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Zwielichtweise

Verfasst: Donnerstag 13. August 2015, 15:19
von Gast
Sternenfahrer


Wispernd streicht der Wind durch die taunassen Blätter der Bäume, treibt Nebelfetzen vor sich her und bringt das unwirkliche Zwielicht des Morgengrauens in unruhige Bewegung. Der letzte Schrei eines Nachtvogels klingt über das Wasser und lässt es ein wenig erzittern als die bloßen Füße der Gestalt durch das ufernahe Schilf streifen. Beinahe weiße Haut, benetzt von feinen Tropfen die langsam herabperlen und sich wieder mit dem Wasser des Sees vermischen.
Eine einzelne schwarze Feder landet auf der Wasseroberfläche, treibt darauf wie ein lange verlorenes Boot und dreht sich sachte wie ein junges Mädchen im selbstvergessenen Tanze.
Und über alle dem schwebt eine leise Melodie, fern wie ein Traum und doch seltsam vertraut - wie ein Lied dass man vor langer Zeit einmal gehört und doch wieder im den Trubel des Alltags erstickt hat. Eine Melodie, die der Morgenstimmung am See so sehr anzugehören scheint, wie der letzte Silberschein des Mondes auf dem schimmernden Wasser.
Erst nach langen Momenten mischt sich ein zunächst beinahe unmerkliches Klingen unter die gesummten Töne, eine zarte Untermalung geformt aus den Saiten einer Laute, welche sich nach und nach zur Stütze des Liedes entwickelt um die seltsam tiefe und rauchige Stimme in sich aufzunehmen und mit ihr gemeinsam einen Augenblick zu weben der diesen Ort für eine kleine Weile verzaubert.

[img]http://fs2.directupload.net/images/150813/fqtwr33l.jpg[/img]
Unbemerkt, doch wachsam durch das Meer,
so gleitet er in seiner Kiste.
Trägt weißes Haar im Silberschein,
entflieht des Lebens Triste.

Er folgt dem Wind, dem Sternenglanz,
den Wänden, Dächern zu entschwinden.
Er sieht die Welt im Mondenschein,
hofft er doch nur sie dort zu finden.

Mit matten Farben zeichnet er,
des langen Lebens tiefren Sinn.
Doch sieht er kaum was er erschuf -
was ich ihm nun noch schuldig bin.

Sternenfahrer, tief verlorn im fahlen Licht der Nacht
suchst du den Weg, und hast ihn mir doch selber schon gebracht.
In deinen Augen seh ich schon das Funkeln dass mich rief
lass mich nur dieser Funke sein, der so lang in dir schlief.
Nur eine Nacht, nur ein Moment, nur eine kleine Ewigkeit,
gemeinsam durch das Meer der Sterne ohne Sinn und ohne Zeit.

Einsam, doch aufrecht steht er da,
so geschunden, so gelitten.
Ich seh ihn an, ich seh das Licht
und hör das stumme Bitten.

Und jede Nacht die ich verbring
fernab der Stern', des Silberscheins
Die ist verloren und so fern
Und ein Ende seh ich keins.

Weisst er auch nicht was mich umfängt,
wohin mein Stern mich führen muss.
So denk ich doch in jener Nacht
an seine Hände, seinen Kuss.

Sternenfahrer, tief verlorn im fahlen Licht der Nacht
suchst du den Weg, und hast ihn mir doch selber schon gebracht.
In deinen Augen seh ich schon das Funkeln dass mich rief
lass mich nur dieser Funke sein, der so lang in dir schlief.
Nur eine Nacht, nur ein Moment, nur eine kleine Ewigkeit,
gemeinsam durch das Meer der Sterne ohne Sinn und ohne Zeit.

Töne verklingen wie auch die leisen Schritte durchs Ufergras. Der erste Strahl der aufgehenden Sonne löst den silbrigen Schein des Mondes auf dem Wasser ab und ruft die hellen Stimmen der Tagsänger hervor - zwitschernd begrüßen sie das neue Licht und vertreiben den unwirklichen Moment zwischen Hell und Dunkel. Zurück bleibt nur eine Erinnerung und eine Spur aus bloßen Fußabdrücken im weichen Ufergrund... und eine schwarze Feder auf dem See.

Verfasst: Donnerstag 25. Februar 2016, 01:28
von Gast
Zwielichtweise


Die nebelumwobene Frühjahrsnacht durchbrechend klingt ein leises, jammerndes Geräusch durch die dunklen Gassen der Stadt, lässt eine herumstreunende Katze die Ohren spitzen und einen späten Vogel aufflattern – ein Fenster öffnet sich - blind geworden über die Zeit und kaum mehr als eine Luke an quietschenden Scharnieren.
Ein schmaler Fuß setzt sich in traumwandlerischer Sicherheit auf den Sims, welcher unter dem ungewohnten Gewicht der zarten Gestalt leise ächzt. Ein jäher Windstoß, der an der Fassade des Hauses entlangstreift bauscht den nebelhaften weißen Stoff ihres Kleides und lässt ein Frösteln zurück. Regungslosigkeit.

Lausche, lausche, Kind der Sterne,
der Wolf, er heult...

Schmale Füße suchen sich den Weg über die rauhen Schindeln hinweg, leises Knirschen begleitet jeden Schritt und geisterhaft fahl erhebt sich die kleine Person mit der Sicherheit einer Seiltänzerin auf dem Dachfirst. Das glatte Holz der Geige schmiegt sich an den hellen Hals, schmale Finger führen den Bogen und entlocken nur wenig später dem nachtvioletten Instument die ersten sanften Töne, die seltsam sehnsüchtig und anderweltlich über den Gassen des Tempelviertels schweben und sich mit dem Nachtwind verweben.

Ruh- und Rastlos wandert er
des Nachts, so weit, so weit.
Manch einer hört das ferne Heuln
ohne Antwort, ohn' Geleit.
Er trägt den Schatten weiter,
tief ins Zwielicht seiner Zeit.
Manch einer hört das tiefe Groll'n,
dass seine Seele kaum befreit.


[img]http://fs5.directupload.net/images/160225/w5m8yar5.png[/img]

Eine unwirkliche, rauchige Stimme mischt sich unter den wehmütigen Gesang der Geige, fügt sich in das Spiel aus Höhen und Tiefen, vermischt sich im Tanz der Töne zu einer seltsamen Weise des Zwielichtes. Nicht ganz von dieser Welt und doch in ihr verhaftet, ein Streif Licht am Horizont der Nacht.

Sie wandelt in der Dunkelheit
mit bleicher Haut und schwarzem Haar.
Sie ist ein Geist, ein Kind der Nacht,
die Augen nur sind sternenklar.
So wandelt sie im frischen Tau
trägt Nebel gar zum Kleide
Manch einer hört den leisen Klang
auf dämmerfahler Heide.

Nur langsam verklingen die Laute, seltsam unvollständig lässt das Lied den Lauschenden zurück und auch die kleine Gestalt auf dem Dach, welche sich gegen den dunklen Nachthimmel abhebt und das Instrument langsam senkt. Der Blick aus den silbergrauen Augen verliert sich weit hinter den Dächern an der dunklen Silhouette des Waldes und nur der Wind bewegt den fahlweißen Stoff und das hüftlange schwarze Haar in der ansonsten regungslosen Szene.

Verfasst: Mittwoch 26. April 2017, 21:54
von Gast
Dunkelsinn



Die bislang nur spärlich bewachsenen Äste der Bäume reckten sich hinauf wie die knochigen Finger einer alten Frau, schienen nach den fahl schimmernden Sternen am Firmament greifen zu wollen und hoben sich dunkel von dem nachtgrauen Himmelszelt ab. Doch so reglos, wie es zunächst schien, waren sie nicht und das leise Knarzen des Holzes mischte sich mit dem Raunen des Windes.
Schmale Füße fanden unterhalb der dunklen Silhouetten ihren Weg durch das Unterholz. Nur ein Rascheln, ein Knacksen unter der ledernen Stiefelsohle oder ein tieferer Atemzug verrieten ihre Anwesenheit, passte sich doch die dunkle Gestalt beinahe zu gut in den nächtlichen Wald ein. Das gut hüftlange schwarze Haar umfloss ihre schmale Gestalt und verwischte die menschlichen Konturen vor dem ohnehin dunklen Hintergrund...

Hörst du das Wimmern und das Pfeifen
Hoch im kranken Baumgeäst
Winde, die ins Leere greifen
Weinen dort und halten Wacht
Geister, die ihr Wissen tauschen
Rufen auf dem Düsterfest
Von den Menschen und sie lauschen
Unseren Träumen diese Nacht

Die leise Stimme singt kaum, wispert nur die geflüsterte Verse, die sich mit den nächtlichen Lauten des Waldes vermischen und sich auf seltsame Weise gänzlich einpassen... bis...

[img]http://fs5.directupload.net/images/170426/r26fsj6z.jpg[/img]


Verfasst: Mittwoch 26. April 2017, 23:31
von Lyx Landerwal
Absolution


"Ihr habt mein Leben gerettet .."


Immer und immer wieder hallten die Worte in der Gedankenwelt des Rotschopfes nach, während er mit langsamen und behutsamen Schritten nächtens durch den Wald schlich. Die Erinnerung alleine genügte bereits, um seine Arme und den Nacken mit einer feinen Gänsehaut zu überziehen; eine Handfläche an seiner Brust bemerkte darüber hinaus den beschleunigten Herzschlag. Ja, er hatte in dieser Nacht die Kontrolle kurzzeitig abgegeben und doch war alles gut, nein, sogar großartig gelaufen. Das tiefe Gefühl der Hoffnung brannte in seinem Kopf und ließ ihn einen Moment innehalten, um sich in der näheren Umgebung nach Geräuschen umzuhören. Mit angehaltenem Atem stand der Schreiberling in unauffälliger, dunkler Kleidung und einer bereits gespannten, geschulterten Armbrust in der Waldlandschaft. Er hatte also sein Schicksal gefunden: Leben retten. Ein wenig albern kam ihm dieser Gedankengang ja vor, doch wenn es bereits einmal gelungen war, wieso sollte ein weiterer Versuch dann scheitern? Das letzte Mal, so gestand er sich ein, war Glück im Spiel gewesen, weshalb es nun an der Zeit war sich in gewalttätiger Konfliktbewältigung zu schulen. Für den heutigen Abend jedenfalls war es seine Zielsicherheit, die er bei der Tierjagd auf die Probe stellen wollte und offenbar waren die Götter erpicht darauf, bei der Geburt eines Helden Beihilfe zu leisten. So vergingen nur wenige Augenblicke, bis ein leises Knacksen bereitwillig die Stille durchbrach.


Gar seltsam ist die Harmonie,
ist das Schicksal erst begraben.
Genüsslich stiehlt die Lethargie,
Geschmack, Geräusch und Farben.
Der helle Pfeifton kühlen Windes,
weicht dem dunklem Bolzenklang.
Sucht den Weg des armen Kindes
und erstickt den Abgesang.


Die Armbrust glitt dem Schützen Stück für Stück aus den Fingern, bis sie schließlich mit einem dumpfen Aufprall in der feuchten Wiese landete. Die gute Nachricht war: Er hatte sein Ziel nicht verfehlt.

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Verfasst: Mittwoch 26. April 2017, 23:46
von Gast
Abgesang



... bis... der Bolzen sein Ziel fand und den leise gewisperten Gesang unterbrach, das Brustbein der zarten Gestalt durchbrach, welche schließlich beinahe lautlos zusammenbrach und auf dem vom Mondlicht beschienen Boden zwischen Laub und Tannennadeln liegen blieb.

Was darauf zu hören war, waren lediglich die weit entfernt und doch so nah scheinenden Flügelschläge eines großen Vogels - kein Adler, nein, diese Flügel waren dunkler und die Krallen schlossen sich fester um ihre Beute. Dieses war seine Beute, gleichgültig wer sie erjagt hatte.

Von den Sternen rieselt leise
Bernsteinstaub auf Wies und Felder
Hüllt in zauberhafte Weise
Unser Land in Sternglanz ein
Und der Mond beginnt die Reise
Durch die Nacht und taucht die Wälder
In den wohlverdienten Frieden
Welt zur Ruh im Silberschein
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