Wege entstehen dadurch, dass man sie geht...

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Alister Theiryn
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Wege entstehen dadurch, dass man sie geht...

Beitrag von Alister Theiryn »

Wohin auch immer wir reisen, wir suchen, wovon wir träumten, und finden doch stets nur uns selbst.

Günter Kunert

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„Platsch“ kam es leise, als wieder ein zusammen geknülltes Stück Papier über das Geländer des Balkons flog und auf das Wasser traf. Kurze Zeit später folgte ihm ein weiterer Zettel.
Mit nachdenklicher Miene las Alister die nachfolgende Seite und gab sich für einige Augenblicke den aufkommenden Erinnerungen hin…
15 Jahre seines Lebens, gepresst in einige wenige Worte, niedergeschrieben auf ein paar losen und abgegriffenen Papierfetzen. Zu lange hatte er im Schatten jener Ereignisse in seiner Heimat gelebt, zu lange jagte er einem Schemen hinterher und verlor sich fast selbst darin. Bis heute, bis er nach Gerimor kam, auf der Suche nach einem Schatten seiner Heimat.
Unerfüllt war seine Suche, doch hatte er schon lange mit ihr abgeschlossen, hatte sie doch für ihn jeglichen Sinn verloren.

Wieder ließ es seinen Blick über die Meeresbucht zwischen dem RaKun und Düstersee schweifen, wieder nippte er an seinem Saft. Wie ruhig und idyllisch doch das Wasser war. Keine Welle durchbrach die außergewöhnlich glatte Oberfläche an diesem Morgen. Doch war dies nur allzu trügerisch. Inzwischen hatte er gelernt, dass jede Handlung, jede Tat Folgen mit sich brachte. Das jede Handlung Konsequenzen nach sich zog. Und mochten sie noch so klein sein, selbst ein kleines Stück Papier, ein einfaches Wort, konnte auf dem großen Ozean des Lebens Wellen nach sich ziehen. Und so zerknüllte er eine weitere Seite aus seinem Buch und warf sie über das Geländer. Danach lehnte er sich wieder gemütlich im Sessel zurück und beobachtete die winzigen Wellen, die das Papierknäul ausgelöst hatten und auch wie sie wieder vergingen.
Ob sie andern Orts wieder auftauchen und zu riesigen Wellen werden würden? Wer weiß, immerhin sagt man ja der Flügelschlag eines Schmetterlings vermag andernorts einen ganzen Sturm auslösen… doch wie viel Wahrheit steckte hinter solchen Aussagen? Nun er hatte es bereits selbst erlebt, wie eine einzige unbedachte Tat plötzlich eine ganze Schlacht nach sich zog.
Wieder trank er einen Schluck Saft und gab sich den Erinnerungen an seine Ankunft auf Gerimor hin.
In Bajard angekommen folgte er der Spur des Schattens zuerst in Richtung Westen bis er in Düstersee ankam. Ein kleines verschlafenes Dorf, doch wie freundlich und herzlich all seine Bewohner waren, hätte er nie für möglich gehalten. Und so blieb er einige Stunden, erfreute sich an der Gastfreundschaft und zog erst in der Nacht weiter. Die folgenden Tage, nachdem er seine tägliche Suche erfolglos beendet hatte, zog es ihn immer und immer wieder zurück in dieses kleine Dorf, er lernte mehr über das Reich, den Glauben und vor allem lernte er viel mehr über sich selbst als er sich zuerst eingestehen wollte.
Natürlich wollte er niemandem sagen, was der Grund seiner Reise war und so gab er zu Besten, was ihm immer half. Er leben in den Tag hinein, sei hauptberuflich Tagträumer, angle und dergleichen. In gewisser Weise stimmte es sogar. Er jagte einem Traum hinterher, auch wenn es kein schöner war. Und so konfrontierte man ihn mehrmals mit der Unzulänglichkeit seines eigenen Lebens, zeigte ihm auf, wie sehr er sein bisheriges Leben eigentlich vergeudet hatte… immerhin war er schon 34, fast 35 damals. Doch war dies nur der Beginn einer neuen Geschichte.
Wieder riss er sich selbst aus den Erinnerungen und zerknüllte weitere Papierstücken, wieder beobachtete er die kleinen Wellen die er damit erzeugte und leerte dabei sein Saft.
Dann kamen ihm wieder Erinnerungen auf, dieses Mal wirklich bewegende. Eines Mittags in Wetterau schritt er in die Katakomben der Arkorither. Inzwischen hatte er sich eine leichte Wehr besorgt und Gerüchten zufolge war dies ein guter Ort um erste Übungen zu bekommen, ein wenig die eingerosteten Muskeln zu bewegen.
Und scheinbar war das Gerücht sogar über die Grenze geeilt, denn als er dort einem Fremden begegnete und diesen, so wie er es gelernt hatte, mit „Seinen Segen“ grüßte wurde er doch sofort dafür angegangen. Bisher war dieser ganze Krieg, der ganze Kampf für ihn so fern und unbekannt. Zwar hatte man ihm Dinge erzählt, doch wollte er erst einmal nichts von alldem wissen. Er wollte nur eines, seine Ruhe und in Frieden gelassen werden mit alldem.
Doch ein Ketzer war es, der sich auf Reichsboden verirrt hatte. Noch wenige Worte wurden gewechselt, als letztes fragte Alister noch wie er es finden würde wenn er durch den Vorgarten des Ketzers rennt, doch damit endete es schon. Während er in einfachstem Material das kleine Schild und die eiserne Klinge hielt, trank der Unbekannte gar noch einen Trank, zog die diamantene Klinge und so griff der strahlende Held des Ostens in schwerer Rüstung den Bauernsohn in einfacher Rüstung an und obsiegte natürlich. Wie er später erfuhr, brüstete sich der Feigling sogar noch damit einen mächtigen Recken des Westens im ehrenhaften Kampf besiegt zu haben und wollte damit der Damenwelt imponieren. Blöd nur, wenn die Damenwelt den Bauernsohn kennt und erfährt, welch riesiger Feigling er doch war. Doch so erfuhr er am Ende sogar den Namen des glorreichen Helden des Ostens.
Doch grade dieses Ereignis war eines der Prägendsten für Alister. Auch wenn er nicht wollte, so zog man ihn in diese Differenzen hinein, nur weil er grüßte, wie man es ihm beigebracht hatte. So erlebte er die Grausamkeit und Blutrünstigkeit des Ostens. So erlebte er wie falsch ein Glaube nur sein kann der von Ehre und Tapferkeit spricht, es aber scheinbar gut heißt wenn das Proletariat plötzlich Waffen zieht, weil ihrem ärmlichen Geist nach 2 Sätzen sachliche Argumente ausgehen, um dann irgendwelche wehr- und ahnungslosen einfachen Personen fast umzubringen.
Und zeigte es ihm doch, wie unfähig er war, das zu verteidigen, was er inzwischen lieb gewonnen hatte. Wie unfähig er wäre das zu beschützen, was er nun nach all den Wochen als neue Heimat anzusehen begann. Die Menschen zu beschützen die er lieb gewonnen hatte.
Und so fasste er für sich selbst den Entschluss, es wird Zeit etwas zu ändern. Umso intensiver befasste er sich mit dem Glauben um einen Bürgerbrief zu erlangen, denn sein Ziel war nun klar – die Reichsgarde!
Und so riss er sich ein letztes Mal aus den Erinnerungen, erhob sich und legte das Buch auf seinen Sessel.
Ein letzter Blick über die Bucht. Was er alles erreicht hatte. Seine 15 Jahre währende Reise fand ein Ende, er hatte ein Haus, er war Landsknecht der Reichsgarde und seine Ausbildung schritt gut voran. Heute würde der Kampf sehr sicher anders ausgehen.
Und er hatte nun eine wirklich bezaubernde und wundervolle Frau und ihre Kinder an seiner Seite.
Doch nun wurde es Zeit, seine Schicht bei der Reichsgarde begann gleich und er hatte nicht vor auch nur einen einzigen Tag zu spät zu kommen…

Und so begann für ihn eine neue Reise, nur das er dieses Mal nicht wusste, wohin sie gehen würde.
Zuletzt geändert von Alister Theiryn am Freitag 22. Juli 2016, 11:43, insgesamt 2-mal geändert.
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Alister Theiryn
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Beitrag von Alister Theiryn »

Es wird die Zeit sein, die Euch formt, Ihr müsst sie nur lassen und dürft nicht an den falschen Ecken schleifen.

Lethoryxae Ar‘ynx
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Block, Block, Block, Parade, Block, da eine Lücke, und Schildschlag und… schon stieß die Klinge des Ritters in seine geöffnete Deckung vor und deutete den tödlichen Stoß an. Wieder einmal war er auf eine Finte des Ritters herein gefallen. Wieder einmal war er zu ungeduldig.
Mit leicht schmerzverzerrten Mundwinkeln rieb er sich über die Unterarmpanzerung seines Schildarmes. Von wegen mittelmäßiger Kämpfer...
Es war das gleiche Schauspiel wie jeden Morgen seit mehreren Wochen. Dadurch dass die Ahad Schwanger war, hatte Ritter Wolfseiche keinen Übungspartner mehr für die Morgenstunden. Zwar hatte sie inzwischen entbunden, doch die tägliche Einheit blieb.
Eigentlich war es ein Angebot an Phreya gewesen, da diese die bisherigen Aufgaben des Ritters sehr gut gemeistert hatte. Aber durch Zufall und weil er praktisch grade daneben stand galt das Angebot plötzlich auch ihm.
Konnte er so ein Angebot ablehnen?
Er wusste von seinen eigenen körperlichen Schwächen. Er wusste um seine mangelnde Kondition. Und trotz der intensiven Gardeausbildung wusste er ganz genau, wie erbärmlich seine kämpferischen Fähigkeiten im Vergleich zu den anderen doch waren.
Also sagte er sofort zu.
Von nun an folgte jeden Morgen ein Lauf von Düstersee nach Rahal in Rüstung durch den Wald. Anschließend ein einstündiger Waffengang wo ihn der Ritter jedes Mal gründlich durch die Mangel drehte. Und oft genug ging es für ihn direkt danach zum Wachdienst und zur Gardeausbildung. Anfangs waren die Schmerzen grässlich und nachts wand er sich im Bett oder gönnte sich ein, zwei Bier mehr am Abend. Grade sein Schildarm und die Beine waren diese Art der Belastung auf Dauer nicht gewohnt. Doch sagte er nie auch nur einen Ton. Still ertrug er den Schmerz, immerhin wusste er ja, wofür er es tat. Er tat es nicht um sich selbst etwas zu beweisen. Er tat es nicht um irgendjemand anderem etwas zu beweisen oder sich zu profellieren. Es ging ihm einzig und alleine darum, dass er endlich in der Lage war zu verteidigen, was nun seine Heimat war, zu verteidigen, war für ihn an Bedeutung zunahm. Er hatte den Terror des Ketzerreiches bereits erlebt, er kannte ihre Blutrünstigkeit. Es gab nur eine Möglichkeit für ihn die Alpträume los zu werden, in denen starb und zerstört wurde was er gar liebte.
Und der Ritter definierte dieses Ziel für ihn recht eindeutig: „Besiegt mich“ waren die einfachen Worte, die er ihm sagte, als sie unter 4 Augen in der Klaue sprachen… „besiegt mich“ so einfach und doch so wahr. Wenn er in der Lage war den Ritter, der ihn täglich aufs Neue im Kampfe unterwies zu besiegen, hätte er eine realistische Chance in einem Kampf zu bestehen.

Seine Ausbildung bei der Garde schritt weiterhin rasant fort. Immer mehr lernte er, immer anspruchsvollere Aufgaben bekam er zugesprochen. Zwar war er immer noch Landsknecht doch lag eine neue Ausarbeitung der Wachgänge von Düstersee nun in seinen Händen. Eine Aufgabe, die er sehr gewissenhaft erledigen würde. Unterstützt wurde er dabei am Anfang bei der Informationssammlung von Trabant Farinor. So vieles hatte sich inzwischen getan, so vieles verändert.
Schwalbenankunft war es inzwischen. Vor wenigen Monaten noch war er völlig fremd im Reich und eigentlich nur auf der Durchreise. Aber nun mehrere Monate später war es inzwischen voll und ganz seine neue Heimat geworden.
Eine neue Heimat, neue Freunde, die Arbeit als Gardist und eine neue Familie…

Familie… 15 Jahre war es nun her seid er die Reste seiner Familie zurück ließ. Ob sie überhaupt noch lebten? Plötzlich wurde Metall auf Metall geschlagen und reflexartig hob er den großen Schild. Scheinbar war der Ritter an diesem Morgen noch nicht fertig mit ihm… auf zu Runde Drei.
Bald würde die Ahad wohl entbinden, doch was dann? Würde er die täglichen Einheiten sehr vermissen? Würde er sie alleine in gleicher Intensität bestreiten können oder war er dem Ritter ein so gutes Übungsopfer, das auch nach der Rückkehr der Ahad die Einheiten weitergehen würden?

Die Zukunft würde es bringen… und so schritt sein Weg voran.
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