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Hass und Qual, der Weg eines Letharfen.
Verfasst: Mittwoch 9. März 2016, 15:10
von Gast
'… beschäftige dich mit den Wesen von Katzen und Fledermäusen, mache dich mit jenen vertraut und bringe alles in Erfahrung...'
Die Worte der Lethry hatte er mittlerweile verinnerlicht, nochmals über das vorgetragene nachgedacht. Ein kräftezehrendes Unterfangen, die Thematik der Verwandlung, würde es doch sicherlich einige Zeit dauern bis er jeden Teilaspekt verstanden hatte...
Die Katze...
Zum erforschen jener Wesen verlies er die vertraute Dunkelheit und ging an die Oberfläche dieser Welt, vom gleisenden Licht der Sonnenstrahlen in der Sicht beengt machte er sich auf um ein geeignetes Subjekt ausfindig zu machen, dieses dann über einen Tageslauf zu begleiten und sich die Eigenheiten und das Verhalten einzuverleiben.
Fündig geworden wahrte er Distanz, studierte die Haltung und die Art und Weise der Fortbewegung. Rasch stellte er fest, dass es bereits kaum wahrnehmbare Geräusche der Umgebung waren, die die Aufmerksamkeit des Wesens auf sich lenkten. Sei es ein sich dem Wind beugender Grashalm oder die Laute der anderen Tiere.
Das Wesen schien sich federleicht fortzubewegen, das Aufkommen der ledernen Pfotenballen vermochte kaum ein Geräusch zu erregen, derartig gedämpft von dem Zusammenspiel der Gelenke. So war es dem Wesen möglich sich unbemerkt an eine pickende Feldlerche heranzupirschen um jene dann in einem günstigen Moment durch einen Biss in den Nacken zu überwältigen.
Lautlos und todbringend... das waren die Gedanken des Letharfen in diesem Augenblick. Ein niederes Wesen, und doch keines das unter allem anderen steht sondern seinen Platz in dessen Mitte fand.
Als der Vogel sein wohlverdientes Ende fand dauerte es nicht lange bis er von der Katze mitsamt seines Federkleids verspeist worden war, bis auf den letzten Rest. Anschließend leckte sich das Wesen an sämtlichen erreichbaren Körperstellen ab, jene die es nicht erreichen konnte – wie Nacken oder Hals – schabte es an einem Baum oder Ast.
Was ihm besonders auffiel war der spielerische Aspekt den das Wesen in verschiedenen Situationen verkörperte. Als der Vogel bereits dem Nackenbiss erlag schnickte es den toten Körper noch einige Momente lang hin und her, als wäre er ein Stoffknäuel. Imposant.
Die gemachten Beobachtungen sowie eine abschließende Zusammenfassung schrieb er sodann nieder um sie der Lethry alsbald vorlegen zu können.
'Die Wesenszüge einer Katze sind geprägt von instinktivem Jagdverhalten, Vorsicht, spielerischem Trieb und lautloser Flinkheit. Besonders aktiv in der finsteren Dämmerung und der düsteren Nacht ist es dem Wesen ein leichtes von seinen schärferen Sinnen zu profitieren und die in das pechschwarze Kleid der Nacht gehüllte Umgebung schärfer wahrzunehmen als am Tag.'
Die Fledermaus...
Am darauffolgenden Tag brach er erneut auf an die Oberfläche und machte sich auf den Weg in ein nahegelegenes Gewölbe. Unweit des Waldes stieg er hinab in die vertraute Dunkelheit, entledigte sich einiger Gestalten mithilfe seiner gewonnen Fähigkeiten und trat schließlich in einen kühlfeuchten Raum, an deren Decke etliche Fledermäuse hingen.
Der angehende Junglethyr beobachtete die Kreaturen erst aus dem Torbogen heraus, beschloss dann näherzutreten als die Wesen von seinen plätschernden Schritten scheinbar geweckt wurden. Unter verzerrten, kontinuierlichen Schreien stürmten sie auf ihn los, maltretierten ihn mit ihren Klauen und versetzten ihm Hiebe ehe er sie allesamt niederstrecken konnte.
Als die Wesen nacheinander zu Boden gingen griff er sich eins, sah es sich näher an. Dann riss er dem Wesen erst die Flügel aus, dann den Kopf ab, riss das Maul auf und blickte hinein. Das was ihm zu denken gab, waren die Laute die während ihres Ansturms von den Wesen ausgingen. Eine Art der Kommunikation? Eine Möglichkeit der Orientierung in der Dunkelheit? Er würde die Lethry dazu fragen.
Auch diese Erkenntnisse würde er niederschreiben und der Lethry mitsamt der vorhergegangenen übergeben.
'Die Fledermäuse bevorzugen die finsteren Gewölbe dieser Welt, der Kieferbau lässt auf ein Raubtier schließen. Bestens an das Leben in düsterer Umgebung angepasst scheinen sie ebenfalls in der Dunkelheit gute Sehkraft zu besitzen, oder aber sie nutzen ihre grellen Schreie als eine Art Orientierung. Ein Jäger, teils aktiv, teils passiv. Ich sah jene Wesen sowohl in einer Verfolgungshatz durch die Höhlen fliegen als auch wartend von der Decke hängend, bis sich ein geeigneter Augenblick des Angriffs bietet.'
Verfasst: Mittwoch 23. März 2016, 09:59
von Gast
'...dann übt es euren Willen auf das Tier zu übertragen...'
Seit die Aufgabe gestellt wurde waren einige Tage vergangen, die Rune als Mal der Zugehörigkeit zierte die linke Schulter des Letharfen und erinnerte ihn an den Pfad den er bisher bestreiten musste um sie zu erlangen.
Erkenntnis...
Die letzten Tage verbrachte er damit die Wirkungen eines geeigneten Toxins herauszufinden, welches er dann in den Blutkreislauf eines Wesens an der Oberfläche einspeisen würde.
Es ging darum, den Willen einer niederen Kreatur zu unterwerfen, ihn gefügig zu machen und zur gehorsam zu zwingen. Gleichwohl aber auch um Dominanz, Beherrschung und vollkommene Überlegenheit die es galt zu vermitteln. Dazu versuchte sich der Letharf an verschiedensten Reagenzien die er auf der Jagd nach Kreaturen fand, einige verursachten unsägliche Schmerzen, ließen ihn für mehrere Stunden geschwächt werden, andere wiederum verhalfen ihm zu geistiger oder körperlicher Stärke.
Es dauerte eine ganze Weile bis er eine adäquate Möglichkeit fand den Geist eines Wesens zu benebeln, ihn in eine undurchlässige Silhouette der Unwirklichkeit zu zwingen. Er war sich der Tatsache bewusst, dass ein durch das Toxin benebeltes Wesen um den Verstand oder gar um sein kümmerliches Dasein kommen könnte, selbst wenn es bei ihm schnell abgeklungen war und ihn seine Umgebung nur kurzzeitig verändert wahrnehmen lies. - Das Ausmaß der Wirkung würde an den Testobjekten eine andere Dimension annehmen.
Molchaugen und einige Splitter totes Holz...
Er hatte eine wage Vorstellung der Bestandteile die es zu vermischen gilt um die gewünschte Wirkung herbeizuführen, über die Dosis der einzelnen Reagenzien wusste er nichts, ebenso wenig etwas über die Kausalität einer letalen Wirkung. Nur die Anwendung und die Beobachtung würden die Erkenntnis bringen.
Nachdem er sich die nötigen Reagenzien beschafft hatte und sie unter Hinzugabe von Flüssigkeit verarbeitete machte er sich auf an die Oberfläche und hielt Ausschau nach einem Mufflon – ein aufgrund der Trägheit und schwächlichen Friedfertigkeit geeignetes Subjekt für den ersten Versuch.
- I. Versuch
22. Lenzing 259
Alatarisches Reich, Umland der Siedlung Grenzwarth
Objekt: Mufflon.
„Das erkorene Subjekt nahm die Flüssigkeit wider Willens auf. Es dauerte nicht lange da wurde es zunehmend unruhig, geriet in Rage und begann mit den Hufen zu scharen. Der friedfertige Ausdruck wich dem Wesen aus der Visage, als würde sich ein Schleier des Zorns und der Angst über jenes legen.
Es wehrte sich gegen meinen gewaltsamen Griff, versuchte dem zu entfliehen und starrte mich mit blutunterlaufenen, pulsierenden Augen an. Ein Zustand der Panik, unberechenbar und schwer zu beherrschen.
Ich lockerte den Griff und sah dem davonrennenden Tier nach. Es sprintete gen des dichteren Waldes und rannte gegen mehrere Bäume, stolperte über Geäst und brach sich mit Sicherheit einige Knochen.
Eine zu hohe Dosis, oder ein zu schwaches Wesen.“
Weitere Versuche folgten, das gleiche Mischverhältnis wurde an einem Hasen und an einem Hirsch getestet. Der Hase verendete in Sekundenschnelle. Der Hirsch schnaubte und toste, baute sich zunächst vor dem Letharfen auf bis die Agressivität von Angst übermannt wurde.
Es waren wichtige Erkenntnisse die der angehende Junglethyr gewinnen konnte. Ein stärkerer Körper verkraftet eine höhere Dosis, ein schwächeres Wesen jedoch weitaus weniger.
Verfasst: Dienstag 5. April 2016, 09:23
von Gast
Mehrere Tage waren vergangen, die inzwischen verstrichene Zeit verbrachte er damit zu neuen Erkenntnissen zu gelangen und die Weiten der Oberfläche zu entdecken. Die Unterweisungen durch die Lethry kamen vorerst zu einem Ende, er war sich darüber im Klaren, dass es nicht mehr lange dauern könnte bis er all jenes Wissen anwenden musste um die auferlegte Prüfung bestehen zu können - wie diese auch aussehen mag.
Ein Amulett aus Hexenstahl...
Das wurde benötigt. Filigran gearbeitet und mit einer Öffnung nach Innen, sodass man einen Kristall einfassen könnte welcher seine Wirkung einzig und allein an den Tragenden abgibt. Vielleicht würde es der ein oder andere Probant nicht überstehen ein solches zu tragen... oder aber die Schattenwesen würden dennoch aufmerksam genug um eben jenen heimzusuchen.
Ein vermeintlich schwierigeres Unterfangen als zunächst angenommen, mit einer nicht zu ahnenden Auswirkung.
Er wusste den Umstand noch nicht einzuordnen...
Sind die Arkorither und die Akademien obgleich ihres Wirkens nicht dazu fähig ihre Erwachten ausreichend zu schützen?