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(Un)willkommene Erinnerungen

Verfasst: Montag 22. Februar 2016, 14:56
von Selina Talmar
Dunkle Mauern, nur spärlich vom Licht des Mondes erhellt, taten sich vor ihr auf. Rückten näher, drohten sie zu erdrücken, einzustürzen zu begraben. Sie öffnete den Mund um zu schreien, doch kein Laut entwich ihrer Kehle. Ihre Kehle fühlte sich wie zu geschnürt an. Es fühlte sich an, als ob sich unsichtbare Finger um ihren Hals schlossen um sie zu ersticken.
Erneut versuchte sie zu schreien sich zu lösen. Panik stieg in ihr hoch, drohte sie zu überwältigen. Tief bohrten sich ihre Fingernägel in ihre Haut an den Unterarmen, ritzen sie auf. Blut sickerte an ihren Händen herunter. Langsam drang der Schmerz in ihr Bewusstsein, holte sie zurück. Ließ sie wieder klarsehen.
Kurz danach hob sie den Blick um sich erneut umzusehen.
Die Mauern waren schwarz, aber nicht von Natur aus, hier und da blitzen helle Stellen unter der Schicht aus Rus und Staub hervor. Eine Ruine, überwuchert von Farnen und Ranken, hier und da hatte sich der Wald die ehemalige Festung schon vollkommen zurückerobert und junge Bäume wuchsen in die Höhe. Sie schätze sie vielleicht auf 10 Jahre. Der Ort wirkte verlassen, seltsamer Weise nicht nur von Menschen, auch Tiere schienen hier nicht häufig her zu kommen und den Ort zu meiden. Weiter glitt ihr Blick über die Ruine. Tief im inneren sah sie reglose Körper liegen. Das konnte nicht sein. Viel zu lang war das Feuer her, das die Festung vernichtete und der Wildnis herum zurückgab. Ein scharfer Schmerz durch zuckte sie. Sie kannte diesen Ort. Sie war schon einmal dort gewesen. Wieder blickte sie sich um und sah einen Schatten an einer der Wände entlang huschen. Eine Gestalt ganz in Schwarz gehüllt, zierlich und unscheinbar. Kurz flog die Kapuze bei einer schnellen Bewegung zurück und entblößte schwarzes Haar. Es war ihr als sah sie dem Schatten von ob zu. Wieder sah sie hin und enddeckte ein Blutgetränktes Messer in der Hand des Schattens. Sie erkannte die Klinge. Und ohne sie genauer zu sehen, wusste sie, dass die Klinge ein fallender Stern zierte. Es war ihre eigene Klinge und ihre Hand, die diese führte. Aber wie konnte das sein? Wie kam sie hier her und wo war sie eigentlich? Wann hatte sie die Haare je schwarz getragen? Und warum sah sie sich selbst? Sie versuchte sich abzuwenden, aber auf irgendeiner Weise wurde sie von dem Schatten unter sich mitgezogen. Konnte sich nicht abwenden. So folgte sie ihm weiter und weiter, tief in die Ruine herein. Immer wieder versuchte sie ihr seltsames ich unter sich zu warnen. Doch sie konnte nur stumm zusehen. Wieder tauchte ein Schatten vor ihr auf. Diesmal größer als der ihre. Tief drückte sie sich in eine Nische und zog sich an den Ranken ein Stückweit nach oben. Als der andere Schatten an ihr vorüberging, ließ sie sich geräuschlos zu Boden gleiten und rammte dem anderem die Klinge tief in den Rücken. Gurgelnd sackte er zusammen, wollte noch schreien, doch der Mund öffnete sich ohne auch nur einen Ton hervorzubringen. Über ihn stieg ein Schemen hinweg, unter ihm breitete sich eine Blutlache aus, kurz bevor er den Atem das letzte Mal ausstieß, wurde ihm bewusst, dass dieser unscheinbare Schemen ihm den Hals durchtrennt hatte, bevor er sich auch nur rühren konnte. Er sah die Klinge noch einmal kurz aufblitzen, dann wurde es dunkel um ihn.
Er war nicht der erste und nicht der letzte der so starb, während sie sich tiefer in die Gewölbe der Ruine hinabarbeitete. Dann am Ende eines Ganges sah sie Licht. Rotes Licht. Und wieder durchzuckte sie ein Schmerz. Diesmal riss er sie von der Szene los. Löste sie von dem schwarzhaarigen mordenden Wesen. Sie keuchte auf, schrie. Diesmal hörte sie auch den Schrei, er stand im Raum und verhallte nur ganz allmählich in dem von schummrigen Licht erhellten Keller. Es wurde dunkel vor ihren Augen und sie fühlte nur noch wage den harten Steinboden unter sich, bevor es still wurde.

Tief in ihrem inneren merkte sie wie sie hochgehoben wurde und wieder abgelegt. Ihr stieg der Geruch von Blut in die Nase und erneut drängten sich die Bilder in ihr Bewusstsein. Hielten sie fest und drohten sie wieder mit sich zu ziehen. Wieder ergriff die Panik von ihr Besitz. Sie spürte Hände die sie berührten. Eine Stimme drang in ihr Bewusstsein. Doch sie erkannte sie nicht. Sie wollte sich schützen und suchte ihren Dolch. Tastend wanderten ihre Finger zu ihrer Hüfte, bis sie schließlich merkte sie, dass sich ihre Finger um den so vertrauten Griff schlossen und sie die Klinge aus der Halterung befreien konnte. Sie versuchte die Augen zu öffnen. Doch es gelang nicht. Auch wenn ihre Augen den Dienst verweigerten, waren ihre Sinne geschärft. Sie hörte wieder die Stimme und fühlte erneut eine Berührung diesmal stärker und fester. Noch immer im Bann der Bilder gefangen schwenkte sie den Dolch in die Richtung aus der sie die Stimme vernommen und die Bewegung gespürt hatte. Ein unterdrückter Schmerzenslaut sickerte zu ihr durch. Dann ein Fluch, der ihr wage bekannt vorkam. Wieder versuchte sie die Augen zu öffnen. Diesmal gelang es ihr ein Stück.
Sie sah einen zerrissenen Vorhang und dämmriges Licht. Schnell schloss sie die Augen, das Licht schmerzte zu sehr.
Stechende Schmerzen in ihrem Kopf ließen sie zusammenzucken. Breiteten sich aus und veranlassten ihren Magen dazu sich zusammen zu krampfen. Stöhnend beugte sie sich zur Seite und erbrach sich. Krämpfe schüttelten sie und es dauerte eine Weile, bis der sengende Schmerz wieder nachließ und sie sich wieder entspannen konnte. Der Schmerz hatte zur Folge, dass sie wieder die Besinnung zu verlieren drohte. Sie kämpfte dagegen an. Der Strudel um sie herum verlangsamte sich wieder und die Dunkelheit verflog allmählich. Jetzt nahm sie auch ihre Umgebung wieder genauer wahr. Sie schloss die Augen und rieb sich die Schläfe. Dann öffnete sie sie wieder und erkannte die Bettvorhänge als die ihren. Warum waren sie zerrissen? Sie versuchte sich aufzusetzen. Wenn sie in ihrem Bett war, warum hatte sie immer noch den Geruch von Moss und Blut in der Nase? Stöhnend rieb sie sich wieder den Kopf. Was war passiert?
„Das wüsste ich auch gerne“ drang eine mühsam beherrschte Stimme an ihr Ohr. Die Stimme war wütend und es klang noch etwas Anderes mit. Schmerz? Angst? Ratlosigkeit? Sie konnte es nicht genau sagen. Aber sie drehte sich zu der Stimme um. Ihr Herz setzte einen Moment aus. Was sich ihr da bot, hatte sie schon lange nicht mehr gesehen und es drohte ihr erneut die Luft zu rauben. Vor ihr saß der Mann, der seit so vielen Jahren ihr Leben teilte. Grimmig schaute er sie an, doch seine linke Hand war auf seinen rechten Unterarm gepresst. Blut sickerte unter den Fingern empor. Sie sah eine tiefe Wunder unter seinen Finger. Er hatte grade versucht den Arm abzubinden. Doch so wie es aussah, war ihm dies nur mäßig geglückt.
Was bei allen Göttern war geschehen? Warum hatte er nichts auf die Wunde gedrückt? Warum hatte er versucht den Arm abzubinden? Und wie lange saß er schon so da? Sie sah ihn vollkommen geschockt an, unfähig sich zu bewegen. Aber nicht das Blut war es, was sie erstarren ließ. Neben ihm lag ihr Dolch. Der Dolch den er ihr einst selbst schenkte. Niemand außer ihr hatte je die Klinge angefasst. Sie hatte ihn verletzt. Die Erkenntnis traf sie wie ein Schlag. Sie keuchte auf und versuchte den neu aufkommenden Schmerz in ihrem Kopf zu verdrängen.
„Weib hör auf mich anzustarren und tu verdammt noch mal etwas“ Riss sie die grummelnde Stimme ihres Gemahls aus der Starre heraus. Jetzt realisierte sie auch, warum er zuerst versucht hatte den Arm abzubinden. Das Gift. Wie ein Blitzschlag traf es sie und mit einem Schlag war sie wieder ganz bei Sinnen und funktionierte. Sie band den Arm gründlich ab und suchte das Gegenmittel in ihren Sachen. Ihr Glück war, dass das Gift vor längerer Zeit auf die Klinge aufgetragen wurde. Mechanisch versorgte sie die Wunde und reichte ihm das Gegenmittel. Dann wand sie sich von ihm ab. Sie hatte ihn verletzt. Nach all den Jahren hatte sie ihre Klinge gegen ihn erhoben. Taumelnd erhob sie sich. Das durfte nicht wahr sein. Was hatte sie so handeln lassen. Ihr Kopf schmerzte und sie versuchte sich zu erinnern, was in den letzten Minuten oder Stunden geschehen war.
„Ich hab dich bewusstlos auf dem Boden gefunden. Vor gut einer Stunde“ Was? Sie hielt in der Bewegung inne und starte ihn wieder an. „Du hast laut gedacht und das war die Antwort auf deine Frage. Ich habe dich ins Bett gelegt, du hast dich gewehrt und die Vorhänge dabei zerrissen. Und als ich deine Arme verbinden wollte, musste ich dich etwas stärker festhalten. Wobei mir einfällt leg bitte demnächst zu Hause die verfluchten Messer ab.“ Kam die sarkastische Antwort. Die sie aber dazu veranlasste ihn genauer anzusehen. Er war blass und wirkte müde, doch unverkennbar war die Sorge in seinem Gesicht. Und die galt definitiv nicht seiner Wunde.
Beschämt sah sie auf ihre Hände und bemerkte dann auch den Verband an dem einen Handgelenk und die Wunde an ihrem anderen. Die Wundmale sahen aus wie Fingernägel. Tief seufzte sie. Es war also kein Traum gewesen. Sie hob wieder ihren Blick und sah in seine fragenden Augen.
„Erzähl mir was passiert ist bevor du mir ans Leben wolltest“ Forderte er sie sanft auf. Sie nickte aber vorher verschwand sie nach oben um Tee zu kochen. Mit den dampfenden Tassen in der Hand kam sie wieder zu ihm zurück und setzet sich ihm gegenüber.
Stockend erzählte sie ihm was sie gesehen hatte und auch, dass es wohl kein Traum war, sondern eine längst vergessene Erinnerung und was es damit auf sich hatte. Ebenso erzählte sie ihm von dem Wiedersehen mit Malachai und seinem Besuch. Während sie erzählte zog er sie fest in seinen unverletzten Arm und drückte sie an sich. Schweigend saßen sie schließlich eng beieinander da. Ein Schweigen, was viele Fragen und ungesagte Dinge beinhaltete.
Und doch wurde ihr wieder einmal deutlich bewusst, dass sie diesen Mann nie verlassen konnte. Niemals. Und somit käme auch nur ein Neuanfang mit ihm in Frage oder gar nicht. Sie würde nicht verreisen, wie sie es sich eigentlich vorgenommen hatte. Aber dennoch würde sie Einiges ändern.

Sie wusste aber auch, dass in diesem Fall, das letzte Wort noch nicht gefallen war.

Verfasst: Freitag 26. Februar 2016, 11:35
von Arsen Talmar
Nacht über Rahal, eine stürmische Nacht überall im Reich. Die heilige Stadt lag in trügerischem Schlummer und nur die frierenden Rekruten der Garde eilten durch die stillen Straßen, von Wind und Kälte gebeutelt. Niemand sonst hatte sich zu dieser Stunde aus dem Haus gewagt... niemand außer der schattenhaften Gestalt die auf den Zinnen der Stadtmauer saß und ihren Gedanken nachhing. Dunkle Gedanken waren es, dunkler und stürmischer als es die Nacht selbst war, die ihn aus dem Haus getrieben hatten.

Die Hand strich über den Verband am Arm und erinnerten ihn daran dass sie nun endlich schlief. Er macht sich keine Sorgen darüber dass sie aufwachen würde, dazu war das Schlafmittel, welches er in ihren Tee gemischt hatte, zu stark. Es würde verhindern das ihre Erinnerungen wieder aufflammten wegen denen sie das Bewusstsein verloren hatte. Erinnerung an unselige Tage an denen sie sich fast voneinander entfernt hatten. Jene Tage als sie, tot geglaubt, unverhofft wieder auftauchte, ihn kaum erkennend, sie selbst ein Bündel aus Angst und Verzweiflung. Erinnerungen an einen Auftrag, der über ihre Kräfte gegangen war. Sicher, sie gehörte mit zu den besten ihres „Berufes“, aber dieser Auftrag hatte sie über die Grenzen ihrer Fähigkeiten gebracht. Er war nun nicht so vermessen zu sagen für ihn wäre dies reine Routine gewesen, dazu kannte er alles nur vage aus ihren verworrenen Erzählungen damals. Sicher, das eine oder andere hätte er anders und besser gemacht, doch ob er es am Ende leichter geschafft hätte wie sie dass würde und wollte er auch gar nicht erfahren. Er war froh, dass diese Erinnerungen verschwunden waren, eine trügerische Hoffnung, denn nun waren sie zurück und erschienen ihrer beider Leben erneut völlig durcheinander zu wirbeln.
Dass ER dazu der Anlass war, nun dass hätte sie ihm nicht zu sagen brauchen. Immer war der Name „Malachai“ mit Aufruhr Chaos und Gefahr in ihrem Leben verbunden gewesen. Auch hier war die trügerische Hoffnung gewesen, er wäre endlich aus ihrem Leben verschwunden. Er lächelte bitter. Wie hatte er das nur glauben können. Blutbande über Generationen gewachsen waren nicht einfach durch bloßen Willen oder Rituale zu tilgen. Sie bestanden weiter, ob man es nun wollte oder hasste und wie es aussah waren die Bande zwischen ihnen allen hartnäckiger als gedacht. Es half nichts, er musste sich mit ihren Erinnerungen und diesen Blutbanden beschäftigen...das ruhige Leben schien erst einmal wieder vorbei zu sein.

Der Schatten löste sich aus dem Dunkeln und glitt lautlos auf die nun menschenleeren Straßen zurück. Während er sich auf den Weg nach hause machte wurden ihm zwei Dinge immer klarer... erstens..er wurde sorglos. Früher hätte er ihr erst den Dolch abgenommen bevor er sie angefasst hätte. Nun er würde das wieder ändern, sein Leben hing davon ab und er war sicher das die nächste Zeit Sorglosigkeit nicht erlauben würde. Das zweite Problem war weitaus größer und gefährlicher. Immer wenn Malachei auftauchte geriet vor allem sie in Gefahr und das war etwas was er in Zukunft verhindern würde... wenn es sein musste auf seine ganz ihm eigene Art und Weise....

Verfasst: Montag 29. Februar 2016, 12:56
von Selina Talmar
Es wurde langsam Dunkel und der Wind zerrte kräftiger an der Kleidung. Es wurde kälter und Regenschwere Wolken verdeckten den Himmel. Doch umkehren kam für sie grade nicht in Frage. Sie zog den Umhang fester um sich herum und hielt ihn mit den Händen zusammen. Ansonsten stand sie lange Zeit unbeweglich auf dem Felsvorsprung und blickte auf die unter sich liegenden Baumwipfel herab. Mittlerweile konnte sie die Umrisse der Bäume im Tal nicht mehr erkennen, aber sie hatte sie eh nicht wirklich wahrgenommen. Als sie den Berg hinaufgestiegen war, hatte sie noch die Geräusche um sich herum gehört, aber auch die waren irgendwann verschwunden und der Stille der Nacht gewichen. Sie schlug die Kapuze zurück und hielt den Kopf mit geschlossenen Augen in den Wind. Zum ersten Mal seit Tagen kam ihr innerstes zur Ruhe. Doch lange währte dieser Moment nicht.
Sie spürte den ersten Tropfen auf ihrem Gesicht, wie ein Nadelstich durchzuckte sie die Kälte des Wassers. Immer mehr Tropfen landeten auf ihr und wischten den Moment des Friedens einfach weg. Mit dem regen kamen ihre Gedanken zurück. Sie war davongelaufen, zum ersten Mal seit langer Zeit, hatte es sie hinausgezogen. Sie hatte die Hoffnung unter den Sternen wieder zur Ruhe zu kommen. Auch wollte sie den Nebel vertreiben, der ihre Gedanken immer noch gefangen hielt.
Weder das eine noch das andere war eingetreten und Sterne sah sie auch keinen. Verfluchter Regen. Sie zog die Kapuze wieder tief ins Gesicht. Immerhin waren die Kopfschmerzen fort und rissen sie nicht immer wieder aus ihren Gedanken. Zumindest in der Hinsicht hatte sich der Ausflug gelohnt gehabt. Sie war so wie sie war hinausgegangen im Kleid und Umhang. Es war fürchterlich unpraktisch, aber es war nur etwas Stoff und Leder, nichts was sich nicht ersetzen ließ. Ihr war es sogar egal, ob sie den Rock im Gestrüpp zerriss oder nicht. Es war unwichtig. Wie so vieles im Moment.
Eher zufällig hatte sie ihre Freundin und deren Begleiter getroffen. Sie war ziellos umhergelaufen und hatte wenig darauf geachtet wo sie hinging. Doch konnte sie kaum verbergen wie es ihr ging. Man sah ihr die Anstrengung und Qual der vergangenen Tage an. Doch dort wollte sie nicht reden. So gingen sie an einen Ort an dem sie keine neugierigen Augen und Ohren fürchten musste. Eher wiederwillig hatte sie alles erzählt. Auch ihre Freundin war bestürzt darüber, aber aus anderen Gründen als sie selbst. Sie wollte ihr helfen. Zusammen überlegten sie wie.
Sie war sich nicht einmal sicher ob es helfen oder alles verschlimmern würde. Irgendwann hatte sie sich verabschiedet und hatte den Weg hinauf auf den Berg eingeschlagen, wo sie nun stand.
Es war nicht einmal die Erinnerung selbst, die sie so aus der Bahn geworfen hatte. Nein damit kam sie zurecht. Es war eine ihrer Facetten und die zu leugnen, wäre nahezu unmöglich. Die Erinnerung würde mit der Zeit wieder verblassen, da war sie sich sicher. Was sie beunruhigte war die Tatsache, dass sie sich nicht befreien konnte. Erst als ihr Körper nicht mehr mit all dem zurechtkam, war sie durch die Bewusstlosigkeit wieder ins hier und jetzt gelangt und selbst danach war sie noch wie gefangen.
Aber warum?
Sicher sie war damals kaum wieder zu erkennen gewesen. Das Erlebnis hatte sie sicher geprägt und verändert. Aber warum versetze sie die Erinnerung daran in so einen Zustand. Sie fühlte sich müde und ausgelaugt. Alt. Das war es was sie vor nicht allzu langer Zeit zu ihrer Freundin sagte.
Nicht körperlich.
Fröstelnd zog sie den mittlerweile Nassen Umhang noch ein Stück fester um ihren Körper. Sie sollte zurückgehen, bevor sie ganz durchnässt wurde. Langsam machte sie sich an den Abstieg. Wobei sie nun doch über die unpraktischen Röcke und den Regen fluchte. Aber wem machte sie etwas vor, es waren nicht die Röcke, die ihren Unmut heraufbeschworen, die störten sie sonst auch nie. Auch der Regen war es nicht, der sie störte. Sie hatte keine Antwort auf ihre Fragen gefunden. Wie denn auch, wenn ihre Gedanken immer wieder durchbrochen wurden. Und sie neben der Erinnerung auch noch andere Dinge quälten. Zum ersten Mal hatte sie ihn ernsthaft verletzt, auch wenn er es abstritt und verharmloste. Sie hatte sein Gesicht gesehen und die Wunde an seinem Arm.
Bisher hatten sie es auch in Übungskämpfen immer geschafft sich höchstens Oberflächlich zu verletzen und wenn Gift im Spiel war, dann eher die harmloseren Sorten. Doch diesmal war der Schnitt tief und das Gift alles andere als harmlos gewesen. Wie hatte das passieren können?
Sonst hatte er sie immer erreicht, egal in welchem Zustand sie grade war, er war immer zu ihr durchgedrungen. Wie hatte sie ihn diesmal nicht erkennen können? Warum hatte er es nicht gesehen, dass sie den Dolch gegriffen hatte? Hatten sie sich so weit voneinander entfernt? Oder war etwas anderes der Grund.
Yäh wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, als ihr fuß ins leere trat und sie den Rest des Hanges herunterrutschte. Verfluchter Regen. Verfluchter Boden. Verflucht…….
Eine Weile ging es so weiter und sie stampfte missmutig, nass und dreckig weiter nach Hause.
Auch das war ihr schon lange nicht mehr passiert, dass sie nicht darauf geachtet hatte, wo sie hintrat. Zum Glück war der Teil des Waldes eher selten besucht und des Nachts sogar wie ausgestorben.
Immer noch vor sich hin murrend betrat sie durch das neben Tor die Stadt. Dummerweise hatte sie in ihrem Unmut vergessen, dass die Kapuze ihr Gesicht verdeckte und so wurde sie auch noch aufgehalten. Tief holte sie Luft um sich etwas zu beruhigen und um den armen Kerl, der ja nur seiner Arbeit nachging, nicht direkt ihren Unmut an den Kopf zu werfen. Sie strich die Kapuze zurück, die sie bisher vor dem Regen geschützt hatte. Was solls sie war eh schon bis auf die Knochen durchnässt, da machten ein paar nasse Haare mehr oder weniger auch nichts mehr.
Zu Hause angekommen wurde es auch nicht besser. Anstatt sich noch wie sie herumzutreiben, war er schon wieder da und konnte sich ein paar Bemerkungen über ihr Aussehen nicht verkneifen. Hatte sie grade wirklich noch bedauert, dass sie ihn verletzt hatte? Sie fauchte ihn lediglich unverständlich an und schmiss die nassen und zerrissenen Kleider in eine Ecke. Heute war sicherlich nicht ihr tag gewesen. Sie suchte sich etwas Trockenes zum Anziehen und wollte sich dann einen Tee zum Aufwärmen machen. Doch als sie sich umdrehte stieß sie fast mit ihm zusammen. Mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen wich er aus und schaffte es tatsächlich, dass alles auf dem Tablett blieb, welches er in den Händen hielt. Sie sah genauer hin und stellte fest, es war genau das was sie grade haben wollte. Immerhin etwas.

Verfasst: Donnerstag 19. Mai 2016, 14:41
von Selina Talmar
Die Ruinen ließen sie nicht los, was war noch dort vorgefallen?
Sollte sie dorthin zurück?
Immer und immer wieder spann sie diese Frage durch. Arsen hatte eine Menge gefunden zu den Ruinen und dennoch blieben Fragen offen. Immerhin wussten sie nun wo die Ruinen waren und was sie einmal gewesen sind. Sollte sie oder sollte sie nicht? Und wenn sie ging, käme sie zurück?
Seit Tagen hatte sie keine wirkliche Ruhe mehr gefunden und war Nächte lang quer durch die Wälder gestreunt. Oft verweilte sie an einem Ort und schwelgte in Erinnerungen. Schöne wie schlechte. Selbst ihr kam es wie ein Abschied vor. Aber warum?
Rastlos ging sie durchs Haus. Ein Haus, was ihr in den letzten Tagen und Wochen viel zu groß vorkam. Und was schon lange nicht mehr seinen Zweck erfüllte. Elira war wieder fort. Und dort wo sie wohnte, war sie gut aufgehoben. Sie selbst hing ihren Gedanken nach und Arsen streunte wie sie selbst auch durch die Gegend. War es das?
Gedanken verloren hatte sie Erinnerungen zusammengesucht und die Dinge im Haus die ihr wichtig waren. Und ebenso Gedanken verloren hatte sie diese Dinge zu einem Packet zusammengepackt. Viel war es nicht, was ihr wichtig war. Das wichtigste trug sie eh immer bei sich. Einen Dolch und einen Ring. Der Rest war schöner Schein und Blendwerk. Zuletzt schälte sie sich aus den unzähligen Lagen Stoff ihres Kleides und tauschte es gegen die dunkle, mittlerweile sehr abgewetzte Rüstung. Nachdenklich betrachtete sie sich im Spiegel, während sie die langen Locken zu einem festen Zopf flocht und im Nacken zu einem Knoten steckte. Sie hatte sich also entschieden. Sie wollte selbst noch einmal dorthin. Während sie so dastand und die letzten Vorbereitungen traf legten sich zwei Hände um ihre Hüfte. Sie drehte sich herum und blickte in Eisblaue Augen. Wie sie diese Augen liebte. Er drückte sie so eng an sich, dass kein Blatt mehr zwischen gepasst hätte.
Leise wisperte er ihr ins Ohr: „Wolltest du dich etwa davonschleichen? Du weißt doch, dass ich dich nicht alleine gehen lasse.“ Sie senkte beschämt die Augen nur um sie direkt wieder in sein Gesicht zu richten. Auch er trug die abgewetzte, alte dunkle Rüstung. Und hatte ebenso wie sie seine Sachen gepackt. Damit war die Frage wohl erledigt. Sie gingen zusammen. Wiederspruch war sowieso Zwecklos, als sie in seine Augen blickte. Noch immer nahmen sie sie gefangen und sorgten oft genug dafür, dass sich ihr Gehirn verabschiedet hatte. Doch auch wenn das diesmal nicht der Fall war, so duldeten sie dennoch keinen Widerspruch. So nickte sie nur und löste sich aus seiner Umarmung um die restlichen Sachen einzupacken und ihre Waffen noch einmal zu überprüfen. Sie hatte nichts vergessen. Zu regeln gab es nichts. Denn das hatten sie schon vor langer Zeit getan. Elira war abgesichert und sicher dort wo sie war, sollte doch das schlimmste eintreten und sie nicht zurückkehren. Ein letzter Blick ging durch das Haus. Nein es gab nichts mehr hier was es Wert war mitgenommen zu werden.
Sie sattelten die Pferde und führten sie zum Tor. Ein Gruß an die Wachen und dann ritten sie davon und waren nach kurzer Zeit in der Dunkelheit der Nacht verschwunden.

Verfasst: Dienstag 24. Mai 2016, 15:21
von Selina Talmar
Kurz bevor die Lichter Rahals endgültig hinter ihnen verblassten, zügelte sie das Pferd. Doch bevor sie etwas sagen konnte, nickte er nur und blickte wie sie selbst zurück.
Zurück auf eine Stadt, einen Glauben, einen Abschnitt. So wie sie so vieles hinter sich gelassen hatten. Doch dieser Abschnitt war anders gewesen. Sie hatten sich mehr anpassen müssen als jemals zu vor und doch hatten sie nie wirklich hier hingehört. Wobei es ihnen nie jemand beweisen konnte, dass sie nicht den Idealen des all einen folgten. Aber es war nicht weiter schwer an einem Ort zu bestehen, wo niemand dem anderen Erfolg gönnte, wo Missgunst, Hass und Intrigen herrschten. Eine Zeitlang waren sie Teil dieser Ideale gewesen. Hatten sich den Riten und Bräuchen gebeugt und diese glaubhaft nach außen hin vertreten. Sogar ihnen vertraute Personen hatten es geglaubt. Aber je tiefer sie Einblick bekam, desto mehr wandte sie sich ab. Kehrte sie zurück zu dem was sie immer gewesen war. Ein Schatten. Sie hatte die Lügen und Intrigen satt. Verkroch sich in ihr Haus oder im Wald. Und doch konnte sie sich lange Zeit nicht entschließen zu gehen. Wozu auch?
Ihr fehlte an nichts. Und doch spürte sie jetzt Erleichterung. Für sie hatte immer nur eins gezählt. Und das war stets bei ihr gewesen. Sie hatte nicht das Gefühl ihr zu Hause zu verlassen. Denn zu Hause war sie stehst gewesen, wo ihr Herz schlug. Sie blickte zur Seite und an seinem Gesicht konnte sie erkennen, dass es ihm ähnlich ging. Ein Lächeln schlich sich auf ihre Lippen. Zum ersten Mal seit langer Zeit, konnte sie sofort seine Gedanken an seiner Mimik erraten.
Hätte sie es in dem Moment in Worte fassen müssen, sie hätte es nicht gekonnt. So viel schwank in seiner Mimik mit, aber der Gedanke frei zu sein und Erleichterung, spielten wohl mit die Hauptrolle. Wieder blickte sie zu den letzten Lichtern. Nein sie bereute es nicht. Keinen einzigen Tag, aber wiederkehren würde sie auch nicht. Dann wandte sie den Blick ab und schaute nach vorn. Sie spürte die Bewegung neben sich und wusste auch er hatte den Blick abgewendet und abgeschlossen. Gemeinsam ritten sie fort. Fort von einem Ort wo wie so oft mehr Schein als Sein herrschte. Kein weiterer Blick ging zurück weder von ihr noch von ihm. Sie hatten bis dahin nicht ein Wort mit einander gewechselt bis er das Schweigen brach. „Bereust du es?“ „Nein und du?“ „Keinen einzigen Tag“ Danach verfielen sie wieder in Schweigen und lauschten den Geräuschen der Nacht um sie herum. Bis langsam die Lichter des kleinen Fischerdorfes sichtbar wurden. Sie zügelten vor dem Tor die Pferde und führten sie dann am Zügel bis zum Hafen. Dort lehnten sie an den Tieren und beobachteten eine Weile die Schiffe und unterhielten sich leise über belanglose Dinge.
Erst als sich die Schwärze der Nacht in das fahle graue Licht des beginnenden Tages wandelte, ging ihr blick nach Osten. Auch dort hingen viele Erinnerungen. Aber Erinnerungen, waren eben nur Erinnerungen und keine Realität. Zu gut wusste sie noch, wie sie sich vor so vielen Jahren hier durchgeschlagen hatte, allein mit dem Wissen ihn verloren zu haben. Damals war es einfacher andere Menschen von sich zu überzeugen. Oftmals hatte ein kokettes klimpern mit den Augen oder ein schüchternes Lächeln geholfen. Sie hatte ihr Aussehen ohne schlechtes Gewissen eingesetzt und ihre Wirkung ausgenutzt. Sie hatte trotz des angenommen Verlustes eine sehr amüsante Zeit gehabt. Und die war wohl insgesamt ehrlicher, als das was später folgte. Selbst wenn sie nach all der langen Zeit dahin zurückdachte, konnte sie nicht verhindern, dass sich ein Lächeln auf ihre Lippen schlich. Ja der Ritter war schon ein sehr besonderer Mensch gewesen. Auch wenn sie sich nie nähergekommen waren, so hatte er sie so akzeptiert wie sie war und sie konnte nahezu ungehindert in der Burg ein und ausgehen. Mittlerweile gab es nicht einmal mehr Ruinen davon. Nur noch Erinnerungen und auch die verblassten langsam im Detail.
Sie wurde wieder durch eine Bewegung aus ihren Gedanken gerissen. Kurz spannte sie sich an doch im nächsten Moment merkte sie schon, wie sie an eine harte Brust gezogen wurde und legte ihre Arme um seine Hüfte.
„Es wird Zeit mein Stern“ flüsterte er ihr sanft zu. „Bist du bereit oder willst du noch bleiben?“ Kurz musste sie überlegen was er meinte. Dann wurde ihr bewusst, dass er ihr minenspiel verfolgt haben muss. Sie nickte nur und gab ihn einen sanften Kuss auf die Lippen eh sie sich von ihm löste. Dann nahm sei ein Packet von ihrem Sattel und drückte es einem der Burschen im Hafen in die Hand. Mehrfach schärfte sie ihm ein wo das Packet hinsollte und dass er es nicht vor dem übernächsten Tag abliefern sollte. Er schaute sie verdattert an, als sie ihm dann aber für seine Mühe ordentlich bezahlte nickte er nur und murmelte: „Wir ihr Wünscht“ Danach wandte sie sich wieder Arsen und en Schiffen zu. Er grinste spitzbübisch. Da wusste sie, dass er jedes Wort gehört hatte. „Dir ist es also ernst“ Wieder nur ein Nicken.
So wie sich von Rahal abgewandt hatten, so kehrten sie auch Bajard den Rücken ohne zurück zu schauen standen sie am Bug des Schiffes und blickten schweigend auf die See vor ihnen und dem weit entfernten Ziel.

Verfasst: Donnerstag 26. Mai 2016, 15:16
von Selina Talmar
Zwei Tage später versuchet der Bursche dann seinen Auftrag auszuführen und machte sich auf die Suche nach Malachai und Malena. Er wird eine Weile durch Adoran irren bis er endlich das kleine Haus gefunden hatte. Leise fluchend über die mangelnde Beschreibung klopft er schließlich an der Tür. Er versucht es mehrfach und will schon wieder gehen um an einem anderen Tag wieder zu kommen. Solange bis er jemanden antrifft. Immerhin war die Bezahlung gut genug gewesen um diese Mühe auf sich zu nehmen.
So er dann jemanden erreicht wird er das Packet aushändigen. Jedoch wird er kurz warten ob ihm Fragen gestellt werden.
Er wird das Packet mit den Worten überreichen: „Eine blonde Frau mit grünen Augen gab es mir für Euch. Sie war in Begleitung eines schwarzhaarigen Mannes mit eisigen, blauen Augen.“
Sollte er noch etwas gefragt werden wird er entsprechend Auskunft geben, was er weiß.
Auch dass er das Packet erst zwei Tage nachdem er den Auftrag bekommen hatte ausliefern sollte. Einen Grund kann er dafür nicht nennen. Ebenso kann er die Beiden und auch ihre Pferde genauer beschreiben.
Sollte er jedoch gefragt werden, wohin sie wollten, wird er keine Antwort geben können, außer dass sie ein Schiff bestiegen haben und eng umschlungen am Bug standen und in die Ferne geschaut und dabei gelächelt haben. Sonderbar kam ihm nur vor, dass sie nicht wie andere Reisende zurückgeblickt hätten, als das Schiff ablegt.
Das Packet selber wird wohl mehr Antworten geben als der Bursche.
Zu Oberst liegen zwei Dolche, sorgfältig in ihren Lederscheiden gepackt und der Griff mit Stoff umwickelt. Die Scheiden sind abgewetzt und ohne Verzierungen. Erst wenn man die Dolche genauer anschaut kommen die verzierten Klingen und Griffe zum Vorschein. Die Klingen sind geschwärzt und sorgfältig gepflegt. Sowohl Malena als auch Malachai werden den Dolch mit dem Falken und den mit dem fallenden Stern sofort wiedererkennen.
Unter den Dolchen liegen noch andere persönliche Gegenstände und Bilder. Nichts von großem materiellen Wert. Aber wohl von idiellem.
Irgendwo dazwischen liegt ein kleiner unscheinbarer Zettel.

Liebste Malena, liebster Malachai,

wenn ihr das hier lest, sind wir bereits seit Tagen fort.
Wohin? Es spielt keine Rolle. Wir suchen Antworten und etwas, was wir viel zulange vermisst haben.
Versuch nicht uns zu finden Malachai, denn damit wirst du keinen Erfolg haben. Solltest du den armen Boten ausfragen, auch er weiß nichts, also lass ihn unbehelligt.
Es tut mir leid, dass sich unsere Wege auf diese Weise trennen und wir kein Abschied genommen haben, aber du hättest versucht es uns auszureden.
Ihr werdet von uns hören.
Nehmt dies Packet als Andenken an uns an.
Lebt wohl.


* unter dem Text sind lediglich zwei ineinander verschlungene Buchstaben zu sehen*

S & A

Verfasst: Freitag 27. Mai 2016, 12:48
von Malachai Schwarzmourne
Während das Schiff langsam gen Meer segelt und beginnt, am Horizont zu verschwinden, stehen 2 Schemen auf einer erhöhten Klippe nahe Bajard. Beide in schwarze Gewänder verhüllt, die ihre Kleidung durch die Sonne für die kühlere, raue Seeluft erwärmte.

"Was glaubst du, wo sie hinsegeln Bruder?, sprach eine weibliche Stimme mit ein wenig wehmut in ihren Worten.

"Dorthin, wo sie Antworten und Glück finden werden.", sprach die andere, männliche, ruhige und doch recht raue Stimme.

"Und du hast keine Anstalten gemacht, sie aufzuhalten? Oder, zumindest zu zeigen, dass du hier bist und dich zu verabschieden?"

Einige Sekunden verstrichen, ehe er ruhig antwortet: "Sie selbst wählen den Weg ihrer Reise. Ihnen war vielleicht bewusst, dass ich, bei einem Abschied, genau das getan hätte. Dieser Schritt, den die beiden gehen, ist vielleicht schon so schwer genug. Da braucht es keinen alten Freund, der es noch unnötig verkompliziert."

Die Frau legt ihre Arme um seinen linken Arm, den Kopf an seine Schulter lehnend, dabei leise antwortend: "Trotzdem klingst du nicht so traurig oder vielleicht wütend, wie sie es erwartet hätten."

Und nun regt sich, das erste Mal eine Miene im Gesicht von Malachai, ein leichtes lächeln, während das Schiff kaum noch zu erkennen war.

"Ich werde sie vermissen. Ich verbrachte fast mein ganzes Leben mit ihnen, verdanke ihnen viel gutes, wie dich zum Beispiel. Sie sind nicht nur Freunde, sie sind ein Teil meiner Familie und erfüllen soviele Facetten, die ich nie hatte. Sei es eine weitere, kleine Schwester oder der große, raufende Bruder. Der nervige Cousin, die weise Tante, der gutmütige Großvater...mit ihnen an ihrer Seite, habe ich in den schlimmsten Jahren meines Lebens nichts missen müssen. Dank ihnen, wie auch dir Sarah, habe ich nie aufgegeben an jenen Tagen, wo ich aufgeben wollte. Ich lächel, weil ich dankbar bin. Für die Zeit, die wir hatten, wie aber auch, dass die beiden sich nicht dafür entschieden, in Rahal unter einem lächerlichen Glauben zu Grunde zu gehen und in den eigenen Vier Wänden zu ersticken. Was glaubst du, warum ich so oft auf Reisen bin, kleine Schwester? Und warum du dich eingeengt bei Hudgarr gefühlt hast? Weil wir Schatten sind. Wir haben es uns nicht ausgesucht, wir sind mit dieser Bürde und dem Fluch geboren und nicht anders als bei Tieren, folgen wir einem gewissen Instinkt, einem Ruf nach Freiheit. Wir können nie einfach nur vor dem Kamin verweilen und Dinge so akzeptieren, wie sie sind. Wir müssen die Probleme anpacken und sie selber lösen. Daher würde ich sie auch nie auffallen, ich bin nicht mehr der jungspurige Schattenlord, der ungewollt auf Gesichter blickt, die irgendeinen Befehl oder sowas erwarten. Ich bin einfach nur ich, der, wenn sie ihn brauchen, dort sein wird, wo sie ihn suchen würden und bis dahin einfach hofft, das die beiden ihr Glück finden."

Es mag vielleicht nun ein wenig Traurigkeit im Gesichtszug von Malachai erkennbar sein. Eine Emotion, die er nur selten und nur seinen Liebsten offen zeigen und zugeben würde. Sarah schmiegte sich wieder an ihn ran, während er selber seinen Arm um sie legt.

"Irgendwie, glaube ich nicht, dass wir zufällig hier gesehen haben, wie die beiden das Schiff besteigen und abreisen. Ich meine, welcher Mann kommt plötzlich auf die Idee, einen Ausflug an die Meeresküste von Bajard zu machen?", erwähnt sie noch einmal, schmunzelnd, was als Antwort von Malachai nur ebenso mit einem Schmunzeln erwiedert wird.

"Und den Boten willst du nicht aufhalten? Er scheint ja was für dich zu haben."

"Ach weisst du Sarah," spricht Malachai leise, als er und sie sich nun wandten und wieder Richtung Wald gingen. "Ich denke, er wurde gut bezahlt. Also soll er mal ruhig seine Arbeit zu Ende bringen."

Dann verschwanden auch sie.

Verfasst: Sonntag 29. Mai 2016, 14:53
von Arsen Talmar
Leuchtende Sterne begleiteten den Weg des schnellen Seglers und machten es dem Steuermann einfach den richtigen Kurs zu setzen. Der warme, stetig wehende Wind sorgte für eine gute fahrt und ließ die haare der beiden dort vorne am Bug schalkhaft um ihre Gesichter wehen. Fast hätte man die beiden für Statuen halten können denn kaum eine Bewegung war auszumachen, selbst wenn man sie längere zeit beobachtete. Erst nach langer Zeit sprachen sie, aber so leise dass der Wind die Worte wegtrieb bevor ein Beobachter sie hören konnte.
„Den Boten hättest du dir glaube ich sparen können,“ meinte er ruhig. „Weshalb?“ fragte sie zurück ohne den Kopf zu drehen. „ Weil er in der Nähe war. Frag mich nicht woher ich das weiß, einfach ein Gefühl.“ „ Du also auch?“ fragte sie und ein kleines Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. „Mhm,“ brummte er nur kurz, bevor sich beide endlich vom Bug abwandten und hinab in ihre Kabine gingen.

****

Endlich erreichten sie nach vielen Tagen die weit in ins Meer sich erstreckende Halbinsel auf der die Ruine lag. Man sah selbst von weitab ankernden Schiff den zerfurchten Turm der sich wie eine Mahnung in den Himmel erhob.Kurz bevor die Sonne nun unterging brachte ein Beiboot die beiden zu einer abgelegenen Bucht und würde dort auch bis zum nächsten Morgen auf sie warten. Wenn sie es allerdings bis dahin nicht zurückgeschafft hatten wären sie auf sich alleine gestellt. Er beobachtete ihr Mienenspiel dass von Unsicherheit kurz zu Angst und wieder zu Unsicherheit zurückkehrte. Sie atmete kurz durch, dann nickt sie ihm kurz zu und sie machten sich auf den Weg. Sie hatten ihre Ankunft gut gewählt, denn gerade als sie die Ruine erreichten legte sich tiefe Dunkelheit über den Wald der sie umgab. „ Bist du bereit?“ flüsterte er ihr zu. „ So bereit wie ich sein kann,“ kam es etwas unsicher zurück. „halte mir einfach den Rücken frei,“ murmelte er. Er konnte ihren dankbaren Händedruck auf seinem Arm spüren, als er zum letzten Mal den Sitz der Waffen prüfte. Ein schneller Kuss auf ihre Wange, dann schob er sich auch schon vorwärts.

Das erste was er roch war der Rauch eines Lagerfeuers, welches hell loderte und einen teil der Ruinen erleuchtete. Das Flackern war weithin zu sehen... man musste sich entweder sehr sicher dort vorne fühlen oder jemand war sehr unvorsichtig. Es gab zwar eine Wache aber die war im Lichtschein so gut zu sehen dass man sich diese Vorsichtsmaßnahme auch gut hätte sparen können Er gab ihr ein Zeichen auf der anderen Seite nach weiteren Wachen Ausschau zu halten, aber bald darauf kam ihr Zeichen das dort alles sicher war. Er wies sie an zu warten und huschte weiter. Lediglich ein kleiner Ast knackte als er die wache ausschaltete, ein Geräusch das bei dem prasselnden Feuer niemand dort hören konnte. Er wartete kurz und schon tauchte ihr Schatten neben ihm auf um mit ihm zusammen das Lagerfeuer auszuspähen. Was sie sahen ließ ihm kurz ein eisiges Lächeln über das Gesicht huschen. Das waren keine gedrillten und eiskalten Mörder dort vorne, dass waren ein paar armselige Wegelagerer, keine wirklichen Gegner für die beiden. Sein Blick ging kurz zu ihr, ein Nicken dann verschwand sie in der Dunkelheit. Nun handelten sie wieder als wären sie ein und die selbe Person, eingespielt und tödlich. Lautlos näherten sie sich von beiden Seiten dem Feuer, sich den besten Platz für den Angriff suchend. Er sah das kurz, lautlose Bewegen des Busches als Zeichen das sie bereit war, dann ging alles sehr schnell. Dolche blitzten auf, Schmerzensschreie und der Fall schwerer Körper, dann war alles gespenstisch still. Die Wegelagerer lagen tot in ihrem eigenen Blut am Feuer, Opfer ihrer eigenen Sorglosigkeit. Ohne sie weiter zu beachten übernahm er nun die Führung und bald darauf tauchten sie ein in die trügerische Dunkelheit der Katakomben.

Es war still, so still dass man selbst die Wassertropfen hörte die von der Decke herab in die Rinnsale am Boden tropften. Nicht der kleinste Lichtschein war zu sehen, schwarz und düster lag die Dunkelheit der Gänge vor ihnen. Ohne Worte reichte er ihr eine kleine Phiole mit dem Elixier das sie auch im Dunkel sehen ließ und öffnete dann eine weitere die er selbst austrank. Nach einer Weile hatten sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt und er dran tiefer in die unterirdischen Gänge ein. Aber wohin sie sich auch wendeten es gab nur Stille und Dunkelheit um sie herum. Sollte hier jemals jemand gewesen sein, nun waren die Ruinen kalt und verlassen. „Ich verstehe das nicht!“ murmelte sie und ging nun selbst voran. Minuten..oder waren es Stunden?...vergingen bis sie endlich innehielt. Sie schien etwas zu suchen, dann drückte sie zwei Steine und eine verborgene Tür schwang auf. Da war sie... die Kammer mit der Truhe, die ihnen immer noch intakt und bedrohlich entgegen sah. „ Das ist sie, diese Truhe sollte ich öffnen damals!“ „ Warte kurz, das Elixier wird bald nachlassen. Er griff ein die Tasche die er umgehängt hatte und holte eine kleine Fackel hervor die er mit Feuerstein und trockenem Reisig entzündete. Er hängte sie in eine Halterung und besah sich die Truhe genauer. Irgendetwas an ihr kam im vertraut vor, vage Erinnerungen an Aufzeichnungen seines Vaters tauchten in seinem Geist auf. Er ließ sich von ihr genau erklären was sie damals getan hatte und quittierte jeden Handgriff lediglich mit einem zustimmenden Brummen, während seine Augen über die Truhe tasteten und jede noch so kleine Einzelheit aufnahmen. „Und dann habe ich sie geöffnet,“ meinte sie zum Schluss und machte Anstalten wie damals den Deckel abzuheben. „Halt!“ Da war sie.. die Erkenntnis, die Erinnerung an die Aufzeichnungen seines Vaters. Er griff an ihrer reglosen Gestalt vorbei und drückte mit beiden Händen gleichzeitig seltsam anmutende Symbole, worauf hin ein leises aber gut hörbares Klicken zu hören war. Nun hob er den Deckel an und in diesem Augenblick klärten sich für ihr alle Ungereimtheiten ihrer Erzählungen und Erinnerung. „Was war das?“ fragte sie atemlos. Er deutete auf eine kleine zerbrochene Glasphiole und den kleinen Eisenbolzen die am Deckel befestigt waren. „Die letzte Sicherung die du übersehen hattest. Sie hätte den Bolzen arretiert der damals die Phiole aufschlug.“ „ Und..und was passierte dann?“ „Die Phiole enthielt ein Gift, ein starkes Nervengift, das jeden innerhalb von Minuten töten sollte. Du hattest damals wohl Glück das das Gift schon sehr alt war, so hat es nur deine nerven angegriffen und dir Illusionen vorgegaukelt. Alle Erinnerungen die du danach von hier hattest waren Illusionen die dein gemartertes Gehirn geschaffen hat. All die Schatten die dich verfolgten, all das passierte nur in deinem verstand. Ich hätte es schon damals bemerken müssen als ich dich sah!“

Währen er ihre Fragen beantwortete fiel sein Blick auf ein in Ölhaut eingeschlagenes Bündel welches er nun herausholte und vorsichtig öffnete. Was zum Vorschein kam lies alle Fragen wegen der Truhe verstummen und fast andächtig blickten beide auf den Inhalt. „Ich dachte er wäre verbrannt, schon längst zu Asche geworden!“ „Was immer verbrannt ist es war nie das original!“ murmelte er. „Schau doch wie alt das hier ist, viel älter als das andere. Und viel umfangreicher!“ „Du meinst...“ „Ich vermute es, aber mit Sicherheit weiß ich es erst wenn wir es öffnen. Aber nicht hier, es wird Zeit das wir uns auf den Rückweg machen.“ Er schlug die Ölhaut wieder um die Kostbarkeit, dann eilten sie durch die nun mit der Fackel erhellten Gänge zurück. Als sie endlich den Strand erreichten ging die Sonne auf und die wartenden Matrosen winkten ihnen freudig zu. Sie drehte sich noch einmal um und er konnte deutlich ihr befreites Aufatmen hören. Ihre Dämonen waren nun endlich verschwunden, von nun an würden sie keine Alpträume mehr plagen, der Spuk war vorbei. Und wenn er mit dem was sie gefunden hatten recht hatte, dann würden sie nun alle endlich ihren Frieden finden..... den Frieden den sie sich alle so lange gewünscht und wahrlich redlich verdient hatten....

Verfasst: Freitag 3. Juni 2016, 18:30
von Selina Talmar
Mehrere Monate später steht erneut ein Bote vor Malachais und Malenas Haus. So er keinen antrifft wird er das Packet im Hospital abgeben.
Das Packet ist unhandlich und in mehrere lagen Stoff und Leder eingewickelt. Der Bote ist sichtlich froh das Packet los zu sein und wird sich auch direkt wieder auf den Weg machen.
Entfernt man alle lagen Stoff und Leder kommt ein Bild zum Vorschein.

Auf dem Bild ist ein Bach zu sehen, der über Steine in großen Treppen in einen See im Vordergrund des Bildes fließt. Der Bach befindet sich auf einer Waldlichtung mit vielen Blumen in der Wiese und einer Weide mit lang herunterhängen Zeigen auf der rechten Seite des Baches.
Durch die Baumwipfel sind vereinzelte Sonnenstrahlen zu sehen.
In diese idyllische Landschaft hat der Maler 4 Personen eingefügt. Ein kleines Mädchen mit schwarzen, lockigen Haaren und grünen Augen, welches fröhlich lachend im Bach herumtollt. Das Mädchen hat ein leichtes Kleid an, welches auf Hüfthöhe am Saum zusammengeknotet wurde, damit es nicht nass wird. Trotzdem sieht man, dass diese Maßnahme nicht allzu viel gebracht hat und das Kleid dennoch nass ist. Das Mädchen strahlt pure Fröhlichkeit und Unbeschwertheit aus.
Unter der Weide sitzen die anderen drei Personen. Eine blonde Frau mit grünen Augen und ein schwarzhaariger Mann mit blauen Augen. Im Arm der Frau ist ein Säugling zu sehen. Die Frau hat den Blick auf den Säugling gerichtet und ein sanftes Lächeln auf den Lippen. Der Blick ist verklärt, aber glücklich. Die blonden, langen Locken wehen ungebändigt um sie herum. Sie macht insgesamt einen entspannten, zufriedenen Eindruck. Und strahlt regelrecht. Hat man sie vor Monaten das letzte Mal eher blass und kränklich gesehen, mit tiefen Ringen unter den und eingefallenen mageren Wangen, so findet sich jetzt kein Vergleich mehr dazu. Sie hat wieder ihr altes selbst gefunden und das hat der Maler sehr gelungen eingefangen. Die Kleidung der Frau ist zwar aus fließenden Stoffen, aber eher einfach gehalten und lässt Schultern und Arme frei, so dass der Betrachter auch Sicht auf die braunschwarzen verschlungen Linien auf der Außenseite der Arme und Schultern hat. Auch trägt sie keine Handschuhe mehr.
Er hat einen Arm um sie gelegt und sie mit dem Rücken an sich gezogen. Er selbst lehnt mit dem Rücken am Baumstamm, die Beine lässig von sich gestreckt und ist wie die frau und das Mädchen Barfuß. Die Augen sind halbgeschlossen auf das Mädchen gerichtet. Die sonst so angespannten Züge sind nun vollkommen entspannt und sein Blick ist schon fast als träumerisch zu bezeichnen, was durch das Lächeln auf den Lippen unterstützt wird. Wirkte auch er zu letzt eher hager, blass und kränklich so strahlt er jetzt Lebensfreude und Glück aus und ist wie sie auch wieder durchtrainiert und braungebrannt. In seiner freien Hand hält er einen angebissenen Apfel.
Das Baby scheint noch sehr jung zu sein und ist zum Schutz vor der Sonne in Tücher gewickelt. Ein paar schwarze Härchen schauen unter der Haube hervor und es schläft friedlich am Daumen lutschend im Arm seiner Mutter.


Sollte man das Bild umdrehen wird man in geschwungener Schrift auf dem Rand lesen können:
„Er soll Marick heißen, wenn du damit einverstanden bist“ Da drunter ist unter dem Rahmen eine Zeichnung einer Karte versteckt. Die Karte führt zu einem abgelegenen Hof.


Beim Auspacken ist vielleicht unbemerkt ein in Ledergebundenes Buch herausgefallen. So es doch die Aufmerksamkeit erlangt, fällt ein Brief in Arsens Handschrift ins Auge.

Wir schicken dir ein Buch als kleines Geschenk, welches wir in der selben Kiste gefunden haben in der jenes lag, was sie damals für dich holen sollte.
Es ist älter und umfangreicher als jenes, welches du verbrannt hast und ist meiner Meinung nach das einzige und echte. Es wird viel Licht in die Vergangenheit unserer Familie bringen, welche bisher im Dunkeln lag. Lies es, alter Freund, und finde, wie wir, endlich deinen Frieden.

*Das Ende des Briefes ziert ein Falke, der einen Stern in seinen Krallen hält*