Das Grundlegende der Kunst…
Verfasst: Sonntag 6. September 2015, 14:58
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… ist das Licht. Es gestaltet Ansicht, Form, Farbe und Gefühl. Egal was man abzubilden gedenkt, gleich was man beobachtet, träumt, sich vorstellt: alles ist bestimmt vom Licht. Das Licht schafft Raum, es macht die Dinge wirklich. Das Licht dominiert in jedem Bildnis. Was war schon ein dunkler Schatten in einem Gemälde, wenn in einem Bildnis voller Schwärze nur ein Licht noch brannte, welches das Augenmerk des Betrachters gänzlich auf sich zog?Johanna hatte ihre Arbeiten im Kloster für diesen Tag hinter sich gebracht, wobei es ihr auch schwere Mühe hätte bereiten können. Lange zu knien und sich in die Kräuterbeete zu strecken war auf Dauer anstrengend und das wollte sie nicht auf ihr Alter beziehen. Es war einfach mühsam. Jedoch war sie selten allein im Klostergarten und konnte sich neben der Farbenpracht und den Düften auch immer guter und heiterer Gesellschaft erfreuen.
Mit einer selbstverständlichen Herzlichkeit hatte man sie aufgenommen, als sei sie wahrlich willkommen und erwartet gewesen. Hochwürden Aurea hatte sie weniger gefragt als vermutet, vielleicht hatten ihr die wenigen Worte genügt um mit ihrer Menschenkenntnis zu verstehen, was Johanna hatte zum Ausdruck bringen wollen. Ihre Mitnovizen, sofern sie jene hatte kennenlernen können, waren alle für sich allein etwas Besonderes. Antorius war jung und auf eine aufgeschlossene Weise auch sehr eifrig. Dass er gerne hier war und sich auf dem vor ihm liegenden Weg freute war nicht einen Moment zu verneinen gewesen. Florentine war ein besonderer Mensch ganz für sich, sie war auffällig sarkastisch, rebellierend – Johanna mochte es dennoch in einen charmanten Rahmen einordnen. Aber was wusste Johanna schon über die vitale, wortgewandte Frau, denen sie an zwei Tagen begegnet war? Sie hatte sich in keinster Weise von Florentine abschrecken lassen, wie sie es spaßeshalber ankündigte.
Letztlich ging es aber nicht darum. Es ging um den Weg, das Licht, das alles berührbar machte, Pfade erleuchtete und gangbar machte. Die Aufregung um das Ankommen in Lichtenthal, den Eintritt in das Kloster und all die Aufgaben und Gesichter waren eine Ablenkung, die ihr willkommen war.en Sie hatte eine Vergangenheit, die immer im Jetzt und in der Zukunft da sein sollte, von der sie sich niemals lossagen wollen würde…
Zum Nachmittage hin setzte sie sich mit ihrer Lederkladde nach draußen, den mit Holz umwundenen Kohlestift zwischen den schlanken, hellen Fingern, die selten harte körperliche Arbeit wie andere vollrichtet haben mögen. Während sie die mit einem Messer bearbeitete Spitze über das raue Blatt führte und Licht und Schatten zusammenführte, dachte sie über das Gespräch nach, das sie mit einem Besucher des Kloster geführt hatte und über das Symbol des Adlers…
Dieses Bild würde die erste Seite ihres Zeichenbuches füllen.
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(ooc: Zeichnung von po-Johanna Hohenhain)