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Hamzas Gebtesbuch, Geschichten und Texte
Verfasst: Freitag 2. Oktober 2015, 17:35
von Hamza Mutalib Ifrey
Strahlend hell und leuchtend weiß schien die Mondsichel über Menek’Ur und tauchte, dort wo die strahlen das Wasser des Meeres berührten, alles in ein silbrig-blaues Licht. Hamza, der auf dem Dach des Familienhauses stand und seinen Blick eben diesem Schauspiel weihte, sog tief die kalte Nachtluft ein.
Eine Mischung aus Minzen, Zitrone, Jasmin, Zedernduft und Myrre drang von unten, aus dem Garten an seine Nase und schenkte ihm den Frieden, den er so sehr liebte und den zu erhalten er jeden Tag seines Lebens widmete. Wie gebannt starrte er auf das Wasser, in dem sich der Mond spiegelte und sich auf den Wellen brach, wie aufgereihte Perlen.
„Wenn das Wasser ist wie ein Spiegel, kann es den Mond anschauen.“
Stundenlang konnte er über die heiligen Verse der Gelehrten, die vor ihm wandelten, nachsinnen und seinen Geist neuen Sphären zu öffnen, gelang ihm mit Hilfe des Unterrichtes und seiner Ausbildung immer öfter. In solchen seltenen Momenten gab es dann kein ich und du mehr, nur die göttliche Einheit mit allem, was Leben in sich trägt.
Dies waren auch die Augenblicke, in denen er selbst am liebsten zu Schreibrohr und Papier griff um seine Gedanken und ein Teil seiner Seele auf Papier zu spiegeln….
Vertrauen auf Eluive:
Einst kam der Gesandte der Mara, Friede und Segen mit ihm, auf einer Reise an einem Bauern vorbei, der seinen Acker pflügte.
Dieser sagte zu ihm: „ Saajid, ich pflüge, obschon es nicht regnet, und säe all mein Korn in diese Erde. Bitte frag Eluive ob es regnen wird, oder nicht.“
Da ging Saajid auf einen Berg um Zwiesprache mit seiner Herrin zu halten und er fragte die Göttin: „ Jener Bauer dort pflügt und fragt mich ob es regnen wird, oder nicht?“
Eluive entgegnete: „ Es wird nicht regnen, Saajid.“
Saajid stiegt wieder von dem Berg herab und sagte dem Bauern: „ Lass das Pflügen, denn deine Herrin sagt, dass es nicht regnen wird.“ Und so ging er weiter.
Doch der Bauer machte sich wieder ans Pflügen und sagte zu sich selbst: „ Saajid sagt es werde nicht regnen, aber ich werde dennoch pflügen und Eluive vertrauen.“ Dann trieb er sein Lama an, stemmte sich in den Pflug und Eluive segnete ihn mit Regen und ließ seine Pflanzen wachsen.
Nach einigen Wochen kam Saajid wieder bei ihm vorbei und sah, dass das Feld dicht bewachsen war und er sprach zu seiner Herrin:“ Herrin, warum hast du mich vor diesem Mann die Unwahrheit sprechen lassen?“, doch Eluive gab zurück: „ Wisse, O Saajid, dass Wir keinen Diener enttäuschen wenn er sich an Uns wendet. Wer von Uns erbittet, dem müssen Wir geben und dieser Mann hat Uns vertraut, nachdem du weg warst. Daher gewährten wir ihm Regen.“
Verfasst: Freitag 2. Oktober 2015, 17:43
von Hamza Mutalib Ifrey
Sahib der Fromme:
Sahib war ein Händler, er hatte mit seiner Religion nicht viel zu tun, er war ein Händler!
Er kaufte Waren, er verkauft Waren; mal gewann er, mal verlor er!
Irgendwann hatte er genug davon und suchte einen Handel, der keinen Verlust bringt.
Als wollte er sagen, was Eluive, erhaben und glorreich ist Sie, sagte:
„ Oh ihr diejenigen, die Glauben im Herzen tragen. Soll ich euch auf einen Handel hinweisen, der euch einen Gewinn ohne Verlust bringt? Dann verinnerlicht den Glauben an Eluive und Ihren Gesandten!“
So begann Sahib damit, sich eine Gebetsstätte aus Ton zu errichten um sich seiner Herrin im Gebet zu nähern.
Eines Tages kam seine Mutter zu ihm und rief:“ Oh Sahib, mein Sohn, antworte mir!“
Sahib jedoch, war in sein Gebet vertieft und sprach zu seiner Herrin:“ Oh Eluive, mein Gebet oder meine Mutter?“ Er entschied sich für das Gebet und seine Mutter ging traurig davon.
Am nächsten Tag kam sie erneut und sprach: „Oh Sahib, mein Sohn, antworte mir!“
Sahib war jedoch wieder in sein Gebet vertieft; ein frommer Diener!
Erneut fragte er seine Herrin: „Oh Eluive, mein Gebet oder meine Mutter?“
Wieder entschied sich Sahib für sein Gebet und seine Mutter ging traurig davon.
Am dritten Tage kam seine Mutter erneut und rief zu ihm: „oh Sahib, mein Sohn, antworte mir!“
Und wie an den Tagen zuvor, war Sahib in sein Gebet vertieft und wieder entschied er sich dafür das Gebet zu verrichten, anstatt seiner Mutter zu antworten.
Sein Mutter war zutiefst verletzt und traurig und sprach zu ihrer Herrin: „Oh Eluive, lass Sahib nicht sterben, bevor er die Gesichter der Prostituierten sieht!“
Nun gingen die Tage ins Land und während die Leute in der Stadt zusammen saßen, sprachen sie über Sahib. „ Beim Barte des Propheten, Sahib ist wahrlich ein frommer Diener!“ und „ Hat jemand jemals einen frommeren Diener gesehen, als Sahib? Nur gutes kommt von seiner Zunge und er hält sich von dem Schändlichen fern.“
Unter diesen Leuten war auch eine Frau, die so schön gewesen sein soll, dass immer ihr Name viel, wenn die Leute über Schönheit sprachen. Aber jene war eine Frau ohne Grenzen!
Sie hörte also was die Männer sprachen und frage sie: „Wollt ihr sehen wie fromm Sahib ist? Ich werde ihn verführen!“
Sie sagten: „Nie wirst du es schaffen Sahib, den Frommen zu verführen!“
Die Frau ging zu Sahib, in ihren schönsten Gewändern und mit den erlesensten Düften und trat vor seine Gebetsstätte. Sahib, jedoch blieb standhaft und schickte sie fort.
Die Grenzenlose, jedoch ging zu einem Schäfer, der ganz in der Nähe seine Herde weidete und verführte diesen armen Narren und als dann die Zeit ihrer Niederkunft kam, nahm sie das Kind und ging zu den Männern in der Stadt.
Die Männer sahen sie und fragten sie von wem das Kind sei und sie antwortete: „Dieses Kind ist von Sahib, dem frommen Diener.“
Da packte die Männer eine Wut und sie rannten zu der Gebetsstätte des Sahib und mit Spitzhacke und Hammer, Schaufel und Spaten begannen sie das Bauwerk niederzureißen.
Als Sahib den Lärm hörte ging er vor die Tür und fragte, was dies alles zu bedeuten hätte. Da packten ihn die Männer, schlugen ihn, beschimpften ihn und legten ihn in Ketten. Als Ehebrecher wollten sie ihn auf dem Marktplatz köpfen.
Auf dem Weg in die Stadt standen einige Prostituierte und als Sahib sie sah, fing er an zu lächeln.
Die Männer fragten ihn: „Sahib, warum lächelst du? Bist du von Sinnen?“
Er antwortete: „Der Fluch meiner Mutter hat mich nun getroffen.“
In der Stadt angekommen, erblickte Sahib die Hinrichtungsstätte, die eigens für ihn errichtet wurde. Da fragte er die Leute nach Wasser, denn er wollte sich reinigen für das letzte Gebet und sie gaben es ihm. Dann frage er die Leute nach dem Neugeborenen und sie brachten es zu ihm. Sahib nahm das Kind in seinen Arm, hielt es hoch und fragte dann:“ Wer ist dein Vater?“ Der Säugling blickte zu ihm und sprach:“ Der Hirte!“
Als die Leute das hörten, warfen sie sich nieder und priesen Eluive. Sofort wurde Sahib die Ketten abgenommen und sie umarmten ihn und küssten ihn und baten um Vergebung, ob ihrer Fehler.
Und als Zeichen der Wiedergutmachung boten sie an, seine Gebetsstätte aus Gold, Silber und Juwelen wieder aufzubauen. Doch Sahib wollte nichts mehr, als seine ursprüngliche Stätte haben und so errichteten sie sie neu.
Sahib dankte seiner Herrin und lebte wieder in Frieden, doch von jenem Tage an hütete er sich davor nicht zu antworten, wenn seine Mutter ihn rief.
Verfasst: Freitag 9. Oktober 2015, 13:08
von Hamza Mutalib Ifrey
Hariq Baytar
In einem kleinen Dorf, am Rande der großen Durrah, lebte einst ein Schmied und sein Name war Hariq Baytar.
Er war bekannt für seine Kunst und von weit her kamen die Leute um seine Waren zu kaufen.
Aber nicht nur seine besondere Kunstfertigkeit machte Hariq so einzigartig….
Eines Tages kam ein Kunde bei ihm vorbei und was er sah, nahm ihm beinahe die Luft zum Atmen, so erstaunt war er über den Schmied. Denn er sah Hariq wie dieser ein Stück glühendes Eisen mit seiner bloßen Hand aus der Glut nahm und mit seiner Faust zu schmieden begann.
Der Mann sprach zu ihm: „ Bei Eluive, der majestätischen, was ist dein Geheimnis? Wieso kann dir das Feuer nichts anhaben?“ Doch Hariq Baytar zögerte ihm seine Geschichte zu erzählen. Erst nach langen hin und her begann der Schmied:
„ Einst lebte ein Freund in dem Haus neben meinem. Eines Tages kam er zu mir und bat mich um einen Gefallen. Er wollte verreisen und sagte zu mir: ‚ Mein Freund, ich werde eine Reise antreten. Hier hast du Gold, hudad geh jeden Tag für meine Frau einkaufen, stelle den Korb vor ihre Tür, klopfe an, kehre heim und fürchte Eluive dabei. ‘
So tat ich es jeden Tag, doch nach ein paar Tagen stand die Tür einen Spalt offen und ich konnte nicht widerstehen einen Blick in das Innere des Hauses zu werfen; und da stand sie!
Ihre Schönheit hat mich sofort gefesselt und ein ungezügeltes Feuer brannte in meiner Brust.“
Oh und wie die Herzen manchmal schwach werden können….
„ Ich redete auf die Frau ein, doch sie widersetzte sich mir und sagte, ‘ Fürchte Eluive‘, doch ich war wie besessen von ihr. Nach einer Weile sprach sie zu mir, 'Schließ die Vorhänge, alle Türen und Fenster, lösche das Licht und verdunkle die Räume…..egal was du unternimmst und wie viele Fenster du schließt und wie viele Kerzen du löschst, Eluive wird dich sehen‘.
Als sie dies sagte, fiel mir ein Schleier vom Herzen und ich konnte wieder klar sehen und denken. Und ich weinte und sprach zu der Frau ‚Bei der Mara, du bist eine fromme und gute Frau und ich bereue mein schändliches Treiben, so mache ein Bittgebet für mich, dass Eluive, die allverzeihenden, mich am Tag des Gerichtes und auf Erden, bewahrt vor dem Feuer. Und dies ist meine Belohnung in dieser Welt, dass das Feuer mir nichts anhaben kann.“
Verfasst: Freitag 12. Februar 2016, 14:51
von Hamza Mutalib Ifrey
Der Barbier und der Mann
Ein Mann ging zu einem Barbier , um sich Haare und Bart schneiden zu lassen.
Die Beiden kamen ins Gespräch und landetet auch bei der Frage nach dem Glauben...
Der Barbier meinte: "Ich glaube nicht, dass es so etwas wie Götter gibt."
Der Mann fragte: "Warum denn nicht?"
Der Barbier antwortete: "Geh nach draußen und sieh dich um. Überall wirst du verzweifelte, arme, kranke und unzufriedene Menschen sehen. Einsamkeit, Betrug, Mord und Krieg. Würde es Götter geben, so würden sie all dieses Elend und diese Ungerechtigkeiten nicht zulassen."
Der Mann war nicht derselben Meinung, sagte aber um des lieben Friedens willen nichts. Nachdem der Barbier fertig war, bezahlte der Mann und ging nach draußen.
Kaum aus der Tür, begegnete er einem anderen Mann. Dieser hatte ein ziemlich heruntergekommenes Aussehen, mit langen, zotteligen Haaren und zerzaustem Bart.
Der Mann ging wieder zurück in den Laden des Barbiers und sagt zu ihm: "Ich glaube nicht, dass es so etwas wie Barbiere gibt."
Dieser war verwundert und fragte: "Wie kommst du bitte darauf?! Ich bin doch Barbier. Noch vor wenigen Augenblicken hast du bei mir gesessen."
Der Mann sagte: "Geh nach draußen und sieh dich um. Würde es Barbiere geben, dann gäbe es keine Menschen mit ungepflegtem, langem und zotteligem Haar und Bart."
Darauf sagte der Barbier: "Ich bin doch gleich hier. Was kann ich dafür, dass diese Menschen nicht zu mir kommen?"
Der Richter und der Junge
Verfasst: Donnerstag 25. Februar 2016, 23:32
von Hamza Mutalib Ifrey
Einst wurde ein junger Mann von zwei Männern vor einen Richter gezerrt, auf das er Gericht halten möge.
Der Richter fragte sie: “Warum zerrt ihr jenen Mann zu mir?”
Sie sagten: “Dieser Junge hat unseren Vater getötet!”
Der Richter fragte den jungen Mann: “Stimmt das? Hast du wirklich ihren Vater getötet?”
Der Junge antwortete: “Ja, ich habe ihren Vater getötet, aber es war ein Unfall. Mein Grundstück und das ihre liegen nah beieinander und ihr Vater hat sich des öfteren über mein Lama beschwert. Es würde ihn durch sein blöcken stören. Eines Tages nahm ihr Vater einen Stein und verletze damit das Tier an seinem Auge. Ich sah das Lama leiden und das machte mich wütend und rasend. Also nahm ich einen Stein und warf ihn auf ihren Vater. Ich traf ihn am Kopf und er starb.”
Der Richter fragte die beiden Brüder: “ Wollt ihr diesem Jungen für diesen Unfall vergeben?”
Sie antworteten: “Keines Wegs, wir wollen Vergeltung!”
Also fragte der Richtung: “Hast du einen letzten Wunsch, oder eine Bitte an mich?”
Der Junge sagte: “Ja, mein Vater ist verstorben und er gab mir Gold für meinen jüngeren Bruder. Gewährt mir drei Tage, damit ich meine Angelegenheiten klären kann und den letzten Willen meines Vaters erfüllen kann.”
Der Richter gewährte ihm diese letzte Bitte, aber er sprach zu ihm: “Finde einen Bürgen, jemand der für dich gerade steht.”
Der Junge sah sich in dem gefüllten Gerichtssaal um und fragte: “Ist einer bereit mir heute zu helfen?”
Doch alle Anwesenden wendeten ihr Gesicht ab von ihm. Niemand wollte ihm helfen, niemand wollte für ihn bürgen.
Als sich hinten, in der letzten Reihe eine Hand erhob und ein unter den Menekanern hoch angesehener Mann sprach: “Ich werde für ihn bürgen!”
Die Leute waren sehr erschrocken, denn der Bürger für jemanden zu sein hieß gleichzeitig den Kopf hin zu halten.
Der Junge machte sich also auf den Weg. Ein Tag verging, zwei Tage vergingen und immer noch war keine Spur von ihm zu sehen.
Am dritten Tag kamen die zwei Brüder zu dem angesehenen Menekanern, um ihn vor den Richter zu bringen. Jener ging mit ihnen, sagte jedoch:” Noch ist der letzte Tag nicht zu Neige gegangen, also lasst uns Geduld haben und Eluive vertrauen.”
Kurz bevor die Sonne unter ging und sich die Leute schon zur Hinrichtungsstätte bewegen wollten, kam der Junge durch die Tür des Gerichtssaals gestürmt.
Die Leute waren erleichtert und starrten gespannt zwischen dem Jungen und dem Richter hin und her.
Der Richter fragte ihn: “Junge, warum bist zu zurück gekommen? Ich habe niemanden geschickt, der dich begleiten, oder beschatten, oder zurückbringen sollte. Was ließ dich zurückkehren?”
Der Junge antwortete: “Ich wollte nicht, dass irgend jemand sagt, ein Diener der Mara hätte sein Wort gegeben und es dann nicht gehalten. Deswegen bin ich zurückgekommen.”
Der Richter wandte sich an den Angesehenen und fragte ihn: “Was ließ dich für diesen Jungen bürgen?”
Jener antwortete: “Ich sah einen Diener der Mara in Not und ich wollte nicht, dass irgend jemand sagt, ein Diener der Mara war in Not und es hat sich niemand gefunden, der ihm helfen wollte. Deswegen habe ich für ihn gebürgt.”
Als die beiden Brüder dies hörten sagten sie: “Wenn es solche Menschen gibt, wie kann ein Diener die Mara um Vergebung bitten, aber selbst nicht bereit sein zu vergeben?”
So wurde dem Jungen vergeben und er wurde freigelassen.