitt für eine Thyrin sein, immerhin war eine Haynblume auch etwas besonderes zwischen dem gewöhnlichen. Die Nacht war unruhig, sie überlegte sich wie sie das Kleid weiter bearbeiten konnte.

Am nächsten Morgen war sie sehr früh in ihrer Werkstatt und setzte die Bestickungen, welche sie sich die Nacht über ausmalte, in die Tat um. Es dauerte zwei Tage bis sich die Bestickungen von Haynblumen das Kleid empor rankten. Es war schön! Und Runar würde sehen, dass sie sein Geschenk wertschätzte. Sie trug es mit stolz den ersten Abend im Lager...


Dort saß ihr Rudel am Feuer und sie kümmerte sich um eine Lederrüstung. Sie hörte tuscheln hinter sich und sah zu Steyn und Anndra. Die Blicke sprachen dafür, dass es wohl um sie ging. Als Anndra aufstand, setzte sie sich zu ihrem Bruder um nachzufragen ob alles in Ordnung sei. „Ney ney, nuad. War nur verwundert, dass dey so nen hässlyches Kleyd trägst.“, antwortete ihr Steyn leise. "nett..", sie schluckte schwer und sah vor sich. "Sey hat aber Recht. Dey schaust wyrkley yn de annern besser aus." Frowe löste ihren Blick und sah zum Langhaus hinüber. "Ist trotzdem meine Arbeit." "Un? Nur weyl et dey Arbeyt sey musset nuad allen gefalle.", antwortete ihr Bruder weiterhin gedämpfter Stimme. "Aber über mich zu reden wie Welpen ist auch nuad richtig.", sie schnaubte und drückte sich hoch. Sie hörte noch irgendetwas von, Ach tut sey aye nuad. Hat mey nur gefracht, warum dey sowat trägst., in ihren rauschenden Ohren.
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Sie ging direkt in die Küche, mit der Hoffnung das dort Niemand war. Zum Glück war niemand da! Die Tränen bekämpfend, klatschte sie Fisch in Pfannen. Wenn hier eine Träne fiel, zischte sie gar wütend in der heißen Pfanne auf. So ein Verhalten kannte sie nur von ihrer Jugend. Wo noch jedes Kleidungsstück von ihr in Augenschein genommen wurde. Da wurde gelächtert wenn sie ihr Band nicht richtig zumachte und das Kleid rutschte. Oder wenn sie in viel zu großen Kleiderstücken herum lief. Das war in der Zeit als sei 15 Jahre alt war. Eine harte Zeit. Sie erinnerte sich nur ungern daran. Nachdem sie die ersten Tränen bekämpfte, ging sie hinaus. Sie wollte heute nicht im Fort schlafen, das Tuscheln traf sie härter als das Urteil über ihre stolze Arbeit. Als sie Norwin, Sjana und Runar traf, musste sie doch wieder Lächeln und es tat gar nicht mehr so weh:

Du siehst hübsch aus! - Das Kleid ist sehr schön. - So ein Blödsinn..

Re: Tiefer Ozean und weiter Himmel

Verfasst: Dienstag 20. Dezember 2016, 21:42
von Gast
Einsamer Weg

Die Flut war einige Wochen ins Land gezogen. Ihr Laden war fort. Ihr neues, kurzes, zu Hause war fort. Im Weiberzimmer musste sie sich erst wieder an das Schnarchen mancher alten, kräftigen Weiber gewöhnen. Der Blick gleitete jeden Tag hinaus, hinaus über die Weite.. hinein in den noch stehenden Wald. Lebte er? War er heil aus der Flut gekehrt? Sie hatte keine Gewissheit, schon häufig wurde sie gefragt wo Runar war. Ihr Weg, den sie hoffte zu Zweit zu gehen - der durch seine Aufgabe von Glück gezeichnet war-, wurde durch die Flut jäh unterbrochen. Sie schwemmte alles mit sich. Ihren Laden. Ihr zu Hause. Runar? Mit einem schwermütigen Blick griff sie sich eine Tafel, vielleicht tat es ihr gut, vielleicht brachte es gar nichts.. doch sie begann zu schreiben:

Hossa Trollkopp,
mey weiß nicht wo du bist. Ob du da außen steckst. Irgendwo
zwischen den Baumstämmen. Ob du dein Rudel suchst. Ob du
eine Aufgae hast die dich Fern hält. Ob du lebst.. Mey weiß gar
nichts. Nichts. Jeden Tag hoffe ich, jeden Tag bange ich. Und ich
gehe jeden Tag, ein Stück weniger von mir selbst in die Felle. Hat
die Schwemme unser Band zerrissen? Wo bist du?
Mey hofft dir geht es gut..
Biest.


Die Tafel stellte sie, nach einen guten Fußmarsch, im Wald ab. In der Nähe des Sees. Eine alte Eiche war ideal für den Platz.

Sie verlor Steyn, ihren geliebten Bruder. Sein Verlust traf sie so hart, das die Wochenlang sich in ihre Felle verkroch. Sie half bei nichts. Nicht beim Aufbau, nicht beim Lager. Nur zur Not, wenn ein Einarr an ihr rüttelte und seine Rüstung flicken wollte - half sie. Nun war eine neue Schneyderin eingetroffen. Denn vielleicht bahnte sich der nächste Verlust in ihrem jungen Leben an. Wie lange konnte sie so weitermachen? Auch sie musste einmal voran sehen. Doch bisher, trieb sie ihre Gedanken nur durch einen dichten Nebel der kein Ausweg fand. Sie war einsam.