Schwermütiger Abschied vom Clan
Verfasst: Mittwoch 29. März 2006, 10:56
*Stundenlang saß sie schon da, eine halbe Ewigkeit starrte sie auf das Pergament vor ihr*
„Schreiben? Ist es nicht feige einfach nur mit einem Brief zu gehen? … Andererseits, Falk läuft einem selten über den Weg … und irgendwann musste es einfach angepackt werden. Egal wie!“ leise sprach Luciana diese Worte zu Erik, während sie die Feder in den Händen hielt und sich nebenbei Gedanken über die richtigen Worte machte.
Erik nickte nur. Natürlich war es feige, sie einfach so zu verlassen. Keine Verabschiedung, keine Erklärungen, keine Trauer. Ein Schnitt. Es war feige. Aber vielleicht war es auch einfach notwendig, bevor der Entschluss von der eigenen Unsicherheit und dem Temperament der Tiefländer umgestoßen wurde.
„Ja, Liebstes. Aber glaub mir, sie werden das schon verstehen. Und wenn nicht - meinst du, sie würden uns einfach gehen lassen? Das ist schon gut, wie es ist…“
„Es wird mir schwer fallen, sie alle zurückzulassen, weißt du das eigentlich, Schatz? Immerhin sind sie mir eine Familie geworden und eigentlich hab ich mich hier immer wohl gefühlt, vermissen werde ich sie sicherlich irgendwie. Gut, sie sind uns nicht fern, wir leben nach wie vor im gleichen Land, aber wer weiß, wie sie es aufnehmen, wenn wir einfach so gehen. Ohne ein Wort persönlich an sie gerichtet zu haben? Allerdings erdrückt es mich hier, Alliestra musste gehen, ich kann mich hier nicht richtig entfalten, immer steht mir ein Hindernis im Weg und es werden immer mehr Tiefländer. So gern ich sie alle habe, ich komme mir hier einsam und geschwächt vor.“
Erik nickte erneut, eher nachdenklich und fast abwesend. Natürlich, ihm ging es doch genauso. Er erinnerte sich noch zu gut daran. An den Beginn. Alliestra hatte er erst vor einigen Stunden kennen gelernt, als sie an das Tor zu Grimwould pochten und um Einlass baten - Lucenius und Erik mit einem Schreiben in der Hand, Alliestra mit dem Wunsch nach einer neuen Aufgabe und einem neuen Zuhause. Falk und seine Sippe hatten ihnen gegeben, was sie wollten, und noch mehr. Dem Clan verdankte er sein Können, seine Liebe und einen Winter voller Freude und Leid, voll Leben wie Tod. Dann war Lucenius mit einem Male weg gewesen. Alliestra musste gehen. Immer mehr Menschen verließen den Clan, immer mehr Tiefländer stießen hinzu.
„Die Tiefländer können einen wahrlich erdrücken, das stimmt Alli fehlt mir auch. Weißt du, dass wir uns mal geschworen hatten, uns nicht trennen zu lassen? Sie war die Erste, die ich in diesem Lande kennen gelernt habe. Nein, Lucenius war der Erste. Aber der hat eine andere Berufung für sich gefunden. Aber Alli… Ich wünschte, ich müsste diesen Schritt nicht tun. Es zerreißt mich schier…“
Luciana seufzte leise bei diesen Worten und sah zu Erik hinüber. Dann tauchte sie die Feder in die Tinte und begann, das Schreiben aufzusetzen.
Hossa, besonders an Falk und eigentlich an alle Clansmitglieder,
es gibt da wohl etwas, was nicht sehr erfreulich sein mag, aber es dennoch sein muss, zumindest in unseren Augen. Und genau das wollen wir euch heute mit diesem Brief mitteilen. Wir haben beide lange nachgedacht und uns viele Gedanken gemacht, aber eine andere Lösung für unser Leben fanden wir nicht. Es schmerzt, nicht nur bei euch, sondern auch in unseren Herzen. Grimwould hat uns ein schönes Leben beschert und dafür danken wir euch. Ich fühlte mich schnell wie zu Hause, ihr habt mir ein Leben geschenkt, an das ich nicht mehr geglaubt habe und ich habe im Clan die Liebe meines Lebens zu Erik gefunden. Doch leider ist es jetzt wohl an der Zeit „Lebe wohl“ zu sagen. Erik und ich haben für die Zukunft beschlossen unseren eigenen Weg zu gehen. Der Clan wächst und gedeiht, es tauchten immer mehr Familienmitglieder auf, und wir wären jetzt nicht ehrlich wenn wir unsere Leben wie bisher weiterleben und es auf eine Lüge aufbauen, zu der wir einfach nicht dazugehören.
Den Auslöser für unsere Überlegungen war Alliestra, als sie den Clan verließ. Eine gute Freundin in der Familie zu verlieren, die einem wie eine Schwester ans Herz gewachsen ist, tat schrecklich weh, auch wenn wir versuchten die Gründe dafür zu verstehen. Es ging nicht. Auch wenn Alliestra nicht aus der Welt ist, allein das Familien, nein das Clansleben … es war nicht mehr das, was es zu sein schien. Es wird für uns nicht mehr das sein, was es mal war, was es uns an Gefühl und Leben gab.
Wir werden euch vermissen, doch seid auch ihr nicht aus der Welt und ich hoffe doch, dass wir weiterhin eine gute Freundschaft pflegen können, auch wenn wir uns nur mit einem Brief verabschieden. Unser Weg führt uns in eine andere Richtung, eine eigene Familie, ein eigenes Leben ein Selbständigsein, was uns neue Ziele setzt. Bitte versteht unsere Entscheidung oder versucht es zumindest.
Wir haben all unser Hab und Gut zurückgelassen sowie es das Clansgesetz vorschreibt. Wir gehen wie wir gekommen sind und nehmen lediglich ein oder zwei Erinnerungsstücke an ein schönes, dennoch vergangenes Leben mit.
Verzeiht uns, unsere Art euch zu verlassen, doch würde es uns nur noch schwerer Fallen, wenn wir von jedem einzeln Abschied nehmen würden.
Stolz und Ehre auf allen Lebenswegen wünschen wir und auf eine weiterhin gute Freundschaft hoffen wir.
*schwungvoll, elegant und typisch von Luciana unterzeichnet*
Luciana Forstnam
Wehmütig las sie den Brief nochmals laut durch, mit gedämpfter Stimme und sah Erik abwechselnd liebevoll und mit Tränen in den Augen an. Auch dieser überflog den Brief mit einigen wenigen Blicken, in denen für eine Frau wie Luciana, die ihn gut kannte, Tränen sichtbar waren, und setzte dann eine kleine, unlesbare Unterschrift darunter, die jedoch nur von Erik kommen konnte. Sorgfältig faltete Luciana dann den Brief, versah ihn mit einem Siegel und legte ihn auf den Tisch in ihrem Zimmer.
„Irgendwann werden sie diesen Brief finden, wenn sie merken, wir sind nicht mehr zu Hause!“ sprach sie leise, als sie den Brief ablegte. Daraufhin atmete sie tief durch, legte den Siegelring sowie sämtliche Schlüssel daneben und sah Erik sanft an. „Wenn Du soweit bist, dann lass uns gehen, Alliestra wird schon auf uns warten!“ ….
„Schreiben? Ist es nicht feige einfach nur mit einem Brief zu gehen? … Andererseits, Falk läuft einem selten über den Weg … und irgendwann musste es einfach angepackt werden. Egal wie!“ leise sprach Luciana diese Worte zu Erik, während sie die Feder in den Händen hielt und sich nebenbei Gedanken über die richtigen Worte machte.
Erik nickte nur. Natürlich war es feige, sie einfach so zu verlassen. Keine Verabschiedung, keine Erklärungen, keine Trauer. Ein Schnitt. Es war feige. Aber vielleicht war es auch einfach notwendig, bevor der Entschluss von der eigenen Unsicherheit und dem Temperament der Tiefländer umgestoßen wurde.
„Ja, Liebstes. Aber glaub mir, sie werden das schon verstehen. Und wenn nicht - meinst du, sie würden uns einfach gehen lassen? Das ist schon gut, wie es ist…“
„Es wird mir schwer fallen, sie alle zurückzulassen, weißt du das eigentlich, Schatz? Immerhin sind sie mir eine Familie geworden und eigentlich hab ich mich hier immer wohl gefühlt, vermissen werde ich sie sicherlich irgendwie. Gut, sie sind uns nicht fern, wir leben nach wie vor im gleichen Land, aber wer weiß, wie sie es aufnehmen, wenn wir einfach so gehen. Ohne ein Wort persönlich an sie gerichtet zu haben? Allerdings erdrückt es mich hier, Alliestra musste gehen, ich kann mich hier nicht richtig entfalten, immer steht mir ein Hindernis im Weg und es werden immer mehr Tiefländer. So gern ich sie alle habe, ich komme mir hier einsam und geschwächt vor.“
Erik nickte erneut, eher nachdenklich und fast abwesend. Natürlich, ihm ging es doch genauso. Er erinnerte sich noch zu gut daran. An den Beginn. Alliestra hatte er erst vor einigen Stunden kennen gelernt, als sie an das Tor zu Grimwould pochten und um Einlass baten - Lucenius und Erik mit einem Schreiben in der Hand, Alliestra mit dem Wunsch nach einer neuen Aufgabe und einem neuen Zuhause. Falk und seine Sippe hatten ihnen gegeben, was sie wollten, und noch mehr. Dem Clan verdankte er sein Können, seine Liebe und einen Winter voller Freude und Leid, voll Leben wie Tod. Dann war Lucenius mit einem Male weg gewesen. Alliestra musste gehen. Immer mehr Menschen verließen den Clan, immer mehr Tiefländer stießen hinzu.
„Die Tiefländer können einen wahrlich erdrücken, das stimmt Alli fehlt mir auch. Weißt du, dass wir uns mal geschworen hatten, uns nicht trennen zu lassen? Sie war die Erste, die ich in diesem Lande kennen gelernt habe. Nein, Lucenius war der Erste. Aber der hat eine andere Berufung für sich gefunden. Aber Alli… Ich wünschte, ich müsste diesen Schritt nicht tun. Es zerreißt mich schier…“
Luciana seufzte leise bei diesen Worten und sah zu Erik hinüber. Dann tauchte sie die Feder in die Tinte und begann, das Schreiben aufzusetzen.
Hossa, besonders an Falk und eigentlich an alle Clansmitglieder,
es gibt da wohl etwas, was nicht sehr erfreulich sein mag, aber es dennoch sein muss, zumindest in unseren Augen. Und genau das wollen wir euch heute mit diesem Brief mitteilen. Wir haben beide lange nachgedacht und uns viele Gedanken gemacht, aber eine andere Lösung für unser Leben fanden wir nicht. Es schmerzt, nicht nur bei euch, sondern auch in unseren Herzen. Grimwould hat uns ein schönes Leben beschert und dafür danken wir euch. Ich fühlte mich schnell wie zu Hause, ihr habt mir ein Leben geschenkt, an das ich nicht mehr geglaubt habe und ich habe im Clan die Liebe meines Lebens zu Erik gefunden. Doch leider ist es jetzt wohl an der Zeit „Lebe wohl“ zu sagen. Erik und ich haben für die Zukunft beschlossen unseren eigenen Weg zu gehen. Der Clan wächst und gedeiht, es tauchten immer mehr Familienmitglieder auf, und wir wären jetzt nicht ehrlich wenn wir unsere Leben wie bisher weiterleben und es auf eine Lüge aufbauen, zu der wir einfach nicht dazugehören.
Den Auslöser für unsere Überlegungen war Alliestra, als sie den Clan verließ. Eine gute Freundin in der Familie zu verlieren, die einem wie eine Schwester ans Herz gewachsen ist, tat schrecklich weh, auch wenn wir versuchten die Gründe dafür zu verstehen. Es ging nicht. Auch wenn Alliestra nicht aus der Welt ist, allein das Familien, nein das Clansleben … es war nicht mehr das, was es zu sein schien. Es wird für uns nicht mehr das sein, was es mal war, was es uns an Gefühl und Leben gab.
Wir werden euch vermissen, doch seid auch ihr nicht aus der Welt und ich hoffe doch, dass wir weiterhin eine gute Freundschaft pflegen können, auch wenn wir uns nur mit einem Brief verabschieden. Unser Weg führt uns in eine andere Richtung, eine eigene Familie, ein eigenes Leben ein Selbständigsein, was uns neue Ziele setzt. Bitte versteht unsere Entscheidung oder versucht es zumindest.
Wir haben all unser Hab und Gut zurückgelassen sowie es das Clansgesetz vorschreibt. Wir gehen wie wir gekommen sind und nehmen lediglich ein oder zwei Erinnerungsstücke an ein schönes, dennoch vergangenes Leben mit.
Verzeiht uns, unsere Art euch zu verlassen, doch würde es uns nur noch schwerer Fallen, wenn wir von jedem einzeln Abschied nehmen würden.
Stolz und Ehre auf allen Lebenswegen wünschen wir und auf eine weiterhin gute Freundschaft hoffen wir.
*schwungvoll, elegant und typisch von Luciana unterzeichnet*
Luciana Forstnam
Wehmütig las sie den Brief nochmals laut durch, mit gedämpfter Stimme und sah Erik abwechselnd liebevoll und mit Tränen in den Augen an. Auch dieser überflog den Brief mit einigen wenigen Blicken, in denen für eine Frau wie Luciana, die ihn gut kannte, Tränen sichtbar waren, und setzte dann eine kleine, unlesbare Unterschrift darunter, die jedoch nur von Erik kommen konnte. Sorgfältig faltete Luciana dann den Brief, versah ihn mit einem Siegel und legte ihn auf den Tisch in ihrem Zimmer.
„Irgendwann werden sie diesen Brief finden, wenn sie merken, wir sind nicht mehr zu Hause!“ sprach sie leise, als sie den Brief ablegte. Daraufhin atmete sie tief durch, legte den Siegelring sowie sämtliche Schlüssel daneben und sah Erik sanft an. „Wenn Du soweit bist, dann lass uns gehen, Alliestra wird schon auf uns warten!“ ….