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Ein Bär im Kloster

Verfasst: Montag 25. Januar 2016, 19:39
von Darogan
Die Anweisung der obersten Leitung des Bauhüttenverbandes war klar: Organisiere und plane den Bau eines Schreines für den heiligen Bergvater im Kloster der Lichteinigkeit.
Der von Cirmias errichtete Prachtbau, wie er thronend auf dem kleinen Berge saß, war nicht nur ein Zentrum für die Anhänger Temoras, wie es die meisten - uninformierten - Menschen zu glauben schienen, nein auch ein Haus Eluives und Cirmias' war er. Um Cirmias' Präsenz und Repräsentation dort gleichermaßen zu fördern sollte nun mit Seinem Segen und der vereinten kalurischen Tatkraft ein Schrein zu Ehren des Bergvaters errichtet werden.

Mit Baznuk, und auch Antorius, einem Schüler des Klosters, hatte sie bereits die grundlegenden Aspekte des Schrein- und Gotteshausbau besprochen. Der Ort sollte eine besonders starke inhärente Bindung zum Herrn aufweisen - bei dem Kloster, ein bereits geweihter Ort - war dies eigentlich an jeder Stelle gegeben. Dennoch würde der Boden geprüft werden müssen, wo er reich an Erzen, Edelsteinen und anderen Gaben des Seelenschmiedes war. Der Schrein würde genug Platz bieten müssen für eine Ikone des Vaters, eine Stelle für Votivgaben, ein Ort für gesegnetes Bier.. und natürlich ein Plätzchen um in stiller, oder auch geräuschvoller Andacht dem Meister im Berge zu gedenken.

Wie Antorius richtig anmerkte, würde jedoch nicht nur der Schrein selbst, sondern auch der Weg dahin sorgsam zu planen sein.. wenn denn der Schrein nicht direkt im Kloster selbst gebaut werde. Dann wäre ein Weg natürlich hinfällig.
Darogan strich sich nachdenklich durch den Bart und kringelte die Enden um die zwergisch-stummeligen Finger. Sie hatte bereits ein Bild vor Augen, von einem kleinen Schrein am Ende eines Bergpfades. Mühsam würde man den Weg vom Kloster aus erklimmen, symbolisch für die Mühe und die Leistung die im Dienste für den Herrn erbracht werden mussten. Doch der Abstieg wäre einfach, beschwingt von der Andacht und der Kraft des Herrn stiege man wieder hinab zum Kloster.

Nun galt es, die Angelegenheit mit den Langbeinen im Kloster zu besprechen und nach Möglichkeit gleich einen geeigneten Ort zu finden. Ob neben dem Kloster in den Bergen, oder innerhalb der Klostermauern.. der Herr würde ihr den Weg schon weisen.

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2016, 05:44
von Darogan
Das Treffen war gut verlaufen, die Mitglieder des Klosters offen gegenüber dem Vorschlag einen Schrein zu bauen. Natürlich gab es einiges zu bedenken, so war der Klang schlagender Hämmer, hackender Picken und arbeitender Zwerge zwar in den Ohren der Kinder des Berges beruhigend, für die Langbeine aber eher störend. Man einigte sich darauf nachts und zu Veranstaltungen im Kloster die Bauarbeiten auszusetzen, ein ungewöhnliches Konzept, aber Kompromisse mussten ja gefunden werden.
Aurea brachte den guten Vorschlag den Schrein nahe der Cirmiaspforte, dem von Kaluren bewachten nördlichen Tor zum Kloster, zu bauen. Nicht nur würde die Pforte von der Bedeutung des Schreines profitieren, man könnte es dort auch einrichten, dass der Schrein von außen frei begehbar werden würde.
Natürlich wurden auch die organisatorischen Angelegenheiten besprochen und dem Kloster versichert, dass die Bauhütte für die Materialkosten des Baus aufkommen, sowie die Arbeiter stellen würde. Dahingehend war als nächstes ein Treffen mit dem ehrenwerten Paz Ithem Dar Getwergelyn geplant, der einem Komitee der herausragendsten der kalurischen Handwerker vorsitzen sollte.

Des nachts saß Darogan bei flackerdem Fackelschein an ihrem Schreibtisch auf dem sich Bücher über Bücher türmten, Kistchen, Döschen und Gläser mit Reagenzien standen, dazwischen gequetscht einige Schiefertafeln mit Notizen, eine große, volle Wachstafel auf der anstehende Termine verzeichnet waren.. und zeichnete an ersten Entwürfen des Schreines.

Verfasst: Mittwoch 2. März 2016, 21:09
von Darogan
Viel war passiert in den letzten Wochen. Zunächst hatte sie ein Treffen mit Paz Ithem Dar Getwergelyn, dem Hochlord des Handels und Vorsitzenden der kalurischen Handelskammer, anberaumt. Die benötigten Handwerker - die besten ihren Faches - werden für den Bau bereitgestellt werden, tüfteln bereits über Plänen und Entwürfen für etwaige Statuen, Bierbecken und wohin ihr cirmiasgefälliger Geist sie sonst so trieb.
Darogan aber war noch nicht zufrieden mit dem Entwurf für den Schrein. Immer wieder wanderte sie zum Kloster, zog um die Cirmiaspforte und versuchte sich den Schrein dort vorzustellen. Zu Beginn hatte sie es für den optimalen Ort gehalten, nachdem Aurea-zâr die Stelle vorgeschlagen hatte. Aber je mehr sie versuchte sich den Schrein dort auszumalen, je öfter sie versuchte in sich und zu Cirmias zu spüren, ob das das Richtige sei, desto unzufriedener wurde sie mit der Wahl.
Sie gab nicht auf, nahm Gesteinsproben, klopfte den Berg ab, lauschte nach dem Herzschlag des Berges, ob sie ihn auch hier hören konnte.. ohne Ergebnis.
Schließlich hinterlegte sie eine Nachricht in der Bauhütte und zog tief in den Berg hinab, auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage nach dem richtigen Ort. Lange wanderte sie in durch die Stollen, tiefer und tiefer in den Berg hinein. Sie fastete und ernährte sich lediglich von Cirmias heiligem Gebräu, dass sie durch einen Spalt in der Wand eines Stollens in eine mit Edelsteinen reiche Höhle führte. Dort, so spürte sie, würde sie die Antwort finden. Und so fand sie eine natürliche Kuhle im Boden, türmte ihren Proviant um sich herum sowie Berge der unbearbeiteten Edelsteine und verharrte dort. Sie machte sich daran, jeden einzelnen zu schleifen, zu polieren und winzige, feine Bilder aus der Geschichte der Zwerge und Cirmias' hochheiligen Erscheinungen und Verkündungen einzugravieren.
Der Geist, geöffnet durch das Bierfasten, streckte sich aus und verwob sich mit dem sie umgebenen Berg. In die Arbeit vertieft, monotone Bewegungen und doch erfüllt von dem cirmiastischen Streben nach Perfektion und Vollkommenheit im Umgang mit den Gaben des Herrn, versank sie in Trance. Stunde um Stunde, Tag um Tag verging so während sie auf ein Zeichen, ein Wort des Herrn wartete. Ihr Vorrat wurde immer kleiner und die bereits geschlieffenen Steine türmten sich langsam zu einem Haufen.
Während sie sich, vertieft in Trance und Gebet, durch den kleinen Berg an ungeschliffenen Edelsteinen arbeitete, gelangte sie zu einem Saphir, faustgroß und so rein wie ihr noch nie einer in die Hände gekommen war. Ihre Hände begannen wie von selbst zu arbeitete, trugen Schicht um Schicht der äußeren, wenig ansehnlichen Hülle ab um das Innere freizulegen. Langsam drehte sie den nun grob freigelegten Stein in der Hand umher, und ein Gefühl wie ein warmer Luftzug, den ein Blasebalg von einer Esse herüberschickt, durchlief ihren Körper und hinterließ ein angenehmes Kribbeln entlang der Wirbelsäule. Sie konnte sehen, wie sich auf dem schimmernden Stein eine Szene abspielte:

Am Fuße eines Berges stand ein leuchtender Kelch, strahlend und hell wie die Sonne. Aus dem Dickicht schlich sich ein Panther an, mit funkelndem Blick. Noch bevor er den Kelch aber erreichen konnte, baute sich vor dem Kelch ein Bär auf, stellte sich auf die Hinterpfoten und hob die Pranken drohend empor. Als wären sie direkt neben ihr, so deutlich konnte sie das Brüllen des Bären und Fauchen des Panthers hören. Darogan zuckte zusammen, als der Panther auf den Bären losschoß und ein Kampf entbrannte. Einen Moment schien es, als würde der Panther die Oberhand gewinnen, ehe ein Adler aus den Wolken hervorbrach und seine Krallen im Nacken der Raubkatze versinken ließ.
Das Getümmel setzte sich nur noch kurz fort, dann zog sich der Panther zurück. Bär und Adler, beide angeschlagen, nahmen den Kelch und trugen ihn den Berg hinauf in eine verwinkelte Höhle. Dort angekommen setzten sie ihn in dem großen, ersten Raum der Höhle auf ein kleines Podest, ehe sich die beiden Tiere jeweils in kleine Nebengänge und -höhlen zurückzogen um dort ihre Wunden zu lecken.


Noch vollkommen eingenommen von der Szene, schien es Darogan fast, als schaute sie ihren Händen zu, wie diese ein detailgetreues Abbild des Götterberges hinter dem die Sonne gerade aufging in den Saphir schnitzten. So reich an Details war das Bild, dass sie fast das Klopfen der im Berg arbeitenden Kaluren hören und die Wipfel der Bäume schwingen sehen konnte.
Auf der Rückseite jedoch, entstand ein Grundriss. Das Kloster war zu erkennen und die Kirche der Lichteinigkeit. An einer Seite aber war nun eine kleine Ausbuchtung, gleich der Nebenhöhle, angelegt in Form eines Hammers. Der lange Griff des Hammers führte auf den breiteren Kopf zu, in dessen Mitte eine Statue vermerkt war. der Raum rechts und links wurde markiert für die Bierlagerung sowie eine kleine Ikone.
Der Anblick des Steines riss sie, zum ersten Mal seit Tagen, aus ihrer Trance. Ein wenig verdattert stand sie da, während sich die unbestimmte Gewissheit breitmachte, die Antwort auf ihre Suche nach Ort und Form für den Schrein gefunden zu haben.
Sie räumte die restlichen geschliffenen und verzierten Steine zusammen in einen Beutel, schnallte sich diesen und den restlichen Proviant um, und machte sich ohne weitere Umschweife auf den Weg zurück zur Bauhütte. Den Saphir jedoch trug sie in einer kleinen, versteckten Tasche direkt am Herzen - er würde Teil des Schreins werden.