Ein Ende und ein neuer Anfang
Verfasst: Samstag 19. September 2015, 14:20
Es war beinah Windstill, die See irritierend ruhig. Oshun blickte zum Horizont und versuchte ihr Gemüt zu beruhigen. Ihr Zuhause war nicht mehr, alles was sie noch besassen hatten ihr Mann und sie auf das Schiff geladen und mit viel Schmerz aus dem Hafen gesteuert. Hinter ihnen sahen sie das Inferno, das nach und nach ganz Luminor vernichtete. Der Streit der Götter hatte letztlich zu deren Untergang beigetragen. Die Nacht brach ein und nach und nach war das Inferno nur noch ein karminroter Streifen, der den Himmel dem Meer trennte.
Ihre Besatzung war spärlich ausgefallen, doch solange kein Wind aufkam, war das mehr als ausreichend. Oshun schloss die Augen und sog den Geruch des Meeres auf als plötzlich ein Windstoss aufkam, der ihr beinahe den Boden unter den Füssen geraubt hätte. Sie öffnete die Augen und sah mit Schrecken, dass in unnatürlicher Eile ein Sturm auf sie zukam. Die Ruhe war vorbei…
Jeder rannte so gut es bei einem sich in einem Sturm herumgepeitschten Schiff möglich war und versuchte seine Posten zu halten. Der Schiffsjunge versuchte gerade die Ladung zu sichern, als seine Öllampe sich löste und hinter die Truhen viel. Danach war alles verschwommen, jeder versuchte das Schiff zu halten, das Feuer einzudämmen, doch sie waren zu wenige und Oshun wusste, dass ihre Truhe mit den Trankutensilien irgendwo darunter war, alsbald das Feuer die Truhe erreichen würde… Der Gedanke war noch nicht fertig gesponnen als eine Explosion all der geleisteten Arbeit ein Ende machte. Wie in Zeitlupe sah Oshun, wie die Menschen an Bord weggeschleudert wurden, bis ein heftiger Aufprall und die kühle des Wassers ihrem Bewusstsein ein Ende machte.
Sie schlug die Augen auf und sah die Dunkelheit um sich, fühlte das Wasser und die Lungen in ihrer Brust brannten, verlangend nach Luft. Das brennende Schiff war die einzige Lichtquelle, die sie zur Verfügung hatte, neben ihr sank ihr einziger Besitz langsam in die Tiefen hinab und in die ewige Dunkelheit. Langsam erwachte ihr Geist und sie sah sich panisch um. Trelis trieb neben ihr ohne Bewusstsein, lange würden sie nicht mehr leben, wenn sie nicht schleunigst zur Wasseroberfläche und der nötigen Luft kamen. Sie streckte ihre Arme aus und erwischte knapp noch Trelis Hand. Diese so fest drückend wie sie konnte, versuchte sie die Wasseroberfläche zu erreichen. Langsam auftauchend streifte sie mit der freien Hand alles ab, was nicht von Nöten war und gewann langsam an Höhe. Plötzlich spürte sie einen Gegendruck, auch Trelis hatte das Bewusstsein erlangt und zusammen tauchten sie hinauf. Beide gaben nicht auf, beide wussten, für was sie kämpften und beide taten es für den Anderen.
Die Wasseroberfläche durchbrechend schnappten beide tief nach Luft und Husteten sich beinah die Seele aus dem Leib. Oshun streckte den Arm aus und zog ein Stück treibendes Holz zu sich. Vom Schiff selber war kaum noch etwas übrig, und was übrig war brannte lichterloh. Sie sah zu Trelis und verspürte diese seltsame Ruhe in sich, er war noch da, alles andere war nicht wichtig. Inmitten ihres versinkenden Hab und Guts, der brennenden Reste ihrer Vergangenheit, beugte sich Oshun zu Trelis und gab ihm einen sanften, langen Kuss. Nichts würde sie je aufhalten, nichts daran hindern ihr Leben wieder aufzubauen. In Bajard würde Irian auf sie warten und dort würden sie ihn treffen und wenn sie die ganze Strecke schwimmen musste. Das Schicksal hatte verloren, sicherlich, ihre Welt war zerstört worden, doch nicht ihr Leben und nicht ihre Liebe.
Sie arbeiteten zusammen und zogen Holz um Holz zu sich, bis sie ein brauchbares Floss hatten und ein Paddel. Sie wussten beide dass die Reise nicht mehr so lange sein konnte und die Route war sehr befahren von Händlern, sie würden es überleben. Eine kleine Sorge nagte jedoch weiter an ihr und hatte sie schon, als sie abgereist waren. Was würde aus ihrem Mann werden, da Iuris nicht mehr über ihm wacht und nicht mehr in seinem Herzen war? Würde er die neuen Götter annehmen, würde sich einer der Götter seiner annehmen?
Aus Irians Briefen war zu schliessen, dass Adoran ihr Ziel sein würde, Adoran und Temora, würden sie ihrem Mann die Heimat bieten, die er brauchte? Sie blickte ihn an und sah das Feuer in seinen Augen, sie lächelte ihm liebevoll zu und nickte ihm bestätigend zu. Sie hatten keine Wahl, sie würden sich seiner Annehmen, niemand konnte ihm widerstehen. Sie legte ihren Kopf an seine Schulter und schloss die Augen. Sie hatten eine Zukunft, und sie hiess Alathair.