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Alles steht Kopf

Verfasst: Sonntag 28. Februar 2016, 23:44
von Kiara Thanel
Was war nur los mit mir? In den letzten Jahren hatte ich es endlich geschafft mich zu verschließen, mich zu schützen und vor etwas zu bewahren, dass ich nie wieder durchleben wollte.

Stundenlang stand ich vor dem Spiegel und betrachtete mich. Immer wieder versuchte ich mir einzureden wie gut es mir eigentlich ging. Doch die Wahrheit sah anders aus. Meine Haut war blass, viel zu blass. Meine Kleidung saß nicht mehr ganz so eng wie sie es einst tat und jedes mal wenn ich etwas essen wollte, drehte sich mir der Magen um. Schlaf war nur noch ein fremdwort und meine Nerven waren zum zerreissen gespannt. Die Illusion die ich mir schuf lies die Tage angenehmer erscheinen. Meine Freunde jedoch waren diejenigen, die mich tag täglich in die schier unerträgliche Realität zurückholten und mich daran erinnerten wie mein Zustand wirklich war. Die Luft die ich in meine Lungen einsog fühlte sich erdrückend an. Ein unangenehmes Gefühl breitete sich jedes mal auf meiner Haut aus, gepaart mit einem unangenehmen stechen, tief in mir.

Langsam schloss ich meine Augen und lies den Tag an mir vorbei streichen. Irgendetwas sollte wohl heute in der Arena stattfinden und ernsthaft dachte ich auch noch darüber nach, dort hin zu gehen. Die fehlenden Aushänge hätten mich gleich skeptisch werden lassen sollen. Da die Jagd schon am frühen Nachmittag beendet war, machte ich mich fertig und ging eine Runde durch Rahal. Nicht wirklich achtete ich darauf wohin ich lief und fand mich in einer schmalen Gasse wieder. Das erklingen von Glöcken die an ein paar Knochen hingen erregten meine Aufmerksamkeit. Das Ladenschild war mir fremd und auch die Atmosphäre die von dem Laden ausging war auf seine ganz eigene Art und Weise mysteriös. Doch irgendetwas lies mich näher an das Haus herantreten. Ich zögerte erst einmal und entschloss mich am Ende doch noch an die Tür zu klopfen. Ich wartete... wollte wieder gehen und mit einem mal öffnete sich die Tür, quittiert von einem leisen, unangenehmen quitschen, welches einem die feinen Nackenhärchen zum stehen brachten.

Das Innere des Hauses hinterlies eine spur von eisiger kälte auf der Haut. Ebenso wie die Stimme des Mannes der den Laden führte. 'Der Wanderer', so nannte er sich. Noch nie hatte ich mich auf ein Gespräch mit einem Rabendiener eingelassen. Der Blick der mich erfasste schien mich zu durchdringen. Was mich umso mehr dazu brachte den Blick abzuwenden. Wenn es wirklich einen Weg geben sollte meinen Kummer und das was mich plagt auszulöschen, wie hoch wäre dann das Attribut? Was wäre das Opfer und vor allen was würde mich erwarten? Ein Opfer für einen neuen Weg? Sollte ich wirklich dafür zahlen um ein 'neues' Leben zu führen oder sollte ich weiter meinen Träumen hinterher jagen und wieder in mich einkehren? So sehr es mir unbehagen bereitete bei ihm im Laden zu sitzen, so sehr kam ich dann auch zum nachdenken.

Als ich den Laden verlassen hatte ging ich zur Arena. Tief versunken in meinen Gedanken. Gedanken die 'Der Wanderer' auslösten. Gedanken die mich zu einer Entscheidung führen würden. An der Arena angekommen, holte mich wieder das hier und jetzt ein. Sie war leer. Die große, prächtig wirkende Arena war leer. Eine klufft bildete sich in mir wie ein Abgrund der seine Arme ausbreitete um mich in einer sanften Umarmung zu empfangen. 'Ich überlege es mir...'. Worte die ich nun bereute. Wieso war ich so dumm? Weshalb musste ich dem folgen was ich 'fühlte' und hier her kommen? Der Regen prasselte hart auf mich nieder und brachte eine eisige kälte mit sich. Mit meinen Unterarmen stützte ich mich am Rand des schützenden Geländer ab und fragte mich immer und immer wieder... Wieso? Die kälte die sich bereits bis tief in mein Mark gegraben hatte spürte ich schon gar nicht mehr. Mein Haar klebte mir in feinen Strähnen an den Wangen. Bestimmt war schon eine Stunde vergangen, vielleicht sogar mehr. Seufzend wandte ich mich um und verlies die Arena. Mein Weg führte mich nach Düstersee. Enomis hatte den Laden geöffnet, also leutete ich die Glocke am Eingang.

Enomis war eine meiner ältesten Freundinnen und auch ihr entging nicht, dass etwas nicht stimmte. Sie gab mir erst einmal warme Kleidung und ein Glas Schnaps um die kälte die sich in mich gebohrt hatte durch Wärme zu ersetzen. Als sich der Vicarius, vorerst, verabschiedet hatte hatten Enomis und ich uns nach unten gesetzt. Dummerweise hatte Duncan den Weg zu Enomis Laden genommen. Seine Anwesenheit lies mich die Zähne dermaßen zusammen pressen, dass mir schon die Zähne weh taten. Er war immernoch der Meinung mir Sachen an den Kopf zu werfen, die ich nicht hören wollte, obwohl er ja auch recht hatte. Er war jedoch der erste der mir sagte, wie sehr ich mich verändert hatte. Ja es stimmt, ich habe mich verändert. Habe mich auch zurückgezogen und verschlossen. Es war ein Zustand mit dem ich in den letzten Jahren mehr als gut umgehen konnte und mir auch so sehr recht war. Das einzige was mich zum lachen brachte war als Enomis die Tür öffnete und Duncan einen Tonkrug mit Apfelwein in sein Gesicht geshüttet hat. Tja.. Das hat man davon, wenn man gegen die Tür tritt und Enomis sich im selben Moment dagegen lehnt. Und ich war ehrlich gesagt froh.. sehr froh als er endlich weg war. Es fiel mir sehr schwer doch an diesen Abend habe ich Enomis mein Herz ausgeschüttet. Es war das erste mal und sie war die einzige davon wissen würde. Nun wusste Eno auch, dass ich bei 'Dem Wanderer' war und ich meine Entscheidung gefällt hatte. Das Gespräch war lang und ausgiebig und obwohl die ganze Last von meinen Schultern gefallen war, fühlte ich mich schlecht, sehr schlecht. Ich ging Heim, sagte ihr, ich würde mich hinlegen. Und nun? Nun stehe ich hier vor meinem Spiegel. Betrachte seit Stunden die Person die sich so fremd wurde.

Irgendwann schaffte ich es mich ins Bett zu legen. Die Weiche Matratze unter mir federte leicht und sofort überkam mich ein leichtes Gefühl von Schwindel, ehe ich in einen tiefen aber sehr unruhigen Schlaf fiel.

Verfasst: Mittwoch 2. März 2016, 15:19
von Kiara Thanel
Schwarz war der Nebel der mich umgab. Ein Meer so schwarz wie Pech lag vor mir, während ich einsam und verlassen auf einer Insel aus Stein saß. Ich kannte diesen Ort hier nur zu gut. Das leise rascheln von Ketten, die immer wieder gegen den schweren Felsen trafen und teils auf dem Boden schleiften, erklang. Ich spürte es. Spürte die unangenehme Präsenz die mir schon so oft erschien. Sie kniete hinter mir nieder und fuhr mit den Fingerspitzen die Konturen meiner Wange nach. Mein Herz wurde mir mit einem mal schwer und die schwere Luft bohrte sich erstickend in meine Lungen. Ein eiskaltes lachen, nah an mein Ohr gehaucht, lässt meinen Körper erzittern. ''Sieh an... So lange haben wir uns nicht gesehen. Wieder einmal hast du die Grenzen all deiner Zweifel und dem Schmerz überschritten. Wie du siehst, kann dein Leid doch noch weiter anwachsen. Ich sagte dir damals schon... Lass mich führen. Doch nur warst so dumm und naiv, hast doch tatsächlich geglaubt, du könntest ein glückliches Leben führen. Glaubst du ernsthaft, es würde jemals dazu kommen? Glaubst du... tatsächlich du wärst es wert? Meinst du, soetwas wie ein 'glückliches' Leben gibt es? Willst dem ganzen nicht endlich ein Ende setzen? Wie ich sehe, bist du bereits am Ende angelangt. Es ist nur noch ein kleiner Schritt. So winzig klein, dass du es püren, das du es beinahe schon schmecken kannst. Ein kleiner Schritt und du wirst all deine Sorgen los.''

Obwohl ich die kälte kaum noch spürte, durchfuhr mich ein eisiger Schauer. Kälter als alles andere was ich je kannte. Ja, ich wusste was sie meinte und.. ja es war nur noch ein winziger Schritt. Doch sollte ich es wirklich wagen? Diesen einen Schritt wirklich gehen?

Die zaghaften Finger wanderten um meine Taille. Ein harter Gegenstand fand den Weg in meine Hände. Ihre Finger verschlossen sich mit meinen und übten Druck auf den Griff aus, an dessen unteren Ende sich eine klar schimmernde Klinge befand. Nur ein stoß... Ein ruck durchfuhr mich und ein Gefühl von Taubheit breitete sich langsam in mir aus. Die Luft in meinen Lungen wurde immer kälter und bedrückender. Und erneut drang das leise, kalte lachen an meine Ohren, während ihre Lippen mein Ohr streifte. Ich spürte wie das Blut sich seinen Weg suchte. Es langsam aber fließend erst meine Handrücken und dann an meinen Fingern nach unten wanderte, bis der erste Tropfen den Boden berührte. ''Nur ein Schritt...''. Ein letztes mal erklang das kalte lachen, ehe ich schweißgebadet aufwache. Hektisch atmend richtete ich mich in meinem Bett auf und tastete mit zitternden Fingern meinen Körper ab. Wieder war es nur ein Traum. Einer der mich bereits sagen Tagen verfolgte, um mir den erholsamen Schlaf raubte, den ich seit nunmehr zwei Wochen vermisste. Ich legte mich wieder hin, würde wie so oft vergebens versuchen ruhig zu schlafen. Doch immer wieder hallten die Worte tief in mir nach. ''Nur ein Schritt.. Ein winziger Schritt.''

Verfasst: Samstag 5. März 2016, 16:46
von Albertus Kaemmerer
*Ist Kiara Verflucht? Verdammt? oder Verrückt? Vielleicht all das, doch was hat dieser eine nicht ganz unscheinbare Diener damit zu tun. Sein Werk ist ihr Lebensweg bisher nicht gewesen, doch wird es sich zeigen in sehr naher Zukunft ob dieser Diener es sein wird. Es bedarf nicht die Macht Kra'thors in den Geist eines Menschen einzudringen. Es bedarf Worte...

Genau diese Worte sind es, die in Kiaras Geist eingedrungen sind, sich an ihren Gedanken laben wie Maden, wie Insekten welche man meint unter der Haut zu spühren, doch wenn man genau hinsieht? Sind dort keine. Es ist diese Art der Manipulation, welche sich völlig selbst entwickelt, und dennoch lenkbar ist. Natürlich könnte dieser eine Diener sie besuchen, sie direkt konfrontieren, aber warum? Es gibt einen viel leichteren Weg diese Geschudene zu Formen, um sie zu einem Werkzeug zu machen. Natürlich nützt man damit einen Rahalischen Bürger aus, jedoch wird jener es je merken? Es wird ihr dienen, ihr helfen, doch unwissentlich wird sie Kra'thors dienst verrichten.

Man darf aber nicht vergessen die Saat zu gießen, und dabei ist zu beachten sie nicht zu ertränken. Daher wird Kiara einen kleinen Schubser finden, da sie schließlich schon lange genung mit ihren Gedanken alleine gewesen ist.

Das Haus von ihr ist schließlich kein Geheimnis und ein schlichter Bote aus Rahal legt ihr einen Brief auf die Türschwelle. Schlichter Umschlag, einfaches Papier und zweckmäßiges Siegel sind die Bestandteile. "An Kiara Thanel" ist zu lesen und beim öffnen:

"Kind es wird zeit. Du wirst von Mir erwartet und folge den Ruf.
 Der Wanderer"

So einfach die Worte auch gewählt sind, hinter jeder Silbe verbirgt sich etwas ... und nun bleibt zu warten ob das Kind den Rufe folgt ...

Verfasst: Montag 7. März 2016, 14:00
von Kiara Thanel
Das Brüllen eines Zweikopfes zerschnitt die eisige Luft in Frostklamm und erfüllte sie mit seinem erstickenden gurgeln. Ein anderer Zweikopf kam auf sie zu, weiter rechts neben ihr ein Troll. Die riesige Bestie mit den zwei Köpfen packte die schwarzhaarige Kriegerin und im selben Augenblick stieß sie die Klinge nach hinten in seine Brust. Die Spitze durchbohrte sein Herz und lies ihn taumeln, so dass Kiara wieder losgelassen wurde und gerade noch so auf den Füßen landete. Der Troll war der nächste der die mittlerweile rot glänzende Klinge zu spüren bekam. Als die dicke, ledrige Haut am Bauch zerschnitten wurde und all seine Innereien den schneebedeckten Boden besudelten, versteckte sich die junge Frau in einen der leeren, einst bewohnten, Häusern. Nachdem sie kurz verschnaufft hatte tratt sie wieder hinaus in die Schlacht. Die Jagd war eine halbwegs gute Ablenkung gewesen bei der man sie nicht störte. Alleine sättigte sie sich an der Mordlust die ihr diese Bestien bescherrten und würde so wenigstens für wenige Augenblicke ihre wahren Sorgen in den Hintergrund drängen können. Wie ein Berserker kämpfte Kiara sich bis tief in das Innere des Eisgrabes. Ihre körperliche Lage und die stark beschädigte Rüstung erschwerten ihr das Jagen.

Wieder schweiften ihre Gedanken ab. Hinter ihr lagen bereits die Leichen der Schnee- und Eiselementare. Für gewönlich brauchte die erfahrene Kriegerin nicht so lange doch mit jeden Tag, den sie in dieser eiskalten Höhle verbracht hatte, wurde auch die Klinge ihres Schwertes stumpfer. Für einen kurzen Augenblick hatte sich Kiara in einer Felsspalte versteckt und verschnauffte. Die Gedanken die sie einholten brachte sie dazu ihre zarte, glatte Stirn und Falten zu legen. Sie legte die behandschuhte Hand auf den Kopf und schloss die Augen. Ein leichter Schmerz bagann sich ziehend in ihren Kopf zu schleichen. Erst langsam und dann immer aggressiver. Einen schlichten Brief hatte sie vor drei Tagen vor ihrer Tür gefunden. Der Wanderer erwartete sie, doch Kiara war sicher nicht so dumm sich darauf einzulassen. 'Kind es wird Zeit. Du wirst erwartet und folge den Ruf.'. Wieso hatte er sie erwartet? Zuerst war sich Kiara sicher, dass er sie schnell wieder vergessen hatte und war froh einige Tage nichts von ihm zu hören. Doch nun? Ein Schauer kroch ihre Wirbelsäule von unten nach oben hinauf, bohrte sich tief in ihr innerstes. Diese Bestimmtheit die in dem Brief zu lesen war. Sie war beinahe schon greifbar. Wieso sollte sie den Ruf eines Rabendieners folgen? Eine gute Idee war das sicher nicht und das hatte sie im Laufe der Jahre nur zu oft zu spüren bekommen.

Nicht nur das es ihr an schlaf und ausreichender Ernährung mangelte. Das Blut in ihren Adern pochte so rassand das Kiara oftmals Probleme damit hatte, gerade zu stehen. Und nun kam doch tatsächlicher dieser Rabe hinzu. Was hätte sie denn schon, dass er von ihr erwarten könnte? Irgendwelche widerwertigen Sachen die sie für ihn beschaffen sollte? Nein danke.

Verfasst: Samstag 12. März 2016, 00:32
von Kiara Thanel
Mitten in der Nacht

Die Nacht war wieder zu kurz, viel zu kurz. Tief im Schlaf gefangen bewegte sich der abgeschwächte Körper hin und her, welzte sich von einer Seite auf die andere. Wie jede Nacht tauchte das selbe Bild vor ihren Augen auf und diese Stimme, ihre Stimme. So kalt und unerbittlich. Die Vorwürfe die sie sich selbst machte, waren kaum noch zu ertragen. Ihr körperlicher und geistiger Zustand waren wohl die gerechte Strafe gewesen. Sie war diejenige die damals ihren Mann verlassen hatte. Kiara war es auch, die ihn im Sumpf seiner Psychose vollkommen alleine stecken lassen hatte. Und was war geschehen? Er hat angefangen scheiße zu bauen und wurde in Gefangenschaft genommen, vor den Bürgern Rahals malträtiert. War auch das Kiaras Schuld? Was war mit Raphael? Der Mann den ihr Vater für sie aussuchte, als sie langsam zur Frau heranwuchs? Raphael war tut, wurde von ihren Mann getötet und ihr Vater? Der war mit einem mal wie von der Erde verschluckt. Und ihre Mutter? Immer mehr verlor sie den Verstand, mit jedem Jahr, andem ihr Vater weiterhin nicht wieder auftauchte. Genauso wie ihr Bruder, Leon, der unter ihrer gemeinsamen Mutter litt. Und wessen Schuld war das? Kiaras.... Was war mit Sarah? Sie liebte ihre Tochter mehr als alles andere. Doch jedes mal keimte das schlechte Gewissen in der jungen Mutter auf, wenn sie nach ihren Vater suchte oder fragte. Diego war abgehauen als Sarah gerade einmal etwas älter als ein Jahr alt war. Von einer Nacht auf die andere war er nicht mehr da. Auch hierfür gab sich Kiara die Schuld. Und die Strafe sollte folgen. Sie hatte nach Jahren gelernt sich zu öffnen und Gefühle zuzulassen und wurde schmerzlich und bitter enttäuscht. So wie auch sie dafür jemanden schmerzlich enttäuscht hatte. Wieso also sollte Kiara es noch wert sein zu leben? Kiara war doch die Wurzel all des Übel, welches sie verursacht hatte. Sie war schuld und sie war diejenige die alle mit sich ins Unglück stürzte.

Das sanfte, verführerische kichern brannte sich tief in ihre Gedanken ein. Und mit jeder Nacht, indem sie immer und immer wieder den selben Traum durchlebt, fühlt sich es sich wirklicher, realer an. Wie in jeder Nacht drückte ein tief verborgener Teil ihres Wesens ihr den kunstvoll geschwungenen Dolch in die Hände. Als sie wieder die kalte Klinge durchbohrt, schreckte die junge Fraug aus ihrem Schlaf auf. Erneut war sie schweißgebadet und überzogen von einer Gänsehaut die sich über ihren ganzen Körper ersteckte und sie frösteln lies. Begleitet vom rassenden pulsieren ihres Blutes rollte sich die junge, schwarzhaarige Mutter auf die Seite. Mitlerweile fühlte es sich so erschreckend echt an, dass sie sogar noch schmerzen hatte, nachdem sie aufgewacht war. Das Blut das über ihre Finger floss, aber nicht wirklich da war, fühlte sich warm und klebrig an. Es dauerte eine Weile, ehe Kiara sich beruhigt hatte, die Nacht für sie 'beendet' war und sie sich wieder versuchte, durch irgendetwas abzulenken.


Am späten Abend

Sorgen... Sorgen.... Wieso verdammt machten sich auf einmal alle anderen solche Sorgen um die junge, schwarzhaarige Kriegerin? Immer wieder schoss Kiara diese Frage in den Kopf. Kaum war sie in Bajard angekommen, um sich beim Oger ein wenig ihren Gedanken hinzu geben, dauerte es nicht lange bis Lauren auftauchte. Bevor Lauren es bemerken konnte, steckte Kiara den Brief in ihre Tasche den sie vom 'Wanderer' erhalten und in den letzten Tagen mit sich herumgetragen hatte. Widerwillig lies sie sich überreden und kam mit zum Lagerfeuer. Wieso mussten Lauren und Richard auch ausgerechnet heute auf Kiara einreden? Die Nacht war wieder kurz... viel zu kurz gewesen. Und obwohl sie ihr das vor Augen hielten, was für Kiara schon so lange offensichtlich war, verschlechterte es nur die Laune der jungen Kriegerin. Noch immer mühte sie sich ab so zu tun als würde es ihr gut gehen, auch wenn ihr äußeres andere Bände sprach.

Vielleicht würde sie die beiden auf ein anderes Thema bringen können und holte also ein paar Flaschen leichten Schnaps aus ihrer Banktruhe. Am Lagerfeuer stellte sie die milden Getränke ab und genehmigte sich selbst den einen oder anderen Schluck. Im Laufe der letzten Wochen hatte sie nicht nur angefangen kaum etwas zu essen, sogar der Geschmack vom Alkohol war mittlerweile so fad, dass sie die Flasche einfach wegstellte. Aber vielleicht lag es ja auch einfach nur daran, dass Kiara kaum noch Alkohol zu sich nahm. Und erst recht nicht wenn Sarah bei ihr war. Nur gut, dass sie ihren kleinen Zwerg für einige Tage im Rakun lassen konnte. Sarah freute sich jedes mal aufs neue, wenn sie ShaRar besuchen durfte. Kiara hatte sich wohl mehr als genug getäuscht, als sie dachte, die Flaschen würden Richard davon abhalten ihr eine prädigt zu halten. Wieso eigentlich? Er kannte sie doch kaum. Kannte weder ihre Vergangenheit, geschweigedenn den Grund ihres Zustandes.

Irgendwann platzte der jungen Kriegerin der Kragen. Mit dem einen oder anderen mochte Richard zwar recht haben. Es war für Kiara auch so schon beschämend genug ausgerechnet bei der Jagd unachtsam zu sein. Und noch peinlicher war es für sie, dass Richard ihre von Blutergüßen übersähten Arme gesehen hatte. Kiara wollte es nicht, konnte es nicht mehr hören. Sie brauchten sich nicht um sie Sorgen und sie wollte auch niemanden sorgen bereiten. Mürrisch erhob sie sich und ging. Vielleicht sollte sie die Tage einfach nur Zuhause bleiben und dabei zuschauen, wie die Flammen über den Brief des Wanderers leckten, den sie in ihren Kamin verbrennen lassen würde.