Wenn der Vater im Berg ruft
Verfasst: Samstag 10. Oktober 2015, 12:52
Die Augenbraue lüpfte empor, durch den Schein ihrer Lampe stierte sie über den Rand von Steinplatten hinweg gen Wand. Wie gestochen fuhr sie empor und krabbelte über den Steintisch hinweg, auf der anderen Seite polterte sie zu Boden – rappelte sich auf und eilte zur Wand. Farbe wurde genommen und ein Strich gesetzt.. Tief atmete sie ein und ließ sich auf den Boden zurück gleiten. Nun war es fertig. Dieser Strich, der hat es ausgemacht. Das Bild vor ihr war ein riesiger Bär, der das Maul weit öffnete um über einen Steinabsatz hinweg in die Ferne zu brüllen. Tatzen geformt wie Hände umklammerten den Absatz.
Nachdem sie am Tisch zurück war, ergriff sie die Lampe und erleuchtete das Bild an der Steinwand. Nein, doch nicht. Nein, so ging das nicht – ganz und gar nicht. Das sah aus.. Sie ergriff Lappen und tunkte ihn in einen Wassereimer und begann energisch das gesamte Werk von einem Wochenlauf wieder wegzuwischen. Eifrig ruppelte und schruppte sie an der Farbe herum. Erst als die Steinwand dahinter vollständig hergestellt war, ließ sie sich auf den Boden zurück sinken. Linksherum hatte sich an diesem Fleck, an dem sie die letzten Wochen schon so lange saß, Skizzen auf den Boden ausgebreitet. In weiß waren es Bilder von einem Bären, immer in offensichtlich der gleichen Pose – aber sie war in Nuancen doch anders! Das sah und wusste sie genau. Einmal war der Kopf höher, das Maul nicht so weit offen, die Hände größer oder kleiner. Nachdenklich betrachtet sie ihre Skizzen und drehte dabei an einem goldenen Ring in ihrem Haar herum.
Sie war eine Donnerfaust, wie sie im Buche stand. Feuerrotes Haar, von Stolz nur so beseelt und ihr eigener Goldfundus tief versteckt, für alle Augen unsichtbar. Nur eines fehlte ihr – doch sie war sich sicher, dass dies bald kommen würde – einen Bart. Aber immerhin hatte sie ja schon so ein Gefühl unter den Fingern, das war sicherlich Flaum! Ja, es konnte nichts anderes sein. In spätestens zehn Jahren würde sie sicher schon den ersten Goldring einflechten können. Doch das was Eirin sich als Flaum erträumte, war keiner und so starrte sie häufig in den See und erkannte: Nichts. Kein roter Schimmer. Ungeduldig war ein Donnerfaust nicht, doch sie musste sich langsam schon ein nervöses Kribbeln eingestehen. Ihre Kindheitsfreundin Ingrit hatte schon mit 35 Jahren einen Bartwuchs und Alrica kam schon mit 30 Jahren, mit einem unübersehbaren Flaum daher. Sie war nun 45 Jahre und wenn sie sich an ihre Mutter erinnerte, wurde ihr ganz flau im Magen. Diese hatte noch immer keinen Bart. Aber nein, sie würde sicherlich nach ihrem Vater geraten!
Er war ein Donnerfaust wie er nur auf Steintafeln verewigt werden konnte. Stolz, Ehrgeizig, Fleißig, meisterlicher Schmied und sein Bart ging ihm bis zum Hosenbund – buschig und feuerrot wie sein Schmiedefeuer. Ihre Brüder waren allesamt nach ihm geraten, also musste sie das auch tun. Sicher. Ganz sicher. - Hoffen durfte man ja. Auf ihre schweren Gedankengänge hinweg genehmigte sie sich erst einmal einen Schluck von Nulrics neueste Bierkreation. Eigentlich war es immer die selbe, doch ihr Bruder schwor darauf, dass es immer besser wurde – und Niemand widersprach ihm da. Immerhin war er fleißiger Brauer und gab sich seinem Handwerk vollends hin, neben seiner Jagd nach Schätzen. Mit Grauen konnte sie sich noch an die ersten Versuche von Nulric erinnern. Das konnte wahrlich nur ein Langbein trinken, doch zum handeln war es auch zu schlecht. Zum Glück hatte Nulric das auch bemerkt und die Sippe verbuddelte das schlechte Bier tief, tief, tief unten in einem Stollen. Auf das es niemals Jemand finden und trinken würde.
„Eirin wir gehen Oger jagen!“, kam die laute Stimme von Nulric durch die Gänge in ihre 'Kreativwerkstatt'. Das ließ sie sich nicht zweimal sagen. Schnell rappelte sie sich vom Boden auf eilte zu ihrer Rüstung und ihrem Hammer. Los ging es! Sie eilte der Sippe hinterher und an der Küche vorbei. Hier ging sie kurz rückwärts und linste zu ihrer Mutter. Da drehte sie sich um, eilte flink hinein und griff nach einem Stück Fleisch. „Hey! He!“, rief sie Mutter hinterher als die Diebin wieder aus der Küche eilte. Der braune Haarschopf wurde aus der Küche gestreckt und sie stierte der Tochter hinterher. Sie hasste es, wenn man ihr Werk aß bevor es fertig war. Doch ihrem Schatz, ihrer einzigen Tochter, konnte sie nicht lange böse sein. Und so ließ sie es dabei und begab sich wieder, fleißig wie eh und je, an ihre Arbeit um die hungrigen Mäuler nach der Jagd zu stillen.
Die Jagd war erfolgreich, wie immer. Die Sippe war gut in der Jagd und Eirin kannte ihren Platz. Wenn die Monster zu groß wurden zog sie sich in die letzte Reihe zurück und kramte ihre Elixiere und Bandagen heraus um sie an die Kämpfenden zu verteilen. Auch wenn sie gerne bis um Schluss in der vordersten Reihe kämpfen würde, kannte sie ihren Platz und war stolz darauf. Mit ihrem Handwerk, der Brauerei von Tränken, konnte sie bei der Jagd gut helfen. Ein paar Münzen vielen auch für sie ab und sie verstaute sie sofort, tief in ihrer Tasche. Ihr Schatz würde mit der Zeit immer weiter anwachsen und sie war sehr stolz auf die Masse die sie schon besaß!
Kaum waren sie zurück, fanden sich alle an einem großen Steintisch wieder, über und über beladen mit Köstlichkeiten und natürlich viel Bier. Cirmias musste gehuldigt werden für eine so erfolgreiche Jagd und so tranken sie und feierten auf die Jagd. Irgendwie stieg ihr das Bier schon viel zu früh zu Kopf. Seit sie 20 war, hatte sie das schon nicht mehr erlebt. Ihre Brüder verschwammen immer mehr und irgendwann sahen sie aus wie Bären. Ihr Ältester war ein Braunbär, ihr Vater feuerrot und ihr Jüngerer war auch rötlich. Ihre Mutter wurde zu einem dunklen Bär und dann rieb sie sich schwankend die Augen. „Eirin?“, ihr Bruder neigt sich zu ihr mit seiner dunklen Bärenschnauze. An den roten Bärenhaaren ihres Vaters stiegen Flammen empor und sie hörte von weit entfernt ein hämmern. Wie ein Schmiedehammer der auf einen Amboss schlug. Die Augen des Bärenvaters leuchteten sie tiefblau an, so blau wie Mithrill. Wieder rieb sie sich über ihre Augen. Ihre Familie lachte und stieß noch einmal darauf an, offenbar war die abwesend scheinende Eirin sehr amüsant. Die Stimmen wurden immer undeutlicher und sie hörte nur noch brummen. Das Hämmern wurde laute: KLONK – KLONK, ließ es sie mit jedem Schlag nun zusammen zucken und sie sah um sich: Doch niemand hämmerte hier auf etwas. Sie schob sich von ihrer Bank hinab und trottete aus der Küche. Sie musste in die Werkstatt, irgendetwas.. zog sie dorthin. Irgendein bärenartiges Brummen wurde ihr nachgerufen. Als sie in ihrer Werkstatt war atmete sie tief ein. Es war dunkel in der Werkstatt, zum Glück. Das Hämmern war wieder leiser geworden.
Doch was war das? Die Wand die sie so lange Zeit bemalt hatte glimmte blutrot wie Glut auf. Nun ließ sie sich auf dem Fleckchen sinken, auf dem sie die letzten Wochen so lange saß und die Wand anstarrte um sie zu bemalen. Das Leuchten formte rote Linien und zeichneten den Bären, welchen sie so häufig schon malte und wieder weg löschte. Doch da war nun kein Bild mehr an der Wand, das wusste sie und sie hatte das Bild auch niemals in rot gemalt. Die Linien bildeten den Bären mit gesenkten Kopf. Langsam hob er diesen empor und stieß einen lauten Ruf aus. Das Dröhnen des Bärenschreis hallte in ihren Ohren und sie hob die Hände empor. Doch dann drehte er den Kopf zu ihr, hob eine der handartigen Tatzen und bewegte den massigen Körper ihr zu. Dunkelblaue Augen leuchteten ihr direkt entgegen. Dann zerfiel die rot leuchtenden Linien, wie kleine Glühwürmchen schwirrten sie gen Boden. Dort wo sie den Boden berührten, verpufften sie in der Dunkelheit. Zum Schluss blieben nur die Augen übrig, bis das Leuchten auch hier nachließ. Sie blieb wie angewurzelt sitzen. Das hämmern war gänzlich verklungen.
Als sie sich erhob, hatte sie einen Beschluss gefasst. Das Bier stieg ihr vielleicht zu Kopf: Aber es war ein Ruf, dies hatte sie verstanden und sie zweifelte nicht daran: Der Vater des Berges hatte sie gerufen, zu was wusste sie jedoch nicht. Der Blick hob sich an und sie sah über die Bauhütte. Darogan aus der Bauhütte würde ihr sicherlich weiterhelfen können und so begann ihr Weg aus den tiefen Stollen.
Die Sippe nahm sie direkt mit offenen Armen auf. Die oberen Stollen waren so voller Geheimnisse. Sie wollte direkt alles erkunden. Am ersten Tag brachen sie nach Adoran auf, doch sie war so müde von dem langen Weg aus den tiefen Stollen, dass sie direkt auf der Straße eingeschlafen war. Die Menschen hatten schöne Steinstädte errichtet. Zumindest empfand sie diese als hübsch. Das Grün der Wälder war ganz neu und interessant für sie. Auch wenn sie natürlich von Bäumen las und wusste was sie waren, sie zu sehen war etwas ganz neues gewesen.
Nachdem die Tage von Jagten und gemeinsamen Sippenabenden geprägt waren, fand sie sich neben Baznuk auf einer Bank in der Bauhütte sitzend. Darogan gab eine Kunde über Cirmias und sie lauschte wachsam. Baznuk war eigentlich im Blute kein Donnerfaust, doch er wurde in ihre Reihen aufgenommen. In den Tagen war er ihr ans Herz gewachsen. Er war zwar manchmal etwas ungestüm, aber das kannte sie von ihren Brüdern – sie sprachen häufig schneller als sie dachten. Nachdem die Kunde vorüber war, konnte sie mit Darogan sprechen. Ihre Vision klang auch für sie wie ein Ruf des Bergvaters und so bekam sie drei Aufgaben die sie erledigen sollte bevor sie eine Weihe erhalten würde.
Zum einen sollte sie die Tiere der Bauhütte verpflegen. Dann sollte sie eine Art Text oder ähnliches verfassen über das Leben im Namen Cirmias. Und zu guter Letzt sollte sie die Schamanen der Thyren aufsuchen um mehr über sie zu erfahren und sich auszutauschen. Sie würde sich direkt am nächsten Tag an diese Aufgaben machen.
Und so führte sie ihr erster Weg nachdem sie aufgestanden war, wie die letzten zwei Tage, zur Bauhütte. Vor dem Käfig des heiligen goldenen Eichhörnchens hockte sie sich auf den Boden und holte eine Handvoll Nüsse aus ihrer Manteltasche. Sie solle den Geist frei machen, sich der Aufgabe hingeben. Das war leichter gesagt als getan. Eigentlich dachte sie, den Zustand von innerer Ruhe und ja, Gedankenlosigkeit, wäre kein Problem für sie. Doch wenn sie versuchte in diesen Zustand zu kommen, rasten ihre Gedanken schon genau darum – in diesen Zustand zu kommen. Sie warf dem Eichhörnchen die Nüsse nacheinander zu und beobachtete es dabei, wie es gierig sich eine Nuss in die Backentasche stopfte. Vielleicht half Bier. Immerhin kam sie in einem Rausch leichter in einen tranceartigen Zustand. Hatte sie den Gedanken erst einmal gefasst begann sie schon am frühen Morgen in der Bauhütte die Krüge zu leeren. Nach jedem Krug warf sie dem Eichhörnchen eine Nuss zu. Irgendwann war das Eichhörnchen wohl nicht mehr in der Stimmung und ignorierte die verteilten Nüsse. Es dauerte eine Zeit bis bei ihr ein Rausch einsetzte, immerhin bekam sie schon als Kind mit dem Mutterbier, das heilige Gebräu. Ihr Bierschlauch war leer geworden als sie merkte wie das schöne Gefühl eines Rausches einsetzte.
Sie rappelte sich auf ihre Beine und watschelte hinaus, die Tempelwachbären mussten noch gepflegt werden. Als sie die Bären erblickte musste sie kichern. Sie waren so wuschelig! Mit viel Schwung torkelte sie voran und lehnte sich über einen der treuen Bären. „Na komm her, Dickerchen.. akh soll dar Fell striegeln.“ Mit der blanken Hand strich sie über das Fell des Bären, wohl vergaß sie die Bürste in ihrer Tasche. Der Bär brummte gutmütig und ließ die seltsame Berührung über sich ergehen. „Dar bischt so.. wuschelig, kuschelig.“ Das Gesicht wurde in das Fell des Bären verborgen. Dieser hatte wohl nun etwas zu viel von ihrer kuschelei und steuerte einfach weiter. Als sie den weichen Halt unter sich verlor, kippte sie vornüber und legte sich in ihrer ganzen Länge auf den harten Boden nieder. Ihre Gedanken schweiften ab und sie blickte über den Boden den weggehenden Bären hinterher. > Gut, das ist wohl etwas zu viel Rausch < Sie verzog das Gesicht und schloss die Augen. Ein Nickerchen wäre nun angebracht. Sie rekelte sich auf dem warmen Steinboden und rollte sich etwas ein.
Der Traum war bedeutungslos, zumindest empfand sie es so. Ein alter Kalure wollte ihr erklären wie man einen Fisch in Bier einlegt. Dann wandelte sich sein Gesicht und der Alte wirkte wie Nurin, der sie belehrte der Weg den sie gehen würde, wäre nicht so leicht und viele Prüfungen würden warten. Als sie erwachte, kitzelte etwas ihre Nase. Sie wackelte mit dem Näschen und brummte missmutig auf. Im Halbschlaf legte sie die Arme um das weiche etwas, erst dachte sie es sei ihr Kissen. - Denn immerhin war sie zu Hause in ihrem gemütlichen Bettchen. Doch als das Kissen zu atmen begann und ein tiefes brummen ertönte, blinzelte sie verwirrt. Der Kopf wurde gehoben und verschlafen sah sie zu ihrem gemütlichen, atmenden Kissen. Einer der Tempelbären hatte sich zu der Kurzen gelegt, den schweren Kopf auf ihre Beine abgelegt und döste wohl mit ihr. Sie lächelte auf und zog vorsichtige die kleine Bürste aus ihrer Manteltasche, ohne den schlafenden Bär zu wecken. Behutsam begann sie dem dösenden und treuen Tier das Fell zu striegeln. Sie ließ ihre Gedanken nun einfach fließen, versuchte nicht mehr zwanghaft an nichts zu denken – sondern gab sich einfach der Aufgabe und ihren Gedanken hin. Es würde vielleicht noch dauern, bis sie die Trance und Meditation erreichte von der Darogan sprach, aber sie war auf einem guten Weg – zumindest hatte sie das Gefühl.
Nachdem sie am Tisch zurück war, ergriff sie die Lampe und erleuchtete das Bild an der Steinwand. Nein, doch nicht. Nein, so ging das nicht – ganz und gar nicht. Das sah aus.. Sie ergriff Lappen und tunkte ihn in einen Wassereimer und begann energisch das gesamte Werk von einem Wochenlauf wieder wegzuwischen. Eifrig ruppelte und schruppte sie an der Farbe herum. Erst als die Steinwand dahinter vollständig hergestellt war, ließ sie sich auf den Boden zurück sinken. Linksherum hatte sich an diesem Fleck, an dem sie die letzten Wochen schon so lange saß, Skizzen auf den Boden ausgebreitet. In weiß waren es Bilder von einem Bären, immer in offensichtlich der gleichen Pose – aber sie war in Nuancen doch anders! Das sah und wusste sie genau. Einmal war der Kopf höher, das Maul nicht so weit offen, die Hände größer oder kleiner. Nachdenklich betrachtet sie ihre Skizzen und drehte dabei an einem goldenen Ring in ihrem Haar herum.
Sie war eine Donnerfaust, wie sie im Buche stand. Feuerrotes Haar, von Stolz nur so beseelt und ihr eigener Goldfundus tief versteckt, für alle Augen unsichtbar. Nur eines fehlte ihr – doch sie war sich sicher, dass dies bald kommen würde – einen Bart. Aber immerhin hatte sie ja schon so ein Gefühl unter den Fingern, das war sicherlich Flaum! Ja, es konnte nichts anderes sein. In spätestens zehn Jahren würde sie sicher schon den ersten Goldring einflechten können. Doch das was Eirin sich als Flaum erträumte, war keiner und so starrte sie häufig in den See und erkannte: Nichts. Kein roter Schimmer. Ungeduldig war ein Donnerfaust nicht, doch sie musste sich langsam schon ein nervöses Kribbeln eingestehen. Ihre Kindheitsfreundin Ingrit hatte schon mit 35 Jahren einen Bartwuchs und Alrica kam schon mit 30 Jahren, mit einem unübersehbaren Flaum daher. Sie war nun 45 Jahre und wenn sie sich an ihre Mutter erinnerte, wurde ihr ganz flau im Magen. Diese hatte noch immer keinen Bart. Aber nein, sie würde sicherlich nach ihrem Vater geraten!
Er war ein Donnerfaust wie er nur auf Steintafeln verewigt werden konnte. Stolz, Ehrgeizig, Fleißig, meisterlicher Schmied und sein Bart ging ihm bis zum Hosenbund – buschig und feuerrot wie sein Schmiedefeuer. Ihre Brüder waren allesamt nach ihm geraten, also musste sie das auch tun. Sicher. Ganz sicher. - Hoffen durfte man ja. Auf ihre schweren Gedankengänge hinweg genehmigte sie sich erst einmal einen Schluck von Nulrics neueste Bierkreation. Eigentlich war es immer die selbe, doch ihr Bruder schwor darauf, dass es immer besser wurde – und Niemand widersprach ihm da. Immerhin war er fleißiger Brauer und gab sich seinem Handwerk vollends hin, neben seiner Jagd nach Schätzen. Mit Grauen konnte sie sich noch an die ersten Versuche von Nulric erinnern. Das konnte wahrlich nur ein Langbein trinken, doch zum handeln war es auch zu schlecht. Zum Glück hatte Nulric das auch bemerkt und die Sippe verbuddelte das schlechte Bier tief, tief, tief unten in einem Stollen. Auf das es niemals Jemand finden und trinken würde.
„Eirin wir gehen Oger jagen!“, kam die laute Stimme von Nulric durch die Gänge in ihre 'Kreativwerkstatt'. Das ließ sie sich nicht zweimal sagen. Schnell rappelte sie sich vom Boden auf eilte zu ihrer Rüstung und ihrem Hammer. Los ging es! Sie eilte der Sippe hinterher und an der Küche vorbei. Hier ging sie kurz rückwärts und linste zu ihrer Mutter. Da drehte sie sich um, eilte flink hinein und griff nach einem Stück Fleisch. „Hey! He!“, rief sie Mutter hinterher als die Diebin wieder aus der Küche eilte. Der braune Haarschopf wurde aus der Küche gestreckt und sie stierte der Tochter hinterher. Sie hasste es, wenn man ihr Werk aß bevor es fertig war. Doch ihrem Schatz, ihrer einzigen Tochter, konnte sie nicht lange böse sein. Und so ließ sie es dabei und begab sich wieder, fleißig wie eh und je, an ihre Arbeit um die hungrigen Mäuler nach der Jagd zu stillen.
Die Jagd war erfolgreich, wie immer. Die Sippe war gut in der Jagd und Eirin kannte ihren Platz. Wenn die Monster zu groß wurden zog sie sich in die letzte Reihe zurück und kramte ihre Elixiere und Bandagen heraus um sie an die Kämpfenden zu verteilen. Auch wenn sie gerne bis um Schluss in der vordersten Reihe kämpfen würde, kannte sie ihren Platz und war stolz darauf. Mit ihrem Handwerk, der Brauerei von Tränken, konnte sie bei der Jagd gut helfen. Ein paar Münzen vielen auch für sie ab und sie verstaute sie sofort, tief in ihrer Tasche. Ihr Schatz würde mit der Zeit immer weiter anwachsen und sie war sehr stolz auf die Masse die sie schon besaß!
Kaum waren sie zurück, fanden sich alle an einem großen Steintisch wieder, über und über beladen mit Köstlichkeiten und natürlich viel Bier. Cirmias musste gehuldigt werden für eine so erfolgreiche Jagd und so tranken sie und feierten auf die Jagd. Irgendwie stieg ihr das Bier schon viel zu früh zu Kopf. Seit sie 20 war, hatte sie das schon nicht mehr erlebt. Ihre Brüder verschwammen immer mehr und irgendwann sahen sie aus wie Bären. Ihr Ältester war ein Braunbär, ihr Vater feuerrot und ihr Jüngerer war auch rötlich. Ihre Mutter wurde zu einem dunklen Bär und dann rieb sie sich schwankend die Augen. „Eirin?“, ihr Bruder neigt sich zu ihr mit seiner dunklen Bärenschnauze. An den roten Bärenhaaren ihres Vaters stiegen Flammen empor und sie hörte von weit entfernt ein hämmern. Wie ein Schmiedehammer der auf einen Amboss schlug. Die Augen des Bärenvaters leuchteten sie tiefblau an, so blau wie Mithrill. Wieder rieb sie sich über ihre Augen. Ihre Familie lachte und stieß noch einmal darauf an, offenbar war die abwesend scheinende Eirin sehr amüsant. Die Stimmen wurden immer undeutlicher und sie hörte nur noch brummen. Das Hämmern wurde laute: KLONK – KLONK, ließ es sie mit jedem Schlag nun zusammen zucken und sie sah um sich: Doch niemand hämmerte hier auf etwas. Sie schob sich von ihrer Bank hinab und trottete aus der Küche. Sie musste in die Werkstatt, irgendetwas.. zog sie dorthin. Irgendein bärenartiges Brummen wurde ihr nachgerufen. Als sie in ihrer Werkstatt war atmete sie tief ein. Es war dunkel in der Werkstatt, zum Glück. Das Hämmern war wieder leiser geworden.
Doch was war das? Die Wand die sie so lange Zeit bemalt hatte glimmte blutrot wie Glut auf. Nun ließ sie sich auf dem Fleckchen sinken, auf dem sie die letzten Wochen so lange saß und die Wand anstarrte um sie zu bemalen. Das Leuchten formte rote Linien und zeichneten den Bären, welchen sie so häufig schon malte und wieder weg löschte. Doch da war nun kein Bild mehr an der Wand, das wusste sie und sie hatte das Bild auch niemals in rot gemalt. Die Linien bildeten den Bären mit gesenkten Kopf. Langsam hob er diesen empor und stieß einen lauten Ruf aus. Das Dröhnen des Bärenschreis hallte in ihren Ohren und sie hob die Hände empor. Doch dann drehte er den Kopf zu ihr, hob eine der handartigen Tatzen und bewegte den massigen Körper ihr zu. Dunkelblaue Augen leuchteten ihr direkt entgegen. Dann zerfiel die rot leuchtenden Linien, wie kleine Glühwürmchen schwirrten sie gen Boden. Dort wo sie den Boden berührten, verpufften sie in der Dunkelheit. Zum Schluss blieben nur die Augen übrig, bis das Leuchten auch hier nachließ. Sie blieb wie angewurzelt sitzen. Das hämmern war gänzlich verklungen.
Als sie sich erhob, hatte sie einen Beschluss gefasst. Das Bier stieg ihr vielleicht zu Kopf: Aber es war ein Ruf, dies hatte sie verstanden und sie zweifelte nicht daran: Der Vater des Berges hatte sie gerufen, zu was wusste sie jedoch nicht. Der Blick hob sich an und sie sah über die Bauhütte. Darogan aus der Bauhütte würde ihr sicherlich weiterhelfen können und so begann ihr Weg aus den tiefen Stollen.
Die Sippe nahm sie direkt mit offenen Armen auf. Die oberen Stollen waren so voller Geheimnisse. Sie wollte direkt alles erkunden. Am ersten Tag brachen sie nach Adoran auf, doch sie war so müde von dem langen Weg aus den tiefen Stollen, dass sie direkt auf der Straße eingeschlafen war. Die Menschen hatten schöne Steinstädte errichtet. Zumindest empfand sie diese als hübsch. Das Grün der Wälder war ganz neu und interessant für sie. Auch wenn sie natürlich von Bäumen las und wusste was sie waren, sie zu sehen war etwas ganz neues gewesen.
Nachdem die Tage von Jagten und gemeinsamen Sippenabenden geprägt waren, fand sie sich neben Baznuk auf einer Bank in der Bauhütte sitzend. Darogan gab eine Kunde über Cirmias und sie lauschte wachsam. Baznuk war eigentlich im Blute kein Donnerfaust, doch er wurde in ihre Reihen aufgenommen. In den Tagen war er ihr ans Herz gewachsen. Er war zwar manchmal etwas ungestüm, aber das kannte sie von ihren Brüdern – sie sprachen häufig schneller als sie dachten. Nachdem die Kunde vorüber war, konnte sie mit Darogan sprechen. Ihre Vision klang auch für sie wie ein Ruf des Bergvaters und so bekam sie drei Aufgaben die sie erledigen sollte bevor sie eine Weihe erhalten würde.
Zum einen sollte sie die Tiere der Bauhütte verpflegen. Dann sollte sie eine Art Text oder ähnliches verfassen über das Leben im Namen Cirmias. Und zu guter Letzt sollte sie die Schamanen der Thyren aufsuchen um mehr über sie zu erfahren und sich auszutauschen. Sie würde sich direkt am nächsten Tag an diese Aufgaben machen.
Und so führte sie ihr erster Weg nachdem sie aufgestanden war, wie die letzten zwei Tage, zur Bauhütte. Vor dem Käfig des heiligen goldenen Eichhörnchens hockte sie sich auf den Boden und holte eine Handvoll Nüsse aus ihrer Manteltasche. Sie solle den Geist frei machen, sich der Aufgabe hingeben. Das war leichter gesagt als getan. Eigentlich dachte sie, den Zustand von innerer Ruhe und ja, Gedankenlosigkeit, wäre kein Problem für sie. Doch wenn sie versuchte in diesen Zustand zu kommen, rasten ihre Gedanken schon genau darum – in diesen Zustand zu kommen. Sie warf dem Eichhörnchen die Nüsse nacheinander zu und beobachtete es dabei, wie es gierig sich eine Nuss in die Backentasche stopfte. Vielleicht half Bier. Immerhin kam sie in einem Rausch leichter in einen tranceartigen Zustand. Hatte sie den Gedanken erst einmal gefasst begann sie schon am frühen Morgen in der Bauhütte die Krüge zu leeren. Nach jedem Krug warf sie dem Eichhörnchen eine Nuss zu. Irgendwann war das Eichhörnchen wohl nicht mehr in der Stimmung und ignorierte die verteilten Nüsse. Es dauerte eine Zeit bis bei ihr ein Rausch einsetzte, immerhin bekam sie schon als Kind mit dem Mutterbier, das heilige Gebräu. Ihr Bierschlauch war leer geworden als sie merkte wie das schöne Gefühl eines Rausches einsetzte.
Sie rappelte sich auf ihre Beine und watschelte hinaus, die Tempelwachbären mussten noch gepflegt werden. Als sie die Bären erblickte musste sie kichern. Sie waren so wuschelig! Mit viel Schwung torkelte sie voran und lehnte sich über einen der treuen Bären. „Na komm her, Dickerchen.. akh soll dar Fell striegeln.“ Mit der blanken Hand strich sie über das Fell des Bären, wohl vergaß sie die Bürste in ihrer Tasche. Der Bär brummte gutmütig und ließ die seltsame Berührung über sich ergehen. „Dar bischt so.. wuschelig, kuschelig.“ Das Gesicht wurde in das Fell des Bären verborgen. Dieser hatte wohl nun etwas zu viel von ihrer kuschelei und steuerte einfach weiter. Als sie den weichen Halt unter sich verlor, kippte sie vornüber und legte sich in ihrer ganzen Länge auf den harten Boden nieder. Ihre Gedanken schweiften ab und sie blickte über den Boden den weggehenden Bären hinterher. > Gut, das ist wohl etwas zu viel Rausch < Sie verzog das Gesicht und schloss die Augen. Ein Nickerchen wäre nun angebracht. Sie rekelte sich auf dem warmen Steinboden und rollte sich etwas ein.
Der Traum war bedeutungslos, zumindest empfand sie es so. Ein alter Kalure wollte ihr erklären wie man einen Fisch in Bier einlegt. Dann wandelte sich sein Gesicht und der Alte wirkte wie Nurin, der sie belehrte der Weg den sie gehen würde, wäre nicht so leicht und viele Prüfungen würden warten. Als sie erwachte, kitzelte etwas ihre Nase. Sie wackelte mit dem Näschen und brummte missmutig auf. Im Halbschlaf legte sie die Arme um das weiche etwas, erst dachte sie es sei ihr Kissen. - Denn immerhin war sie zu Hause in ihrem gemütlichen Bettchen. Doch als das Kissen zu atmen begann und ein tiefes brummen ertönte, blinzelte sie verwirrt. Der Kopf wurde gehoben und verschlafen sah sie zu ihrem gemütlichen, atmenden Kissen. Einer der Tempelbären hatte sich zu der Kurzen gelegt, den schweren Kopf auf ihre Beine abgelegt und döste wohl mit ihr. Sie lächelte auf und zog vorsichtige die kleine Bürste aus ihrer Manteltasche, ohne den schlafenden Bär zu wecken. Behutsam begann sie dem dösenden und treuen Tier das Fell zu striegeln. Sie ließ ihre Gedanken nun einfach fließen, versuchte nicht mehr zwanghaft an nichts zu denken – sondern gab sich einfach der Aufgabe und ihren Gedanken hin. Es würde vielleicht noch dauern, bis sie die Trance und Meditation erreichte von der Darogan sprach, aber sie war auf einem guten Weg – zumindest hatte sie das Gefühl.