Das Licht der Flamme
Verfasst: Mittwoch 12. April 2006, 11:32
Die Flamme seiner Kerze drohte zu erlischen als ein Windstoß vom Norden her aufzog.
Die undurchdringlichen grauen Wolken prophezeiten nur zu deutlich das bevorstehende Gewitter. Doch noch waren die Wolken fern und es würde Stunden dauern, bis das Unwetter ihn erreichen und den sonnig blauen Himmel über ihm erbarmungslos verschlingen würde.
Den Rücken an die stämmige Eiche gelehnt ließ er sich erschöpft zu Boden sinken, nicht darauf achtend, dass die sperrige, an einigen Oberflächen spitz vorstehende Baumrinde ihm das feine Baumwolljacket zerriss...
Als er seinen Hinterkopf in den Nacken drückte, um die Zinnen der Stadtmauer zu überblicken, glitt ein großer schwarzer Rabe durch die Lüfte, sich schliesslich behaarlich auf der Stelle niederlassend wo seine Augen nun ruhten.
„Diese Stadt ist uns unheimlich...“ flüsterte seine Stimme rechts neben ihn mit einem unbehaglichen Unterton.
Stille...
„Diese Stadt... sie ist alles was wir haben...“ Dieselbe Stimme befand sich nun auf der anderen Seite von ihm. Der Klang glich der Ersteren Stimme, jedoch klang sie diesmal entschlossen und nahezu unbeirrbar.
Er versuchte die Stimmen zu verscheuchen und rammte deswegen seinen Hinterkopf plötzlich und mit einer wuchtigen Bewegung gegen die Seite des Baumes an dem sein stämmiger Oberkörper lehnte.
„Jemand nähert sich uns...“ diesmal wieder die zweifelnde Stimme von rechts.
„Jemand nähert sich uns...“ wiederholte die andere Stimme ebenfalls von der linken Seite.
Ein gleichmässiges Klappern und das Reiben von Metall auf Metall kündigte die sich nähernden Schritte einer in schwarzer Legierung gerüsteten Gestalt an.
„Sie ist uns unheimlich!“ Mahnte es ein wenig gehetzt von rechts, „Stehen wir auf und halten uns zur Flucht bereit! „
„Sie soll ruhig kommen...“ Knurrte es von links. „Wir haben vor niemandem Angst und mag es Alatar selbst sein.“
Er rührte sich nicht vom Fleck, sondern blieb wie angewurzelt an Ort und Stelle sitzen, während die Gestalt zielstrebig mit trittsicheren Schritten auf ihn zusteuerte.
„Seien wir trotzdem auf der Hut....“ Kam es wieder von rechts. Diesmal schwieg die linke Seite.
Eine weibliche Stimme durch den Helm gedämpft seltsam fern erscheinend gebot ihm Gruesse.
„Dem Einen zum Grusse.“ Erwiederten beide Stimmen fast synchron, die Rechte erfürchtig und die Linke im Gegensatz dazu mürrisch und widerwillig, wenn nicht sogar gelangweilt klingend.
Die in schwarz gerüstete Frau klang gebieterisch, scheinbar Autorität gewohnt stellte sie ihm hartnäckige Fragen über irgendwelche Belanglosigkeiten. Die Worte flogen dahin, erreichten sein Ohr aber verfehlten sein Herz.
Er schien der Frau nicht richtig zuzuhören, als er mit den inneren Stimmen seiner selbst kämpfte.
„Wir möchten nicht mit ihr reden. Ihre Fragen ermüden uns und gehen uns nichts an.“ Mit teilnahmsloser Gleichgültigkeit schallt es ein wenig ungehalten von links.
„Antworten wir ihr und zollen ihr den nötigen Respekt... vielleicht lässt sie dann von uns ab?“ Entgegnet diesmal die rechte Seite ehrfürchtig und ebenso vorsichtig.
„Nein... sie soll ruhig kommen. Wir können ihr immer noch einen Bolzen in den Rücken jagen wenn sie zu lästig wird.“ Dröhnt es selbstsicher auf der linken Seite.
„Nein! Nein! Nein!... es soll kein Blut fliessen!" Kreischte es voller Entsetzen von der anderen Seite ängstlich und ein verstörtes Schluchzen war zu hören, das sich Richtung Südosten entfernte.
Er tastete instinktiv mit der Rechten vorsichtig nach der Armbrust, doch konnte er sie nicht vorfinden. Er hatte sie wohl in der Satteltasche seines Pferdes zurückgelassen.
Er wusste nicht was er der Frau erwidert hatte, doch schwang diesmal deutlicher Zorn und Wut mit in ihrer Stimme, als er urplötzlich die Bodenhaftung an den Füßen verlor und in die Lüfte gehoben wurde.
Irgendwoher aus einem dunklen Winkel seines Bewusstseins wiederholten sich immer wieder zwei Worte:
„Erschieß ihn!“
„Erschieß ihn!“
„Erschieß ihn!“
Gleichzeitig spürte er deutlicher eine vertraute Präsenz in seiner Nähe, jedoch konnte er sich nicht auf die Stimme dieser Person konzentrieren. Sie klang zögerlich... kaum bewilligt den Befehlen der berüsteten Frau zu folgen, dennoch keinerlei Anstalten machend sich gegen diese aufzulehnen.
„Lauf! Komm ins Haus! Dort sind wir in Sicherheit!“ Ermahnte ihn seine Stimme von seinem Haus aus kommend, das einige dutzend Schritte weit im Südosten lag. Er hörte nur noch wie die Holztür mit einem Scheppern zuschlug.
„Es ist schon zu spät zum Flüchten. Unsere Worte sind schon gesagt. Es gibt kein zurück mehr.“ Ertönte es grimmig links neben ihm.
Er spürte langsam kalte Wut in ihm aufsteigen wie sie ihn mit ihrer überheblichen Art zu Leibe rückte.
„Wo haben wir nur die Armbrust gelassen?“ Bellte es von links aus. „Sie ist ein Nichts. Ein aufbrausendes Tier, das sich Ritter des Alatars schimpft. Wir werden sie verhöhnen und ihre Gier nach Selbstherrlichkeit offen zur Schau stellen...“ In der Stimme schwang eine Spur von Zweifel mit...
Ritter Alatars... woher wusste er dass die Frau, die ihm nun offensichtlich kaum wohlgesinnt war ein Diener des Einen darstellte? Eventuell hatte es die andere Präsenz erwähnt, doch er konnte sich nicht mehr daran erinnern.
„Lauf Cilwve!“ Er konnte die Stimme von Lara nicht zuordnen, obwohl sie so vertraut in seinen Ohren klang. Er ließ ihre Worte, die fast wie ein Flehen klangen, einige Momente lang in seinem Ohr widerhallen und versuchte die Quelle dabei mit den Augen ausfindig zu machen, doch ihr Gesicht nahm er nur verschwommen wahr, unfähig ihre Gesichtzüge einem Namen zuzuordnen.
„Lauf! Komm ins Haus!“ Vernahm er seine weinerliche Stimme aus der Richtung des Hauses kommend.
Es war schon zu spät. Er hatte mit seiner Zunge sowohl ihre Authorität untergraben, als auch ihrem Stolz eine saftige Ohrfeige gegeben. Er konnte sich nicht mehr entsinnen was der genaue Wortlaut der Sätze war, die er ihr entgegenschleuderte.
Ihre Antwort war jedoch nur zu überdeutlich. In einem Moment sah er noch wie ihr metallener Ellbogenschutz mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit immer größer werdend sein Blickfeld mehr und mehr ausfüllte.
In nächsten Moment durfte er auch schon, durch die dichte Baumkrone der Eiche, den strahlend blauen Himmel von unten beobachten. Er musste husten und der zähe Schleim, der ihm hochkam schmeckte nach Eisen- oder war es Blut?
Ab und zu hörte er ein unterdrücktes Schluchzen vom Haus aus kommend. Ihr mit schwarzem glatten Metall überzogener Fuß bahnte sich seinen Weg durch seinen Brustkorb, einige Rippen mühelos brechend.
„Sie wird uns töten.“ Diesmal klang es vom Haus aus resignierend und hoffnungslos.
Die Ritterin zog währendessen ihr Schwert, das faszinierend im Sonnenlicht schimmerte.
„So sterben wir wenigstens in Ehre durch eine Klinge.“ Meinte die andere Stimme emotionslos.
Geschmeidig, ohne jeglichen Widerstand dringt die Klinge in seinen Bauch ein. Der Schmerz der ihm durchzuckte fraß sich durch seine Nerven, brannte sich in seinen Kopf ein, seine Gedanken verzerrend.
„Sterben? Wie fühlt sich das an?“ Flüstert es schwach vom Haus aus.
Er versuchte den Schmerz zu verbannen, ihn einzusperren....so wie er es pflegte die Stimmen einzusperren, wenn er es nicht mehr ertragen konnte ihnen zuzuhören, doch die Klinge war eisig kalt und es fühlte sich an als sei sie wie ein Raubtier das in seinem Innersten wühlte, seine Erinnerungen gierig verschlingend nur noch Leere hinterlassend.
Der Himmel verdunkelte sich mit jeder Sekunde die dahinfloss.
Es war als fiele er in einen tiefen Brunnen der keinen Boden hatte. Die Geräusche von ausserhalb hallten in seinem Kopf wider- die Worte aber konnte er keiner Bedeutung zuordnen. Das Licht entfernte sich immer mehr, bis der kleine Punkt in der Ferne schliesslich so winzig klein wurde, dass er ihn in der Dunkelheit nicht mehr ausmachen konnte.
„Lara...“ Flüsterte er, während die Flamme seiner inneren Kerze wie wild flackerte und er seinen letzten Traum träumte:
Als er erwachte befand er sich umlängst nicht mehr unter der großen Eiche. Er lag im Untergeschoss seiner kleinen Zuflucht... Sein Bauch wurde provisorisch von jemandem verbunden, denn die Blutung konnte nicht gestoppt werden. Seine Kleidung war blutdurchtränkt, doch dies alles nahm er kaum wahr. Sein Augenmerk war nur auf diese zierliche Gestalt gerichtet, die neben ihm am Tisch stand und auf ihn herabblickte einem Engel gleich.
Ihr am Ärmel zerschlissenes Kleid; der edle Stoff, der nun von seinem Blut durch und durch verdreckt war; die fürsorglich aber dennoch leicht ablehnenden großen wässrigen Augen, die ihm entgegenstarrten; die getragen von einer leichten Brise sich auf und ab bewegende Haarsträhne, die ab und zu ihr Gesicht verdeckt und die sie immer mit einer eleganten Geste zur Seite wischt.
Trotz ihres trostlosen Anblickes lächelte er, denn ein Gefühl der Geborgenheit und der Vertrautheit überkam ihm wieder, wie auch bei den beiden letzten Male als sie sich begegneten.
Er wollte ihr soviel sagen, soviel erzählen, soviel beichten, doch er konnte sich immer nur ein verzagtes, zögerliches Lächeln abringen, das doch seiner Natur so widersprach und doch seine Worte zu ihr ersetzten...
Ein Traum war es sicherlich... denn Lara konnte nicht so sein wie er.... sie hatte nichts in dieser kalten abweisenden Stadt zu suchen... nicht die Lara die er kannte.
Die Kerze erlosch.
Die undurchdringlichen grauen Wolken prophezeiten nur zu deutlich das bevorstehende Gewitter. Doch noch waren die Wolken fern und es würde Stunden dauern, bis das Unwetter ihn erreichen und den sonnig blauen Himmel über ihm erbarmungslos verschlingen würde.
Den Rücken an die stämmige Eiche gelehnt ließ er sich erschöpft zu Boden sinken, nicht darauf achtend, dass die sperrige, an einigen Oberflächen spitz vorstehende Baumrinde ihm das feine Baumwolljacket zerriss...
Als er seinen Hinterkopf in den Nacken drückte, um die Zinnen der Stadtmauer zu überblicken, glitt ein großer schwarzer Rabe durch die Lüfte, sich schliesslich behaarlich auf der Stelle niederlassend wo seine Augen nun ruhten.
„Diese Stadt ist uns unheimlich...“ flüsterte seine Stimme rechts neben ihn mit einem unbehaglichen Unterton.
Stille...
„Diese Stadt... sie ist alles was wir haben...“ Dieselbe Stimme befand sich nun auf der anderen Seite von ihm. Der Klang glich der Ersteren Stimme, jedoch klang sie diesmal entschlossen und nahezu unbeirrbar.
Er versuchte die Stimmen zu verscheuchen und rammte deswegen seinen Hinterkopf plötzlich und mit einer wuchtigen Bewegung gegen die Seite des Baumes an dem sein stämmiger Oberkörper lehnte.
„Jemand nähert sich uns...“ diesmal wieder die zweifelnde Stimme von rechts.
„Jemand nähert sich uns...“ wiederholte die andere Stimme ebenfalls von der linken Seite.
Ein gleichmässiges Klappern und das Reiben von Metall auf Metall kündigte die sich nähernden Schritte einer in schwarzer Legierung gerüsteten Gestalt an.
„Sie ist uns unheimlich!“ Mahnte es ein wenig gehetzt von rechts, „Stehen wir auf und halten uns zur Flucht bereit! „
„Sie soll ruhig kommen...“ Knurrte es von links. „Wir haben vor niemandem Angst und mag es Alatar selbst sein.“
Er rührte sich nicht vom Fleck, sondern blieb wie angewurzelt an Ort und Stelle sitzen, während die Gestalt zielstrebig mit trittsicheren Schritten auf ihn zusteuerte.
„Seien wir trotzdem auf der Hut....“ Kam es wieder von rechts. Diesmal schwieg die linke Seite.
Eine weibliche Stimme durch den Helm gedämpft seltsam fern erscheinend gebot ihm Gruesse.
„Dem Einen zum Grusse.“ Erwiederten beide Stimmen fast synchron, die Rechte erfürchtig und die Linke im Gegensatz dazu mürrisch und widerwillig, wenn nicht sogar gelangweilt klingend.
Die in schwarz gerüstete Frau klang gebieterisch, scheinbar Autorität gewohnt stellte sie ihm hartnäckige Fragen über irgendwelche Belanglosigkeiten. Die Worte flogen dahin, erreichten sein Ohr aber verfehlten sein Herz.
Er schien der Frau nicht richtig zuzuhören, als er mit den inneren Stimmen seiner selbst kämpfte.
„Wir möchten nicht mit ihr reden. Ihre Fragen ermüden uns und gehen uns nichts an.“ Mit teilnahmsloser Gleichgültigkeit schallt es ein wenig ungehalten von links.
„Antworten wir ihr und zollen ihr den nötigen Respekt... vielleicht lässt sie dann von uns ab?“ Entgegnet diesmal die rechte Seite ehrfürchtig und ebenso vorsichtig.
„Nein... sie soll ruhig kommen. Wir können ihr immer noch einen Bolzen in den Rücken jagen wenn sie zu lästig wird.“ Dröhnt es selbstsicher auf der linken Seite.
„Nein! Nein! Nein!... es soll kein Blut fliessen!" Kreischte es voller Entsetzen von der anderen Seite ängstlich und ein verstörtes Schluchzen war zu hören, das sich Richtung Südosten entfernte.
Er tastete instinktiv mit der Rechten vorsichtig nach der Armbrust, doch konnte er sie nicht vorfinden. Er hatte sie wohl in der Satteltasche seines Pferdes zurückgelassen.
Er wusste nicht was er der Frau erwidert hatte, doch schwang diesmal deutlicher Zorn und Wut mit in ihrer Stimme, als er urplötzlich die Bodenhaftung an den Füßen verlor und in die Lüfte gehoben wurde.
Irgendwoher aus einem dunklen Winkel seines Bewusstseins wiederholten sich immer wieder zwei Worte:
„Erschieß ihn!“
„Erschieß ihn!“
„Erschieß ihn!“
Gleichzeitig spürte er deutlicher eine vertraute Präsenz in seiner Nähe, jedoch konnte er sich nicht auf die Stimme dieser Person konzentrieren. Sie klang zögerlich... kaum bewilligt den Befehlen der berüsteten Frau zu folgen, dennoch keinerlei Anstalten machend sich gegen diese aufzulehnen.
„Lauf! Komm ins Haus! Dort sind wir in Sicherheit!“ Ermahnte ihn seine Stimme von seinem Haus aus kommend, das einige dutzend Schritte weit im Südosten lag. Er hörte nur noch wie die Holztür mit einem Scheppern zuschlug.
„Es ist schon zu spät zum Flüchten. Unsere Worte sind schon gesagt. Es gibt kein zurück mehr.“ Ertönte es grimmig links neben ihm.
Er spürte langsam kalte Wut in ihm aufsteigen wie sie ihn mit ihrer überheblichen Art zu Leibe rückte.
„Wo haben wir nur die Armbrust gelassen?“ Bellte es von links aus. „Sie ist ein Nichts. Ein aufbrausendes Tier, das sich Ritter des Alatars schimpft. Wir werden sie verhöhnen und ihre Gier nach Selbstherrlichkeit offen zur Schau stellen...“ In der Stimme schwang eine Spur von Zweifel mit...
Ritter Alatars... woher wusste er dass die Frau, die ihm nun offensichtlich kaum wohlgesinnt war ein Diener des Einen darstellte? Eventuell hatte es die andere Präsenz erwähnt, doch er konnte sich nicht mehr daran erinnern.
„Lauf Cilwve!“ Er konnte die Stimme von Lara nicht zuordnen, obwohl sie so vertraut in seinen Ohren klang. Er ließ ihre Worte, die fast wie ein Flehen klangen, einige Momente lang in seinem Ohr widerhallen und versuchte die Quelle dabei mit den Augen ausfindig zu machen, doch ihr Gesicht nahm er nur verschwommen wahr, unfähig ihre Gesichtzüge einem Namen zuzuordnen.
„Lauf! Komm ins Haus!“ Vernahm er seine weinerliche Stimme aus der Richtung des Hauses kommend.
Es war schon zu spät. Er hatte mit seiner Zunge sowohl ihre Authorität untergraben, als auch ihrem Stolz eine saftige Ohrfeige gegeben. Er konnte sich nicht mehr entsinnen was der genaue Wortlaut der Sätze war, die er ihr entgegenschleuderte.
Ihre Antwort war jedoch nur zu überdeutlich. In einem Moment sah er noch wie ihr metallener Ellbogenschutz mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit immer größer werdend sein Blickfeld mehr und mehr ausfüllte.
In nächsten Moment durfte er auch schon, durch die dichte Baumkrone der Eiche, den strahlend blauen Himmel von unten beobachten. Er musste husten und der zähe Schleim, der ihm hochkam schmeckte nach Eisen- oder war es Blut?
Ab und zu hörte er ein unterdrücktes Schluchzen vom Haus aus kommend. Ihr mit schwarzem glatten Metall überzogener Fuß bahnte sich seinen Weg durch seinen Brustkorb, einige Rippen mühelos brechend.
„Sie wird uns töten.“ Diesmal klang es vom Haus aus resignierend und hoffnungslos.
Die Ritterin zog währendessen ihr Schwert, das faszinierend im Sonnenlicht schimmerte.
„So sterben wir wenigstens in Ehre durch eine Klinge.“ Meinte die andere Stimme emotionslos.
Geschmeidig, ohne jeglichen Widerstand dringt die Klinge in seinen Bauch ein. Der Schmerz der ihm durchzuckte fraß sich durch seine Nerven, brannte sich in seinen Kopf ein, seine Gedanken verzerrend.
„Sterben? Wie fühlt sich das an?“ Flüstert es schwach vom Haus aus.
Er versuchte den Schmerz zu verbannen, ihn einzusperren....so wie er es pflegte die Stimmen einzusperren, wenn er es nicht mehr ertragen konnte ihnen zuzuhören, doch die Klinge war eisig kalt und es fühlte sich an als sei sie wie ein Raubtier das in seinem Innersten wühlte, seine Erinnerungen gierig verschlingend nur noch Leere hinterlassend.
Der Himmel verdunkelte sich mit jeder Sekunde die dahinfloss.
Es war als fiele er in einen tiefen Brunnen der keinen Boden hatte. Die Geräusche von ausserhalb hallten in seinem Kopf wider- die Worte aber konnte er keiner Bedeutung zuordnen. Das Licht entfernte sich immer mehr, bis der kleine Punkt in der Ferne schliesslich so winzig klein wurde, dass er ihn in der Dunkelheit nicht mehr ausmachen konnte.
„Lara...“ Flüsterte er, während die Flamme seiner inneren Kerze wie wild flackerte und er seinen letzten Traum träumte:
Als er erwachte befand er sich umlängst nicht mehr unter der großen Eiche. Er lag im Untergeschoss seiner kleinen Zuflucht... Sein Bauch wurde provisorisch von jemandem verbunden, denn die Blutung konnte nicht gestoppt werden. Seine Kleidung war blutdurchtränkt, doch dies alles nahm er kaum wahr. Sein Augenmerk war nur auf diese zierliche Gestalt gerichtet, die neben ihm am Tisch stand und auf ihn herabblickte einem Engel gleich.
Ihr am Ärmel zerschlissenes Kleid; der edle Stoff, der nun von seinem Blut durch und durch verdreckt war; die fürsorglich aber dennoch leicht ablehnenden großen wässrigen Augen, die ihm entgegenstarrten; die getragen von einer leichten Brise sich auf und ab bewegende Haarsträhne, die ab und zu ihr Gesicht verdeckt und die sie immer mit einer eleganten Geste zur Seite wischt.
Trotz ihres trostlosen Anblickes lächelte er, denn ein Gefühl der Geborgenheit und der Vertrautheit überkam ihm wieder, wie auch bei den beiden letzten Male als sie sich begegneten.
Er wollte ihr soviel sagen, soviel erzählen, soviel beichten, doch er konnte sich immer nur ein verzagtes, zögerliches Lächeln abringen, das doch seiner Natur so widersprach und doch seine Worte zu ihr ersetzten...
Ein Traum war es sicherlich... denn Lara konnte nicht so sein wie er.... sie hatte nichts in dieser kalten abweisenden Stadt zu suchen... nicht die Lara die er kannte.
Die Kerze erlosch.