Auszüge aus dem Leben des Geodiz Getwergelyn
Verfasst: Donnerstag 14. Juli 2016, 11:53
Der neu entdeckte Glaube von Geodiz Getwergelyn
Da war es wieder, dieses Gefühl. Er konnte es in keine anderen Worte fassen, also nannte er es im Geiste beim Namen. „Cirmias“. Die knolligen Fingerlein des Getwergelyn durchkämmten sein struppiges und zerzaustes Haupthaar. Als er so dasaß, die kleinen grauen, stechenden Augen fest zusammengekniffen und die uralte Chirmittafel vor sich auf dem zerkratzten Steintisch herumdrehte, murmelte er angespannt. Dieses Gefühl und der Name seines Schöpfers waren ständige Begleiter in seinem verwirrten Handeln und Tun. In den mathematischen Aufzeichnung der Nilzadanbibliothek oder in den kulturellen Ergüssen der Dichter und Denker. Jedes Mal wenn der Name des Bergvaters auftauchte, packte Geodiz die Tafeln, Pergamente, Bücher und andere Skripten, in eine großräumige Truhe. Irgendetwas faszinierte ihn, aber es war wirr – es ergab einfach keinen Sinn, vor allem Werke der alten Runenkundigen. Und das sagte er: Geodiz Getwergelyn, der wirre Stollengammler. Wie ein nasser Hund schüttelte er sich, um seinen neugierigen Forschergeist abzustellen und sich wieder seiner ursprünglichen Thematik zu widmen. Er wollte es verstehen, dieses Gefühl der innigen Verbundenheit, es näher erkunden, sich einlassen. Wie ein jeder der Khaz-Aduir, hatte auch er seit seiner Geburt sein Leben in den Dienst seines Volkes und somit auch in den Dienst seines Gottes, des Bergvaters Cirmias gestellt.
Einige Wochenläufe später, saß Geodiz erneut an seinem Tisch, der gefüllte Krug Starkbier in angemessener Reichweite. Bücherberge und Steintafeln aufgetürmt und er, wie so oft, bereit all das Wissen wie ein Schwamm in sich aufzunehmen. Das erste Buch, das er sich griff trug den einprägsamen Titel: „Cirmias - wie lobpreise ich richtig.“ Er seufzte laut auf, wie ihn das Schicksal doch immer wieder heimsuchte! „Ohje! Auweh! Gnade Cirmias!“, brabbelte der Getwergelyn. Ständig wurde ihm vor Augen geführt, wie schwach doch sein Bund zu Cirmias war. Er konnte nicht kämpfen wie seine Brüder, egal wie sehr er sich anstrengte, auch war er nicht vielmehr als ein mittelmäßiger Handwerker. Er hatte schon größere Dienste am mächtigen Bergvolk verrichtet, war stets mit Leib und Seele bei der Sache. Aber, es war ihm nicht genug, es würde ihm nie reichen, er wollte mehr. All das.. was für endlose Möglichkeiten.. Khaz-Aduir… Dienen.. Reichtum anhäufen..Cirmias.. Möglichkeiten.. Volk.. Ein eher unmelodisches, äußerst nerviges Schnarchen - stimmte seine Umwelt, auf Geodizs Spontanschlaf ein. Wie so oft, machte sich der Geist des kleinen Denkers über das letzte Thema seines Schaffens her. Er sah einen Wald, deftiges Grün, zwitschernde Vögel, entfernt die Hufe einer Rehfamilie, das Grunzen der Eber, der süße Duft nach Honig, das Plätschern eines Flusses und hinter dem Wald.. Welch ein atemberaubender Anblick sich dort auftat! Ein Berg, dessen Spitze den Himmel zu erstechen drohte. Wie Zuckerglasur lief das Gletschereis den Berg herab und verlief sich in den mittig liegenden Schnee. Getwergelyn hatte keine Wahl. Er musste durch den Wald, um den Berg zu erreichen.
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Die Luft knisterte förmlich, sogar der alte Stein und Höhlen liebende Geodiz musste sich eingestehen, dass dieser Wald etwas Besonderes war. So voller Leben, voller Anmut und Friede. Tiere welche er erblickte, flüchteten nicht, sie hoben ihre Köpfe und sahen ihn an, verharrten Still. „Grüß dix! Grüß dix! Axo! Grüß dix aux, Hirschlix!“, gut gelaunt nickte er dem Waldgetier freundlich zu und er würde darauf schwören, dass so manche Kreatur zurück nickte. Mit jedem Schritt, kam er diesem, dem höchsten aller Berge näher. Aus der Ferne versuchte er bereits die Felsen und das Gestein zu identifizieren, ein bläulicher Schimmer spiegelte sich von des Berges Oberfläche. Atemberaubend. Je näher er sich dem Himmelskratzer näherte, desto mehr verließ der Schmerz seine Knochen, kein Schlurfen mehr, kein Humpeln, keine Sehschwäche mehr – sein Gang war nahezu beflügelt und erhaben. Ein tiefes Gefühl von Glück, Erhabenheit und Zuversicht überkam ihn. Er fühlte sich so jung, voller Elan, Schaffensdrang und kurze Zeit später fand er sich an dem Fuße des Riesen wieder. Doch was sahen die begeisterten Getwergelynaugen da? Dieser Berg bestand aus reinstem Mithrill, es glänzte und schimmerte, zum Teil bedeckt durch Schnee und Eis. Sogar der blaue Himmel wirkte blass dagegen. Ein riesiger Eisbär trottete aus der Ferne auf ihn zu, doch Geodiz empfand keine Angst oder Furcht. Nein, es war Vertrauen, Liebe und eine tiefe, innige Verbundenheit zu dem Geschöpf. Zwanzig Zwergenlängen entfernt, richtete sich der Bär auf, brüllte so laut, dass der Schrei von dem Berg wiederhallte und wie ein Donnern von dem Berg herab stürmte. Der Wind pfiff Geodiz Getwergelyn um die Ohren, seine Kleidung flatterte, doch er blieb standhaft und versuchte sich dem Bären zu nähern, der da seine Zähne bleckte und ihm seine Macht demonstrierte. Als der riesenhafte Eisbär den Versuch erkannte, verhallte das Brüllen und er senkte sich ab auf alle Viere und trottete weiter auf den Zwerg zu. Nur wenige Fingerbreit trennten Getwergelyn von dem Eisbären und jener berührte den wissbegierigen, alten und verwirrten Suchenden mit der Schnauze. Und da konnte Geodiz plötzlich sein Sein erfassen, er fühlte, wie er noch nie zuvor gefühlt hatte. Der Berg erzeugte ein derart mächtiges und einzigartiges Gefühl in ihm, nicht zu beschreiben.. so nutzte er wieder das Wort „Cirmias“. Er fühlte.. Cirmias. Der Bär legte sich im Anschluss bäuchlings zu Boden und schloss die treuherzigen Augen. Und da verschwand alles, der Wald löste sich auf, der Berg verflüchtigte sich im Nebel und den wissbegierigen Geodiz erfasste tiefe Müdigkeit. Er lehnte sich an den Bären, der nur ein wohliges Brummen von sich gab, mit einer solchen Intensität und Monotonie, dass er sich gedanklich mit dem Bären in eine tiefere Ebene des Traumes begab. Der Bär sprach nicht, jedoch lernte Geodiz von ihm zu verstehen…
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