Aussatz!
Verfasst: Montag 3. April 2006, 21:51
Der eisige Wind zerrte gierig an Simeyons Robe und strich durch deren Löcher über seine geschundene Haut. Einige Möwen zogen über ihm krächzend ihre Kreise als er langsam vom Schiff schlufte und auf das Ende des Anlegers zuhielt. Keine Menschenseele war zu sehen in dieser Stadt, die wohl vorerst der letzte Ziel seiner Wanderschaft sein würde. Kleine Holzhäuser standen nah beieinander und nur der Wappenstein verriet, dass es sich hier um eine richtige Stadt handelte. „Bajard“ entwich es ihm, gefolgt von einem röchelnden Husten.
Langsam blickte er sich um und kam sich hilflos vor, so hilflos wie er es sich, seinem Leiden zum Trotz, seid langer Zeit nicht mehr gefühlt hatte.
Seine Gedanken schweiften ab, in Zeiten deren er sich kaum noch entsinnen konnte oder wollte, als er langsam den Uferweg entlangwanderte, sich mühsam ächtzend auf seinen Stab stützend und dabei leise unter seiner Vermummung murmelnd.
„Simeyon komm schnell nach Hause, das Essen ist längst fertig....“ die Stimme seiner Mutter, auch sie schon lange tot, dahingerafft von einem unheilbaren Husten, ebenso seine kleinste Schwester Maurin.
„Sagmal du unnützer Bengel, nicht einmal Kohle tragen kannst du? Dann feg die Schmiede aus, zumindest dessen solltest du wohl gerade mächtig sein!“ Wie aus weiter Ferne klang der tiefe dröhnende Bass seines Lehrmeister, des Dorfschmiedes Belchgrid an sein geistiges Ohr.... der Mann der ihm so viel lehrte und dem er so viel zu verdanken hatte.... auch wenn es nicht immer einfach gewesen war bei ihm!
Fast wäre er gestolpert als eine dicke Ratte dreist zwischen seinen Beinen hinduch schlüfpte und quiekend hinter einigen Kisten verschwand, welche an der Hauswand neben ihm gestapelt waren. Mühsam hob er den Kopf und versuchte mit trüben Augen die Schrift zu entziffern die auf dem Schilde stand. „K..arl... Gold...Hei..l..un...g“ entrang er seinen wunden Lippen. Es schmerzte ihn zu sprechen, sein gesicht war durch das salzige Seewasser empfindlich wie ein rohes Ei. Und dennoch murmelte er weiter vor sich her: „Heiler... pah... was habt ihr mir genutzt? Ihr die ihr meint alles zu wissen... verstossen habt ihr mich ob meines Gebrechens!“ Ein blutiger Klumpen Schleim landed auf der Schwelle des Hauses. Zitternd und den Atem rasselnd gehen lassend blieb er mit gesenktem Haupt eine Weile stehen....
Seine Eltern, fleißige aber arme Töpfer hatten sich stets bemüht, ihm und seinen fünf Geschwistern das Leben so leicht und vor allem so schön wie nur möglich war zu machen. Dunkel entsann er sich der verspielten Kindheitsjahre... grüner Wiesen beim Dorfe wo er gross wurde... und wo ihn auch das Schicksal einholte, nicht rasch und gnädig mit der wohl schlimmsten seiner Geißeln!
Anfangs hielt sein Vater es für einen Ausschlag wohlmöglich von dem neuen Tongrund den sie benutzen und mit dem Simeyon immer etwas übte wenn seine Lehrstunden in der Schmiede zu ende waren. Doch der Ausschlag wollte nicht weichen.
Erst nach Wochen begann er sich ernstliche Sorgen zu machen, als er eines Morgens ein gut handtellergroßes Stück Wangenhaut auf seinem Strohsack fand.... erschrocken suchten er und seine Eltern den Heiler und Weisen ihres Dorfes auf, doch als dieser ihn untersuchte wich er mit vor Grauen verzerrtem Gesicht zurück.
„Weicht von mir sündige Kreatur! Tremoras Zorn hat dich ereilt und nichts wird dich mehr schützen können!“ Der sonst so besonnene Mann weigerte sich standhaft ihm zu helfen, denn seiner Meinung nach gab es keine Hilfe für dieses Strafe der Göttin.
Schlimmer und schlimmer wurden die Ausschläge, mal klangen sie ab, wenn das Wetter milder wurde, doch als er seine Mannenschaft hätte begehen sollen, 18 Sommer waren seit seiner Geburt verstrichen, war er schon zu entstellt um unverhüllt auf die Strasse gehen zu wollen.
Die Kinder warfen Kot und Steinchen hinter ihm her, riefen „Triefer, Triefer!“ und die Erwachsenen machten einen Bogen um ihn wenn er so durch die Strassen strich. Selbst seine Eltern und Belchgrid sein Meister scheuten sich davor ihm zu nahe zu kommen. Unberührbar war er geworden.... sein Leib brannte mal wie Feuer, doch immer seltener wurden die Schmerzen.... eines Tages der Nagel der ihm im Fuss steckte... bemerkt nur durch das Stolpern....
Was mochte er sich an der Göttin versündigt haben, oh Tremora, welche Pein gibst du deinem Kind, wieso tust du das nur? Sein Flehen währte Wochen... Monate.... doch bevor es Jahre wurden war sein Kummer erschöpft... die Menschen die er liebte und verehrte fürchteten ihn, mochten nichts von ihm berührtes mehr berühren, ihr Ekel schlug ihm jedesmal wie eine Faust ins Gesicht....
So ging er fort... hoffte Heilung zu finden.... aber keiner all dieser Weisen Männer vermochte ihm zu helfen.... die meisten verweigerten gar die Hilfe so sie in sein Anlitz blickten, seiner Sünde seien sie nicht gewachsen, Trmora würde ihn richten.....
Und so schlich er bettelnd und um Almosen kriechend durch die Städte, Dörfer und Weiler... sie warfen ihm das Geld nur mit ausgestrecktem Arm in seine Schale, zu gross die Angst, sein unreiner Leib würde sie vergiften.... kaum einer sprach mit ihm und eines Tages stand er am Hafen.... die Masten der gewalltigen Kriegsschiffe und der winzigen Fischerschaluppen wiegten sich leicht in der Brise vom Meer... Schiffe fuhren ein und Matrosen riefen sich Unflätigkeiten zu....
In diesem Moment wusste er, seine Heimat war ihm fremd, geworden, nein, nicht fremd, sie hasste ihn abgrundtief! Wie nur sollte er seine Schuld bei Tremora sühnen, wusste er nichteinmal um seinen Frevel!
Mehrere Wochen lang bettelte er in den Straßen bis er sich die Überfahrt leisten konnte.... der Bootsmann des Steinschiffers mit dem er fuhr hatte ihn in der hintersten Ecke des Laderaums untergebracht, zwischen Ratten und beißendem Steinstaub.... doch nun war er hier.... dieses kleine Hafenkaff mochte ihm eine neue Heimat werden....
Erschrocken fährt er zusammen als aus einem der Häuser ein föhliches Lachen tönt.... verbittert blickt er gen des Hauses und Tränen fließen seine zerstörten Wangen hinab in seine Binden.... Niemals wieder würde er eine Heimat finden, da war er sich sicher.... nur seine Buße führ Temora tun.... sein Leiden tragen und den Menschen die Möglichkeit geben ihre Seelen ein bißchen reiner zu waschen....
Mit schlurfenden, leicht taumelnden Schritten schlich er von dem Heilerhaus fort.... röchelnd ging sein Atem als seine alte, zerkratzte Klapper hervorholte..... durch die Straßen streifend dreht er sie wieder und wieder, ihr Geräusch der einzige treue Freund den er kannte.... krrrrklack krrrrklack „Aussätzig, habt acht....:“ erklang seine düstere und bittere Stimme in den dämmrigen Gassen....
„Ein Almosen für einen Gezeichneten.... bitte Herren seid gütig, die Göttin wird es Euch zehnmal danken!“
Leise verklang das Klappern in den Straßen.... nur die fetten Ratten schienen von ihm Kenntnis genommen zu haben und huschten leise in ihre Gosse zurück......
Langsam blickte er sich um und kam sich hilflos vor, so hilflos wie er es sich, seinem Leiden zum Trotz, seid langer Zeit nicht mehr gefühlt hatte.
Seine Gedanken schweiften ab, in Zeiten deren er sich kaum noch entsinnen konnte oder wollte, als er langsam den Uferweg entlangwanderte, sich mühsam ächtzend auf seinen Stab stützend und dabei leise unter seiner Vermummung murmelnd.
„Simeyon komm schnell nach Hause, das Essen ist längst fertig....“ die Stimme seiner Mutter, auch sie schon lange tot, dahingerafft von einem unheilbaren Husten, ebenso seine kleinste Schwester Maurin.
„Sagmal du unnützer Bengel, nicht einmal Kohle tragen kannst du? Dann feg die Schmiede aus, zumindest dessen solltest du wohl gerade mächtig sein!“ Wie aus weiter Ferne klang der tiefe dröhnende Bass seines Lehrmeister, des Dorfschmiedes Belchgrid an sein geistiges Ohr.... der Mann der ihm so viel lehrte und dem er so viel zu verdanken hatte.... auch wenn es nicht immer einfach gewesen war bei ihm!
Fast wäre er gestolpert als eine dicke Ratte dreist zwischen seinen Beinen hinduch schlüfpte und quiekend hinter einigen Kisten verschwand, welche an der Hauswand neben ihm gestapelt waren. Mühsam hob er den Kopf und versuchte mit trüben Augen die Schrift zu entziffern die auf dem Schilde stand. „K..arl... Gold...Hei..l..un...g“ entrang er seinen wunden Lippen. Es schmerzte ihn zu sprechen, sein gesicht war durch das salzige Seewasser empfindlich wie ein rohes Ei. Und dennoch murmelte er weiter vor sich her: „Heiler... pah... was habt ihr mir genutzt? Ihr die ihr meint alles zu wissen... verstossen habt ihr mich ob meines Gebrechens!“ Ein blutiger Klumpen Schleim landed auf der Schwelle des Hauses. Zitternd und den Atem rasselnd gehen lassend blieb er mit gesenktem Haupt eine Weile stehen....
Seine Eltern, fleißige aber arme Töpfer hatten sich stets bemüht, ihm und seinen fünf Geschwistern das Leben so leicht und vor allem so schön wie nur möglich war zu machen. Dunkel entsann er sich der verspielten Kindheitsjahre... grüner Wiesen beim Dorfe wo er gross wurde... und wo ihn auch das Schicksal einholte, nicht rasch und gnädig mit der wohl schlimmsten seiner Geißeln!
Anfangs hielt sein Vater es für einen Ausschlag wohlmöglich von dem neuen Tongrund den sie benutzen und mit dem Simeyon immer etwas übte wenn seine Lehrstunden in der Schmiede zu ende waren. Doch der Ausschlag wollte nicht weichen.
Erst nach Wochen begann er sich ernstliche Sorgen zu machen, als er eines Morgens ein gut handtellergroßes Stück Wangenhaut auf seinem Strohsack fand.... erschrocken suchten er und seine Eltern den Heiler und Weisen ihres Dorfes auf, doch als dieser ihn untersuchte wich er mit vor Grauen verzerrtem Gesicht zurück.
„Weicht von mir sündige Kreatur! Tremoras Zorn hat dich ereilt und nichts wird dich mehr schützen können!“ Der sonst so besonnene Mann weigerte sich standhaft ihm zu helfen, denn seiner Meinung nach gab es keine Hilfe für dieses Strafe der Göttin.
Schlimmer und schlimmer wurden die Ausschläge, mal klangen sie ab, wenn das Wetter milder wurde, doch als er seine Mannenschaft hätte begehen sollen, 18 Sommer waren seit seiner Geburt verstrichen, war er schon zu entstellt um unverhüllt auf die Strasse gehen zu wollen.
Die Kinder warfen Kot und Steinchen hinter ihm her, riefen „Triefer, Triefer!“ und die Erwachsenen machten einen Bogen um ihn wenn er so durch die Strassen strich. Selbst seine Eltern und Belchgrid sein Meister scheuten sich davor ihm zu nahe zu kommen. Unberührbar war er geworden.... sein Leib brannte mal wie Feuer, doch immer seltener wurden die Schmerzen.... eines Tages der Nagel der ihm im Fuss steckte... bemerkt nur durch das Stolpern....
Was mochte er sich an der Göttin versündigt haben, oh Tremora, welche Pein gibst du deinem Kind, wieso tust du das nur? Sein Flehen währte Wochen... Monate.... doch bevor es Jahre wurden war sein Kummer erschöpft... die Menschen die er liebte und verehrte fürchteten ihn, mochten nichts von ihm berührtes mehr berühren, ihr Ekel schlug ihm jedesmal wie eine Faust ins Gesicht....
So ging er fort... hoffte Heilung zu finden.... aber keiner all dieser Weisen Männer vermochte ihm zu helfen.... die meisten verweigerten gar die Hilfe so sie in sein Anlitz blickten, seiner Sünde seien sie nicht gewachsen, Trmora würde ihn richten.....
Und so schlich er bettelnd und um Almosen kriechend durch die Städte, Dörfer und Weiler... sie warfen ihm das Geld nur mit ausgestrecktem Arm in seine Schale, zu gross die Angst, sein unreiner Leib würde sie vergiften.... kaum einer sprach mit ihm und eines Tages stand er am Hafen.... die Masten der gewalltigen Kriegsschiffe und der winzigen Fischerschaluppen wiegten sich leicht in der Brise vom Meer... Schiffe fuhren ein und Matrosen riefen sich Unflätigkeiten zu....
In diesem Moment wusste er, seine Heimat war ihm fremd, geworden, nein, nicht fremd, sie hasste ihn abgrundtief! Wie nur sollte er seine Schuld bei Tremora sühnen, wusste er nichteinmal um seinen Frevel!
Mehrere Wochen lang bettelte er in den Straßen bis er sich die Überfahrt leisten konnte.... der Bootsmann des Steinschiffers mit dem er fuhr hatte ihn in der hintersten Ecke des Laderaums untergebracht, zwischen Ratten und beißendem Steinstaub.... doch nun war er hier.... dieses kleine Hafenkaff mochte ihm eine neue Heimat werden....
Erschrocken fährt er zusammen als aus einem der Häuser ein föhliches Lachen tönt.... verbittert blickt er gen des Hauses und Tränen fließen seine zerstörten Wangen hinab in seine Binden.... Niemals wieder würde er eine Heimat finden, da war er sich sicher.... nur seine Buße führ Temora tun.... sein Leiden tragen und den Menschen die Möglichkeit geben ihre Seelen ein bißchen reiner zu waschen....
Mit schlurfenden, leicht taumelnden Schritten schlich er von dem Heilerhaus fort.... röchelnd ging sein Atem als seine alte, zerkratzte Klapper hervorholte..... durch die Straßen streifend dreht er sie wieder und wieder, ihr Geräusch der einzige treue Freund den er kannte.... krrrrklack krrrrklack „Aussätzig, habt acht....:“ erklang seine düstere und bittere Stimme in den dämmrigen Gassen....
„Ein Almosen für einen Gezeichneten.... bitte Herren seid gütig, die Göttin wird es Euch zehnmal danken!“
Leise verklang das Klappern in den Straßen.... nur die fetten Ratten schienen von ihm Kenntnis genommen zu haben und huschten leise in ihre Gosse zurück......