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Leiden oder Leben = Schwarz oder Weiß?

Verfasst: Donnerstag 2. Juni 2016, 15:45
von Melissa Leraund
Melissa führte nicht an was sie Antrieb zu schreiben und was Anlass dazu gegeben hatte als sie eben ihrem Bedürfnis nachging und schrieb und weil sie vieles erst zu erkennen glaubte während sie schrieb, saß sie sehr lange dort und schrieb eben sehr viel. Eine Überschrift gab sie dem ganzen erst zum Schluss als ihr klar geworden war worüber sie geschrieben hatte.



02. Schwalbenkunft 259

Vom Irrtum über das Wesen der Liebe

Liebe ist edelmütig, großmütig, langmütig. Sie ist so von Mut durchdrungen das ihr Gegenteil nichts anderes sein kann als die Angst. Wenn also einer Angst hätte, seine Liebe könne abgelehnt werden, so kann, was er auch dafür hielte, nicht Liebe sein. Da Liebe weder fordert noch bittet so steht nichts im Raum das Ablehnung finden könnte. Also liebt er, muss man schlussfolgern garnicht denn Wahrheit ist nichts unvollständiges wie Liebe nichts unvollständiges ist und ist die Wahrheit des Wesens der Liebe nicht wonach ich suche?

Dazu ein Erklärungsversuch: Wenn einer sagte er habe eine rote Blume gesehen, so teilt sich der Satz in drei Behauptungen und damit drei mögliche Wahrheiten.
1. Er sah etwas.
2. Es handelte sich um eine Blume.
3. Sie war von Gestalt rot.

Wenn die Blume nun aber von der Farbe war die allgemeinhin als gelb bezeichnet wird, und nicht von dieser, die allgemeinhin als rot bezeichnet wird, so spricht er in diesem einen der drei Fälle, davon ausgehend das er in den anderen beiden bei der Wahrheit blieb, die Unwahrheit. Natürlich ist nicht vorausgesetzt das er es vorsätzlich tat, diese Absicht kann man ihm nicht unterstellen ehe man die Wahrheit darüber wiederum nicht erkennt und es bliebe, so wir diese Wahrheit nicht in Erfahrung bringen könnten, eine Unterstellung. Wir müssten also in Betracht ziehen das es sich um einen Irrtum seinerseits handelte, gleich auf welcher Ursache dieser Irrtum gründen würde.

Ein Irrtum wiederum aber ist eine Verkennung der Wahrheit. Mag also sein das er etwas für die Wahrheit hielt das keine Wahrheit war, weil er die Wahrheit verkannte. Wenn also nun jemand glaubt er liebe, weil er die Liebe verkennt und etwas für Liebe hält das garnicht Liebe ist so glaubt er zwar zu lieben, da er aber in Wahrheit nicht liebt verkennt er die Liebe. Brächte ihm, was er fälschlicher Weise nun für Liebe hielte, Kummer und Leid so hielte er die Liebe für ein leidbringendes Ding und in Folge dessen für etwas das Schaden, nicht Glück verheisst, das Krankheit nicht Gesundheit verheißt. (Ist es das worauf der Glaube an Alatar gründet? Das sie so im Glauben sind die Liebe sei ein schlechtes Ding, weil sie das Wesen der Liebe verkennen?)

Das Wesen der Liebe aber nun wird als höchstes aller Gefühle bezeichnet, im Gegensatz zur Verkennung der Liebe, ist sie also belebend, erfüllend und zugleich Freiheit schenkend. Könnte er auf diesen Umstand aufmerksam gemacht werden, würde er der Möglichkeit zugeführt die es ihm erlaubt zu finden. Solange er nämlich glaubte bereits gefunden zu haben war er nicht mehr auf der Suche. Wer nun aber nicht auf der Suche ist, der ist nicht in der Lage zu finden. So gibt es ihm die Möglichkeit erneut zu suchen und zu finden, denn das Wesen der Liebe ist es sich finden zu lassen und gleichzeitig befreit es ihn von abträglichen Umständen und Gefühlen, das ist es am Wesen der Liebe das Freiheit schenkt. Damit ist die Liebe in ihrem Wesen ganz Erlösung, Vergebung und Hoffnung, aus sich heraus und ohne darum gebeten werden zu müssen.

Da Liebe in ihrem Wesen und ihrer wahrhaftigen Gestalt kein Leid verursacht, so kennt sie das Leid, muss ich schlussfolgern, auch nicht. Wo also Leid ist, ist ein Mangel an Liebe könnte man sagen. Da wahre Liebe aber keinen Mangel kennt, sondern der Fülle und des Überflusses enspricht, der Ganzheit, kann das Wesen der Liebe nicht sein, sondern nur eine Verkennung dieses Wesens. Liebe bürdet keine Lasten auf, sie bereitet keine Mühen, sie fordert nicht, sie ist nicht ungeduldig, sie ist nicht nachtragend, also nicht vom Wesen das in irgendeiner erdenklichen Art Leid verursacht. Gehe ich dem Wort Leiden aber nach, so treffe ich auf die Leidenschaft die im wahrsten Sinn des Wortes dafür bekannt ist Leiden zu schaffen.

Wenn also einer erkennt das jedes Handeln seinerseits, wenn es Leiden schafft und alles was in diesem Wort liegt, nicht von Liebe her rührt sondern eben von dem das er für Liebe hielte so geriete er plötzlich in die Lage zu wählen zwischen diesen beiden: Der Liebe und der Leidenschaft. Darum sollte er sich bewusst sein damit er nicht mehr behaupte zu Lieben, wenn er nicht liebt sondern in Wahrheit nach dem Wesen der Leidenschaft handelt um keine zusätzliche Verwirrung zu stiften zwischen den Menschen damit sie nicht durch sein Zutun der Verkennung des Wesens der Liebe erliegen. So lernte er also die Liebe von der Leidenschaft zu unterscheiden. Dabei aber nimmt ihm die Liebe, die sich nicht aufzwängt und nicht fordert nicht etwa die Wahl. Die Liebe, gewährt sie ohne gebeten zu werden, sie lässt ihm seinen freien Willen.

In der Leidenschaft wird er Angst, Lüge und alles für sein Wohlergehen abträgliche finden und er wird sich wie in Ketten gelegt fühlen, als ob er keine Wahl habe, nicht ein noch aus könne und verwirrt wird er sein und zornig. In der Liebe aber findet er das Leben wie es verstanden werden sollte, durch Freiheit, Glück und alle Gesundheit die es erhält. So muss ich also zu dem Schluss kommen das es keinen Menschen gibt der liebt, und daher auch keinen der wirklich lebt, denn Liebe kann nur in Vollständigkeit existieren, wie auch Leben unvollständig wird durch Krankheit, Liebe ist kein Stückwerk. Schon wo also das kleinste Stück, der kleinste Mangel an Gesundheit ist, körperlich oder geistig, da kann das Wesen der Liebe nicht. Damit sind wir, wenn wir erkannt haben und auf der Suche nach dem Wesen der Liebe, also Nachahmer der Liebe. Wir versuchen ihr Wesen (das der Mara?) zu ergründen und nach zu ahmen damit wir das Leben erfahren? So ahmen wir also auch nur das Leben nach wie wir glauben das es sein müsste?

Ich muss bemerken das trotz dessen das die Nachahmung nur einzelne Wesenszüge der Liebe und damit des Lebens wiederspiegelt in ihren Taten trotzdem heilsamer ist als jedes Gebräu das im Grunde nur Versuch ist den Auswirkungen der Leidenschaft, dem Stückwerk des Sterbens, Einhalt zu gebieten.

Wenn ich mich nun um Achstamkeit und Sorgsamkeit bemühe um nicht Leid zu schaffen sondern es zu vermeiden indem ich versuche das Wesen der Liebe, die kein Leid verursacht, nach zu ahmen, darf ich dann in das Resultat, selbst wenn es mir noch unbekannt sein mag oder anders ausfiele als gedacht, vertrauen? So ist wohl selbst die Angst nur Stückwerk und nur da wo wir fehl gelaufen sind kann ein Stück von ihr zu finden sein. Also befinden wir uns in der Mitte, zwischen den Dingen, zwischen Liebe und Leidenschaften, zwischen Gesundheit und Krankheit und müssen verstehn was erkannt werden will und erkennen wollen, denn ohne zu wissen was wir erkennen müssen und ohne erkannt zu haben, können wir keine Wahl treffen, oder nicht?

Verfasst: Samstag 4. Juni 2016, 03:02
von Melissa Leraund
Wieder einmal saß sie da und schrieb, in Gedanken und über Begebenheiten der Dinge wie sie sich ihr offenbarten und führte die Feder mit Hingabe und Achtsamkeit. Einer die auch in ihrem Nachsinnen zu finden war.



03. Schwalbenkunft 259

Von Liebe und Vergebung


Ich will und muss mir eingestehn in der Vergangenheit Unrecht getan zu haben, ich ahnte es schon war aber verwirrt wo mir mangelte an wahrem Wissen und Verständnis so manchen Dings. Sehe ich Schmerz in vertrauten, geliebten Gesichtern so bekümmert es mich und ich ließ mich oft zur, wenigstens gedanklichen, Verurteilung des Verursachers verleiten. Nun weiß ich aber dies, das ich bisher gut daran getan habe dann nichts zu sagen und zu schweigen ehe ich diese Unwissenheit Gestalt hätte annehmen lassen und in Form unbedachter Worte meine Lippen ihr als Sprachrohr dienen um bereits angerichtetem Schaden noch welchen hinzuzufügen.

Ich habe geglaubt das die Liebe vollständig sein müsse um wahre Liebe zu sein und bin in dieser Weise fehl gegangen, dass ich dachte wegen dieses Umstandes wäre kein Mensch in der Lage zu lieben. Nun ich habe etwas verkannt: Was sich mir als ein unvollständiges Bild zeigte nach dessen Ursprung ich in den Menschen suchte, ist in Wahrheit kein Ding glaube ich, sondern ein lebendes, fühlendes, ja vollkommenes Wesen. Es ist was die Erde und das Leben erschuf das aus ihr hervorgeht und auf ihr wandelt, aus seinem eigenen Wesen heraus. Und es offenbarte sich, so glaube ich eben jetzt, ihren Geschöpfen als Mutter die wir Mara nennen. Sie ist der Ursprung und die unerschöpfliche Quelle der Liebe, allen Lebens, aller Wahrheit und aller Gerechtigkeit und aller Dinge die immer gut und lebensspendend sind und die Liebe voraussetzen.

So kann ein Mensch wohl lieben wenn er in Nachahmung der Liebe ist, nicht vollständig zwar, denn alles was und wie wir es tun ist ja stückwerk und nicht vollkommen, aber er kann es doch und noch besser wenn er das Wesen der Liebe kennt, sich seine Weisheit und Wahrheit also Stück für Stück aneignet. So ist es also an uns und kenntzeichnet den freien Willen, uns zu entscheiden ob wir in der Mitte bleiben, halb in Verwirrung und halb in Wahrheit; Mara dienen indem wir ihr Wesen nachahmen, so das es unser Vorbild wird und es uns gut ergehe und wir der Wahrheit näher kommen; oder aber der durch das Fehlen der Liebe, zornigen und lebensverachtenden Lehre Alatars folgen, die alles was gut ist verschlingen will und allen Raum einnimmt an dem keine Liebe zu finden ist, ja in dessen Bestreben es ist sie noch vorsätzlich zu vernichten.

Müsste aber dann nicht, wo immer auch Leben ist und sei es nur ein Hauch, ein schwaches Zucken, noch etwas von Mara's liebender Güte sein und zeugen von ihrem Werk? Also ist in jedem Menschen, in allem das da atmet das Geschenk Mara's zu finden. So muss Alatar es wohl als notwendiges Übel empfinden das die, die ihm dienen noch am Leben sind, ja diesen Odem noch haben. Und so sind wir, muss ich annehmen, wohl alle mehr oder weniger am Leben, je nachdem wieviel Liebe wir, auch ohne uns dessen im Verstande bewusst zu sein, in uns haben. Denn man darf ja nicht ausser Acht lassen das die Eigenschaften der Liebe all jene sind die das Leben bewahren und ihre Gegenspieler die, die es zerstören. Da wir aber nicht vollkommen sind können wir also auch nicht vollkommen annehmen, wie wir nicht vollkommen ablehnen können, denn könnten wir vollkommen annehmen so lebten wir ja ewig? Und weicht das Leben denn nun Stück um Stück mit den Jahren aus uns, weil Liebe also Leben etwas vollkommenes ist und nicht aus Stückwerk bestehen kann, wir aber Stückwerk sind?

Und so sind wir alle lebende die auf den Tot zugehn weil wir in unserer Unvollkommenheit nicht wissen wie wir Mara's Geschenk in Vollkommenheit annehmen könnten? Weil wir nicht all ihrer Weisheit ansichtig geworden sind? Das Wesen der Liebe ist ja unerschöpflich, nimmt nicht, sondern gibt. Wir verschulden es also selbst das uns das Leben verloren geht aus Ablehnung heraus, ob bewusst oder nicht? So wie Einer der eine Speiße oder anderes seinem Körper oder Geist zuführt, die nicht von Mara für ihn ersonnen war, krank wird, weil er ja in Ablehnung ihres Wesens gehandelt hat, sie also auch garnicht urteilen muss weil es nicht das Wesen der Liebe ist zu urteilen? So muss sie also nicht strafen denn die Strafe entsteht ja nicht durch ihre Anwesenheit sondern eben durch ihre Abwesenheit, durch die Ablehnung der von ihr geschaffenen Gesetzmäßigkeiten die dem Leben zugrundeliegen?

Nun, ich weiß es nicht sicher zu sagen, wie könnte ich auch? Wie es aber um mich steht, die Entscheidung betreffend zwischen diesen drei Möglichkeiten die ich ersann, so habe ich mich wohl sehr früh unbewusst durch eben diese Handlungen meiner Eltern die liebevoll und mir Vorbild und Beispiel waren. Und niemals geschah mir Unglück durch meine Handlungen wenn ich sie im Beispiel der Liebe erbracht. Wo es mir aber an Wissen und Erfahrung und an Liebe und am Wesen der Liebe mangelt, werde ich unachtsam und handle unbedacht und dadurch zuweilen eben lieblos. Diese Lieblosigkeit kränkt mich selbst und wenn ich laut von ihr spräche, so kränkte sie auch andere. Aber zur selben Zeit fühle ich es tief im Herzen, die Verwirrung und das Unwohlsein das immer dort den Platz ausfüllt wo Liebe es nicht tut.

Vater, Erinnerung: "Und wenn du Unwohlsein über deine Gedanken verspürst, ob im Zorn oder im Neid oder in der Missgunst, so halte nicht fest sondern lass vorüberziehen und wende dich von ihnen ab und anderen Gedanken zu die heilsam sind, auf das deine Gedanken nicht zu Wort oder Tat werden und nicht noch mehr Unglücklichsein über dich bringen als die Gedanken es schon vollbracht haben und indem du dadurch das Unglücklichsein zu anderen bringst und dich in diesem Unglück verstrickst und nicht mehr herauskommst aus ihm."

In diesem Moment bringe ich, wie mir scheint also ganz allein Strafe über mich. So muss Mara also niemanden bestrafen, denn dort wo ihre Liebe abwesend ist, da ist sie nicht zu finden und eben auch ihre Vergebung und ihre Güte nicht? Da kommt das Unglück aus zwingender Konsequenz und ohne von ihr geschickt worden zu sein? Ist es also eine Art Gesätzmäßigkeit? Wie könnte ich da also nicht um jeden Menschen dankbar sein der mir vergeben kann für Unheil das ich über ihn gebracht haben mag und wenn es von Nöten ist, mir den Weg der Wiedergutmachung zeigt, anstatt noch mehr Unheil zu verursachen indem er mir zürnt? Und muss ich dann also nicht auch jeden Menschen der so handelt ehren und dankbar sein für seine Weisheit, denn er handelt ja in diesem Moment nach dem Vorbild Mara's?


Gedankengang: Alatar

Ist es dann eigentlich auch so, dass selbst die, die unter der Knechtschaft Alatars stehn, von Mara's liebender Güte und Vergebung zehren, Tag für Tag, Atemzug für Atemzug? Ja sie fordert nichts sondern gibt allen die annehmen was sie gibt, selbst wenn sie nicht wissen woher es kommt und keinen Dank dafür haben oder nicht wissen an wen sie ihren Dank richten sollten. So kann niemand sich ihr vollkommen entziehen, und sich ihr niemand vollkommen annähern der nicht in der Lage ist vollkommen abzulehnen oder vollkommen anzunehmen. So ist also nicht einmal Alatar in der Lage dies zu tun, denn wo er alles Leben ablehnt, will er seines doch behalten.

So muss ich mir die Frage stellen: Als Alatar seinen Bruder tötete, hörte er da auf vollkommen zu sein? Denn er hat ja dieses Leben das von der Liebe seiner Mutter herrührt und lehnt sie doch in anderem Stück ab. So ist er Stückwerk der nicht sein eigenes aber das Leben alles anderen ablehnt und das Leben nur vollkommen angenommen werden kann um es nicht zu verlieren. Ist er deshalb nicht in der Macht, die Menschen mit einem einzigen Hieb seiner Pranke zu töten, weil seine Macht schwindet, wie sein Leben schwindet? Und ist er dadurch nicht, im engsten Sinne, eigentlich garkein Gott mehr? Und muss er sie deshalb verführen ihm zu dienen um Leid über sie zu bringen, die die er so verabscheut, weil er garnicht die Macht hat sie einfach alle zu töten ohne das sie es nicht für ihn tun?

So oder so ähnlich jedenfalls sind meine Gedanken die ich aufgeschrieben habe um Klarheit über sie zu erlangen und mir ganz um ihr Wesen bewusst zu werden wie es sich mir an diesem Abend offenbart und wie ich sie während des Schreibens verfolgt und weitergesponnen habe.

Verfasst: Samstag 11. Juni 2016, 21:52
von Melissa Leraund
Melissa war nicht gut an diesem Tag, etwas lag ihr auf dem Herzen und
es schien schwer zu sein auch wenn sie nicht recht sagen konnte was es
war und welche Gestalt es hatte. Sie konnte sich aber, als sie anfing zu
schreiben, eben wachrütteln und konnte sich wieder erinnern, daran das
nichts ihr Furcht oder Kränkung sein müsste, hätte sie nur Vertrauen ins
Leben und in die Allmara die ja Leben war und Leben eben Gesundheit
war und Gesundheit eben am Glück und der Ruhe und allem hing was
Vertrauen ausmachte und im Vertrauen seinen Ursprung fand. Ja Mara
würde ihr überallhin folgen, gleich wohin Melissa ging, wenn sie sich nur
immer wieder daran erinnern könnte.




11. Schwalbenkunft 259

Zur Erinnerung

In jedem Menschen brennt ein kleines Licht Mara's, so kann ich, geräht
dies nicht durch meine Unachtsamkeit in Vergessenheit, niemandem böse
sein oder böses wünschen oder böses sagen. Ja bloß wegen der
Krankheit in meinem eigenen Herzen vergesse ich manchmal, nur aber
weil ich vergesse, räume ich dem Vergessen und alles was dem
Vergessen dient, auch dem Unglück und dem unglücklich sein, Platz in
meinem Herzen ein. Darum will ich etwas aufschreiben, damit ich, wenn
ich wieder vergessen sollte, die verloren gegangene Erinnerung schon bei
mir habe ehe es noch passiert ist.


Und weil sie, wie sie sich eben dieses dachte und darüber
nachsann und sich erinnerte als sie schrieb ihr bald leichter wurde und
weil sie, sollte sie wieder einmal vergessen, eine Erinnerung bei sich
hätte, noch ehe etwas passiert wäre, schrieb sie, in winzig kleinen
Lettern, was sie aufgeschrieben hatte, noch einmal und auf ein winziges
Stück Papier und faltete es, dass es noch kleiner wurde und trug
es also ab da immer bei sich.


Vergessen, Krankheit und Leid
auf diese Säulen ist der Tod gesetzt;
Liebe, Glauben und Vertrauen
auf diese Säulen aber ist das Leben gesetzt;
Auf diesen Säulen steht die Welt.
Bricht die Säule des Glaubens, so wankt sie;
Bricht auch die Säule des Vertrauens, so bricht sie;
Die Säule der Liebe aber die vergeben kann
richtet beide und damit die ganze Welt, wieder auf
wenn man sich ihrer nur erinnert.

Verfasst: Montag 13. Juni 2016, 00:26
von Melissa Leraund
Melissa schien ihrer eigenen schwindenden Kraft garnicht bewusst
gewesen ehe der Tag sich nicht seinem Ende zugeneigt hatte und sie sich
auf dem Rückweg befand. Und wie sie zwischen den Bäumen die
friedliche Ruhe entdeckte, fand sie auf der Straße ihrer Gedanken und
Gefühle, in ihrem Inneren zu einem ihr bis dahin fremden Gefühl einer
Mitte und einer angenehmen Ruhe und einer stillen Friedlichkeit.

Sie hatte neue Kraft in der Freundlichkeit des Schmiedes gefunden;
und in seiner so ehrlich und zärtlich scheinenden Liebe zu seiner Schreinerin;
und sie hatte sie in Alanna's Lächeln gefunden;
und in der Hoffnung für sie;
und in Ravens Lied;
und seiner Liebe zu seiner Frau;
und in Zaedraels Freundlichkeit;
und in dem Geschenk Thea's;
und in der Großzügigkeit der Edlen Dame Drachenfels;
und in dem Geschenk des Kaluren;
und in Lorenz Freude über sein neues Heim;
und in seiner Freude es einzurichten;
und in der Nachsicht des Fräuleins Levar.

Für den Moment schien es ihr also als wäre sie überall und in jeder netten
Geste und in jedem Lächeln versteckt. Jetzt konnte sie weiter machen
und ging noch einmal auf in einer anderen Kraft, der Dankbarkeit. Die
letzten Tagen hatte ihr, auch wenn sie viele Versuche unternommen
hatte, darüber hinweg zu sehen, doch zugesetzt. Aber jetzt schien alles
beglichen und alles wieder in einer ruhenvollen Bewegung und sie
empfand ein so friedvolles Glück darüber das sie ganz in Ruhe war und in
ein argloses Lächeln versunken. Sie konnte die Straße jetzt wieder sehn,
sie lag in der Mitte zwischen allen Dingen
in der Mitte...


Etwas später noch, als sie angekommen war, schrieb sie ihre Gedanken
dazu nieder, damit sie eine Erinnerung hätte, würde sie denn einmal ver-
gessen:


12. Schwalbenankunft 259

Es liegt also in der Mitte all der Dinge die Gut sind:
der Frieden
und das Leben
und die Liebe
und die Wahrheit
und die Gerechtigkeit
und das Vertrauen
und sie sind die Mitte. Und alles was also über diese Mitte hinausgeht, ist
keine Liebe mehr und keine Wahrheit. Dann wird Wahrheit zum Fana-
tismus und Liebe zur Unfreiheit. Dann wird in Ketten gelegt was nur in
Freiheit existieren kann und so hört es auf zu existieren wenn es nicht zur
Mitte zurückkehrt und geht statt dessen auf den Tod zu.

Denn wie jeder Heiler weiß, wird zuviel des Guten zu Gift und zu wenig
des Guten führt nicht zur Heilung. Die Heilung ist genau das richtige Maß.

Das Leid und der Hass und das Misstrauen und all dies ist also was über
das rechte Maß hinausgeht. Und alle Gleichgültigkeit ist was darunter liegt
was nicht ausreicht um Existent zu werden. So ist Leben, wenn es
ensteht, also in der Mitte, weil es nur in der Mitte enstehen kann.

Weder ängstlich, noch übermütig;
Weder hungrig, noch übersättigt;
Weder trocken, noch durchnässt;
Weder unfrei, noch zügellos;
Weder kalt, noch heiß;
Darin liegt das Wohlbefinden...

Lasse ich von der Wahrheit ein Stück weg, ist es nicht mehr die Wahrheit;
Füge ich ihr etwas hinzu, ist es nicht mehr die Wahrheit; Wahrheit
existiert nur als Ganzes, ich kann nichts wegnehmen, wie ich nichts
hinzufügen kann ohne das es zur Unwahrheit wird und also keine
Wahrheit mehr ist.

So kann man auch der Vollkommenheit nichts nehmen oder hinzufügen
ohne das daraus Unvollkommenheit wird. Man kann dem Zustand der
Gesundheit nichts nehmen oder hinzufügen ohne das daraus Krankheit
wird. Damit meint Gesundheit einen Zustand vollkommenen Wohlbe-
findens. Niemand von uns ist vollkommen... wir scheinen immer von
etwas zuviel und von anderem zu wenig zu haben, aber suchen können
wir die Mitte trotzdem, oder nicht? Und vielleicht ist der Tod ja ein Zu-
rückkehren zur Mitte?

Verfasst: Dienstag 21. Juni 2016, 01:14
von Melissa Leraund
21. Schwalbenankunft 259

Von wahrer Schönheit und von uns


Was würde ich tun wenn ein Gruß von mir selbst ausgehn sollte, wenn er
nicht fallen sollte und nicht in der Art fallen sollte, wie es die Regel ist?
Denn wenn der Gruß von diesen kommt, wie kann er dann meiner sein?
Und ist er nicht wirklich meiner, ist er nicht ehrlich und so habe ich also
garnicht gegrüßt. Unsere Worte und Gesten haben keinen Wert wenn sie
nicht von uns, von unserem Wesen wie es ist, zum anderen sprechen
können sondern bloß von Regeln erzählen und also leer und bedeutungs-
los sind und garnichts sagen. Was aber will ich sagen wenn ich mich
gegenüber einem anderen ausdrücke? Wenn ich ihn grüßen will. Will ich
ihm sagen das es schön ist ihn zu sehn? Will ich ihm das sagen und
zeigen? Denn wenn ich bloß höflich sein will ohne einen Grund zu haben,
so bin ich garnicht höflich und was ich tue ist bedeutungslos.

Man sagt unsere Taten sprechen von uns, oft aber also sagen sie
garnichts von uns und erzählen nichts über uns, und sind also stumm,
gleich wieviele ihrer da sind, wenn sie nicht von uns erzählen so erzählen
sie nichts von dem was wichtig ist und wir müssen uns nicht wundern
wenn uns niemand in unserem wahren Wesen erkennen kann.

Wir haben gelernt in den Regeln zu bleiben, wir sprechen zueinander in
ihrer Form und in ihrer Weise und sagen also garnichts. Darum will ich
mich fragen, ab jetzt, erzählt es von mir zu dir? Damit es ehrlich sei und
von mir komme und von mir zu dir finde, denn was nicht von mir
ausgeht, kann nicht zu dir kommen. Es kommt von etwas anderem zu
dir. Wieviel mehr Schönheit liegt in den Dingen die von uns selbst
kommen, die wirklich von uns zu anderen sprechen und nicht von Regel
zu Regel. Lerne ich also zu sprechen, nicht mehr in Floskeln, sondern von
mir zu dir...

Wir haben ja alle gelernt das selbe zu sagen und zu tun und also tun 'wir'
eigentlich garnichts, denn was wir sagen und tun kommt nicht von uns
sondern von dem was man uns geheissen hat zu tun und zu sagen. Also
will ich herausfinden wie ich es tun will damit es von mir kommt und
ehrlich gemeint ist. Ich will ja ich selbst sein und gesehen werden, wer
aber kann mich sehen wenn ich unsichtbar bleibe, brav hinter den Regeln
sitzend und garnicht weiß mich zu zeigen und garnicht weiß wie ich es
ehrlich meine.

Wie wenn ich einen Frage: "Sag mir welchen Stein soll ich nehmen denn
er soll ein Geschenk sein und von meiner Liebe sprechen." Und er sagt zu
mir: "Nimm den roten, nimm den Rubin, man sagt er spricht davon." Für
mich nun aber mag sich seine Farbe nicht nach Liebe anfühlen und mich
also nicht an Liebe erinnern, so würde er also auch nicht von meiner
Liebe sprechen können und meine Liebe würde verkannt werden und er
währe wertlos und kein Zeichen dafür. In ihm wäre nichts davon zu
finden. So muss ich also darüber nachdenken und mich selbst kennen-
lernen und herausfinden welche Farbe sie für mich hat, erst dann kann
ehrlich von einem zum anderen gesprochen werden, erst dann findet was
wir sind Ausdruck.

So meint also einer, wenn ich aufstehe, betritt er den Raum, zu mir:
"Bleib sitzen, mach dir keine Umstände." Und verkennt in dieser Weise
meine Geste, weil er nicht weiß warum ich aufstehe und sich keine Ge-
danken darum macht warum ich aufstehe. Ich aber stehe auf um
Ausdruck für meine Freude und Freundlichkeit zu finden die ich empfin-
den mag, sehe ich einen den ich zu schätzen weiß und über dessen
Anwesenheit ich mich also freue. Und wenn ich winke, weiß ich warum ich
winke? Warum diese Geste? Sie sagt ich möchte einen schon von der
Ferne grüßen und also noch ehe ich bei ihm stehe oder von der ferne weil
meine Freude mich bedürftig macht ihn zu grüßen selbst wenn ich nur
vorbeieile. Nur einer der um dieses Geheimnis weiß, kann die Schönheit
darin sehn.


Von wahrer Dankbarkeit


Wenn dir also einer ein Geschenk macht, so wird es dir und ihm Freude
sein und er wird keinen Dank erwarten und keinen Dank verlangen denn
wenn er schenken will, so will er es aus der Bedürftigkeit heraus einen
Ausdruck für sein freundliches Gefühl zu finden. Nennt aber einer etwas
ein Geschenk für das er Dankbarkeit erwartet, so will er in Wahrheit
einen Handel und für einen auf diese Art aufgezwungenen Handel, weil
er es ja Geschenk nennt, findet sich kein Gefühl der Dankbarkeit das ihm
genug sein könnte. Wenn ich schenke, so schenke ich ja aus meiner
Dankbarkeit für meinen Wohlstand heraus und zeige sie indem ich ihn teile.

So lässt Dankbarkeit sich nicht erkaufen, so wird er statt dessen Ver-
lust empfinden, denn er hat nicht aus einem Wohlstand heraus geschenkt
sondern aus einem Mangel an freundlichem Gefühl und also einem
Mangel an eigener Dankbarkeit, die er zu erkaufen sucht. Dankbarkeit
aber ist ein Teil von uns und kommt aus uns, man kann sie nicht kaufen
oder verkaufen, man kann sie nicht weggeben oder verschenken. Dieses
Gefühl hat ihren Ursprung in uns und wenn ihrer ein Mangel ist, können
wir ihn nicht durch das Stehlen fremder Dankbarkeit ausgleichen.

Wer aber die Dankbarkeit verkennt wird für das Ausbleiben des Gefühls
von Dankbarkeit das er erwartet es solle in ihm aufkommen, indem der
andere es ihm gäbe, ihn in seiner Schuld stehend glauben und es ihm
vorhalten und damit wird er sich noch unglücklicher machen, denn er
wird in seiner Verkennung von Dankbarkeit sagen: "Wie undankbar ist
dieser Mensch" Und dieser Gedanke wird sein denken vergiften und ihm
eine Krankheit des Gefühls sein. Darin liegt die Armut und das Hässliche.

In Wahrheit teilen wir aus einem Wohlfühlen, einer Freude heraus, einem
Wohlstand guter Gedanken und Gefühle und aus Dankbarkeit für diesen
Wohlstand und wollen ihn teilen und uns mitteilen darin. So ist dies wohl
die einzige Art zu teilen die uns noch reicher macht am guten Fühlen und
guten Denken und also keinen Dank braucht. Darin liegt der Reichtum
und die Schönheit.

Gefühle kann man nicht verkaufen oder verschenken, sie haben unseren
Ursprung in uns und wir können sie nicht weggeben, deshalb müssen wir
Ausdruck dafür finden um andere an ihnen teilhaben zu lassen, wenn wir
das Bedürfnis haben gesehen zu werden. Dankbarkeit also kann so wenig
verschenkt werden wie Vertrauen oder Liebe, es findet Ausdruck oder
keinen Ausdruck und drücken wir es aus, drücken wir aus was in uns ist,
darin liegt entweder Reichtum oder Mangel.

Verfasst: Freitag 29. Juli 2016, 08:13
von Melissa Leraund

Wie die Alchemie lehrt ist sie nicht durch reinen Verstand zu begreifen, denn wie sie eine ganzheitliche Lehre ist, so kann sie nur ganzheitlich erfahren werden und so müssen Verstand, Gefühl und Sein, sie alle müssen gemeinsam danach greifen um wahrhaft zu erkennen - und so kann nichts nur mit dem Verstand und nichts nur mit dem Gefühl erfahren oder verstanden werden.

Vom Wesen der Alchemie

Die wir behaupten etwas zu sein und dem eine Bezeichnung geben: Sei es Heiler, Alchemist, ja sogar König, sind alle Scharlatane denn wir sind es nur bruchstückhaft und so beschreibt es nur bruchstückhaft. Nichts aber was bruchstückhaft ist ist ganz und nichts was unvollständig ist kann ins Sein treten. Unter all den Schichten also, all den Umständlichkeiten, all den Unvollkommenheiten in die wir uns verstrickt haben, dort schlummert unsere Vollkommenheit.

So traf ich noch keinen Alchemisten der sich auf die Alchemie verstand und noch keinen Heiler der sich auf Heilung verstand - denn wir alle verstehen nicht Ganzheitlich solange unser Verstand verstrickt ist in Umständlichkeiten die ihn begrenzen. So ist Niemand von uns dazu in der Lage solange er es nicht verstanden hat sich bis zu seinem eigentlichen sein zu "entwickeln", sich also auszuwickeln aus den Erschwerungen die uns von Geburt an auferlegt sind und uns auferlegt werden und die wir zu großem Teil aus falschem Verständnis, vielmehr also einem Unverständnis heraus, bereitwillig anlegen wie Riemen und Gurte die uns Schnüren und binden.

Ein Alchemist nimmt also auseinander und fügt wieder zusammen, so wie es die Alchemie versteht. Er zerteilt das Kraut, entwickelt es, teilt es auf in Körper, Seele und Geist und nimmt weg und lässt weg, fügt er wieder zusammen, was sein Wesen in seinem Sein, seiner Wahrheit, seiner Kraft einschränkt. Alchemistische Tränke sind keine Quellen fremder Kraft die sich zu eigen gemacht werden können wie viele, sogar solche die meinen sich auf die Alchemie zu verstehen, glauben.

Ihr freigesetztes Wesen bewirkt bloß eine Aufhebung dessen was des Menschen wahres Wesen und Potential versteckt, gebunden, also unfrei hält. Dies ist die Wahrheit der Heilung, wie sie verstanden werden will und verstanden werden muss. Sie meint nicht das wir eine Pflanze aufbereiten um sie zu einem Heilungsspender werden zu lassen, sie hebt in ihrer Wirkung und ihrem Wesen nur auf was den Körper und den Geist behindert sich selbst zu heilen - wahr zu sein, wirklich und echt und er selbst zu werden, denn in seinem wahren Wesen ist er vollkommen, ist er heil. Was er spürt sind zusätzliche Ketten die sich um ihn legen wie Seile und ihm also noch mehr Beschränkung auferlegen als er sie ohnehin zu tragen hat.

Das wahre Wesen der Alchemie also ist das Streben und Erreichen der Transformation zur Befreiung, also Entwicklung (ein Auswickeln) aus allen Verstrickungen, die den Menschen von seinem wahren Potential abschneiden, ihn einschränken. Sie versteht ihn als schlafendes, zerstreutes und unbewusstes Wesen voller Illusionen und Ichbefangenheit - das Blei der Alchemie das in Gold verwandelt werden will. Eine Klarheit und Reinheit schaffende Entwirrung - Entwicklung dessen was ihn knechtet um ihn zur Freiheit zu bringen. Die Wissenschaft der Wandlung in einer sich innen und aussen wandelnden Welt, im Menschen und ausserhalb also. Und dies ist das einzige und allumfassende, das Allgesetz: "Wie innen so aussen, wie oben so unten."


Der Alchemist - Der Schlüsselmacher

Die Wahrheit und also das Sein liegt im Schoß der Mitte, im Zustand der Vollkommenheit - an dem Ort der weder Mangel noch Überfluss kennt. Wo ein Mangel herrscht ist das Leben ja unvollständig und also nicht ausreichend um ins Sein zu treten, existent zu werden. Wo ein Überfluss, also ein Überfließen aber herrscht, da ist es mit mehr belegt als es braucht und also mit unnützem Ballast der es hemmt und erstickt wenn nicht weggenommen wird was zuviel ist.

Es ist also die alchemistische Aufgabe, dies eben zu tun: weg zu nehmen was zuviel ist - alle Schlösser zu öffnen und alle Ketten zu lösen um frei zu machen, zu entschleiern, die Wahrheit aufzudecken, aufzuschließen, eine Öffnung zu schaffen, Offenheit, ein Entfesseln, ein loslösen - Freiheit von Angst und Scham und Habgier und allem was uns fesselt und bindet an Dinge und Illusionen von Dingen.

So ist es also Aufgabe des Alchemisten selbst "loszulassen", offen zu werden, die eigenen Ketten zu erkennen, die Schlüssel zu finden und abzustreifen was zuviel ist um frei zu werden, Raum für die Entfaltung zu schaffen. Und so ist Bildhaftigkeit lehrsam wie sie der Schmetterling ins Leben zeichnet, der aus seinem Kokon schlüpft indem er alles "Zuviel" abstreift und wie er aus dem Zuviel heraus- in den freien Raum hineinschlüpft um seine Flügel auszubreiten. Nur wenn die Fessel des Kokons, überwunden ist, kann er sein volles Potential ausschöpfen.

Der göttliche Funke

Des Menschen Streben, liegt es im Bewussten oder Unbewussten, wird frei sein, wenn er es will und wird unfrei sein wenn er es will. Niemand kann ihn frei oder unfrei machen denn er selbst ist ja sowohl Schöpfer als auch Schöpfung, Schlüssel und Schlüsselmeister, er ist und wird sein wie er sich begreift und neu begreift, wie er sich findet und neu erfindet.

So sind wir Heiler alle nicht mächtig zu heilen und doch des heilens mächtig. Wir sind nur, die den Weg zur Heilung weisen und sind doch auch der Weg selbst oder müssen zum Weg werden. So ist jeder seine eigene Heilung und seine eigene Krankheit. Wir sind keine Diener eines Gottes, sondern Diener der Göttlichkeit und wie sie verstanden werden will und wie sie eine Urmacht und die Urmacht und der Anfang und der Funke der fünften Herzkammer ist. Wir sind dem Allgesetz unterworfen und sind das Allgesetz und sind Träger des Allgesetzes und also Träger des göttlichen und göttlich wie wir uns in unserem Begreifen in jedem Augenblick neu erschaffen.

"Ganz gleich was du bewirkst, du bleibst damit verbunden und es wirkt auf dich zurück, weil es aus dir geboren wurde."

Verfasst: Mittwoch 10. August 2016, 11:21
von Melissa Leraund
Vom Märchen der Sünde, Schuld und Scham

Wie viele glaubte auch ich, wie ich gelehrt wurde zu glauben, an etwas das nicht existiert und also nicht erklärt werden kann und dadurch auch keine Erklärung braucht. Das Gespinst in dass das dunkle wie das lichte Reich sich so verstrickt und verliebt haben: Das Märchen der Schuld.

Beginne ich also mit dem was gemeint sein soll mit Schuld und will achtsam umgehen mit der Sinnhaftigkeit, also der Wahrheit die den Worten, der Sprache zugrunde liegt, dem was mit ihnen gemeint ist. Ich will nicht jede Abhandeln, denn ihre Gemeinsamkeit wird sich schon nach wenigen offen zeigen.

Sünden

Hochmut
Hochmut meint Stolz, meint Übermut, meint Eitelkeit und also das Bestreben des Menschen hin zur Schönheit, zu einer hoheitsvollen, also selbstsicheren Existenz, teilhaft eines beinahe unerschöpflichen Maßes an Mut. Es meint das Streben nicht bloß hin zur Vollkommenheit sondern noch viel grundlegender will es verstanden sein als Streben nach Lebendigkeit und dem Erhalt der Lebendigkeit, des Lebens und also der Fortpflanzung, deren Grundfesten diese Eigenschaften sind - Lebendigkeit ist Gesundheit, ist Schönheit, ist Mut, ist Selbstsicherheit. Bedenke ich das Gesetz des Alls und also das Gesetz welches allem zugrunde liegt so kann von aussen, wenn nicht durch verschleiernde Maßnahmen erlogen, nur schön sein was auch innerlich Schönheit aufweist und also Gesundheit.

Geiz
Habgier meint ein Streben nach Verfügung, nach Erfahrung, nach Fülle. Ein Streben nach Fülle tritt dort in Erscheinung wo es zum Mangel gekommen ist und der Erhalt der Lebendigkeit, des Lebens und also der Freiheit nicht mehr gewährleistet.

Wolllust
Begehren ist wie schon Geiz, ein Kind des Mangels und der Mangel erst ist es der am Leben hält - ohne Mangel geräht nichts in Bewegung. Säße ich hier, ohne zu begehren, ohne Wünsche und ohne ein Wollen also, ich würde nicht atmen, ich würde nicht schreiben, ich würde stehen bleiben und aber alles was stehen bleibt muss aufhören zu existieren. Begehre ich also, so ist mein Begehren, meine Lust nur wieder Zeichen meiner Gesundheit die sich selbst erhalten will, denn sie verspührt einen Mangel, ein weniger werden und will ihn ausgleichen.

Zorn
Aggressivität ist, wie schon anderes was vom Unverständnis zur Sünde deklariert, grundlegende Voraussetzung will das Leben sich erhalten. Schon der Geschlechtsakt, also der Akt der Fortpflanzung, des Lebenserhaltes, setzt eine Form der Aggressivität voraus. Selbstbehauptung setzt Aggressivität voraus.

All dies was als Sünde verklärt wurde ist bloß, wie ich feststellen muss, Grundbedürfnis und zwingend Erforderliches, will das Leben sich erhalten, will die Freiheit, die ja Leben ist und ohne die kein Leben ist und die nicht ohne Leben ist, fortdauern, sich erhalten. Einen Vorwurf aus diesen Eigenschaften macht und kann nur der machen welcher sie selbst nicht auslebt, sie aber trägt und in sich trägt wie es die Natur gewollt hat und im falschen Glauben meint sie wären ein Übel und deshalb schlecht von sich denkt und also auch schlecht vom andern denken muss.

Scham muss demnach als Aspekt einer Person, nicht des Menschen verstanden werden. Zur Person wird der Mensch erst erzogen und also zur Unterdrückung des natürlichen Antriebs der Selbsterhaltung und Erhaltung des Lebens. Wirkliches Leben findet seinen Erhalt in der Freiheit intuitiv zu handeln. Intuitives handeln meint zu nehmen in dem Moment indem gebraucht wird. Scham hält ab von dieser sofortigen Handlung, begrenzt also und begrenzt nicht nur den Menschen in seiner Handlungsfreiheit und den Möglichkeiten seines Handelns, sondern auch das Leben - dies muss dazu führen das er alles haben möchte was er je brauchen könnte und mehr nimmt als er braucht, aus Angst er könne in eine Situation geraten in der er bedürftig, durch seine Scham jedoch handlungsunfähig ist.

Scham ist die Unterdrückung der Inutition, der Orientierung hin zur lebenserhaltenden Handlung. Sie beschränkt den Menschen vom Menschsein zur Person. Vielleicht finde ich die Menschen auf LaCabeza deshalb soviel schöner, wenngleich auch sie und ich nicht wirklich wissen was wahres Menschsein bedeuten mag denn auch hier wird Intuition unterdrückt, staut sich an was nicht frei gelassen ist zu fließen und entlädt sich in Stürmen.

Nach langer Stille ist nichts belebender als ein Sturm denn der Sturm ist Leben, ist angestaute Lebenskraft dessen Fülle sich nicht mehr halten lässt und sich ganz ungefragt erbricht, hereinbricht also und alles was vorher still war hinwegfegt und ausfüllt mit Leben ehe wieder Stille einkehrt. Wo aber immer wieder ein laues Lüftchen weht, wo kleinere und höhere Wogen gehn, da wird es kein Gewitter, aber auch keine Stille geben.

Gut und Böse existieren nicht, es existiert nur "ja" und "nicht ja". Das Leben will nicht bewertet werden und muss nicht bewertet werden denn alles was ist, ist Ausgleich schaffend, ist notwendig. Jede Krankheit ist nur Offenlegung eines Mangels der die Notwendigkeit eines Ausgleichs und zugleich Antrieb zur Schaffung dieses Ausgleichs darstellt. Ohne Bedürftigkeit, kein Antrieb. Jede Bedürftigkeit ist also Lebensenergie, jedes unterdrückte Bedürfnis ist zurückgehalten bald ein Gewitter das sich entladen muss.