Blinder Passagier wider Willen
Verfasst: Dienstag 13. Oktober 2015, 14:00
Gedanken einer Piratin in Ausbildung
"Wir schreib'n den... Ach, vergess'n! Am Horizont geht langsam die Sonne unter. Das is', für gewöhnlich, der Zeitpunkt, wo die ganz'n Geschäfte schließ'n und die Auslagen von ihr'n Waren leer'n. Carmelino, ein kleiner und sehr dicker Mann, ist der Inhaber der örtlichen Bäckerei. Poah! Den Duft seiner Backwaren riecht man bis nach La Cabeza, da bin'ch mir sicher! Da mein Vater, der typische Trunkenbold ohne Zukunft, selten ein' Finger krumm macht, um Gold zu verdien', muss ich stehlen geh'n. Ich nehm' alles mit, was mir in die Hände fällt: Wasserflasch'n, Rum, Bier, Brot, Tabak... Gut, also: Da is' dieser dicke Bäcker und er braucht, weil er so fett is' - hab' ich das schon erwähnt? -, richtig lange, bis er seine riesige Bäckerei am Feierabend geleert, geräumt und gereinigt hat. Eigentlich kein Problem, sich in der Zwischenzeit reinzuschmuggeln und 'n paar Reste mitgeh'n zu lass'n. 'Hat immer geklappt, wird auch heute klapp'n', denk' ich mir..."
"Ich drück' mein' Rücken gegen 'ne Gass'nwand und späh' um die Ecke. 'S wird dunkel und das heruntergekommene Fischerdorf braucht sowieso 'ne Ewigkeit, bis die nächtlichen Straßenlaternen angezündet werd'n. Mein Blick liegt auf dem ermüdeten Schweinegesicht des bärtigen alten Fettsacks und ich seh' erst einmal zu, wie er Kiste um Kiste, mit den feinsten Leckereien, in seine Transportkutsche lädt. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen und ich sehne mich danach, herzhaft in ein weiches Stück Kuchen zu beiß'n. 'Porco di Merda, sparisci! Du fettes Stück Schweinedreck, verschwinde!', hör' ich meinen Kopf ungeduldig fluchen und knirsch mit den Zähnen. Da! Endlich! Er setzt sich auf'n Einstieg seiner Kutsche, verschnauft und wischt sich den Schweiß von sein'm errötet'n Gesicht. Ich schleich' mich unbemerkt durch die Ladentür, reib' grinsend die Hände aneinander und leck' mir die Lippen. 'S riecht so verdammt guuut! Eigentlich sollte es Routine sein: Hier 'n paar harte Brotreste einsack'n, dort 'n übriggebliebenes Törtchen, und dann nichts wie raus aus diesem Paradies!"
"Heute sollte es aber ganz anders komm'n: Ich wusste nämlich nich', dass der hässliche Bäcker 'ne ebenso hässliche Katze hat. All die Jahre hab' ich das Vieh nich' im Laden geseh'n. Tja, und da tret' ich der Flohkugel voll auf den Schwanz! 'Mrrriauuuh!', flucht sie laut, verbeißt sich an meinem Fuß, ich schrei auf und unterdrück' den Schmerz. Wie ich diese Katzenviecher hasse! Natürlich wird der Inhaber aufmerksam, glotzt mich aus seinen kleinen Schweineäuglein an und sein Gesicht wird noch roter, als es ohnehin schon is'. 'O Merda, devo scappare - oh Dreck, 'ch sollt' abhau'n', denk' ich mir, lege meine Arme um einen Beutel, den ich mit wenigen Backwaren füllen konnte und lauf' los. 'Fermati, piccola Puttana; bleib' stehen, du kleine Dirne!', ruft er mir nach. Ich renn' um mein Leben, sehe hin und wieder über meine Schulter und muss feststellen, dass der dickbäuchige Kerl erstaunlich schnell is'!"
"Ich verkriech' mich in eine weitere dunkle Gasse, dieses Fischerdorf is' ohnehin voll davon, und spring' in 'ne Frachtkiste rein. Ha! Glückstag! Noch mehr Backzeug! Brot und Kuchen verschlingend, überhöre ich das Fluchen meines Verfolgers und merke gar nicht, wie die Kiste, in der ich mich versteckt halte, angehoben und fortgetragen wird. 'Piccolo Diavolo, ti ammazzo! Du kleiner Teufel, ich bring' dich um!', kreischt der dicke Bäcker, während er sich verzweifelt umsieht, und ich muss leise kichern; wiege mich in der Backwarenkiste in Sicherheit und futtre mir ungeniert den Bauch voll. Nach einer Weile habe ich das Gefühl, dass die Kiste wieder festen Boden unter den, äh, Füß'n hat. Ich drück' meinen Kopf leicht gegen den Deckel und spähe nach drauß'n. Daraufhin muss ich meine Augen weiten. Ich befinde mich auf dem Schiff, das, für gewöhnlich, Backwaren aus meiner Heimat nach Gerimor und La Cabeza transportiert. Wurd' mir zumindest so erzählt. Die vorher weiß gekleideten Matrosen und, äh, Matrosinnen lassen ihre Hüllen fallen, lachen hämisch und schlüpfen in Piratenkostüme. Moment mal. Für Verkleidungen sehen die Knarren und Entermesser aber verdammt echt aus. Ich mach' mir in die Hose, bekomme Angst und verkriech' mich wieder in die Kiste. Das is' gar kein Transportschiff, sondern eins von Piraten! Was mach' ich jetzt? Die werd'n mir mit ihren Pistol'n das Hirn aus dem Kopf pusten, wenn sie mich hier erwischen!"
"Es kommt, wie es kommen muss: Der Kistendeckel geht auf und mein Herz bleibt steh'n. Schwerer, süßlicher Tabakduft weht mir um die Nase, gemischt mit einer ordentlichen Portion Rum. Gefällt mir, irgendwie. 'Is' das nich' die Neue?', höre ich eine dunkle Raucherstimme fragen, aus deren Richtung der schwere Geruch kommt. 'Keine Ahnung, Chérie, sollte sie eigentlisch nisch' was älterr sein und mehr Brüst habenn?', kontert die andere rauchige Stimme, anscheinend von 'ner sinnlichen Frau mit deutlichem Akzent, unwissend. 'Ah, mon Dieu! Sollte irr beibríngenn, wie man sisch an Stangen räckelt, aber das is' ja noch 'n Drei-Käse'och!' Ich kann ihre angewiderte Miene spüren, halte die Augen geschlossen, meine Knie angewinkelt, die Arme über meinem Kopf und zittre wie blöd. 'Pfff, mir Jacke wie Hose, Monique, nimm sie unter deine Fittiche. Ich bin zu alt für diesen Sch...', 'Mach' isch, Chérie.' Der stämmig klingende Kerl mit der Raucherstimme wendet sich polternd ab. Es verbleibt ein süßlicher Frauenduft. Pfirsichparfüm oder so. 'Na komm', Chérie, dü müsst keine Angst habenn. Die Männör 'ier tun nur alle auf böse.' Oha? Die klingt ja gar nich' mal so unfreundlich. Langsam traue ich mich, einen Blick nach oben zu werfen und sehe in das grünäugige Gesicht einer wunderschönen, Federhut tragenden Frau, mit Millionen an Kurven, großzügiger Oberweite und vollen Lippen, in ihren Zwanzigern. Poah! Ich hab' mich verliebt! 'Si si, eh, molto bene, sehr gut... Also... Ich bin Mina und muss hier arbeit'n, wurde mir gesagt?', stammle ich lügend und leg' mit unbeholfenem Grinsen den Kopf schief. 'Sehr ausgefüchster Plan, dich als Backlieferüng an Bord zu schmuggeln, Chérie. Oui, eigentlisch sollt' isch dir das Tanzen beibringön, aberr du bist noch zu jung!'"
"Zu jung, sagt sie. Monique soll sie heiß'n. Und nun? Bestimmt wirft sie mich Piranhas zum Fraß vor, oder so. Wieder fange ich an, zu zittern und drücke meine Knie aneinander, um mich nicht erneut zu bepinkeln. 'Hm, was mache isch mit dirr, Chérie...', murmelt diese unverschämt schöne Frau nachdenklich und steckt sich in der Zwischenzeit einen Glimmstängel zwischen die vollen Lippen. 'Komm mal aus dieserr Kiste raus, stinkt ja richtig nach Pissö!' Beschämt springe ich aus dem Backwarenbehälter. Im Gehen zündet sich Monique den Glimmstängel mit Pyriangestein an und pustet Rauch aus. Er stört mich nich', hab' mich selbst oft genug an Vaters Tabakreserven vergriff'n. Ich folge ihr in die Kajüte und lasse meinen Blick durch das unaufgeräumte Zimmer schweifen. 'Weißt du, Süße, el Capitano hat's nisch gern', wenn wirr nix an Bord tun. Isch würrde sagen, du übernimmst die Putze und fängst die Fisch, bis mirr etwas Besserös eingefallen is', oui?' Anscheinend keine Frage, sondern ein Befehl. Fischernetze, Behälter mit stinkenden Ködern und Angelruten habe ich in greifbarer Nähe. Ebenso Putzzeug. 'Va bene, na gut', denke ich mir. 'Besser einen auf Putzmädel und stinkende Fischerin machen, statt als Haifischfutter zu enden.' Entweder habe ich wahnsinnig viel Glück oder ein Händchen für die Fischerei. Ich bekomme selbst von den Veteranen an Bord erstaunte Blicke zugeworfen. Puh, hätte wirklich schlimmer laufen können. So vergehen einige Tage und ich bekomme einen Einblick in das Leben auf diesem Piratenschiff, als Backwarentransporter getarnt. Ich fange an, mich an die ruppige Crew zu gewöhnen und fühle mich als vollwertiges Mitglied. Wenngleich ich weder mit ihren Knarren schießen, noch an den Entereinsätzen teilnehmen oder kämpfen darf. Trotzdem: Hier gibt es keine Gesetze, nur Regeln. Keinen Glauben, nur Freiheit. Ich liebe es!"
"Im Laufe der Nacht werd' ich von Monique aus meiner Hängematte unter Deck geweckt. 'Chérie? Wir sind angekommen auf La Cabeza; Zeit, den Transport abzuladen.' Murrend trenne ich mich von meinem Schlaf und helfe der Crew beim Abladen der Fracht. Den Landgang nutze ich, um mich ein wenig auf der Insel umzusehen. Ich vergesse die Zeit, vor lauter Faszination, und höre aus dem Hintergrund nur noch Moniques Stimme poltern: 'Irr Idiotten 'abt was!? Romina auf der Insel vergessen!?', 'Tut uns leid, Chefin, aber sie war nicht aufzufinden.' 'Irr seid solche Dümmköpfe! Glaubt ihrr, el Capitano lässt uns fürr die Kleine zurückkehrön!?', 'Nein, Chefin.' Ich stehe am Hafen und sehe das Schiff mit meiner Crew zurücksegeln. La Cabeza hinter meinem Rücken. 'Ne völlig fremde Insel. Wehmut und Angst machen sich in meinem Inneren breit, aber mir bleibt nix anderes übrig. Hier wird wohl 'n neues Leben beginnen..."
"Wir schreib'n den... Ach, vergess'n! Am Horizont geht langsam die Sonne unter. Das is', für gewöhnlich, der Zeitpunkt, wo die ganz'n Geschäfte schließ'n und die Auslagen von ihr'n Waren leer'n. Carmelino, ein kleiner und sehr dicker Mann, ist der Inhaber der örtlichen Bäckerei. Poah! Den Duft seiner Backwaren riecht man bis nach La Cabeza, da bin'ch mir sicher! Da mein Vater, der typische Trunkenbold ohne Zukunft, selten ein' Finger krumm macht, um Gold zu verdien', muss ich stehlen geh'n. Ich nehm' alles mit, was mir in die Hände fällt: Wasserflasch'n, Rum, Bier, Brot, Tabak... Gut, also: Da is' dieser dicke Bäcker und er braucht, weil er so fett is' - hab' ich das schon erwähnt? -, richtig lange, bis er seine riesige Bäckerei am Feierabend geleert, geräumt und gereinigt hat. Eigentlich kein Problem, sich in der Zwischenzeit reinzuschmuggeln und 'n paar Reste mitgeh'n zu lass'n. 'Hat immer geklappt, wird auch heute klapp'n', denk' ich mir..."
"Ich drück' mein' Rücken gegen 'ne Gass'nwand und späh' um die Ecke. 'S wird dunkel und das heruntergekommene Fischerdorf braucht sowieso 'ne Ewigkeit, bis die nächtlichen Straßenlaternen angezündet werd'n. Mein Blick liegt auf dem ermüdeten Schweinegesicht des bärtigen alten Fettsacks und ich seh' erst einmal zu, wie er Kiste um Kiste, mit den feinsten Leckereien, in seine Transportkutsche lädt. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen und ich sehne mich danach, herzhaft in ein weiches Stück Kuchen zu beiß'n. 'Porco di Merda, sparisci! Du fettes Stück Schweinedreck, verschwinde!', hör' ich meinen Kopf ungeduldig fluchen und knirsch mit den Zähnen. Da! Endlich! Er setzt sich auf'n Einstieg seiner Kutsche, verschnauft und wischt sich den Schweiß von sein'm errötet'n Gesicht. Ich schleich' mich unbemerkt durch die Ladentür, reib' grinsend die Hände aneinander und leck' mir die Lippen. 'S riecht so verdammt guuut! Eigentlich sollte es Routine sein: Hier 'n paar harte Brotreste einsack'n, dort 'n übriggebliebenes Törtchen, und dann nichts wie raus aus diesem Paradies!"
"Heute sollte es aber ganz anders komm'n: Ich wusste nämlich nich', dass der hässliche Bäcker 'ne ebenso hässliche Katze hat. All die Jahre hab' ich das Vieh nich' im Laden geseh'n. Tja, und da tret' ich der Flohkugel voll auf den Schwanz! 'Mrrriauuuh!', flucht sie laut, verbeißt sich an meinem Fuß, ich schrei auf und unterdrück' den Schmerz. Wie ich diese Katzenviecher hasse! Natürlich wird der Inhaber aufmerksam, glotzt mich aus seinen kleinen Schweineäuglein an und sein Gesicht wird noch roter, als es ohnehin schon is'. 'O Merda, devo scappare - oh Dreck, 'ch sollt' abhau'n', denk' ich mir, lege meine Arme um einen Beutel, den ich mit wenigen Backwaren füllen konnte und lauf' los. 'Fermati, piccola Puttana; bleib' stehen, du kleine Dirne!', ruft er mir nach. Ich renn' um mein Leben, sehe hin und wieder über meine Schulter und muss feststellen, dass der dickbäuchige Kerl erstaunlich schnell is'!"
"Ich verkriech' mich in eine weitere dunkle Gasse, dieses Fischerdorf is' ohnehin voll davon, und spring' in 'ne Frachtkiste rein. Ha! Glückstag! Noch mehr Backzeug! Brot und Kuchen verschlingend, überhöre ich das Fluchen meines Verfolgers und merke gar nicht, wie die Kiste, in der ich mich versteckt halte, angehoben und fortgetragen wird. 'Piccolo Diavolo, ti ammazzo! Du kleiner Teufel, ich bring' dich um!', kreischt der dicke Bäcker, während er sich verzweifelt umsieht, und ich muss leise kichern; wiege mich in der Backwarenkiste in Sicherheit und futtre mir ungeniert den Bauch voll. Nach einer Weile habe ich das Gefühl, dass die Kiste wieder festen Boden unter den, äh, Füß'n hat. Ich drück' meinen Kopf leicht gegen den Deckel und spähe nach drauß'n. Daraufhin muss ich meine Augen weiten. Ich befinde mich auf dem Schiff, das, für gewöhnlich, Backwaren aus meiner Heimat nach Gerimor und La Cabeza transportiert. Wurd' mir zumindest so erzählt. Die vorher weiß gekleideten Matrosen und, äh, Matrosinnen lassen ihre Hüllen fallen, lachen hämisch und schlüpfen in Piratenkostüme. Moment mal. Für Verkleidungen sehen die Knarren und Entermesser aber verdammt echt aus. Ich mach' mir in die Hose, bekomme Angst und verkriech' mich wieder in die Kiste. Das is' gar kein Transportschiff, sondern eins von Piraten! Was mach' ich jetzt? Die werd'n mir mit ihren Pistol'n das Hirn aus dem Kopf pusten, wenn sie mich hier erwischen!"
"Es kommt, wie es kommen muss: Der Kistendeckel geht auf und mein Herz bleibt steh'n. Schwerer, süßlicher Tabakduft weht mir um die Nase, gemischt mit einer ordentlichen Portion Rum. Gefällt mir, irgendwie. 'Is' das nich' die Neue?', höre ich eine dunkle Raucherstimme fragen, aus deren Richtung der schwere Geruch kommt. 'Keine Ahnung, Chérie, sollte sie eigentlisch nisch' was älterr sein und mehr Brüst habenn?', kontert die andere rauchige Stimme, anscheinend von 'ner sinnlichen Frau mit deutlichem Akzent, unwissend. 'Ah, mon Dieu! Sollte irr beibríngenn, wie man sisch an Stangen räckelt, aber das is' ja noch 'n Drei-Käse'och!' Ich kann ihre angewiderte Miene spüren, halte die Augen geschlossen, meine Knie angewinkelt, die Arme über meinem Kopf und zittre wie blöd. 'Pfff, mir Jacke wie Hose, Monique, nimm sie unter deine Fittiche. Ich bin zu alt für diesen Sch...', 'Mach' isch, Chérie.' Der stämmig klingende Kerl mit der Raucherstimme wendet sich polternd ab. Es verbleibt ein süßlicher Frauenduft. Pfirsichparfüm oder so. 'Na komm', Chérie, dü müsst keine Angst habenn. Die Männör 'ier tun nur alle auf böse.' Oha? Die klingt ja gar nich' mal so unfreundlich. Langsam traue ich mich, einen Blick nach oben zu werfen und sehe in das grünäugige Gesicht einer wunderschönen, Federhut tragenden Frau, mit Millionen an Kurven, großzügiger Oberweite und vollen Lippen, in ihren Zwanzigern. Poah! Ich hab' mich verliebt! 'Si si, eh, molto bene, sehr gut... Also... Ich bin Mina und muss hier arbeit'n, wurde mir gesagt?', stammle ich lügend und leg' mit unbeholfenem Grinsen den Kopf schief. 'Sehr ausgefüchster Plan, dich als Backlieferüng an Bord zu schmuggeln, Chérie. Oui, eigentlisch sollt' isch dir das Tanzen beibringön, aberr du bist noch zu jung!'"
"Zu jung, sagt sie. Monique soll sie heiß'n. Und nun? Bestimmt wirft sie mich Piranhas zum Fraß vor, oder so. Wieder fange ich an, zu zittern und drücke meine Knie aneinander, um mich nicht erneut zu bepinkeln. 'Hm, was mache isch mit dirr, Chérie...', murmelt diese unverschämt schöne Frau nachdenklich und steckt sich in der Zwischenzeit einen Glimmstängel zwischen die vollen Lippen. 'Komm mal aus dieserr Kiste raus, stinkt ja richtig nach Pissö!' Beschämt springe ich aus dem Backwarenbehälter. Im Gehen zündet sich Monique den Glimmstängel mit Pyriangestein an und pustet Rauch aus. Er stört mich nich', hab' mich selbst oft genug an Vaters Tabakreserven vergriff'n. Ich folge ihr in die Kajüte und lasse meinen Blick durch das unaufgeräumte Zimmer schweifen. 'Weißt du, Süße, el Capitano hat's nisch gern', wenn wirr nix an Bord tun. Isch würrde sagen, du übernimmst die Putze und fängst die Fisch, bis mirr etwas Besserös eingefallen is', oui?' Anscheinend keine Frage, sondern ein Befehl. Fischernetze, Behälter mit stinkenden Ködern und Angelruten habe ich in greifbarer Nähe. Ebenso Putzzeug. 'Va bene, na gut', denke ich mir. 'Besser einen auf Putzmädel und stinkende Fischerin machen, statt als Haifischfutter zu enden.' Entweder habe ich wahnsinnig viel Glück oder ein Händchen für die Fischerei. Ich bekomme selbst von den Veteranen an Bord erstaunte Blicke zugeworfen. Puh, hätte wirklich schlimmer laufen können. So vergehen einige Tage und ich bekomme einen Einblick in das Leben auf diesem Piratenschiff, als Backwarentransporter getarnt. Ich fange an, mich an die ruppige Crew zu gewöhnen und fühle mich als vollwertiges Mitglied. Wenngleich ich weder mit ihren Knarren schießen, noch an den Entereinsätzen teilnehmen oder kämpfen darf. Trotzdem: Hier gibt es keine Gesetze, nur Regeln. Keinen Glauben, nur Freiheit. Ich liebe es!"
"Im Laufe der Nacht werd' ich von Monique aus meiner Hängematte unter Deck geweckt. 'Chérie? Wir sind angekommen auf La Cabeza; Zeit, den Transport abzuladen.' Murrend trenne ich mich von meinem Schlaf und helfe der Crew beim Abladen der Fracht. Den Landgang nutze ich, um mich ein wenig auf der Insel umzusehen. Ich vergesse die Zeit, vor lauter Faszination, und höre aus dem Hintergrund nur noch Moniques Stimme poltern: 'Irr Idiotten 'abt was!? Romina auf der Insel vergessen!?', 'Tut uns leid, Chefin, aber sie war nicht aufzufinden.' 'Irr seid solche Dümmköpfe! Glaubt ihrr, el Capitano lässt uns fürr die Kleine zurückkehrön!?', 'Nein, Chefin.' Ich stehe am Hafen und sehe das Schiff mit meiner Crew zurücksegeln. La Cabeza hinter meinem Rücken. 'Ne völlig fremde Insel. Wehmut und Angst machen sich in meinem Inneren breit, aber mir bleibt nix anderes übrig. Hier wird wohl 'n neues Leben beginnen..."