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Das stille Ende einer jungen Frau

Verfasst: Samstag 2. April 2016, 23:14
von Gast
Die kleinen tanzenden Staubkörnchen im Licht der Sonne zauberten ihr ein Lächeln auf die Lippen.
Ein tiefes Durchatmen brachte ihr den Geruch von Staub, alten Büchern und ein paar Blumen ein.
Hier war sie glücklich, sie liebte diesen Ort der Ruhe.

Natürlich gab es auch andere Zeiten, ein manches Mal schreckte sie auf wenn sich unten Stimmen erhoben.
Ein lauter Zwist dauerte jedoch niemals lange. Manchmal hörte man noch eine Tür knallen, oder eine Frauenstimme schreien,
schließlich kehrte aber immer wieder die gewohnte Ruhe ein.

Stunde um Stunde saß sie barfüßig im Schneidersitz auf den weichen Teppichen.
Dabei gab es keinen besonderen Raum der sie anzog, vielmehr waren es die Geschichten, welche die Werke erzählten.
Je nach Laune liess sie sich in einem der Räume nieder, zog eines der Bücher hervor und vergaß dabei die Zeit.

Erst als es schwierig wurde die Buchstaben im Dämmerlicht noch wahr zu nehmen, die Augen langsam schmerzten,
dann machte sie sich auf den Heimweg.
Ein warmes Lächeln auf den Lippen und tiefen Frieden im Herzen.

In der letzten Zeit jedoch fiel es ihr schwerer sich auf die Zeilen vor ihr zu konzentrieren.
Immer wieder wurde ihre Aufmerksamkeit durch laute Stimmen abgelenkt.
Sie schienen die Ruhe dieses Ortes nicht respektieren zu wollen.

Als erneut ein solcher unruhiger Tag anbrach, nahm sie das Buch aus ihrem Schoß auf und streifte in den Räumen höher.
Irgendwo musste es schließlich ein kleines Eck geben, in dem sie die polternden Schritte, ebenso wie die Stimmen ausblenden konnte.

Ganz oben angelangt, in einem Raum, in dem sie sonst nur selten las, liess sie sich wieder nieder.
Hier drangen die Stimmen nur noch gedämpft an sie heran.
Zufrieden und wieder völlig in die Welt der Geschichten eintauchend, begann sie langsam alles um sich herum zu vergessen.

Sie merkte zunächst gar nicht wie dunkler, grauer Rauch zu ihr hinauf stieg.
Langsam wabberte er einmal um sie, um dann zur Decke aufzusteigen, sich dort zu kräuseln und schließlich wieder zu Boden zu gleiten.

Beim nächsten Umblättern hatte sie das Gefühl etwas im Hals zu verspüren.
Ein Husten war die Folge, den Blick weiterhin auf das Buch gerichtet, tat sie es mit dem Staub zwischen den Regalen ab.
Die zunehmende Hitze, schrieb sie dem Lichtschein aus dem Fenster zu, immerhin war es ein später Herbsttag.

Das Husten wiederholte sich, wurde stärker und langsam wurde sie unruhig.
Das Buch zur Seite gelegt, machte sie sich auf den Weg zur Treppe.
Sie musste etwas trinken.. Auf der Treppe schlug ihr dunkler, die sicht versperrender Rauch entgegen.
Orientierungslos tastete sie sich vorsichtig an der Wand entlang, aber die Hitze nahm zu, sie wurde schier unerträglich.
Sie wagte keinen weiteren Schritt mehr, zurück konnte sie jedoch auch nicht.

All die Regale!
Um sie herum stand längst alles in Flammen...als die ersten nach ihr züngelten war sie jedoch schon zusammen gesunken,
Ohnmächtig auf den Treppen, in dem Gebäude das sie so liebte..

Ihr letzter Gedanke bestand aus Bedauern, sie würde nie erfahren wie die Geschichte ausging..

Dann loschen die Flammen ihr Licht und mit ihr die freie Bibliothek Gerimors auf ewig.


Verfasst: Sonntag 3. April 2016, 11:38
von Gast
..Von Verlusten, die schwer zu ertragen sind und unvergessen bleiben...

Möge es Dir eine Erinnerung sein...

  • Von den meisten Menschen nicht verstanden,
    da stand einst in umkämpften Landen,
    ein Haus zum stöbern, träumen, lesen.
    Es ist das Einz'ge seiner Art gewesen.

    Gab's Licht und Schatten am selben Ort,
    dann verschmolzen sie zum Zwielicht dort,
    so konnt's geschehen bei Tag und Nacht,
    dass es Feinde einander hat näher gebracht.

    Doch viele schrie'n: "So war's nie gedacht!"
    Es wurden schändliche Taten vollbracht,
    auch wurden verachtende Worte gesprochen
    und Regeln zu oft gebrochen.

    Wo Licht und Schatten dem Zwielicht wichen,
    da hat sich die Zwietracht eingeschlichen,
    und wo man einst vom anderen Glauben lernte,
    da führte der Zwist zu verdorbener Ernte.

    Von den meisten Menschen nicht verstanden,
    da stand einst in umkämpften Landen,
    ein Haus zum stöbern, träumen, lesen.
    Es ist das Einz'ge seiner Art gewesen.

    von Florentine Demarkes
[URL]http://forum.alathair.de/viewtopic.php?t=62597&highlight=lilian+valerian[/url]