Der vermummte Herr
Verfasst: Dienstag 25. August 2015, 21:59
Der vermummte Herr
Wie jeden Abend saß der Mann in seinem dunklen Kämmerchen im Keller des bereits leicht verwitterten Burgschlosses. Draußen hatte der Abend bereits jegliche Reste des Tages verschlungen und in unendliche Dunkelheit gehüllt. Es schien gar so als würde nur noch er auf dieser verbitterten Welt wach sein, nur noch er der an seinen Experimenten arbeitet. Alles schlief, alles ruhte bereits. Nur noch der Schein seiner unzähligen Kerzen erhellte das dunkle Kämmerlein inmitten des Herzens der Burg.
Der bereits in die Tage gekommene Mann werkelte an einer Rezeptur, an welche sich bis jetzt noch kein anderer Alchemist seines Schlages getraut hatte. Er arbeitete an dem reinsten Eisen, welches er bis zu jenem Zeitpunkt gesehen hatte, jenes Metall welches er von dem Schmied nebenan erhalten hatte. Zu seiner Zeit gab es noch nicht viele die sich an Versuchen mit dem Eisen gewagt hatten. „Jaja aber der Schmied von nebenan.“ – denkt ihr euch? Tja der weiß auch nur, dass wenn es heiß wird, ich es klopfen und somit in Form bringen kann….
Erzählungen anderer alter Alchemisten nach handle es sich hierbei um ein sehr gefährliches Metall vor allem in Bezug auf Versuche mit dem Feuer.
Dieser Geschichten galt es natürlich auf den Zahn zu fühlen. Was soll denn schon so gefährlich sein? Der trotzige, alte Schmied von nebenan handelt ja auch mit Metall und Feuer!
Also lag es da. Dieses reine Stück Metall. – Eisen in seiner reinsten Form.
Nicht oft hatte der alte Mann jenes Metall gesehen, war er doch regelrecht mit einer Kampfphobie geboren worden. Er war nicht derjenige der sich mit 10 Jahren einem Ritter verpflichtete und jenem als Knappe diente. Nein! Er war derjenige der sich die unterschiedlichsten Materialien in seiner Umgebung zusammensuchte und begann damit seine eigenen kleinen Versuche zu starten.
Versuche wie an jenem Abend. Der alte Mann begann damit das Eisen, welches bereits durch den Schmied in kleine, fachgerechte „Häppchen“ bearbeitet wurde mit den unterschiedlichsten Werkzeugen, die ihm zur Verfügung standen, zu bearbeiten.
In eine Phiole legte er ein Stückchen jenes Metalls goss etwas Ginsengsud hinzu und erhitzte es ein lange Zeit. – Keine Reaktion.
In eine weitere Phiole legte er wieder ein Stücken des Metalls. Hinzu gab er eine Mischung aus zermürbter Alraune und gepresstem Blutmoos. Auch jener Cocktail wurde wieder entsprechend über längere Zeit erhitzt. Bis auf dass sich jenes Gemisch auf den unterschiedlichsten
Temperaturen farblich veränderte… - keine besondere Reaktion.
In die dritte Phiole versuchte sich der Mann nun an einem anderen Aggregatzustandes des Metalls. Gänzlich schmolz er das Stückchen Metall zu einer Flüssigkeit. Jene Flüssigkeit wurde in ein Granitbehältnis gegeben. Hinzu kamen Fledermausflügel, Schwefelasche und ein wenig gepresste Fliegenpilzflüssigkeit. – Bis auf das es ein wenig bitzelte, blubberte und schließlich ein gelblicher Dampf aus der Flüssigkeit empor stieg, keine besondere Reaktion.
Dem alten Mann gingen nun so langsam die Ideen aus. Wurden doch alle anderen bekannten Reagenzien mit dem geschmolzenen als auch dem festen Metall bereits getestet. Zur Korrektur seiner Meinung, las er nochmal genauestens in seiner Alchemie-Fibel nach in welche er alle aktuellen Forschungen dokumentierte.
Lange Zeit saß der alte Mann vor diesem letzten Stück Metall, welches scheinbar vor ihm lag und ihm zu gaukelte „Du findest ja doch nichts Neues über mich heraus, haha, du Nichtsnutz! Wie soll aus dir ein Namhafter Alchemist werden (dies war wohl des alten Mannes, tägliches Verlangen) wenn du einen nach dem anderen Versuch in die Tonne haust und nur deinen eigenen Goldbeutel belastest?“
Alsdann schüttelte sich der Mann. Hatte er dies geträumt oder wird er wirklich langsam verrückt?
Oder war es doch einfach nur die Schwefelasche, welche er zu viel eingeatmet hatte?
Plötzlich schnipste der Mann mit den Fingern und schlug kurz auf den Tisch. Schwefel……Asche……Pulver…..! Das ist es.
Der alte Mann schnellte aus seinem Stuhl hervor, schneller als ihn seine Beine jemals trugen. Alle Schubladen der Werkbank wurden durchsucht. Scheinbar suchte der Mann etwas bestimmtes, etwas womit er seinen letzten Versuch retten wollte. Er grub in jeder Schublade, gleich eines dieser Untoten Viecher welche auf den fernen Friedhöfen rastlos umher irren.
Schließlich schrie er: „HAH! Hab ich dich!“
Nur unter Mühe zog er schließlich eine große grobe Feile hervor. Siegreich hielt er die Feile ins Licht der Kerzen, wie der Ritter den Kopf seines Kontrahenten. Nur kurz schweifte sein Blick zwischen dem Metall und jener Feile einher, als er sich an jenem zu schaffen machte.
Mühselig machte sich der Mann daran das Metallstück in feines Pulver zu verarbeiten. Ein armseliges Ächzen und Krächzen durchzog die nächtliche Ruhe wie der schrille Brunftruf des Elches im Bitterforst. „Zipp zappp zipppp zappp zipppp zappppp“ feilte der alte Mann auf dem Stückchen herum.
Schließlich war es vollbracht! Das komplette Stück Eisen war in Metallpulver verarbeitet….Nun können die Versuche mit dem Pulver beginnen.
Sichtlich stolz blickte er auf sein Werk hinab. Dies war wohl der letzte Blick des alten Mannes. Der letzte Blick eines nahezu gänzlich gesunden, alten Mannes.
Die Feile wurde ins Licht gehalten. In wohl jeder Kerbe der Feile hatte sich das feine Eisenpulver abgesetzt. Ein mürrisches mosern aufgrund der Verunreinigung seines Werkzeugs Sein Ordnungszwang wurde ihm zum Verhängnis. Ein letzter Atemzug, ein letztes Pusten……
Die Feile war sauber.
Das Pulver verteilt.
Die Kerzen erhellt.
Ein Schrei, ein Knall welcher in der Nacht zerschellt….
Wie jeden Abend saß der Mann in seinem dunklen Kämmerchen im Keller des bereits leicht verwitterten Burgschlosses. Draußen hatte der Abend bereits jegliche Reste des Tages verschlungen und in unendliche Dunkelheit gehüllt. Es schien gar so als würde nur noch er auf dieser verbitterten Welt wach sein, nur noch er der an seinen Experimenten arbeitet. Alles schlief, alles ruhte bereits. Nur noch der Schein seiner unzähligen Kerzen erhellte das dunkle Kämmerlein inmitten des Herzens der Burg.
Der bereits in die Tage gekommene Mann werkelte an einer Rezeptur, an welche sich bis jetzt noch kein anderer Alchemist seines Schlages getraut hatte. Er arbeitete an dem reinsten Eisen, welches er bis zu jenem Zeitpunkt gesehen hatte, jenes Metall welches er von dem Schmied nebenan erhalten hatte. Zu seiner Zeit gab es noch nicht viele die sich an Versuchen mit dem Eisen gewagt hatten. „Jaja aber der Schmied von nebenan.“ – denkt ihr euch? Tja der weiß auch nur, dass wenn es heiß wird, ich es klopfen und somit in Form bringen kann….
Erzählungen anderer alter Alchemisten nach handle es sich hierbei um ein sehr gefährliches Metall vor allem in Bezug auf Versuche mit dem Feuer.
Dieser Geschichten galt es natürlich auf den Zahn zu fühlen. Was soll denn schon so gefährlich sein? Der trotzige, alte Schmied von nebenan handelt ja auch mit Metall und Feuer!
Also lag es da. Dieses reine Stück Metall. – Eisen in seiner reinsten Form.
Nicht oft hatte der alte Mann jenes Metall gesehen, war er doch regelrecht mit einer Kampfphobie geboren worden. Er war nicht derjenige der sich mit 10 Jahren einem Ritter verpflichtete und jenem als Knappe diente. Nein! Er war derjenige der sich die unterschiedlichsten Materialien in seiner Umgebung zusammensuchte und begann damit seine eigenen kleinen Versuche zu starten.
Versuche wie an jenem Abend. Der alte Mann begann damit das Eisen, welches bereits durch den Schmied in kleine, fachgerechte „Häppchen“ bearbeitet wurde mit den unterschiedlichsten Werkzeugen, die ihm zur Verfügung standen, zu bearbeiten.
In eine Phiole legte er ein Stückchen jenes Metalls goss etwas Ginsengsud hinzu und erhitzte es ein lange Zeit. – Keine Reaktion.
In eine weitere Phiole legte er wieder ein Stücken des Metalls. Hinzu gab er eine Mischung aus zermürbter Alraune und gepresstem Blutmoos. Auch jener Cocktail wurde wieder entsprechend über längere Zeit erhitzt. Bis auf dass sich jenes Gemisch auf den unterschiedlichsten
Temperaturen farblich veränderte… - keine besondere Reaktion.
In die dritte Phiole versuchte sich der Mann nun an einem anderen Aggregatzustandes des Metalls. Gänzlich schmolz er das Stückchen Metall zu einer Flüssigkeit. Jene Flüssigkeit wurde in ein Granitbehältnis gegeben. Hinzu kamen Fledermausflügel, Schwefelasche und ein wenig gepresste Fliegenpilzflüssigkeit. – Bis auf das es ein wenig bitzelte, blubberte und schließlich ein gelblicher Dampf aus der Flüssigkeit empor stieg, keine besondere Reaktion.
Dem alten Mann gingen nun so langsam die Ideen aus. Wurden doch alle anderen bekannten Reagenzien mit dem geschmolzenen als auch dem festen Metall bereits getestet. Zur Korrektur seiner Meinung, las er nochmal genauestens in seiner Alchemie-Fibel nach in welche er alle aktuellen Forschungen dokumentierte.
Lange Zeit saß der alte Mann vor diesem letzten Stück Metall, welches scheinbar vor ihm lag und ihm zu gaukelte „Du findest ja doch nichts Neues über mich heraus, haha, du Nichtsnutz! Wie soll aus dir ein Namhafter Alchemist werden (dies war wohl des alten Mannes, tägliches Verlangen) wenn du einen nach dem anderen Versuch in die Tonne haust und nur deinen eigenen Goldbeutel belastest?“
Alsdann schüttelte sich der Mann. Hatte er dies geträumt oder wird er wirklich langsam verrückt?
Oder war es doch einfach nur die Schwefelasche, welche er zu viel eingeatmet hatte?
Plötzlich schnipste der Mann mit den Fingern und schlug kurz auf den Tisch. Schwefel……Asche……Pulver…..! Das ist es.
Der alte Mann schnellte aus seinem Stuhl hervor, schneller als ihn seine Beine jemals trugen. Alle Schubladen der Werkbank wurden durchsucht. Scheinbar suchte der Mann etwas bestimmtes, etwas womit er seinen letzten Versuch retten wollte. Er grub in jeder Schublade, gleich eines dieser Untoten Viecher welche auf den fernen Friedhöfen rastlos umher irren.
Schließlich schrie er: „HAH! Hab ich dich!“
Nur unter Mühe zog er schließlich eine große grobe Feile hervor. Siegreich hielt er die Feile ins Licht der Kerzen, wie der Ritter den Kopf seines Kontrahenten. Nur kurz schweifte sein Blick zwischen dem Metall und jener Feile einher, als er sich an jenem zu schaffen machte.
Mühselig machte sich der Mann daran das Metallstück in feines Pulver zu verarbeiten. Ein armseliges Ächzen und Krächzen durchzog die nächtliche Ruhe wie der schrille Brunftruf des Elches im Bitterforst. „Zipp zappp zipppp zappp zipppp zappppp“ feilte der alte Mann auf dem Stückchen herum.
Schließlich war es vollbracht! Das komplette Stück Eisen war in Metallpulver verarbeitet….Nun können die Versuche mit dem Pulver beginnen.
Sichtlich stolz blickte er auf sein Werk hinab. Dies war wohl der letzte Blick des alten Mannes. Der letzte Blick eines nahezu gänzlich gesunden, alten Mannes.
Die Feile wurde ins Licht gehalten. In wohl jeder Kerbe der Feile hatte sich das feine Eisenpulver abgesetzt. Ein mürrisches mosern aufgrund der Verunreinigung seines Werkzeugs Sein Ordnungszwang wurde ihm zum Verhängnis. Ein letzter Atemzug, ein letztes Pusten……
Die Feile war sauber.
Das Pulver verteilt.
Die Kerzen erhellt.
Ein Schrei, ein Knall welcher in der Nacht zerschellt….