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Auf der Suche nach wahrem Reichtum...
Verfasst: Samstag 5. September 2015, 13:08
von Kheldairon
Was ist schon wahrer Reichtum? Ein jeder mag es etwas anders definieren. Ein Pirat wird sicher sofort sagen ein paar Kisten Gold, eine schöne Frau und eine Flasche Rum.
Ein Priester hingegen wird euch gewiss von seinem Glauben und der Hingabe erzählen.
Ein Kämpfer wird euch von Narben, einem guten Sold, einem guten Bier und vielleicht sogar einer Familie erzählen.
Ein Bauer vielleicht eher von der wahren Erfüllung während er seiner Arbeit nachgeht.
Doch vielleicht auch nicht, egal welcher Mensch, welche Rasse, welche Profession.
Reichtum hat viele Gesichter und viele gleichen sich, doch ein jeder sieht es ein Stück anders.
Für Kheldairon war es klar. Reichtum sind viele Taler um sich alles kaufen zu können. Jedenfalls am Anfang, je älter er wurde umso mehr begriff er, was wahrer Reichtum ist. Mit jedem Verlust den er erlitt begriff er, das eben dies grade ein unschätzbarer Reichtum war den er nicht zu würdigen wusste. Familie, Freunde, Kameradschaft, Heimat, Glaube, eine Überzeugung, Wissen & Erkenntnis, ein Ziel im Leben zu haben.. mit jedem Verlust begriff er mehr und mehr… er war so mit Reichtum gesegnet, nur um wieder als Bettler zu enden.
Doch um wahren Reichtum zu finden, muss man erst etwas verlieren, damit man etwas anderes noch mehr Wertschätzen kann.
ooc:
Kleine Zeitleiste, da es etwas verworren sein kann
230 - Geburt
246 - Reise zum Festland, Der Truppen beigetreten
255 - Das Inferno
256 - Folter der Gefangenen und Beginn seiner Rückreise/"Flucht"
258 - Rückkehr nach Gerimor
Chronologische Reihenfolge nach 258:
- Treffen mit den Praetorianern
- Entdeckung der Zerstörung Varunas, Besuch Adorans
- Erkundung des alatarischen Reiches, Reichskundeunterricht
- Der Ritter und die Clerica
folgt...
- Aufnahme in die P
- Das Studium des Glaubens
- Tages des Sturms
- Ein Entschluss von großer Tragweite
Verfasst: Samstag 5. September 2015, 13:16
von Kheldairon
Er blickte kurz hinauf gen Himmel. Einige Wolken, kaum ein Lüftchen und die Sonne hatte seit Tagen kein Lebenszeichen von sich gegeben. Es war früh am Morgen, vielleicht die 6. oder 7. Stunde. Sein Blick wandte sich nach links und während er sich den Helm aufsetzte, wiederholte er den Befehl seines Leutnants. „Kampfbereitschaft herstellen!“
Während der Wind weitere, doch diesmal dunklere Wolken in ihre Richtung trieb hob er seinen Schild an und richtete den Blick über die kleine Aue an der sie standen. Um die linke Flanke brauchte sich niemand Gedanken machen. Den Fluss in Rüstung zu überwinden? Niemals.
Und an der rechten stand Feldwebel Verlaphar. Er war ein sehr guter und vor allem wachsamer Soldat.
Den Blick richtete er nun wieder zu seinem Leutnant und erhob das Wort: „Und ihr seid sicher, dass sie kommen Damarius?“ Der Mann wandte den Blick gen ihm und nicht nur leicht. „Der Späher berichtete gestern sie wären nur noch einen halben Tagesmarsch entfernt Khel.“
Daraufhin nickte dieser ebenfalls und wandte den Blick furz über seine Schulter.
Nur zwei Züge wurden abgestellt um diese kleine Stadt zu schützen. Gut, mehr waren auch nicht in der Nähe stationiert. Der Blick wanderte nun wieder nach vorne und er seufzt schwer. Dann zeichnete sich im leichten Zwielicht eine Gestalt am Horizont ab. Sie war klein, gedrungen und sehr schnell, sie rannte gar. „Sie kommen!“ rief der junge Mann immer wieder. Darauf hatten sie gewartet und sofort richteten sich die Truppen in Formation aus. Zwei Züge, knappe 100 Soldaten. Jeder Zug für sich schon seit Jahren eine feste Einheit. Blindes, schier endloses vertrauen zu jedem Mann der neben einem in der Reihe stand.
Dann erschienen sie am Horizont. Schwarz wie die Nacht waren ihre Rüsten. Alleine ihr Auftauchen erzeugte ein starkes Unbehagen in jedem Soldaten und ein leises Raunen ging durch die Reihen. Vor einem Wochenlauf wurden ein ganzer Zug und ein größeres Dorf von ihnen überfallen. Einzig etwas Asche und ein paar Wege zeugten noch von der einstigen Existenz. Khel senkte kurz den Kopf, ehe er mit seinem Panzerhandschuh gegen sein Schild schlug. „Kronprinz, Reich und Temora zur Ehre Brüder!“ Immer mehr Soldaten stimmten mit ein, während sich der Feind auf der anderen Seite der kleinen Flussaue sammelte. „Wie viele sind es wohl?“ kam eine Frage aus den hinteren Reihen von einem Schützen. „Nicht mehr als 50, vielleicht 60“ erwiderte Khel leise „und nun Ruhe und Disziplin Soldat!“
Still wurde es nun auf der Aue und beide Seiten verharrten in ihrer Stellung. Es dauerte einige Minuten, bis sich ein einzelner Mann aus den Reihen des Feindes löste. In seiner linken hielt er einen Stab, doch stützte er sich nicht auf diesen. Gehüllt in eine schwarze, mit Ornamenten und seltsamen Schriftzeichen verzierte Robe, die Kapuze weit über den Kopf gezogen. Es wirkte fast, als wäre anstelle des Kopfes von dieser Gestalt nichts weiter als endlose Leere.
Mit jedem Schritt den sich Mann näherte erhob sich der Wind mehr und mehr, mit jedem Schritt starben Sonne und Licht etwas mehr und langsam glitten die kalten Klauen der Finsternis über die Aue, ihre Krallen nach den Soldaten ausstreckend, den Himmel über ihnen immer mehr verdunkelnd.
Und mit jedem Schritt spürte man, wie die Anspannung in jedem Soldaten wuchs, es wirkte gar, als würde sich die Anspannung der gesamten Umgebung erhöhen, als würde irgendetwas wachsen und alles verdrängen.
Auf der Mitte des Feldes stoppte der Mann und hob seine rechte Hand gen der Soldaten. Und während der Magier immer weiter in das Lied eingriff und immer mehr Energie an diesem einen Punkt im Himmel über den Soldaten bündelte blickte der Leutnant die Reihen seiner Soldaten entlang. Sie wirkten ängstlich, immer kleiner werdend, unruhig. verängstigt. Und ein jeder spürte die Anspannung die sich auf den Ort legte, während sämtliche Sekundärenergie verdrängt wurde.
Nun war es dem Leutnant genug, er hob sein Schwert und brüllte noch „Schützen, Anlegen und…“ und nach einem Hauch fast absoluter Dunkelheit öffnete sich über ihnen der Himmel und mit einer gleißenden Helligkeit die nur die Sonne je erreichte suchte eine gewaltige Flammensäule ihren Weg direkt ins Herz der Formation und verwandelte sich beim Aufschlag auf die Erde in einen Feuersturm, der 2/3 der Formation umhüllt, in sich aufnahm und verzehrte.
Ihre Schreie, wie wird man je diese Schreie vergessen können, als sich Rüste mit Fleisch verband und sich dieses vom Knochen löste, bevor die Gnade der ewigen Ruhe erteilt wurde? Während die verbliebenen Soldaten panisch, einem Hühnerstall gleich auseinander und wild durcheinander rannten? Und während sich unter lautem Geschrei die schwarzen Truppen donnernden Fußes näherten, blickte Khel ein letztes Mal auf einen Kameraden, der aus dem Feuer heraus gerannt war. Wie würde er je diesen Geruch vergessen können? Wie das vom Feuer zerfressene Gesicht, das einen Blick auf die Zähne und den Kiefer freilegte. Wie? Als er die sich nähernden Truppen sah spielte es keine Rolle mehr. Der Feind passierte grade den Magier und Khel bildete sich ein in der Finsternis der Kapuze das aufblinken von Zähnen, zu einem Grinsen geformt zu sehen. Doch auch dies war nicht mehr von Belang. Er hob den Schild, zog das Schwert und begrüßte die schwarzen Truppen auf die einzige Art und Weise, die ihm noch blieb. Der Kampf selbst dauerte nur Augenblicke. Ein, zwei nahm er noch mit, die in ihrem Übermut keinen Wert mehr auf ihre Deckung legten, ehe die Keule des dritten Bekanntschaft mit seinem Helm machte. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, als er nach hinten kippe, ihm das warme Blut über das Gesicht lief und er letztendlich auf dem Boden aufschlug. Und während er seine Augen nach dem Aufprall öffnete sah er nur wie sich die Keule ein weiteres Mal näherte….
Und er am Lagerfeuer mit einem lauten Schrei hochschreckte. Sofort griff er mit der rechten an seine dreckverschmierte Stirn und betastete die gut verheilte Narbe. Wann würde er je aufhören von diesem Tag zu träumen? Zwei Jahre war es nun her, das er von einem Kameraden gerettet und gen Fluss geschleift wurde, wo sie sich im Schutze des Schilfes versteckten bis zum Ende des Gemetzels.
Zwei Jahre, das er Stunden später über das Schlachtfeld ging und sie dort liegen sah. Seine Kameraden, seine Freunde, seine… Familie.
Dies war der Tag, an dem jeglicher Glanz in seinen Augen erlosch und in ihm noch viel mehr starb.
[img]http://i.imgur.com/jgkF2gh.png[/img]
Langsam erhob er sich von Lagerfeuer, dessen Flammen in der Nacht wild umher tanzten und den umgebenden Wald in ein Spiel der Schatten verwandelte. Doch es kümmerte ihn nicht mehr, was im Schatten lagern könnte. Er griff zielgerichtet zu einem Schlauch und trank einen großen Schluck alten, schalen Bieres. Die Zeit hatte ihm nicht gut getan. Die kurzen Haare von einst waren nun zu mindestens Schulterlangen, fettigen, verfilzten Strähnen verkommen. Der glatten Rasur wich ein ungepflegter Vollbart und seine Kleidung bestand mehr als Dreck der auf der Haut klebte als aus den Lumpen, die er noch nie sich trug. Und während er sein kleines Bündel an Habseligkeiten zusammen rollte dachte er erneut über seinen Weg nach.
Vor einem Jahr begann nun seine Flucht und sein Ziel war klar. Er würde Varuna wiedersehen. Er würde die einzige Heimat suchen, die ihm geblieben war. Die er vor 10 Jahren verließ.
Er trampelte das Feuer aus und blickt durch das karge Blätterdach des Waldes gen Himmel. Es dämmerte bereits, also Zeit den Weg fortzusetzen.
Verfasst: Samstag 12. September 2015, 23:10
von Kheldairon
Eine Weile stand er im Schatten der Bäume und beobachtete das Dorf. Sollte er es wagen dieses zu betreten? Oder lieber wieder direkt weiterziehen. Spätestens als eine Patrouille durch das Dorf ritt, war für ihn klar, heute Abend gab es mal wieder nichts zu Essen und kein Dach über dem Kopf.
Fast 1 Jahr war er nun schon auf der Flucht. So nannte er es jedenfalls, da es ihm als eine solche vorkam. Vielleicht würde es irgendwann mal riskieren ein Dorf zu betreten, doch nicht heute Abend.
Einige Stunden später und tief im Wald bereitete er sein kleines Feuer vor und rollte das Fell aus, das er zum Schlafen nutzte. Er wusste genau, das er wie jede Nacht von dem Inferno träumen würde, das vor fast 2 Jahren seine ganze Einheit ausgelöscht hatte. Doch für diesen Moment waren seine Gedanken fern. Sie waren bei jenem Tag, als er sich das letzte Mal von seinen Gefühlen leiten ließ. Als die Saat des All-Einen in ihn gepflanzt wurde. Doch bis er dies erkannte, würde noch weit über ein Jahr vergehen.
02. Searum 256
Wutentbrannt stürmte er aus dem Versammlungsraum der Unteroffiziere, nachdem ihnen der Plan des Hauptmannes unterbreitet wurde. Man würde die gut befestigte Stellung des Feindes im Westen angreifen. Eine Feste, gut behütet im Schatten eines Bergkammes. Die Tatsache, dass es in den Bergen Außenposten geben könnte, die in der Lage waren einen Ausfall zu machen wurde vollkommen ignoriert. Zu sehr vertraute man auf die bloße eigene Truppenstärke und Dummheit des Feindes.
Immerhin hatten einige der Späher von nichts dergleichen berichtet und die Gäste im Kerker schwiegen sich über diese Thematik aus. Normalerweise wäre es für ihn akzeptabel gewesen, doch Khel hatte sich nie von jenem Inferno erholt, auch wenn er allen etwas anderes erzählte. Daheim sitzen und nichts tun? Nein das konnte er nun wirklich nicht.
Doch dieses Mal war es anders. Dieses Mal kam eine Wut in ihm auf. Ein Hass auf die Dummheit der Vorgesetzten, die das Leben von so vielen einfachen Soldaten leichtfertig aufs Spiel setzten, nur damit diese Festung wieder zurückerobert wird. Bis er in den Hof trat und sah, wie an die Rekruten eine vollständige Kampfausrüstung aufgegeben wurde.
„Was, in Temoras Namen macht ihr hier?!“ ranzte er den Quartiermeister an. „Die Rekruten sollen morgen die Flanke decken, was also mache ich wohl, Feldwebel!“
Die Antwort schlug in ihn ein wie ein Blitz. Nun auch noch die Rekruten? Kannte die Dummheit des Hauptmannes den keine Grenzen mehr, so unerfahrene und untrainierte Kinder in die Schlacht zu werfen. Mit einem Kopfschütteln begab er sich sofort zu seinem direkten Vorgesetzten und schlug fast ein Loch in die Tür, so erregt war er. Auf ein „Herein“ stürmte er schon fast in die Stube des Leutnants hinein. „Bitte ums Wort, Leutnant!“ Dieser nickte ihm lediglich sachte zu, während er die Schreibfeder aus der Hand legte. Und mit jedem Wort wurde Khels Stimme lauter, gereizter, aggressiver.
„Ist das wirklich der Ernst des Hauptmannes die Rekruten mit in die Schlacht zu schicken? Das sind Kinder verdammt. Die sind den alatarischen Truppen nicht mal 5 zu 1 gewachsen! Hat der vollends den Verstand verloren oder nur wieder gesoff…“ und da hob der Leutnant schon seine Hand und erhob sich ebenfalls.
„Verlasst sofort mein Büro Feldwebel, sonst vergesse ich mich! Wie könnt ihr es wagen einen Befehl anzuzweifeln und dann noch so vermessen sein den Hauptmann zu beleidien! Dies war das letzte Mal, nach der morgigen Schlacht werdet ihr eine Disziplinarstrafe zu erwarten haben.
Ich weiß bis heute nicht, was Demarius in euch sah, das er eure Beförderung unterstützt hat.
Und jetzt WEGTRETEN!“
Die Hände formten zuerst eine Krallenform, ehe sie unter größter Anspannung zu Fäusten geballt wurden. Unter größter Anstrengung brachte er einen Salut heraus, ehe er aus der Stube stürmte.
Im Hof angekommen, ließ er seinen Blick über die Rekruten schweifen und plötzlich brauch es wieder in ihm durch. Er sah sie brennen, sie alle brennen und wie sie mit vom Feuer zerfressenen Körpern letzte Schritte taten, ehe die Überreste der Muskeln nicht mehr im Stande waren die Knochen zu stabilisieren und die Körper zusammen brachen. Er sank auf die Knie, die Hände an beiden Seiten des Kopfes auf Schläfenhöhe gelegt, starken Druck auf diesen ausübend, fast als versuche er zu verhindern, das etwas aus seinem Schädel heraus brauch. Als die Bilder aufhörten, kniete er schwer keuchend auf dem Boden und sah erst jetzt, dass umringt war von Soldaten. Doch keiner sagte etwas, alle starrten sie nur. Und sofort sprang er auf und suchte sich seinen Weg durch die raunende Menge in seine Stube und versenkte seinen Kopf in der Waschschüssel. Nachdem er den Kopf wieder hinaus gezogen hatte, betrachtete er sein durch fallende Wassertropfen immer verschwimmendes Spiegelbild. Was war nur mit ihm los? Ein Begriff wie Posttraumatische Belastungsstörung ihm gänzlich unbekannt.
Doch so fasste er den letzten und folgeschwersten Entschluss als Soldat.
Er sammelte jedes bisschen Disziplin die ihm noch geblieben war und begab sich zum Kerker. Vor einigen Tagen hatten sie zwei Späher aufgebracht und diese würden ihm jetzt Antworten liefern.
Dort angekommen sah er zur Wache und deutete aus dem Kerker hinaus „Ihr habt jetzt eine Stunde Pause und das… ist ein Befehl!“ Der recht junge Soldat nickte nur und verschwand von seinem Posten.
Und keine 5 Minuten später, traf bereits eine Faust, die in einem mit kleinen Metallplättchen verstärkten Handschuh steckte, direkt ins Gesicht des ersten Spähers. Ein leises knurpsiges Knacken verkündete das die Nase lieber dem Handschuh platzt machte, als an ihrer alten Form festzuhalten. Und ohne eine Frage zu stellen schlug er noch ein zweites, gar ein drittes Mal zu. Als sich beim 4 Schlag unter leisem knacken ein Zahn löste und eine Blutspur die Wand verzierte erhob er zum ersten Mal seine Stimme. „Wie ist die Feste bewacht! Wie viele Außenposten in den Bergen gibt es? Und wie viele Truppe sind dort stationiert!“ doch der Späher schwieg nur, hob den Kopf und blickte ihm fest entgegen. Erneut hob Khel seine Faust, bis weitere Zähne flogen und das linke Auge blutüberströmt, aufgeplatzt, zerquollen war. „Rede du Wurm!“ Doch weiter erfolgte keine Antwort. Lediglich auf der Nachbarzelle drangen leise Worte an die Ohren von Khel. „Konzentriere dich auf seinen Hass, schüre ihn, pflege ihn, gib dich ihm hin.“ Da er den Mann noch brauchte folgten nun mehrere Schläge in die Nieren und als krönender Abschluss ein Tritt gegen das Knie von vorne ausgeführt. Lautes knacken und spritzendes Blut, als der Knochen aus der Kniekehle hervor trat und der Späher zu Boden ging. Erneut leise Worte aus der Nachbarzelle… „Ja… ja… lasst euren Emotionen freien Lauf. Begrüßt sie, werdet eins mit ihnen!“ Ein leises Lachen erfolgte vom ersten Späher zur letzten Aufforderung von Khel: „Dir zu dienen, heißt sich völlig aufzugeben. Nileth Azur erwartet mich!“ Kurz sah Khel den Späher ah, ehe er erneut sein Bein anhob, doch diesmal trat er gegen die Kehle und während sich der Späher röchelnd, sabbernd, erstickend am Boden wandte, ging er bereits in die nächste Zelle. Der zweite Gefangene sah ihn ebenfalls direkt und offen an.
„Ich sehe es euch an. Ihr seid bereits voller Ehrfurcht vor uns. Ehrfurcht die ihr erlangt habt, als ihr euch unserer Kraft, unserer Macht gewahr wurdet. Doch genau jene Ehrfurcht lässt euch jetzt handeln, den Zorn und Hass in euch wachsen… euch stärker werden und handeln!“
Khel stand nur da und sah den Mann schweigend an. Woher… woher wusste er nur. Dann schüttelte er den Kopf und wiederholte seine einzige Frage: „Wie ist die Feste bewacht! Wie viele Außenposten in den Bergen gibt es? Und wie viele Truppe sind dort stationiert!“
Doch der zweite Mann schwieg ebenfalls und Khel war nicht weniger zimperlich mit ihm. Und während er ein Klappern und Rasseln von Kettenhemden durch die Flure des Kerkers hörte sprach der vor ihm liegende röchelnde Mann einige leise Worte. „Wir benötigen die Soldaten in den Außenposten gar nicht, den noch ehe die Sonne den Horizont küsst, werden eure Truppen brennen und in ein Reich ewiger Höllenqualen eingehen! Kra‘thor wird sie sich holen.“
Die Rufe seiner Kameraden und des Leutnants ignorierend hob er seinen Fuß und ließ ihn auf dem Kopf des Mannes niedergehen. Es bleib nichts, außer einer unförmigen Masse aus Knochen, Blut und Gehirn. Ein Kampf entbrannte in Khel. Ein Kampf der so viel Hass und Wut in ihm hochkommen ließ. Er hatte es gewusst, es war eine Falle. Und als jemand von hinten die Hand auf seine Schulter legte um ihn zum Umdrehen zu bewegen tat er dies auch, doch schlug er ebenso mit aller ihm zur Verfügung stehender Kraft zu, erst nach dem Schlag sehend, das es sein Leutnant war, dessen Kiefer ein wiedernatürliches Knacken von sich gab. Und dann wurde es dunkel vor seinen Augen.
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Einige Stunden später erwachte er in einer Zelle im Kerker. Seine Hände lagen in Fesseln und sein Hinterkopf schmerzte, der Kopf allgemein dröhnte, als würde er gleich explodieren wollen. Man hatte ihn wohl ohnmächtig geschlagen, so jedenfalls seine einzige logische Erklärung dazu. Nachdem er einige stöhnende Laute von sich gab, hörte er Schritte, die sich schnell entfernten begleitet vom rasselnden Wiederhall eines Kettenhemdes in den engen Gängen. Es dauerte noch lange, bis sich eine größere Anzahl an Schritten näherte. Ein Oberleutnant und ein Unteroffizier betraten die Zelle und sahen ihn in jenem geringschätzigen Blicke an, der sonst nur den Bettlern in der Gosse entgegen gebracht wurde.
„Habt ihr etwas zu eurer Verteidigung zu sagen?“ war die einzige Frage, die der Unteroffizier stellte.
Noch immer dröhnte Khels Kopf, doch er versuchte halbwegs klare Worte zu finden.
„Es ist eine Falle, sie erwarten euer Kommen und es –gibt- Außenposten mit Verstärkung!“
Der Offizier schüttelte nur seinen Kopf und erwiderte mit fast unerträglich gelassener Stimme: „Und das entnehmt ihr den Lügen der Ketzer…? Ihr seid eine Schade für euch und unsere Truppe. Übermorgen, nach der erfolgreichen Schlacht werdet ihr der nächsten Kommandantur vorgeführt und vor Gericht gestellt.“ Dann wandten sich beide ab und ließen ihn im fahlen Schein der Fackeln zurück. Er hatte versagt. Mehr ging ihm nicht mehr durch den Kopf, ehe er stillschweigend, gedankenleer den Boden vor sich ansah. Doch er blickte durch ihn hindurch in die endlose Leere.
Für ihn waren es nur Minuten, doch in Wirklichkeit waren es Stunden, bis er erneut Besuch erhielt. Doch diesmal war es sein Trupp, die Soldaten, die ihm blind folgten. Und auch ihnen sagte er dasselbe und das sie aufpassen sollten…. Denn der Morgen der Schlacht war gekommen.
Danach entschwand Khel wieder in seiner stillen Lethargie.
Stunden später hob er den Blick, als er einen Tumult einige Gänge weiter vernahm und die Wache in der Nähe seiner Zelle machte sich sofort auf den Weg dorthin. Einige Augenblicke später wurde schon seine Zelle aufgeschlossen und einige Mitglieder seines Trupps betraten die Zelle, blutverschmiert, doch lebend. Sie lösten seine Fesseln und drückten ihm ein Bündel auf Kleidung, Essen und einem Schwert in die Hand. Es war Zeit zu verschwinden. Während sie den Weg durch den Kerker suchten erklärten sie ihm alles. Er hatte Recht gehabt. Die Festung wurde kaum bewacht, sie war nur ein Lockmittel und kaum das sie eingenommen wurde, brach in ihr ein Inferno los, während Verstärkung des Feindes einen direkten Rückzug verhinderte.
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Doch zumindest ein Teil der Truppen war vorbereitet auf so etwas und hielt die militärische Disziplin erhalten. Eben jener Teil, der sich die Warnungen, zu Herzen nahm, die verbreitet wurden. Zwar konnte die Schlacht nicht gewonnen werden, doch hatten so die Truppen wenigstens eine reale Chance auf einen Rückzug. Doch nun musste ein Schuldiger her, jemand an dem man ein Exempel statuieren konnte, dem man eine Schuld eben konnte. Und wer bot sich dazu besser an, als jener in Ungnade gefallene Feldwebel. Doch noch war ein zu großes Chaos in den Barracken, zu viele Verwundete, zu viele Vermisste.
Ein letzter Salut von Khel erfolgte in Richtung seines Trupps. Ein letztes nicken am Rande des Waldes neben den Barracken gefolgt von einem leisen: „Danke“ dann verschwand er im Schutze des Waldes und rannte einfach nur vorwärts, weg von diesem Ort. Er würde seinen Kameraden auf ewig dankbar sein und gleichwohl beruhigte es sein Herz ungemein, das es einen Rückzug ab.
Dann blinzelte er etwas und sah wieder zu seinem Feuer. Was hatte ihn damals nur so weit getrieben? Er wusste bis heute keine Antwort auf diese Frage. Was er aber fühlte war der Frieden, der nun in seinem Herzen eingekehrt war. Hier draußen in der Natur kam er zur Ruhe. Bis auf jenen Traum jede Nacht, hatte er alles hinter sich gelassen. Morgen würde er seinen Weg fortsetzen. Bis zum einzigen ihn bekannten Hafen waren es noch mindestens 3-4 Monate bei seinem Tempo. Wahrlich eilig hatte er es inzwischen nicht mehr.
Verfasst: Sonntag 13. September 2015, 03:20
von Kheldairon
Nachdem er fast 2 Jahre durch das Land geirrt war, Verletzungen überstanden hatte und sicher mehrmals im Kreis gelaufen war hatte er endlich die Hafenstadt erreicht. Nun musste er sehr vorsichtig sein, so kurz vor seinem Ziel.
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Er wartete bis zum Einbrechen der Nacht und schlich in seine Lumpen gehüllt durch die Gassen der Stadt. Irgendwo am Hafen gab es sicherlich eine Taverne, wo man einen stink besoffenen Captain finden kommt, wo er anheuern konnte.
Gesagt und getan. Am nächsten Tag stand er an Deck eines Schiffes und sah richtete den Blick auf den Kontinent, der langsam entschwand. Soviel ließ er hinter sich. Jahre als Soldat, Kameraden, Erinnerungen, einen Haftbefehl und sehr viele Gedenkstätten.
Doch es war Zeit ein neues Kapitel in seinem Leben aufzuschlagen und gleichzeitig ein altes zu öffnen. Varuna, bald würde er seine Heimat wiedersehen und grausamer Weise feststellen, dass es keine Heimat mehr gab, zu der er zurückkehren konnte.
Doch schien es ihm, als wolle das Festland ihn nicht gehen lassen, so jedenfalls kam es ihm vor, als der Himmel seine Pforten öffnete und ein Sturm herein brach.
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Mehrere Wochen später…
Bajard, fester Boden… endlich! Er war zurück in der Heimat. Und nichts sollte ihn nun aufhalten. Jedenfalls nichts bis auf eine Lethra, die ihn entdeckte, als er sich an einem Lagerfeuer vor Bajard vorbei schlich. Und für den Moment malte er sich schon aus, wie er als mit Maden gefüllter Speckfinger enden würde. Doch es entwickelte sich tatsächlich ein Gespräch und das bisschen Humor, das er noch in sich mobilisieren konnte, reichte aus um Jexxe zu besänftigen die ihn dafür als Lagerfeuer kommandierte. Und nun saß er dort. Ein gefallener Soldat des lichten Reiches zwischen seinen ehemaligen Todfeinden. Doch auch als er es erzählte, schien es sie in keiner Weise zu kümmern, ganz im Gegenteil er bekam sogar Kleidung, Essen und Trinken. Sie sahen mehr in ihm als die Lumpen die er trug. Sie sahen den Menschen, ein verirrtes zielloses Wesen. Und doch behandelten sie ihn gleichwertig, keinesfalls von oben herab.
Doch wieso? Sie widersprachen allem, was er je von den Truppen Alatars zu wissen glaubte. Sie waren fast das komplette Gegenteil… gebildet, freundlich, bodenständig. Und sie luden ihn ein, das Reich zu besuchen. Keiner sollte ihm Leid zufügen oder ihn dafür strafen, dass er einst dem lichten Reich diente. So es der Weg für ihn sei seinen Fehler einzugestehen und dem Reich fortan zu dienen, würde ihm seine Vergangenheit vergeben werden.
Sie gaben ihm ein neues Ziel… sie waren Praetorianer.
Verfasst: Dienstag 15. September 2015, 03:53
von Kheldairon
Die Nacht verbrachte er standesgemäß im Wald. Doch wirklich zur Ruhe kam er dabei nicht. Immer wieder drangen die Worte der Praetorianer an sein Ohr, immer wieder raubten sie ihm den Schlaf, kurz bevor er wegdämmern konnte. Und je müder er wurde, umso stärker der Entschluss allen Gefahren zum Trotz Rahal zu besuchen. Doch nun hatte erst etwas Wichtigeres zu tun. Er war nunmehr nur noch einen Tagesmarsch von seiner Heimat entfernt. Der letzten, ihm noch verbliebenen Heimat, Varuna.
Er hatte sich den Praetorianern als Kheldairon, der Arme vorgestellt. Zwar mochte dies durchaus auch zu seinem Aussehen passen, doch ging es ihm in erster Linie um eine einzige Sache. Freunde, Kameraden, Heimat, Familie, Überzeugung und Glaube. Was war ihm inzwischen noch geblieben? Einst hatte er alles gehabt, war wahrlich reich und gesegnet und durch eine unnötige Gefühlsregung hatte er alles riskiert und am Ende auch alles verloren. Alles, bis auf den Ort seiner Geburt.
Doch wie heißt es doch ständig. Man weiß etwas erst zu schätzen, sobald man es wahrlich verloren hat und man wird es beim nächsten Mal so man eine neue Chance bekommt umso mehr zu schätzen wissen und es nie mehr loslassen wollen.
Seine Eltern selbst bezeichnete er allerdings schon lange nicht mehr als Familie, aber vielleicht lebten ja noch einige seiner Kindheitsfreunde?
Kurzerhand packte er sein Bündel zusammen und setzte seinen Weg bereits in dunkelster Nacht fort.
Einen Tag später, es dämmerte bereits und die Sonne begab sich auf ihre endlose Jagd nach dem Mond. Ein Kamerad hatte ihm mal erzählt, es seien zwei sich Liebende. Für ihre Taten wurden sie jedoch auf ewig verdammt, ein Leben ohne den anderen führen zu müssen, ein Leben in grenzenloser und erbarmungsloser Sehnsucht. Lediglich einige Augenblicke am Tage sei es ihnen gestattet sich zu sehen und dennoch waren sie so fern, dass die Sehnsucht nur noch größer wurde und sie sich nacheinander verzehrten…. Doch er konnte sich dies nie vorstellen. Nicht einmal Alatar wäre zu derartig Abgrundtiefem im Stande gewesen.
Und in jenem Zwielicht, in dem die Liebenden mit der Distanz rangen und die Sonne bereits ins Dunkel gerissen wurde erblickte er die Zinnen der Stadt und er beschleunigte seine Schritte, ja am Ende rannte er fast, nur um vor dem Haupttore auf die Knie hernieder zu sinken. Seine Augen weiteten sich, sein Kinn klappte wortlos herunter und ein stiller Schrei entrann seiner Kehle.
Fassungslos kniete er so minutenlang, bis sich die Dunkelheit der Nacht vollends über ihn legte und die Stadt zu einem neuen, anderen, zweifelhaften Leben erwachte.
Und während jene letzten Bewohner der Stadt auf ihn zu schlurften hob er langsam den Kopf und wand seine Besinnung zurück. Stillschweigend erhob er sich und verließ den Ort des Todes und der Zerstörung um seinen Weg gen Berchgard fortzusetzen. Während des ganzen Weges blieb seine Mine starr, regungslos, der Kopf leicht schräg gelegt und der Blick gen Boden gerichtet.
… die letzte Münze die ihm noch blieb, die Heimat, hatte sich vor seinen Augen aufgelöst…
Das einzige was er spürte war eine Klaue, die sich langsam um sein Herz legte und mit jedem Schritt gen Berchgard etwas weiter zu drückte. In Bajard hatte er von einem neuen Ort gehört, der ihm bis dahin noch vollends Unbekannt war… Adoran. Nachdem er Varuna gesehen hatte, macht es alles auch einen Sinn. Adoran war also wirklich die neue Hauptstadt.
Während er durch Berchgard spazierte ließ er den Blick schweifen. Wie wenig sich diese kleine Stadt doch verändert hatte in all den Jahren. Doch nun hatte er keine Zeit. In der hintersten Ecke seines Herzens loderte ein winziger Funke der Hoffnung auf, seine Familie könnte doch noch leben. Zumindest seine Mutter. Das Leben seines Vaters würde er höchst persönlich beenden, so er ihn findet und er sich in keiner Weise geändert hat.
An den Toren Adorans wurde er auch direkt von mehreren Gardisten angehalten. Tief zog er Luft durch seine Nase ein und versuchte möglichst unauffällig an ihnen vorbei zu gehen. In seinem Bauch bereitete sich ein Gefühl aus, derer er seit Jahren nicht mehr habhaft war. Es fühlte sich an, als würde sein Innerstes auf die Größe einer Faust zusammengepresst werden. Und einem Dolchstoß in seinem Herzen glich das Gefühl, als er doch tatsächlich angesprochen wurde. Tausend Gedanken gingen ihm in diesem Moment durch den Kopf. Aber die drei Dominantesten waren… „Soll ich einfach rennen? Ist mein Haftbefehl bis hier hin durchgedrungen, falls es ihn noch gibt? Beruhig dich einfach!“
Und der letzten Stimme folgte er dann und grüßte die Gardisten seinerseits höflich. In seinem Hinterkopf dachte er an den Haftbefehl und wie sehr er sich doch verändert hatte im Vergleich zu früher. Alleine die Haare, der Bart, das gealterte Gesicht. Doch wohl grade aufgrund seiner Freundlichkeit und Ehrlichkeit blieb es bei einer Belehrung ob der ihm bisher unbekannten Gesetze und, dass er seine Klinge ob der Gesetze abgeben musste. Und einen Moment zögerte er, bevor er ebenso seinen Dolch aus dem Stiefel zog.
Ebenso war der Gardistin sein Vater vollkommen unbekannt. Eine sehr gute Nachricht.
So spazierte er anschließend durch diese Stadt und hielt Ausschau nach Besonderheiten, lauschte den Gesprächen der Bürger, besah Statuen und Beschriftungen, ehe er genug Informationen für sich gesammelt hatte. Das sollte ausreichen um sich halbwegs sicher durch ihre Städte bewegen konnte, ohne direkt erkannt zu werden.
Von nun an würde er sich wohl regelmäßig in den Adoran und Berchgard aufhalten. Dies kam seiner Heimat immer noch am nächsten und würde ihn auf andere Gedanken bringen.
Dennoch gingen ihm die Worte der Praetorianer nicht mehr aus dem Kopf.
Und letztendlich war dies sowieso nicht mehr seine Heimat. Es war nur einen Ansammlung von aufgeblasenen Windbeuteln, die der Meinung waren, nur weil sie geboren wurden etwas Besseres seien.
Ein letzter Blick gen Adoran, ehe er den Gardisten in Temoras Namen stabiles Schuhwerk wünschte. Dann verschwand er schon in der Kutsche und fuhr damit gen Bajard….
Von hier aus würde er zu Fuß weiter laufen… es gab ein Reich zu erkunden.
Verfasst: Montag 21. September 2015, 22:43
von Kheldairon
Wir glauben, Erfahrungen zu machen, aber die Erfahrungen machen uns.
Eugène Ionesco
„Reichskundeunterricht am heutigen Abend“hallte es durch die Straßen, als Khel das erste Mal in seinem Leben die Hauptstadt des Reiches betrat, das er sein Leben lang bekämpft hatte.
Er war einfach nur beeindruckt von der schieren Größe und Stärke der Stadt. Wie hätte man je diese Mauern überwinden sollen? Wie hätte man je auf den Sieg hoffen können, wenn dies das Herz des Feindes war. Er verbrachte Stunden mit der Erkundung der Stadt, Stunden die Bürger bei ihren Alltag zu beobachten.
Es waren ganz normale Menschen, niemand wurde auf offener Straße gefoltert, geopfert, es gab keinen Hass und keinen Zorn. Es unterschied sich so sehr von jenem Bild, das sich in ihm geprägt hatte. Sie waren freundlich, zuvorkommend, gaben ihm willig Auskunft und halfen ihm, wo sie konnten.
Stunden später machte er sich auf den Weg nach Düstersee, wo der Reichskundeunterricht über die 4 Leitgedanken abgehalten wurde.
Hass, Zorn, Rachsucht… was bedeuten Sie, was löst sie aus?
Dies waren die ersten Fragen, die im Unterricht gestellt wurden.
Ungerechtigkeit, eigene Schwäche, Versagen, Beleidigungen und so vieles mehr können diese Gefühle auslösen, all das war ihm bekannt und nichts Neues, also musste es da noch mehr geben.
Und er lauschte weiter… „sich nicht blind leiten lassen von den Gefühlen.“ Aye, blind war er damals seinen Gefühlen gefolgt und es war der größte Fehler seines bisherigen Lebens. Nie wieder durfte er sich derart gehen lassen, nie wieder dem Gefühl die Kontrolle geben sondern es kultivieren, aufsparen und dann gezielt freisetzen.
Und nun folgte etwas, das für ihn wahrlich die größte Erleuchtung seit langem war.
Die Geschichte von Paia und wie diese Gefühle in die Welt kamen. Es dauerte einige Minuten, ehe er für sich klare Gedanken fassen konnte.
Er war es… er ab uns dieses Geschenk… und er erinnerte sich an früher, an die Lehren Temoras.
„Ist ein Geschöpf aber des Mitleids unwürdig so vergewissere sich der Strafende, dass er auf dem Weg des gerechten Zorns wandle und sich nicht dem grausamen Hass hingebe, der ein Fluch des Feindes ist.“
Doch wie konnte es ein gerechter Zorn sein, wenn Er, der All-Eine selbst, es war der dieses Gefühl in die Welt brachte. Wie Heuchlerisch die Priester doch waren, ein Geschenk des All-Einen gerecht zu nennen und so den Gläubigen Temoras zu erlauben auf den Pfaden des All-Einen zu wandern und gleichzeitig den Hass, ein anderes ebenso mächtiges Geschenk zu verachten. Doch war der Hass eine Disziplin des Glaubens derer tieferes Verständnis sich selbst vielen Gläubigen entzog, wie er Wochen später herausfinden würde.
Ehrfurcht, Macht und Stärke sind Teil des zweiten Leitgedanken Alatars.
Ehrfurcht vor allem empfinden? Und das aus freien Stücken? Für ihn klang das im ersten Moment sehr verworren, ehe er Stück für Stück die ersten Bestandteile zu begreifen schien. Noch was es alles sehr oberflächlich, doch reichte es ihm für diesen Abend vollkommen aus.
Habe Ehrfurcht vor deinem Feind, egal wie klein, schwach und Unterlegen er dir vorkommen mag um nicht in falschem Hochmut zu versinken. Sei dir immer und zu jedem Augenblick deiner selbst und deines Gegenübers im Klaren. Sobald du in so typischen falschen Hochmut des Ostens versinkst lässt du dich blenden und erhöhst damit dein Fehlerpotential so immens.
Habe Ehrfurcht vor denen, die über dir stehen, denn sie haben sich ihre Position hart erarbeitet und verdient. Sie wurden nicht in eine Position geboren, sie haben dafür Schweiß, Blut und viel Zeit vergossen. Egal wie unwirklich sie aussehen mögen, es war Alatars Wille und so er der Meinung ist sie erfüllen diese Position, sei es so!
Und ein Satz, der an diesem Abend fiel hallte noch Wochen in ihm nach, wurde gar etwas, das er zu gerne zur Verdeutlichung sagte…
Durch Ehrfurcht seinem Gegenüber die Stärke zu erhalten den Hass zu kontrollieren und dadurch zu noch mehr Stärke zu Gelangen.
Dominanz, Hierarchie, Tyrannei
Dieses Thema erreichte ihn noch nicht. Alatar steht über allem aufgrund der Dominanz seiner göttlichen Macht und jeder der in der Hierarchie über dir steht tut dies ebenfalls wegen der Dominanz seiner Macht, Kraft oder Listigkeit?
Und das der All-Eine als Tyrann über alles herrscht.
Von diesem Leitgedanken distanzierte er sich für den Abend deutlich. Zu wenig begriff er, was es mit all dem auf sich hatte und er wollte sich nicht abschrecken lassen von extremer Wortwahl und zu übertriebenen Formulierungen.
Hinterlist, Intrigen und Schattenkünste waren das letzte Thema des Abends, doch aufgrund eines Aufmarsches konnte es leider nicht in voller Gänze besprochen werden. Doch kam es Khel auch ganz recht. Viel zu viele Eindrücke, viel zu viele Informationen hatte er bereits gesammelt.
Und noch lange hallte der Unterricht in ihm nach. So viele Eindrücke, so viele Gefühle, so viele Erinnerungen die in ihm aufkamen. Und mit jeder Stunde, die er die Nacht wach saß keimte in ihm der Samen des All-Einen weiter auf und die ersten Wurzeln hatten sich bereits in sein Herz gebohrt und tief verankert. Erst in den Morgenstunden kam er langsam zur Ruhe. Morgen würde er dem Ritter eine Nachricht zukommen lassen.
Und so begann es.
Noch kratzte er lediglich an der Oberfläche eines Themas, eines Glaubens, gar eines ganzen Reiches das so viel mehr war als alles was er sich bis dahin nur vorstellen konnte.
Wie Unbedeutend sein Wissen doch noch war… ebenso unbedeutend wie ein Wimpernschlag gemessen am Alter der Welt, gemessen an der Zeit, die der All-Eine schon existierte.
Verfasst: Mittwoch 23. September 2015, 01:35
von Kheldairon
Mit Glauben allein kann man sehr wenig tun, aber ohne ihn gar nichts.
Samuel Butler, Englischer Schriftsteller, Philosoph und Essayist, 1835 - 1902
Welcher Ritter hätte sich in Adoran dazu herab gelassen einen besser gekleideten Landstreicher persönlich abzuholen? Niemand… und dennoch stand Dazen Wolfseiche persönlich an der Rahaler Bank und führte Khel zum Haus der Praetorianer.
Es war ein sehr interessantes und offenes Gespräch.
Es fühlte sich an wie eben jene Gespräche, die ein junger Mann mit seinem Vater führt wenn er an einem Scheideweg steht und weder den Einen noch den anderen Weg wahrlich erkennen kann. Der Ritter nahm kein Blatt vor den Mund und legte alle Tatsachen offen auf den Tisch.
Eben wurde Khel dazu angehalten offen und ehrlich zu sein und das war er auch. Und dem Ritter schien teilweise zu gefallen was er hörte. Das in diesem, sich selbst erniedrigenden, als wenig Wert ansehenden Kerl doch mehr als nur ein Funken Verstand steckt, weitaus mehr das nur wieder erweckt werden muss.
Es waren Sätze wie:
„Was bringt ein fähiger Waffenarm, wenn der Geist primitiv und die Gedanken nicht fokussiert sind?“
oder
„Die mächtigste Waffe über die ein jeder Soldat verfügt.. ist sein Glaube, seine Überzeugung und das Ziel, das ihn antreibt... so meine Überzeugung“
Dazen überreichte Khel an diesem Abend 2 Bücher, die sein Leben Grundlegend ändern würden. Die Gebote des All-Einen und seine Leitgedanken. 2 Schriften die er von nun an in Ehren hielt und jede freie Sekunde las er sie, studierte, interpretierte vor sich hin… versuchte für sich einen Konsens zu finden. Ebenso wurde er an den Tempel verwiesen. Clerica Treublatt würde sich seiner Annehmen können, seine Fragen beantworten, seine Interpretation prüfen können.
Und auch Sie traf er dort zum ersten Mal. Noch waren sie sich fremd und keiner konnte im Entferntesten die Zukunft erahnen. Sie, seine kalte, düstere Schönheit, sein Engel des Feuers.
Es vergingen einige Tage, die Khel fast vollständig dafür verwendete die Bücher immer und immer wieder zu Lesen. Er erinnerte sich an den Unterricht, versuchte einen eigenen Konsens zu finden und wartete auf den Termin mit der Clerica.
Tage später war es soweit. Das erste Mal, dass er den heiligen Tempel betrat. Clerica Treublatt hatte sich seiner angenommen. Und das erste Mal seit vielen Tagen spürte er, wie sich sein Innerstes immer mehr zusammen zog. Hallten doch noch die Worte von Althan durch seinen Kopf, die dieser beim Reichskundeunterricht eher nebenbei gesagt hatte. „Heute würden keine Köpfe rollen für eine falsche Antwort.“
Was würde ihn nun erwarten, was bevorstehen, wenn er etwas falsch hatte verstanden hatte. Waren die grausigen Geschichten über Rahal am Ende doch wahr?
Doch es kam komplett anders. Keine Strafe, keine Drohung… eher.. wie ein Gespräch mit der eigenen Mutter, so wohlbehütet und sicher fühlte er sich im tiefsten Inneren, auch wenn seine zitternden Hände eine andere Sprache sprachen. Und er erzählte ihr alles, seine Herkunft, seine Vergangenheit, seine Gedanken zum Glauben, seine Sorgen, Ängste, ja sogar von seiner Armut und wie er diese genau definierte.
Schon früh im Gespräch sagte sie ihm: „Während eurer Studien werdet ihr erfahren haben, dass der All-Eine jene segnet, die auf ihre Stärke und ihren eigenen Willen setzen“ und er nahm sich diese Worte sehr zu Herzen. Es war Zeit damit aufzuhören sich selbst zu erniedrigen, sich selbst als minder anzusehen. Eigentlich wusste er zu gut um seine eigene Stärke. Um die Tatsache, dass er so viele Schlachten überlebte und immer noch ein gesunder Mann war. Es war Zeit zurück zu finden zur eigenen Mitte und inneren Ruhe.
Doch der wohl wichtigste Teil des ganzen Gespräches für ihn folge erst darauf:
„Anders als in Adoran, braucht es keinen Ort, keinen Priester damit ihr sicher seid oder von denen ihr Hilfe erbitten könnt. Der Segen des All-Einen geht auf jene über, die den Funken der eigenen Stärke verspüren. Nicht die des Schwertarms, genau wie ihr sagtet, die Stärke des Willens. Wenn ihr diesen Funken in euch fühlt, dann wird jeder Ort an den ihr geht eure Heimat sein.“
Und so setzte sich das Gespräch noch lange fort. Für ihn war sie ein schier unendlicher Quell an Wissen und Weisheit. So zielerichtet, so direkt und dennoch so einfach die Worte. Und nachdem das Gespräch beendet war, er alle seine Interpretationen offen gelegt hatte, gar alles erzählte, was ich irgendwie eingefallen war, sagte sie einen Satz der ihn ungemein ehrte und den er noch die nächsten Tage in seinem Herzen trug. Es war der Stolz eines Jungen, den seine Mutter für etwas gelobt hatte, das er ganz toll gemacht hat.
„Ihr habt euch mit den Geboten befasst ... und wenn ich ehrlich sein darf, seid ihr was das betrifft weiter als ich es war, als ich meinen ersten Fuß auf alatarischen Boden setzte.“
Noch eine Weile sprachen sie über die nächsten Schritte, die Khel nun unternehmen sollte.
Dann verließ er den Tempel, doch war er nicht mehr derselbe, der ihn Stunden zuvor betrat.
Der Samen in ihm hatte sich derart tief verwurzelt, dass er aufkeimen konnte. Und es entfachte in ihm eine kleine Glut. Eine Glut die gefüttert werden musste mit Wissen und weiteren Schriften, mit Gesprächen und Interpretationen. Mit jedem Gespräch, mit jedem Buch und mit jeder Unterweisung im Glauben erstarkte die Glut etwas mehr.
Innerhalb dieser einen Woche, gelang es 2 Personen aus Kheldairon, den Armen wieder Kheldairon zu machen. Ohne das sie es wirklich wussten und vielleicht auch wollten, erneuerten Sie in ihm das zerbrechliche Gefüge, auf dessen Basis der Mensch wieder erstarkte. Es wurde ein Fundament erreicht, das derart massiv war, das es diesmal nichts mehr geben würde, was es zum Einsturz bringen könne.
Sie gaben ihm drei Dinge zurück, die er lange verloren hatte.
Sie gaben ihm den Glauben, die Überzeugung und eine Heimat.
Glaube, um zu erkennen; erkenne, um zu glauben.
Augustinus Aurelius (354 - 430)