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Wie die Jahrhunderte vergehen
Verfasst: Sonntag 23. August 2015, 13:47
von Gast
„Gen suilon,
Estannen Nandôth Amdir, maethor 'en Eledhrim.
Es ist lange her, dass ich über mich redete, doch ich denke, es ist an der Zeit die Vergangenheit noch einmal zu schildern, um sich ein Bild von der Gegenwart zu machen. Vor nun mehr als drei Jahrhunderten erblickte ich zum ersten Mal das Licht der Welt Eluives. Meinen ada nannte man bis zu seinem Tode Heladron; er war ebenso wie ich ein Edhel, der die Kunst des Kampfes – Bogen, wie Klinge – zu perfektionieren erstrebte. Mein Mentor war er seither auch und später jener meines Sohnes. Es kam nicht von ungefähr, dass er den selben Weg einschlug und ich gebe zu, dass ich zu jeder Zeit seines Lebens stolz auf ihn war.“,
begann seine blass goldene Hand mit einem braunen Federkiel bläuliche Schriftzeichen auf das helle Pergament zu bringen. In seinem Rücken war eines der sechs hohen Fenster des Gemachs in die marmorne Wand eingelassen und ließ die ersten Strahlen der gold schimmernden Sommersonne von Osten her hinein. Die Vögel des Nebelwaldes hatten längst den Tag mit ihrem melodischen Gesang eingeleitet und die Gemüter der Edhil in Ered Luin wie jeden Morgen instinktiv damit erfreut. „Nandôth?“, ertönte plötzlich die liebliche Stimme seiner Seelengefährtin hinter der Gemachstür. „Trete ein, Nandâriél!“, bat er sie höflich hinein und blickte dafür von seinem Schreiben auf. Kaum trat Nandâriél über die Türschwelle, hoben sich die Mundwinkel Nandôths zu einem feinen Lächeln an, welches sich über sein makelloses Gesicht legte. Sie kannten sich nun schon bald zweieinhalb Dekaden und immer noch vermochten sie es gegenseitig, sich mit ihrer bloßen Anwesenheit zu erfreuen. „Was tust du noch so lange, Nandôth? Cirulach wartet auf dich. Ihr wolltet doch gemeinsam den ersten Rundgang durch den Nebelwald machen!?“ Sanft fielen ihr kastanienfarbene Strähnen in weichen Wellen über die Schulter, als sie ihren Kopf leicht zur Seite legte und den Elf vor sich mit einem Lächeln aus ihren schmalen Lippen beschenkte. „Ist es schon so spät?“, sinnierte Nandôth halblaut und blickte an ihr vorbei aus dem Fenster, ehe er sich auch schon in einer fließenden Bewegung erhob und den Stoff des Rüstumhangs über seinen Schultern glatt striff. „Ich werde hinunter gehen zu ihm. Hannon'le, ich vergaß wohl für einen Moment die Zeit.“ Ein sanfter Kuss wurde Nandâriél auf die Lippen gehaucht, ehe sie antworten konnte: „Er wird es dir nicht verübeln. Wir wissen alle, dass du nicht zwingend ein Elf von Pünktlichkeit bist.“ Hier zuckten die Mundwinkel beider etwas weiter hoch und offenbarten kleine Grübchen in den für Sterbliche vielleicht mittelalten Gesichtern. „Dem ist wohl so, naw.“ Und da wendete er sich auch schon ab, um zu seiner Verabredung hinunter zu gehen.
„Gen suilon, Nandôth! Du bist spät.“, grüßte Cirulach sogleich auflächelnd und neigte dem Älteren im Anschluss grüßend das Haupt, wobei sich seine rechte Hand flach auf die linke Brust legte. „Aur vain, gwador!“ Die Geste wurde erst einmal erwidert, ehe er zur üblichen Entschuldigung ansetzte: „Mae, ich habe die Zeit vergessen, verzeih Cirulach!“ „Es gibt nichts zu entschuldigen, gwador! Lass' uns einfach los gehen und schauen, ob alles nach rechten Dingen läuft.“ „Naw, du hast wohl Recht. In letzter Zeit ist es beängstigend ruhig gewesen.“ „Nicht, dass du es beklagen wollen würdest..“, stellte der jüngere Elf laut fest, als er auch schon gemütlichen Schrittes gen Stadtausgang schlenderte. Sein Gang war aufrecht und leichtfüßig und doch verriet ihn das leise Scheppern der Rüstung ein wenig. Bei Nandôth war es allerdings nicht Anderes. Dieser entgegnete dem Maethor neben sich schließlich: „Du weißt, wie ich das meine, gwador.“ Es war definitiv eine Feststellung und keine Frage und so erntete er nur ein bestätigendes Nicken. „Mae, aber ich hätte tatsächlich auch nichts gegen ein wenig Abenteuer.“ Nandôth blickte aus seinen azurblauen Augen zur Seite und frug nun doch mit ruhiger Stimme: „Weißt du eigentlich, wie ähnlich du ihm bist?“ Ein verwunderter Blick wanderte nun über die Schulter und da hob der Ältere nur kurz die Mundwinkel an. Als reiche ihm das, ging er folglich ein klein bisschen zügiger den Weg entlang, um an den Toren Ered Luins mit einem Mal stehen zu bleiben, die Augen zu schließen und für Außenstehende im nächsten Moment als Wolf da zu stehen. Sein Fell war silbrig, fast weiß. So wie es auch sein Haar in Elfengestalt war. Abwartend blickte er zur Seite und erblickte da dann auch schon den erwarteten Adler vom Ast des letzten Baumes Ered Luins herunter segeln. Ein leises Kreischen kam von jenem aus, woraufhin der Wolf dann gemütlich anfing durch den Wald zu traben. Nur gelegentlich einen Blick nach oben werfend und ein Bellen verlauten lassend, um zu signalisieren, dass alles unverändert ruhig war. Mehrere Stunden vergingen, in denen auch jedesmal ein Kreischen hinunter kam, doch irgendwann, als die Sonne fast am Zenit stand, erblickte Nandôth auf einigen Schritten Entfernung humanoide Gestalten, welche komplett in erdfarbene Klamotten gehüllt waren und sich mit Beilen an den ersten Bäumen des Nebelwaldes zu schaffen machten, bellte er mehrmals gen Himmel und duckte sich für einen Moment im Gestrüpp, um die Eindringlinge einfach nur zu beobachten, wie sie selbstredend irritiert durch die Gegend blickten und das Hacken unterbrachen. Kurze Zeit später landete auch schon der Adler hinter dem Wolf und als der silbrige Kopf sich umdrehte, ruckelte der Kamerad mehrfach mit dem fedrigen Kopf, als nicke er auf eine ungestellte Aussage hin. So schloss Nandôth wieder die Augen und konzentrierte sich, woraufhin die Wolfsgestalt prompt wieder zu der eines mittelalten Edhil wurde, der geduckt im Gestrüpp hockte. Hinter ihm wurde der Adler zeitgleich wieder zu Cirulach, der sogleich eine Hand an seinen Bogen anlegte, bis die Hand des Älteren sich mahnend auf die Eigene legte. „Ruhig, gwador! Es sind nur unwissende edain.“, murmelte Nandôth leise und richtete sich somit in einer ruhigen Bewegung auf. Darauf vertrauend, dass der andere Edhil folgte und so trat er auch schon auf die Menschen zu – sich zu erkennen gebend -. „Was führt Angehörige der edain so nah an den Nebelwald heran?“, erhob er seine Stimme in doch irgendwie gebrochener Menschensprache. Die Menschen stockten und ließen sofort die Beile zu Boden fallen, als sie die beiden Elfen wahrnahmen und wollten weglaufen. Doch wie einstudiert reagierten die Wächter des Waldes und schnellten den Flüchtigen hinterher. Kurz vor der Reichgrenze blieben sie dann stehen und der ältere der beiden Edhil rief noch ruhig, aber laut genug hinterher: „Möge der Wald es euch verzeihen, edain!“ Die Menschen liefen weiter und ohne sich nur vergewissern zu wollen, ob jene nun verstanden hatten oder nicht wandte er sich wieder um. „Wieso genau haben wir sie jetzt nicht weiter verfolgt?“, frug Cirulach und schaute fragend zur Seite. „Unsere Aufgabe ist es, den Wald zu schützen. Nicht, seine Eindringlinge zu richten.“ „Hm, stimmt wohl. Entschuldige, meinen Eifer!“ „Es gibt nichts zu entschuldigen, Cirulach. Lass uns einfach im Orkfort nach dem Gleichgewicht schauen. Vielleicht können wir bei der Gelegenheit auch noch etwas unsere Fähigkeiten üben.“ „Mae, lass' es uns so machen, gwador!“
Nachdem die Beiden also einige Zeit nach dem Rechten im und um den Nebelwald herum geschaut hatten, zog es Nandôth des Nachts wieder in den Wald, doch diesmal nicht, um zu patroullieren, sondern um die Gesellschaft eines der hiesigen Wolfrudel zu suchen. Selbst in Wolfsgestalt wandelnd schlenderte er durch den Wald in Richtung einer ihm wohl bekannten Lichtung. Weder Wurzel, noch Stein oder sonstiges Hindernis schien ihn dabei zu stören, denn er kannte nach mehr als drei Jahrhunderten, die er nun schon hier zugebracht hatte den Wald in und auswendig. Er spürte, wie die nächtliche Ruhe immer mehr einkehrte und es fühlte sich an, als umgebe sie ihn wie eine schützende Umarmung. An der Lichtung angekommen wurde er auch sogleich freudig von den anderen Wölfen begrüßt. Leise bellend und schwanzwedelnd kamen sie auf ihn zu gerannt und wurden ebenso herzlich empfangen. Jegliche Zurückhaltung, die dem Volk der Edhil nachgesagt wird, war nun nicht vorzufinden, als sich aus Spaß umgeworfen und behutsam gebissen wurde. Auch die Jungtiere kamen gleich angestürmt und sprangen aufgeregt bellend an ihm auf und ab, was mit einem väterlichen Anstubsen durch die Schnauze und dann einem Putzen der quirligen Fellknäule beantwortet wurde. Nachdem dann alle den Hinzugekommenen begrüßt hatten, legten sie sich auch schon eng beieinander auf die Lichtung, um einfach die Stille der Nacht und ihr sternklares Firmament zu genießen. Noch lange lag er inmitten des Rudels, war förmlich ein Teil von jenem und blickte einfach verträumt in den Sternenhimmel, bis irgendwann dann der Tag wieder Einzug nahm und den Edhil dazu brachte, das Rudel zu verlassen und wieder in seine eigentliche Gestalt zurückzukehren. Ein weiterer Tag würde folgen und auf ihn noch viele andere, bis eines Tages in noch unabsehbarer Zeit auch sein Ende in diesen Landen kommen würde. Doch bis dahin würden noch ettliche sterbliche Leben enden.
Verfasst: Donnerstag 24. Dezember 2015, 14:11
von Gast
Die Geschehnisse in der Welt folgten nunmehr ein weiteres Mal Schlag auf Schlag. Die ruhige Zeit nach dem Wiederaufbau war vorüber und des Verderbers Schergen waren zu alter Kraft gekehrt. Zwei Belagerungen auf den Gefilden der edain, die Orks hatten sich aus ihrem Fort getraut, verschiedenste Schattenwesen sorgten für unterschiedlichste Probleme, die Magieebene wurde gestört, Ophidianan wagten sich aus den Tiefen des Berges.. Und das alles in gerade einmal zwei Jahresläufen. Einem Wimpernschlag eines elfischen Lebens. Immer häufiger trieb es Nandôth dieser Tage in den Nebelwald und an seinen Rand. So wie viele andere seines Volkes, die die heftigen Angriffe der Ophidianan überstanden hatten, sicherte er die Grenzen und versuchte dem Wald so viel Zeit wie möglich zu schenken, sich wieder zu regenerieren. Er hatte viel Kraft aufwenden müssen, um noch Schlimmeres als den Tod so vieler Eledhrim zu verhindern. Nun brauchte er diese Ruhe. Die früh morgendliche Wintersonne glitzerte blass durch die dichte Decke aus Baumkronen. Nur selten schaffte es ein Lichtstrahl bis auf den kühlen Boden des Waldes und erhellte die Umgebung etwas. Nichts desto trotz waren die Augen und auch sämtliche andere Sinne geschärft. Jedes Geräusch nahmen die Eledhrim wahr und entschieden unterbewusst, ob es sich um etwas Gewohntes oder eine Bedrohung handelte. Jede Geruchsessenz wurde aufgenommen und entweder als wohltuend oder vorwarnend eingestuft. Alles, was das geschärfte Auge erblickte, wurde als Gefahr oder Ruhegarant aufgefasst und so vergingen Stundenläufe über Tage und Wochenläufe in nahezu gänzlicher Ruhe. Kaum ein Eledhrim verließ noch den Wald, wenn es nicht nötig war. Während aller Vorsicht, die sie walten ließen vergaßen sie doch noch lange nicht den Schmerz, den sie vor weniger Zeit erfahren hatten. Hunderte ihresgleichen, ihrer Brüder und Schwestern waren dem unerwarteten Angriff der Ophidianenarmee zum Opfer gefallen und es würde noch einige Jahrhunderte dauern, bis sie sich wieder davon erholt hatten. Im Geiste, wie auch von der Bevölkerungszahl. Geburten waren im Volke der Edhil keine häufigen Ereignisse. Noch weniger waren sie es bei den Lindil, welche erst vor wenigen Mondläufen wieder zurück in ihre alte Heimat gefunden hatten. Ihre Anzahl stieg stetig und doch waren sie während der Kämpfe nahezu ausgelöscht wurden. Das Bild glich nunmehr wieder jenem, was sich einem all die Jahre zuvor geboten hatte. Ein paar wenige Dutzend von ihnen, die wacker standgehalten und geblieben waren. Sie versuchten nun weiter gegen jene Widrigkeiten anzukämpfen. Denn sie wussten genauso wie die Edhil, dass das noch nicht alles gewesen war. Es würde weitergehen, wenn der junge Winter sich in seine alt eingesessene Ruhe begeben haben würde. Und dann würden sie erneut Leid spüren müssen. Bis dahin galt es dringenst wachsam zu bleiben und nötige Vorkehrungen zu treffen.
Nandôth half, wenn er nicht gerade auf Patrouille war Glin bei den Vorbereitungen der jungen Maethry. Mit zwei und drei Jahrhunderten auf dem Buckel waren sie ehre die ältere Generation in dieser Kunst und sahen ihre Aufgaben in der Ausbildung der Jungelfen. Sie mussten ihre Erfahrungen weitergeben und das Können möglichst sinnvoll weitergeben. Zeit für alles blieb ihnen nicht im Ansatz. Es waren also die grundlegenden Elemente des Kampfes heraus zu kristallisieren und verständlich zu vermitteln. Die nächsten Wochenläufe würden mit Sicherheit zeigen, ob seine gwathel und er erfolgreich waren mit dem, was sie taten...
Winter 258 - Ein Lebenswandel
Verfasst: Mittwoch 18. Mai 2016, 19:46
von Gast
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~Rückblick~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
*...Nachdenklich stand er am Waldesrand und blickte über das Gebirge hinweg, welches sich zu seiner Rechten und vor ihm erstreckte. Stunden vergingen so, in denen er etwas spürte, es aber nicht näher definieren konnte. Es war diese Ahnung und wenn sie dann eingetreten war, konnte man sagen: "Hab ich's doch gewusst." Doch mit dem Verstreichen ungezählter Stunden wurde der Wald immer ruhiger. Zunächst einmal bei Abenddämmerung nichts Ungewöhnliches. Auf einmal jedoch war es still, absolut still. Mit zusammen geschobenen Brauen wandte sich der Edhel um und erblickte nahezu zeitgleich, wie der Klangstein in seinem Blickfeld zu leuchten begann. Alarm! Sofort zog er den Helm auf, den er bis dahin am Waffengurt getragen hatte, die abgezogenen Handschuhe seiner Rüstung wurden wieder angelegt und der Bogen aus seiner Halterung am Rücken gelöst, um sogleich los zu rennen. Flüchtige Blicke, und doch voller Achtsamkeit, huschten von links nach rechts, oben nach unten und von hinten nach vorne, während den Maethor seine Füße so schnell wie möglich über Stock und Stein, an Baum und Fels vorbei führten. Es war nicht ein Tier mehr zu sehen. Die Bäume knarzten laut, nahezu bedrohlich und die Waldgeister schienen sich gezielt zu bewegen. Die normalen Waldtiere jedoch waren nicht zu sehen. Der Nebel verdichtete sich zunehmenst, gerade so transparent, dass Nandôth noch genug sehen konnte. Wenige Meilen später vernahm er plötzlich Kampfgeräusche. Bei Ered Luin? Er stoppte abrupt und nahm sich die Zeit, in die Windstille hinein zu lauschen. Klingen auf Metall, Rufe und Schreie, undefinierbare Laute und ungewohnt viele Eingriffe in das Lied. Nicht gänzlich harmonischer Art. Die letzte Schlacht war erst knappe 8 Jahresläufe her und es hatte keinerlei Anzeichen dafür gegeben, dass der Feind in den Nebelwald eingedrungen wäre. Entschlossen setzte er sich wieder in Bewegung, um auch die letzten Meilen zur Stadt zurückzulegen. Sein Atem erhöhte sich freilich, doch ihm war eine hohe Ausdauer gegeben, die ihn nicht noch einmal pausieren ließ. Am Ziel angekommen, fand er verheerende Spuren. Der Stadteingang war übersät mit Leichnahmen seiner Geschwister und von Ophidianen. Was machten diese Wesen der hiesigen Höhlen in so großer Zahl im Nebelwald? Und warum hatten sie offenbar gezielt Ered Luin angesteuert und es unbemerkt gefunden? Zügig wechselte er von einem zum nächsten Gedanken, als er zwischen einem Ophidianen und einem Waldlefen kniete. Sie waren beide tot, das konnte man auf dem ersten Blick sehen. Die Hellebarde des Monstrums steckte noch halb im Rassenbruder, der Schlangenkopf jedoch war abgeschlagen, lag unweit des Körpers. Mit einem flüchtigen Blick über das erste Schlachtfeld stieß Nandôth fassungslos einen Schwall Luft aus seinem Mund aus, richtete sich in einer agilen Bewegung wieder auf und lief weiter, über die Leichnahme hinweg. Sie entweder überspringend oder umgehend. Keine ganzen zwei Minuten später stand er auf dem Marktplatz Ered Luins und sah geradewegs auf die Treppen, an welchen normalerweise die magische Schutzbarriere den inneren Teil der Stadt vor Unbefugten abtrennen sollte. Wieder überall Tote. Hektisch wanderte nun der Blick neuerlich umher und er versuchte die Kampfgeräusche weiter zu lokalisieren, bis sie ihn zum Palast und geradewegs hinein in drei Ophidianen führten. Lebendige Ophidianen und so stoppte er auf der Stelle, hob seinen Bogen an, griff nach dem ersten Pfeil und legte ihn auf die Sehne, nur um das Arm lange Geschoss gezielt in Richtung des nächstbesten Schlangenwesens abzufeuern. Die Bewegungsrate des Gegners gab ihm noch genau Zeit für drei Schüsse, da ließ er den Langbogen fallen und griff mit der Linken nach seiner Elfenklinge am Hüftgurt. Den Schild zu lösen und richtig zu greifen, dafür war die Zeit zu knapp. Aber zumindest hatte er schon einen Gegner ausgeschaltet und so konnte er mit Jahrhunderte lang geübten und ausgebesserten Kampftechniken, Schrittfolgen und Schlägen auch die anderen Beiden in möglich kürzester Zeit besiegen. Er gönnte sich folglich nur ein Durchschnaufen, griff nach dem Bogen auf dem Boden und ließ ihn Plätze mit dem Elfenschild an seinem Rücken wechseln. Weiter ging es im Laufschritt und durch die Wohnhäuser hindurch wurde er immer wieder kleinen Scharmützeln ausgesetzt. Den Ursprung recht zügig in Richtung des Hafens ausmachen könnend, setzte er sich dahin in Bewegung. Weitere Stundenläufe vergingen, in denen er endlich auch lebende Geschwister getroffen hatte und sich mit ihnen austauschte, während eines größeren Kampfes gegen nun zwei Sorten Gegner von mindestens drei Seiten. Die anderen Elfen wussten nicht viel mehr, nur dass die Wesen plötzlich vom Wald her und vom Hafenbecken aus kamen. Sie versuchten immer weiter Richtung Nordwesten durchzudringen, die Eledhrim vor sich her treibend. Denn vollkommen auf dem falschen Fuß erwischt, konnte das alte Volk sich in keinster Weise gegen diese Übermacht wehren. Beim Morgengrauen des nächsten Tages stand man schließlich schon mit dem Rücken zur Drachenhöhle und versuchte eisernen Willens die Stellung zu halten. Es war unter Anderen Nandôth, der weiterhin vorne mit kämpfte und Befehle gab. "Tangado haid!", wurde irgendwie zu seinem neuen Lieblingsspruch, konnte man meinen. Sie mussten die Stellung halten, kostete es, was es wollte.
Sein Leben wandelte sich, als er im Angesicht eines zu Fall gehenden Rassenbruders einen Satz in Richtung des nahenden Ophidianenritters machte und augenscheinlich völlig von Sinnen mit Tritten und Schwerthieben ihn, so wie andere Gelegenheitsangriffe von den Seiten parrierte, verhinderte und deren Ausführer zu Fall brachte. Es entstand so ein kleines Loch inmitten des Kampfgetümmels, welches nun dazu genutzt wurde, in einer kurzen Phase der Angriffspause auf seine Person, neben dem Verletzten auf ein Knie zu gehen und beruhigende Worte zu sprechen, wenngleich sie, der Situation verschuldet, schnell gesprochen wurden: "Mae bennen, Gwador! Halte durch!" Mit jenen Worten schnitt er sich mithilfe des Schwertes eine große Bahn des Plattenumhanges ab und nutzte sie zur groben Verbindung der stark blutenden Beinwunde des am Boden Liegenden. Er wusste nicht, ob die Waffe vergiftet gewesen war, ob Knochen ernsthaft beschädigt oder sonstige außerordentlichen Behinderungen aufgetreten waren. Aber zumindest erinnerte er sich noch daran, was Nândariél ihm zu stark blutenden Wunden gesagt hatte: "Am besten umwickelst du die Wunde immer mit einem Druckverband. Egal, was noch ist, verbluten wird er dir dann erst einmal nicht und gegen fast alles andere kommt unser Körper lange genug selbst aus. Du musst dafür eigentlich nur einen normalen Verband wickeln und zwischendrin irgend etwas zwischen die Bahnen legen, das eine Spannung, einen Druck aufbaut. So wird der Blutfluss stark gehemmt." Zügig schaute er sich während der Verbindens nach irgend etwas Geeignetem um, erblickte jedoch im ersten Moment nur einen Speer auf sich zu schnellen, dem er mit einem Verbiegen nach hinten entkam und dem damit zusammenhängenden Angreifer das direkt bei ihm abgelegte Elfenschwert in die 'Schlangebrust' rammte. "Nicht jetzt!", beschwerte er sich leicht gereizt und widmete sich sofort wieder dem Verband am Elfenbein. Es wurde schlussendlich einer der fielen flachen Steine genommen, die hier auf dem Bergpass herum lagen und so entstand der gewollte Druckverband. "Tivadrôn, schaff' ihn hier weg!", rief er einem jüngeren Maethor zu, der ganz in der Nähe gerade unter aufkommender Anstrengung einen weiteren Feind zu Fall brachte. Angesprochener nickte schließlich und nahm den verletzten Bruder entgegen, während Nandôth sich nach einem 'Anreichen' wieder gänzlich aufrichtete und nach seiner abgelegten Kampfausstattung griff. Er brauchte nicht suchen, um in ein weiteres Getümmel zu geraten. So vergingen noch weitere ungezählte Stunden, bis sich das Schlachtfeld vorerst gelichtet hatte. In der Zwischenzeit waren Verbündete eingetroffen, die Nandôth im Verlauf der Schlacht erst einmal nur als willkommen angesehen und nicht weiter definiert hatte. Doch schlussendlich schlich sich wahre Dankbarkeit über ihr Erscheinen in sein Herz und statt seine eigenen, zum Glück leichteren, Wunden versorgen zu lassen, schritt er durch die Berge von Leichen und Verletzten, um sich mit um Letztere zu kümmern. Rundblicke offenbarten ihm genau eine handvoll Nestyr aller anwesenden Völker zusammen. Jene kümmerten sich im Eiltempo um die Unterscheidung zwischen lebendig und tot, zu retten und eher nicht mehr zu retten. Die schwierigen Fälle, die aber noch Hoffnung versprechen ließen, die übernahmen sie zuerst und Nandôth wurde zwar in seiner Kämpferrüstung gelegentlich verwundert angeschaut, von den Verletzten jedoch wohlwollend wahrgenommen. "Alles wird gut. Du hast gut gekämpft, Gwathel!", murmelte er einer Hochelfe mit zunehmend wieder warmer, sanfter Stimme und gepaart mit Zuversicht zu. Sie lächelte auf und zwang den Maethor zu Selbigem. Sein azurblauer Blick wanderte aufmerksam über ihren Körper, um nach den Verletzungen zu schauen, die sie erlitten hatte. Schrammen und Platzwunden eher leichterer Art, die später nur einer Säuberung und Salbe benötigen würden sah er. "Hast du irgendwo Schmerzen?" "Mein Arm.. Ich glaube, er ist gebrochen.", antwortete sie ihm mit tapferer Stimme und legte den Kopf, immer noch auf dem Boden liegend zur Seite, um die Seite zu bestimmen. Sogleich zog Nandôth die Rüsthandschuhe aus, legte sie nebst Waffe und Schild auf dem Boden bei ihr ab und befühlte vorsichtig den Arm. Die Elfe zuckte leicht und verbiss sich einen Schmerzenslaut. Der kurze Moment des Fühlens hatte aber auch schon gereicht. Der Unterarm war mindestens einmal gebrochen, vermutlich sogar zweimal. Sogleich suchte er in seinen Erinnerungen nach Informationen zur Vorversorgung von Brüchen, doch ihm fiel nicht mehr ein, als dass der verletzte Bereich still gelegt werden musste. Also entschied er, ihren eigenen Umhang vorsichtig unter ihrem Rücken hervor zu ziehen und ihn als provisorische Schlaufe umzufunktionieren. "Es wird reichen, bis einer der Nestyr Zeit hat. Kannst du aufstehen?" "Gen hannon, ich denke schon.", lächelte sie ihm dankbar entgegen und mit seiner Hilfe richtete sie sich schließlich auch wieder auf die Beine auf, nach einem kurzen Wortwechsel mit ihm in Richtung Sammelpunkt verschwindend. "Nandôth, komm bitte!", ertönte kurz darauf der Ruf Nândariéls, welche etwa ein Dutzend Schritte von ihm entfernt bei einem Thyren kniete. Zügig gelangte Gerufener zur Seelengefährtin und hörte sich sogleich die nächste Bitte an: "Heb ihn bitte in eine sitzende Position an. Ich muss seine Bauchwunde verbinden, er hat bereits viel Blut verloren." Nandôth nickte nur, kniete sich gleich an die Schultern des Thyren und hiefte ihn mit beiden Händen hoch. Sicherlich keine einfache Aufgabe, aber als einmal die richtige Position gefunden war, war das Gewicht des Hühnen auch verhältnismäßig einfach zu tragen. Bei Bewusstsein war der Verletzte nicht und sein Gesicht wirkte fahl. "Wird er durch kommen?" "Ich weiß es nicht, Melethron. Er hat tapfer gekämpft. Mehr, als wir je hätten von ihm verlangen können. Die Götter werden ihm sicher gnädig sein." Nandôth nickte nur und beobachtete weiter den Thyren, bis Nândariél auch bald schon mit dem Verbinden fertig war und ein zweiter Edhel zur Hilfe kam, damit der verletzte Verbündete ebenso zum Sammelpunkt gebracht werden konnte. Eine weitere Reihe von Stundenläufen verstrich auf diese Weise, bis am frühen Abend endlich Zeit war, sich auszuruhen. Das Kämpfen und auch die Versorgung der Verletzten im Anschluss, nicht zuletzt mit eigenen Verletzungen, hatten schwer an seiner Kraft genagt. Aber er war zufrieden mit sich und fand grundlegend nichts, das er hätte besser machen müssen. Während er bereits zum Sitzen gekommen war und seine Gedanken sich allmälich der wohl verdienten und bitter nötigen Meditation widmeten, kümmerte sich eine der eledhrim'schen Nestyr noch um seine Wunden, was mit einem erschöpften, aber herzlichen Lächeln bedankt wurde und ziemlich das Letzte war, an das er sich für diesen Tag noch erinnerte...*
Verfasst: Montag 20. Juni 2016, 16:01
von Gast
Mondläufe waren verstrichen und fast waren auch die letzten Eledhrim wieder gänzlich in ihren Alltag zurückgekehrt, als eine weiterreichende Untersuchung der fernsteuernden Essenz aus dem obduzierten Ophidianenkämpfer schwerwiegende Erkenntnisse mit sich brachte. Die bis dahin unbekannte Macht war stärker als befürchtet, griff nicht nur in das Bewusstsein der Ophidianen ein, sondern auch - wenn es keine Ophidianen in der Nähe gab - auf normale Waldtiere. Es oder viel mehr ER ließ sie verrückt spielen, aggressiv werden, Panik verspüren, sich kaum noch kontrollieren lassen. Und der Verdacht hatte sich neuerlich bestätigt, dass ER nach Selines Tod gierte. Sie wusste bereits davon, warnte die Eledhrim in einem Traum und ließ rückschließen, dass ER - ohne einen Namen ausgesprochen zu haben - genau der war, den Wenige der Eledhrim bereits befürchtet hatten. Im Anbetracht dieser Tatsache stand das alte Volk tatsächlich vor einem großen Problem.
Auf dem Weg in den Nebelwald zurück, am Ritualbaum vorbei, seufzte Nandôth schwer. ER war eines der wenigen Dinge, die nun absolut unpassend kamen, die vermutlich immer unpassend kommen würden. Es war anzunehmen, dass bei der Untersuchung des Kristalls nur ein Bruchteil der Stärke von IHM verspürt wurde und doch wäre die Aktion beinahe nach hinten losgegangen. Der Kristall war unerwartet explodiert, da hätte Nandôth sich nicht zwischen werfen können. Es war Elus Reflexen zu verdanken, dass aus der Gefahrensituation ein Federregen geworden war.
Als Nandôth an der Weide angekommen war, auf der die Malhelith und Erthrais grasten, erblickte er neuerlich den am Abend von Wölfen beinahe gerissenen Malheleth. Erst neigte der Nestor lediglich sein Haupt zum Gruß, dann streckte er den Arm etwas aus und hielt die Handfläche nach oben. Dabei sprach er ruhige Worte zum goldenen Pferd vor sich: "Mae govannen mellon-nîn! Wie geht es dir?" Er ließ sich Zeit, verharrte einfach entspannt an Ort und Stelle und wartete, bis das Tier auf ihn zu trat. Aufmerksam trafen sich das goldbraune und das azurblaue Augenpaar indessen und die Begrüßung wurde schließlich augenscheinlich vom Gegenüber erwidert, indem der schlanke Pferdekopf einen Moment lang abgesenkt wurde. "Du wurdest verletzt. Entschuldige, dass uns deine Gefahr nicht früher aufgefallen ist." In einer langsamen, berechenbaren Bewegung hob Nandôth den Arm an, drehte ihn und legte nach einem kurzen Innehalten seine flache Hand an den Kieferknochen des Tieres, was vertrauensvoll geduldet wurde. "Ich möchte dir helfen. Aber ich kann nicht versprechen, dass es schmerzfrei sein wird. Vertraust du mir?" Natürlich erhielt er keine Antwort, die er verstand. Doch der Malheleth schnaubte leicht und blieb ruhig stehen. So schenkte der ältere Edhel ihm ein warmes Lächeln und machte sich folglich daran, die Biss- und Kratzwunden, die ihm das Wolfsrudel zugefügt hatte, zu versorgen. Behutsam wurden sie gesäubert und vorsichtig mit einer Wundheilsalbe bestrichen. Von einem Verband sah er bei diesen Ausmaßen ab und streichelte einfach beruhigend etwas das goldene Fell, während er jede Wunde einzelnd behandelte. Bald eine gesamte Stunde verstrich noch in dieser Nacht, um das Vertrauen des edlen Tieres nicht durch Unruhen zu zerstören.
Erst danach betrat er wieder das Tal und kehrte Heim, um sich selbst zur Ruhe zu begeben. Die nächsten Tage würden voller Vorbereitungen sein. Das Volk musste bereit sein, wieder perfekt miteinander agieren und es mussten so viele Fragen noch beantwortet werden. Mit oder ohne den Bund? Wie sollte sich genau verteidigt werden? Was würde passieren, wenn das Tal nicht gehalten werden kann? Welcher Feind war zu erwarten? ... Als erfahrener Kämpfer und durchaus nicht mehr junger Edhel war es teils auch seine Aufgabe, das Ganze hier mit zu organisieren. Er hatte schon einmal größere Schlachten geschlagen, kannte einige Taktiken aus seiner Zeit als Maethor und galt durch sein Alter für viele junge Eledhrim als Vorbild und Ansprechpartner. Viel Verantwortung, die er aber nicht alleine trug und für heute galt es sich auszuruhen. Ab morgen würden dann die Vorbereitungen starten. Kein Alter und keine Erfahrung der Welt kommen gegen einen müden Geist an.
Verfasst: Sonntag 17. Juli 2016, 17:01
von Gast
Stunden um Stunden verbrachte er in der Bibliothek Ered Luins, in seinem Haus, wo er selbst ein ganzes Regal voll mit Büchern vorfand und es wurden gar noch Bücher aus den Privatbeständen der Eledhrim ausgeliehen. Zahlreiche Pergamente wurden in schwungvollen Lettern beschriftet und doch mochte es nicht so geordnet wirken, wie man es sonst von Nandôth gewohnt war. Dinge wurden durchgestrichen, mit Einkreisungen und Strichen verbunden, mit Pfeilen tauschten sie imaginär auf dem Pergament ihre Plätze und andere wiederum wurden durch Unterstreichungen hervorgehoben. Nebst sämtlichen Informationen über Drachen, fanden sich Stadtpläne Ered Luins auf Nandôths Schreibtisch ein und alte Lieder, wie Gedichte über längst vergangene Kämpfe wurden durchgelesen. Gelir Ancelliûl war nicht der letzte Name, über den er stolperte und all jene Kämpfe, deren Geschichten er als junger Maethor noch in sich aufgesogen hatte wie ein Schwamm, wurden wieder, mit neuem Wissen und aus neuen Perspektiven durchgelesen. Damals las Nandôth über einen Helden, über ein wahres Vorbild und nun las er über einen längst verstorbenen Helden, dem er nicht nacheifern wollte, sondern ihn neben sich wünschte. Gelir hatte IHM schon einmal gegenübergestanden und ihn mehr oder minder auch überlebt. Doch das letzte Mal, dass er ihn im Tal gesehen hatte, war ziemlich genau 26 Dekaden her. Begründeterweise, denn Gelir fiel damals im Jahr 0, erschlagen vom Panther höchst persönlich. Er würde nicht mehr helfen können.
Immer wieder huschte der azurblaue Blick von links nach rechts, überflog die bereits geschriebenen Zeilen und hielt dann in den auf verschiedensten Seiten aufgeschlagenen Büchern Ausschau nach weiterem Input. Das Einzige an ihm, was wohl hektisch wirken mochte. Es war kein akuter Zeitdruck im Sinne eines fixen Zeitrahmens, den er nicht überschreiten durfte und es war sicher auch kein Druck, den er von Seiten der anderen Eledhrim aufgehetzt bekam. Denn die Meisten von ihnen wussten nicht einmal, dass er so eifrig recherchierte und unzählige Stundenläufe in entsprechende Pläne steckte. Eigentlich eine ganz kurze Auszeit nehmen wollend, schwenkte der Blick zum Regal hoch, auf dem seit der Schlacht bei Menek'Ur unverändert noch das Schlachtenbanner der Eledhrim lag. Nachdenklich, etwas fragend senkten sich die weißen Brauen im blassgoldenen Gesicht ab und der Kopf legte sich schräg. Schlacht, Banner, Stärke, Truppe.. Truppe! Sofort richtete Nandôth sich auf und ging rüber zu Lamenitnu. Sie sollte Shalaryl und Lu´araiel informieren, nachdem sie miteinander geredet hatten. Die beste Theorie brachte nichts, wenn sie in der Praxis nicht umgesetzt werden konnte.
Verfasst: Samstag 27. August 2016, 14:38
von Gast
Schwer ausatmend rieb Nandôth sich die Schläfen und lehnte sich an der Wand in seinem Rücken an. Wieder viel zu viele Stunden voll Diskussionen und Fragerunden. Zu viele Stunden davor schon, die für Informationsbeschaffungen, Kontaktknüpfungen, Warenorganisation und Planschmiedungen draufgegangen waren. Es begann an den Nerven des Nestors zu zehren. Die weiter betriebenen Übungen und Studien waren nur ein Teil der ganzen Verpflichtungen, denen er nebenher noch nachging. Er seufzte und schaute zu Nândariél auf, welche sich lächelnd vor ihn hockte. "Man nauthoch, Melethron? Kann ich dir irgend etwas Gutes tun?" "Für den Moment benötige ich nur Ruhe. Ich muss auf andere Gedanken kommen, sonst fahre ich fest. Aber kannst du für mich zu morgen den Stadtplan heraussuchen? Er müsste auf meinem Arbeitstisch liegen." "Welcher von den Beiden?" Nandôth stutzte. Dann erinnerte er sich wieder daran, dass er mitterweile auch den Küchentisch für seine Studien missbraucht hatte. "Einer der beiden. Wahrscheinlich aber der im Vorderbereich des Hauses. Mae oder in einem der Regale. Aber das ist eher unwahrscheinlich." Schmunzelnd schüttelte Nândariél den Kopf und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. "Ich werde ihn für dich finden. Ruhe jetzt, Nandôth. Morgen ist ein neuer Tag." Ein warmes Lächeln erwiderte die Zuversicht seiner Seelengefährtin schließlich, ehe sie auch schon weiter ihren eigenen Arbeiten nachging und ihn in seine Ruhe finden ließ. Den Stadtplan Ered Luins fand sie tatsächlich in dem Pergament- und Bücherwust auf den Tischen und legte ihn offensichtlich hin, sodass Nandôth ihn morgen finden würde, wenn er sich mit Gwador Fuinor treffen und beraten würde. Es waren nur noch wenige Aufgaben an sich, die zur Vorbereitung des Tals von Nöten waren, doch nicht nur Nandôths Perfektionismus nagte zunehmend an der Ausdauer aller Beteiligten. Es waren wichtige Überlegungen, Entscheidungen und Umsetzungen und am besten wurde alles gleich fertig. Es blieb zu hoffen, dass der 14. Ashatar etwas mehr Ruhe für die eifrigen Strategen bringen würde. Wenn alle Aufgaben verteilt und die Verbündeten eingewiesen waren, musste schließlich mehr oder weniger nur noch umgesetzt werden, was wochenlang geplant worden war. Das war kräftezehrend und forderte sicher auch noch einen guten Überblick, aber dann hatte jeder seinen kleinen Bereich, um den er sich mit voller Konzentration kümmern konnte. Einfacher, so hoffte Nândariél...
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Der Stadtplan war gefunden, bearbeitet, abgesegnet und mit den anderen Völkern besprochen worden. Ebenso war das Lazarett schnell innenarchitektonisch geplant und das Mobilar zum Bau in Auftrag gegeben worden. Während dieser Auftrag von Gwanion bearbeitet wurde, hatte Nandôth mit dem Kloster und dem Handelshaus Briefkontakt aufgenommen, um eine Begehung der Lazarette zu vereinbaren. Blieb nur zu hoffen, dass Shalaryl und die anderen Ithryn bis dahin ihren Teil der Vorbereitungen erledigt haben würden. Ansonsten war nun soweit alles unter Dach und Fach. Die Arbeiten liefen, die Aufgaben waren verteilt und seine eigenen Aufgaben hatte der Nestor fast abgearbeitet. Parallel blieb noch abzuwarten, wer nun nach Lu´araiels Rücktritt vom 3. Ratsposten nachrücken würde. Doch da war nicht viel mehr zu tun, als zu warten und so kümmerte Nandôth sich nicht weiter darum. Die Zeit würde es bringen.
Im Wald veränderte sich soweit nichts. Der Nebel blieb wie er bisher war, die Wachenzahl blieb wie gehabt und die Tiere gaben ebenso keine grob auffälligen Warnsignale an die Eledhrim. Also kein Grund zur Panik. ER wollte sie bestimmt nur auf die Folter spannen. Oder brauchte er vielleicht doch noch etwas Zeit? Wäre eine Offensive nicht vielleicht effektiv? Doch wo angreifen? Man kannte den Aufenthaltsort des Feindes nicht.. Mehrere Gedanken gingen dem ehemaligen Maethor noch durch den Kopf, wie es auch die Wochenläufe und Mondläufe zuvor gewesen war. Alles beim alten Wahnsinn im Nebelwald..
Aufleben und Ende des Kriegs um Leben, Friede und Erkenntnis
Verfasst: Sonntag 20. November 2016, 00:30
von Gast
Er hatte gedacht, es sei alles geklärt, was die Nestyr anging und man könnte sich nun ruhigen Gewissens den Bauarbeiten widmen. Doch da meldete sich doch noch jemand aus dem Kalurenvolk und aufgrund der jüngsten Kommunikationsprobleme hatte er also zugestimmt, auch sie einzuweisen und ihr anzubieten, während der Schlacht behilflich zu sein. Am heutigen Abend hatte es nicht mehr geklappt. Sie verkündete über einen Eilboten, dass noch ein Kalure Interesse hätte und man dann lieber einen gemeinsamen Termin machen würde. Es kam Nandôth zugegeben günstig und so gönnte er sich einen Abend lang einmal Ruhe. Bei Nândariéls Harfenspiel und einer sternklaren Nacht über Ered Luin mühte er sich in seine Traumphase zu finden. Ein paar Stunden lang wollte er nicht aktiv über Schutz- und Vorbereitungsmaßnahmen, über Feindanalysen und Stadtumbauten nachdenken. Einen kurzen Moment wünschte er sich nichts sehnlicher, als eine erholsame Ruhe, um danach wieder mit neuer Kraft und einer klaren Sicht auf die ganzen Dinge schauen zu können. Und so driftete er tatsächlich irgendwann gedanklich ab, seine Ruhe findend und den Körper von all seinem Handlungsdrang lösend. Stunden vergingen so in absoluter Stille. Einzig die sanften Klänge der Harfe, die neben ihm gespielt wurde, durchdrangen noch leise die friedliche Nacht im Tal. Der Feind ließ sich weiterhin nicht blicken oder hören und so tappten Verteidiger, wie Helfer unverändert im Dunkeln, während es verräterisch 'hell' war. Die bekannte Ruhe vor dem Sturm wohl..
Mit verengten Augen blickte er auf die wirbelnden Wellen hinunter, die gegen die Brandung nahe des Hafen seiner Heimat schlugen. Unnachgiebig wie unermüdlich schienen sie und ein Blick in die weitere Ferne zeigte, wie sich eine dunkle Wolkenwand am Horizont zusammenbraute. Achtlos peitschte der Herbstwind indessen das schneeweiße Haar und auch den Umhang des Nestors gegen dessen Leib. Einzig der metallene Teil seiner Rüstung blieb starr und ermöglichte es ihm dem Wind standzuhalten, der so hoch in den Bergen gegen ihn wetterte. Nachdenklich sinnierte Nandôth schon seit Stundenläufen über das gegenwärtige Wetter. Wieso jetzt auf einmal? Brach die Ruhe vor dem Sturm in sich zusammen? Ging er nun los, dieser Sturm? War es tatsächlich nicht nur eine alte Redensart? Immer mehr Fragen kamen ihm in den Sinn, ohne dass er spürbar nach Antworten rang. Er hatte es hingenommen, dass ER kommen würde und sie gewappnet sein mussten. Auf alles und jeden. Doch blieb es ein Reflex sich zu fragen, warum etwas so war, wie es eben war...
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Jenes gute Zeichen wurde wohl mit Einbruch der Nacht dann doch zunichte gemacht. Die Kristalle hatten Alarm geschlagen, über ganz Ost-Gerimor hinweg und die Verbündeten eiligst nach Ered Luin gerufen. Von Weitem konnte man nicht nur den altbekannten Sturm zunehmen sehen, sondern auch kurz darauf dicke Rauchschwaden über dem Nebelwald aufsteigen sehen. Nicht jene des waldeigenen Nebels, sondern jene von Flammen. Ered Luin brannte für Stunden, bis ins Morgengrauen hinein. Einige hatten ihr Leben gelassen, viele waren verletzt und von dem einst so strahlenden Tal war jenseits des Palastes nichts mehr übrig gewesen, als verkohlte Ruinen. Der komplette Hafen- und Wohnbereich war zerstört und hielt die Eledhrim, die noch stehen konnten, bis in frühe Stunden auf den Beinen, um weitere Schäden zu vermeiden. ER hatte einen größeren Vorboten geschickt. Einen Dämonenfürst, welcher aus den Sturmwolken herausgestiegen war.
Erschöpft sank Nandôth in den frühen Morgenstunden auf seine Knie und blickte sich fassungslos um. Das war schnell gewesen. Noch immer konnte er, wie viele andere, nicht begreifen, was da in der letzten Nacht wirklich geschehen war. Zwischendurch waren ihm gar sprichwörtlich die Lichter ausgegangen, als er sich in alter Kämpfermanier zwischen einen schwerverletzten Menekaner und die Meereswesen gestellt hatte. Es waren zu viele Angreifer auf einmal gewesen. Er musste sich daran gewöhnen, nicht mehr blind zu kämpfen. Als Nestor durfte sein Bewusstsein nicht fehlen. Das war tödlich für alle, die auf seine Unterstützung vertrauten. Diesen Morgen würde er zur Ruhe nutzen müssen, um baldmöglichst wieder auf den Beinen und mit wachem Geist dabei sein zu können. Runde 1 ging an die Eledhrim mit ihren Verbündeten. Diese Schlacht hatten sie gewonnen. Aber noch nicht den Krieg...
Hektisch wanderte sein azurblauer Blick umher und versuchte angestrengt alles aufzunehmen, was nun von Relevanz war. Währenddessen trugen ihn seine Beine im bereits gerüsteten Zustand schnellen Schrittes über die Marmorbrücken seiner Heimat. Noch bevor er sich der Situation wirklich gewahrwerden konnte, sah er die ersten seiner Geschwister im verzweifelten Verteidigungsversuch vorm Palast fallen. Atemlos ob des Zustandes und nicht ob der Anstrengungen, warf er sich unbedacht in den Kampf und konnte diesen wohl nur überstehen, weil er sich hatte instinktiv darauf verlassen können, dass seine Geschwister von hinten aufgeholt hatten. Im Palast brach kurz darauf ein 3 Fronten Kampf aus. Die Meereswesen hatten schnell den Hafen überrannt und umzingelten die Eledhrim von allen erdenklichen Seiten. "Daro!" "Haltet die Stellung!" "Godolo Maethry!" "Sammelt euch Kämpfer!" Immer wieder hatte er in dieser Nacht solche Sätze gerufen. Als ehemaliger Maethor war er sich sehrwohl der nötigen Vorgehensweisen bewusst, doch es war allen Kämpfern inmitten von so viel Überrumpelung, Angst, Wut und Ratlosigkeit kaum möglich, die Befehle direkt umzusetzen. Erst spät erinnerte Nandôth sich daran, dass er nun Nestor und nicht mehr Maethor war. Sein Platz war nicht in der ersten Reihe. Er musste hinten stehen und den Überblick behalten. Schauen, dass niemand sich übernahm und nirgendwo Lücken entstanden, die ihm oder Eona zur Gefahr werden könnten.
Nachdem der Palast zurückerobert, die Portale in ihm gesichert und die Verbündeten aus Menek'Ur und Umgebung dazugestoßen waren, ging es unter endlich erkanntem Kommando Fuinors in Richtung Hafen weiter. Der Trupp teilte sich mehrere Male auf und so wurden die wenigen Nestyr, von denen Nandôth überhaupt wusste, gnadenlos auseinandergerissen. Jeder für sich musste nun versuchen, so viele Kameraden wie möglich im Kampf zu behalten. Leichter gesagt, als getan. Ered Luin wurde mit seinen engen Gassen und schmalen Brücken, wie befürchtet, zu einem ernstzunehmenden Hindernis. Mitten im Kampfgeschehen, mit dem Kopf schon gar nicht mehr irgendwo anders, war Nandôth schließlich dazu gezwungen aus dem Häuserschatten zu treten und somit einem Trio des Feindes den Weg zum strauchelnden Sahid abzuschneiden. Vermutlich war es nur seiner jahrhundertelangen Ausbildung im Kampf zu verdanken, dass dieses Unterfangen nicht direkt in seinen Tod ausuferte. Instinktiv hatte er den Schild in seiner rechten Hand hochgerissen und sich mit einer flinken Drehung seitwärts zur Lanze gewendet, den Schildarm nun zwischen sich und die rostige Waffe haltend. Doch noch während sein linkes Bein verzweifelt Halt im durchnässten Boden suchte, wurde er gleichsam nach hinten und in einen unfreiwilligen Spagat gedrückt, ehe er nur noch wahrnahm, wie Thalion mit großen Schritten an ihm vorbei und auf den Feind zulief. Nicht einmal mehr in der Lage zu vermuten, was der Rassenbruder in diesem Moment leistete, sah er sich auch schon während eines Abdrückens mit dem rechten Arm auf dem matschigen Boden einem schwarzen Schleier gegenüber. Er sackte in sich zusammen.
Mit der nächsten Erinnerung, welche ihm blinzelnd die Gestalt seines Bruders neben ihm offenbarte, erwachte er schließlich wieder aus seiner viel zu kurzen Meditation. Er hatte sich zurückerinnert, in einer nicht abnehmenden Hoffnung, so sein Kampfverhalten für die nächste Schlacht optimieren zu können. Fuinor hatte zu bald ein Treffen einberufen, auf dem alle ihre Erfahrungen der letzten Schlacht miteinander teilen und darauf weitere Vorgehensweisen entwickeln sollten. Dafür würde er noch mit sich selbst auf einen grünen Zweig kommen müssen. Während einige seiner Geschwister weiter mit Lösch- und Aufräumarbeiten beschäftigt waren, kümmerte er sich in den letzten zwei Tagen wieder vermehrt darum, die Handwerker seines Volkes mit Aufgaben vom Rat zu versehen, Rücksprachen und Informationsgespräche mit Helfern zu halten und sich um die Verletzungen seiner Geschwister zu kümmern. Caraphinnor, Parth und noch einige mehr waren zwar nicht ernst verletzt, doch ihre Wunden sollten heilen, bevor es weitergehen würde. Sein eigener Arm erholte sich glücklicherweise gut. Entweder, weil er es einfach zu tun hatte oder weil der Schmerz während des Kampfes nur durch sein überraschendes Aufkommen für solch einen Aussetzer gesorgt hatte. In Gesprächen mit den anderen Eledhrim und vor allem auch mit Ranulph von den Kaluren kristallisierte sich zunehmenst heraus, dass Nandôth als einer der älteren Eledhrim darum bemüht war, die Hoffnung und den Eifer innerhalb der Reihen zu wahren. Durch vergangene Schlachten gegen verschiedenste Feinde wusste er, dass die Zeit der Trauer noch lange nicht eingetreten war. Es gab bereits Tote, doch im Moment würden sie in den Gedanken aller nur stören. Es galt fokussierter zu werden. Egal auf welche Weise.
Phanodain, anno an daur ammen!
Phanodain, gib uns Halt!
Mitten in seiner Bewegung verharrte der Nestor, welcher zuvor noch die Treppen der Wehrmauer hochgestiegen sein wollte. Wie auf der Stelle angewurzelt, blickte er mit einer langsamen Kopfbewegung gen Himmel. Ein tiefes Grau mischte sich in das Azurblau seiner Augen und kaum war er in der Lage seinen eigenen Schreck zu verbergen, als das Lachen noch einige Male im Herbstwind nachhallte. "Ùvaer hen.. Itardwa, man cenich?" "Das ist nicht gut. Itardwa, was siehst du?", wandte er sich mit angehobener Stimme an den Bogenschützen, welcher etwas gesehen haben wollte. Als dieser von einem orangen Glühen in den Wolken berichtete, welches aber nur für den Bruchteil einer Sekunde da gewesen war, wirkten einige der Eledhrim, Nandôth mit eingeschlossen, resigniert. Einen kurzen Moment lang ließen sie sich einschüchtern, bis der Nestor doch noch mal seine Stimme erhob: "Avo gosto! Hebo tirith!" Habt keine Angst! Wahrt die Achtsamkeit!" Schnellen Schrittes ging er die nur halb erklommenen Treppen wieder herunter und eilte weiter ins Talinnere. Mit den Eledhrim, die ihm auf seinem Weg noch begegneten, tauschte er sich über die Wahrnehmungen des letzten halben Stundenlaufs aus, ließ sich von den wenigsten den Eindruck Itardwas bestätigen und begann dann zügig alle Vorkehrungen im Tal nachzuprüfen, obwohl sie erst vor Kurzem errichtet und allein dabei schon dreimal geprüft worden waren. Er wollte nun um jeden Preis sichergehen, dass Ered Luin einem zweiten Angriff gewappnet war. Jener würde schneller folgen, als ihnen lieb war. Sie mussten unbedingt bereit sein und sich nicht wieder vom Feind zerstreuen lassen... "Phanodain, anno an daur ammen!" Phanodain, gib uns Halt!
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"Ich werde noch etwas Wache an der Wehrmauer halten.", hatte Nandôth gerade gesagt und entschlossen hatte Tambar seine Gesellschaft angeboten, als auch schon die Information an seine Ohren drang, dass ein paar Edhain ihn an adab e-maenis erwarteten. So sagte er Tambar also, er könne schon einmal hoch gehen und ging selbst in Richtung Nebelwald. Ätzend war es, wie schwer das Voranblicken im taktisch wohl überlegten Nebel Shalaryls war. Der Wald und das Tal sollten nicht so schnell brennen können, wie beim letzten Mal. Am Handelshaus angekommen, erblickte er auch gleich Antorius, Viridian und eine adaneth, welche ihm als Elinor Tiefenbruch vorgestellt war. Durchaus etwas älter, als ihre männlichen Begleiter. Schwer zu sagen, wie wenige Jahrzehnte sie wohl schon hinter sich hatte. Er war nicht sonderlich gut im Einschätzen solcher Dinge. Doch zählte das auch nicht wirklich. Antorius berichtete, dass er gerne noch weiter helfen würde. Man solle ihm nur sagen, was zu tun sei und seine Begleiter wollten dies wohl auch. Nandôth nahm die Hilfe dankbar an und führte sie durch den Nuya'tan, doch noch währenddessen hallte wieder dieses ominöse Lachen durch die Wolkendecke, fern über dem Baumkronendach des Waldes. "Lauft!", erging sofort von ihm und er wagte einen Laufschritt durch die dichte Nebelwand. Glücklicherweise verloren die Edhain dank schneller Reflexe und bedingungslosem Vertrauen in den Nestor nicht seine Spur. Sie kamen alle in Ered Luin an, wo auch schon Hektik auszubrechen begann, als sich die schwarzen Flügel ihren Weg durch die dunklen Wolken suchten.
"Nandôth, übernimm die Gruppe im Westen!", rief Fuinor ihm über den Marktplatz hinweg entgegen. Parallel hörte man noch, wie Eona und Lethalon - ein lange zurückersehnter gwador - je eine Gruppe des bunten Verteidigerheers übernahmen. Ein Nestor je knappes Dutzend Streiter. Eine fast unzumutbare Aufgabe, aber es war noch vor der ersten Schlacht des Jahres absehbar gewesen, dass die Nestyr nicht ausreichen würden, um alle Fronten zuverlässig zu unterstützen. Also msusten sie das Beste aus ihrer kleinen Anzahl machen. Im Nachhinein erinnerte Nandôth sich nur noch an vereinzelte Szenen. Oft hatte er Streiter, teils auch von fremden Gruppen, aufgezogen und ihnen einen erfrischenden Trank zur Stärkung in die Hände gedrückt. Sie durften noch nicht schlappmachen. Dann war da regelmäßig dieser Feuerregen gewesen, auf welchen hin immer wieder gerufen wurde: "Auseinander, verteilt euch!" Sie mussten wenig Angriffsfläche bieten, in Bewegung bleiben. Der Feind durfte nicht zielen oder gar kalkulieren können. Schlüsselpunkte ihrer eigenen Verteidigungstaktik mussten solange wie möglich unergründet bleiben. Dann hatte der Dämonenfürst mehrfach seine Kreise über und durch das Heer gedreht. Ächzend gingen manche zu Boden, andere wichen zur Seite aus und wiederum einige ließen sich tatsächlich bewusst in eine Hocke sinken, um unter den Körper des Gegners zu geraten.
Am Palast angekommen, um diesen von den Heerscharen Meeresbewohner zu befreien, entdeckte Nandôth schließlich auch die zu Beginn vermisste Celeg'glin'magol. Erleichtert informierte er sie im Schnellverfahren über die Lage. Sie hatte bisher in der Nähe des Camvaethols gekämpft, wie es aussah. Phase 3, wie er den Abend grob zu unterteilen versuchte, war dann wirklich anstrengend gewesen. So viele alchemistische Schutzmaßnahmen gegen Feuer konnten sie gar nicht liefern, wie ihnen Flammenfunken, Feuerregen und Höllenhunde entgegenkamen. Gleich zweimal hatte es ihn für einen kurzen Moment selbst in die Knie gezwängt, ehe er sich jedoch noch einmal sammeln konnte und dank seines hohen Adrenalinpegels auch nahezu nichts an Schmerzen verspürte. Er musste seine Aufgaben als Nestor unbedingt erfüllen. Mitten im Kampfgetümmel verlor er irgendwann gnadenlos seine Gruppe aus den Augen. Sie hatte sich aufgeteilt, agierte nicht mehr zusammen, seit die Feuerwellen große Schneisen in das gemeinsame Heer gerissen hatten. Er pendelte anfangs noch hin und her, auf der Suche nach Mitgliedern eben seiner Gruppe. Doch irgendwann ließ er es bleiben, schaute nur noch, wo gerade keiner der Nestyr stand und kümmerte sich um die dort kämpfenden Streiter. Bloß nicht an Plandetails festhalten. Das hatte er während der Vorbereitungen immer selbst gepredigt. Im Krieg ist alles erlaubt. Also mussten sie auch alles tun, was nötig war oder zumindest nötig erschien und am Ende.. siegten sie wieder.
Zu welchem Preis? Das frug er sich in jener Nacht nicht mehr. Nach einem letzten, ungezählten Durchkämmen Ered Luins hatten sich auch an ihm die Spuren des Kampfes offenbart. Mit dem Sinken des Adrenalinpegels und dem Abnehmen von Maske und Helm, wurde schreckhaft deutlich, dass ein knapper Drittel seines Gesichts von Verbrennungen übersät war. Wie es dazu hatte kommen können, das frug er sich bei so viel Feuer um ihn herum nicht mehr. Es war am Ende auch egal. Sobald kein ernst Verletzter mehr im Tal und Umgebung unversorgt verweilte, konnte, musste er sich ohnehin selbst hinlegen. Also zog es ihn schlussendlich auch in die Sala der Lindil. Wie von so vielen, war nun auch sein Heim zerstört. Mit verzogener Mine legte er sich eine schnell präparierte Bandage auf das verbrannte Gesicht. Beinwurz und Ringelblume würden sich um die Verbrennungen und potentielle Entzündgungen kümmern, während etwas Bilsenkraut die Schmerzen irgendwie lindern sollte. Im Beisein seiner Geschwister begab er sich dann in eine Meditation, die für Außenstehende tatsächlich wie ein gewöhnliches Schlafen der Fiberim wirken konnte. Auf dem Rücken gelegen mit geschlossenen Augen. Doch seine Sinne waren einen Großteil der Nacht noch geschärft, um auf Unterbrechungen der trügerischen Stille reagieren zu können. Erst bei Morgengrauen, welches für die Eledhrim in ihrer Heimat kaum noch zu erkennen war, sank er in eine tiefere Meditation hinein. Offenbar sollte nun wirklich so schnell nichts mehr folgen. Er konnte ruhen.
Bald zweieinhalb Wochen waren seit dem letzten Angriff vergangen. Ered Luin war immer noch ein reiner Ruin und die Untoten beherbergten den Haufen Aschtrümmer weiter. Elfenwachen patrouillierten gewohnt verstärkt durch den Nebelwald und an dessen Rand entlang. Nandôth persönlich hielt auch vermehrt ein Auge auf die Orks, welche aktuell eine unerwartete Gefahr wären, entschieden sie sich für einen Überraschungsangriff auf das angeschlagene Volk der Eledhrim. Doch sie blieben bis jetzt ruhig. So blieb es wenig anstrengend für ihn und seine Verbrennungen im Gesicht konnten gut heilen. Er befolgte den Rat Assamarils und stellte regelmäßig sicher, dass die Gesichtshaut gut durchblutet war. Nun, da der Feind ihnen offenbar doch eine Pause gönnte, konnte er auch regelmäßig an den Verbandswechsel denken und nach zwei Wochenläufen hatte er es sich auch zum ersten Mal gewagt, in den Spiegel zu schauen. Es heilte nun doch gut, aber ein makelloses Gesicht würde er wohl nie wieder haben. Blieb nur noch abzuwarten, wie schlimm das Endergebnis tatsächlich sein und ob man was dagegen unternehmen können würde. Einen Wochenlauf musste er sicherlich noch warten, bis die Wunden ganz verheilt waren. Derweil musste er sich unbedingt wieder aufraffen. Zu viele Tage hatte er in tiefer Meditation und mit quälenden Gedanken verbracht. Es galt, den Körper wieder zu stählen und den Geist zu wecken. Der Feind schlief nicht und die Eledhrim durften es genausowenig tun.
So sah man ihn wohl, vor allem in den frühen Morgenstunden, vermehrt auf einer Lichtung im weiter unberührten Wald stehen und Trockenübungen mit seinen Waffen machen, bevor er sich mittags über Bücher hockte, sie einstudierte, abends Wache hielt und in der Nacht dann ruhte. Tag ein Tag aus kletterte er mehrfach die Baumhäuser der Lindil hoch und runter. Dort waren immer noch alle untergebracht und so langsam gewöhnte er sich sogar etwas daran. Was er aber natürlich nie zugeben würde. Schließlich liebte er den massiven Marmorbau des heimischn Tals und jeder wusste das. Hochelf blieb Hochelf. Gewisse Dinge mussten bei ihm sein und die würde er sich auch nach dem Fall des Feindes zurückholen...
Die Nacht des 15. Rabenmondes hätte mehr Kampf nicht bedeuten können. Für viele war es nicht nur ein erneuter körperlicher Kampf gewesen, sondern auch ein Kampf gegen sich selbst und die eigene Erschöpfung, ein psychischer Kampf. Die Monde hatten deutlich ihre Spuren an den Eledhrim und auch ihren Helfern hinterlassen. An der Stadt ohnehin und allesamt versuchten in eben jener Nacht krampfhaft nicht unter dem stetigen Druck des Feindes in die Knie zu gehen. Viele schafften es und doch gingen viel zu viele mit den letzten Mauern Ered Luins nieder. Was zurückblieb, waren rauchende Ruinen, schmorende Kadaver, im Angesicht des Todes erstarrte Streiter und erschöpfte Sieger.
Geistesabwesend schwenkte der von einem tiefen Grau durchzogene, einst azurblaue Blick des jüngsten Nestors über das Schlachtfeld um ihn herum. Sie hatten gesiegt.. Oder vielmehr standgehalten.. Der Feind war vernichtet.. Seline gerettet.
Kaum schaffte er es den Blick anzuheben, gleichwohl er realisiert hatte, dass jemand seinen Namen gerufen hatte. "Nandôth!", ertönte Nândariéls Stimme wieder. Nun blickte er doch auf und sah sie einen Menekaner stützen, welcher mindestens genauso geistesabwesend schien, wie Nandôth bis jetzt. Sein Geist erwachte noch einmal, als er sich der Situation ganz gewahr werden konnte und so setzte sich der Edhel in Bewegung. Diesmal brauchte es keine Entschuldigung. Auch keine Anweisungen mehr. Er wusste jetzt wieder, was er zu tun hatte. Die Zeit der Ruhe war bei den Nestyr immer das Allerletzte, was eintrat. Erst wenn die Ersten schon wieder fast auf den Beinen waren, konnten sie daran denken, einen Moment den Geist ruhen zu lassen. Jetzt aber mussten erstmal die letzten Kräfte mobilisiert werden, um alle Überlebenden auch wirklich am Leben zu halten. Verschüttete, Verletzte, Desorientierte und Erschöpfte mussten voneinander unterschieden, an einen abgeschiedenen Ort gebracht und entsprechend ihrer Symptome behandelt werden. Besonders die Desorientierten und Erschöpften stellten eine große Herausforderung für Nandôth dar. Im Geiste war er selbst noch mehr Maethor, als Nestor. Selbst noch leicht desorientiert und erschöpft. Doch nur er und die anderen Nestyr konnten nun aktiv die Saat für neue Ruhe, Harmonie, Zuversicht und Glauben säen.
Geistige Wunden.. Unweigerlich musste er an Loraine denken. Die Adaneth hatte es sich zur Aufgabe gemacht, den Geist eines Wesens zu analysieren und rein über Worte zu behandeln, so wie andere den Körper analysierten und behandelten. Wäre die Zeit dafür da gewesen, hätte er sich wohl Rat bei ihr geholt oder sie gar mit hier hin gebracht. Aber noch immer war das Volk der Eledhrim zwigespalten, was die Edain anging und so waren es weder die richtige Zeit, noch der richtige Ort für solche Kooperationen. Sie würden es irgendwie alleine schaffen. Erst, wenn Ered Luin wieder errichtet worden war. Wenn es in neuem Glanz erstrahlte und das Volk, welches Zeit dieser Existenz im Tal gelebt hatte wieder lächeln konnte. Erst dann war es möglich, an eine Versöhnung der benachbarten Völker zu denken. An einen gänzlichen Neuanfang. Insgeheim behielt Nandôth sich nach all den Ereignissen die Hoffnung im Herzen, dass die letzten 11 Monde allen Beteiligten die Augen geöffnet haben könnten. Oder zumindest einem großen Teil. Launigkeit und Naivität der Firiath hin oder her, sie alle gehörten dem Pakt des Lichts an. Und dieser bestand nunmal sowohl aus Phanodain, als auch Cirmias und Temora. Letztere zog wohl auch Eluive mit ins Boot, indem sie für jene kämpfte. Was bedeutete, dass zu den Eledhrim, Hadhorim und Adanath auch die Eruchedhrim und in gewisser Maßen ebenso die Forodrim dazu zählten. Schlussendlich alle jenseits der Bajader Grenze.
Auch nach Tagen beschäftigten ihn diese Gedankengänge noch und so ertappte er sich am 4. Nachkriegstag dabei, mitten im provisorischen Lazarett stehengeblieben zu sein, um eben jenen Gedanken nachzuhängen. Um ihn herum schlief oder ruhte alles, um sich zu erholen. Es war dunkel, wenngleich nicht mehr so entsetzlich dunkel wie an den letzten Kriegstagen. Wenn er weiterdachte, dann spürte er tief in sich, dass es keine Sympathie war, die ihn zu solch Sinneswandeln kommen ließ. Auch war es längst nicht mehr der Versuch, stets bemühte Volksverständiger wie seinen Sohn Ivor oder Adaneth Janarey zu verstehen. Am Ende war es offenbar ein tiefes Verständnis, das ihm geschenkt worden war. Verständnis für den Ursprung aller Völker: Dem Kampf gegen das Böse, Alatar und seine Schergen!
Le hannon...
Verfasst: Samstag 31. Dezember 2016, 02:36
von Gast
Ruhige Schritte verhallten noch in der Stille der Nacht, ehe sie an die Ohren des Betrachters dringen konnten. Doch sehen konnte er die beiden Edhil
(Hochelfen) sehr gut, als sie durch das Dickicht des Waldes striffen. Sie hatten offenbar etwas bemerkt, denn sie schienen etwas zu suchen. Achtsam blickten sie sich aus den azurblauen und bernsteinfarbenen Augen um. Gelegentlich trafen sich ihre Blicke untereinander, nur um sicherzugehen, dass der jeweils Anderen auch nichts Neues bemerkt hatte. Doch das ungute Gefühl verließ die beiden Nestyr
(Heilkundigen) nicht. Irgend etwas oder irgendwer war hier und gehörte aber nicht hier her. Eine gefühlte Ewigkeit schlichen sie mit diesem Unwohlsein durch den Wald, bis sie schließlich nahe einer Donnereiche, ganz am Waldesrand, einen Trupp Letharen erblickten. Sofort hielten beide inne und warfen sich einen schnellen Blick zu. Die Elleth
(Hochelfenfrau) senkte nur kurz die Lider und zwang sich zu einem Lächeln. Längst hatte sie verstanden – und konnte freilich nachempfinden - was ihr Seelengefährte verspürte. Den warmen Blick wieder zu ihm anhebend, lächelte sie nun herzlicher auf und legte demonstrativ ihre Hand an die noch ungespannte Sehne ihres Thoronrovals, des Elfenbogens. Das Lächeln wurde müde von ihrem Gegenüber erwidert und doch bestand kein Zweifel daran, dass er es ernst meinte. Denn seine Hände griffen umlängst leise nach den Knaufen der beiden Megil
(Elfenschwerter) auf seinem Rücken. So spannte sie also noch die Sehne in Ruhe und warf ihm einen letzten abschätzenden Blick entgegen, ehe er dann auch schon im vollen Lauf aus dem Dickicht hervor kam und die Aufmerksamkeit der Letharen auf sich zog. Sie hatten den Feind offenbar nicht kommen sehen, sahen sich aber klar in der Überzahl, als es bei einem ersichtlichen Angreifer blieb und so griffen sie ebenso zu ihren Waffen. Ein knappes Dutzend waren sie, die nun mit scharfen, Gift durchtränkten Waffen auf den deutlich größeren Ellon
(Hochelfenmann) einschlugen.

In alteingeübter, routinierter Manier parrierten die Elfenklingen der Gegner Schläge, bis sie ab und an Gelegenheit zum Gegenschlag fanden und so blitzschnell ihr Ziel fanden. Indessen durchzog ein zischender Pfeil nach dem anderen die Nacht und durchbohrte die Rüstungen der Schwarzhäute. Es dauerte einige Momente, bis die überrumpelten Letharen den zweiten Angreifer auf wechselnder Position ausmachen konnten. Doch ab da trennte sich die Gruppe und vorwarnend durchbrach ein "Nândariél!" den Kampfeslärm. Der Beobachter konnte nun sehen, wie die angesprochene Elleth stehen blieb und schleunigst den Bogen fallen ließ, um im nächsten Moment nach ihrem Megil zu greifen. Weniger geübte Parraden hielten die ersten Schläge der drei Gegner von sich ab, während sie immer wieder kleine Schritte nach hinten und zur Seite tätigen musste. Der Wald mit seinen dicken Wurzeln machte ihr diese Defensive nicht einfacher. Ein erster Schwerthieb traf sie nur leicht am ungerüsteten Arm und brachte sie zum Keuchen. Wütend holte sie zum Gegenschlag aus und brachte mit jenem einen der Letharen zu Fall. Aber gleich folgte ein Angriff des linken Letharen und traf sie schwerer an den Rippen. Schmerz erfüllt schrie sie auf und zog sich eiliger zur rechten Seite zurück, die soeben durch den Fall des Gegners frei geworden war. "Nandôth!", rief sie blind in den Wald hinein und hoffte, dass ihr Hilferuf noch an die Ohren ihres Seelengefährten drang.
Dieser sah sich in der Zwischenzeit nur noch vier Letharen gegenüber, welche alsbald versuchten, ihn zu umzingeln, sodass er nicht zu seiner Kampfgefährtin kommen konnte. Doch ein weniger elfenhafter Tritt gegen den Torso des einen und ein unmittelbar darauf folgender Schwerthieb zu je einer Seite sorgte zügig für ganz viel Platz, den der Nestor
(Heilkundige) dazu nutzte, um wieder im Wald zu verschwinden und Nândariél zu suchen. Einzig der letzte, vierte Lethar folgte ihm noch auf flinken Beinen. "Nândariél!?", rief Nandôth aus und blickte sich hektisch im Dunkeln um. Die Sterne am Himmelszelt boten in jener Nacht nur wenig Licht, das er sich zu Nutze machen konnte. Ein erneuter Schmerzenslaut von ihr ließ ihn schließlich die Richtung ausmachen und schnell zum Ort des Geschehens kommen. Zu spät kam er in Reichweite der beiden Letharen und konnte nur noch den zwischen Mörder und Beschützer springenden von ihnen tödlich verletzten, als die Klinge des anderen auch schon in den Körper der Elleth vor sich drang. Keuchend ging sie mit starr aufgerissenen Augen zu Boden. Das Letzte, was sie sah, war ihr Seelengefährte, wie er von den beiden Letharen endgültig flankiert und in einem Moment der Schockstarre von beiden Seiten durchbohrt wurde. Undeutbar lag sein azurblauer Blick auf ihr und ließ ihn offenbar vergessen, Schmerzen zu verspüren. Ohne einen Laut von sich zu geben, brach er erst auf die Knie zusammen und kippte dann ungehalten zur Seite um. Erst da schlossen sich die Lider über den nach hinten weg rollenden Augen und der Körper erschlaffte.
"Ada, naneth?",
("Papa, Mama?") ertönen zwei junge Stimmen überrascht. Ein Blinzeln des Betrachters offenbart ihm den Anblick zweier auf die soeben gefallenen Nestyr zulaufenden Edhil. Freude strahlend fallen sie jeweils einem der Beiden um den Hals und werden ebenso herzlich von den Beiden empfangen. "Ivor, Mendôriél!", lachen die älteren Edhil und umfassen erleichtert die Köpfe ihrer Kinder. Um sie herum sind weite Wiesen aus saftigem Grün, ein strahlend blauer Himmel und am Rande der Insel ein gülden schimmerndes Meer, in dem sich die untergehende Sonne glitzernd spiegelt. "Abadam hi?"
("Gehen wir jetzt zurück?") , fragt Ivor seinen Vater lächelnd, wenngleich eine gewisse Melancholie in seiner Stimme und seinem bernsteinfarbenen Blick mitzuschwingen scheint. "Tír hen."
("So ist es."), nickt Nandôth da nur noch und aus Nândariéls Mund tönen warme Worte, begleitet von einem sanften Lächeln: "Tolo, melethryn-nîn."
("Kommt, meine Lieben.") So werden die Vier schließlich gemeinsam ihren Weg ins nahegelegene Gebirge beschreiten, wo sie aus dem Blickfeld des Betrachters verschwinden und sich zur ewigen Ruhe begeben werden, aufdass ihre Klangstrukturen wieder ins ewige Lied der Schöpfung übergehen können...
