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Ein Weg. Ein Ziel. Ein Ende - Perfektion oder Tod.

Verfasst: Montag 4. April 2016, 10:45
von Gast
Szyr´dhar hat geschrieben:*eine Nachricht wird beim Bankletharf hinterlassen, welche sich wohl vorrangig der Junglethry Viy'xrae widmet und auch an diese übergeben wird*

Vaters Hass, höhere Schwester, Junglethry Viy'xrae,

ich habe die Höhle ein wenig 'umgebaut' und eingerichtet.
Gerne kannst du dich von dem Höhlenzustand selbst überzeugen.

*die Nachricht wird knapp gehalten und mit einer zittrig, aufgeregten, krakeligen Unterschrift beendet*

Szyr'dhar

*wird die Junglethry ihre Höhle betreten wird sie Wohl oder Übel auf ein sicherlich unerwartetes Hinterbleibsel treffen...*

„Was zum…“, waren meine ersten Worte als ich die Höhle nach einer kleinen, weniger zufriedenstellenden Jagd betrat. Sie war schon Grund genug, dass ich aufgeheizt und schlecht gelaunt war. Dann Szyr’dhars Brief, der mich dazu veranlasste die Höhle aufzusuchen.
Mein Blick fiel zuerst auf den ausgerollten Teppich, den er offenbar mit all seiner letharfischen Kraft ausgelegt hatte. Meine Augen sahen aber noch etwas, was mich extrem störte – es war tatsächlich wie ein Störfaktor in meinem Augenwinkel und in der Höhle. Es hatte eine grelle Farbe, es war klein und aus Stoff. Wollte er mich auf den Arm nehmen? – Ein Stofftier! Auf dem Teppich. Und daneben ein Beutel?

Ich riss mich zusammen, die Handschuhe knarzten durch den festen, geballten Druck meiner Fäuste. Meine schwere, tiefe Atmung kontrollierte meinen ansteigenden Zorn. Ich sah zum Beutel herab und zuckte leicht mit der linken Braue. Mir missfiel der Gedanke hinein zu schauen. Ich tat es also nicht und beließ die Gegenstände so, wie Szyr’dhar sie abgelegt hatte. Es war einfach nur seltsam. Die Situation grausam, in die ich merklich immer tiefer hinein zu rutschen schien. Ich spielte bereits mit dem Gedanken ihn wieder loszuwerden. Aber wie? Wenn ich Szyr‘dhar töten würde, wie ich es ihm schon androhte, so sich sein Verhalten als Rangniederer mir gegenüber nicht besserte, fiele das spätestens bei seinem Fehlen im Turm auf. Als Junglethry selbst zu entscheiden, dass er es nicht wert gewesen wäre, würde mein handeln nicht rechtfertigen. Ich musste mir also etwas anderes einfallen lassen, ehe die Situation tatsächlich einmal eskalieren könnte. Anscheinend war ihm das Erbrechen gestrigen abends nicht genug. Wie würde er auf Ignoranz meinerseits reagieren? Vielleicht eine Option. Oder ich umgehe ihn, indem ich mich zurückziehe und das Leth‘Axorn nur in den dringendsten Fällen aufsuchte. Ich gestand mir selbst ein, das es ihm schon gelang mich abzulenken. Aber meine Ausbildung hatte höchste Priorität. Zu viel hielt mich schon damals davon ab meinen Weg zu gehen. Nun er? Nein. Nur wenn der All-Eine entschied, mein Leben hätte nun ein Ende – nur dann.

Er gab mir mittlerweile das Gefühl von mir abhängig zu sein. Er schenkte mir seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Er war auf mich fixiert. Es ermutigte mich ein wenig, mich nicht mit meinen hinterhältigen Gedanken zu befassen. Er war ein guter Schüler in unseren Reihen. Und ich herrschte über ihn. Ich konnte ihn beeinflussen und manipulieren, wann immer ich die Gelegenheit nutzen wollte. Ich hatte also zwei Möglichkeiten:

Die eine, mich dafür zu entscheiden ihn weiter von mir abhängig zu machen und ich zukünftig unser beider Wege bestimme, bis es aufgrund der Rangordnung nicht mehr möglich sein. Oder die andere, ihn so weit zu zerstören, dass er keine andere Wahl hat, als sich von mir fern zu halten.

Ich verließ das Nest noch ohne eine Entscheidung gefällt zu haben. Ich musste meine Gedanken ordnen.





Was könntest Du mir als Anreiz bieten, wenn alles,
was ich von Dir will, Du mir schon geben wirst...

Verfasst: Dienstag 5. April 2016, 01:36
von Szyr'dhar
*...als er ins Nest zurückkehrt und die Höhle betritt, merkt er, dass SIE in der Höhle gewesen war. SIE hat es gesehen. SIE hat es gelesen. SIE hat ihren Geruch hinterlassen, der Geruch den wohl jeder Lethar und Lethra auf seine eigene Art hinterlässt, wenn er etwas berührt oder länger in einem Raum gewesen ist....Mehrmals werden die Nasenflügel angehoben und tief Ein- und Ausgeatmet. Die Augen sind dabei geschlossen...*


Scheinbar stand sie länger hier. Vielleicht hat sie überlegt? Vielleicht war sie sprachlos? Vielleicht steigerten die Sachen ihren innerlichen Hass?


*...Er kann es sich nur vage vorstellen wie sie wohl reagiert hat. Fakt ist sie war hier und hat es gesehen!
Mehrmals schweift sein Blick durch die Höhle.Sie ist leer. SIE ist nicht da.
Doch just in diesem Moment wandelt sich sein auf die Fortpflanzung bedachtes, verblendetes Denken in ein völligst Anderes...*



Was mache ich hier? Das ist nur eine Lethra. Zwar ist sie noch höherrangig...NOCH! Aber sie ist eben doch nur eine Lethra. Wieso vergeudet er seine wertvolle Zeit, in welcher er schon längst wieder einige Ledervorräte, und Edelsteine aus den Höhlen hätte hervorbringen können. Wieso verhält er sich so ekelhaft? So menschlich? War es wohl doch nicht so verkehrt, was die Lethra von sich gab? Fließt doch mehr Menschenblut in ihm als ihm Lieb ist?

*..."Hättest du reines Letharenblut in dir, wärst du einer der Sieben!", rekapituliert er nochmals ihre gesprochenen Worte...Erneut steht er einfach nur eine Zeit in der Höhle und sinniert. Die Stirn ist dabei in tiefe Furchen gelegt. Die Lippen kräuseln sich wohl ab und an. Den Elch, ein Stofftier, welcher wohl eine blaue Latzhose trägt, dessen Gesicht durch mehrere Messerschnitte vernarbt ist und dem ein scharfes Messer in der Hufe hängt, wird eingehend betrachtet. Für einen gewissen Moment scheint die Zeit still zu stehen. Die Lippen werden von einem gekräuselten Zustand in eine spitze Form gebracht. Dann plötzlich verkrampft seine rechte Hand um den in jener Hand liegenden Stab, sodass sich seine ungepflegten Krallen in den Stab beißen. Er holt aus, und verdrischt von jetzt auf gleich das Stofftier. Die Fetzen fliegen, das vom Künstler und Hersteller so schon geschändete Stofftier wird nun gänzlich misshandelt. Die Fetzen fliegen nur so umher. Die Füllung des Stofftiers verteilt sich im Raum. Die Knopfaugen fliegen durch den Raum. Auf die Stelle wo einst das Stofftier stand, wird weiter eingeschlagen. Obwohl das Stofftier schon gar nicht mehr existent ist, wird die Stelle weiter bearbeitet, sodass sich der darunter liegende Teppich und die darunter liegende Erde bereits zu einer Kuhle wölbt. Ein finsteres Knurren begleitet die Wutaktion...*

Wieso tickt er so aus? Ist er enttäuscht, dass sie nicht auf sein Hinterbleibsel reagierte. Ist er wütend, dass er sie am heutigen Tage nicht sehen konnte? Oder hat er sich seiner letharischen Wurzeln besinnt, und widmet sich fortan wieder den Wichtigen Dingen? Die eine Sache welche vor dem Erscheinen der Lethra wichtig für ihn waren...*

Die Jagd!

Verfasst: Mittwoch 6. April 2016, 02:17
von Szyr'dhar
*...'Das ging wohl nach hinten los' - dachte sich Szyr nach der herben Abfuhr welche er von der Junglethry erhalten hatte. Wutentbrannt verließ er die Höhle und stiefelte zielgerichtet zum Bankturm des Axorns. Den nächsten Runenlosen den er antreffen würde, hätte wohl schlechte Karten. Seine Laune war sichtlich im Keller. Wie ein kleiner Menschenjunge der mühevoll aufgebaute Sandschlösser zertritt stapfte er zum Turm. Dort angekommen blickte er sich um. Stimmen aus dem Obergeschoss waren zu vernehmen. Immernoch kochend vor Wut trampelt er die Treppe hinauf, um zu sehen wer sich dort aufhält. Es war eine Runenlose, welche gerade dabei war sich im Umgang mit Stoff und Leder zu schulen. Mir nichts dir nichts stapft er auf sie zu und noch ehe sie ein Wort aussprechen konnte, landete sein Fuß in Form eines Trittes in ihrem Gesicht. Die Lethra, ahnend von gar nichts, flog samt ihres Stoffes nach hinten um. Ihr Blick war gezeichnet von Angst, Überraschung und Wut. Noch nicht ganz von der ersten Runenlosen abgelassen, kommt auch schon die nächste Runenlose die Treppe hinauf. Es war Yali'larexul welche sich ebenso zu ihrer Schwester hinzugesellen wollte. Noch ehe sie die letzte Treppenstufe hinaufgegangen war, bekam auch sie einen Tritt in die Magengegend als Begrüßungsgeschenk. Ihre Blicke glichen sich fast 1 zu 1. Beide schauten wohl sehr überrascht aus der Wäsche. Hatten sie wohl nicht mit solchem urplötzlichen Hass gerechnet gehabt. Tief Ein- und Ausatmend stand Szyr'dhar da und betrachtete die Beiden. Dann erfolgte ein Wortloser Deut auf den Boden, begleitet von den Worten:...*

"Dreck zu Dreck!"

*...das waren wohl seine Lieblingsworte welche bereits ihm selbst durch die Lethry Vyel'tareala eingearbeitet wurden. Nun hatte er die Freude, jene Worte an die nächste Generation weiterzuleiten. Die Runenlosen schienen den angehenden Junglethyren nicht zu erkennen und warfen ihm direkt harsche Worte entgegen. Sie nannten ihn "Runenlosen" und betitelten ihn lessiver mit "Bruder". Dies aus dem Maule eines nichtsnützigen Runenlosen, schürte wohl noch mehr den in ihm kochenden Hass und die Wut über seinen kürzlich erhaltenen Korb.
Erneut begann er die Runenlosen zurecht zu weisen, diesesmal wohl allerdings mit einer etwas lauteren Stimme. Eine laute Stimme welche wohl bis an die Oberfläche zu hören gewesen wäre, hätte man genau hingehört. Plötzlich schien es den beiden Runenlosen zu bunt zu werden, sie entschlossen sich gegen den angehenden Junglethyren aufzubäumen und begannen sich zu rüsten und die Armbrust gegen ihn zu erheben. Ja sie wagten es sogar Bolzen in jene zu legen und sie durchzuladen.
Die Augen des angehenden Junglethyren waren weit aufgerissen, die Wangenknochen tänzelten ein wildes Fest...*



Wie kann es der Abschaum sich wagen gegen einen höheren Bruder die Waffe zu erheben?


*...waren wohl seine Gedanken, als er mittels Eingriff ins Liedgefüge seine rechte Faust in lodernde Flammen hüllte, um die Runenlosen damit einzuschüchtern. Bekräftigt wurde sein Vorhaben durch das Abnehmen seiner Maske. Die Gemeinschaftsrune prangerte an seiner Halsseite auf.
Den Runenlosen Weibchen Kyre'ath und Yali'larexul wurde es nun sichtlich flau im Magen. Eine fahle Hautfärbung und die zittrige Stimme zeugten von ihrer Gefühlslage. Die angehender Junglethry Le'xera kam zufällig herbei und erhielt sofort die Aufgabe den Kenntnisstand der Runenlosen aufzufrischen, indem sie ihnen nochmals die Regeln des Axorn verlauten ließ. Nach der kurzen, knackigen Unterrichtseinheit in den grundlegenden Regeln des Zusammenlebens im Axorn, durften die Runenlosen abtreten und sich froh schätzen nicht direkt in der Lavagrube gelandet zu sein.
Der empörte Blick des angehenden Junglethyren folgte noch eine Weile den Runenlosen, wie sie mit abgeduckten Häuptern den Bankturm verließen. Begleitet von einem fassungslosen Kopfschütteln fühlt er sich wohl gezwungen diesen Vorfall an den Lehrmeister Qel'ryn zu berichten. Soll er doch entscheiden was mit dem Abschaum passiert. Über eine Sache war er sich sicher. Qel'ryn wird sich über jenen Vorfall freuen. Hat er doch immer soviel Spaß mit der Zurechtweisung von Runenlosen...*

*...nach jenem Vorfall hatte er den herben Korb der Junglethry bereits ein wenig verdrängt, und er schnappte sich den nächsten Runenlosen Zyd'arak um mit ihm eine der unendlich tiefen Höhlen an der Oberfläche zu durchforsten. Um auf andere Gedanken zu kommen. Um pläne zu schmieden, wie er der Junglethry in naher Zukunft diese herbe Heimpleite zurückzahlen kann...*

Verfasst: Donnerstag 7. April 2016, 20:03
von Gast
Das Rautenmedaillon aus Hexenstahl

Beschreibung: Das Medaillon ist lediglich so groß, dass der fingerbreit kleine Kristall direkt eingefasst werden kann. Die Oberseite des Kristalls ist von Hexenstahl bedeckt…
Randnotiz: Die Metalldicke geringer an der Medaillon Innenseite.
…die Unterseite zeigt sich wie ein Rahmen, wodurch der Kristall größtenteils frei liegt.
Eine weitere Randnotiz wird hinzugeschrieben: An den Außenseiten zulaufend dicker.
Dem Träger ist damit ein direkter Kontakt zum Kristall gegeben. Ein kleines Scharnier an der Seite der Raute ermöglicht es, dass der Kristall eingesetzt und wieder herausgenommen, oder ausgetauscht werden kann. Am Rahmen der Rückseite sind kleine, kupferne Wiederhaken verschweißt worden. Die Wiederhaken werden fest in die Haut gedrückt.

Basismaterial und Veredelung/Guss: Ähnlich wie bei dem genannten Kugelamulett, besteht das Rautenmedaillon aus reinem Hexenstahl. Aufgrund der glatten Oberfläche kann nach Belieben eine Schutzrune/-zeichen eingraviert werden. Der Kettendurchziehring ist aus Kupfer.

Sicherheit: Sehr hoch. Kette und Medaillon bestehen aus reinem Hexenstahl. Die kupfernen Wiederhaken an der Rückseite fixieren den Kristall an einer beliebigen Hautstelle des Trägers und verhindern somit ein verrutschen oder Abheben des Kristalls durch eine ungünstige Bewegung (Beispiel: durch Vorbeugen des Oberkörpers). [s]Die Kette besteht aus beweglichen Gliederplättchen. Der Träger hat die Freiheit, die Kette nach Belieben zu tragen.[/s]
Sie streicht den Satz einmal durch und ändert ihn in folgenden durch eine Randnotiz: Die Glieder der Kette sind aus reinen Hexenstahl-Perlen gefertigt. Diese wiederrum durch kupferne 2 Millimeter breite Schnüre/Drähte gezogen.

Handhabung: Einfach bis schwer. Dadurch, dass das Scharnier sehr klein ist, kann es durchaus sein, dass das Medaillon umständlich geöffnet werden muss.


Nun war es an der Zeit einen fähigen Handwerker aufzusuchen. Meine Anlaufstelle war wie immer der Letherx. Ich schrieb Xen´draxol bereits eine Nachricht und bat um ein Treffen, damit ich alle meine Gedanken zu dieser Aufgabe mit ihm teilen konnte.

Viel Zeit hatte ich nicht um meine Ideen gründlicher in die Tat umzusetzen. Ich beschränkte meine Zeit also vielmehr auf den Aufbau und die Zusammenfassung des Medaillons. Meine Gedanken ließen vermuten, dass ich nicht nur Hexenstahl verwenden wollte, sondern auch ein anderes Metall oder Material. Ich sah es bereits an den Abtrünnigen - oben in Richtung Donnerholm. Sie waren durch Magie sehr anfällig gewesen. Ich dachte einige wenige Minuten zurück und an ihre Rüstungen, die sich die Verbannten aus Mühe und Not wegen Angriffen von uns zusammenstellten. Ich erinnerte mich, das Kupfer unter anderem mit vermischt war. Griff ich also einen der Menschen an, spielten in Strömen Blitzfunken ringsherum durch seinen Harnisch. Ich musste kaum meine Finger für den Angriff krümmen, gab ihm dieser Eingriff bereits in Windeseile den Rest. Freude war wohl etwas anderes, aber es machte mich neugieriger.
Es war Spekulation meinerseits, doch ich legte mir die verschiedenen reinen Metalle auf einem Tisch zurecht – Eisen, Kupfer, Pyrian, Coelium, Silber, Hexenstahl, Diamant. Ich prüfte sie nacheinander auf ihre Beständigkeit, auf ihre Beschaffenheit und wie die Eingriffe auf die Metalle einwirkten.
Eisen: Es leitet gering. Das Metall ist kalt.
Kupfer: Es leitet sehr gut. Das Metall ist kalt.
Silber: Nicht anders.
Pyrian: Es leitet gering. Das Metall ist angenehm warm, als hätte es beim Einschmelzen ein Teil der Wärme inne behalten. Auf Feuerschaden reagierte es nicht, jedoch auf Blitzschaden.
Coelium: Es leitet gering. Das Metall ist kalt. Es leitet genau umgekehrt zu Pyrian.
Hexenstahl: Es leitet nicht. Das Metall ist kalt.
Diamant: Es leitet gering. Das Metall ist kalt.

Meine Hand rutschte noch einmal über das glatte Stück Kupfer, dann griff ich danach und besorgte mir mehrere Drähte. Dann gab ich den Entwurf des Rauten Medaillons mit den Kupferdrähten und Hexenstahl-Perlen in Auftrag. Meine Neugier brannte in meinem Herzen. Ich musste herausfinden, ob meine Erkenntnis funktionieren konnte.

Verfasst: Dienstag 12. April 2016, 09:42
von Gast
Tapp…, tapp. Tapp, tapp. Als ich meine Höhle betrat und die Tür hinter mir zuziehen wollte, stand er mir im Rücken. Er roch nach Blut, Metall und Höhlendreck. Offensichtlich war er jagen – erfolgreich oder nicht, das konnte ich im ersten Augenblick nicht beurteilen. Seine bloße Anwesenheit sorgte schon dafür, dass ich wieder genervt war. Aber ich ließ die Tür dennoch für ihn einladend offenstehen und schritt nach einem kurzen Grußaustausch tiefer in die Höhle hinein.

„Wie ich sehe… gibst Du Dir Mühe.“, mein Blick glitt prüfend durch die Höhle, ehe ich Szyr´dhar nach einer kleinen Drehung fixierte. Seinen Blick lenkte er von mir zum Thron: „Ich habe Dir auch einen Stuhl fertigen lassen.“, sein Finger deutete zum Marmorsteinthron und er sah wieder zu mir zurück, um die Reaktion der Junglethry abzuwarten. „Warum mir? Ich habe doch einen.“, mein Blick schnellte zwischen den beiden Stühlen einher. Versuchte er etwa meinen Thron für sein Gesäß zu beanspruchen? Meine Augen verengten sich zu Schlitzen und ich sah zurück zu ihm.
„Nun…“, ihm schien wohl nichts Besseres eingefallen zu sein, als mir zu erwiedern: „Dann kannst Du mal wechseln.“
„Hrm…“, meine Blicke zuckten in die Augenwinkel, als ich zu ihm empor sah. Jedoch lenkte ich meine Aufmerksamkeit zum zerstörten Stoffelch weiter, der mir schon beim Begehen des Nests auffiel. Sein Wutausbruch, den er an dem Stofftier ausließ, blieb mir nicht unbemerkt. Ich hüllte mich allerdings in Schweigen und nahm die Throne wieder in den Fokus.
„Marmor. Ich dachte… nur unsere Vetter sind im Besitz dessen.“
„Ich habe einen Vetter getötet“
, erwiederte er salopp. „Er war gerade dabei es abzuernten.“
Ich spitzte die Lippen, meine Ohren erzitterten kurz und mit einem recht verwunderten Blick sah ich zu Szyr´dhar zurück. Die Emotion in meinen Gesichtszügen blieb nicht lange unerkannt.
„So? Das… überrascht mich.“
„Wieso überrascht es Dich, Junglethry?“
„Weil sie sich kaum nach Außen wagen. Nicht einmal ihren Nebenwald verlassen sie.“
„Nun, dann muss ich wohl Glück gehabt haben. Er war gerade auf dem Weg nach Adoran, so scheint es.“

Ich näherte mich ohne ein Zögern – schnurstracks und zielsicher und reckte meinen Hals etwas, um ganz ungehemmt meine Nasenflügel zu heben. Sie erbebten unter jedem tiefen und leisen Atemzug, den ich zu mir nahm. Ich roch ungeniert an ihm, wenngleich es durch die wechselnden, nunmehr kurzen Atemstöße zu einem Schnuppern wurde. Mein Oberleib beugte sich weiter nach vorne – es war ein weiterer Versuch noch näher an ihn zu gelangen. Beinahe lehnte meine Brust an seiner Front und ich neigte wenig später meinen Kopf hinterher. Meine Nase war seinem, vom langen Haar freigelegt, nackten Hals sehr nahe. Ich war neugierig. Nicht nur wie er auf meine Nähe reagierte, zu die ich ihm zwang. Andererseits aber auch interessiert, wie das Aufeinandertreffen mit einem Hochelf zu Ende ging.
„Hast Du ihm ein schnelles Ende bereitet… oder ihn qualvoll sterben lassen?“, meine Stimme war nahezu lautlos, wenn sie nicht vor Aufregung gezittert hätte.
„Natürlich ließ ich ihn qualvoll mit durchgeschnittener Kehle verbluten, höhere Schwester.“
Es war so selbstverständlich für ihn. Aber ich glaubte nicht an seine Geschichte. Es war absurd! Meine Augen schlitzten sich und ich behielt ihn im Blick. Selbst dann, als ich meinen Kopf noch ein wenig mehr nach vorne schob. Meine Gesichtshälfte berührte sein Haar, die Nasenspitze eine freie Hautstelle an seinem Hals. Umso lauter wurden auch meine Atemzüge für ihn.
„Mir fehlt der Geruch…“, whisperte es ich nahe seiner Ohrmuschel: „Aber vielleicht habe ich den eines Vetters schon über die Jahre vergessen…“
„Du meinst der Geruch dieses widerwertigen Vetters?“
„Mh-hm.“
, bestätigte ich leise.
„Als angehender Junglethyr wäre es wohl fatal den Vetter an meinen Körper heranzulassen und auf einen Nahkampf hinauslaufen zu lassen. Meinst Du nicht?“
„Jaah...“, hauchte ich nur noch, statt mich weiter mit seiner Lüge länger zu befassen.
Ich ließ Szyr´dhar jedoch nicht spüren, dass ich ihm nicht glauben würde. Ich sah ihn sogar erstaunt an, als ich seine Geschichte um den Kampf mit dem Hochelfen vor Adoran lauschte. Ich versuchte sogar so etwas wie Stolz in meiner Miene auszudrücken, während ich wieder auf Abstand ging und ihm entgegen sah.

Die Thematik wechselte alsdann recht abrupt und er sprach mich auf den roten Beutel an, den er Tage zuvor zum Stofftier gestellt hatte. Mir war er aufgefallen, aber ich sah nicht hinein. Ich beließ alles an Ort und Stelle, wie er es abgelegt hatte.
„Hast Du das Buch gelesen?“
„Nein. Was steht darin?“
, antwortete ich. Ich war nicht interessiert wirklich zu erfahren was er in das Buch hinein schrieb. Ich tat auch nur so, als lauschte ich seinen Worten. Die Beendigung des Satze ließ mich schwer ein- und ausatmen. Mich holte die Kälte ein, der Ausdruck in meinem Antlitz wurde eisern und kühl. Ich riss Szyr´dhar das Buch aus der Hand und warf es wenige Schritte entfernt in das brennende Kohlebecken. Ich überließ den hungrigen Flammen jede zerstörerische Handlung.
„Du hast den Verstand verloren…“, stellte ich unter Bedauern fest.
„Ich glaube… Du bist eine Gefahr für das Axorn geworden.“, ich wandte mich zu ihm herum und fixierte ihn abermals – streng und ausweglos.
„Du enttäuscht mich wieder. Erst dachte ich, dass Du gelernt hast. Ich war fast davon überzeugt, als Du mir vom Tod des Vetters erzählt hast. Und jetzt… Du bist ein Schandfleck in meinen Augen!“, sprach ich bissig und widerlich herablassend zu ihm. Allerdings tat ich dies lediglich, um den flackernden Hass in ihm weiter zu schüren. Die Erniedrigung sollte fruchten, wenngleich ich seiner Geschichte keinen Glauben schenkte. Seinen Hass wollte ich wachsen lassen – seine Stärke spüren und sehen können. All das war eine Handlung meinerseits, um Szyr´dhar näher an das heranzutreiben, wonach wir Kinder des All-Einen strebten.
„Geh mir aus den Augen…“, ich senkte die Lider resignierend und ließ ihn ziehen. Schwach zeichnete sich ein Lächeln auf meinen nachtblauen Lippen ab, als die Tür aufgrund des brachialen Geräusches aus den Angeln sprang.

Ich hatte Erfolg. Ich pflanzte mein Gift in sein Herz. Ich konnte aus ihm etwas schaffen, das sich formen ließ – und das machte ich mir zu nutzen.

Verfasst: Donnerstag 19. Mai 2016, 11:11
von Gast
Erqual´sidar.

„Und der andere? Szyr´dhar...“
„Er hielt sich im Hintergrund und hat uns wohl dabei beobachtet.“
„Er steht herum und hält sich für etwas Besseres?“
Ich nickte auf seine Frage ruhig und reagierte leise: „Ja, dies tut er, hoher Bruder.“
„Über seine Nützlichkeit im Turm kann ich nichts sagen. Doch als Letharf sehe ich Defizite. Er hat einiges noch nicht begriffen. Traust du dir zu es ihm zu zeigen? Jetzt gleich am Turm?“
Ich zögerte auf seine Frage hin. Aber nicht, weil ich mich davor scheute, sondern weil auch Ilphrin erkannte und ich mit meinen Ansichten nicht alleine war, dass Szyr´dhar noch dazu lernen musste.
„Ich bearbeite ihn bereits. Deine Worte sind mir jedoch Befehl, Mael´Qil.“
„Die Hülle ist nur ein Aspekt. Das Verständnis der Sieben, die Gebote, der Schmerz als Quelle... all dies schätze ich bei ihm gering ein. Geh zum Turm und prüfe sie auf eine Art die dir nützlich erscheint. Zeige ihnen was du gelernt hast.“
„Ich lernte durch Erniedrigungen…“
„Dann lehre sie so ebenfalls.“, winkte er mir zu voraus zu gehen. „Indes… Erniedrigung… Mir fällt der Kampf vor Schwingenstein ein. Du lerntest nicht nur dadurch.“
„Ich sagte Dir bereits, dass ich mich daran nicht mehr erinnern kann.“
„Ich jedoch schon.“

Je öfter die Schlacht um Schwingenstein zwischen uns zur Sprache kam, umso mehr wollte ich erfahren, was genau dort geschah. Manches Mal nagte die Neugier so sehr an meinem Verstand, das es mich wütend machte. Wie konnte ich mein Gedächtnis verlieren? Niemand konnte es mir erklären. Vielleicht wollten sie es auch nicht. Es war in meinen Augen allein schon Schande genug eine Schlacht aus dem Gedächtnis zu verlieren. Dennoch bewahrte ich den Schein vor Ilphrin und hob auf seine Antwort gleichgültig die Schultern. Als ich den Trankkeller verließ und das Lager betrat, fiel mein Blick sogleich auf die Letharfen. Doch ich ließ nicht lange auf das Ausführen meines erhaltenen Befehls warten und fixierte den angehenden Junglethyren.

Ich konzentrierte mich auf auf Ihn, sodass Er wenig später spürte, dass ich gegen Ihn keinen sonderlich simplen Eingriff wirkte. Aus der Erde erhoben sich tentakelartige Wurzeln, die zu Ihm empor krauchten - stetig näher seinen Beinen entlang und zu seinen Handgelenken empor. Ich speiste meinen Eingriff immer weiter mit meinem hervorgerufenen Hass, der durch die Schmerzen des Liedwirkens immer mehr gestärkt wurde. Die Stimme Alatars war es, die mein Blut zum kochen brachte und ich riss ruckartig meine rechte Hand empor. So gelangten auch die Wurzeln zügiger zu Ihm hinauf und umschlossen seine Handgelenke. Feste, fast schon herrisch griffen sie nach Ihm, um Ihn zu fesseln. Die Geschwister um mich herum nahm ich gar nicht mehr wahr und als ich auf Szyr´dhar zuging, wurde die erhobene Hand zu einer Faust geballt und wieder gesenkt. So ruckartig wie zuvor wurde der Letharf auf Hände und Knie in Richtung Boden gerissen. Die erhoffte Erniedrigung - wie ein Hund, auf allen Vieren, zwang ich Ihn in diese Haltung. Und als ich auf Ihn zuging und Er gleichzeitig regelrecht zu Boden gerissen wurde, nutzte ich den Moment gänzlich aus. Ich zog den rechten Stiefel an und trat ohne Skrupel in Richtung seines Kinns. Durch meinen kurzzeitig entladenen Zorn wurden die Schlingen der Wurzeln nur noch fester, die Ihm beinahe das Blut in den Gelenken abschnürten.

Ich registrierte als Erwiederung sein hämisches Grinsen und wie es Ihn belustigte, was ich mit Ihm trieb. Meine Hand griff aufgrund dessen nach seinem Hinterkopf, um so auch den Geschwistern zu zeigen, wie amüsiert Er darüber schien. Die Krallen meines Handschuhs verschwanden in seinem Haar und ich beugte mich etwas zu Ihm herab, als ich seinen Kopf in den Nacken zurück riss.

„Du findest Deinen Aufenthalt im Axorn immer noch belustigend?“
„Nein, Junglethry. Ich labe mich an Deinem aufbrausenden Hass.“
„Dir gefällt es also, Szyr'dhar, dass Du vor allen Geschwistern erniedrigt wirst?“
Er kräuselte die Lippen: „Nur wenn du es machst...“
„Merkst Du nicht, wie schwach Du Dich mit dieser Antwort machst? Wie bloß Du Dich vor den Anderen selbst stellst?“
„Ich zeige nur das meine Hülle nicht so lächerlich schwach wie deine ist…“

Meine Augen spiegelten Enttäuschung und Bedauern wieder, meine Lippen waren zu einem schmalen Strich gezogen. Ich knurrte und hob die Hand, wie auch Zeige- und Mittelfinger empor zuckten.
„Ich zeige Dir, wie stark ich bin.“, mit einem ‚Wink‘ der ausgestreckten Finger lockte ich den Runenlosen näher.
„Der Bruder ist sehr schwach. Als Runenloser gewähre ich Dir den angehenden Junglethyr in meinem Namen zu bestrafen.“, ich lockerte den Griff in seinem Haar und zog die Hand langsam zurück.
„Du lässt Runenlose in deinem Namen bestrafen...Ob das nicht wohl eher von deiner Schwäche zeugt?“
„Aufgrund meiner Rangordnung, sehe ich dies nicht als Schwäche. Ich nutze es schlichtweg aus meine Hände an Dir nicht schmutzig machen zu müssen. Zyd'arak. Da der Bruder so gerne vor sich her grinst, können wir ihm doch gleich ein Grinsen in sein Fleisch schneiden. Was sagst Du dazu?“, mir war nicht danach zu Grinsen oder derlei Emotion in diese Richtung zu zeigen. Ich wurde wegen Szyr´dhar nur kälter. Ich stumpfte durch jede seiner Emotionen und seiner Worte gar weiter ab.
„Nun... der Pfeil könnte ein Grinsen einbrennen, welches auf Dauer anhalten würde...“, sprach der Runenlose zu mir.
„Sei nicht zimperlich. Er ist ein Männchen.“, Szyr´dhars Blick jedoch wandelte sich zunehmend in eiskalte Ernsthaftigkeit, hatte Er mit so viel Hass meinerseits nicht gerechnet. Zweifelsohne wurde Ihm nach und nach von den Mundwinkeln an bis zu den Ohren, mit der Spitze eines Pfeiles, ein tiefes Grinsen in sein Fleisch gezogen.
„So wie wir alle müssen wir gegenüber hohen Geschwistern Respekt zeigen. Wird ein Bruder oder eine Schwester bestraft oder gezüchtigt, dann haben wir uns daran nicht zu erfreuen oder Genugtuung zu verspüren.“, ich sprach die Worte eindringlich zu ihnen, während sich meine Augen verengten und ich dabei Szyr´dhar weiterhin fixierte. „Wir werden bestraft, um unsere Fehler zu erkennen und daraus zu lernen, sie nicht zu wiederholen. Der Spiegel wird Dir tagtäglich zeigen, was es heißt, bestraft zu werden und was das Resultat daraus ist. Soll Vater Dich auf Deinem Weg zukünftig wachsam begleiten. Auf dass Du den wahren Pfad beschreitest.“
Ich atmete erregt und schien der Anstrengung meines anhaltenden Eingriffs nach schwächer zu werden. Blut rannte aus meinem linken Nasenloch, die Augen waren von sämtlichen geplatzten Äderchen durchzogen. Ich zeigte meine Schwäche jedoch nicht nach außen und schnief den hervor bahnenden Blutfaden hörbar wieder zurück in die Nase.

Die Wurzeln zogen sich zurück, wie sich auch allmählich mein Geist aus dem Lied zurückzog. Ich hatte Erfolg. Ich sah es, wenn auch nur für kurze Dauer, in seinen Augen.


Erqual´sidar.

Verfasst: Freitag 7. Oktober 2016, 09:29
von Gast
Ich übersprang einige Kapitel in meinem Leben voller Hass, Schmerz und Erniedrigungen. Aber ich sah es immer wieder an den Letharen, die sich in das Axorn verliefen und davon sprachen, sich der Gemeinschaft zu beweisen. Nur wenige von ihnen ertrugen unsere harte Schule und überlebten den Weg zum Runenträger. Manches mal erinnerte ich mich daran zurück, wie mich meine Füße in das Axorn trugen und ich ein neues Leben begann. Ich hatte viele Fehler an mir, die ausgemerzt werden mussten. Ich stieß an meine Grenzen und dennoch bestimmte Alatar meinen Weg nicht nur ihm dienlich zu sein, sondern auch für die Gemeinschaft von Nutzen zu sein.

Szyr´dhar war auch einst einer von ihnen – ein Runenloser. Ich nahm mich ihm an und hoffte ihn von seinen menschlichen Eigenschaften lösen zu können und ihn in die Richtung zu lenken, die ein gewaltiges Ausmaß an Zerstörung und Macht mit sich brachte. Mit der Zeit spürte und sah ich, dass er mir immer mehr aus den Fingern glitt. Seine Angriffe gegen mich ließ ich teilweise zu. Es war richtig so. Nur so konnte er aus seinen Fehlern lernen und erfahren, was Erqual’sidar den anderen gegenüber so überlegen machte. Manchmal gefiel er mir, wie er war, wenn ich seine Fehler ausblenden konnte. Wie er mich versuchte zu besitzen und zu beherrschen – ganz auf seine Art und Weise. Doch zu oft brach das menschliche Verhalten aus ihm heraus.

Zu Beginn unseres Beschnupperns schreckte mich sein Verhalten ab. Und als es teilweise Überhand von ihm nahm, ekelte ich mich vor ihm. Ich war bereit seine Rune auf meiner Haut zu tragen, aber mein Geist wehrte sich immer wieder gegen die Vorstellung. Zuwider war es mir, weswegen ich den Junglethyren letztlich abwies. Inständig erhoffte ich mir, dass er die Gelegenheit nutzte seine vorhandenen Fehler schlussendlich auszumerzen. Dass er erkannte, das Menschendenken unter unseren Gesellschaft fehl am Platz war.

Ich spürte seine Ignoranz und er zeigte sie mir auch offensichtlich. Er war enttäuscht? Ich war nicht interessiert nachzufragen, wie es ihm mit meiner Entscheidung erging. Ich war sogar ein wenig überrascht dass er meine Entscheidung überhaupt akzeptierte, war er doch sehr von einem gemeinsamen Weg überzeugt gewesen. Er ließ mich spüren, dass er nicht daraus lernte. Auch dann nicht, als er mich packte, verprügelte und mich ertränken wollte.

Es dauerte eine Weile seinen Werdegang zu akzeptieren. Den derzeitigen Zustand unserer „Beziehung“ konnte ich jedoch nicht länger ertragen. Er war einer meiner Brüder, den ich aufgrund seiner Teilnahme und seines Ehrgeizes in unserer Gemeinschaft respektierte. Mit ihm aber das Gespräch zu suchen, hätte sehr wahrscheinlich dafür gesorgt, dass wir uns früher oder später zerfleischt hätten.

Ich suchte Rat bei einem der hohen Geschwister, wenngleich ich dem Lethyr nur die halbe Wahrheit offenbarte. Ich hätte Szyr´dhar stürzen können und die Beweise für sein Verhalten vorlegen können. Ich hätte ihn töten können, wenn der hohe Bruder mir nicht einflößte, das Szyr´dhars Tod mein Versagen bedeuten würde.

Die Ratschläge des Lethyren waren wie Salbei für meine Seele. Ich verstand ihn und meine Fehler – mehr denn je sogar, als es über Erniedrigungen und gewalttätigen Handlungen aufzunehmen. Ich riss mich zusammen, beherrschte meinen aufkeimenden Hass und kontrollierte meine vernichteten Gedanken gegen des Junglethyren. Ich war zufrieden.

Ich saß in meinem Thron und fuhr mir mit den nackten, vernarbten Händen über die Oberschenkel. Ich fühlte mich seltsam. Die Menschen hätten es vermutlich als Erleichterung bezeichnent – befreit und zufrieden. Und als meine Hände zur Leibesmitte zurückfanden, war die Vorstellung in meinem Kopf simpel:

Das Kapitel Szyr´dhar war für mich abgeschlossen. In Gedanken klappte ich das Buch endgültig zu…